Verlagsblog

Archiv für Mai 2012

Das Blogleseprogramm im Juni

Mittwoch, 30. Mai 2012

Gestern abend den neuen MERKUR, Juni Heft, aufgeschlagen. Zuerst kam der Aufsatz von Remigius Bunia über David Graebers Buch > Schulden dran. Dazu bald mehr hier, wenn der MERKUR besprochen (= Lesebericht) wird. Heute morgen kam ein Päckchen mit dem Juni-Lesestoff:

Alle Bücher zum Anklicken.

Fangen wir mit dem Durchblättern in der oberen Reihe an, Abteilung Krimi. Massimo Carlotto und Mam Sabot haben an den Küsten Sariniens > Tödlichen Staub entdeckt. Danach geht in es die dreißiger Jahre und die New Yorker Unterwelt mit Ed Falcos > Die Corleones nach dem Originaldrehbuch von Mario Puzo. Von Attilio Bolzoni gibt es jetzt > Die Mafia. 100 Fragen. 100 Antworten.

Wie gesagt, David Graebers > Schulden ist noch nicht ganz durchgeelsen. Und für zwischendurch ist das Buch von Christoph > Hacken. Leben auf dem Land in der digitalen Gegenwart bestens geeignet. Landleben und Web: Die neue Freiheit, mehr noch. Autarkie. Dann aber kommt der Roman von Albert Cohen (1895-1981) > Die Schöne des Herren dran. Wir bleiben in den dreißiger Jahren. Solal, jüdischer Diplomat beim Völkerbund verführt Ariane, die Frau eines Kollegen. Unbändige Leidenschaft und Lust, die aber tragisch nach allen Höhen in den Tiefen der Eifersucht und dann der Entfremdung versinkt. Helmut Kossod und Michael von Killisch-Horn haben dieses Kultbuch, das ich nicht so schnell verleihen werde (!), übersetzt. 1968 ist der Roman in Paris erschienen und wurde 1987 zum ersten Mal bei Klett-Cotta übersetzt. Vor 10 oder 11 Jahren habe ich Die Schöne des Herrn in einem Sommerurlaub verschlungen, wenn ich den jetzt anfangen würde zu lesen, würden sogar Die Corleones noch ein, zwei Wochen liegenbleiben. -Die Russin Natalia Vodianova hat in in der Verfilmung von Albert Cohens Roman „Belle du Seigneur“ neben Jonathan Rhys-Meyers die Hauptrolle bekommen. Der Film soll noch 2012 in die Kinos kommen.

David Graeber bei Maybritt Illner (ZDF) und auf Lesereise in Köln.

Freitag, 25. Mai 2012

Haben Sie gestern die Sendung mit David Graeber bei Maybritt Illner im ZDF verpasst?

> Alle pfeifen auf die Schulden… – maybrit illner – ZDFmediathek: D. Graeber ab der Minute 36.40.

Maybrit Illner diskutierte u.a. mit dem Occupy-Vordenker David Graeber, dem bayerischen Finanzminister Markus Söder (CSU) und dem Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.

David Graeber las in der Reihe “Wissenswert – Themen am Puls der Zeit” am Montag, 22. 5 2012 Di 22.05, in der Zentralbibliothek, Josef-Haubrich-Hof 1, Köln. Die Veranstaltung wurde moderiert von Ralph Bollmann (FAS):

> Schulden. Die ersten 5000 Jahre
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer (Orig.: Debt), 1. Aufl. 2012, 536 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. ISBN: 978-3-608-94767-0

Video: > Kulturzeit – 3sat – David Graeber – Schulden

Die aktuelle Lektüre: David Graeber, Schulden

Dienstag, 8. Mai 2012

Am 14. Mai 2012 erscheint bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer das eindrucksvolle Buch > Schulden. Die ersten 5000 Jahre von David Graeber. Text + Anmerkungen + Bibliographie mit Index = 536 Seiten. Diesmal wird der Lesebericht zum Erscheinen des Buches wahrscheinlich ausnahmsweise nicht rechtzeitig fertig. Aber vom Inhalt und der packenden Darstellung mal ganz anders, grundsätzlicher und vor allem auch historischer – mit einem Blick auf die wirtschaftliche und politische Ideengeschichte – wahrlich getrieben, ist das vielleicht doch zu schaffen. Schulden haben wir alle in irgendeiner Form, und man darf fragen, wo sich wirklich die Grenze befindet, bei der Schulden nicht rückzahlbar sind? Aber auch dann kann man sich nicht einfach entschuldigen. Und wie ist das heute mitten in der Schuldenkrise? Helfen europäische Staaten anderen, um ihrer oder der gemeinsamen Währung zu helfen, oder garantieren die einen die Schulden oder die Zahlungsfähigkeit der anderen, um dann noch die eigenen Kassen wieder aufzufüllen? Und wer vergeht sich an den Schulden der anderen, um sich an ihnen qua Spekulation und zum Unglück aller gesundzustoßen ? Der vergangene 6. Mai mit dem zweiten Wahlgang der > Präsidentschaftswahlen in Frankreich, das Wahlchaos in Griechenland und alle anderen düsteren Währungs-Wolken über Euroland werden das Thema Schulden ganz oben auf der Tagesordnung halten.

