Verlagsblog

Archiv für April 2010

Lesebericht: Die Beatles und die Philosophie

Mittwoch, 28. April 2010

Im Frühjahr ist bei Tropen der Band > Die Beatles und die Philosophie und dem Untertitel Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten, erschienen, den Michael Baur und Steven Baur herausgegeben haben und der von Susanne Held und Christoph Trunk übersetzt worden ist. Welch ein Lesevergnügen! Schon bei den ersten Kapiteln bin ich wieder im alten Partykeller und höre die Songs der Beatles „A Day In the Life“, „A Hard Day’s Night“, „Don’t Let Me Down“, „Fixing a Hole“, „I’ve Got A Feeling“, „Mr. Moonlight“, „Strawberry Fields Forever“, „Yellow Submarine“, und so viele andere. Dann nach etwa 80 Seiten hielt ich es doch nicht mehr aus und holte mir dem Zeitalter gemäß die CDs mit den Beatles-Songs, die ich aus Nostalgie schon vor einigen Jahren gekauft hatte.

Die Frage, ob Philosophen über die Beatles schreiben können, braucht gar nicht gestellt zu werden. Und ob sie das können. Alle Autoren dieses Bandes ist es wunderbar gelungen, die Ohrwürmer von damals zu entschlüsseln und dabei einen spannenden Aus- und Einblick in die Philosophie zu vermitteln. David Detmer hat den Skeptizismus und die Erkenntnistheorie bei den Beatles untersucht. Es geht in vielen ihrer Songs um Wissen und Erkenntnis, genau genommen um die Frage, wie Wissen erlangt wird. Grund genug, dass ein Epistemologe, der einen Hauptzweig der Philosophie vertritt, sich die Liedtexte der Beatles genauer ansehen sollte: „I’m a Loser“, die Dinge sind manchmal nicht so, wie sie scheinen. Es geht auch um die Selbsttäuschung: „Nowhere Man“, der nur sieht, was er will. Michael Baur untersucht den idealistischen Monismus in Zusammenhang mit den Beatles. Der Monismus will den Zusammenhang von Allem mit einem großen Ganzen zeigen. Baur geht aber hier über sein Thema hinaus und erklärt Zusammenhänge zwischen der Popkultur und der Philosophie. Das ist spannend, weil er gleichzeitig Parallelen zu anderen Themen der Beatles herstellt und immer wieder ihre Songs als Belege für seine Ausführungen nennt. DIe Verbundenheit aller Dinge kommt z. B. in „All you Need is Love“ zum Ausdruck.

Hegel, Liebe und Gemeinschaft ist das Thema von Jacob M. Held: „I am a Walrus“:“Ich bin hier und du bist hier, und du bist ich und wir sind alle zusammen, bringt hier die Liebe auf den Punkt. Peggy J. Bowers hat „She’s a Woman“ wiedergehört und hat sich die Beatles und die feministische Ethik der Fürsorge angesehen. Notieren Sie sich die philosophischen Begriffe, die in diesem Buch genannt werden, und Sie haben nach der Lektüre den Index eines Philosophie-Lehrbuchs vor sich liegen. Oder andersherum, die Autoren dieses Buches schieben Ihnen ganz nebenbei, während Sie sich beim Lesen an die Songs der Beatles erinnern, ein Lehrbuch der Philosophie unter. Das machen sie ganz unaufdringlich und sehr geschickt. Sie ertappen sich dabei, gerne mehr über die Philosophie wissen zu wollen. Hegel, Schelling, Nietzsche, Heidegger, Sartre u.a. Philosophen kommen vor und ergänzen mit ihren Gedankengebäuden die Lebendigkeit der Beatle-Texte. Die > Beatles-Songs – das waren Zeiten! – und die Philosophie verweisen beide aufeinander. Nebenbei erzählt Peggy J. Bowers, wie sich die Beatles Ende der 50er Jahre zusammengefunden haben. Sie erzählt von dem „prickelnden Lebensgefühl“: „Here comes the Sun“, und wie George sich an seine Freundin wendet: „Liebling, das Lächeln kehrt auf ihre Gesichter zurück. Liebling, es war doch jahrelang verschwunden. Hier kommt die Sonne. Hier kommt die Sonne. Alles ist gut.“ Aber ihre Liedtexte erzählen auch von Gleichgültigkeit und bemerken sehr wohl das Nebeneinander in den sozialen Beziehungen: „I’m looking through you“.

