Verlagsblog

Archiv für November 2012

Urs Augstburger, Als der Regen kam: Seh- und Hörspiel

Mittwoch, 28. November 2012

Mi. 28.11 20 h 15
Stuttgarter Buchwochen
Haus der Wirtschaft, Buchcafé
70174 Stuttgart

Urs Augstburger, Als der Regen kam
Das Buch wird als Seh- und Hörspiel vorgestellt: Live dargeboten in der neuen Form eines Seh- und Hörspiels. Mit Monika Schärer, Sven Furrer, Urs Augstburger und der Band Hendrix Ackle (voc, key), Roberto Caruso (git) und HP Stamm (Horns).

> www.ursaugstburger.ch

Auf der Frankfurter Buchmesse hat Urs Augstburger einige Fragen zu seinem Buch beantwortet:

> Nachgefragt. Als der Regen kam.

> www.als-der-regen-kam.com – Die Website zum Buch

Urs Augstburger
> Als der Regen kam
Roman
2. Aufl. 2012, 288 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-93974-3

Lesebericht: Urs Augstburger Als der Regen kam

Donnerstag, 22. November 2012

Urs Augstburger Roman > Als der Regen kam ist ein besonders gelungenes Beispiel, wie ein sehr bedrängendes Problem in literarischer Form vorgestellt und untersucht werden kann. „Für sie, mit den weißen Haaren“ lautet die Widmung des Buches und ist vielleicht als Reverenz an diejenige gedacht, die ihn zu diesem Buch inspiriert hat? Das Buch ist auch ein Essay über Demenzerkrankungen. Helen Nesta ist an Alzheimer erkrankt und befindet sich in einem Pflegeheim. Aus Genua kommend steigt Mauro aus dem Zug, um nach zwei Jahren seine Mutter wieder zu besuchen.

Seine Mutter wird ihn nicht mehr erkennen. Er bekommt von der Stationsleiterin den Schlüssel für ihre Wohnung, wo er seltsame Entdeckungen machen wird.

Doch beim Spaziergang, im beginnenden Trubel des alljährlich stattfindenden Jugendfestes, ist sie plötzlich für einen Moment wieder ganz sie selbst. Es geht auch um die Macht der Erinnerung, die wie bei Proust durch bestimmte Momente und Ereignisse ausgelöst wird. War es bei Proust der Duft des Tees, der an den Garten von früher erinnert, so ist es bei Helen das geschäftige Treiben rund um die Vorbereitung um das Jugendfest, das sie für einen Moment in eine andere Zeit versetzt. Als wäre sie nicht krank, tanzt sie so wie sie wahrscheinlich auch damals getanzt hat: „Mauro war fassungslos.“ (S. 22) War es der gleiche Ort, oder einfach nur das Ambiente des Jugendfestes, das in ihr diese unwillkürliche Erinnerung ausgelöst hat? Nicht die Erinnerung als solche, sondern, ihr Tanz vermittelt ihrem Sohn Mauro, der sie bei ihren spontanen Tanzschritten beobachtet, dass es womöglich um die Erinnerung an jemanden oder gar Sehnsucht nach jemandem geht, der im Leben der Mutter eine Rolle gespielt hat, von dem er nichts weiß. Seine Mutter nimmt einen imaginären Tanzpartner in den Arm und tanzt. Auf subtile und einfühlsame Weise entsteht eine aufregende Liebesgeschichte, manchmal in Andeutungen, dann wieder mit konkreten Erlebnissen. Obwohl seine Mutter ihren eigenen Sohn nicht mehr erkennt, wird dieses Reise für Mauro eine Reise in (s)eine Vergangenheit: „Mit jedem Schritt tauchte Mauro Nesta in eine andere längst vergessene Welt ein.“ (S. 105) Aus der Erinnerung lassen sich Geschichten rekonstruieren. Als der Regen kam ist auch ein investigativer Roman. Mauro findet die Puzzleteile, die logisch zusammengesetzt, die Existenz einer Liebesgeschichte verraten: „Nun sang der Chor das Festlied, das seit Jahrzehnten dasselbe war, alle rundherum stimmten ein, Helen Nesta zu Mauros Verblüffung am lautesten.“ (S. 116) Und da ist noch Pius Kobelt, der ein Treuhandbüro gleich neben dem Pflegeheim besitzt. Mauro finet immer mehr Hinweise auf eine alte Geschichte. „Als der Regen kam.“ (S. 167)

