Verlagsblog

Archiv für Oktober 2010

Der Merkur 738 November 2010 ist erschienen.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Der – anklickbare -Bücherstapel ist vor und nach der Buchmesse ständig gewachsen. Und das sind bei weitem nicht alle Neuerscheinungen von Klett-Cotta dieses Herbstes, aber es sind die Bücher, die demnächst hier auf dem Blog einen Lesebericht bekommen werden. Als nächstes kommt der Band > Schlachtfeld Erde von Gwynne Dyer dran, da liegt mein Bleistift schon auf Seite 45 drin. Und dann? Das Doppelheft vom MERKUR Die Grenzen der Wirksamkeit des Staats ( September-Oktober 2010). Das ist eine spannende Lektüre. Und das Heft, nein das Buch lässt sich auch nicht eben mal in zwei Tagen lesen. Hier wird europäische Ideengeschichte ausgebreitet und diskutiert: 32 Aufsätze. Das dauert noch ein bisschen. Ich hänge also leider aus gutem Grund hier etwas hinterher, zumal heute morgen schon der neueste MERKUR in meinem Postkasten lag. Und damit gehts jetzt los.

Im Novemberheft (738) geht es um politische und philosophische Fragen.

Rainer Hank macht den Anfang und lobt die Knappheit: Warnung vor dem Schlaraffenland. Der Überfluss ist kein Glück, sondern eine Bedrohung von Lebensqualität und Freiheit. Hier wird ein Thema der Wirtschaftstheorie auf spannende Weise präzise und kompakt erklärt. Bei der Lektüre dieses Textes denke ich an die Preisgestaltung hinsichtlich meiner > Fotos. Wenn das Literaturhaus > jeden Abend 350 EUR bezahlen müsste, würde das Gut Foto einen höheren Wert bekommen und natürlich vom Literaturhaus als Werbezweck viel mehr eingesetzt werden. Der Überfluss an Fotos verhindert es, dass das einzelne Foto seinem Aufwand entsprechend honoriert wird. Gäbe es die Digitalkamera nicht, und müsste das Literaturhaus wie bei der ersten Veranstaltung vor 10 Jahren auf die Entwicklung der Fotos warten, wären die Fotos wohl kaum 10 Jahre lang kostenlos geblieben.

Bernhard Schlink beschäftigt sich mit der Zukunft der Verantwortung. Jeder ist für seine Wahl verantwortlich, erklärte > Sartre. „Die Gegenwart der Verantwortung ist gekennzeichnet durch eine große Bereitschaft zur Eigenverantwortung,“ schreibt Schlink. Ist das wirklich so? Trifft das zum Beispiel auf unsere Politiker so zu? So, wie sie durch die Medien dargestellt werden? Oder wie sie wirklich handeln? Ein sehr anregender Artikel, der eine Anleitung zum Weiterdenken enthält. Diese Art von Anstößen, das kann der MERKUR besonders gut.

Hans Theisen ist sich sicher „Die Europäische Union muss ihre Grenzen neu definieren“: Überdehnungsschmerzen. Die Stichworte Verschuldungsgemeinschaft und Transferunion fallen hier. Ein Artikel für das Handgepäck unserer Kanzlerin, wenn Sie zum nächsten Europäischen Gipfel reist! Der konzentrierte Blick auf die Finanzprobleme verstellt den Blick auf die politischen Probleme der EU. Die Ausweitung der EU vor einer Neuordnung ihrer wirtschaftspolitischen Fragen zwingt die Staats- und Regierungschefs zum Nachsitzen. Je größer die EU ohne eine gemeinsame Zielsetzung wird, umso größer werden ihre Probleme werden. Integration ist vielleicht nie richtig definiert worden: Theisens Satz „Weder ein Binnenmarkt noch eine gemeinsame Sicherheitspolitik erfordern ein Gleichheit der Bildungssysteme,“ trifft den Nagel exakt auf den Kopf. Mit welchen Folgen: > 10 Jahre Bologna ohne Feierlaune! Und er schreibt auch: „Der europäische Bürger wird solange eine Schimäre bleiben, bis sich eine gemeinsame identifikationsfähige Werteordnung herausgebildet hat.“ So ist es. Und diese Werteordnung ist keine Organisationsform nach der EURO-Währung, da gehört ja wohl doch ein bisschen mehr dazu.