Dann kommt die Sozialphilosophie dran. Scott Calef untersucht die Kritik der Beatles an der Konsumkultur „You Say that You’ve Got Eyerything You Want“. Im Rauch des Konsums geht die Solidarität verloren. Die Beatles setzen diesem Verlust Ihr „Come together“ entgegen oder „Getting better oder auch „I’m fixing a Hole“. Steven Baur hat einen interessanten Beitrag über Karl Marx und die Beatles verfasst. Marx ist es auch, der als einziger Philosoph es auf ein Cover der Beatles geschafft hat: Sergeants Pepper’s Lonley Harts Club Band: „We all want to Change your Head.“ Oder sie melden sich mit „I’m Only Sleeping“ zu Wort, um der pausenlosen Geschäftigkeit einen Ruhepool entgegenzusetzen.

Und dann das großartige Kapitel über die Existenzphilosophie: „Think for Yourself“. Michel H. Hoffheimer und Joseph A. Hoffheimer über George zu Sein und Etwas: „A Day in Life“ und die Parallelen zur Philosophie > Jean-Paul Sartres steht hier im Mittelpunkt. „Savoy Truffle“ schriebt George 1968 und behauptet „Man ist, was man isst.“ Und der Autodidakt sagt zu Roquentin in La Nausée (1938): „Das Leben hat den Sinn, den sie ihm geben.“ Die Unaufrichtigkeit, die Sartre 1943 in L’être et le néant
definiert, wird von ihm mit einem Beispiel illustriert: Eine Frau lässt sich verführen tut aber so, als merke sie nicht, dass der Mann sie zu verführen versucht, während sie genau das will: „Norwegian Wood“. Sartre erläutert, dass der Mensch für sich selber und sein Handeln verantwortlich ist: John und Paul sagen 1965 in „The Word“ „Sag das Wort, und du wirst frei sein.“

Ronald Lee Ziegler beschreibt die Beatles als Ersatzgurus östlicher Philosophie: „Realize It’s All Within Yourself“. Jere O’Neill Surber hat sich „I’d Love to Trun You on“ und die Ethik der Beatles einer Bewußtseinserweiterung angesehen. Hier geht es auch wieder um Sartre und Heidegger, aber Surber meint die Beatles gehen u. a. auch mit ihren kosmischen Visionen noch über beide hinaus: „Here, There and Everywhere“. James B. Southe schreibt über Die Beatles und die Praxis der Philosophie: „But I Can Show You a Better Time“. James Crooks untersucht Die Postmoderne der Beatles: „Take a Sad Song and Make It Better“, und Rick Mayrock hat Parallelen zwischen Nietzsche und den Beatles entdeckt.

Im letzten Teil geht es um „Number Nine, Number Nine, Number Nine“: Das Spiel der Beatles mit Sprache und Unterschieden. Alexander R. Eodice hat sich „And of Course Henry the Horse Dances the Waltz“ vorgespielt und analysiert Lennons lyrische Sprachspiele. Richard Falkenstein und John Zeis tragen ihre Überlegungen unter dem Titel Vielfältiges Spiel mit Unterschieden vor, und schließlich hat Michael Caputo versteckte Hinweise auf den Tod von Paul McCartney gesammelt.

Schade, das Buch hätte auf meinem Lesestapel ganz oben liegen müssen. Vielleicht hatte ich keine Daumenprobe gemacht. Beatles und Philosophie? Denkt sich wohl auch mancher im Buchladen. > Blättern sie mal in dem Buch!. Ein IPad zeigt die Leseprobe nicht an. Dann hier: > Leseprobe. Hören Sie ihre Songs? Nein, dann blättern Sie ein bisschen weiter. Jetzt? Sehen Sie, so ging es mir auch.

