home

Archiv für September 2009

Ein Ratgeber für den systematischen Ruin Ihres Lebens

Mittwoch, 30. September 2009

Alle klugen Ratgeber vermitteln oft praktische Lebenshilfe, enthalten mehr oder wenige kluge Tipps zum Nachahmen. Rainer Sachses neueste Lebensanleitung enthält zuerst einen theoretischen Teil, mit dem jeweils das Realitätssystem und das Motivationssystem des Menschen erklärt werden. Die Beherrschung der Realität ist erlernbar. Laternenpfähle weichen einem nicht aus, Herdplatten sind manchmal noch irre heiß, was sollte man besser nicht tun, wenn man von anderen etwas will, usw. Und wir alle haben Wünsche und Bedürfnisse, die sich in ihrem Motivationsystem äußern, mehr oder weniger unbewußt, aber Sachse meint doch, wir sollten auch mal darauf hören. Also nicht einfach ein Kaugummi auf die rote Ölleuchte kleben, sondern solche Signale ernstnehmen.

Es geht um das Gleichgewicht zwischen dem Realitätssystem und dem Motivationssystem. Und dazu stellt er 18 verschiedene Strategien vor, mit denen dieses Gleichgewicht bewußt missachtet und übergangen wird. Dann werden diese 18 Strategien zu Ruinierungsstrategien, mit denen man sein eigenes Leben ganz leicht versauen kann. Falsche Maßstäbe setzen, Unwissenheit vorspiegeln, am besten gar keine Entscheidung treffen, Verantwortung anderen überlassen, zum uneingeschränkten Jein-Sager werden und sich ohne Widerstand sicher in eine Entscheidungsparalyse begeben. Das geht ganz leicht, man braucht sich nur als Opfer der Umstände zu bezeichnen oder zu verstehen, und die feste Überzeugung entwickeln, die anderen sind es ja sowieso immer schuld. Man kann sich selbst bei den 18 Strategien mal ein bisschen prüfen, dann spürt man schon die ein oder andere Versuchung. Eine Art von Unaufrichtigkeit ist bei einer Wahl oft mit dabei, weil die ein oder andere Motivation doch eine kleine Rolle spielt. Wie gesagt, das ist genau der Punkt, es kommt auf das richtige Gleichgewicht an, das uns allerdings die Verantwortung nie abnimmt, höchsten daran erinnert.

Es genügt doch, Alternativen immer isoliert zu betrachten und so deren Bewertung im Zusammenhang mit einer anderen Entscheidung bewusst auszublenden. Am schönsten gelingt der Ruin, wenn man eine Entscheidung oder eine Wahl zwischen zwei Alternativen möglichst auf die lange Bank schiebt, sie um umgeht. Betrachtet man aber die beiden Alternativen zusammen, fällt meistens auf, dass eine der beiden Alternativen kurzfristig mit viel Ärger verbunden ist, sich aber im Verhältnis zur anderen Alternative in ihrem Ergebnis als langfristig günstiger erweist. Angst vorm Zahnarzt, vor einer Trennung, auch die qualvolle Wahl zwischen zwei Automodellen passen prima in diese Selbstblockaden. Ist doch klar, dass jedes Zaudern nur noch mehr Kosten, Frust und Ärger produziert.

Kurz und knapp. Ruinieren Sie erfolgreich Ihr Leben. Das Buch ist so schön dünn, kurz und klar, weil Sachse nicht erst erklärt, wie man es macht, um dann vor eventuellen Fehler zu warnen, um dann erst wieder alles mühsam zu reparieren, sozusagen um einen doppelten Ratgeber zu verfassen. Nein, er legt dem Leser konkrete Strategien vor, wie man planvoll, systematisch, konsequent, kompromisslos und nachhaltig sein Dasein ruinieren kann. Und indem er bloß deren Konsequenzen, die dem Leser leicht eingängig sind, nennt, wird der Unsinn manch einer Strategie nur zu deutlich.

Rainer Sachse
> Wie ruiniere ich mein Leben – und zwar systematisch
Auflage: 1. Aufl. 2009
187 Seiten
ISBN: 978-3-608-94559-1

Bücher von > Rainer Sachse bei Klett-Cotta:

Schwarz ärgernWie ruiniere ich meine Beziehung?Wie manipuliere ich meinen PartnerSelbstverliebt

> Psychotherapie/Psychoanalyse/Psychologie bei Klett-Cotta

Das Bücherregal (2)

Freitag, 25. September 2009

Andere Websites haben neudeutsch eine Sitemap, unser Blog hat ein > Bücherregal (1), und durch Lesen und Bloggen ist die nächste Etage voll:

Herausnehmen können Sie hier leider keins, aber Sie können jedes anklicken und gucken.

Übersetzertage in Stuttgart
Lesung: Alles was Sie über Ihre nächste Gehaltserhöhung wissen sollten.

Dienstag, 22. September 2009


Dienstag, 22. September, 20 Uhr im Stuttgarter Literaturhaus
Eröffnung der 7. Baden-Württembergischen Übersetzertage
Die Fotos: > Die Weltliteratur auf gut Deutsch

Am Freitag, 25. September um 20 Uhr ist es soweit, dann lesen Perec Überrsetzer Tobias Scheffel und Marcel Hinderer das Buch von Georges Perec Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten in Stuttgart in der Stadtbücherei im Wilhelmspalais vor. Was zunächst nach genau strukturierter Analyse und planvoller Ausführung aussieht, ist eben doch das richtige Leben, weil die Entscheidungen, was jetzt zu tun sei, immer von Zufällen abhängt.