Wann ist Appeasement nicht verwerflich? fragt Paul Kennedy und damit resümiert bestens seinen Beitrag. Viellicht ist das auch ein Mittel, um dem Krieg in Afghanistan endlich zu entkommen?

Thomas Krüger trägt Sechs Sonette vor. Lesen Sie die mal laut vor, am besten zweimal hintereinander. das kommt richtig gut.

In der Soziologiekolumne denkt Jürgen Knaube über Integration und Assimilation nach und ist damit auf der Höhe der aktuellen politischen Diskussion. Pflichtlektüre für alle, die da mitreden. Otfried Höfe geht es in seiner Philosophiekolumne um Religion im säkularen Zeitalter. Er rezensiert den Band von Taylor, der 2009 bei Suhrkamp erschienen ist. Michael Rutschky erinnert an den Kunstwissenschaftler Michael Fried. Christian Schröder hat den Band von Wolfgang Kemp, Foreign Affairs. Die Abenteuer einiger Engländer in Deutschland 1900-1947 (München, Hanser 2010) gelesen. Wolfgang Marx schreibt über Wörter für Dinge, die es nicht gibt, und David Klett erinnert an Philippe Ariès‘ Entdeckung der Kindheit. Er erkennt Ariès‘ Thesen und Verdienste an, fragt sich aber zu Recht, ob ihnen nicht doch ein „gewisser gesellschaftstheoretischer Außenhalt“ fehlt. Derlei Zweifel begründet Klett mit dem methodischen Ansatz des Buches: „Die These von einer ‚Entdeckung der Kindheit‘ gewinnt ihre Plausibilität erst in Bezug auf gesellschaftliche Konditionen, die diese Entdeckung möglich machten.“ (S. 1115)

Schließlich fragt Sabine Beppler-Spahl Können Schulen gesellschaftliche Problem lösen? Ist das überhaupt ihre Aufgabe, könnte man als Frage hinzufügen. Jens Soentgens hat zum Abschluss dieses Heftes ein Minidrama über das ökologisch korrekte Trinken eines Glases Sprudel verfasst.

> Merkur

Ausstellungseröffnung am 7. November 2010
»Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund«

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ausstellungseröffnung mit Staatsminister Bernd Neumann und Frank Schirrmacher

Am Sonntag, 7. November 2010, um 14.30 Uhr wird die große Ernst Jünger-Retrospektive »Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund« im Literaturmuseum der Moderne eröffnet. Es sprechen Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Dr. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Anlässlich der Ausstellungseröffnung findet am Donnerstag, 4. November, um 11 Uhr eine Pressekonferenz statt. Die Leiterin des Museums, Heike Gfrereis, hat gemeinsam mit Ellen Strittmatter und Stephan Schlak (Berlin) die Ausstellung erarbeitet. Das Büro space4 (Stuttgart) und die Grafikkooperation Diethard Keppler und Marcus Wichmann (Marbach/Stuttgart) haben die Gestaltung entworfen. Zur Ausstellung wird ein umfangreicher Katalog erscheinen, für den Stephan Schlak verantwortlich zeichnet.

Ein Großteil der über 400 Exponate war bislang weder ausgestellt noch publiziert. Kernstück der Ausstellung bilden über 280 Tagebücher und Manuskripte, die der Schriftsteller und Philosoph im Laufe seines Lebens verfasst hat. Die Ausstellung ist eine Einführung in Ernst Jüngers langes Leben und umfangreiches Werk für den Jünger-unkundigen Besucher. Sie ist aber auch ein Essay, ein Versuch, die in einem Nachlass erhaltenen Zeugnisse zu unterschiedlichen, doch gleichberechtigten Indizienketten anzuordnen, die sehr verschiedene Arten der monografisch-historischen Lektüre erlauben. Das Bild des Autors Jünger, das sich aus dieser umfassenden Ausstellung ergibt, ist das eines Mannes, der unermüdlich, ein Jahrhundert lang produziert: Arbeiter am Abgrund der Zeit.

Einen Tag nach Ende der Ausstellung, zu Jüngers 116. Geburtstag am 29. März 2011, wird dann das Jüngerhaus in Wilflingen feierlich wieder eröffnet.

