Verlagsblog

Archiv für April 2011

Gerhard Roth, Bildung braucht Persönlichkeit

Montag, 11. April 2011

Am Montag, 11. April kommt Gerhard Roth in den Hospitalhof Stuttgart (Büchsenstraße 33).
Beginn: 20:00 Uhr.

Gerhard Roth > Wissen, Bildung und Persönlichkeit

> Interview mit Gerhard Roth

Weiterbildung? Bringt nichts! Unternehmen investieren hohe Summen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, nach zwei Monaten ist wieder alles beim Alten. Unser Schulsystem verschlingt Milliarden – Pisa hat gezeigt, was dabei herauskommt.

Gerhard Roths neues Buch »Bildung braucht Persönlichkeit – Wie Lernen gelingt« steht im März 2011 auf Platz 8 der »Sachbüchern des Monats«

Nachgefragt: David Schnarch, Intimität und Verlangen.
Sexuelle Leidenschaft wieder wecken

Freitag, 8. April 2011

Nach dem Lesebericht über > Intimität und Verlangen, das Buch von David Schnarch mit dem Untertitel „Sexuelle Leidenschaft wieder wecken“, das in diesem Frühjahr bei Klett-Cotta erschienen ist, kommt heute der 2. Teil der Blog-Serie über dieses Buch dran. Nachgefragt.

David Schnarch, Klinischer Psychologe und Sexualtherapeut. Diekto des Crucible Institute, Marriage ans Family Center in Colorado, USA, war heute bei Klett-Cotta zu Besuch, und zu einem Gespräch durfte ich mit Stativ,Video-Kamera und Mikro erscheinen. Ein bisschen blogmäßig improvisiert, aber doch mit vorbereiteten Fragen, um nach verschiedenen Aspekten seines Buches fragen zu können.

Und da YouTube Filme, die länger als 10 Minuten akzeptiert, lade ich dieses Gespräch nahezu ungekürzt nach „oben“. Nun, die englischen Fragen sind manchmal etwas holperig, viel Zeit blieb zum Üben nicht, die Videos sind hier der Übungsstoff. Die Antworten von David Schnarch dürfen gerne kommentiert werden.

David Schnarch hat auf alle Fragen geantwortet, die ich mir beim Lesen und beim Verfassen des > Leseberichts notiert hatte. Der Untertitel resümiert das Anliegens Schnarchs: > „Sexuelle Leidenschaft wieder wecken“. Das Buch richtet sich an alle. Schnarch ist überzeugt, das alle normalen Menschen früher oder später Probleme mit ihren sexuellen Verhalten bekommen. Klar, alle Paare haben früher oder später Probleme mit ihrer sexuellen Leidenschaft. Das ist so, gehört mit dazu, muss aber nicht so sein: Es ist wirklich interessant, dem Autor zuzuhören:

Intimität und Verlangen. Sexuelle Leidenschaft wieder wecken
Aus dem amerikanischen Englisch von Theo Kierdorf und Hildegard Höhr
(Orig.: Intimacy and Desire. Awaken the Passion in your Relationship)
1. Aufl. 2011, 487 Seiten,gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94662-8

Douglas Coupland: Marshall McLuhan

Dienstag, 5. April 2011

»Das Medium ist die Botschaft« Das ist wohl eines der berühmtesten Zitate aus Understanding Media (1964) – und dann in The Medium is the Message: An Inventory of Effects (1967) – von > Marshall McLuhan (1911-1980). Im Frühjahr ist bei Klett-Cotta die Biographie von > Douglas Coupland über McLuhan erschienen. Wenn wir heute uns manchmal erstaunt zeigen, dass wir durch alle elektronischen Geräte, Tischcomputer, Laptops, Handhelds und Social networks jeder Art von Xing bis Facebook rund um die Uhr total vernetzt sind, so erinnern wir uns wohl nicht mehr an die Arbeiten McLuhan der uns dies nicht nur voraussagte sondern auch gleich die Folgen beschrieb, die manche Surfer und Networker auch heute noch nicht immer im Blick haben.

