Verlagsblog

Archiv für Februar 2013

Lesung: Jesús Carrasco, Die Flucht

Samstag, 23. Februar 2013

Auf seiner Flucht versteckt sich der Junge tagsüber. Nachts bewegt er sich in der Dunkelheit und versucht seinen Jägern zu entgehen. Die Ebene vor ihm ist ausgebrannt, heiß, gesetzlos. Zurück kann er nicht mehr. Der Lesebericht kommt bald.

Jesús Carrasco, die literarische Neuentdeckung Spaniens, wird einen Termin in Deutschland wahrnehmen können:

19.4., 19 Uhr: Hamburg | Lesung – Der einzige Auftritt in Deutschland:
In der Reihe „Internationale Gäste“ der Vattenfall Lesetage 2013.
Moderation: Isabel Navarro (Instituto Cervantes)
Deutsche Lesung: Daniel Montoya
Kellertheater, Johannes-Brahms-Platz 1, 20355 Hamburg
Eintritt: 7,- €

Jesús Carrasco
> Die Flucht
Roman, aus dem Spanischen von Petra Strien (Original: Intemperie)
1. Aufl. 2013, 208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98001-1

Lesereise: Joe R. Lansdale, Dunkle Gewaesser

Freitag, 22. Februar 2013

Als die schöne May Lynn tot aus dem Wasser gezogen wird, fängt die Suche nach dem geld an, das ihr Bruder sich mit einem Banküberfall beschafft werden soll. Und zunächst interessiert sich niemand dafür, wer May ermordert haben könnte. Auf die Lektüre folgt hier der Lesebericht.

»Bisher das beste Frühjahrsbuch 2013, das ich gelesen haben. Voller Humor, Liebe, Abenteuer und herrlich schräger Figuren. Eine moderne Huck Finn Geschichte, eine Reise auf dem Fluss, witzig, spannend, krude, nur schade um das schönste Mädchen …« Inge Baeuchle, Buchhandlung Baeuchle, Hinterzarten

» Joe R. Lansdale liest aus >Dunkle Gewässer und wird bei seinem Deutschlandbesuch von seiner Tochter Kasey begleitet, die Countrysängerin ist und > einen Song zum Buch geschrieben hat! Am Freitag, 15.3. geht es in Berlin los. Und am 16.3. sehen wir uns in Leipzig. > Alle Termine zu diesem Buch.

Joe R. Landale
>
Dunkle Gewässer/a>
Krimi, aus dem Englischen von Hannes Riffel (Original: Edge of Dark Water)
1. Aufl. 2013, 320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50131-5

Buchpremiere: Torsten Schulz, Nilowsky

Freitag, 22. Februar 2013

Noch ist es kalt, aber das Frühjahr mit den Lesungen bei Klett-Cotta beginnt in wenigen Tagen:

Torsten Schulz liest aus Nilowsky. Die Buchpremiere findet am 28. Februar 2013 um 20 Uhrin der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz statt Und hier gibt es einen Flyer zu dieser Premiere.

Nilowsky ist recht eigen und lässt sich von Markus Bäcker anhimmeln. Nilowsky übt auf ihn eine Faszination aus, er mit seinen recht seltsamen Vorstellungen vom Leben und der Liebe. Als Markus Bäcker sich in Carola, in Nilowskys große Liebe verliebt, wird ihre Freundschaft ihm fast zum Verhängnis…

Über > www.zehnseiten.de

Wenn de Lesebericht zu diesem Buch fertig ist, darf unser Blog vielleicht auch > nachfragen.
Es geht auch um das Erwachsenwerden, mit dem Markus Bäcker irgendwie immer gekämpft hat. Der Lesebericht folgt hier.

Torten Schulz
> Nilowski
Roman
2. Aufl. 2013, 285 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93971-2

Wieder oben aufgelegt: Die Geheimnisse der Konklaven und die Laster der Kardinäle

Montag, 11. Februar 2013

Wie gut, wenn man rechtzeitig vorsogt, und das Verlagsprogramm für alle plötzlich eintretenden Eventualitäten vorausschauend bestens gerüstet ist. Nach dem heute morgen > angekündigtem Rücktritt von Papst Benedikt XVI. :“Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr ausreichend sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben,“ gibt es schon die ersten Websites, die das Konklave erklären. Wieder werden Namen genannt werden, und es wird mit Spannung der Moment erwartet werden, biss kein Pech mehr der Verbrennung der Stimmzettel beigemischt wird, sondern der BrühmtE Fumata bianca aufsteigen wird.

