Verlagsblog

Archiv für Januar 2008

Tropen Verlag (II): Die Festung der Einsamkeit

Mittwoch, 30. Januar 2008

Die Festung der EinsamkeitEigentlich wollte ich über das nächste Buch aus dem > Bücher-Paket vom Tropen erst schreiben, wenn ich es ganz gelesen habe. Das wird noch kommen, aber schon jetzt soviel: Ich habe wieder ein Buch in der Hand, das auf dem Stapel gerade zu lesenden Bücher ganz oben liegt. Es geht um Dylan Ebdus, dessen Vater Maler ist, und die Familie ist nach Brooklyn gezogen. Wie behauptet sich Dylan in seiner neuen Umwelt? Was stößt ihm zu, wie wehrt er sich? Die Wohnblöcke mit ihren unsichtbar aufgeteilten Bezirken, die Dylan mit 5 Jahren kennenlernt, sind der Schauplatz der Spiele, die hier im einzelnen aufgezählt und mit einer solchen Genauigkeit beschrieben werden, so daß die Geschichte wie ein Film vor den Augen des Lesers abläuft. Zu den Spielen gehören natürlich Ballspiele aller Art: „Wandball, Schlagball, Stufenball, Football“ S.27 und auch > Skully, S. 34 ff. Die Spielenamen und den durch die Regeln mitgebrachten Ernst in das Spiel der Kinder erinnert mich an die Aufzählung der Spielenamen in Rabelais‘ Tiers Livre. Neue Kinder wie Robert Woodfolk tauchen auf, ohne dass gleich gesagt wird, woher sie stammen. Es kommt zum Streit mit Henry, beide prügeln sich. „Dylan konnte nie unterscheiden, ob er dabeigewesen war und es selbst gesehen hatte, oder ob er alle Details nur gehört hatte, als Legende aus dem Mund der anderen Kinder.“ S. 46 Und dann die Geschichten aus der Schule: „Miss Lupnick las Geschichten so langsam vor, daß es eine Qual war.“ S. 38. – Demnächst geht’s mit Dylan weiter.

Jonathan Lethem
> Die Festung der Einsamkeit
trojanische pferde 14, Roman, Deutsch von Michael Zöllner, 672 Seiten

Ein Interview mit Javier Marías

Mittwoch, 30. Januar 2008

Tobias Wenzel hat mit Javier Marías über sein Opus magnum „Dein Gesicht morgen“ gesprochen:

> Wenn der Freund zum Verräter wird
Deutschlandradio Kultur.

Der dritte und letzte Band von „Dein Gesicht morgen“ wird voraussichtlich im Frühjahr 2009 wie die anderen Übersetzungen seiner Bücher bei > Klett-Cotta erscheinen.

Tropen Verlag (I): Schatten ohne Namen

Montag, 28. Januar 2008

Schatten ohne Namen> Das Paket von Tropen ist angekommen, und ich habe Schatten ohne Namen von Ignacio Padilla zuerst gelesen: In diesem Buch geht es um Identitäten, die absichtsvolle Verwechslung, wie jemand den Lebensweg eines anderen übernimmt, ihn aus den Augen verliert, später werden die Erinnerungen und die Ereignisse wieder zusammengeführt und dies immer vor dem Hintergrund des Krieges. Ignacio Padilla untersucht die Reaktionen der Protagonisten, ihre Motive und ihre Integrität in Zeiten totalitäre Herrschaft. Viktor Kretzschmar und Thadeus Dreyer spielen während einer Zugfahrt an die Grenze des Habsburgerreiches mitten im Ersten Weltkrieg eine Partie Schach. Der Gewinner soll Kretzschmars Identität als Weichensteller in der Provinz annehmen, der Verlierer muß an die Ostfront reisen, von der es wahrscheinlich keine Rückkehr geben wird. Dreyer gewinnt und richtet sich als Weichensteller ein, gründet ein privates Eisenbahnmuseum, um sich mit seiner gewonnenen Identität nachhaltig vertraut zu machen. Aber ein Zugunglück, an dem er nicht ganz unschuldig zu machen, bringt ihn ins Gefängnis.