Aber hören Sie genau zu, vielleicht kann man den Ereignissen ja doch eine Systematik abringen, auch wenn Mallarmé behauptet, un coup des dés n’abolira jamais le hasard. Vielleicht klappt es ja doch, Sie werden beim Abteilungsleiter gleich vorgelassen, Sie brauchen die aufwendige Anleitung von Perec gar nicht, Ihr Chef freut sich ja schon, Sie zu sehen. Sie kommen aber gar nicht zu Wort, er drückt Ihnen gleich fünf Dossiers in die Hand, die bis 12 bearbeitet werden müssen. Wie Strizz versuchen Sie noch “Chef…” zu sagen, dieser aber rauscht schon aus seinem Büro, und lässt sie gleich über einen neuen Anlauf nachdenken. Also gehen Sie doch besser zur Lesung. Am Freitag, 25. September um 20 Uhr in der Stuttgarter Stadtbücherei im Wilhemspalais.

Die Lesung findet im Rahmen der 7. Baden-Württembergischen Übersetzertage 2009 (22.-25. Septemberr 2009) statt, die heute abend im > Stuttgarter Literaturhaus offiziell eröffnet werden.

Dienstag, 22. September 2009, 20 h
Die Weltliteratur auf gut Deutsch
Vera Bischitzky, Elisabeth Edl, Frank Heibert, Burkhart Kroeber, Nikolaus Stingl
Eröffnung der 7. Baden-Württembergischen ÜbersetzertagePodiumsdiskussion
Einführung: Astrid Braun
Grußworte: Dr. Susanne Eisenmann, Dr. Veit Steinle
Moderation: Denis Scheck

Georges Perec
> Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten
Mit einem Nachwort von Bernard Magné, aus dem Französischen von Tobias Scheffel (Orig.: L‘art et la manière d‘aborder son chef de service pour lui demander une augmentation)
Ausstattung: Leinen mit Schutzumschlag, eingehängtes Organigramm
112 Seiten
ISBN: 978-3-608-93706-0

John Gray und Die Politik der Apokalypse

Sonntag, 20. September 2009

John  Gray, Politik der ApokalypseJohn Gray wurde gerade als Professor für Europäische Ideengeschichte an der London School of Economics emeritiert. Er ist als Autor u.a. von Die falsche Verheißung. Der globale Kapitalismus und seine Folgen (1999), The Two Faces of Liberalism (2000) und von Straw Dogs. Thoughts on Humans and Other Animals (2003) (demnächst auf deutsch bei Klett-Cotta) bekannt. > Politik der Apokalypse. Wie die Religion die Welt in die Krise stürzt enthält eine politische Ideengeschichte zur Politik des 20. Jahrhunderts mit einer ausführlichen Bestandsaufnahme ihrer Vorgeschichte. Es geht um den negativen Einfluss der Religionen auf die Politik, der um so gravierender wird, je mehr die Religionen pervertiert werden, um für Herrschaftszwecke jeder Art instrumentalisiert zu werden. Es ist ein streitlustiges Buch und ein Buch mit wohldurchdachten und -belegten Begründungen.

Es ist auch eine Streitschrift gegen den Irakkrieg, wobei die Einleitung zu diesem Teil des Buches, Kap. 5.: Bewaffnete Missionare, bes. S. 234 ff. beispielhaft und überzeugend die Notwendigkeit präziser historischer Kenntnisse für die heutige Politikwissenschaft demonstriert. Über die Beurteilung und die Bewertung der folgenden Passagen können Leser naturgemäß zu unterschiedlichen Ansichten kommen. Im Zentrum von Grays Argumentation steht seine Kritik am neokonservativen Denken, das er als “eine Mixtur aus exzentrischer Realitätswahrnehmung und chiliastischer Phantasterei bezeichnet” (S. 192).

“Die Politik der Moderne ist ein Kapitel der Religionsgeschichte,” (S. 9) lautet der erste Satz im Kap. 1: Der Tod der Utopie, in dem die großen revolutionären Umbrüche der letzten beiden Jahrhunderte als “Episoden der Glaubensgeschichte” gekennzeichnet werden. Mit dem Scheitern des Vorhabens, im Irak eine Demokratie einzuführen, erlitt, so Gray, das utopische Denken eine empfindliche Niederlage, die dem “apokalyptisch religiösen Denken” einen neuen Aufschwung beschert hat. Im Rahmen der politischen Ideengeschichte wird man das Ende der Utopie (1) oder gar der “Tod der Utopien” (S.12) nicht ganz so einfach hinnehmen. Sehr lesenswert ist die folgende Darstellung, die die Bedeutung der Begriffe Chiliasmus, Eschatologie (die Lehre von den letzten Dingen) und die Teleologie erklärt und in einen Zusammenhang stellt. Es folgt eine kurzgefasste politische Ideengeschichte, in der immer wieder historische Ereignisse genannt und interpretiert werden. Utopisch sind Projekte, die nicht realisierbar sind. Dazu zählt Gray den Versuch, in Rußland eine Marktwirtschaft nach westlichem Muster oder im Irak eine liberale Demokratie einzuführen. Ausführliche Kapitel werden dem Nationalsozialismus und dem Kommunismus gewidmet.

