Verlagsblog

Archiv für Mai 2010

Ein Fantasytag bei Klett-Cotta

Dienstag, 25. Mai 2010

Der Verlag Klett-Cotta veranstaltete im vergangenen Jahr einen Rezensionswettbewerb für Schülerzeitungen zum Titel „Die Drachen der Tinkerfarm“ von Tad Williams. Gestern waren die Gewinner bei Klett-Cotta zu Besuch und verbrachten einen Tag im Verlag. Dort wurden die 5 Schülerinnen und Schüler aus Frankenberg in Hessen sowie München und Augsburg vom > Fantasy-Lektor Stephan Askani, den Marketing-Managern Kirsten Brückmann und Johann Meiner unter anderem mit einer Verlagsführung, einer kleinen Lesung und ganz konkreter Textarbeit in die Arbeit einbezogen. Ein schöner und spannender Tag für alle Beteiligten.

Auf dem Bild (v.l.n.re.): Johann Meiner, Kirsten Brückmann (hinten), Elisa Palm (11 J.), Anna Klotz (11 J.), Aline Stirnberg (15 J.), Jakob Wunderwald (15 J.), Carolkine Safferling (Lehrerin), Andreas Kringe (Lehrer), Stephan Askani

Nicht nur für werdende Mütter auch für die Väter:
SAFE – der feinfühlige Umgang mit dem Baby

Mittwoch, 19. Mai 2010

Wie oft das Wort „observer“ in > Rousseaus Buch über die Kindererziehung, Emile ou de l’éducation (1762) vorkommt, mindestens 29 mal! Brisch erklärt seinen Lesern und den jungen Eltern das auch. Beobachtet ganz genau das Kind und vermittelt ihm in Ruhe Eure Entscheidung. Das sieht natürlich im richtigen Leben ganz anders aus, aber Brischs Methode hat gerade den Übergang zwischen Theorie und Praxis genau im Griff. Seine Beispiele sind keine bloßen Illustrationen, die zweijähige Julia, Helena, Nina oder Jens zeigen zusammen mit ihren Eltern, dass Erziehung auch ein gegenseitiger Prozess ist, weil die Eltern durch das Beobachten auch lernen.

"Je voudrais qu’un homme judicieux nous donnât un traité de l’art d’observer les enfants. Cet art serait très important à connaître. Les pères et les maîtres n’en ont pas encore les éléments."
Jean-Jacques Rousseau, Émile ou de l’éducation

Und damit das ein bisschen schneller geht, und sie sich auf den Nachwuchs besser vorbereiten können, hat Brisch dieses Buch geschrieben. Karl Heinz Brisch, Privatdozent und Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Nervenarzt und Psychoanalytiker. Er leitet als Oberarzt die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Ludwig-Maximilians-Universität, in München. Sein Forschungsschwerpunkt umfasst den Bereich der frühkindlichen Entwicklung zu Fragen der Entstehung von Bindungsprozessen und ihren Störungen.

Im Frühjahr ist das Buch > SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern bei Klett-Cotta erschienen. – Übrigens Rousseau denkt nicht nur an die Väter und „Meister“, er berücksichtigt auch die > Mütter (26) und er Vollständigkeit halber auch die Mutter (83).

Ratlos stehen manche werdenden Eltern oft vor dem Rategeberregal ihrer Buchhandlung. Außer guten Wünschen kommen bald auch aus der Verwandtschaft gute Ratschläge. Die ersten Sorgen vor der Ankunft des neuen Familienmitglieds stellen sich ein.
Der SAFE®-Kurs ist für werdende Eltern entwickelt worden, damit sie bereits in der Schwangerschaft, feinfühlig und vor allem und angemessen auf die Signale ihres Kindes reagieren können. Schreit und weint das Baby, gibt es Gründe, die sicher erkannt werden sollten. Brisch nennt eine ganze Reihe von typischen Beispielen, korrigiert behutsam das Verhalten der Eltern und gibt zu erkennen, dass richtige Reaktionen auf Unmutsäußerungen der Kleinen viel mit der Entwicklung der Bindungsfähigkeit zu tun haben. Er versteht eine gute Eltern-Kind-Bindung als Voraussetzung für ein stabiles Fundament der Persönlichkeit.

Natürlich haben Mütter und Väter die besten Absichten und natürlich auch Sorgen. Wo soll das Kind schlafen? Wie wird das werden, wenn das Kind zum ersten Mal in der Kinderkrippe allein bleibt? Wie steht es um die Bedürfnisse der Eltern? Muss ein Baby Grenzen haben? Wie steht es um die Verwöhnung?

„Bindung vor Bildung“ resümiert schon die große Bedeutung, die der Bindung von Brisch zuerkannt wird. Vertrauen gehört auch dazu und auch ein geregelter Tagesablauf, auf den die Kleinen sich verlassen können. Dazu zählen auch bestimmte Rituale, wie das Zubettgehen, das sich nicht mit Hektik, sondern gemäß eines eingeübten Ablaufs ankündigt und dann vollzieht. Wenn Babies weinen (Weinen – Die Überlebensgarantie, S. 89 ff.) ist das sicher eine Stresssituation für sie. Brisch erklärt an verschiedenen Stellen, wie die Beruhigung des Babies funktioniert, ohne dass es zum das Gegenteil, nämlich einer gegenseitigen Stressweitergabe kommt.

