Verlagsblog

Archiv für Oktober 2012

Fantasy-News – Neues aus Mittelerde
Die neue Übersetzung von Der Herr der Ringe

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Im letzten Newsletter > »Der Hobbit« und »Herr der Ringe« – was Ihr wollt! wird an die neue Übersetzung von > Der Herr der Ringe aus der Feder von Wolfgang Krege erinnert. Krege kennt sich perfekt in Mittelerde aus. Er hat viele Bücher von J. R. R. Tolkiens übersetzt: > Das Silmarillion, den > Hobbit, Tolkiens Essays und den von Humphrey Carpenter herausgegebenen umfangreichen Briefwechsel Tolkiens, und er ist der Autor der Tolkien-Enzyklopädie > Handbuch der Weisen von Mittelerde, dem Standardwerk, in dem alle Fragen zu Tolkien beantwortet werden, sowie eines > Elbischen Wörterbuchs.

Die klassische 3-bändige Ausgabe in der neuen grünen Ausstattung wurde vollständig aktualisiert und mit einer überarbeiteten Übersetzung neu erschienen.

Der Schauplatz des Herrn der Ringe ist Mittelerde. Erzählt wird eine gefahrvolle Reise einiger Gefährten, die in einem äußerst dramatischen Kampf gegen das Böse endet. Alles beginnt damit, dass der Hobbit Bilbo Beutlin – er wohnt im idyllischen Auenland – durch einen seltsamen Zufall in den Besitz eines Ringes gelangt, der, und das finden die Hobbits raus, am falschen Finger eine absolute Herrschaft über das Böse verschaffen würde. Also muss der Ring sicher entsorgt werden. Diese Aufgabe soll Frodo der Neffe Bilbos übernehmen und den Ring in der Schicksalskluft zerstören. Mit einer Gruppe von Gefährten geht die Reise los. ber so einfach ist die Reise dorthin nicht.

Nun, dies ist kein Lesebericht, wie auf diesem Blog üblich, aber der Beitrag Nachgefragt: J. R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe, folgt in einige Tagen auf diesem Blog. Morgen gibt es ein Interviewtermin – der Klett-Cotta Blog unterwegs mit dem > transportablen TV-Studio.

> Alle Ausgaben von Herr der Ringe

> J. R. R. Tolkien
> Der Herr der Ringe
us dem Engl. von Wolfgang Krege, vollständig aktualisierte und überarbeitete Übersetzung
1. Aufl. in dieser Ausgabe 2012, 1568 Seiten, 3 broschierte Bände in Kassette, mit ausklappbaren Faltkarten, in neuer Rechtschreibung

Nachgefragt: Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger

Dienstag, 16. Oktober 2012

Jörg Magenau eine Doppelbiographie verfasst: > Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger. Nach dem Lesebericht auf diesem Blog folgt hier das Gespräch mit dem Autor: Nachgefragt.
Als Brüder und Schriftsteller zusammen fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte, ein Kaiserreich, eine Weltkrieg, eine Republik und ihr Scheitern, die nationalsozialistische Diktatur mit einem erneuten Weltkrieg und wieder eine Republik miterlebt. Magenau spricht über die Quellen, die er für das Buch benutzt hat. Er schreibt über den Leutnant Jünger: “Er war jung und naiv genug, den Krieg für einen großen Abenteuerroman zu halten, der ihm Gelegenheit bot, sich zu erproben und das Leben zu riskieren…” (S. 46) Abenteurerlust? Was hat Jünger in den Krieg getrieben? Während der Weimarer Republik kann Friedrich Georg kann “seinen Unmut über die fortschreitende Demokratisierung nicht verbergen…” (S. 70 f) Ernst war nicht weniger besorgt: Der Zerfall des Militärs und aller “Verlässlichkeit” würde den “demokratischen Missständen” (S. 72) geschuldet werden. Frage an Jörg Magenau: Demokraten waren beide nicht? Mit großer Deutlichkeit beschreibt Magenau die zunehmende Radikalisierung Friedrich Georgs, der die Diktatur kommen sieht. (vgl. S. 89) Jörg Magenau zitiert auch Friedrich Georgs erste Veröffentlichung Der Aufmarsch des Nationalismus (1926) und sein Urteil ist eindeutig: “Alles was diese paranoide, dröhnende Schrift enthielt, fügt sich bruchlos in die Propaganda der Nationalsozialisten ein.” (S. 99) Zu dieser Zeit entstand auch seine Technikskepsis, die später in den Essay “Die Perfektion der Technik” münden sollte, der erst nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint. In diesem Gespräch haben wir Magenau auch nach der Friedensschrift von 1943 gefragt:

Unterwegs mit dem transportablen TV-Studio.