Wie gesagt, gut wenn ein Verlag für alle plötzlich eintretenden Ereignisse gerüstet ist: Klett-Cotta hat in seinem Programm: > Die Geheimnisse der Konklaven und die Laster der Kardinäle. Keiner kannte die Umstände einer Papstwahl besser als er, der Meisterintrigant vor und hinter den Kulissen: Atto Melani (1626-1714) Er war eine der schillerndsten Figuren des Absolutismus. In einem bislang unveröffentlichten Brief erklärt er, wie man sich seinen Papst wählt.

Abbé Atto Melani, ein berühmter Kastratensänger, nutzte seine Auftritte in ganz Europa für Spionage im Auftrag Ludwigs XIV. Die Intrigen der römischen Kurie durchschaute niemand besser als er, der bei mehreren Papstwahlen im Hintergrund agierte. Heute ist natürlich alles anders, aber ein paar Geheminisse gibt es immer noch. Und Mellanis Memorandum an die Adresse des Sonnenkönig, geschrieben vor dem Konklave für Clemens XI. im Jahr 1700, berichtet detailliert über die Machtverhältnisse im inneren Machtzirkel am päpstlichen Hof. Und Melani gibt Anweisungen, wie man die Wahlen beeinflußt und erzählt eine Fülle an pikanten Anekdoten über die Laster des Kardinalskollegiums.

Jegliche Parallelen zu den heutigen Umständen sind gänzlich ausgeschlossen, aber seine Ansage „Rom darf man niemals unterschätzen, muß ihm aber immer schmeicheln,“ ist eindeutig.

Der Band ist reich mit zeitgenössischen Stichen eines Konklave illustriert und enthält auch eine Biographie Melanis sowie Hintergrundinformationen zum Ablauf einer Papstwahl. Entdeckt und herausgegeben wurde dieses einzigartige historische Dokument von den Bestsellerautoren Monaldi & Sorti.

Juli Schröder schrieb in der Stuttgarter Zeitung, 19.4.2005: „… Vor allem aber hat Abbé Atto Melani seinem König ein Dosier über die undurchschaubare Geschichte der Papstwahlen geschickt, das jetzt, in den Tagen des Konklaves in Rom, auf besondere Aufmerksamkeit stoßen dürfte. …
Das Lesevergnügen beruht, wie so oft bei der Lektüre historischer Traktate über die Weltweisheit, auf dem Vergleich der oft sarkastisch geschilderten damaligen Verhältnisse mit den heutigen …“

Zu den Herausgebern. Rita Monaldi wurde 1966 geboren. Sie studierte klassische Philologie und spezialisierte sich auf Religionsgeschichte. Francesco Sorti, geboren 1964, ist Musikwissenschaftler mit einem Schwerpunkt auf der Musik des 17. Jahrhunderts. Die Autoren mehrerer historischer Romane sind verheiratet und leben mit ihren beiden Kindern in Wien und Rom. Bei ihren jahrelangen Recherchen zu ihren Büchern, die in zahllose Sprachen übersetzt wurden, haben sie das Manuskript von Atto Melani in einem italienischen Archiv entdeckt und veröffentlichen es nun in einer inhaltlich gerafften und sprachlich modernisierten Form. Der schillernden Figur Atto Melani haben sie auch in ihren Romanen ein literarisches Denkmal gesetzt.

Atto Melani
> Die Geheimnisse der Konklaven und die Laster der Kardinäle
Herausgegeben von Rita Monaldi und Francesco Sorti Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki 2005, gebunden ohne Schutzumschlag, einfarbig bedruckte Vorsätze, 14 s/w-Abbildungen
96 Seiten,
ISBN: 978-3-608-93737-4

Nachgefragt:
Stephan Askani beantwortet Fragen zu Der Hobbit

Donnerstag, 7. Februar 2013

Kürzlich hat der Lektor von KLett Cotta, Stephan Askani, auf meine Fragen zu > Der Hobbit oder Hin und zurück von > J.R.R. Tolkien geantwortet: Es ist mittlerweile bekannt, dass der Hobbit die direkte Vorgeschichte von »Der Herr der Ringe« ist. »In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit, « so fängt der Hobbit an, und damit beginnt auch die Fantasy-Literatur. Vor rund vierzig Jahren betraten deutsche Leser zum erstenmal Mittelerde, an deren Erschaffung Tolkien ein ganzes Leben lang gearbeitet hat. Ein alter Mann klopt bei Bilbo an: »Wir wollen hier keine Abenteuer, vielen Dank«, wimmelte er den ungebetenen Besucher ab. »Überhaupt, wie heißen Sie eigentlich?« – »Ich bin Gandalf«, antwortete dieser. Bilbo hatte verstanden: Das Abenteuer hatte schon begonnen.