> Gewinnspiel auf bilandia de

Couplands Inhaltsverzeichnis ist mager und aus gutem Grund: return, command, shift, escape, control. Ein Hinweis auf das,was die Medien uns mit ihrer vorgespiegelten Vielfalt angetan haben. Dahinter steckt eine Erinnerung an McLuhan, der schon Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts darlegte, wie unsere visuelle Druckkultur durch die Abhängigkeit elektronischer Medien aller Arten ersetzt wird. Nichts anderes ist eingetreten. Wo früher eine feiner Briefbogen und mein geliebter Füller die Verbindung zu meinen Freunden sicherte, ist es heute ein flüchtiger Facebookeintrag, der mich daran erinnert, dass einer meiner 120 Freunde, bei denen ich manchmal nur einer von 489 bin, gerade mal wieder mehr an sich als an alle anderen gedacht hat. > Soziale Netzwerke sind im Begriff uns die Organisation unserer Freundschaften abzunehmen, sie rechnen elektronisch aus, wer oder was uns gefallen könnte. Es gibt keine zufälligen Bekanntschaften mehr, sondern der Facebookxingalgorithmus protokolliert, wer uns anspricht, wenn wir liebhaben und zeigt unsere Kontakte der ganzen Welt. Ist das das Globale Dorf, was manche ersehnen oder andere fürchten?

Es lohnt sich, bei McLuhan einmal nachzulesen, und wir werden viele Aussagen entdecken, mit denen wir heute einen neuen Blick auf das entwickeln können, was die vorgeblichen Segnungen des Netzes gerade mit uns anstellen. Coupland kommt gerade richtig, um uns diesen neuen Blick auf das Werk von McLuhan zu ermöglichen. Kaum etwas ist unpersönlicher, als ein schnelles Antwortmail mit Tippfehlern auf der Tastatur zu klimpern. Und wie schön ist es doch, wenn der Adressat nach 4 Minuten schon zurückschreibt und seine Freude über die schnelle Antwort verkündet und mich auch gleich noch geschwind übertrumpfen will. Nie enthält eine solche Lobhymne eine Bemerkung über den Inhalt meines Mails. Kein Widerspruch, kein Lob. Die Technik wird zum Inhalt der Botschaft.

Und dann noch der Begriff Wissensgesellschaft, der das Volk der heutigen Surfer bezeichnen soll. McLuhans Die Gutenberg-Galaxis (1962) war ihrer Zeit um viele Lichtjahre voraus, so wie heute in ganz umgekehrter Weise der hochgelobte Begriff der Wissensgesellschaft kaum mehr verrät, als dass ihre Protagonisten so technikverliebt sind, dass sie sich noch nie wirklich gefragt haben, ob nicht frühere Gesellschaften nicht vielleicht sogar in viel bessere Wissensgesellschaften als heute lebten? Mc Luhan legte schon in den sechziger Jahre den Finger in unsere heutige Wunde: Wir lassen heute die technische Welt die soziale Welt bestimmen und überantworten der Technik die Kontrolle über unser Gemeinwesen. Früher gab es > Feste, heute werden die Fellower unpersönlich zu Events geladen und sagen der Welt komme/komme nicht. Die automatische Steuerung des Terminkalenders durch die > kollektive Intelligenz ist nicht mehr weit.

McLuhans Satz „Das Medium ist die Botschaft“ zeigt die ganze Krux des Web 2.0. Twitter, Facebook, Yutobe, Blogs, und alle anderen 236 Socialmedia wollen jede für sich die ganze Aufmerksamkeit und versuchen alles, allen anderen die Besucher abzujagen. Je mehr Bytes an persönlichen Infos ein Netzwerk kriegt, umso wichtiger nimmt es sich, während die politisch wirklich relevanten Informatioonen über unsere Gesellschaft in Facebook gegen 0 tendieren.