Gray untersucht, wie Margaret Thatcher sich im Laufe ihrer Amtszeit dem Neoliberalismus zuwendete, um Labour und damit den Sozialismus in Großbritannien zu besiegen, aber durch ihr Scheitern die konservative Partei ruinierte. Tony Blair übernahm neoliberale Wirtschaftsgrundsätze und gründete darauf den Erfolg von Labour, bevor er wegen seiner Rolle im Irakkriege seinerseits scheiterte.

Es folgt eine eingehende Analyse, wie es zum Angriff der USA auf den Irak kommen konnte. Das apokalyptische Denken erschien mit den Attentaten vom 11. September 2001 in der amerikanischen Politik. Es verband sich mit dem Bewusstsein der USA eine universale Mission zu haben. Die Terroranschläge gaben den Neokonservativen einen erheblichen Auftrieb.

Das Buch erklärt auch wie wichtig, die genaue Definition politischer Begriffe ist. Jeder Autor hat eine Tendenz ihnen seine eigne Interpretation mit auf den Weg zu geben. Trotz der historischen Darstellung, wie sich Neokonservatismus und Neoliberalismus entwickelt haben, scheint Gray ihnen einen politischen Erfolg absprechen zu wollen, was sich in seiner grundlegenden Form jeder utopischen Vorstellung zeigt.

Man wird gerade eine Ideengeschichte als Buch immer nur als eine Herausforderung für das politische Denken schreiben können. Jeder Leser wird Lücken finden, wenn seine bevorzugten Autoren nicht auftauchen, wenn manche Akzente anders als gewohnt gesetzt werden, oder wenn bestimmte Formulierungen oder gar Begriffe ungewohnt sind, so wie das Adjektiv liberal in diesem Satz “Der liberale Imperialismus ist jedoch ein politisches Programm, das nicht funktionieren kann.” (S. 253 und S. 248-253). Gray meint damit einen Imperialismus, der sich auf eine Idee der Menschenrechte beruft. Außer der Ideengeschichte enthält der Band auch eine Analyse der gegenwärtigen Weltpolitik, wenn auch die durch Obama angestoßenen Entwicklungen hier nicht berücksichtigt wurden.

Die eigentliche These des Buches formuliert eine Kritik am liberalen Fortschrittsdenken, das Gray in einen Zusammenhang mit einem Utopismus apokalyptischen Ausmaßes bringt. Gray kommt darauf, weil liberales Exportgut nicht einfach abzuliefern ist, sondern der Dialog im Vordergrund stehen muss. In seinem letzten Kapitel geht es um Die verlorene Tradition des Realismus und jetzt finde ich auch den schon vermissten Hinweis auf Machiavelli, (2) der davon überzeugt war, dass es immer wieder “Interessengegensätze und Konflikte geben wird … die nie weit vom Kriegszustand entfernt” (S. 297) sind. “Der politische Realismus ist die einzige Form, über Tyrannei und Freiheit oder über Krieg und Frieden nachzudenken, bei der man sicher sein kann, dass sie nicht in einem Glaubenssystem gründet, und die einzige ethisch ernstzunehmende Denkweise, auch wenn sie im Ruf steht, amoralisch zu sein,” schreibt Gray und ich würde ihn jetzt gerne fragen, ob es in der Politik seiner Meinung nach eine Moral gibt.

John Gray,
> Politik der Apokalypse Wie Religion die Welt in die Krise stürzt
Aus dem Englischen von Christoph Trunk (Orig.: Black Mass. Apocalyptic Religion and the Death of Utopia)
360 Seiten
ISBN: 978-3-608-94114-2

> Gespräch mit Tom Kraushaar über Politik der Apokalypse

1. H. Wittmann, L’utopie, critique et porgrès sociaux, in: Recherches en esthétique, octobre 2005, p. 35-41
2. Vgl. D. Hoeges, > Niccolò Machiavelli. Die Macht und der Schein, C.H. Beck, München 2000.

Kann man Literatur photographieren?
Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

Freitag, 18. September 2009

Ja und ob, das geht ganz einfach. Mit > Photos von einer Lesung kann man zeigen, wie die Autorin und ihr Buch die Zuschauer in ihren Bann zogen. Und das erst recht, wenn Brigitte Kronauer auf Fragen von Thomas Steinfeld den Aufbau und das Personal ihres neuen Buches en détail erklärt. Gestern abend hat sie im > Stuttgarter Literaturhaus ihr Buch vorgestellt. Eine Premiere.

Brigitte Kronauer

Thomas SteinfeldBrigitte Kronauer

Thomas Steinfeld


Zwei schwarze Ritter
> Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger

Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

Hanne Seemann, Artenschutz für Männer
Väter sollten authentisch sein

Donnerstag, 17. September 2009

Hanne SeemannAnfang September ist das Buch > Hanne Seemann bei Klett-Cotta
> Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen erschienen. Jetzt war ich nochmal bei Frau Seemann und diesmal, in unserem fünften Gespräch geht um die Väter.