> Jörg Magenau
> Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger
1. Aufl. 2012, 320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 8 Seiten Tafelteil s/w
ISBN: 978-3-608-93844-9

Nachgefragt: Urs Augstburger, Als der Regen kam

Dienstag, 16. Oktober 2012

Auf der Frankfurter Buchmesse hat Urs Augstburger auf unsere Fragen zu seinem Roman, >Als der Regen kam geantwortet.

Helen Nast ist an Alzheimer erkrankt. Ihr Sohn Mauro besucht sie und der erste Spaziergang mit der Mutter wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Mauro schöpft schnell Verdacht, dass da früher etwas sehr Entscheidendendes passiert sein muss. Vielleicht auf dem damaligen Jugendfest, das gerade genauso wieder gefeiert wird. Mauro entdeckt immer neue Spuren und kann sich allmählich einen Reim darauf machen. Aus der Gegenwart her und aus der Vergangenheit kreist Mauro die Ereignisse ein und kommt einem Geheimnis auf die Spur. Eine sehr spannende Geschichte. Im Zug versäumen Sie so manche Aussteigestation.

> Webseite zum Buch

> Anfang einer Lesung von »Als der Regen kam« im Salzhaus Brugg am Samstag, 8. September 2012

Nachgefragt: Ian Brodie, Der Herr der Ringe.
Reiseführer zu den Schauplätzen

Dienstag, 16. Oktober 2012

Vor den Augen und Ohren der Fans von > Der Herr der Ringe kann das folgende Gespräch – das spontane Video-Interview nach Blogger-Art auch noch auf Englisch – vielleicht nicht so recht bestehen, sie werden viel mehr über ihr Lieblingsbuch wissen, dafür hat Ian Brodie alle Schauplätze in Neuseeland besucht, wo der Film zu Der Herr der Ringe gedreht worden ist. Seine Reise-Begeisterung ist ansteckend. A very special travel guide: > Herr der Ringe. Reiseführer zu den Schauplätzen. Eine perfekte Ergänzung zum Buch und zum Film. Man bekommt den Eindruck, die Ereignisse hätten dort wirklich stattgefunden. Und es war ein Vergnügen, Ian Brodies Reisebegeisterung auf der Buchmesse zuzuhören:

Ian Brodie
> Herr der Ringe. Reiseführer zu den Schauplätzen.
Aus dem Englischen von Anja Welle (Orig: The Lord Of The Rings, Location Guide Book)
1. Aufl. 2012, 128 Seiten, broschiert, farbige, zahlreiche Abbildungen
ISBN: 978-3-608-93836-4

Nachgefragt: Eva Simeoni, Schlagmann

Montag, 15. Oktober 2012

Jetzt hat es endlich mal wieder geklappt. Erst erscheint hier der Lesebericht zum Roman von Simeoni hat in ihrem Roman > Schlagmann. „Lesebericht“ heißt diese Besprechung oder besser Vorstellung, weil es eben keine > Rezension ist, die stehen woanders und nicht über Bücher von Klett-Cotta.

Arne Hansen ist der Achter-Schlagmann, ein sehr schweigsamer, niemand wird so richtig schlau aus ihm. Er siegt, kann sich aber über seinen Sieg nicht so richtig freuen. Den Ausstieg aus dem Hochleistungssport kommt für ihn zu plötzlich. Er stürzt ab, und im Nachhinein offenbart sich das ganze Drama seiner Sportlerkarriere.

Zwanzig Jahr nach dem Tod von Arne besucht Jourmalist Arnes Feundin und seinen Teamkameraden Ali und sie empfangen ihn zu mehreren Gesprächen. Allmählich entsteht ein Eindruck von Arnes Persönlichkeit. Rätsel bleiben.

Auf der Frankfurter Buchmesse hat Evi Simeoni mit uns über ihren Roman gesprochen:

»Ein spannender, kluger und sehr sportkritischer Roman.« FOCUS, 02.07.2012

Noch ein Interview: > www.literatur-internet.de/evi-simeoni-schlagmann
Evi Simeoni
> Schlagmann
2. Aufl. 2012, 276 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93969-9

> Informationen über unsere Autorinnen und Autoren auf der Frankfurter Buchmesse 2012 (PDF).