> J.R.R. TolkienBuchdeckel „978-3-608-93818-0
Der Hobbit oder Hin und zurück
Aus dem Engl. von Wolfgang Krege (Orig.: The Hobbit or There and Back Again)
20. Aufl. 2012, 382 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, zwei Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-93818-0

Lesebericht: Isaac Marion, Warm Bodies
Kinostart am 21. Februar 2013

Donnerstag, 7. Februar 2013

>Warm Bodies lag auf meinem Lesestapel oben auf.

Die Vielfalt der Leseberichte auf diesem Blog führt Sie und mich jetzt also zu einem Zombie-Liebesroman. Und jetzt wird der Lesebericht dazu nochmal nach oben geholt, weil das Buch im Tropen-Verlag mittlerweile in der 2. Auflage erschienen ist. Unter dem gleichnamigen Titel kommt der Film zum Buch am 21. Februar in die Kinos. Die Verfilmung des ersten menschlichwarmen Zombie-Liebesromans. In den Hauptrollen Nicholas Hoult, Teresa Palmer und John Malkovich.
Das Spiel ist also aus. „Ich bin tot, aber es ist nicht so schlimm. Ich habe gelernt, damit zu leben. Tut mir leid, dass ich mich nicht richtig vorstellen kann, aber ich habe keinen Namen mehr. Kaum einer von uns hat noch einen. Wir verlieren sie wie Autoschlüssel, vergessen sie wie Geburtstage. Meiner könnte mit einem R angefangen haben, aber genau weiß ich es nicht.“ War er dort oben Praktikant oder Banker? Dieser angebliche R stöhnt hin und wieder – er ist auch nur noch eine Leiche – steht rum und gibt sich so als wenn tot sein ganz leicht ist. R tut Perry in echter Fantasy-Manier ein Leid an. Und dann taucht seine Freundin auf, die selbst einen Zombie R, eine Toten wieder irgendwie ins Leben zurückbringt. Nein, das geht ja eigentlich nicht. Oder doch. Jedenfalls, verliebt sich R in Julie.

Wenn R sein Gelände verlässt, bewegt er sich durch eine Trümmerlandschaft. Natürlich haben Tote ganz andere Gefühle als Lebende oder umgekehrt. Julie kann dem Zombie R nicht widerstehen und akzeptiert seine Freundschaft und seinen Schutz. Um sie herum nur Verfall, die Auswirkungen der Seuche. R bewahrt Julie vor den anderen Zombies, die sich in eine wilden Kampf mit den übriggebliebenen Lebenden stürzen. Ein Virus, eine Krankheit oder eine Seuche hat die Welt in ein Chaos gestürzt, in der die Zombies den letzten Lebenden auch noch ihr Leben rauben. R wird durch die Liebe zu R völlig verändert. Nora Julies Freundin und M, der Gefährte von R gehören zu den Protagonisten dieses Romans, dessen andere Gestalten in der amorphen Masse der beiden Lager der Toten und der Lebenden untergehen.

Wollen, Kriegen, Leben lauten die drei Kapitelüberschriften, die knappgefaßt die Entwicklung des Romans andeuten. Mehr deute ich von der Geschichte nicht an, die den Liebhaber von Fantasy total vereinnahmt, wenn er sich auf diese Geschichte einlässt. Die präzisen Erfahrungen, mit denen R’s kaputtes Innenleben geschildert wird, zeugen vom Erfahrungsschatz oder wohl eher der überbordenden Phantasie des Autors. Mein Repertoire an Leseberichten über Fantasy-Romane auf diesem Blog ist noch nicht sehr umfangreich: Lesebericht: > R. Greene & K.S. Mohammad, Die Untoten und die Philosophie. Ich gebe zu, dass ich die ersten Seiten mit etwas Stirnrunzeln gelesen habe, war doch ein wenig neu für meine Lesegewohnheiten. Aber die sind jetzt um eine Erfahrung reicher. Mit diesem Buch kann man wieder ganz neue Tricks lernen, wie es dem Autor gelingt, durch die Beschreibungen der Protagonisten und der Verhältnisse von ihnen zueinander, die Macht der Gefühle, die sich auch der Toten bemächtigen, die Geschichte voranzutreiben und ihre einen echten Spannungsfaktor mitzugeben. Steht die Liebe R’s zu Julie für einen allerletzten Fünkchen Hoffnung, den es immer geben wird?

Angemessen: Das Buch »Mein Fahler Freund« (1. Aulaage) wurde für den RPC-Award nominiert!

