Merkur – Juni 2007
Donnerstag, 31. Mai 2007
Es ist ein Vergnügen, das Juni-Heft zur Hand zu nehmen, und die einzelnen Artikel zu lesen, um die folgende Zusammenfassung zu schreiben. Seit gestern habe ich beinahe alle Beiträge gelesen und empfehle diese Ausgabe nachdrücklich zur Lektüre. Viele augenblicklich aktuelle Themen werden hier mit ihren Hintergründen erläutert: Interessant ist auch die Rezension von Reichholfs jüngstem Buch.
Das neue Heft beginnt mit einem Essay des Rechtsphilosophen Bernhard Schlink über den Verrat, dem jeder in irgendeiner Form als Verräter, als Verratener oder als Nutznießer des Verrrats bgegnet. Das ist der Stoff von Dramen, Tragödien und gebochenen Loyalitätsverhältnissen. Martin Kloke untersucht unter dem Titel > “Das zionistische Staatsgebilde als Brückenkopf des Imperialismus”, wie vor vierzig Jahren die neue deutsche Linke antiisraelisch wurde. Dimitri Zakharine ist Privatdozent am Fachbereich Soziologie und Geschichte des Universität Konstanz und geht der Frage nach, welchen Einfluß gemeinsame Saunagänge auf die russische Politik ausüben. Nebenbei geht Zakharine aber auch auf die “Reinigungsvorstellungen” für die Gesellschaft und dei Wirtschaft des heutigen Russlands ein. Er ist überzeugt: “Vom Standpunkt des westlichen Rationalismus aus gesehen, erlebt Rußland eine heilsame Wandllung, indem es zum okzidentalen Ideal des Rechtsstaats und der juristischen Sauberkeit einen eigenen Weg findet.” “Auf eine Reformation folgt eine Gegenreformation” meint Paul Krugman und schreibt ein ein Porträt des großen Ökonomen Milton Friedman. Uwe Jan Heuser betrachtet in seiner “Ökonomiekolumne” das Erbe von Milton Friedmann (1912-2006) und John Kenneth Galbraith (1908-2006).
Christian Demand fordert in seiner “Ästhetikkolumne” “Mehr Licht!” und bespricht mehrere jüngst erscheinene Bücher, die sich mit Kunst und auch mit ihrer öffentlichen Darstellung auseinandersetzen. Bernhard Schulz hat neue Bücher zur Geschichte des Dritten reiches (Hans-Ulrich Wehler, Peter Longerich, Götz Aly, Richard J. Evans) gelesen: Der Blick bleibt weiterhin auf die Frage gerichtet, ‘wie es geschehen konnte’.” Cord Riechelmann rezensiert die gerade erschienene Naturgeschichte Josef H. Reichholfs Naturgeschichte, die es für ihn ohne den Menschen nicht gibt. Damit greift er alle Klimabesorgten an, denn das Klima war nie stabil: “Mit den Instrumenten von Reichholfs Naturgeschichte sieht man in den gegenwärtigen Naturszenarien klarer, was tatsächlich geschieht,” lautet das Urteil des Rezensenten.
In den Marginalien folgen noch drei Beiträge: Frederick Crews prangert religiöse Versuche Sinnlosem Sinn zu geben an. Jacob Hessing meint in “Ödipus und Ungeziefer” “Siegmund Freund und Franz Kafka haben ein Vater-Sohn-Problem”. Und schließlich erinnert Jens Malte Fischer an Karl Kraus’ Hitler-Buch, das so grandios mißverstanden wurde.
















































Robert Spaemann wurde am 5. Mai 1927 in Berlin geboren. Er promovierte 1952 in Münster, war danach vier Jahre lang als Verlagslektor tätig und habilierte sich 1962 in den Fächern Philosophie und Pädagogik. Bis 1992 war Robert Spaemann ordentlicher Professor an den Universitäten Stuttgart, Heidelberg und München.
Zu seinen Hauptwerken zählen „Glück und Wohlwollen. Versuch über die Ethik“, “Personen. Über den Unterschied zwischen ‚etwas‘ und ‚jemand‘“ sowie „Grenzen. Zur ethischen Dimension des Handelns“.
Der »MERKUR«-Herausgeber und Essayist Karl Heinz Bohrer hat am 29. April 2007 den von der Akademie der Künste vergebenen Heinrich-Mann-Preis erhalten. Die Laudatio hielt Gustav Seibt. Der Preis ist mit 8000 Euro dotiert.
Am Mittwoch, 2. Mai 2007, fand im Literaturhaus Stuttgart eine Veranstaltung mit Robert Spaemann statt, der aus seinem jüngst bei Klett-Cotta erschienenem Band Das unsterbliche Gerücht- Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne las. Anschließend führte Michael Klett mit Robert Spaemann ein Gespräch über sein Buch und über sein Leben. Der Autor wird in drei Tagen seinen 80. Geburtstag feiern.