Später taucht Thadeus Dreyer wieder auf und trifft Franz Kretzschmar, den Sohn seines einstigen Gegners. Dreyer ist der Ostfront entkommen und nun ein hochdekorierter Kriegsheld, der für ein Doppelgängerprogramm verantwortlich ist, das die Vertretung ranghoher Nazis bei riskanten öffentlichen Auftritten organisiert. Schatten ohne Namen ist ein spannender Roman, der die Schicksale der Protagonisten aus verschiedenen Perspektiven verfolgt. Einige Personen begegnen sich über Jahrzehnte hinweg immer wieder, einige greifen in das Geschehen ein, andere werden nur mitgerissen, alle gemeinsam können dem Grauen nicht entkommen.

Ignacio Padilla
Schatten ohne Namen
trojanische pferde 24
Tropen Verlag bei Klett Cotta
Roman
Deutsch von Frank Wegner
192 Seiten, gebunden mit SU
ISBN 978-3-932170-84-3

Die Zukunft der Buchhändler

Donnerstag, 24. Januar 2008

> „Steht die Entwertung des Berufs Buchhändlers bevor?“ Diese Frage war am 23. Januar 2008 das Thema einer Diskussionsrunde der Initiative Pro Buch München in der Münchner Seidlvilla, über die das Börsenblatt berichtet. 100 Zuhörer kamen zu der Veranstaltung, um sich die Zukunftsperspektiven des Buchhandels anzuhören. Schade, ich war nicht in München dabei und kann jetzt nur auf den Beitrag im Börsenblatt hinweisen. Aber weil Matthais Schwenk mir heute dazu gerad ein Mail geschickt hat, mache ich aus diesem Thema doch mal mal einen Beitrag für diesen Blog.

Matthias Schwenk hat sich auf seinem Blog > bwl zwei null skeptisch über die > Zukunft der Buchhändler geäußert. Auf der Leipziger Buchmesse wird Matthias Schwenk am 14.03. im „Forum Zukunft“ (Halle 5, B500) von 13:00 bis 13:30 Uhr über das Web 2.0 für Verlage und von 15:00 bis 15:30 Uhr zum gleichen Thema für Buchhändler sprechen.

Ich glaube nicht so ganz an seine Perspektiven, die mir in seinem Beitrag als zu düster erscheinen. Der Online-Bereich ist eine Ergänzung für Buchhändler, der geschickt genutzt mit allen Möglichkeiten, die das Medium bietet, den Buchhandel eher aufwerten kann und wird: Berichte, Fotos, Veranstaltungshinweise, sogar > Interviews sind heute leicht in eine Website zu integrieren. Es gibt eine Redewendung, die an die Schulpädagogik erinnert: Wenn der Kunde weniger in den stationären Buchhandel geht, dann muss man ihn eben im Online-Bereich abholen. Und da das Internet auch eine nicht zu unterschätzende lokale Bedeutung hat, dürfen Buchhandlungen bloß wegen der Existenz des Internets keinesfalls unterbewertet werden; im Gegenteil, sie könnten das Internet mehr für sich nutzen. Viele die kritisch über schlechte Aussichten für Buchhändler schreiben, waren vielleicht lange nicht mehr in einer Buchhandlung, wo ein ausgesuchtes und profilstarkes Sortiment angeboten wird, wie zum Beispiel in der > Buchhandlung von Claudia Leutner im Gebäude des > Stuttgarter Literaturhauses, die nun einmal mit ihrem literarischen Angebot auf einem überschaubaren Raum den großen Ketten überlegen ist, weil man bei Ihr nicht die schnellen Regaldreher in Hundertstückzahlen angucken muß, sondern weil sie auch die ausgesuchten Titel und sogar viele davon signiert vorrätig hat.

Man darf das Medium Internet natürlich auch nicht ausschließlich als Verkaufskanal betrachten, sondern muß auch dessen Möglichkeiten berücksichtigen, Kunden Informationen, die sie zum Kauf eines Buches führen, vermitteln. Möglicherweise wird sich das Berufsbild von Buchhändlern weniger verändern, sondern durch eine Online-Komponente ergänzen. Die Beteiligung der Leser auf Internet-Seiten und der Dialog, der durch solche Formen mit Buchhändlern entsteht, bietet bereits neue und nützliche. In diesem Zusammenhang: Ich lese gerade dei Doktorarbeit von Etienne Candel, der > Leserrezensionen im Internet serh eingehend analysiert hat. Eine Besprechung seiner Arbeit folgt in Kürze.

