Ein Ratgeber für den systematischen Ruin Ihres Lebens
Mittwoch, 30. September 2009
Alle klugen Ratgeber vermitteln oft praktische Lebenshilfe, enthalten mehr oder wenige kluge Tipps zum Nachahmen. Rainer Sachses neueste Lebensanleitung enthält zuerst einen theoretischen Teil, mit dem jeweils das Realitätssystem und das Motivationssystem des Menschen erklärt werden. Die Beherrschung der Realität ist erlernbar. Laternenpfähle weichen einem nicht aus, Herdplatten sind manchmal noch irre heiß, was sollte man besser nicht tun, wenn man von anderen etwas will, usw. Und wir alle haben Wünsche und Bedürfnisse, die sich in ihrem Motivationsystem äußern, mehr oder weniger unbewußt, aber Sachse meint doch, wir sollten auch mal darauf hören. Also nicht einfach ein Kaugummi auf die rote Ölleuchte kleben, sondern solche Signale ernstnehmen.
Es geht um das Gleichgewicht zwischen dem Realitätssystem und dem Motivationssystem. Und dazu stellt er 18 verschiedene Strategien vor, mit denen dieses Gleichgewicht bewußt missachtet und übergangen wird. Dann werden diese 18 Strategien zu Ruinierungsstrategien, mit denen man sein eigenes Leben ganz leicht versauen kann. Falsche Maßstäbe setzen, Unwissenheit vorspiegeln, am besten gar keine Entscheidung treffen, Verantwortung anderen überlassen, zum uneingeschränkten Jein-Sager werden und sich ohne Widerstand sicher in eine Entscheidungsparalyse begeben. Das geht ganz leicht, man braucht sich nur als Opfer der Umstände zu bezeichnen oder zu verstehen, und die feste Überzeugung entwickeln, die anderen sind es ja sowieso immer schuld. Man kann sich selbst bei den 18 Strategien mal ein bisschen prüfen, dann spürt man schon die ein oder andere Versuchung. Eine Art von Unaufrichtigkeit ist bei einer Wahl oft mit dabei, weil die ein oder andere Motivation doch eine kleine Rolle spielt. Wie gesagt, das ist genau der Punkt, es kommt auf das richtige Gleichgewicht an, das uns allerdings die Verantwortung nie abnimmt, höchsten daran erinnert.
Es genügt doch, Alternativen immer isoliert zu betrachten und so deren Bewertung im Zusammenhang mit einer anderen Entscheidung bewusst auszublenden. Am schönsten gelingt der Ruin, wenn man eine Entscheidung oder eine Wahl zwischen zwei Alternativen möglichst auf die lange Bank schiebt, sie um umgeht. Betrachtet man aber die beiden Alternativen zusammen, fällt meistens auf, dass eine der beiden Alternativen kurzfristig mit viel Ärger verbunden ist, sich aber im Verhältnis zur anderen Alternative in ihrem Ergebnis als langfristig günstiger erweist. Angst vorm Zahnarzt, vor einer Trennung, auch die qualvolle Wahl zwischen zwei Automodellen passen prima in diese Selbstblockaden. Ist doch klar, dass jedes Zaudern nur noch mehr Kosten, Frust und Ärger produziert.
Kurz und knapp. Ruinieren Sie erfolgreich Ihr Leben. Das Buch ist so schön dünn, kurz und klar, weil Sachse nicht erst erklärt, wie man es macht, um dann vor eventuellen Fehler zu warnen, um dann erst wieder alles mühsam zu reparieren, sozusagen um einen doppelten Ratgeber zu verfassen. Nein, er legt dem Leser konkrete Strategien vor, wie man planvoll, systematisch, konsequent, kompromisslos und nachhaltig sein Dasein ruinieren kann. Und indem er bloß deren Konsequenzen, die dem Leser leicht eingängig sind, nennt, wird der Unsinn manch einer Strategie nur zu deutlich.
Rainer Sachse
> Wie ruiniere ich mein Leben – und zwar systematisch
Auflage: 1. Aufl. 2009
187 Seiten
ISBN: 978-3-608-94559-1
Bücher von > Rainer Sachse bei Klett-Cotta:
> Psychotherapie/Psychoanalyse/Psychologie bei Klett-Cotta




























































Es geht um 350 Jahre Verlagsgeschichte in Briefen. Alles begann 1659 mit der J.G. Cotta’schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen, die deutsche Geistesgeschichte widerspiegelt. Zum 350-jährigen Jubiläum legen die beiden Herausgeber einen Band mit Briefen vor, die Dichter und Denker an ihren jeweiligen Verleger geschrieben haben. Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Jean Améry, Ernst Jünger, Golo Mann, Javier MarÃas u. a. sind dabei. Die Autoren wollen ihre Bücher in guten Händen wissen, es geht auch um Geld, nebenbei, manchmal auch eindringlich erwähnt. Es geht seitens der Autoren um Desiderate, sie klagen auch über die leidigen Druckfehler und hoffen auf eine gefällige Ausstattung ihrer Werke.
Friedrich Schiller verrät >
mögen: Die Umarbeitung des Manuskripts: “Meine Ausstreichungen und Zusätze – ich habe das meiste umgearbeitet – werden sich ungefähr balancieren. Es werden sich wenige Bogen über die erste Ausgabe ergeben.” Stimmt, ich war etwas skeptisch, weil die Auswahl der Briefe nicht der Chronologie folgt, aber die Herausgeber haben sie klug geordnet, und es ist ein Vergnügen auf 158 Seiten eine an Jahren doppelt so lange Verlagszeit beim Lesen an sich vorüberziehen zu lassen: Goethe am 16. Juni 1831 an Johann Friedrich Cotta: “Doch sei es nicht mutlos geschlossen! vielmehr mit der Versicherung: daß ich jeden guten Augenblick zu nutzen trachte, um derjenigen, die an mir teilnehmen, bis ans Ende wert zu sein.”
Sie sind eher darauf aus, die Kinder auf allgemein erforderliche Kompetenzen und Regeln hin zu ‘eichen’.” Ich habe nachgefragt. Ihr Sohn spricht von einem “Zwangsinteresse”. Werden Schüler gefragt, ob sie dies und jenes lernen wollen? Sie könnten dann mehr über sich erfahren und wissen, wer sie sind. Werden Schüler auch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten geprüft? Und zu diesem Punkt erwähnte Frau Seemann die digitalen Möglichkeiten, mit deren Beherrschung Schüler ihre eigenen Fähigkeiten besser ausloten können. Das hat mir gefallen, wie sie in unserem Gespräch einen der wichtigsten Aspekte einer Medienkunde erwähnt. Und dann kamen wir auf die Unterschiede zwischen Jungens und Mädchen. Wie bekommen Jungens mehr Verantwortung? Bekommt die Koedukation allen gleich gut? Müssen die Jungens sich den Mädchen anpassen? Wie kann man die Jungens zu einer eigenständigen Entfaltung anleiten? “In ihrer Art müssen sie ernstgenommen werden,” antwortet sie.