Störungen der Bindung, Brisch nennt sie desorganisierte Bindung (S. 57 ff) kann allein schon durch Beobachtung von Mutter und Kind erkannt werden. Auch die Wutanfälle der Kleinen müssen nicht immer nur Machtproben sein, manchmal haben sie relativ einfach erklärbare Ursachen, auf die mit Besonnenheit zu reagieren ist.

Die Bindung beginnt nicht erst nach der Geburt. Brischs Anmerkungen zur Schwangerschaft sind sehr lesenswert. Auch hier geht es wieder um Stressregulation seitens der Mutter und das Zwiegespräch mit dem Baby.

Möchten Sie > in dem Buch SAFE von Karl Heinz Brisch schon mal blättern?

> Weitere Bücher von Karl Heinz Brisch bei Klett-Cotta.

Karl Heinz Brisch
> SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern
1. Aufl. 2010
176 Seiten:
ISBN: 978-3-608-94601-7

Die zwei Körper des Präsidenten

Donnerstag, 6. Mai 2010

Dieses Blog muss ja keinesfalls nur über die neuen Bücher berichten. Der Gang ins Archiv oder nur der Blick in den Katalog von Klett-Cotta erinnert an wunderbare Bücher, von denen so manches selbst Wissenschaftsgeschichte ist.

Heute erschien auf der > Twitter-Seite des Frankreich-Blogs ein etwas merkwürdiges Tweet, so heißen die Beiträge auf de Zwitscherseite: „Kantorowicz. Die zwei Körper des Königs! So auch heute in Frankreich : v. Interview mit Courtois heute in LE MONDE > http://bit.ly/ccguJ1„, www.bit.ly ist ein URL-Verkürzungsdienst, man muss ja bei Twitter das Limit von 140 Zeichen einhalten.

Anlass für diesen Zwischenruf war das Interview unter dem Titel > „Pour Sarkozy, la période des réformes est révolue“ oder eher Chat-Gespräch, bei dem der Direktor von LE MONDE, Gérard Courtois, zu den sinkenden Meinungsumfragewerten von Nicolas Sarkozy befragt wurde. Für die schlechten Werte des Präsidenten führt Courtois einige Erklärungen an, unter anderem auch den Stil des Präsidenten, der seine bisherige Amtszeit geprägt hat. Aber Courtois weist auch daraufhin, dass im Elyséepalast ein Umdenken begonnen hat: „… on assiste depuis à un recadrage en profondeur du style, de la communication, de l’équipe présidentielle et du mode de gouvernement“. Alles hängt für Sarkozy von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ab. Seine Wahlversprechen sind durch die Finanzkrise hinfällig geworden. Gelingt Frankreich aber eine wirtschaftliche Besserung, so hat er Chancen 2012 wiedergewählt zu werden.

Der persönliche Stil des Präsidenten und die Zwänge oder Gewohnheiten, die sein Amt mitbringt, also die Notwendigkeit für Nicolas Sarkozy jetzt wirklich oder endlich in die Haut des Präsidenten der V. Republik zu schlüpfen, erinnert mich an das Buch von > Ernst Kantorowicz (1895-1963), > Die zwei Körper des Königs mit dem Untertitel Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters. Eines der besonderen Bücher, die ich im Studium verschlungen habe.

Ernst H. Kantorowicz
> Die zwei Körper des Königs Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters.

Der Titel kommt aus einer Untersuchung elisabethanischer Kronjuristen. Sie schrieben dem König zwei Körper zu: den natürlichen und damit sterblichen, und einen »übernatürlichen«, der niemals stirbt. Das ist auch eine politische Glaubensformel, die Religion und Staatslehre vereint. Aus dieser mittelalterlichen juristischen Fiktion der zwei Körper des Königs entwickelt Kantorowicz eine Entstehungsgeschichte des modernen Staates, die historische Physiologie der Unterscheidung zwischen der öffentlichen Funktion und der konkreten Person, die sie ausfüllt. Und weil der französische Staatspräsident über eine so besondere Machtfülle auch aufgrund seiner direkten Wahl durch das Volk verfügt, kommt seine Stellung fast der eines gewählten Monarchen gleich. Nun, ganz richtig ist der Vergleich zwischen König und dem modernen Präsidenten nicht, denn in den Plowden-Reports, die zur Zeit der Königin Elisabeth verfasst wurden, in denen die königlichen Eigenschaften definiert wurden, ging es darum, die beiden Körper des Königs als eine Einheit vorzustellen, die zudem nicht teilbar war. Der Inhaber dieser Rolle konnte also nicht beliebig zwischen dem natürlichen Körper und dem politischen Körper so einfach hin- und herwechseln. Man merkt, es geht natürlich um Besitzansprüche und Erbschaftsangelegenheiten. Da es aber diese Unterscheidung nun einmal so gibt, kann Kantorowicz aber doch auf die Anziehungskraft oder Ausstrahlungskraft des politischen Körpers auf die natürliche Person des Königs eingehen. Man erinnere sich an François Mitterrand und sein Pamphlet gegen General de Gaulle: Le coup d’État permanent (Paris: Plon 1964), mit der er mit der politischen Praxis der V. Republik hart ins Gericht ging. 1981 wurde Mitterrand selbst Präsident und übte 14 Jahre lang alle Vorrechte eines gewählten Monarchen aus. Trotz aller Kritik hatte ihn das höchste Staatsamt offensichtlich total in seinen Bann gezogen. Auf die Machtfülle dieses Amtes angesprochen, stellte er in einem Fernsehinterview einmal lakonisch fest. Es ist richtig, der Staatspräsident hat viele Vorrechte. Und ich übe sie aus.