LE MONDE hat die Biographie über Jean Améry rezensiert

Freitag, 18. Januar 2008

Jean AméryJean AméryLE MONDE hat in ihrer heutigen Ausgabe (18 janvier 2008) unter dem Titel > L’homme qui n’a pas connu la paix. Une lumineuse biographie de Jean Améry, le ‚philosophe suicidé‘ eine Rezension von Christine Lecerf der Übersetzung der bei Klett-Cotta erschienenen Biographie über > Jean-Améry von Irene Heidelberger-Leonard veröffentlicht. Der Band ist im Verlag Actes Sud in Frankreich in der Übersetzung von Sacha Zilberfarb erschienen, der auch verschiedene Titel von > Jean Améry auf französisch veröffentlicht hat.

Jean AméryChristine Lecerf hebt die gelungene Mischung aus „Empathie und kritischer Distanz“ hervor, mit der Irene Heidelberger-Leonard diese Biographie verfaßt hat. Sie gibt dem Améry wieder ein Gesicht, der, „der nur seine 45 Kilogramm in einem gestreiften Hemd retten konnte“. Mit seinem durchdringenden Blick unter seinen dichten Augenlidern tritt Améry hier aus dem Schatten heraus dank der minutiösen Arbeit der Biographin, ihren Gesprächen und ihrer Archivarbeit. Und Lecerf erinnert daran, daß seine klar verständlichen Essays wieder gelesen werden müssen. Und sie hebt auch mit wenigen Worten die österreichische Kultur vor der Besetzung und seinem persönlichen Exil als Verlust hervor, den Améry nie überwunden hat. Diese österreichische Identität konnte nicht wiedererschaffen werden. Primo Levi hatte gesagt, dass Amérys Leben in der Spannung zwischen seinem urspünglichen Namen, Hans Mayer, und seinem Pseudonym verlaufen sei. In seinem Leben habe er keinen Frieden gekannt und ihn nicht gesucht. – Wie oft habe ich die Stimme Jean-Amérys z.B. in den Sendungen Am Abend vorgestellt im WDR III gehört, wenn er von seinem Judentum, von seinen Überlegungen zum Begriff Heimat oder von den Büchern aus der Jugend unseres Jahrhunderts berichtete.

Bei Klett Cotta erscheint eine Gesamtausgabe der Werke von Jean Améry.

Irene Heidelberger-Leonard
> Jean Améry. Revolte in der Resignation
Biographie, 2., durchgesehene Aufl. 2005, gebunden mit Schutzumschlag, mit 48 s/w Abbildungen, Seiten: 408, ISBN: 978-3-608-93539-4

Früher veröffentlichte Beiträge auf diesem Blog:

> Heinz Eppenich rezensiert die Biographie
über Jean Améry von Irene Heidelberger-Leonard

> Jean Améry, Die Schiffbrüchigen

Das Bild von Jean Améry stammt von Isabel Klett.

Das Paket von Tropen ist angekommen

Montag, 14. Januar 2008

TropenHeute morgen ist ein großes Paket angekommen. 10 Bücher von > Tropen. > Die Mutanten des Kreml von Elen Tregubova. Mein Leben in Putins Reich, heißt der Untertitel, und sie beschreibt ihren Start als Journalistin in Rußland just zu dem Zeitpunkt, als der unabhängige Journalismus dort möglich wurde, bis zu dem Moment, wo er wieder zu Ende war. – Massimo Carlotto hat Arrivederci amore, ciao geschrieben. Es geht um einen jungen Mannes, der nichts zu verlieren hat, und um den Blick n die Abgründe einer dunklen Seele. „In einer Welt voller Korruption und globalisierter Kriminalität hinterlässt der grausame Held auf seinem Weg in die bürgerliche Existenz eine Spur des Todes,“ steht auf dem Cover. – Gibt es Trolle wirklich? Angel, der Fotograf hat einen gefunden und Johanna Sinisalo hat die Geschichte Troll. Eine Liebesgeschichte erzählt. – Im Paket ist auch das Buch von Michael Hvorecky, > City. Der unwahrscheinlichste aller Orte, der letzten November anläßlich der Stuttgarter Buchwochen dort aus seinem Band gelesen hat. – > Die Festung der Einsamkeit von Jonathan Lethem erzählt über Freundschaft und Erwachsenwerden im Großstadtdschungel von New York. Außerdem war noch fünf andere Bücher im Paket, darunter auch Ignacio Padillas Roman Schatten ohne Namen war auch im Paket. Damit werde ich anfangen, um hier einige Bücher des Tropen-Verlags vorzustellen.