Hanne Seemann zitiert in ihrem Buch eine lange Negativliste der väterlichen Eigenschaften, die D. Schnack und R. Neutzling in ihrem Buch Kleine Helden in Not. Jungen auf der Suche nach Männlichkeit (Reinbek bei Hamburg, 2003) zusammengestellt haben. Oje, was man als Vater alles falsch machen kann, und so sagt Frau Seeman auch, Männer trauen sich nicht, wie sollen die auch wissen, wie es geht. Und bei manchen überwiegt der Wunsch nach Belehrungen die Freude am Nachwuchs, wie auch die Freude, daran, dass die Kinder allmählich selbständiger werden, das kann man beobachten! Hanne Seemanns Rat ist ganz einfach, Männer, also Väter, sollen authentisch sein dürfen, sie sollen auch ihr eigenes Leben führen können. Sie müssen kein Vorbild werden, sondern den Mut vermitteln, das eigene Leben zu führen. Väter, hören Sie mit welcher Erfahrung Hanne Seemann, Ihnen das erklärt. Ohne sich unmittelbar darüber klar zu werden, haben Kinder doch ein feines Sensorium, vor allem dafür, ob sie dem Vater oder Mutter vertrauen können. Die Mutter spielt eine ebenso wichtige Rolle. Die kleinen Jungens sind schwächer als die Mädchen, die brauchen einfach mehr Zuwendung: “Die Mütter sind für die Jungen stilbildend,” erklärt Hanne Seemann.

Hören Sie hier unser fünftes Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

> Unser erstes Gespräch

> Unser zweites Gespräch.

> Unser drittes Gespräch

> Unser viertes Gespräch Erziehung und Schule

Hanne Seemann,
> Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen

230 Seiten
ISBN: 978-3-608-94554-6

Brigitte Kronauer im Stuttgarter Literaturhaus

Dienstag, 15. September 2009


Zwei schwarze Ritter
Brigitte Kronauer präsentiert ihren neuen Roman > Zwei schwarze Jäger im Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4, 70174 Stuttgart. Moderation: Dr. Thomas Steinfeld.

Bin gespannt, welche Geschichte oder welchen Ausschntt aus ihrer Geschichte sie vorlesen wird. Und ob sie den Zuhörern einen Schlüssel zum Verständnis ihrer Geschichte geben wird ? Das > Vorlesen war ein unglaubliches Lesevergnügen. Die erste Geschichte, in der die Geschichte langsam in die Realität der Lesestunde oder -atmosphäre übergeht und allmählich von den Schrullen der Zuhörer erzählt, ist wunderbar zu lesen, Man kann richtig beobachten, wie die Zuhörer immer aufmerksamer werden. Genug. Man sieht sich im Stuttgarter Literaturhaus.

> www.literaturhaus-stuttgart.de 17.09. 2009 20:00 Uhr

Das > Fotoalbum des Stuttgarter Literaturhauses

> Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger

Brigitte Kronauer
> Zwei schwarze Jäger
286 Seiten
ISBN: 978-3-608-93885-2

Will Google jede Buchseite der Welt digitalisieren?

Montag, 14. September 2009

Im Oktober will die amerikanische Justiz über eine Vereinbarung zwischen den amerikanischen Verlegern und Autoren mit Google entscheiden. Auf dem Frankreich-Blog ist die Artikelserie in LE MONDE ein Anlass einige Fragen zu den Plänen von Google Books zu stellen. > Google Books: Das digitale Paradies für Bücherleser oder das Ende der öffentlichen Bibliotheken?

Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe

Sonntag, 13. September 2009

Das Ende der LiebeGestern abend im ICE von Köln nach Stuttgart fragte mich ein junge Frau, ob ich Kritiker sei? Ich würde so konzentriert lesen. Und für wen ich schreiben würde. Jetzt hat unser Blog bestimmt wieder eine neue Leserin. Auf dem Tisch lag Sven Hillenkamps Buch Das Ende der Liebe. Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit. Ich bin keinesfalls mit allem, was er schreibt, einverstanden. Auch gibt es einige Wiederholungen, die in andere Betrachtungsweisen münden, also die doch zu der Form des Essays, die uns hier angeboten wird, dazugehören. Ich habe auch nicht auf die Seite von Sven Hillenkamp bei Klett-Cotta geguckt, um mir den Blick auf das Buch nicht verstellen zu lassen.

Es geht um die Liebe im Zeitalter der unendlichen Freiheit, und was die Liebe dabei aus uns macht, oder was wir aus ihr zu machen versuchen. Es geht um die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe, um all die unerfüllten Wünsche, um das ständige Weitersuchen, um Sex und um das Nachdenken darüber, wie man trotz vieler Erfahrungen und Sehnsüchte da ein wenig Ordnung, Kontinuität hineinbringen kann, soll oder muss, und ob das überhaupt noch möglich ist. Wie bei einem Krimi ist hier die Lösung nicht zu präsentieren und folglich auch nicht zu bewerten. Mit ihr bin ich nebenbei nicht einverstanden, ich hätte dem Buch einen anderen Schluss gewünscht. Aber man muss anerkennen, dass Hillenkamp das Thema von mehreren Seiten, eben wie das einem Essay angemessen ist, einkreist. Und das ist ihm gut gelungen. Und jetzt kommen wir zum zweiten Ansatz der Erklärung, um was es hier geht.

