Verlagsblog

Archiv für September 2007

Bei Sieg und Niederlage: Champagner!

Freitag, 28. September 2007

ChampagnerNapoleon soll über den Champagner gesagt haben: „Bei Siegen hat man ihn verdient, bei Niederlagen braucht man ihn.“ Wohl kaum ein Getränk der Welt, und was für eins!, ist so eng durch die Jahrhunderte hindurch mit dem Land seiner Entstehung und Herkunft wie vor allem mit der Geschichte der Region verbunden, die ihn erfunden und immer mehr verfeinert hat. Don und Petie Kladstrup haben die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke, des > Champagners geschrieben. Geheimdiplomatie, Macht, Leidenschaft, Lieb, Abenteuer und Intrigen jeder Art in einem Land, das von der feierlichen Krönung der Könige in Reims bis zu Überfällen, Verwüstungen durch die Jahrhunderte hindurch bis zu den Schlachten der beiden Weltkriege immer wieder dramatischer Mittelpunkt des Geschehens war, sind in gewisser Weise ein fester Bestandteil dieses Getränks zumindest in der Erinnerung aller Legenden, die sich um seine Entwicklung ranken. Ohne Champagner gibt es auch keine vollständige Geschichte der Champagne. Angesichts der Plünderungen durch die russischen Soldaten in Folgen der napoleonischen Niederlagen blieb Jean-Rémy Moët völlig ruhig: „Qui a bu, boira,“ er sollte Recht behalten, bald kannten Staatschefs aus allen Ländern die Köstlichkeiten seiner Keller. Die Lektüre vermittelt historische Kenntnisse, manchen Einblick in die Herstellung des Champagners und das Bedürfnis, am besten ganz bald wieder in die Champagne zu reisen.

Kladstrup, Don und Petie
> Champagner. Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke

Novitäten

Donnerstag, 27. September 2007

Klett-Cotta-NovitätenGerade kam ein Päckchen mit diesem Aufkleber an: Neuer wunderbarer Lesestoff. Das sind keine Bücher, in denen einzelne Ereignisse bis in alle Verzweigungen untersucht werden, beide Bücher zeichnen sich dadurch aus, daß sie ein Überblickswissen über zwei wichtige Epochen vermitteln. Aus diesem Grund sind sie für Studenten aber auch für Schüler sehr gut geeignet. So manchem Referat dürften diese Bücher eine sehr nützliche Grundlage bieten. Ich durfte schon einen Blick in die Vorausexemplare werden und die Fragen für ein Gespräch mit dem Lektor von Peter Heather, (> Der Untergang des Römischen Weltreichs) Christoph Selzer, liegen schon bei ihm auf dem Schreibtisch, und mit Gregor Weber, der seit 2003 an der Unniversität Augsburg lehrt, werde ich auch demnächst ein Gespräch für dieses Blog über die Kulturgeschichte des Hellenismus führen.

Peter Heather Gregor Weber (Hg.)

Kurz vor dem Sommer hatte ich Gelegenheit mit dem Verleger, Michael Klett, über > einige Titel des Herbstprogramms zu sprechen, darunter auch die beiden hier genannten Novitäten.

Die Briefe von Jean Améry

Mittwoch, 26. September 2007

Jean Améry - BriefeGerade ist der 8. Band der Werke von Jean-Améry mit
> Ausgewählten Briefen von 1945 bis 1978 erschienen.

Keinen anderen Autor habe ich so oft im Radio gehört wie Jean Améry. Wie vertraut ist mir auch heute noch seine Stimme, die in den siebziger Jahren im Radio meist in der Sendereihe „Am Abend vorgestellt“ zu hören war. Über sein Judentum berichtete er, über Auschwitz, über die Folter und dann über die Jahre nach der Befreiung, als er sich durch das Schreiben eine neue Existenz aufgebaut hat. „Wie bitter nötig hätten wir heute Männer wie ihn …,“ sagte er über Lessing. Und später folgten seine vielen Essays über „Bücher aus der Jugend unseres Jahrhunderts“ und über amerikanische Autoren.