Und hier ist der Trailer zum Buch(1. Auflage: Mein fahler Freund). Soll ich Ihnen raten, ihn vor der Lektüre anzugucken? Ich glaube nicht. Ein Film vermittelt Bilder, Eindrücke und damit eine bestimmte Vision des Buches und seiner Geschichte. Die einen finden bei der Lektüre nicht die Eindrücke aus dem Film wieder, die anderen verstellen sich den Blick im Buch für die literarischen Kunstgriffe des Autors. Nun, ich habe den Film erst nach der Lektüre angesehen. Mit der Lektüre im Kopf habe ich mir vor dem Startklick überlegt, wie müsste der Film aussehen, der Trailer zu diesem Buch: Machen Sie das gleiche Experiment. Bei mir hat es geklappt, so hätte ich den Videostreifen auch gerne gemacht, ein, zwei kleine Änderungen, aber er ist gut gelungen:

Isaac Marion,
> Warm bodies. Roman, aus dem Englischen von Daniel Sundermann (Orig.: Warm Bodies)
1. Aufl. 2013, 299 Seiten, broschiert, s/w-Zeichnungen
Tropen
ISBN: 978-3-608-50129-2

Buchpremiere:
Johanna Dombois und Richard Klein
Richard Wagner und seine Medien

Mittwoch, 6. Februar 2013

Am Sonntag, 3. Februar 2013 lud der Verlag Klett-Cotta zur Buchpremiere im Foyer im ersten Stock der Stuttgarter Oper: > Richard Wagner und die Medien. Für eine kritische Praxis des Musiktheaters. Was für ein gediegener Rahmen für dieses großartige Buch. Fadenheftung, 50 meist farbige Abbildungen! Ausgehend von „Richard Wagner und seinen Medien“ wird in diesem Buch auf sehr informative und kritische Art die Praxis des Musiktheaters untersucht.

In der Oper begrüßte der Lektor des Buches, Thomas Kleffner, die Gäste. Die Leitung des Gesprächs übernahm Sergio Morabito.

In diesem Buch lernt man eine ganze Menge über Medien. Wenn heute Studenten sagen, sie möchten später mal „was mit Medien“ machen, sollten sie unbedingt dieses Buch lesen. Zum einen wird hier erklärt, was Medien sind, und an konkreten Musikbeispielen wird dargelegt, was Medien vermitteln können. Die Einleitung der beiden Autoren (S. IX-XIX) macht unmissverständlich klar, dass es in diesem Buch um viel mehr als nur Wagner geht. Jemand sagte mir, er habe es nicht so mit Wagner, als ich ihm das Buch zeigte. Würde er diese kleine Hürde überwinden, hätte er es hinterher umso stärker mit den Medien und wahrscheinlich obendrein auch noch erst recht sogar heftig mit Wagner. Ich gebe zu, im Buchladen wäre ich vielleicht auch (an der Dicke) dieses Buches vorbeigelaufen, obwohl das Cover richtig gut gelungen ist: Ein Blick in die Technik und in die Oper. Diese Kombination macht neugierig. Da sich dieser Blog vorgenommen hat über neu erschienene Bücher von Klett-Cotta zu berichten und dieses Buch endlich geöffnet vor mir liegt, wird klar, wie gut es den beiden Autoren gelingt, ihre Leser in ihren Bann zu ziehen. „Besonders die ‚Neuen Medien‘ sind für ein zeitgemäßes Wagnerverständnis wichtig, doch nicht alles kann sich um sie drehen. Eher darum, den Stellenwert des Neuen verständlich zu machen, indem wir die „alten Medien analytisch im Blick halten,“ (S. X) schreiben Dombois und Klein. Ein Buch macht sich seine Leser, sie müssen es erst nur erst mal aufschlagen

Und dann geht es richtig los. Lehnen Sie sich zurück. Sie sitzen in der ersten Reihe. 1. Kapitel „Encore: Das Lied der unreinen Gattung. Zum Regietheater in der Oper:“ „Keine Oper kann dem Konflikt zwischen Realismus und Theater ausweichen.“ (S. 9) – Auch wenn ich pro Kapitel einen Satz nur zitiere oder zusammenfasse, bin ich heute Abend noch nicht fertig. Da wird der Blog zum Ring. Dann rezensiert Johanna Dombois Ulrich Schreibers letzten Streich den Opernführer für Fortgeschrittene im 399. Jahr des Bestehens der Oper. Richard Klein berichtet über Carl Dahlhaus oder die Musikwissenschaft im Clinch mit dem Musiktheater. „Kein Schwank“ aus der Feder von J. Dombois erläutert, was heute Kommunikation ist. Danach erklärt sie die „Szenographie des Wagner-Vorhangs“: „Das Auge, das sich wechselnd öffnet und schießt.“ Danach geht es um „Die ‚complicirte Ruhe’Schlaf als Struktur in Wagners Theater“, worüber bisher kaum oder nichts geschrieben wurde. Richard Klein berichtet über das Vorspiel zu Rheingold Raumkonstruktionen.

