Verlagsblog

Archiv für Februar 2008

Tropen Verlag (V): Resignation oder Aufbruch?

Mittwoch, 27. Februar 2008

Goodbye TristesseCamille de Toledo (Jahrgang 1976) heißt eigentlich Alexis Mital und ist der Enkel des Gründers der Danone-Gruppe in Frankreich. In seinem Buch Goodbye Tristesse legt er Bekenntnisse eiens unbequemen Zeitgenossen vor. Er zählt alle heutigen wirtschaftlichen, politischen Fragen und Probleme im Zeichen der Globalisierung auf und vermittelt den pessimistischen Eindruck, daß jeder Widerstand aufgrund Vereinnahmungen aller Art aussichtslos erscheint. „Meine Seele hat Asthma“, schreibt de Toledo im ersten Satz und meint damit: „Die Gegenwart bereitet mir Schmerzen.“ Sein Unbehagen ist ein diffuses Gefühl eingesperrt zu sein. Eine Art Endzeitstimmung taucht bei ihm auf und Desillusionierung, Rückzug, Hoffnungslosigkeit und Lachen sind die Folgen. Welche Art von Opposition bleibt dann noch? Der künstlerische oder der gesellschaftliche Protest? De Toledo versucht sich an seien letzten Jugendjahre zu erinnern, was hat ihn geprägt? Wie kam es zu dem Gefühl, verraten worden zu sein? Auch das Internet mit einer Vorspiegelung des Lebens als Information hat dazu beigetragen, daß alte Kategorien wie Sein und haben sich auflösen. Vieles scheint zwischen „Virtualität und Wirklichkeit“ stehengeblieben zu sein. Die „fließende Welt“ (S. 112) mit allen Folgen des just in time wird als die große Vorspiegelung begriffen. Und dann kommen Sätze wie diese “ Fast erscheint es so, als würde man von den Manien der jeweiligen Epoche gezwungen, an sie zu glauben.“ (S. 115)

Über zwei Elitehochschulen wie das Institut d’études politiques in Paris und die Londer Scholl of Economics äußert sich de Toledo kritisch: „Die Eliteuniversitäten markieren dich stärker als schlechtes Parfüm…“ (S. 157) Ich fand damals das Jahr als freier Hörer und dann das Année préparatoire von Sciences Po gar nicht schlimm, im Gegenteil, das war doch ein wunderbares Sprungbrett für alles weitere. Es kommt ja drauf an, was man selber draus macht. – Alle wichtigen gesellschaftlichen Theorien seit den achtziger Jahren von Foucault, Deleuze/Guattari und Baudrillard, werden von de Toledo genannt und einer kritischen, wenn auch vorgefaßten und einseitigen Bewertung unterzogen. Fast scheint es so, daß Modeideen kommen und gehen. Die vielen Anspielungen auf Ideengeber aller Art zeigen auch, das die Kritiker der Globalisierung nolens volens sich diesem Phänomen nicht entziehen können, womit aber nicht dieser Ausdruck bestätigt wird, sondern seine Bedeutung kritisch hinterfragt wird. Dieses Buch bietet eine ganz praktische persönliche Auseinandersetzung mit diesen Theorien, auch wenn der Autor sie aus vielerlei Gründen zu verwerfen scheint. Er prüft auch die verschiedenen Momente der Revolte. Und schreibt am Schluß: „Und dann gehe ich zurück auf Los.“ Die Revolte im Sinne Camus‘ und ihr Ergebnis wären aber die Geschichte eines zweiten Bandes. Hier geht es erstmal um eine spannende Analyse, die streckenweise auch ein wenig atemlos geschrieben wurde, der man manchmal zustimmt, sie auch mal gar nicht teilt. Ein Zeitdokument ist dieses Buch aber ganz bestimmt.

Leipziger Buchmesse 2008: Leipzig liest

Mittwoch, 27. Februar 2008

Das Programm > Leipzig liest ist online. Eine echte Web 2.0 Seite“ Hier können die Besucher < Veranstaltungen bewerten. Um Zeit zu sparen kann man schon im Zug nach Leipzig Lesungen hören. > Lesenacht und > Leseparty, in Leipzig wird es ganz schön rund gehen.

Digitale Projekte auf der Leipziger Buchmesse

Mittwoch, 27. Februar 2008

Eine Zusammenfassung der Veranstaltungen zum Thema > Digitalisierung, auf die das Börsenblatt hinweist:

Alle Messetage: von 10 bis 18 Uhr gibt es für Buchhändler einen Netz-Check zum Thema Web 2.0.

