Julien Gracq
Donnerstag, 26. Juli 2007… eigentlich Louis Poirier (Jg. 1910) feiert am 27. Juli Geburtstag.
Bei Klett Cotta in deutscher Übersetzung > Die Ufer der Syrten (Aus d. Franz. v.Friedrich Hagen 2. Aufl. 1997, Linson 357 Seiten, ISBN: 978-3-608-95304-6)
> Entdeckungen. Essays zu Literatur und Kritik (Versuche 2) (Aus d. Franz. v.Michael Fengler, Liselotte Eder. 1965, Englische Broschur 214 Seiten, ISBN: 978-3-12-903030-1)
Die Ufer der Syrten erzählt von der Republik Orsenna, die seit einiger Zeit ihrem Untergang entgegengeht. Erinnerungen an ihre frühere Größe halten sie noch am Leben. Der Krieg gegen Farghestan gegenüber dem Meer der Syrten, der vor 300 Jahren begann, ist ein Kalter Krieg geworden. Ado, ein Adliger, will die Lethargie überwinden.
Gracq untersucht in diesem Roman, wie der Mensch sich mit seinem Schicksal auseinandersetzt. Wie wird er sich angesichts eines Ereignisses mit unbekannten Folgen entscheiden zu handeln? Soll man sich engagieren oder abwarten? Ado wartet nicht ab und handelt er eher unbewußt, weil er mehr aus Zufall sich bei einer Ausfahrt zu sehr Farghestan nähert.
“Ce que j’ai cherché à faire, entre autres choses, dans Le Rivage cles Syrtes, plutôt qu’à raconter une histoire intemporelle, c’est à libérer par distillation un élément volatil “l’esprit-de-l’Histoire”, au sens où on parle d’esprit-devin, et à le raffiner suffisamment pour qu’il pût s’enflammer au contact de l’imagination. Il y a dans l’Histoire un sortilège embusqué, un élément qui, quoique mêlé à une masse considérable d’excipient inerte, a la vertu de griser. Il n’est pas question, bien sûr, de l’isoler de son support. Mais les tableaux et les récits du passé en recèlent une teneur extrêmement inégale, et, tout comme on concentre certains minerais, il n’est pas interdit à la fiction de parvenir à l’augmenter.” > Julien Gracq
“Anstatt eine zeitlose Geschichte zu erzählen, habe ich Die Ufer der Syrten versucht, durch eine Art Destillation dieses flüchtige Moment des “Geites der Geschichte” zu befreien und zwar in dem Sinne, wie man von einer Vorhersage spricht, um sie dann etwas raffinierter darzustellen, damit sie die Phantasie beflügeln kann. Es gibt in der Geschichte einen versteckten Zauber, der wenn er auch unter eine beträchtlichen Masse lebloser Bestandteile verborgen ist, immerhin noch benommen machen kann. Keine Frage, es geht nicht darum, ihn dort herauszulösen. Aber die Bilder und die Geschichten zeigen einen ungleichen Inhalt, so wie man einige Mineralien unterschiedlich konzentriert, ist es der Fiktion nicht verboten, ihn zu erhöhen.” > Julien Gracq
Julien Gracq (1910) stammt aus St. Florent-le-Vieil. Für Le Rivage des Sytres erhielt der 1951 den Goncourt Preis, den er ablehnte. Zu seinem umfangreichen Werk – mehr als 18 Bücher – gehören u. a. Au château d’Argol (1938), Un balcon en forêt (1958), Les Eaux étroites, récit (1976), zahlreiche Aufsätze zur Literaturkritik sowie seine Cahiers: Carnets du grand chemin (1992).
> Julien Gracq Verlag José Corti, Paris


























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Anfang des Monats ist das Juli-Heft des Merkur erschienen. Was heißt unabhängig denken? fragt Karl Heinz Bohrer und erklärt “Ein freier Geist muß nicht immer subversiv sein.” Sein Gewährsmann heißt Montaigne, der wie Bohrer schreibt, “die Rücksichtslosigkeit gegenüber gelehrtem Wissen expressis verbis zum Prinzip erhoben” hat. Es ist die Formel “Momentanismus der Existenz”, mit der Bohrer die Unrast Montaignes und seine stete Absage an alles Festgefügte beschreibt, was Bohrer auch als eine vorweggenommene Absage an die Adresse des deutschen Idealismus versteht. Damit ist auch die Modernität Montaignes gemeint, die nicht unbedingt nur am Inhalt seiner Essais erkannt wird, sondern auch an ihrer Form, mit der Montaigne eine neue Gattung begründete. Friedrich Schlegel darf auch aufgrund seiner Entdeckung der Autonomie des Ästhetischen mit dem Intellektuellen Montaigne auf eine Stufe gestellt werden. Nietzsche gehört zu ihnen, weil er die Unabhängigkeit des Denkens als die erste Tugend des Denkens überhaupt thematisiert. Alle drei stellten keine Sinnfragen, sondern Formfragen, denen heute nachzustreben wäre, so Bohrer.
Heute nachmittag habe ich mit dem Verleger Michael Klett über das Herbstprogramm von Klett-Cotta gesprochen. Bei diesem ersten aufgezeichneten Gespräch ging es zunächst um zwei Neuerscheinungen im literarischen Programm von Klett-Cotta. Dann haben wir uns das historische Programm des Verlages angesehen. 