Johanna Dombois

Johanna Dombois und Richard Klein bringen die Themen zusammen, die bei Wagner zusammengehören, in der Interpretation aber meist getrennt werden: Schrift, Musik und Theater. In 23 Beiträgen wird Wagners Werk als Modell für ein Musiktheater von heute entfaltet, in dem alte Wahrheiten wie Neue Technologien ihren Platz finden. Die Bandbreite der sprachlichen Formen – philosophische Abhandlung und Künstlertext, Essay und Manual, Dramolett, Rezension und Gespräch – steht dabei für das »Experimentelle im Repertoire« und ein Theater der Medien, das einmal keinen ruinösen Widerspruch zur Tradition der Werke bildet. Überall werden Einblicke in den inszenatorischen Alltag mit ästhetisch-politischer Kritik verzahnt. So formiert sich auf der Grundlage von Wagners Musiktheater eine Neubestimmung der Oper. Besonders empfehlenswerte Lektüre ist das Kapitel: J. Dombois: Wagner und die Neuen Medien. Zehn Thesen, S. 424-447. Ein Gespräch mit der Autorin, das per Video aufgezeichnet wird, ist für Mitte März verabredet. Wir sehen uns dann hier auf dem Blog wieder?

Richard Klein

Die „Klangdramturgie“ (S. 147-156) kommt nicht zu kurz. Klein erzählt auch über Wotan und analysiert dann „Die Tragödie der Zeit und das Problem des Politischen im Ring„. Auch einzelne Akte wie der III. Akt der Götterdämmerung. Ein bisschen unumgängliche Theorie, aber auch ein enorm profundes Wissen über die Aufführungspraxis zeichnet die Beiträge dieses Bandes aus, das beide Autoren bei der Besprechung und Bewertung vieler einzelner Szenen so eindrucksvoll zeigen. Wie kann man heute den Ring inszenieren? „Nach all den Jahren, Reden, Texten Proben ist eines klar: Der Ring lässt sich nicht mehr aus einem einheitlichen Gesamtkonzept heraus entwickeln.“ (S. 281), da wird Dombois ganz formell: „Opus magnum / Opera minima“. Dann folgt „Das Fließwerk und der Tod“, Klein erinnert an Schlingensief in Bayreuth. Klein bespricht danach Marc A. Werners „Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners“, Berlin 2000.

Schaulust, und Applaus gehört auch zur Oper: „Die grausame Gunst des Applaus“ hat Dombois ihren Beitrag genannt. Bis zum Ende des zweiten Teils hat er Leser genügend Material und Information bekommen, um den folgenden Teil über die Zusammenhänge von alten und die Neuen Medien sachgerecht einschätzen zu können. Klein legt einen Thesaurus der Träume Richard Wagners vor, und Dombois führt „Neue Technologien im klassischen Musiktheater“ unter dem Titel Scheinschwangerschaften vor: „IV. Technik ist Entbergung und Entbergung ist Kunst“. (S. 382 ff) Dann R. Klein: „Wagners Medientechnologie – wie Friedrich Kittler sie sieht“: (Literaturhaus Stuttgart, 31.05.06, 20.00 Uhr > Liebe romantisch Friedrich Kittler Veranstaltungsreihe: Romantik. Vortrag. Fotos Heiner Wittmann)

Meine Zusammenfassung dieses Buches? Auf in die Oper.

Johanna Dombois ist Opernregisseurin; seit 1995 experimentelles Musiktheater und Medienkunst u.a. am Musiktheater Amsterdam, Akademie der Künste Berlin, Semperoper Dresden, ZKM Karlsruhe. 2001-05 Künstlerische Leiterin der »Bühne für Musikvisualisierung« des Beethoven-Hauses Bonn.

Richard Klein ist freier Autor, Musikphilosoph; Herausgeber der Zeitschrift »Musik & Ästhetik« (Klett-Cotta), 1998-2001 wissenschaftlicher Beirat beim »Stuttgarter Ring«, Bücher u. a. zu Wagner, Adorno und Bob Dylan.

Johanna Dombois Richard Klein
> Richard Wagner und die Medien. Für eine kritische Praxis des Musiktheaters
1. Aufl. 2012, 531 Seiten, Klappenbroschur mit Fadenheftung und Goldprägung, 50 farbige und s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94740-3

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