Donnerstag, 13. 2., 11 bis 12 Uhr, Freitag .14 bis 14.30 Uhr; Halle 5, Stand B 500
Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin des Börsenvereins
„Buchhändler 2.0 – Aus- und Weiterbildungsperspektiven in der neuen Medienwelt?!“

Donnerstag, 13. 2., 12.30 bis 13 Uhr; Halle 5, Stand B 500
und Sonntag, 10.30 bis 11 Uhr
BÖRSENBLATT-Redakteurin Sabrina Gab Tipps für den Blog-Start
14 bis 15 Uhr
Diskussionsrunde über Online-Communities „Mit dem Leser auf Tuchfühlung“
Wie können Verlage Online-Communities für sich nutzen? Welche Communities gibt es, wieviel Aufwand und Pflege muss man betreiben?
Mit Miriam Hofheinz (www.perry-rhodan.net), Janet Sunjic vom Hörspiellabel Lausch-Hörspiele (www.merlausch.de) und Jennifer Nikodem (www.lovelybooks.de).
Moderation: BÖRSENBLATT-Redakteurin Sabrina Gab.

Donnerstag und Samstag, 15.30 bis 16 Uhr, Sonnta,12 bis 13 Uhr; Halle 5, Stand B 500
Antworten auf die Frage, wie kleine und große Sortimente die Potentiale des Web 2.0 erfolgreich und gewinnbringend zur Kundenbindung nutzen können.
Studenten des Electronic-Publishing-Projektes der HTWK Leipzig
Alle Messetage, 17 bis 17.30 Uhr
Vorstellung des Branchen-Wiki

Freitag, 14. 3., 13 bis 13.30 Uhr; Halle 5, Stand B 500
Matthias Schwenk
Chancen und Perspektiven auf, die der Medienwandel und das Mitmach-Web für Buchverlage bieten
und er fragt von 15 – 15.30 Uhr:
Das Web 2.0 und der Buchhandel – Gegensatz oder Partner?

Auf das Blog von Mathias Schwenk > bwlzweinull Die Zukunft der Buchhändler habe ich auf unserem Blog schon hingewiesen.

Schade, da kann ich nicht hingehen, weil zur gleichen Zeit der > Prix des lycéens allemands 2008 vergeben wird.

Das komplette Programm: > Forum Zukunft auf der Leipziger Buchmesse

Internationales Kolloquium: Jean Améry

Mittwoch, 27. Februar 2008

In der Universität von Brüssel findet vom 13. März – 15. März 2008 das Internationale Kolloquium Jean Améry – 30 Jahre danach – Neue Perspektiven statt. Die Eröffnung der Tagung ist Eröffnung am 13. 3. 20.00 Uhr im Goethe Institut, 58 rue Belliard, 1000 Bruxelles. Die Tagng wird am 14. 3., 9.30 Uhr und am 15. 3. , 10.00 Uhr in der Bibliothèque des Sciences Humaines, Salle 2 VIS,Solbosch, avenue Paul Héger, 1050 Brüssel stattfinden:

Auskunft und Anmeldung:Irene Heidelberger-Leonard, > iheidelb@ulb.ac.be / 02 660 26 62 mit der Unterstützung des FNRS, der Klett – Stiftung, des Goethe Instituts , des Österreichischen Kulturforums und der Philosophischen Fakultät der Universität Brüssel

bei Klett-Cotta erscheint die > Werkausgabe von Jean Améry

Tropen Verlag (IV): Quer durch Amerika

Mittwoch, 27. Februar 2008

Amerikanisches FegefeuerJetzt bilde ich das Buch von John Haskell Amerikanisches Fegefeuer zum dritten Mal ab. Der Roman von John Haskell hat es aber auch verdient. Nachdem Anne verschwunden, verschandelt er erst desorientiert den heimischen Garten, bringt sein Zimmer durcheinander und kann es wieder halbwegs klar denken, nachdem er losgefahren ist. Und er läßt sich iin immer neue Ereignisse und Erlebnisse hineinziehen. Sex und Drogen, zwischendurch sucht er wieder in allen Straßen der Städte, wo er gerade durchkommt, nach Anne und ihrem gemeinsamen braunen Auto. Manchmal schläft er im Auto, er macht allerlei Bekanntschaften. manche die ihm helfen, macnhe die ihn ausnutzen. Sein Auto streikt, mal tut es wieder, schließlich überläßt er es einem Schrotthändler. Sucht Jack Anne oder sich selbst? Schließlich wird die Lösung in einem Kapitel erzählt. Ich habe schon mal von > einem Buch von Tropen gesagt, lesen Sie es nicht in der S-Bahn oder im Zug, wenn Sie bald aussteigen müssen. Ich habe jedenfalls gestern die Lesung im > Stuttgarter Literaturhaus verpaßt, weil ich unbedingt nach Hause wollte, um die zweite Hälfte von Haskells Amerikanisches Fegefeuer zu lesen. Das Ende des Buches erzähle ich aber nicht, weil sonst die Spannung weg wäre. Dieses Buch gehört auch zu denen, die man ganz langsam zu Ende lesen könnte oder muß, damit der ästhetische Genuß möglichst lange vorhält, so wie > Thierry Magnier mir das letzte Woche erzählt hat. Er macht das auch manchmal so, und wenn das klappt, weiß er, daß das Buch gut ist.