Lesebericht: Ian Brodie, Herr der Ringe. Reiseführer zu den Schauplätzen

Dienstag, 9. Oktober 2012

Ian Brodie nimmt uns auf eines besondere Reise mit: > Herr der Ringe. Reiseführer zu den Schauplätzen. Wo brechen Frodo und die Seinen zu ihrer so überaus gefährlichen Reise auf? Wo genau ist die „Helms Klamm“, wo die Schlacht stattfindet? Und die „Grauen Anfurten“ sind doch Häfen? Wo liegen die?

Ian Brodie führt uns mit diesem Buch zu allen wichtigen Drehorten, wo in Neuseeland der Film > Herr der Ringe gedreht wurde. Welche Plätze wurden für das Auenland, das Nebelgebirge (in den Neuseeländischen Alpen auf der Südinsel mit ihren Dreitausender) oder für die goldenen Wälder Lothlóriens, das Reich Celebors und Galadriels ausgesucht? Wo wurden Mordor und der Schicksalsberg gefunden? Brodies Reiseführer ist ein literarischer Führer und erzählt zugleich auch aufregende Filmgeschichte. Längere Ausflüge waren notwendig, um das Bruchtal zu finden. Für manche Orte wie Minas Tirith wurden gewaltige Kulissen gebaut. Brodie komponiert mit seinem Buch eine Ovation an die Naturschönheiten Neuseelands. Über die Hinuera Road kommt man nach Hobbingen, von wo aus man ins Auenland schauen kann. Reiseführer sind richtig gut, wenn man beim Durchblättern sich hier und da festliest. Die Schlacht des letzten Bündnisses, der Kampf Isildurs um den Ringe oder Gollums Fischfang sind dann gar nicht mehr so irreal, weil die Landschaft auch mehr als nur ein bisschen für die Wirklichkeit dieser Ereignisse bürgt. Ob nur auf Zelluloid oder einen modernen elektronischen Datenträger gebannt, egal, die Ereignisse haben hier wirklich stattgefunden. Der Baum, unter dem sich die Hobbits versteckten: S 41° 18.101′ – E 175° 47.319° (Diese Koordinaten gelten vom Pfad aus. (vgl. S. 45) –

Also wie angedeutet, das Festlesen in einem Reiseführer ist der erste Schritt zum Gedankenblitz, wie wäre es mit einer Reise nach Neuseeland? Normalerweise liegt das von hier aus gesehen geographisch, machbar und zeitlich völlig fern. Aber dieses Buch, diese Landschaft, die Schauplätze bei Queenstown (Karte S. 89) und ich habe einen Freund, der aus Neuseeland kommt… Ein richtiger Fan von > J.R.R. Tolkiens > Herr der Ringe wird mit diesem Reiseführer, den Karten mit Wegbeschreibungen zu den Drehorten sowie viele weitere Informationen zu Neuseeland mit Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurant-Tipps seine Reise in das Land des Herrn der Ringe perfekt planen können

Ian Brodie
> Herr der Ringe. Reiseführer zu den Schauplätzen.
Aus dem Englischen von Anja Welle (Orig: The Lord Of The Rings, Location Guide Book)
1. Aufl. 2012, 128 Seiten, broschiert, farbige, zahlreiche Abbildungen
ISBN: 978-3-608-93836-4

Lesebericht: Evi Simeoni, Schlagmann

Dienstag, 9. Oktober 2012

Arne Hansen ist der Achter-Schlagmann, der wie eine Maschine seine Boots-Mannschaft zum Sieg führt. Im realen Leben war es Bahne Rabe aus Lüneburg, der 1988 im Achter für Deutschland die Gold-Medaille holte und auf so erschütternde Weise 2001 gestorben ist. Evi Simeoni hat in ihrem Roman > Schlagmann die Umstände des Hochleistungssports kritisch unter die Lupe genommen. Es geht nicht um die vielen verschiedenen Motive, die Sportler zu Höchstleistungen antreiben. Ihr geht es um einen persönlichen Fall, Arne Hansen, den Schweigsamen, der durch den Sport zu extremer Höchstform aufläuft und dann nach den ersten Widrigkeiten ins Bodenlose abstürzt. Seine Freundin Anja und sein Teamkollege waren Zeige seines Verfalls, aber sie konnten ihn nicht retten.