Ein Gespräch mit Michael Klett:
> Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918
> Bibliographie zu Ernst Jünger
> Ausstellungen im Literaturarchiv in Marbach

Nachgefragt: Alex Rühle, Ohne Netz

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Das Internet hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Ferrnsehen. Beide elektronische Veranstaltungen braucht man zum Lesen eigentlich überhaupt nicht. Sie lenken nur ab,und wenn ein Autor einen Internet-Anschluss auf seinem PC hat, der ihm auch als Schreibknecht dient, ist die Versuchung riesengroß, eben mal ins Netz zu gucken, die E-Mails zu checken und dabei zu merken, dass Peter oder Mareike wieder was in Facebook geschrieben haben. Wieder sind 10 Minuten weg. Ach, vielleicht geschwind noch was in Google nachgucken. Und wieder merkt unser Autor nur in seinem fernem Unterbewußtsein, dass die Google-Such-Ergebnisse mit seinem Suchwunsch überhaupt nichts zu tun haben, aber die Ergebnisse trotzdem irgendwie interessant sind. Das Anklicken beginnt, die Surf-Session ist eröffnet, die Uhr tickt, derweil das neue Buch wieder mal in einen Dornröschenschlaf versinkt, bis der Autor sich daran erinnert, dass er ja gar nicht surfen will. „Nützt Ihnen das Internet beim Schreiben?“ kann man ihn fragen, o ja!, wird er antworten.

Aber bei der nächsten Frage: „Werden Sie mit dem Internet schneller fertig?“ zögert mancher schon. Und die Frage „Wird ein Buch mit dem Internet besser?“ können wir einfach schon mal verneinen. Ein Student, der sich in der Literaturwissenschaft auf die Auskünfte im Internet beschränkt, ist hoffnungslos verloren. Das Fernsehen könnte mehr Leser an sich ziehen, wenn es mehr Raum der Präsentation von Büchern widmen würde und Buchvorstellungen sich nicht auf die Starpflege und die Produktion und die Geburtshilfe von Bestsellern beschränken würden. Verführen E-Books zu mehr Lesen? Auch die ausgefeilteste Technik wird das Lesepensum selbst von Power-Lesern nicht steigern können. Aber alle Art von Apps, die das Buch zum Multimedia-Event machen unter Einbeziehung aller möglichen Hyperlinks in alle Richtungen können eigentlich nur, wie das Fernsehen es schon immer macht, vom Inhalt des Buches ablenken und dazubeitragen die Konzentration auf den Buchinhalt nachhaltig zu beschädigen. Die Digitialisierung ist keine Gedächtnishilfe und nimmt uns jede Konzentration. Das ist so, und da halte ich es mit Günther Anders, dessen Fernsehkritik wunderbar auch aufs Internet passt: Die Antiquiertheit des Menschen Bd. I: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution (Beck`sche Reihe: bsr;319, 2. Auflage 2002. C.H.Beck ISBN 978-3-406-47644-0 – 3. Auflage 978-3-406-60171-2 ist in Vorbereitung.) (Vgl. auch auf diesem Blog: > Die Intellektuellen und das Netz).

Das IPad mag keinen Flash, dafür gibt es die > Leseprobe als PDF-File auf > www.ohne-netz.de.

Alex Rühle sieht das alles ganz ähnlich, und eines Tages beim täglichen Surfen, fragte er sich, was da eigentlich mit ihm passiert? Das war der Tag, an dem er sich dazu entschloss, das Internet aufzugeben, wenigstens für sechs Monate. Das war eine persönliche Befreiung. Nicht die seiner Mitmenschen, weil die nicht mehr mit ihm kommunizieren konnten. Vom 1. Dezember 2009 bis zum 31. Mai 2010 war > Alex Rühle offline. Auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse habe ich ihn nach den Erfahrungen seines Entzugs befragt:

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14 Minuten

> Alex Rühle
> Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline
Auflage: 1. Aufl. 2010 – 220 Seiten – ISBN: 978-3-608-94617-8

Nachgefragt: Ines Geipel, Seelenriss

Freitag, 15. Oktober 2010


Zur Buchmesse ist bei Klett-Cotta in diesem Herbst das Buch von Ines Geipel > Seelenriss. Depression und Leistungsdruck erschienen. Es geht um die Depression, „Der Schatten von Tempo und Erfolg“ steht auf der Website von Klett-Cotta. Geipel ist der Frage nach den Ursachen von Depressionen nachgegangen. Nicht nur Weltklassesportler leiden immer wieder an ihrer Seele. Aus welchen Gründen? Ines Geipel glaubt, dass ständiger Erfolgszwang und auch der Eigendrill in unserer Gesellschaft die Menschen krank machen kann. Das Thema muss ernstgenommen werden, da die Zahl bekanntgewordener Depressionen in den letzten Jahren, offensichtlich auf eine allgemeine Zunahme dieser Krankheit hinweist.