Es ist vielleicht gar ein autobiographisches Buch, da der Autor von einer oder seiner großen Liebe einmal wahnsinnig enttäuscht worden ist, oder das ist noch wahrscheinlicher und würde mit den Thesen in seinem Buch gut zusammenpassen, er ist von mindesten zwei großen Lieben sehr enttäuscht worden. Nr. 1 – pardon ich will sie nicht nummerieren, aber ich weiß nicht wie sie heißt – schien perfekt zu ihm zu passen: “die absolute Gleichheit des Partner” ist “die größte Bedrohung” (S. 236) warnt er. Nr. 2. war die totale Herausforderung, und der Autor nahm “Reißaus” (ebd.) Also drückt das Buch eine Dauerklage über die Verflossenen und zugleich auch den Ärger des Autors über sich selbst aus, der künftig alles anders machen will, sich das alles aber erst ordnend von der Seele schreiben muss. Liebe wird auch unmöglich, so lautet die nächste These, weil man sich über den Anderen und seine Gefühle so schnell wie möglich klar werden will (vgl. S. 242), worin sich die Angst vor jeder Ungewissheit, die als Unfreiheit empfunden wird, ausdrückt. Und Hillenkamp spricht fast nur von den freien Menschen, die so hat er sie definiert, diejenigen sind, die an die Unendlichkeit glauben. “Sie leiden,weil sie hinter den unendlichen Möglichkeiten zurückbleiben.” (S. 47) Sie sind von ihrer Arbeit “enttäuscht” (S. 48). Diese Bewertung von > Freiheit muss man nicht verstehen, obwohl mir schon klar ist, dass Sartre die unbedingte Freiheit des Menschen auch als den Ausgangspunkt seiner Unaufrichtigkeit (mauvaise foi), (L’être et le néant, 1943)man könnte sagen als Quell allen Übels versteht oder gar beklagt.

Es gibt viele Sätze, die eine Aphorismenform haben, nicht weil sie nicht in den Zusammenhang passen, sondern weil sie sich für Zitate eignen, aber doch als Thesen explizit für den Fortgang des Essays formuliert wurden: “Auch die Menschen, die nicht in Wirklichkeit mehrere Partner haben, haben im Bewusstsein mehrere Partner gleichzeitig.” (S. 32) – “Die Geschwindigkeit der Menschen in der Freiheit ist die Geschwindigkeit des freien Falls.” (S. 35) Sehe ich auch anders. Der Satz über die Menschen ohne Eigenschaften, aus denen einen Welt ohne Eigenschaften geworden sei, (S. 45) klingt doch sehr nach Ulrich und Robert Musil und illustriert möglicherweise den eigenen Ärger oder das Empfinden des Autors über sich und Nr. 1 oder 2. Und dies spricht für meine zweite These hinsichtlich des Inhalts dieses Buches: “Jede Abbruchshoffnung ist begleitet von furchtbarer Abbruchsangst.” (S. 86)

Hillenkamps Bemerkungen über Öffentlichkeit und Privatheit erinnern an Richard Sennetts Buch Der Tod der der Öffentlichkeit und der Terror der Intimität, das in der Originalausgabe viel besser The Fall of Public Man heißt.

Das Ende der LiebeGucken sie mal unter den Umschlag. =>

Stimmt es, dass die freien Menschen immer weiter suchen? Und was ist mit dem Satz “Sex ist heute der Wartesaal der Liebe”? (S. 190) Und dann kommt Hillenkamp auf die Sache mit den Matchingpunkten, mit der die Onlinebörsen das perfekte und glückliche Zusammenpassen versprechen. Früher wollte man gemeinsam eine Existenz aufbauen, heute vergleicht man Existenzen miteinander , lautet Hillenkamps Schlussfolgerung und kommt zur Gleichheitsenttäuschung (S. 211) und erwähnt die Angewohnheit “alles als eine Eigenschaft des Selbst wahrzunehmen” (S. 216).

Seine Beispiele aus der Literatur (Nachweise, S. 310 f.), aus > Madame Bovary, aus Goethes Werther begleiten seine Überlegungen in dem Kapitel Die Suche nach dem Passenden. “De l’amour” (1822) von Stendhal und seine Erklärung des “point de cristallisation” hätte ich auch zitiert, und vielleicht auch Senancours De l’amour selon les lois primordiales et selon les convenances des sociétés modernes, Paris 3/1829: “Pour que l’union soit bonne, il faut que les êtres soient semblables, et différens.” (S.11)

Einen Teil der Lösung deute ich mal: Die Menschen, so Hillenkamp, entdecken erst, dass sie unfrei sind. (vgl. S. 253) Stehen sie sich wirklich selbst im Weg? Dann passt ja wieder das, was Roquentin am Ende von “Der Ekel” (1938) sagt, sein neues Buch müsste so hart wie Stahl sein, dass es den Lesern wegen ihrer Existenz die Schamröte ins Gesicht treibt.” Sie sollen an ihre verpassten und noch nicht wahrgenommenen Möglichkeiten denken.

Und Hillenkamp sagt auch “Lieben könnten sie dagegen nur das lieben, was sie nicht gesucht haben…” (S. 258) Und dann ist da noch die Zeit, die unaufhörlich an der Freiheit des Menschen kratzt. (S. 282).

Genug. Ich freue mich auf ein Gespräch mit Sven Hillenkamp, um nachzufragen, vielleicht verrät er mir, welche der ersten beiden Interpretationen, die hier eingangs versucht wurden, die richtige ist. Ich werde ich auch fragen, wieso er gegen Ende seines Buches plötzlich zur Ich-Form kommt.