Nachgefragt: > Tom Kraushaar über die Beatles und die Philosophie

Michael Baur / Steve Baur
> Die Beatles und die Philosophie
Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden ohne Schutzumschlag
319 Seiten
ISBN: 978-3-608-50402-6

Mood Cure – Der Vortrag von Julia Ross in Berlin

Mittwoch, 28. April 2010

Am 25.03.2010 hat Julia Ross in der Urania Berlin einen Vortrag über ihr Buch > Die Mood cure. Was die Seele essen will gehalten, das im Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen ist. Auf dem Blog zu diesem Buch können Sie den Vortrag über die Mood Cure mit einer deutschen Übersetzung hören.

Über den Vortrag zur Mood Cure:

“Ängste, Stress, Stimmungsschwankungen, ADS, Essstörungen und viele weitere seelische Probleme können durch Ernährungsumstellung geheilt werden. Die Ernährungspsychologin Julia Ross hat mit der Mood Cure ein wissenschaftlich erprobtes Programm entwickelt, das schnell und einfach hilft. Spezifische Behandlungsmethoden und ein individuell abgestimmtes Ernährungskonzept machen es möglich, chemisches Ungleichgewicht wieder in Balance zu bringen. Julia Ross ist Psychotherapeutin in leitender Funktion in einer Klinik, in der Ess-, Sucht- und Stimmungsprobleme behandelt werden. Sie ist Pionierin im neuen Forschungsfeld “Ernährungspsychologie”.

> Nachgefragt: Julia Ross – Was die Seele essen will

Platz 1 bei RPC-Convention in Köln
Oliver Plaschkas »Die Magier von Montparnasse«

Mittwoch, 28. April 2010

Oliver Plaschka hat für sein Buch > Die Magier von Montparnasse den Platz 1 bei der > Role Play Convention 2010 in Köln erhalten: > Fotos.

„Der RPC Fantasy Award versteht sich als Orientierungshilfe für Kunden, die ausgezeichnete Spiele und Medien suchen, mit denen sie außergewöhnliche Momente erleben können! Phantastik und Phantasie entspringen einer Wortfamilie und das nicht ohne Grund. Phantastische Thematiken sind ganz besonders geeignet, um die Grenzen der Alltäglichkeit hinter sich zu lassen und seiner eigenen Kreativität freien Raum zu geben.“ (Website)

> Zaubern und Magie: Der feine Unterschied: Oliver Plaschka, Die Magier von Montparnasse

Hier ist seine Facebook-Seite: > Oliver Plaschka

Oliver Plaschka
> Die Magier von Montparnasse
1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarten
427 Seiten
ISBN:978-3-608-93874-6

Klett-Cotta bei den Lindauer Psychotherapietagen April 2010

Donnerstag, 15. April 2010

Auch dieses Jahr halten wieder mit vielen Klett-Cotta Autorinnen und Autoren.

Plenarvorträge und Seminare.

1. Woche: Identitäten 18.-23.4.2010

Vorlesungen/Plenarvorträge
18.-23.4. Ursula Gast: Dissoziative Störungen erkennen und behandeln
18.-23.4. Ulrich Streeck: Das Selbst und die Anderen
19.4. Inge Seiffge-Krenke: Identitätsentwicklung heute: Nie erwachsen?
23.4. Luise Reddemann: Achtsamkeit in der Behandlung von persönlichkeitsgestörten und traumatisierten PatientInnen

Seminare und Kurse von und mit
Christa Diegelmann, Ursula Gast, Hans Hopf, Dankwart Mattke, Mechthild Papousek, Luise Reddemann, Inge Seiffge-Krenke, Bernhard Strauß, Ulrich Streeck, Annette Streeck-Fischer

2. Woche: Erinnern und vergessen 25.-30.4.2010

27.4. Hans J. Markowitsch: Neurobiologie des Gedächtnisses
29.4. Jan Assmann: Rituale der Erinnerung
29.4. Hansruedi Ambühl: Zwangsstörungen
30.4. Jürg Willi: Das Ausblenden des Guten
30.4. Edgar Wolfrum: Kollektives Gedächtnis geformt durch Bildmedien

Seminare und Kurse:
Hansruedi Ambühl, Karl Heinz Brisch, Diana Drexler, Andreas Maercker, Hans J. Markowitsch, Helmut Kuntz, Udo Rauchfleisch, Thomas Reinert, Günter H. Seidler, Jürg Willi

Veranstaltungen Klett-Cotta auf dem Bücherschiff 2010

Mittwoch, 28.4., 19:00-20:00
Buchvorstellung > SAFE – Sichere Bindung zwischen Eltern und Kind
mit Herrn Dr. Karl Heinz Brisch

Möchten Sie schon mal > in SAFE – Sichere Bindung zwischen Eltern und Kind blättern?