Das Wiederlesen eines Romans, oder zumindest das Wiederlesen der angestrichenen Passagen lenkt den Blick auf viele neue Details, die die Spannung in diesem Roman herstellt. Die Erinnerungen und das Erzählen der Gegenwart bestimmen den Roman und das ist Urs Augstburger glänzend gelungen. Die Erinnerungen werden zu Momenten, die die Geschichte der Gegenwart vorantreiben. So ist die Erinnerung nicht nur unwillkürlich sondern auch ein Bestandteil der Identität, und sie kann so stark sein, dass auch die demenzkranke Mutter ihr nicht entzogen ist.

> www.ursaugstburger.ch

Auf der Frankfurter Buchmesse hat Urs Augstburger einige Fragen zu seinem Buch beantwortet:
> Nachgefragt. Als der Regen kam.

> www.als-der-regen-kam.com – Die Website zum Buch

Urs Augstburger
> Als der Regen kam
Roman
2. Aufl. 2012, 288 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-93974-3

Nachgefragt: John Lanchester, Kapital

Freitag, 16. November 2012

Fertig, ausgelesen, 107 Kapitel, 682 Seiten. Eigentlich schade, die Bewohner der Pepys Road im Londoner Süden werden bei der Lektüre so vertraut. … so fing mein Lesebericht zu „Kapital“ auf diesem Blog an.

John Lanchester am 15. 11.2012 bei seiner Lesung im Stuttgarter Haus der Deutschen Wirtschaft >>>>

Unterwegs mit dem > transportablen TV-Studio: Gestern hat John Lanchester auf Fragen zu seinem Buch geantwortet. Das war eine gute Gelegenheit nachzufragen, ob der Lesebericht die wichtigsten Aussagen seines Buches sachgerecht gewürdigt hat. Beim Aufstellen der Kamera war in der Bar alles ruhig. Kurz vor dem Interview kamen die Flaschen und die Gläser, die sonst immer vorher aus dem Bild verschwinden müssen, ausserdem begann bei der ersten Frage hinter der Trennwand ein fröhliches Kaffeekränzchen.

Lesebericht: „Um die Lektüre gebührend zu würdigen, habe ich einen Moment mit dem Gedanken gespielt, zwei oder gar mehrere der nächsten Kapitel einfach dazuzuschreiben. Nein, das geht nicht, aber die Idee war nicht schlecht.“ Mal hören, was der Autor dazu meint:

John Lanchester
> Kapital
Roman, aus dem Englischen von Dorothee Merkel
1. Aufl. 2012, 682 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93985-9

Lesebericht: John Lanchester, Kapital

Donnerstag, 15. November 2012

Fertig, ausgelesen, 107 Kapitel, 682 Seiten. Eigentlich schade, die Bewohner der Pepys Road im Londoner Süden werden bei der Lektüre so vertraut. Sie haben nicht viele Gemeinsamkeiten, außer dass sie in der gleichen Straße mit den ähnlichen Einfamilienhäuser wohnen. Irgendjemand stört ihre Kreise: „Wir wollen was Ihr habt“ steht auf den Karten, die bei den Bewohnern der Pepys-Road in den Briefkästen landen und sie verunsichern.


Donnerstag, 15. November 2011, 20 Uhr
John Lanchester, Kapital. Lesung und Gespräch
Eine Veranstaltung im Rahmen der Stuttgarter Buchwochen in Kooperation mit der Buchhandlung Hugendubel.
Moderation: Renate Brosch (Institut für Anglistik, Universtität Stuttgart) / deutsche Lesung: Anja Brünglinghaus
Haus der Wirtschaft, Raum Karlsruhe
Willi-Bleicher-Straße 19, 70174 Stuttgart
Eintritt 5 EURO


Um die Lektüre gebührend zu würdigen, habe ich einen Moment mit dem Gedanken gespielt, zwei oder gar mehrere der nächsten Kapitel einfach dazuzuschreiben. Nein, das geht nicht, aber die Idee war nicht schlecht. Kapitel 108 hätte von der Familie erzählt, die in das Haus der Younts einzieht, wie sich mit ihren neuen Nachbarn verstehen, ob ihr das neue Zuhause gefällt. Der Fall mit den ominösen Postwurfsendungen wird am Ende des Romans geklärt. Im Kapitel 109 könnte man nochmal die historischen Perspektive der Pepys Road wieder aufgreifen. und im Kapitel 110 kommen die neuen Eigentümer der Nr. 42.