„Wir werden wachsen“

Montag, 7. Januar 2008

… so lautet die Überschrift in der taz über dem Gespräch, das Wiebke Proromka mit Tom Kraushaar (Klett-Cotta) und Wolfgang Farkas (Blumenbar-Verlag ) geführt hat.

W.P.: „Für das Tropen-Programm waren Sie und Michael Zöllner die Spezialisten. Das war es ja gerade, was den Tropen-Verlag ausgezeichnet und sein Profil ausgemacht hat. Es erstaunt mich, wie gelassen Sie das aufgeben.“

Kraushaar: „Sehen Sie einfach mal die andere Seite. Zunächst ist es eine große Bereicherung, dass man sich jetzt auch mit Autoren wie Jünger oder Benn auseinandersetzen kann, die zum Klett-Cotta-Programm gehören. Dazu kommt die Unterstützung durch die Kollegen in der Presse- und Marketingabteilung, mit der man einen Titel groß machen kann. Das ist doch genau das, was man als Verleger will. Da geht es nicht um so etwas Abstraktes wie ein Unternehmen oder darum, ob das jetzt ein großer Verlag oder ein Kleinverlag ist. und „Wenn wir mit Tropen dazu beigetragen haben, die Verlagskultur zu verändern, dann war das nicht unsere primäre Absicht. Ein Verlag ist immer ein Mittel. Der Zweck sind die Bücher und die Literatur.“

> „Wir werden wachsen“

Wege der Freiheit: Jean-Paul Sartre und Ernst Jünger

Sonntag, 6. Januar 2008

Jan Robert Weber, Freie Universität Berlin im Gespräch mit Peter Knopp,
Sartre Gesellschaft.

Zeit: Donnerstag, 14. Februar 2008, 18 Uhr 30
Ort: FU Berlin (Rostlaube), Habelschwerdter Allee 45, Raum JK 28/112

Jünger und Sartre hat man immer als Antipoden und in gegensätzlichen gesellschaftlichen und politischen Lagern situiert.

In zwei Kurzvorträgen und in einer anschließenden Debatte zwischen den Referenten sollen die überraschenden Gemeinsamkeiten zweier bedeutender Schriftsteller und Denker des 20. Jahrhunderts gezeigt werden. Beider Leben und Werk stand im Zeichen einer Freiheit, die sie auf sehr verschiedenen, doch auch subtil miteinander verbundenen Wegen leben wollten.

Im Zentrum der Erörterungen stehen die Kriegstagebücher: Jüngers > Strahlungen und Sartres Les carnets de la drôle de guerre sowie die Positionsbestimmungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die in Sartres Existentialismus und in Jüngers Essays Über die Linie und Der Waldgang deutlich werden.

Ein Blick gilt auch dem Anarchismus und den ihm nahestehenden Verhaltens- und Lebensmodellen, die für Sartre und Ernst Jünger von Anfang an und bis in ihre letzten Jahre hin bedeutsam geblieben sind. Im Spätwerk > Eumeswil zeichnet Jünger noch einmal die Gestalt des freien Anarchen und Sartre setzt auf eine Gesellschaft, „in der kein Mensch irgendeine Macht über einen anderen Menschen besitzt“, eine Gesellschaft der Brüderlichkeit und der Transparenz.

Jan Robert Weber schließt seine Promotion über Ernst Jüngers Reiseessays im Frühjahr 2008 an der FU Berlin ab.

Peter Knopp arbeitet als freier Autor für verschiedene Rundfunkstationen (Essay, Hörspiel).

> Ernst Jünger – Website von Klett-Cotta

> Sartre-Gesellschaft

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