> Leseprobe *.pdf

Douglas Coupland
> Marshall McLuhan
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner(Orig.: Marshall McLuhan)
1. Aufl. 2011, 222 Seiten,gebunden ohne Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50306-7

Lesebericht: Jonathan Lethem, Chronic CIty

Montag, 4. April 2011

Die Bühne des Romans ist Manhattan mit seiner schillernden Gesellschaft aus Bohemiens und mehr oder weniger Reichen. Dauer des Romanes: rund 7-8 Monate. Chase Insteadman, als Kinderstar einst bekanntgeworden, hat eine Fernbeziehung mit einer Astronautin, die im Weltraum festsitzt. Im wirklichen Leben hier unten ist aber Oona seine Geliebte. Der Reihe nach: Eines Tages trifft Chase Perkus Tooth, für den der Musikkritiker Paul Nelson Jonathan Lethem Modell gestanden haben soll. Perkus lebt in einer heruntergekommenen Wohnung, kifft ohne Unterlass, scheint aber über alles bestens orientiert zu sein. Chase bekommt alles nur halb mit. Perkus geht es nicht wesentlich besser. Er hat ständig Kopfschmerzen, versucht aber dennoch auf Chase aufzupassen. Beide stützen sich gegenseitig. Eine Keramik spielt auch eine Rolle, die für beide eine Art Bezugspunkt wird.

Wenn man sich auf die Lektüre des Romans einlässt – nehmen Sie sich für die nächsten Abenden erst mal besser nichts vor – kann man für die Dauer des Romans in dieses New Yorker Gesellschaftsleben eintauchen. Die gekonnte protokollierende Mitschrift der Gespräche, die Einführung der Personen mit ihren Vorlieben und Abneigungen macht den Leser zu einem Mitwirkenden, und das ist auch der Dreh, mit dem es Lethem gelingt, dem Leser eine so spannende Geschichte zu präsentieren. Chase ist eigentlich nur eine Tischdekoration bei den mondänen Abendveranstaltungen. Perkus hat ihm das auf den Kopf zugesagt. Und Chase kann mit der Kritik ganz gut umgehen und beobachtet das Geschehen dann auch aus der Dekorationsperspektive.

Dann begegnet Chase Oona. Sie taucht überraschenderweise bei Perkus auf. Bei einer Beerdigung trifft er wieder auf Oona. In ihre Wohnung darf er nicht, aber er darf sie küssen und bald auch mehr. Dann kommt wieder ein Brief von Janice, die dort oben in ihrem Weltraumvehikel festsitzt. Während Perkus nach Downtown zu seinem Arzt fährt und dann mit Nadeln gespickt auf die Erlösung von seinen Kopfschmerzen wartet, sucht Chase ihn. Sie treffen wieder zusammen und Perkus erzählt von der Keramik, ein Kaldron, in die er sich vernarrt hat: also rein ins Internet und versuchen sie zu ersteigern.

Die Frage „Wem gehört New York?“ (S. 138) macht dieses Buch auch zu einem Stadtführer aus ganz bestimmten Perspektiven, die der Leser erst mal für sich zusammensetzten muss. Richard Abneg, Biller, Claire Carter, und alle anderen Protagonisten führen ihr eigenen Leben mit mehr oder weniger großen Schutzzonen, die ständig auf irgendwelchen Weisen miteinander in Berührung kommen. Nächtliche Ausschweifungen jeder Art wechseln mit Dinnerparties beim Bürgermeister ab: S. 274-307. So genau beschrieben! Der Eindruck verfestigt sich, als ob der Leser mit dabei gewesen ist.