Der Journalist Paco Müller sucht nach bald 20 Jahren nach dem Tod von Hansen Kontakt zu Anja und Ali. Anja zögert, dann empfängt sie Müller zu regelmäßigen Sitzungen, und er darf sein Tonband wie auch bei Ali aufstellen. Anja berichtet von der Faszination, die Arne auf sie ausstrahlte: „Wenn er einen Raum betrat, fuhren die Köpfe herum.“ (S. 36) Alis Welt ist die des Ruderns: „Wenn die Welt ein Ruderverein wäre, käme ich am besten mit dem Leben klar.“ (S. 44) Rudern und Kraftanstrengungen bis über die Schmerzgrenze fordern ihren Tribut. Arne ist oft völlig abwesend, kaum ansprechbar, kapselt sich ab, entwickelt oder hat schon merkwürdige Gewohnheiten und schon immer eine Heidenangst vor einem überflüssigen Gramm Körperfett. Die seltene Male, wenn er redete, duldeten keinen Widerspruch.

Anja wirbt um ihn, und Arne geht zuerst kaum auf sie ein. Anja bleibt hartnäckig, fühlt sich immer mehr zu ihm hingezogen. Sie fährt mit ihm nach Holland an die See, und als sie sich dann endlich näherkommen erschrickt sie über seine „Inbrunst und Heftigkeit“ (S. 82)

Ihnen fällt auf, dass Arne wenig oder nichts isst: „Der Arzt hat mir das Training verboten. Also brauche ich auch nichts zu essen,“ (S. 86) stellt er fest. Im nachhinein ist Ali traurig und enttäuscht: „Er hat uns sich selbst rücksichtslos angetan.“ (S. 90) Über seine Familie und damit über seine Herkunft erfahren sie nichts. – „Ich bin der Schlagmann, ich,“ (S. 113) lautete sein prinzipielle Ansage.

Später setzt der Trainer Ali als Schlagmann ein. Arne lässt sich das nicht gefallen, es kommt zum Duell im Einer. Arne verliert, entdeckt dazu noch Anja zusammen mit Ali und verlässt wortlos das Trainingslager.

Der Leistungssport war für Arne eine Art Identität, die ihm sonst im Leben fehlte, erinnert sich Anja. Nach dem Abbruch seiner Sportlerkarriere begann Arne zu hungern: „Arnes Folterknecht war er selbst.“ (S. 183) Anja und Ali können Arne nicht zur Umkehr bewegen. Es folgen Zusammenbrüche, Klinikaufenthalte und sein Tod. Seine Freunde wissen was er ihnen gegeben hat: „Ohne Arne gäbe es den Ali von heute nicht, “ gibt Ali 2009 zu.

Evi Simeoni hat ein Buch geschrieben, das sehr zum Nachdenken anregt. Wie wirkt der Hochleistungssport auf Sportler, die am liebsten jenseits der möglichen körperlichen und auch psychologischen Grenzen siegen wollen? Trotz der Nähe zu Arne ist er Anja völlig fremd geblieben. Was spornte Arne zu diesen Höchstleistungen an? Jemand der sich über seinen Sieg und gar eine Goldmedaille nicht freuen kann, musste doch Besorgnis auslösen. Bei Arne gingen Sieg und Scheitern ineinander über. Simeoni erzählt mit großem Talent das Drama seines Endes.

»Ein spannender, kluger und sehr sportkritischer Roman.« FOCUS, 02.07.2012

Evi Simeoni
> Schlagmann
2. Aufl. 2012, 276 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93969-9

> Informationen über unsere Autorinnen und Autoren auf der Frankfurter Buchmesse 2012 (PDF).

Lesebericht: Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger

Dienstag, 9. Oktober 2012

Auch ohne die Absicht, einen Lesebericht über dieses Buch schreiben zu wollen, hätte ich es in einem Zug durchgelesen. Trotz mancher tages- und umständebedingter Störungen, war es eine spannende Lektüre an einem Stück. Friedrich Georg Jünger (1898-1977) und Ernst Jünger (1895-1998) hatten beide als Brüder und Schriftsteller zusammen fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte, ein Kaiserreich, eine Weltkrieg, eine Republik und ihr Scheitern, die nationalsozialistische Diktatur mit einem erneuten Weltkrieg und wieder eine Republik miterlebt: > Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger. Wichtigste Quelle für den Autor dieses Buches ist der noch unveröffentlichte Briefwechsel zwischen beiden Brüder, den sie 1913 begannen und der 1977 endete. Jörg Magenau hat ihre Doppelbiographie verfasst. Martin Walser hat dieses Buch so resümiert: „Jörg Magenau hat zwei von Argumentengier zerschlissene Figuren befreit, rein erzählerisch! Das ist angesichts des literaturhistorischen Tatbestandes sensationell.“