Da lohnt es sich schon, einmal kurz innezuhalten und sich zu fragen, um was es denn überhaupt geht? Nach einer Bundestagsdebatte zu diesem Thema kann man leicht den Eindruck gewinnen, niemanden gesehen zu haben, der weiß, wie groß der gerade wieder beschlossenen Rettungsschirm ausgefallen ist, Millionen, Milliarden oder Billionen, sieht man diese Summe wieder, gibt es sie überhaupt? Ist das Geld ausgegeben, das ja eigentlich gar nicht da ist?`Bei diesen ungeheuren Summen sprechen die Kritiker von Sparzwängen? Bestimmt haben Mitglieder der Euro-Zone über ihre und damit über unsere Verhältnisse gelebt. Man hat im Eurogebäude einige Stahlstreben vergessen, die jetzt nachträglich als Reklamationsfall sofort eingebaut werden müssen und niemand möchte diese Baumängel so wirklich wahrhaben.

„Ein ebenso radikaler wie befreiender Blick auf die Wurzeln unserer Schuldenkrise.“ steht auf der Seite von Klett-Cotta zu Graebers Buch > Schulden. Und da steht auch : „Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.“ „Verbraucherschulden sind der Lebenssaft unserer Wirtschaft,“ (S. 11) schreibt Graeber und zeigt damit die andere Seite der Medaille. Ohne Schulden geht es auch nicht.

Es ist richtig wohltuend, einmal gründlich diese schwierige Materie an ihrer historischen Wurzel zu packen und nicht nur den Medienkommentaren jeder Art zuzuhören und gar unreflektiert zu glauben, die mit ihren Horrormeldungen den Börsen ihr Aufundab diktieren. Jetzt wird darüber spekuliert, ob François Hollande und Angela Merkel sich verstehen werden. Sie werden es, weil die deutsch-französische Kooperation eine Konstante der EU und des Eurolands ist, dennoch werden beide zusammen, nicht einzeln, einen Einfluss in Europa entwickeln können. Und jetzt kommt es darauf, wie groß dieser Einfluss werden kann. Keiner von beiden kann alleine handeln und schon gar nicht alleine Erfolg haben. Um ihren Handlungsspielraum zu erkunden, könnte man einen Blick auf die Bedingungen, Gründe der Krise werfen und mit diesem Wissen über Handlungsoptionen nachdenken: > Schulden ist ein guter Ansatz dazu, künftig die Berichterstattung ein bisschen kritischer verfolgen zu können und um darauf aufzupassen, dass unsere Politiker sich wirklich zugunsten der europäischen Idee einsetzen.

David Graeber (Jg. 1961) ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung unterrichtete bis zu seiner Entlassung 2007 als Anthropologe in Yale und lehrt seitdem am Goldsmith-College in London. Er bezeichnet sich als Anarchist und ist Mitglied der »Industrial Workers of the World«. Sein Vater hat im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft, und er selbst hat fast zwei Jahre in einer direkte Demokratie praktizierenden Gemeinschaft auf Madagaskar gelebt.

> David Graeber
> Schulden. Die ersten 5000 Jahre
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer (Orig.: Debt)
1. Aufl. 2012, 536 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94767-0