> Goodbye Tristesse habe ich mittlerweile auch gelesen. Der Beitrag folgt bald.

NDR Buch der Woche | 22.10.2006 17:30 Uhr
Michael Schornstheimer stellte > Amerikanisches Fegefeuer vor.

Raymond Kennedy ist am 18. Februar im Alter von
73 Jahren verstorben.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Der amerikanische Autor Raymond Kennedy ist am 18. Februar in einem New Yorker Krankenhaus an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

In Deutschland ist Kennedy durch seine beiden Romane Lulu Incognito und Hoch zu Roß bekannt geworden, die in den 90er Jahren bei Klett-Cotta erschienen sind. Grotesk-komische Charaktere, barocke Sprache und das Spiel mit Horrorelementen zeichnen seine Bücher aus.

Am Rand der WeltGanz anders die 2006 erschienene Novelle die eine Begegnung zweier Männer auf das Existentiellste reduziert. >1934 in Wilbraham Massachusetts geboren, war Kennedy nach seinem Studium Mitarbeiter der Collier’s Encyclopedia und der Encyclopedia Americana.

Von 1982 bis 2006 unterrichtete Kennedy creative writing an der Columbia University

Leipziger Buchmesse 13.-16.3.08

Dienstag, 26. Februar 2008

Kaum ist die Didacta in Stuttgart vorbei, wo ich auch mit Gilles Floret über sein > DELF Projekt gesprochen habe, beginnt die Reiseplanung für die nächste Messe: In Leipzig werde ich die Lesungen von Ines Geipel, > No Limit. Wieviel Doping verträgt die Gesellschaft?, – ich freue mich darauf, sie für diesen Blog zu interviewen -Wolfgang Schuller, > Die Welt der Hetären, Berühmte Frauen zwischen Legende und Wirklichkeit, und Christiane Kunst, Livia. Macht und Intrigen am Hof des Augustus besuchen. Alles spannende Titel. Ein wichtiger Sachtitel rechtzeitig zur Olympiade in diesem Jahr und zwei Titel, die das Geschichtsprogramm von Klett-Cotta vorzüglich ergänzen.

Außerdem wird auf der Leipziger Buchmesse wieder der Prix de lycéens allemands verliehen werden. Die > Autorenlesungen und die Preisverleihung waren 2007 tolle Ereignisse in Leizig und damit entstanden die ersten Beiträge für den Frankreich-Blog.

Für Lesestoff auf der Fahr nach Leipzig ist gesorgt:

Claus, Der Kummer von BelgienAm 10. März erscheint bei Klett-Cotta von Hugo Claus, > Der Kummer von Belgien in einer neuen Übersetzung. Der kleine Louis Seynaves erlebt den Einmarsch deutscher SS-Verbände in Walle. „Claus fügt seine Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, spielerisch, humorvoll, mitreißend. Mitzulesen in neuer, meisterhafter Übertragung von Waltraut Hüsmert.“ Ich bin gespannt. „Ein pralles Stück Erzählliteratur, barock und vital wie das Flandern-Bild eines Breughel, derb und sinnlich“, so wird ein Rezensent beim ersten Erscheinen dieses ausschweifenden Romans auf der Website von Klett-Cotta zitiert.