1907 kauft ihr Vater die Villa in Rehburg. Viele Bücher lasen die beiden Brüder zusammen. Zu Weihnachten bekamen die Söhne Fleischers Der Käferfreund. Die lebenslange Passion besonders von Ernst Jünger, Käfer zu sammeln, begann zusammen mit seinem Bruder rund um das Steinhuder Meer. 1910 zeigte ihr Vater ihnen den Halleyschen Kometen, den Ernst 1986 noch einmal sehen sollte: „Brüder unterm Sternenzelt“. Der Ausreise Ernst wird nach seinem Eintritt in die Fremdenlegion und einem Aufenthalt in Marokko mit Hilfe des Vaters heimgeholt. Am 1. August beginnt der Krieg und Ernst Jünger profitiert davon, macht schnell das Notabitur und fängt schon im Oktober seine Grundausbildung an. Magenau über den Leutnant Jünger: „Er war jung und naiv genug, den Krieg für einen großen Abenteuerroman zu halten, der ihm Gelegenheit bot, sich zu erproben und das Leben zu riskieren…“ (S. 46) (Vgl. > Nachgefragt: Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918 auf diesem Blog)Wieder treffen die Brüder auch an der Front in Frankreich zusammen. Friedrich Georg wird verwundet und über ihn und seinen Bruder im Stellungskampf notiert Magenau: „So sehr Ernst hier zu Hause war und im Element des Feuers atmete wie ein Fisch im Wasser, so hilflos irrte Fritz darin umher.“ (S. 52) „…das Schlimmste am Krieg? ‚Das wir ihn verloren haben.'“ So soll Ernst Jünger bis ins hohe Alter geantwortet haben.

Friedrich Georg kann „seinen Unmut über die fortschreitende Demokratisierung nicht verbergen…“ (S. 70 f) Ernst war nicht weniger besorgt: Der Zerfall des Militärs und aller „Verlässlichkeit“ würde den „demokratischen Missständen“ (S. 72) geschuldet werden. Friedrich Georg studiert Jura und macht sein Referendariat in Meißen. Sein Bruder war mit seinem Buch In Stahlgewittern seit 1920 bekannt geworden, und er „verkehrte in militärischen Kreisen, in denen die Bezeichnung ‚Literat‘ als Schimpfwort galt.“ (S. 87) Magenau ist es gelungen, eine Doppel- oder Parallelbiographie zu verfassen, die vor dem gemeinsamen familiären und historischen Hintergrund, die unterschiedlichen Entwicklungen der beiden Brüder und ihre Gemeinsamkeiten hervortreten lässt. Mit großer Deutlichkeit beschreibt er die zunehmende Radikalisierung Friedrich Georgs, der die Diktatur kommen sieht. (vgl. S. 89) Die Abschrift seiner Briefe nach dem Zweiten Weltkrieg tilgt in ihnen den „flackernden Fanal für eine militärische Diktatur“. (S. 89) Magenau zitiert auch Friedrich Georgs erste Veröffentlichung Der Aufmarsch des Nationalismus (1926) und sein Urteil ist eindeutig: „Alles was diese paranoide, dröhnende Schrift enthielt, fügt sich bruchlos in die Propaganda der Nationalsozialisten ein.“ (S. 99) Zu dieser Zeit entstand auch seine Technikskepsis, die später in den Essay „Die Perfektion der Technik“ münden sollte, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint.

Magenau hat keine Hagiographie der beiden Brüder verfasst. Ohne jeden Versuch der Beschönigung beschreibt er ideologische Verirrungen, aber er versucht auch sie zu interpretieren. Friedrich Georg „steigerte … sich in seinen nationalistischen Vernichtungswahn hinein und verwandelte sich auf dem Papier in einen schäumenden Hassprediger, der den Menschen am liebsten ‚ein Gift zu fressen geben‘ würde, ‚um ihnen die demokratischen Würmer abzutreiben‘.“ (S. 112) Derartige Gedanken wie auch die „Volksgesundheit“ will Magenau lediglich als Metaphern für die Zeit gebräuchlich verstehen: „Erst die Nationalsozialisten nahmen sie wörtlich und begründeten damit ihre antisemitische, rassistische Erblehre.“ (S. 112) Beurteilungen wie diese bilden die Grundlage, für die Entscheidung Magenaus, sich auf die Seite der Brüder zu stellen, so wie anlässlich der von Goebbels proklamierten „‚totalen Mobilmachung'“, die nicht mit „Jüngers Intention“ (S. 137) korrespondierte „- aber doch den vorausgeahnten und beschworenen Möglichkeiten.“ War es nur folgerichtig, dass Ernst Jünger, seine Bücher einer „gründliche(n) Revision unterzog, „um nicht mit den Nationalsozialisten verwechselt zu werden“?(S. 144)