Robert Spaemann feiert seinen 85. Geburtstag

Montag, 7. Mai 2012

Robert Spaemann ist heute der bedeutendste konservative Philosoph im In­- und Ausland. Jahrgang 1927, Günter Grass, Martin Walser und Joseph Ratzinger. Robert Spaemann feiert an diesem Samstag seinen 85. Geburtstag. Rechtzeitig zu seinem Festtag erscheint bei lLett-Cotta der Band > Über Gott und die Welt. Eine Autobiographie in Gesprächen. Dieses Buch ist die Aufzeichnung eines langen Gesprächs mit Stephan Sattler, in dem Spaemann seine Suche nach dem »was in Wahrheit ist« erläutert. Seine Mutter tanzte bei Mary Wigman, und sein Vater war Kunsthistoriker. Seine Eltern lebten in der Berliner Bohème der Zwanziger Jahre, sie waren links und athetistisch. 1942, nach dem Tod seiner Mutter, wird der Vater zum katholischen Priester geweiht. Zwei Jahre später desertiert Spaemann und versteckt sich bei einem Bauer. Robert Spaemann studierte Philosophie, Romanistik und Theologie in Münster, München und Fribourg, und wurde 1952 bei Joachim Ritter in Münster promoviert. 1962 wurde er in den Fächern Philosophie und Pädagogik in Münster habilitiert. An der TH Stuttgart lehrte er Philosophie von 1962 bis 1992. Danach lehrte er an den Universitäten Heidelberg und München, wo er 1992 emeritiert wurde. Spaemann war Gastprofessor in Paris, Rio de Janeiro, Louvain-la-Neuve sowie an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Peking. Er hat die Ehrendoktorwürde der Universitäten Fribourg, Pamplona, Washington sowie Santiago de Chile. Robert Spaemann hat viele Werke Werke über die Ideengeschichte der Neuzeit, über Naturphilosophie, Anthropologie, Ethik und politische Philosophie verfasst. Seien Bücher sind in 14 Sprachen übersetzt worden.

Robert Spaemann bei einer Podiumsdiskussion über > Jean-Jacques Rousseau am 25. April 2012 in der > Stuttgarter Stadtbibliothek

Von der Vielfalt seines Vaters Heinrich hat Spaemann sehr profitiert: „Nächst Gott verdanke ich, wie mein Vater mir erzählte, meine Existenz der Malerin Käthe Kollwitz. Sie muss den genialischen jungen westfälischen Kunstgeschichtsstudenten, Dichter und Bauhaus-Schüler Heinrich Spaemann als Mitarbeiter der legendären »Sozialistischen Monatshefte« kennengelernt und gemocht haben. Mein Vater war dort zuständig für Film und Varieté, also damals zum Beispiel für Charlie Chaplin, Buster Keaton, Sergej Eisenstein, Josephine Baker und den Mozart der Jongleure, Rastelli. Ich besaß als Kind einen der Bälle, die Rastelli nach der Vorstellung ins Publikum geworfen hatte.“

Im Haus den „Psychologen Alexander Mette (später Präsident des Psychologenverbandes der DDR) … ereignete sich später (es war der letzte Besuch) auch die Wende im Leben meiner Eltern, der Blutsturz meiner Mutter, der ihrer tänzerischen Laufbahn ein Ende setzte. Dass sie im Himmel wieder würde tanzen können, war ihr gewiss. Dies und ein gleichzeitiger Anfall dämonischen Wahnsinns bei Mette war der Beginn einer gänzlichen Neuorientierung meiner Eltern, die, beginnend mit der Lektüre Rousseaus über Jean Cocteaus Briefwechsel mit Maritain schließlich zum Weggang von Berlin nach Münster und am Ende in den Schoß der katholischen Kirche führte. … Ergänzend ist nur noch zu sagen, dass mein Vater sich Jahre nach dem Tod meiner Mutter entschloss, Priester zu werden. Er wurde 1942 vom Bischof von Münster, Graf Galen, geweiht.“

Die bewegenden Stationen seiner Biographie, die er in diesem Gespräch berichtet werden von Spaemann auch in seinem > Werk immer wieder reflektiert.

Ein Gespräch mit Robert Spaemann über die Atomenergie: > Nach uns die Kernschmelze. Hybris im atomaren Zeitalter:

> Ein unstillbares Verlangen nach Wahrheit.Der Philosoph Robert Spaemann wird heute 85 Jahre alt.
Im Gespräch mit Stephan Sattler erzählt er „Über Gott und die Welt“ Von Martin Mosebach,
in DIE WELT, 5. Mai 2012

> Robert Spaemann
Unter Mitarbeit von Stephan Sattler
> Über Gott und die Welt. Eine Autobiographie in Gesprächen
1. Aufl. 2012, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94737-3

Weitere Beiträge auf diesem Blog zu den Büchern von Robert Spaemann:

> Nachgefragt: Robert Spaemann, Nach uns die Kernschmelze
> http://blog.klett-cotta.de/philoosophie/leseberichtrobert-spaemann-nach-uns-die-kernschmelze/

> Rechtzeitig abschalten: Das Ende der Atomkraft
> Rousseau – Mensch oder Bürger
> Robert Spaemann – Freiheit und Wahrheit
> Robert Spaemann feierte seinen 80. Geburtstag
> Robert Spaemann: Das unsterbliche Gerücht
> Das unsterbliche Gerücht: Robert Spaemann, Michael Klett
> Das unsterbliche Gerücht: Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne

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