Der Band mit seinen Briefen an Maria Leitner, seine zweite Frau, an Freunde der dreißiger Jahre, Ernst Mayer und Erich Schmid, an Helmut Heißenbüttel, an Heinz Paeschke, an seinen Lektor Hubert Arbogast und viele andere gewährt einen beeindruckenden Einblick in seine essayistische Arbeit. Er nennt seinen Sorgen und reflektiert über die Wirkung seines Werkes. Seine ersten Briefe nach 1945 an Maria Leitner vermitteln einen ganz bewegenden Eindruck seiner Situation unmittelbar nach den „Jahren der Niedertracht“, wie er die gerade vergangenen Jahre noch in seinem letzten Brief an seine Frau kurz vor seinem Freitod nennt. Die Folter und die erlittenenen Gemeinheiten sind für alle, die solche Erfahrungen machen müssen, nie abschließend zu verarbeiten. Nahezu alle seiner Schriften lassen die Erinnerungen an diese Erlebnisse erkennen, denen er nur die Unabhängigkeit des Intellektuellen, des Essayisten und die Beschäftigung mit der Literatur entgegensetzen konnte.

Diese Briefe an vertraute Freunde, an Schriftsteller und seinen Lektor lesen sich wie ein Tagebuch – die Briefe seiner Adressaten sind in diesem Band nicht enthalten – mit dem er den intellektuellen Austausch mit ihnen und alle Themen seiner essayistischen Arbeit dokumentiert. Zwei Texte Der verlorene Brief (1976), Zwischen Vietnam und Israel (1967) sind Positionsbestimmungen, die die in Kapitel eingeteilte Briefsammlung vorzüglich ergänzen: „Der Brief zwingt uns zur Artikulation unserer Gedanken, die wir es bei Kleist heißt, beim Schreiben allmählich verfertigen,“ schreibt er 1976, „er gibt uns Gelegenheit zur Selbst-Konstituion.“ In diesem Sinn gehören die Briefe zu seinem Werk und das mildert ein wenig das immer so bekannte ungute Gefühl, wenn man einen Blick in die private Korrespondenz anderer werfen darf.

Die Briefe werden in diesem von Gerhard Scheid herausgegebenen Band durch die Biographischen Anmerkungen zu den Adressaten – S. 607-633 – im Anhang erschlossen.

Jean-Améry, > Werke bei Klett-Cotta

Der Rote Baron

Mittwoch, 26. September 2007

Der Rote BaronZu Recht hat diese Biographie den Untertitel Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen erhalten. Erzählt wird seine militärische Laufbahn, seine Ausbildung zum Jagdflieger, viele Details seiner Luftkämpfe, in deren Verlauf er 80 gegnerische Flugzeuge abgeschossen hat, bevor er am 21. April 1918 selbst nach seinem Abschuß den Tod fand.

Noch immer gibt es in bezug auf die Person Richthofen „einen grassierenden Positivsmus“, der aber die Kernfrage unberücksichtigt läßt: „Wodurch wurde Richthofens ungeheuerliche Motivation in seinem Wesenskern letztendlich gespeist?“ (S. 21) Kreise, die Richthofen weiterhin als „‚Ritter der Lüfte'“ feiern wollen, müssen, so der Autor in seinem 1. Kapitel, nicht weiterlesen, bestehe doch die Gefahr, dass die Lektüre seines Buches das überlieferte Richthofen revidieren wird.

Die Frage ist also, was „Heldentum“ mit dem Offizier „Manfred von Richthofen“ zu tun haben könne, der während des Ersten Weltkriegs mit einem rot angestrichenen Jagdflugzeug feindliche Flugzeuge abschoß? Castan geht in seinem Buch der Frage nach, wie Richthofen zum „Helden“ gemacht wurde, wer sich seiner Geschichte bediente, und warum der Mensch Richthofen darüber vergessen wurde. (S. 26)

Die Ausbildung zum Offizier geht für Richthofen in den Ersten Weltkrieg über. Er befreit sich aus dem Stellungskrieg um Verdun durch seinen Eintritt in die Fliegertruppe. 1915 ist Flugbeobachter, darf 15 Flugstunden absolvieren. Es folgt ein Schnellkurs im Fliegen, den er in Großenhain bei Dresden absolviert, und er darf abheben an der Ostfront fliegen und Feindaufklärung betreiben. Ab März 1916 gehört er zur 8. Kampfstaffel des 2. Kampfgeschwaders bei Verdun. das erste Flugzeug schießt er am 26. April 1916 ab. Immer wieder fährt Richthofen nach einem Abschuß zu den Absturzstellen, um sich die Kennungen aus der Bespannung zu schneiden, mit denen er sein heimatliches Jugendzimmer schmückt. Um die Jahreswende´1917 kommt er auf die Idee, sein Flugzeug ganz unmilitärisch rot zu lackieren. Im Verlauf der folgenden Monate werden seine Flugzeuge immer wieder ausgewechselt und umgebaut, technisch verfeinert. Die Propagandamaschine des Kaiserreichs schweigt nicht und bringt das Bild Richthofens millionenfach als Postkarten und Zeitungsbilder unters Volk und schafft so den Richthofen-Mythos.