Mit den vielen kleinen Einzelerzählungen über die Bewohner der Pepys Roas entwirft Lanchester einen mitreissenden Geselllschaftsroman, ein Sittengemälde. Durch ganz verschiedene Umstände in dieser Straße zusammengekommene Bewohner erleben innerhalb eines Jahres alles was „Gentifizierung“ und „Schuldenkrise“ für sie und ihre Nachbarn bedeuten kann. Der Aufsteiger Roger erlebt einen brillante Karriere und einen ebenso schnellen und sehr harten Fall. In Nr. 42 liegt Petunia Howe im Sterben. Späer bekommt der pakistanische Kioskbesitzer wegen Terrorverdachts erheblichen Ärger mit der Polizei. Der senegalesische Fußballaufsteiger Freddy Kamo findet mit seinem Vater in einem Haus der Pepys Road eine Bleibe. Er freut sich auf das Spiel in der Ersten Liga. Aber auch für ihn kommt alles anders.

Die Spannung entsteht durch die geschickte Konstruktion des Romans. Zuerst sind es Einzelschicksale, die nur durch die Zugehörigkeit zur gleichen Straße irgendwie miteinander verbunden sind. Dann ergeben sich bei näherer Betrachtung unter den oder unter einigen Bewohnern subtile Abhängigkeiten. Selten reden die einen über die anderen. Sie beobachten sich eigentlich auch kaum. Der Beobachter ist nur der Leser, den der Autor mit Aufstieg und Fall und einem Gesamtüberblick über die Ereignisse in den Häusern der Pepys Road bekanntmacht, über die auch die einzelnen Protagonisten nicht verfügen. Und doch sind die meisten in schwierigen Situation immer wieder auf sich alleine gestellt. In der modernen Stadtgesellschaft schwindet die Solidarität, könnte der Leser notieren. Kaum jemand nimmt am Nachbarn wirklich Anteil, doch für Freddy interessiert man sich schon, schließlich haben einige gemerkt, dass dieser vielleicht ein Fußballstar werden könnte.

Die Zeitgeschichte mit der Schulden- und Bankenkrise verschont Roger nicht, der doch ganz andere Pläne hatte. Berufliches Pech vertreibt ihn und seines Familie aus ihrem Domizil in der Pepys Road und illustriert die Machtlosigkeit des Einzelnen, gegenüber einer Finanzwelt, die Chancen und heftige Misserfolge zugleich bietet.

Wie kommt es, dass man am Ende der Lektüre dieses Buches das etwas flaue Gefühl hat, der Roman höre mitten im Geschehen auf? Das ist aber eigentlich nicht besonders erstaunlich. Die Erzählung setzt im Dezember 2007 mit dem ersten Teil ein und endet mit dem dritten Teil im November 2008. Ein Ausschnitt, aus einer langen Serie von Ereignissen wird uns präesentiert, eine abgeschlossene Geschichte hat der Autor wahrlich nicht im Sinn gehabt. Dennoch ist eine sehr lesenswerte Chronik der Ereignisse entstanden, die keinesfalls nur für diese Straße gelten. Geschichte ist immer ein Übergang, ein Aufstieg und Fallen. Den einzigen Kunstgriff, den der Autor sich erlaubt, ist Hoffnung, Enttäuschung, Glück, Tod und Karriere als Ereignisse eines Jahres quasi im Zeitraffer zusamengerafft zuhaben, wodurch eine ganz eigentümliche Dynamik entsteht, die die Spannung vorantreibt. Andererseits wirkt diese Abfolge der Ereignisse in der Pepys Road keineswegs unnatürlich oder unmöglich. Der Leser merkt kaum, dass Lanchester eigentlich nur die Bewohner sehr weniger Häuser beschreibt, auch sie stehen ganz gewiss für alle anderen, deren Schicksale kaum weniger dramatische verlaufen.