William Gibson, QuellcodeWilliam Gibson,
> Quellcode Mal was gnaz anderes. Hollis Henry soll für ein obskures Magazin etwas schreiben. Es geht aber gar nicht um eine neue Cyber-Kunstform , sondern um einen Frachtcontainer voller Dollarnoten. Ein Exil-Kubaner mit einem merkwürdigen Geheimcode und ein Junkie tauchen auf… „Ein Roman über undurchsichtige Bedrohungslagen, der unter die Haut geht,“ steht bei Klett-Cotta, und auf der Rückseite des Buches steht der merkwürdige Satz aus der Feder von William Gibson: : „Die Zukunft hat schon begonnen. Sie ist nur sehr ungleichmäßig verteilt.“ Erscheint auch am 10.3.

Amerikanisches FegefeuerAber erstmal will ich noch von John Haskell,Amerikanisches Fegefeuer zu Ende lesen. Das Buch gehört zu den > drei Titeln, die ich auf der Zugfahrt nach > Orléans mitgenommen hatte. Jack hält mit seienr Frau Anne an einer Tankstelle an, um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen. Als er wieder in ihr Autor einsteigen will, ist es mit Anne verschwunden. Zunächst wartet er den Tag an der Tankstelle ab. Zu Hause findet er eine Karte mit einer eingezeichneten Strecke quer durch die Staaten. Zufällig ruft ein Freund an, bietet ihm ein gebrauchtes Auto günstig an, nein, er habe ja eins, nein, er habe doch keins, er kauft es, rafft ein paar Sachen zusammen und fährt los. – Heute abend darf ich weiterlesen. – Wie heißt noch die Textform, in die ich mein Leserlebnis einpacken werde? Es ist keine > Rezension, auch kein Produkthinweis oder bloßer Werbetext… Während des Studiums in Frankreich haben wir „fiches de lecture“ verfaßt. Das ist es auch nicht, weil ich hier darüber schreibe, was mich an dem gelesenen Buch fasziniert hat.

Literatur und Fotos

Donnerstag, 14. Februar 2008

Susan Sontag schreibt in ihrer Essaysammlung Über Fotografie: „Eine Fotografie ist nur das Ergebnis der Begegnung zwischen einem Ereignis und einem Fotografen. Eine Aufnahme zu machen, ist selbst schon ein Ereignis, und zwar eines, das immer gebieterische Rechte verleiht: sich einzumischen in das, was geschieht, es zu usurpieren oder aber zu ignorieren.“

Eine Rezension ist eine Beurteilung eines Buches und wird zuweilen so ernst genommen, wie das Wort des Literaturkritikers, der das Buch als ausgezeichnet anpreist oder es auch mal schon mit einem Ausdruck der Empörung in die Tonne fallen läßt. Im Literaturhaus sind Fotos wie Rezensionen einer Veranstaltung.

Das Objektiv sieht alles.

Die Fototechnik ist mittlerweile so leise und diskret geworden, daß der digitale Fotoapparat von außen gesehen ruht, dennoch aber fleißig vieles um sich herum aufzeichnet. Das Foto war schon immer ein Art Bürge für die Authentizität des Augenblicks, sozusagen, die Objektivierung des Moments, in dem es dem Betrachter sagt, so war dieser Moment und so sah die Person aus.

Jeder Lehrer kennt den wunderschönen Moment, wenn der so oft abwesende Schüler in der letzten Reihe den Hals reckt, die Augen aufsperrt und die Ohren aufstellt, wenn vorne sich etwas Interessantes ankündigt.
Im Literaturhaus ist das nicht anders.

Verstohlen fotografiere ich gerne nach links und rechts, weil man so dem Entstehen des Werks zugucken kann. Da gibt es diejenigen, die einige Passagen gerade nicht mitbekommen, weil sie noch dem Klang der letzten so geglückten Wendung nachträumen. Es gibt mißmutige Gesichter, weil just die Erstellung des Werks nicht so recht gelingen will und der Blick schon mal auf die Uhr fällt. Und es gibt überall die aufmerksamen Gesichter, denen man förmlich ansieht, wie sie das Gehörte verarbeiten und als Katalysator für Bekanntes nutzt wollen. Damit verrate ich nun, daß ich am liebsten immer auf dem Podium neben dem Autor sitzen würde, weil man von dort aus am besten beobachten kann, wie die Hörer zu Lesern werden. hw

(Aus einer Rede anläßlich des 5. Geburtstages des Stuttgarter Literaturhauses, 2006)

Gestern war wieder so ein Abend, an dem Beat Wyss alles von über die Dichtung von > Dors Grünbein wissen wollte und dieser sich allen Fragen stellte. Zuerst hatte Grünbein eine Auswahl seiner Gedichte gelsen, dann las Wyss auch einige vor und fragte immer wieder nach. Und die Fotos zeigen, wie spannend der Abend war.

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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