Magenaus Biographie beeindruckt durch die Fähigkeit ihres Autors, sich in die Gedanken besonders Ernst Jüngers hineinzuversetzen: Kapitel 14 „(Feuer, Wasser, Erde, Luft) Wilflingen 1996“ mit der Konversion Jüngers zum Katholizismus ist dafür ein Beispiel.

Ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus erklärt Magenau so „Gemeinsam befanden sie sich in Gegnerschaft zu Hitler, aber wie Ernst das im Rückblick formulierte: nicht auf der politischen Ebene. Sie befanden sich in einer anderen Dimension. Deshalb hielten sie sich auch für unerreichbar, und die hatten das Glück, dass diese Illusion nicht zerstört wurde.“ (S. 174)

Im Sommer 1943 entstand „nach einigen früheren Vorarbeiten“ eine „Friedensschrift“ mit dem Konzept für ein Europa nach dem Weltkrieg. Magenau hält diese Schrift für einen „seltsame(n) Wechselbalg, der die widerspruchsvolle Position oppositioneller Repräsentanten der deutschen Wehrmacht verdeutlicht,“ (S. 203) und der Biograph urteilt: „Die Friedensschrift in all ihrer Problematik ist so etwas wie die inoffizielle Verfassung des ’20. Juli'“. (S. 207) Dieses Kapitel 17 „(Feuer) Paris 1943/44“ gehört zu den zentralen Abschnitten dieses Buches. Speidel soll den Text der Friedensschrift gelesen haben und ihn an Rommel weitergegeben haben. Zugleich bemerkt Magenau, Jünger soll von Umsturzplänen gewusst haben, aber in das Attentat vom 20. Juli nicht konkret eingebunden gewesen sein. (vgl. ib.)

Nach dem Krieg wohnte Ernst in Karlshorst bevor er nach Ravensburg umzog um 1950 nochmal, diesmal nach Wilfingen umzieht, während Friedrich Georg zunächst in Überlingen wohnte. Mit einzelnen Episoden wie das Seegfrörne 1963, das den Bodensee zum ersten Mal seit 1880 vollständig zufrieren ließ, den Berichten von Reisen wie nach Rom – fünf Jahre vor dem Tod des Bruders – präzisiert Magenau die Haltung Ernst Jüngers gegenüber der Geschichte und seiner Zeitgeschichte: „In der Bundesrepublik war er so wenig heimisch geworden wie zuvor im ‚Dritten Reich‘ und davor in der Weimarer Republik. Einer, der unter den Sternen lebt und sich an ihren Bahnen orientiert, kann in keinem Staate heimisch sein.“ (S. 293)

Jörg Magenau liefert mit seiner Biographie auf der Grundlage einer beeindruckenden Kenntnis ihrer Werke aufschlussreiche Einblicke in das Verhältnis der beiden Brüder, er zeigt und analysiert ihre Reaktionen auf die Ereignisse der Zeitgeschichte, deren Augenzeuge sie ganz unmittelbar waren, er erläutert ihre Visionen, Unterschiede in ihren Einschätzungen und versucht, den Weg nachzuzeichnen, auf dem sie beide zum Teil unabhängig voneinander und gemeinsam ihre Werke im Dialog miteinander entwickelten.

> Jörg Magenau
> Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger
1. Aufl. 2012, 320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 8 Seiten Tafelteil s/w
ISBN: 978-3-608-93844-9

> Klett-Cotta-Autoren auf der Frankfurter Buchmesse 2012 Halle 3.1, Stand D 175

ARD Forum F.0 im gläsernen Hörfunkstudio der ARD
Auf der Buchmesse 2012: Termine am Sonntag, 14. Oktober 2012
12:00-13:00 WDR 3/ Gutenbergs Welt live
Gäste: Gäste: Arezu Weitholz „Wenn die Nacht am stillsten ist“, Stephanie Gleißner „Einen solchen Himml im Kopf“, Marjana Gaponeko „Wer ist Martha?“ und Jörg Magenau „Brüder unterm Sternenzelt“. Moderation: Manuela Reichart

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