Donnerstag, 22. 4., 13:30-14:00
Buchvorstellung > Trauma und Trauer
mit Frau Dr. Ursula Gast und Herrn Dr. Klaus Onnasch

Möchten Sie schon mal > in Trauma und Trauer blättern?

MERKUR – April 2010

Donnerstag, 15. April 2010

Im Aprilheft des MERKUR geht es um eher unangenhme Erbschaften: Chaim Noll berichtet über die Persistenz der kommunistischen Nomenklatura, die erst ihre Staaten ruiniert hat und nun wieder Oberwasser hat. Helmut König aht darüber nachgedacht, wie man in Deutschland mit dem Erbe der Diktaturen umgeht: Aufarbeitung oder Integration? Alan Johnson, Ein bisschen Terror darf dabei schreibt über über Slavoj Zizek der wieder den Kommunismus anpreist.

Dann folgen zwei interessante Beiträge zur Stadtarchitekur. Theodore Dalrymple erinnert an das Totalitäre im Schaffen von Le Corbusier. Aber es gibt auch das > Le Corbusier-Haus in der > Stuttgarter Weissenhofsiedlung. Ich finde, Dalrymple geht mit Le Corbusier sehr kritisch, vielleicht eine Spur zu kritisch um.

Hans Stimmann, der bis bis 2006 Senatsbaudirektor in Berlin war, zeigt sich sehr enttäuscht: Die moderne Stadtplanung, darunter versteht er die der Sozialdemokraten, ist seiner Ansicht nach nach missraten. Das ist auch kein gutes Zeugnis für viele andere Städte, deren Stadtplanung zwar das grundsätzlich Nützliche zeigen mag, aber eine -mit Bezug auf Wolfgang Braunfels „ästhetische Überhöhung“ vermissen lässt. Es geht um die Qualität des Wohnens und der Bewegung in der in der Stadt,und eine Stadtplanung, die überfällige Stadtreparaturen nicht in den Blick nehmen mag oder kann.

Dann folgen Kolumnen zur Musik und Philosophie. Richard Klein beschäftigt sich mit dem Fall Hans Heinrich Eggebrecht und klagt in diesem Zusammenhang über die Rolle der deutschen Musikwissenschaft. Otfried Höffe fragt Wie stark ähneln wir unseren biologischen Verwandten?

Siegfried Kohlhammer fragt Das Ende Europas? und trägt seine Ansichten zur Integration der Muslime vor. Walte Laqueur fragt isch , ob Europa doch noch irgendwie eine Weltmacht werden wird, oder bloßer Anhängsel Anderer bleiben wird?

Ralph Bollmann untersucht den Zusammenhang von Wetter, Klima und Politik. Stephen T. Asma, Grüne Schuld, fragt ob Umweltschutz auch eine Relgion werden kann. Michael Esders beklagt den Aphorismus im politischen Marketing, mit dem das politische Spiel gedeutet werden kann. Auch wenn er manchmal Wahrheiten akzentuieren kann, so ist doch die zunehmende Gewohnheit vieles verkürzt auszudrücken, nicht immer ein Beweis für Weitblick.

Wolfgng Schömel hat mit Rotenfels eine sehr traurige Geschichte verfasst.

> MERKUR

Wieso wollen E-Books Bücher ersetzen?

Donnerstag, 15. April 2010

David Gelernter, Professor für Computerwissenschaft an der Yale-University in New Haven, Connecticut, hat einen Aufsatz über die > E-Book-Plage – wieso lautet der Titel auf der Website der FAZ nämlich Für ein neues Lesen im Internet-Zeitalter ganz anders als in der Print-Ausgabe? – geschrieben, den die FAZ heute im Feuilleton veröffentlicht hat. Er zählt alle Merkmale und Vorteile, auf die sich mit den Büchern auf unseren Regalen verbinden und die mit der Einförmigkeit der neuen Anzeigegeräte nichts zu tun haben.