Am 6. Juli 1917 wird er abgeschossen. Seine Kopfverwundung hinterläßt ihre Spuren auch in seinem Verhalten, was Castan durch seine Schilderungen unterstützt. Als er im Februar 1918 den Fockker-Dreidecker erhält, haben die Deutschen ihre Lufthoheit längst verloren. Was folgt sind Rückzugsgefechte mit dem steigenden Verlust von Menschenleben und hohem Materialeinsatz. Am 20. April schießt er sein 80. und letztes Flugzeug ab. Schon 1917 erscheint in seinen Berichten sein Wunsch, abgeschossene Gegner brennend abstürzen zu sehen: „Wie kann man einen solchen Sadismus psychologisch erklären?“ fragt Castan und deutet dies so: „Hinter diesem durchgedrehten Verhalten stand – psychologisch gesehen – die panische Angst, einmal selbst den grausamen Flammentod zu erleiden.“ (S. 231) Alle Erklärungsversuche auch die verstreuten Geschichte über seine Ritterlichkeit dem Feind gegenüber helfen nicht weiter. Castan: „Auch Richthofens Manie, den Gegner möglichst in Flammen abstürzen zu lassen und auch seine Kameraden auf diese Methode ‚abzurichten‘, kann als ein trauriger Endpunkt einer seelischen Entmenschlichung angesehen werden.“ (S. 231)

Am 21. April 1918 wird er abgeschossen. Die Umstände sind nicht genau geklärt, möglicherweise wurde er durch einen Herzschuß getötet. Ende 1918 war der Richthofen-Mythos weitgehend verschwunden. Im November 1925 werden seine sterblichen Überreste auf dem Berliner Invalidenfriedhof beigesetzt. „Postume Heldenkulte, 1919 bis heute“ ist das vorletzte Kapitel überschreiben, da letzte Kapitel „Richthofen – Held, Mensch und Mythos“ erinnert an seinen „alles dominierenden Jagdinstinkt“, der in der Wahl des Ziels die Unterschiede zunehmend vergaß.

Castans Biographie ist eine spannend erzählte Zeitgeschichte, die ein individuelles Schicksal beschreibt, wie Richthofen in die Ereignisse hineingezogen wird, mit wem er Kontakt hat, welchen Vorbildern er selber nacheifert und wer von dem Mythos des unbesiegbaren Helden und Jagdfliegers profitiert hat. Eine nüchterne Betrachtung, so wie Castan sie verfaßt hat, kann den Wahn des Heldentums nicht erklären, aber zumindest zeigen, wie man während des Ersten Weltkriegs und danach aus blutigen Kriegstaten, wenn man die Person selber vergißt, Heldentaten machen konnte.

Joachim Castan
> Der Rote Baron. Die ganze Geschichte des Manfred von Richthofen

Rezension:

> Kratzer am Mythos des Roten Barons SPIEGEL online

Klett-Cotta auf der Frankfurter Buchmesse 2007
10.-14.10.07

Dienstag, 25. September 2007

Der Stand von Klett-Cotta ist in Halle 3.1, Stand D 181. Dort können Sie sich über alle Programmbereiche von Klett-Cotta informieren – von Literatur und Sachbuch bis zu Management, Psychotherapie, Psychologie, Geschichte und Philosophie. In der Fantasy-Abteilung werdne neben vielen Tolkien-Titeln und den neuen Büchern von Tad Williams auch weitere Bücher aus unserem Fantasy-Programm gezeigt.