Als Essay finde ich sein Buch echt spannend, weil es ganz anders als Partnerbücher, wichtige Fragen stellt, die auch ein sich als total harmonisch empfindendes Paar vielleicht doch ganz unterschiedlich beantwortet. Denn die Übereinstimmung, die Hillenkamp nennt, ist ein Modell, die gibt es gar nicht.

> Leseprobe

Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten
ISBN: 978-3-608-94608-6

Submarino

Donnerstag, 10. September 2009

Jonas T. Bengtsson, SumarinoEtwas ergänzt, Do., 10.9.09, w.
Submarino ist die ungeschminkt realistische Erzählung aus dem Leben zweier Brüder, die sich ständig in einem Wirbel von Drogen, Sex, Gewalt, Verbrechen und Tod befinden. Der Klappentext hat den Leser gewarnt: “Wer dieses Buch liest, wird ein anderer Mensch,” das stimmt nicht ganz, die Lektüre von Submarino verändert den Leser nicht, sie beeindruckt ihn aber doch nachhaltig.
Beide Brüder haben schon durch ihre Kindheit einen vorgezeichneten Lebensweg, dem sie kaum und tatsächlich nicht entrinnen können. Die kurzen Sätze mit wenigen Adjektiven, einigen Adverbien ohne jede Ausschmückung wirken wir protokollartige Notizen. Nicht mal zaghafte Versuche gibt es, der Spirale von Drogen und Betäubung zu entkommen. Nicks Frau wurde von einem Auto überfahren. Sein Sohn Martin geht in den Kindergarten und scheint der einzige Halt seines Vaters zu sein, der zu Hause peinlich darauf achtet, alle Spuren seines Drogenkonsums vor Martin zu verbergen. Aber er dealt, um seinem Sohn Spielzeug kaufen zu können.

Die vielen Rückblenden und das Nachdenken in manchen Situationen verraten das Unwohlsein der beiden Brüder. Ein Anstoß zur Veränderung gar zum Ausstieg aus der Droge ergibt sich dadurch aber nicht. Der Leser wird Zeuge einer zwangsläufigen Entwicklung. Nick schlägt das Erbe der Mutter aus und Martins Vater geht voll ins Risiko, kauft Stoff bezahlt mit den vielen Scheinen aus seiner Sportasche, fixt immer regelmäßiger und stopft sich beim Dealen und Dealen lassen die Taschen mit den Scheinen voll.

Von außen betrachtet sind die Missgeschicke, Unglücke und auch die Gewalttaten wirklich selbst verschuldet, aus der Sicht der beiden Brüder muss das Bild wohl ähnlich sein, aber es kommt zu tragischen Todesfällen Der Unfalltod von Martins Mutter, das Alkoholproblem der Großmutter und ihr langsames Sterben in einem Krankenhaus lassen aus ihrer Sicht zusammen mit ihren Erinnerungen an die eher unglückliche Kindheit ihre Existenz so ziemlich perspektivlos erscheinen. Hinzu kommt noch der Tod ihres kleinen Bruders, der allerdings für die Vernachlässigung durch die beiden Großen unschuldig büssen musste.

Die Anordnung der Geschichten, die beiden Teile die jeweils aus der Ich-Perspektive eines der beiden Brüder erzählen, enthält einen der wichtigen Schlüssel zum Verständnis dieses Buches. Unvermittelt wird der Leser in eine frühere Epoche zurückgeführt, eine Art unwillkürliche Erinnerung ausgelöst durch einen Gedanken oder einen Vorgang. Manchmal fehlt auch der Zusammenhang, manchmal wird er erst im nächsten oder übernächsten Kapitel erkennbar. Wenn die Personen aus der Vergangenheit nochmal auftauchen. So sind beide Brüder doch auf der Suche nach ihrer Vergangenheit, der Martins Bruder ohne über den Tag hinauszudenken nur durch Fixen entkommen will. Die Vergangenheit ist für ihn keine besondere Kategorie, wird aber doch auch als eine Art Entschuldigung oder Erklärung angeführt, vielleicht auch zum Vergleich mit den Möglichkeiten von Martin, der so scheint sich sein Vater es wohl doch zu wünschen von alledem nichts mitbekommen darf und soll.

Das Vorlesen der ersten Seiten, – auch wenn man manchmal stockt, weil so deutlich und drastisch berichtet wird, man kann ja hier nun wirklich nicht alles laut lesen – bringt es an den Tag. Es ist der Stil, dessen so flüssige Handhabung manchmal gar nicht so recht zum dumpfen Immerwiederfixen passen will. Fast so als wenn Martins Vater durch seinen Bericht sich selber intellektuell überlegen wäre. So gelingt es ihm aus seiner Sackgasse heraus ein zunächst erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln, in dem die Angst vor der Polizei und den Spitzeln miteingebaut ist. Kapitel 13 im zweiten Teil “Martin” illustriert die Beobachtungsgabe des Autors, die er ganz und gar auf den Vater überträgt. Martin sitzt vor zwei Psychologen und soll sein Zuhause malen. Wenn er bloß nicht den roten oder den schwarzen Stift nimmt, dann verliere ich ihn, denkt sich sein Vater. Martin nimmt den blauen Stift…, der Vater kann sich wieder beruhigen.