Die Depression ist auch ein Ausdruck besonders starker Widersprüche zwischen einer glänzender Oberfläche und innerer Verzweiflung, aus der Suizidgefahren erwachsen können. Ines Geipel ist mit der > Welt des Leistungssports und ihren Gefahren ist sehr gut vertraut. Sie weiß aber auch, dass der Zwang zu immer größeren Leistungen nicht nur Sportler krank und depressiv machen kann. Je höher und schneller sich das leben dreht, umso eher setzen sich manche der Gefahr aus, das innere Gelichgewicht zu verlieren.

Im ersten Teil ihres Buches, ein erzählerisches Sachbuch, wie sie es bezeichnet, berichtet sie von Betroffenen von der Depression und dem Selbstmord des Fußballidols Robert Enkes am 10. Oktober 2009 und der Depression von Ute Krause. Diese Nachricht zog die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Krankheit, von der man glaubt, sie werde 2020 1/5 der Deutschen betreffen. (Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern eventuell nicht – und auch auf einem IPaD wird kein Flash angezeigt…) Im zweiten Teil berichtet sie über versuche, Depressiven zu helfen. Ihr Buch zeigt die Gefahren dieser Krankheit, wirbt aber auch um Verständnis für die Betroffenen, indem Ines Geipel sich in ihren berichten an die Ursachen herantastet und dabei Bedingungen und Umstände aufdeckt, durch besondere gesellschaftliche Umstände den Ausbruch dieser Krankheit beeinflussen können. Es ist auch ein nachdenkliches Buch, dessen Lektüre den Leser auffordert, sensibler für manche Zwischentöne zu werden, die im Alltag gerne meist aus der gewohnten hast und der Bequemlichkeit übersehen werden. Auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse hatte ich Gelegenheit, mit Ines Geipel über Ihr Buch zu sprechen:

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ca. 14 Min

Ines Geipel
> Seelenriss. Depression und Leistungsdruck
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
240 Seiten
ISBN: 978-3-608-94659-8

No LimitIn ihrem Band No Limit stellt Ines Geipel mit ihrer Bestandsaufnahme einige für den Sport peinliche Fragen: Wie hat das Doping sich entwickelt? Wer dopt wie und mit wessen Hilfe? Mit welchen weiteren Auswüchsen haben wir zu rechnen? Und welchen Preis werden wir dafür zahlen müssen? Im Sport hat man es verpasst, die Auswüchse des Dopings rechtzeitig zu bekämpfen.

Ines Geipel
> No Limit. Wie viel Doping verträgt die Gesellschaft
2008, 182 Seiten, ISBN: 978-3-608-94458-7

Podiumsdiskussion: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Am 25. Oktober 2010 findet um 20 Uhr im Stuttgarter Literaturhaus eine Podiumsdiskussion anläßlich des Erscheinen von Ernst Jüngers Kriegstagebuch 1914-1918 statt.

Auf dem Podium: Michael Klett (Verleger), Helmuth Kiesel (Herausgeber), Julia Encke (FAS)

Moderation: Heike Gfrereis (Literaturarchiv Marbach).

> Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart

Ernst Jünger, > Kriegstagebuch 1914-1918

Gespräch mit Michael Klett über Jüngers Kriegstagebuch:
> Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

Jünger-Ausstellung in Deutschen Literaturarchiv in Marbach

Aus der Ankündigung:
„Ernst Jünger. Arbeiter am Abgrund | 7. November 2010 bis 27. März 2011
An Ernst Jünger scheiden sich immer noch die Geister. Die Ausstellung zeigt das, was er, der mehr als ein Jahrhundert lebte und in letzter Ehe mit einer Marbacher Bibliothekarin verheiratet war, als literarisches Werk ins Deutsche Literaturarchiv gegeben hat. Jüngers Papiere schichten sich auf zu einer Landschaft von riesenhaftem Ausmaß, merkwürdigen Kratern und überreicher Vegetation. Eingeschlossen sind darin die Magneten, die den einen anziehen und den anderen abstoßen, eine gelassen angehäufte Stil- und Ideengeschichte der Moderne. „