Hat unsere Gegenwart besondere Kennzeichen, die sie von anderen Epochen unterscheidet? Zeitgenossen bewerten tagesaktuelle Ereignisse immer besonders beeindruckend, auch wenn sie in der Rückschau oft eher banal und gar langweilig sind. Das intensive Mitleben mit den Bewohnern der Häuser, die der Autor uns vorstellt, macht uns für die Zeit der Lektüre auch zu Mitbewohner der Pepys Road, wodurch die Frage, wie der Autor im Roman die Spannung erzeugt, teilweise oder zumindest im Ansatz beantwortet sein dürfte.

> Kapital
Roman, aus dem Englischen von Dorothee Merkel
1. Aufl. 2012, 682 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93985-9

Online! Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken – 2.0

Mittwoch, 7. November 2012

Jetzt ist das Web-Programm des > MERKUR Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken komplett. Auf der Website von Klett-Cotta hat der MERKUR schon lange eine eigene Rubrik, wo regelmäßig das Inhaltsverzeichnis des neuesten Heftes, das monatlich erscheint, angezeigt wird. Die > November-Ausgabe des MERKUR enthält einen Essay des schwedischen Autors Steve Sem-Sandberg (Nachgefragt: > Die Elenden von Lodz – auf diesem Blog) über Realität des Holocaust und Spielraum der Fiktion und Sandberg setzt er sich mit grundsätzlichen Einwänden gegen sein Verfahren auseinander. Er antwortet dabei vor allem auf Fragen danach, wie weit sich ein Romanautor beim Thema Holocaust von der historisch belegten Wahrheit entfernen darf, was seine Lizenzen sind und wo deren Grenzen liegen.

> Beiträge über den MERKUR auf diesem Blog

Seit kurzen gibt es einen bereits gut- und wohlgefüllten > Blog für den MERKUR mit begleitenden Texten zum MERKUR, zu seinen Themen, eine geradezu perfekt gelungene Ergänzung der Print-Ausgabe, die hier online weitergeführt wird. Die Bloginhalte will ich hier gar nicht resümieren, unbedingt besuchen lautet unsere nachdrückliche Empfehlung. Auf das Design vom MERKUR-Blog bin ich richtig neidisch: Es ist perfekt gelungen, das Print-Medium mit seinem CD im Netz abzubilden. Aufgeräumt, funktional, informativ, leichtgängige Navigation, nur Lob. Werbung für einen Verlag unseres Hauses? Klar. Hat die Redaktion des MERKUR echt verdient. Hier zeigt die MERKUR-Redaktion, wie das Online-Medium Blog, den im Druck geführten Diskussionen noch mehr lauten und echt verdienten Nachhall vermitteln kann. Wir freuen uns auf einen intensiven (Link- und) Meinungsaustausch.

Wer B sagt, muss auch T sagen. Der MERKUR-Blog hat schon digitalen Nachwuchs in Form eines Twitter-Accounts. Man darf ja hin- und herschwanken. Twitter? 140 Zeichen? Wer liest das denn schon? Muss man das haben? Hat unser > Frankreich-Blog auch > twitter.com/FranceBlogInfo. Trotz aller Bedenken sehr erfolgreich, weil nach vermehrter, sachgerecht richtig dosierter Aktivität eine Zunahme der Zugriffszahlen auf dem Blog beobachtet werden kann. Und die Follower auf Twiitter bringen neue Kontakte und Ideen. Auf den richtigen Web 2.0 Mix kommt es an, im Netz, wie in der Handhabung, welche Informationen wo platziert werden, wie sie ausgewertet werden, und diesen Mix beherrscht die MERKUR-Redaktion aus dem Stand heraus. Da bekommen wir wieder richtig Lust, doch nochmal vermehrt zu zwitschern. Jetzt gibt es beim MERKUR 2.0 so viele Anknüpf-, Verbindungs- und Verlinkungsgründe!



Das ist aber noch längst nicht alles. Das > digitale MERKUR-Archiv bietet alle Artikel der Jahrgänge 1947 bis 1983 und 1989 bis 2012 im Volltext zum Kaufen und Downloaden an. Mit (Volltext-)Suche und Benachrichtigungsdienst zu hinterlegten Suchinhalten. Perfekt. Ein unglaublicher Schatz, den es zu heben gilt.

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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