Wieder ein Buch, auf das nach der erwähnten lauten Leseprobe erstmal wieder zu Unrecht die neuen Bücher gelegt wurden. Beim zweiten zweiten Anlauf war das Buch am zweiten oder dritten Abend durchgelesen. Da komme ich nicht rein, sagen die einen, da bin ich steckengeblieben, sagen die anderen. Hier waren es etwa 10-12 Seiten, dann ging es so richtig los. Lesen als Aufwärmen. Man macht sich mit dem Personal und dem Start der Handlung bekannt, man lässt den Stil auf sich wirken, man muss aber auch neugierig sein, mal etwas anderes zu lesen, was nicht gleich in das bekannte Raster passt.

Der Roman wird derzeit von Thomas Vinterberg (»Das Fest«) verfilmt.

> Gespräch mit Tom Kraushaar über Submarino

Jonas T. Bengtsson
> Submarino
Roman
Aus dem Dänischen von Günther Frauenlob (Orig.: Submarino)
380 Seiten
ISBN: 978-3-608-50105-6

Cotta: Das gelobte Land der Dichter. Briefe an die Verleger

Mittwoch, 9. September 2009

Cotta 350 Jahre Verlagsgeschichte! Man stelle sich die Menge an Briefen vor, die das literarische Programm gerade eines Verlags wie Cotta dokumentieren, der die Bücher von Goethe, Schiller, Hegel, Hölderlin und Heine betreut hat. Stephan Askani und Frank Wegner haben gesichtet und ausgewählt. Jetzt ist ihr Buch mit den Briefen der Autoren an die Herausgeber erschienen: > Cotta – »Das gelobte Land der Dichter« Briefe an die Verleger Gestern habe ich die beiden Herausgeber dieses Buches besucht und sie haben Fragen zu ihrer Auswahl und überhaupt zum Verhältnis zwischen Autoren und Verlegern beantwortet.Es geht um 350 Jahre Verlagsgeschichte in Briefen. Alles begann 1659 mit der J.G. Cotta’schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen, die deutsche Geistesgeschichte widerspiegelt. Zum 350-jährigen Jubiläum legen die beiden Herausgeber einen Band mit Briefen vor, die Dichter und Denker an ihren jeweiligen Verleger geschrieben haben. Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Jean Améry, Ernst Jünger, Golo Mann, Javier Marías u. a. sind dabei. Die Autoren wollen ihre Bücher in guten Händen wissen, es geht auch um Geld, nebenbei, manchmal auch eindringlich erwähnt. Es geht seitens der Autoren um Desiderate, sie klagen auch über die leidigen Druckfehler und hoffen auf eine gefällige Ausstattung ihrer Werke. Friedrich Schiller verrät > Johann-Friedrich Cotta am 24. März 1800 die Erwartungen Goethes: “Noch einen guten Rat. Ich fürchte, Goethe läßt seinen Faust, an dem schon so viel gemacht ist, ganz liegen, wenn er nicht von außen und durch anlockende Offerten veranlaßt wird, sich noch einmal an diese große Arbeit zu machen und sie zu vollenden. Der Faust wird, wie er mir sagte, wenn er vollendet ist zwei beträchtliche Bände über 1 Alphabete betragen. Er rechnet freilich auf einen größeren Profit…”. Friedrich Hebbel wendet sich am 22. Dezember 1856 an Georg von Cotta und möchte einen “Geschäfts-Antrag” machen. “Aber Deutschland ist lange gewohnt, Gedichte bei Ihnen zu suchen.” Hebbel räumt auch ein: “Ich bin nicht um eine Buchhandlung in Verlegenheit.” Diese Autoren kannten sehr wohl den Wert ihrer Werke und entwickelten mit ihren Verlegern oft ein besonders Vertrauensverhältnis. Und Hegel meldet am 22. Januar 1832 das was Verleger gar nicht so gerne mögen: Die Umarbeitung des Manuskripts: “Meine Ausstreichungen und Zusätze – ich habe das meiste umgearbeitet – werden sich ungefähr balancieren. Es werden sich wenige Bogen über die erste Ausgabe ergeben.” Stimmt, ich war etwas skeptisch, weil die Auswahl der Briefe nicht der Chronologie folgt, aber die Herausgeber haben sie klug geordnet, und es ist ein Vergnügen auf 158 Seiten eine an Jahren doppelt so lange Verlagszeit beim Lesen an sich vorüberziehen zu lassen: Goethe am 16. Juni 1831 an Johann Friedrich Cotta: “Doch sei es nicht mutlos geschlossen! vielmehr mit der Versicherung: daß ich jeden guten Augenblick zu nutzen trachte, um derjenigen, die an mir teilnehmen, bis ans Ende wert zu sein.”

Das Gespräch mit Stephan Askani und Frank Wegner:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

ca. 18 Min.

Vor diesem Gespräch habe ich eine Aufnahme vom Cotta’schen Haus in Tübingen gemacht. – Was hätten die Autoren dieser Briefe heute zum Mitmachinternet gesagt, wo jeder überall veröffentlichen kann und ihre potentiellen Leser immer mehr der willkürlichen Auswahl von Suchmaschinen vertrauen. Auch ohne die Antworten der Verleger, die sich auch in diesem band im Hintergrund halten, bemerkt man in diesen Briefen doch sehr deutlich ihre Bereitschaft, ihr verlegerisches Gespür und ihren wirtschaftlichen Wagemut für Neues Leser zu finden und damit auch ganz schlicht die Überlegenheit eines Verlages über > Open Access, das die > Nutzungsrechte am liebsten Verleger und Autoren entwinden und ins Internet verlagern wollen..