Nachgefragt: Ulrike Jureit und Christian Schneider, Gefühlte Opfer

Donnerstag, 14. Oktober 2010

In diesem Herbst ist bei Klett-Cotta ein Band von Ulrike Jureit und Christian Schneider mit dem Titel > Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung erschienen. Ulrike Jureit, ist Historikerin am Hamburger Institut für Sozialforschung und Sprecherin der zweiten Wehrmachtsausstellung. Christian Schneider. Christian Schneider, ist Privatdozent an der Universität Kassel. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der psychoanalytischen Kulturtheorie vorgelegt. Ulrike Jureit und Christian Schneider haben über das heikelste Thema der deutschen Zeitgeschichte geschrieben. Es geht um das Erinnern an das Dritte Reich und den Holocaust.

Sie untersuchen in historischer, psychoanalytischer und geistesgeschichtlicher Sicht die Erinnerungsmoral in bezug auf das Dritte Reich. Im ersten Teil analysiert Ulrike Jureit die wesentliche Aspekte der Erinnerungskultur: „Erinnerung wird zum Gesellschaftszustand“ und entdeckt dabei „Normierungstendenzen einer opferidentifizierten Erinnerungskultur.“ Sie entwickelt eine „Theorie des kulturellen Gedächtnisses“ und erinnert dabei u.a. an die Arbeiten von Maurice Halbwachs (La mémoire collective) Christian Schneider untersucht die Grundlagen der Vergangenheitspolitik und erinnert an die Arbeiten von Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Alexander und Margarete Mitscherlich, aber auch Sigmund Freud und Norbert Elias.

(Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern eventuell nicht – und auch auf einem IPaD wird kein Flash angezeigt…)

Das Ergebnis der beiden Autoren dieses Bandes: Eine vollkommene »Vergangenheitsbewältigung» bleibt eine Illusion.

Dorion Weickmann schrieb in der Süddeutschen Zeitung, 09.08.2010: »Dieses Buch stochert ebenso ungeniert wie schmerzhaft in der deutschen Amfortaswunde,“ und Harry Nutt notierte am 24.07.2010 in der Frankfurter Rundschau: „Gerade weil die Verbrechen des Holocaust als negativer Gründungsmythos der Bundesrepublik zu einem gesellschaftlichen Paradigma geworden sind, richten Jureit und Schneider ihren Blick auf die Phänomene des Gefühlten Opfers. Aus dem Opferdenken haben mit wachsendem zeitlichen Abstand auch Aspekte des Schuldstolzes an Bedeutung gewonnen.“

Foto: Brigitte Winter

Auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse hatte ich Gelegenheit, mit Christian Schneider über das Buch zu sprechen:

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ca. 14 Min

> Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ulrike Jureit / Christian Schneider
> Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
253 Seiten
ISBN: 978-3-608-94649-9

Nachgefragt: Alan Pauls, Geschichte der Tränen

Mittwoch, 13. Oktober 2010


Am Dienstag, 12. Oktober 2010, 20 Uhr, hat > Alan Pauls im Rahmen der Veranstaltungsreihe Argentinien im Stuttgarter Literaturhaus aus seinem jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Band > Geschichte der Tränen gelesen. Gestern habe ich auf diesem Blog von meiner so erfolgreichen (frei nach Flaubert) > „Maulprobe“ zu Hause erzählt: Erst auf Seite 35 hatte ich nur wegen der vorgerückten Stunde mit dem Vorlesen aufgehört. danach habe ich das Buch dann doch noch zu Ende gelesen.

Es ist besonderes Leseerlebnis, ein Buch, das durch seinen Stil den Leser zu einem hochkonzentrierten Lesen führt. Es wird die Biographie des namenlosen Helden erzählt, die Strategien, die er als Kind gegenüber der Erwachsenenwelt entwickelt, die Erinnerungen, die später ihn wieder auf eine ganz andere Art und Weise neu oder anders prägen, man kann auch sagen, es gibt als Heranwachsender eine Auseinandersetzung bewusst oder unbewusst mit den Erlebnissen in der Kindheit. Und es geht um die argentinische Geschichte, die mit einem Einzelschicksal geschildert wird. Das Buch ist der Beginn einer Trilogie.