Die Messe ist an den Besuchertagen geöffnet am:
Samstag, 13. Oktober, 9.00 – 18.30 Uhr
Sonntag, 14. Oktober, 9.00 – 17.30 Uhr
(für Fachpublikum bereits ab 10. Oktober)

Jon McGregor, So oder so

Freitag, 21. September 2007

So oder soSchon der Anfang ist spannend geschrieben. Zuerst wird die Zeit der Handlung, dann der Ort, das Ziel des Weges, dann die Menge der beteiligten Personen, dann die topographische Situation der Handlung und schließlich der Empfang in der Stadt vorgestellt. Dann erscheint Mary Friel, die, und jetzt wird das Ereignis beim Namen genannt, mit ihrem Vater zum ersten Mal auf den Gesindemarkt gekommen ist. Tommy macht sich auf die Reise als Jungknecht nach England. Mary nimmt eine Stelle in London an. Später bekommt sie heimlich ein Kind, das ihr schon im Krankenhaus weggenommen wird. Nach ihrer Rückkehr heiratet sie und bekommt vier weitere Kinder. Soweit der Prolog. Später muß es dann passieren, David mittlerweile erwachsen, erfährt die Wahrheit. Aber Julia, die damals im Kreißsaal mit dabei war und später seine Tante wurde, kann sich nicht mehr an Einzelheiten erinnern. David macht sich auf die Suche nach Mary. Was folgt, sind die Nach dem Regen Entdeckungen über Jahre hinweg, die Stück für Stück seine Identität wiederherstellen. Auf diese Weise gelingt es Jon McGregor, zwei Handlungsstränge nebeneinander zu schreiben: Das alltägliche Leben von David und die Suche nach seiner Herkunft. Die Übergänge zwischen diesen beiden Geschichte stellen eine besondere Spannung in diesem Roman her, die durch die Beobachtung der Personen und ihrer Reaktionen ergänzt wird. Zum Durchblättern kommt es erst gar nicht. Eine Lektüre, die nicht viele Unterbrechungen duldet.

Jon McGregors erster RomanNach dem Regen ist auch bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Anke Caroline Burger auf deutsch erschienen.

Die Buchpremiere von „Errötende Mörder“ im Kölner

Freitag, 21. September 2007

Brigitte KrinauerGestern abend fand die Buchpremiere von Brigitte Kronauers neuem Buch „Errötende Mörder“ im > Kölner Literaturhaus statt.

Mit etwa 160 Zuhörern war das Literaturhaus nahezu überfüllt, alle Reservestühle, die noch aus den letzten Winkeln geholt wurden, waren besetzt. Wend Kässens hat als Moderator die Lesung mit vielen eingeschobenen Gesprächsanteilen aufgelockert und so einen Einblick in die verschiedenen Bestandtteile des vielschichtigen Romans ermöglicht. Nach der fast zweistündigen Veranstaltung gab es noch eine lange Schlange vor dem Signiertisch und schließlich noch ein Glas Wein.

Am 25.09. 2007 liest Brigitte Kronauer 20.30 Uhr im Rahmen der Sendereihe „Autoren lesen“ von NDR Kultur, in Zusammenarbeit mit dem > Literaturbüro Hannover e.V., Literatur-Etage im Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover.

Archivfoto: Heiner Wittmann

70 Jahre The Hobbit: Vom Kinderbuch zum Kult

Freitag, 21. September 2007

Der Hobbit oder Hin und zurück„Vor 70 Jahren, am 21. September 1937, öffneten sich für die Öffentlichkeit erstmals die Buchdeckel zur wichtigsten aller imaginären Welten: Mittelerde. Mit dem Satz „In a hole in the ground there lived a hobbit“ begann ein neues und über alle Maßen einflussreiches Kapitel der Literaturgeschichte. Die Geschichten, die mit dem kinderbuchartigen Hobbit begannen, wurden zum einflussreichsten Werk des Fantasy-Genres und reichen in ihrer Wirkung weit über die eigentliche Fantasy hinaus. Eines der meistgelesenen Bücher, darauf basierend einer der meist gesehensten Filme, vielfach und bis auf nationale Ebenen hinauf zur beliebtesten Lektüre gewählt, die eine Adaption mit Oscars überhäuft und ein nahezu jedem Menschen bekanntes Icon der Populärkultur – all dies begann mit The Hobbit, “ schreibt Frank Weinreich auf der Website > www.Phantastik-Couch.de von Lars Schafft, wo Sie den vollständigen Beitrag von F. Weinreich finden.

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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