Mein erster E-Book-Test war genauso ernüchternd. Durch das Blättern per Klicken oder Tippen auf den Bildschirm geht so ziemlich alles verloren, was eine Lektüre begleitet. Seitenzahlen werden abstrakt gegenüber dem Blick auf die noch ungelesenen Seiten des Buches. Die Elektronik hilft beim Suchen eines bestimmten Wortes, man braucht nicht mehr das Gefühl für die Verdichtung des Textes hin zu einer bestimmten Idee, zu einem Begriff, zu einer bestimmten Aussage. Man verlernt, ein Gefühl für den Text zu bekommen. Hypertextfunktionen verbinden alles mit jedem, jedes Stichwort wird zum Sinnträger des ganzen. Ein elektronisches Gerät assistiert bei einer Daumenprobe gar nicht mehr. Man nimmt das Buch in die Hand, zum Beispiel von einem großen Bücherstapel in der Bibliothek, die Daumenprobe, die kurzen Blicke ins Vorwort, die Stichproben auf den Seiten, der Blick ins Inhaltsverzeichnis, in das Register verraten soviel über das Anliegen des Autors, seine Idee, seinen Ansatz, sein Verfahren und das Ergebnis. Das E-Book als Instrument macht die Daumenprobe kaputt, das Gerät schiebt sich zwischen den Buchinhalt und den Leser.

Aber für manche schnell zu aktualisierende Texte werden diese Lesegeräte – ein Ausdruck, der uns in Aussicht stellt, der Leseprozess werde einfacher , so wie die Waschmaschine Hemden bearbeitet – vielleicht wirklich ihre Nische finden. Auch werden sich diese Geräte eines Tages zum Multimediaalleskönner, Video, Texte, Musik entwickeln. Das können heutige Laptops und Notebooks auch alle schon. Aber keines dieser Geräte, je ausgetüftelter ihre Funktionen und ihre Software auch sein mag, ersetzt die traditionelle Recherche in den Bibliotheken und überhaupt in der Welt. Natürlich ist das Internet ein riesiger Vorratskasten mit tollen und viel zu vielen (beliebigen) Informationen, aber nutzen kann ein Student das nur, wenn er vorher gelernt hat, sich in einer Bibliothek zu bewegen. Ein Romanist, der eine Hauptseminararbeit schreiben will, kommt nicht viel weiter, wenn er noch nie was vom Regal mit den Personalbibliographien, vom Klapp, der Verzeichnisses der Rezensionen und allen sonstigen bibliographischen Hilfsmittel aber von Wikipedia gehört hat. Eine Abschlussarbeit über ein Werk von Albert Camus oder Honoré de Balzac oder Maria de‘ Medici benötigt kein Internet, weil es da schlicht nichts oder kaum etwas dazu gibt, außer so manchem nützlichen Hinweis auf bibliograpische Angaben, womit wir wieder beim Thema des ständigen Abschreibens wären. Mit solchen Verfahren kann man prima beobachten, wie immer die gleiche Sekundärliteratur zitiert wird und wie wenig Neugier am Werke ist.

Werden sich Seminarteilnehmner künftig darauf beschränken, auf die Glasscheibe ihrer Lesehilfe mit dem > Wikipedia-Eintrag zu Camus zu gucken, um zur Sitzung etwas beizutragen?

Die Lesegeräte werden sicherlich eines Tages seine Benutzer mit > Sozialen Netzwerken finden, denn gemeinsam liest sich es schneller. Textfunde können gebookmarkt werden und kreieren mehr oder weniger sinnvolle Links in alle Richtungen. Und Gelernter kennt durchaus die Vorteile des > elektronischen Schweifs, er sagt „leuchtender Schweif“, den das Buch, der Komet durchs Internet hinter sich herzieht. Das sind wertvolle Ergänzungen für Bücher, auf die wir gar nicht mehr verzichten wollen. Aber Buchlesen in elektronischer Form, wo soll den der > Autor nach der Lesung dann noch signieren?

Also, E-Books, werden Bücher nicht ersetzen, weil das Lesen dann schöner, schneller, interessanter, spannender, kurzweiliger, vielfältiger, aufregender oder einfacher wird, sondern weil es die Technik gibt. So wie beim TV, dessen Existenz sein wichtigster Grund ist.

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