> Cotta – »Das gelobte Land der Dichter«
Briefe an die Verleger
Mit einem Vorwort von > Brigitte Kronauer
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
168 Seiten
ISBN: 978-3-608-93904-0

Zeittafel

1659 am 22. November
Heirat Johann Georg Cottas mit der Witwe des akademischen Buchführers Philibert
Brunn.

Der Verlag bzw. die Buchhandlung wird geführt

von bis durch
1659-1692 Johann Georg Cotta I
1692-1712 Johann Georg Cotta II.
1712-1770 Johann Georg Cotta III.
1770-1775 Johann Jacob Cotta
1775-1787 Christoph Friedrich Cotta
1787-1832 > Johann Friedrich Cotta der „große“ Cotta
Seit 1817 von Cotta zu Cottendorf, seit 1822 Freiherr
1833-1863 Johann Georg IV. Freiherr Cotta von Cottendorf
(Georg von Cotta)
1863-1888 Carl Freiherr Cotta von Cottendorf
1889-1911 Adolf Kröner (führt den Verlag nach dem Kauf unter
dem Namen J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger weiter.)
1911-1955 Robert Kröner und seine Erben
1952/1954 Erwerb des Cotta’schen Verlagsarchivs durch die Stuttgarter
Zeitung und seine Überführung als Leihgabe an das Schiller-Nationalmuseum,
Marbach
1956-1977 J.G. Cotta’sche Nachfolger GmbH, nach dem Verkauf an eine Gruppe Stuttgarter Verleger und Buchhändler. Der Verlag geht noch 1956 in das alleinige Eigentum von Wilhelm Schlösser über.
1977 Die Firma Ernst Klett – Verlag und Druckerei – erwirbt von Wilhelm Schlösser alle Anteile an der J.G. Cotta’schen Nachfolger GmbH. Der wissenschaftlich-belletristische Verlag von Ernst Klett wird umbenannt in Verlagsgemeinschaft Ernst Klett – J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, abgekürzt Klett-Cotta.

Quelle: (für die Daten bis 1959) Liselotte Lohre.

Artenschutz für Männer
Erziehung und Schule

Freitag, 4. September 2009

Hanne SeemannGerade ist das Buch > Hanne Seemann bei Klett-Cotta > Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen erschienen.

Bei unserem vierten Gespräch über das Buch geht es um Erziehung und Schule. In ihrem Buch gibt es einige Anmerkungen zum Zustand unserer Bildungseinrichtungen zum Beispiel schreibt sie: “Unsere Erziehungseinrichtungen sind nicht so sehr darauf ausgerichtet, die individuellen Ressourcen zu fördern und die Besonderheiten der einzelnen Kinder zu sehen und zu berücksichtigen. Hanne Seemann Sie sind eher darauf aus, die Kinder auf allgemein erforderliche Kompetenzen und Regeln hin zu ‘eichen’.” Ich habe nachgefragt. Ihr Sohn spricht von einem “Zwangsinteresse”. Werden Schüler gefragt, ob sie dies und jenes lernen wollen? Sie könnten dann mehr über sich erfahren und wissen, wer sie sind. Werden Schüler auch hinsichtlich ihrer Fähigkeiten geprüft? Und zu diesem Punkt erwähnte Frau Seemann die digitalen Möglichkeiten, mit deren Beherrschung Schüler ihre eigenen Fähigkeiten besser ausloten können. Das hat mir gefallen, wie sie in unserem Gespräch einen der wichtigsten Aspekte einer Medienkunde erwähnt. Und dann kamen wir auf die Unterschiede zwischen Jungens und Mädchen. Wie bekommen Jungens mehr Verantwortung? Bekommt die Koedukation allen gleich gut? Müssen die Jungens sich den Mädchen anpassen? Wie kann man die Jungens zu einer eigenständigen Entfaltung anleiten? “In ihrer Art müssen sie ernstgenommen werden,” antwortet sie.

Tut die Schule genug für die Identitätsbildung? dazu hat Frau Seemann ein dezidierte Meinung. Haben Jungens Träume? “Einer der keine Träume hat, ist er verratzt… die Träume tragen in die Zukunft…”. Man muss sie haben. Hier können Jungens (und Mädchen ) gefördert werden. “Realitätsfern?” – “Gottlob!” – Manchmal ist die Realität nicht zumutbar… die > Fantasyliteratur und bloggen sind da manchmal ein Ersatz.

Leider hört das Gespräch etwas abrupt auf. Unsere letzten Worte, der Dank für das Gespräch und die Verabredung für das nächste Treffen fehlen, ich hab das Tonbandgerät einfach zu früh ausgemacht; der nächste Termin ist aber verabredet.

Hören Sie hier unser viertes Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

> Unser erstes
Gespräch

> Unser zweites Gespräch.

> Unser drittes Gespräch

Hanne Seemann,
> Artenschutz für Männer. Die Wiederentdeckung des Männlichen

230 Seiten
ISBN: 978-3-608-94554-6