Nun ist natürlich beim Präsidenten keine Seelenwanderung aus seinem unsterblichen Teil zu seinem Nachfolger im Spiel. Aber das Amt verkörpert eine solche Machtfülle (vgl. die Verfassung der V. Republik), wenn auch 2002 die Dauer seines Mandats auf 5 Jahre beschränkt und 2008 festgelegt wurde, dass er nur zwei Amtszeiten nacheinander ausüben darf, dass eben immer wieder gerne die Einheit der beiden Körper betont wird, vielleicht auch um Auswüchsen vorzubauen, dass der natürliche Körper dem politischen überlegen sein will. Erinnern wir uns, Louis-Napoléon hatte sich vor Ablauf seines Mandats als Staatschef am 2. Dezember 1851 mit einem Staatsstreich seine Macht gesichert, hätter er doch nur eine Amtszeit ausüben dürfen. Damit hatte er das Präsidentenamt deart beschädigt, dass erst 1965 wieder ein Präsident vom Volk gewählt werden konnte, und Mitterrand zwang de Gaulle in eine Stichwahl.

Übrigens von Ernst Kantorowicz ist auch sein anderes großes Werk über Friedrich II. lieferbar:

> Kaiser Friedrich der Zweite. Hauptband (Hrsg. v. Eckhart Grünewald 2. Aufl. 2003 gebunden mit Schutzumschlag 572 Seiten, ISBN: 978-3-608-91926-4.) Ernst H. Kantorowicz läßt die Welt, in welcher der Staufer aufwuchs, lebendig werden: die Landschaft und die Architektur, die wirtschaftlichen Gegebenheiten, die Kenntnisse der führenden Schichten und die Sehnsüchte und Hoffnungen der unteren Schichten. Er folgt Friedrich, wenn dieser innere Unruhen beseitigt, eine wirtschaftliche Ordnung errichtet, neue Formen des Zusammenlebens gestaltet.

Lindauer Psychotherapiewochen 2010

Donnerstag, 6. Mai 2010

Klett-Cotta war wie in den vergangenen Jahren bei den Lindauer Psychotherapiewochen 2010 mit einem Verlagsstand auf dem Bücherschiff an der malerischen und sonnigen Hafenmole vertreten.

1. Woche 18. bis 23. April zu „Identitäten“
2. Woche 25. bis 30. April zu „Erinnern und Vergessen“

Die aktuellen Neuerscheinungen im Psychotherapeutischen Fachbuch und unsere Fachzeitschriften Psyche, Familiendynamik, Kinderanalyse und Trauma & Gewalt wurden vom Publikum (Teilnehmerzahlen in Lindau ca. 4.000) mit großem Interesse aufgenommen.

Veranstaltungen mit unseren Autoren auf dem Bücherschiff:

Am Mittwoch 21.04 stellten die Autoren Ursula Gast und Klaus Onnasch in einer gut besuchten Mittagsveranstaltung ihre aktuelle Neuerscheinung in der Reihe > Leben Lernen „Trauma und Trauer“ vor.

Karl Heinz Brisch war am 29.10. bei einer Abendveranstaltung mit Videopräsentation zu seinem SAFE Projekt zu Gast.
Von Brisch erscheint aktuell neu bei Klett Cotta neben dem > SAFE Ratgeber für Eltern und Erzieher auch das neue Fachbuch Bindung, Angst, Agression.

Unsere Autorin Luise Reddemann war in der ersten Woche zu einer Signierstunde in der Fachbuchhandlung Lehmanns auf dem Schiffsoberdeck zu Gast.

Zahlreiche weitere Klett-Cotta Autoren waren mit Vorlesungen, Seminaren und Übungen im Fachprogramm der Tagung vertreten, u.a.

Hansruedi Ambühl, Christa Diegelmann, Diana Drexler, Philipp Kuwert, H. J. Markowirtsch, Danckwart Mattke, Udo Rauchfleisch, Achim Schubert, Inge Seiffge-Krenke, Bernhard Strauß, Ulrich Streeck.

Friederike Kamann und Axel Loesdau

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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