Ohne große Pausen sollten Sie dieses Buch lesen. Wie ein Film wird ihnen ein Ausschnitt der New Yorker Gesellschaft vorgeführt. Irgendwie beeinflusst die Stadt diese Personen, die in Chronik City auftreten. Wer prägt wen mehr? Die Stadt ihre Bewohner oder umgekehrt? Gerade in New York ist das nicht leicht zu entscheiden. Es sind Geschichten, die sich wohl so nur in New York abspielen können. Lethem gelingt es, auf subtile Weise seinen Protagonisten eine Individualität zu verleihen, ihnen unverwechselbare Eigenheiten mitzugeben und sie doch zu einem Teil einer Gesellschaft zu machen, deren Charakterisierung er dem Leser überlässt.

Jonathan Lethem
> Chronic City
Roman, aus dem Amerikanischen von Johann Christoph Maass und Michael Zöllner
(Orig.: Chronic City)
1. Aufl. 2011, 495 Seiten,gebunden ohne Schutzumschlag, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-50107-0

Merkur – April 2011

Freitag, 1. April 2011

Hermann Lübbe macht den Auftakt und stellt das Thema vor: „Die Werte, die Kultur und das Geld“. Er entlarvt das Gerede über die Werte, das sich auf alle möglichen Quellen beruft, wo die Werte gar nicht stehen. Es muss also einen anderen Grund geben, dauernd über Werte zu sprechen: vielleicht ist es der nicht marktfähige Güter durch ständige Wiederholung an den Käufer zu bringen, auch das Thema als Tauschobjekt gar nicht so richtig passt.

Im neuen Aprilheft des Merkurs geht es um das Verhältnis der Mediengesellschaft zur Kunst. Georg Franck hat die Medien genauer angesehen und legt den Finger auf die Wunde: „Prominent wird in der Mediengesellschaft, wen die Medien dazu machen.“ (S. 300), also befürchtet Franck mit Recht, dass die Celebrities auch die neue Elite sind, also zur neuen Elite gemacht werden. Unrecht hat er nicht, denn dir Währung im Internet heißt zunehmend Aufmerksamkeit statt Geld und darauf setzen auch die Medien. Sie verhökern diesen Prozess der Bekanntmachung und nebenbei auch ein bisschen Informationen. Und mit dieser Analyse geht Franck über Bourdieu hinaus, dessen Analyse der Autor hier genau unter die Lupe nimmt. Die Kultur generiert „Aufmerksamkeitseinkünfte“ (S. 310).

Sigbert Gebert analysiert und das Fest dem Event weicht. So ist es. Ich war lange nicht mehr bei einem richtigen Fest, habe aber immer wieder Events erlebt. Es wird nicht mehr gefeiert, es wird veranstaltet. Rituale stellen sich ein, die zu befolgen sind, aber ausgelassen fröhlich feiern ist was anderes. Stephan Wackwitz stellt eine Theorie der Coolness vor und erklärt, was ein Hipster ist. Mal ein paar Tage nach New York, das wärs.

Winfried von Bredow untersucht alle Formen des „Verschwindens“. Ottfried Höffe schreibt über die angelsächsische Moralphilosophie und Jürgen Kaube untersucht in seiner Soziologiekolumne „Mittelschicht und Klassengesellschaft“. – Gerhard Henschel hat Keith Richards‘ Autobiographie LifeTheorie des Bildakts. Frankfurter Adorno Vorlesungen und Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte.. Und schließlich berichtet Klaus Birnstiel über das Archiv des Merve-Verlags.

Medien und Kunst. Die Überlegenheit der Kunst, ihre Autonomie, viel mehr als Nachahmung! Was bleibt ist das Bedauern, das Blogartikel nie so lang sein sollen. So ist das Blogschreiben nach der MERKUR-Lektüre immer wieder ein frustierendes Kürzen all der schönen Aus- und Abschweifungen, zu denen die Autoren, das Aufundab der Argumente den Leser dieses Heftes verleiten.

> MERKUR

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
Klett-Cotta is proudly powered by WordPress and the 3 Column Relaxation Theme from Clemens Orth.
Entries (RSS) and Comments (RSS). 22 queries. 0,351 seconds.