(Der Internet Explorer 7 mag > das Buch zum Blättern eventuell nicht – und auch auf einem IPaD wird kein Flash angezeigt…)

Der Held der Geschichte hat keinen Namen, und das hat wohl bestimmte Gründe. Der Roman ist im Präsens geschrieben. Es gibt eine Reihe von Schlüsselwörtern, von denen manche sogar in Großbuchstaben gesetzt sind: Glück, Nähe. Es geht um die Menschliche Güte, es geht um Tränen, es geht um den Putsch in Chile. Der Held empfindet Ekel. Schreibt Alan Pauls mit einem Füller oder mit dem PC? Gibt es eigentlich eine besondere Botschaft dieses Romans? Handelt es wirklich um einen Roman? Wer soll dieses Buch lesen?

Das sind einige der Notizen, die auf meinem Zettel standen, den ich gestern zum Treffen mit Alan Pauls mitenommen habe: Nachgefragt.

Gespräch mit Alan Pauls:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

ca. 20 Min

Alan Pauls
> Geschichte der Tränen
Roman, aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: Historia del llanto)
1. Aufl. 2010
143 Seiten
ISBN: 978-3-608-93710-7

Auch bei Klett-Cotta: > Alan Pauls, Die Vergangenheit

Literaturhaus Stuttgart, Dienstag, 12.10.2010, 20 Uhr:
Alan Pauls, Geschichte der Tränen

Montag, 11. Oktober 2010


Am Dienstag, 12. Oktober 2010, 20 Uhr, wird Alan Pauls wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe Argentinien aus seinem jüngst bei Klett-Cotta erschienenen Band > Geschichte der Tränen lesen. Der Abend wird moderiert von Joachim Kalka.

> Programmankündigung des Literaturhauses Stuttgart

Bald erscheint mein Lesebericht zu diesem Buch auf diesem Blog. Etwas möchte ich schon verraten. Oft lässt das Vorlesen (Vorgelesen: > Die zwei schwarzen Jäger) der ersten zwei Seiten eines Buches viel über seinen Stil erkennen. Bei diesem Buch habe ich heute abend – und wirklich nur wegen der vorgerückten Stunde – die, das nennt man so, „Maulprobe“ – „l’épreuve du gueuloir“ 1 (> Flaubert 2) Seite 35 beendet. Ich könnte mir vorstellen, dass Alan Pauls mit dem Füller auf weißem Papier schreibt, denn so konzentriert kann man gar nicht am PC schreiben. Solche kunstvollen langen Proust-Sätze fließen nur mit Tinte auf das Papier, kommen aber nicht über das Tippen auf so einer Tastatur auf den Bildschirm. Solche wunderbaren Sätze kann man nicht nach stundenlangem Immerwiederkorrigieren am Bildschrim herstellen. Vielleicht liege ich auch ganz falsch. Morgen frage ich Alan Pauls danach. Und übermorgen können Sie das Gespräch dann hier hören: Nachgefragt.

Auch Michael Zöllner hat mir schon vor den Sommerferien erzählt, wieso man Alan Pauls, > Geschichte der Tränen lesen sollte. Im übrigen bin ich mir der Sache, des Buches ! schon so sicher, dass hier die Grenze zwischen jedweder Werbung auf einem Blog, der Klett-Cotta gehört, zu einer guten und seriösen > Rezension schon fast überschritten werden darf. Tue ich aber nicht, denn die Berichte über Bücher auf diesem Blog heißen weiterhin „Leseberichte“.

Alan Pauls
> Geschichte der Tränen
Roman, aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: Historia del llanto)
1. Aufl. 2010
143 Seiten
ISBN: 978-3-608-93710-7

Wie gesagt am Dienstagabend, 12.10.2010, 20 Uhr, sehen wir uns im > Literaturhaus Stuttgart:

Das Literaturhaus Stuttgart pflegt seit fast 10 Jahren ein > Fotoarchiv.
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1. „Je vois assez régulièrement se lever l’aurore (comme présentement), car je pousse ma besogne fort avant dans la nuit, les fenêtres ouvertes, en manches de chemise et gueulant, dans le silence du cabinet, comme un énergumène !“ (Lettre à Madame Brenne, 8 juillet 1876.)

2. > Qu’appelle-t-on le gueuloir de Flaubert ?

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