Verlagsblog

Archiv für Februar 2014

David Graeber, Schulden. Die ersten 5000 Jahre, inszeniert für das Schauspiel Stuttgart

Dienstag, 4. Februar 2014

Das Buch von David Graeber > Schulden. Die ersten 5000 Jahre wird in Stuttgart unter der Regie von Andreas Liebmann auf die Bühne gebracht.

> Auf unserem Blog stand: „Ein ebenso radikaler wie befreiender Blick auf die Wurzeln unserer Schuldenkrise.” steht auf der Seite von Klett-Cotta zu Graebers Buch > Schulden. Und da steht auch : “Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.” “Verbraucherschulden sind der Lebenssaft unserer Wirtschaft,” (S. 11) schreibt Graeber und zeigt damit die andere Seite der Medaille. Ohne Schulden geht es auch nicht.“ Graeber hat eine Phänomenologie der Schulden verfasst, eine historische Analyse, einen politischen Debattenbeitrag, der aufwühlt und einen auch zuweilen ratlos zurücklässt. Ein Patentrezept bietet er nicht an, aber dafür enthält das Buch umso mehr Stoff zum Nachdenken. Schulden sind keineswegs ein Allheilmittel. „Schulden sind etwas sehr Spezielles…“ (S. 127) Er weiß auch, dass es „genuin unbezahlbare Schulden nicht gibt.“ (ib.) Sein Blick in die Geschichte ist wichtig, denn „Schulden sind eigentlich ein Tausch, der nicht zu Ende gebracht worden ist.“ (S. 128) SO richtig viele Vorschläge hat er nicht, um das Schuldenproblem zu lösen. Sparen, ist auch nicht ganz so in seinem Sinne. Einen radikalen Vorschlag hat er aber doch: „Ein genereller Schuldenerlass wäre nicht nur heilsam, weil er menschliches Leid lindern könnte.“ (S. 410) Schaut man sich die schwindelerregende Höhe der Verschuldung des Bundes an, kann schon ins Nachdenken kommen, wieso wir soviel für den Schuldendienst arbeiten müssen. Schulen? „Sie sind nichts weiter als die Perversion eines Versprechens, das von der Mathematik und der Gewalt verfälscht wurde.“

Der Regisseur Andreas Liebmann stellt das Stück vor: >> www.schauspiel-stuttgart.de/spielplan/schulden-die-ersten-5000-jahre/: „Von den vorantiken Gesellschaften über das Mittelalter bis hin zu den Bürgerprotesten der jüngeren Vergangenheit waren es Schuldenberge, die Menschen in die Unterdrückung und in die Revolte trieben. David Graeber, einer der Vordenker der Occupy-Bewegung, hat dieser wechselvollen Geschichte aus Überschuldung und Empörung ein Buch gewidmet, das radikal mit der Scheinmoral des Börsenkapitalismus bricht.

Foto: (c) Maurice Korbel

In einem weiten historischen Bogen sondiert es die Wurzeln und Schauplätze unseres Finanzsystems: die Silberminen der Antike, die Goldkeller der Federal Reserve, die Schlachtfelder der Rohstoffkriege und die Irrgärten der internationalen Währungsbürokratie. An all diesen Orten kommen Zeugen zu Wort: Banker, Kriegsherrn, Pharaonen, Historiker, Bürgerrechtler, Opfer, Täter, Profiteure. Sie alle berichten vom System einer Schuldenwirtschaft, das angesichts schwindender Ressourcen und wachsender Ungleichheit weltweit vor seinem Kollaps steht.

David Graebers Buch Schulden erschien 2011 in New York und stieß auch in Deutschland auf große Resonanz. In Stuttgart wird das „Sachbuch des Jahres“ zum Ausgangspunkt einer besonderen Koproduktion: der Regisseur, Performer und Autor Andreas Liebmann bringt den Stoff in einer mit Schauspielstudenten und dem Theater Freiburg gemeinsam realisierten Projektarbeit auf die Bühne.

Graeber zerlegt auf 400 Seiten unhinterfragte Vorstellungen von Schuld und Schulden und zeigt, was Schulden bedeuten könnten: der Kitt des Zusammenlebens. Was Schulden geschichtlich aber auch bedeuten, und das hätte mich nicht überraschen müssen: Gewalt, Entmenschlichung, Sklaverei. Als ich Graebers Buch las, ergriff mich unmittelbar seine Verbindung von akribischer Recherche mit großspuriger Behauptung. Der großangelegte Wurf hat epische Aspekte. Deswegen muss er auf die Bühne.

Andreas Liebmann“

Regie: Andreas Liebmann
Bühne und Kostüme: Mai Gogishvili
Dramaturgie: Bernd Isele, Tilman Neuffer
Besetzung: Yana Robin la Baume, Julius Forster, Daniel Friedl, Lilith Häßle, Alrun Herbing, Arlen Konietz, Marianne Helene Jordan, Andreas Ricci (Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart)

Termine:

Uraufführung. Fr., 07.02.2014 20:00 Uhr Nord – 24 € – > Karten
Sa., 08.02.2014 – 20:00 Uhr – Nord – 19 € – > Karten
So., 09.02.2014 – 20:00 Uhr – Nord – 19 € – > Karten
Zum letzten Mal
Mo., 10.02.2014 – 20:00 Uhr – Nord – 19 € – > Karten

David Graeber
> Schulden. Die ersten 5000 Jahre
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer (Orig.: Debt)
1. Aufl. 2012, 536 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94767-0

Angekommen und ausgepackt: Franziska Wilhelm, Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

Montag, 3. Februar 2014

Am Freitag kam hier endlich das Buch von Franziska Wilhelm, > Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen an. „Bei Leuten, die sich vor einen Zug schmeißen wollen, war Strottenheim eine große Nummer,“ so fängt die Geschichte an, und man hat echte Schwierigkeiten, das Buch wieder zuzuklappen, weil gerade so viel anderes zu tun ist. Wir sind in der Sportplatzkneipe der Familie Enders. Hier lassen sich Lebensmüde noch ein Bier zapfen, bevor sie sich zu den nahen Bahngleisen begeben. Milla Enders, die Wirtstochter, lebt dort zusammen mit ihrer strengen Großmutter Lucia und ihrer Mutter Rosana und Onkel Jana, den Milla mag. Franziska Wilhelm kann richtig gut erzählen. Die Kneipe von Millas Mutter, wo sie den Leuten Bockwürste serviert, wird kaum beschrieben. Die ganze Eintönigkeit dieses abgelegenen Ortes ergibt sich durch die Gespräche mit und den Beobachtungen über die Gäste. Die einzige Unterbrechung sind Die Kandidaten für das Lebensende. Einem folgt Milla, um zu gucken, ob er es wirklich tut. Mit Jano riet Milla die Berufe der Selbstmordkandidaten um die Wette. Manchmal besuchen beide Hardy, bis sie dort zusammen von seiner Frau Sabine erwischt werden und ziemlich unsanft hinausbefördert werden. Das Stelldichein mit Milla ist Jano dann doch peinlich und er verschwindet. Kurze Kapitel, kurze Sequenzen, die die Handlung vorantreiben. Die Langeweile und die Eintönigkeit, an der Milla zu leiden scheint, verschwinden hinter der Spannung, die Franziska Wilhelm so gekonnt mit ihrer Erzählweise aufbaut.

Später hilft ein Paketfahrer Milla, Jano zu suchen.

Franziska Wilhelm
> Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen an
Roman
1. Aufl. 2014, 208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93992-7

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