Verlagsblog

Archiv für Mai 2014

Jeder kommt mal dran: Alles über Begräbnisse
Lesebericht: Kathy Benjamin, Begräbnisse zum Totlachen

Freitag, 23. Mai 2014

In fünf Kapiteln behandelt Kathy Benjamin in > Begräbnisse zum Totlachen (Funerals to Die For) alles was man über Bestattungen, Beerdigungen oder Einäscherung usw. unbedingt wissen muss: Das Buch richtet sich nun wirklich an alle, da gibt es keine Ausreden.
Mit den vielen Vorschlägen und ihren Vor- und Nachteilen kann man sich ja schon mal Gedanken, wie man es selber gerne haben möchte. Die Aufstapelung in den Pariser Katakomben, Beinknochen hier, Schädel einen Gang weiter hat zwar etwas Ordentliches aber auch Anonymes. Das erste Kapitel Die herrlich komische Geschichte der Menschenbestattungen ist eine Gelegenheit, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen und zu gucken, ob davon etwas zum den individuellen Geschmack passen könnte: Verbrennen? Hilfskraft für die Wissenschaft? Oder gar Einbalsamierung, also zumindest mit dem Körper noch ein bisschen hiernieden zu verweilen?

Aber Sie haben noch ein bisschen Zeit: Das Buch erscheint erst am 19.7.2014. Nach diesem Datum sollten Sie sich aber mit dem Buch auf alle Eventualitäten vorbereiten.

Ist die letzte Ruhestätte festgelegt, müssen sich die Zurückbleibenden darüber Gedanken machen, wie der Verblichene dorthin gebracht wird. Leichenwagen, Begräbnismoden; das Begräbnisritual will gut überlegt sein. In unserer Zivilisation ist der Brauch der australischen Aborigines nach der Verwesung einzelne Knochen bunt zu bemalen und mit nach Hause zunehmen nicht statthaft. Irland, Taiwan, Madagaskar, überall gibt es ganz unterschiedliche Bräuche, dem Toten die letzte Reise so angenehm wie möglich zu machen. Mal ist furchtbar viel Alkohol im Spiel, mal wird richtig Party gemacht. Schnell noch postmortal heiraten geht in Frankreich mit dem Segen des Präsidenten. (S. 85 f.) Man kann ja auch noch für ein bisschen Licht sorgen:

Begräbnisse sind teuer, manchmal sehr teuer, sehr bitter, manchmal auch lustig, manchmal sieht man den längsten Leichenzug, – den wollen natürlich alle haben: bei Sartre waren es 1980 ganz besonders viele Menschen und der kleine Junge, der gefragt wurde, was machen die hier alle, sagte, die sind hier um gegen den Tod von Sartre zu protestieren – manchmal den größten Grabstein, wir sind im Kapitel der Superlative angekommen. Um auf den meistbesuchten Friedhof zu kommen, der Friedhof Père Lachaise, sollte man zumindest beim Ableben in Paris sein und sich vorher angemeldet haben, um für 10-15 Jahre dort eventuell mit viel Glück ein Plätzchen zu bekommen. (S. 115 f.)

Das ist ein wichtiger Wirtschaftszweig: Die Zukunft des Bestattungswesens, seine Technik wird ständig weiterentwickelt, der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, besonders die Krematorien werden immer umweltfreundlicher. Das 5. Kapitel tröstet über alles hinweg. Ein wenig Galgenhumor verschafft sogar ein bisschen Vorfreude darauf, aber nicht alle gelingt, es wieder aufzuerstehen, zur mehr oder weniger großen Freude der Beteiligten. Und ein bisschen Einfluss darauf, wie man unter wo man oder unter was man liegt bleibt einem ja noch, wenn man rechtzeitig dieses Buch liest und sich daran inspiriert, wie das denn mal später so sein könnte. Für Literaten ist das eine klare Sache, die brauchen nicht lange zu diskutieren. Sie kriegen, was ihnen gebührt:

Kathy Benjamin
> Begräbnisse zum Totlachen
Die durchgeknalltesten Bestattungen aller Zeiten
Flexcover (Alternative: E-Book)
Aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs (Orig.: Funerals to Die For)
1. Aufl. 2014, ca. 200 Seiten, Flexcover, mit Illustrationen von Mario Zucca
ISBN: 978-3-608-50326-5

Neuer Lesestoff: Die Vorschauen für den Herbst 2014

Montag, 19. Mai 2014

Wir haben unseren Herbststapel 2013 geschweige denn den Frühjahrsstapel 2014 noch nicht abgelesen, da kommen schon die Herbstkataloge. Das Hotelzimmer für die Buchmesse ist auch schon bestellt, die Fahrkarte nach Frankfurt ist auch bald da, un der Sommer hat noch gar nicht richtig angefangen. Aber die Vorfreude auf die vier Hefte mit der Vorschau für den Herbst hatte ihre volle Berechtigung. Beim Durchblättern fallen gleich die Bücher auf, die auf unserem Blog unbedingt ihren Platz finden sollten:

Zuerst fällt auf: > Literatur und Fantasy – Neuerscheinungen Literatur und Fantasy Sommer/Herbst 2014: Pierre Lemaîtres Buch Au revoir la haut, das gerade den begehrten Goncourt-Preis erhalten hat erscheint am 25. Oktober 2014 unter dem Titel >Wir sehen uns dort oben in der Übersetzung von Antje Peter bei Klett-Cotta. Vgl. Centenaire 1914-1918. Von > Silvia Avallone erscheint am 19.7. der Band > Marina Bellezza. > Der Fall von Gert Heidenreich. Mit Niklas Buttler geht es in den Westen der USA > Unterm Lagerfeuer Und Anthony Ryan, und viele weitere Bücher, > Das Lied des Blutes.


> Tropen – Herbst 2014: Laline Paul hat über Die Bienen geschrieben. Eine Krimilegende aus den USA Joe R. Lansdale, > Das Dickicht. Franz Dobler und > Ein Bulle im Zug. > Finnisches Feuer von Johanna Sinisalo und der Band Talking Heads – Fear of Music von > Jonathan Lethem. Und Joris Luyendijk, > Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges erscheint am 19. Juli 2014.


> Neue Sachbücher bei Klett-Cotta. Eine Auswahl: Gerhard Roth und Nicole Strüber erklären Wie das Gehirn die Seele macht: 22.9.2014. Von Kristin Kopf kommt ein interessantes Buch > Das kleine Etymologicum, und Also Maria Valli berichtet über > Die Kleine Welt des Vatikan. Und von Christoph Eichhorn gibt es > Die Klassenregeln.


Die Abteilung > Fachbuch wächst auch im Herbst 2014 weiter: Die Auswahl: Am 23. August 2014 erscheint von Paul J. Kohtes und Nadja Rosman, > Mit Achtsamkeit in Führung. Michael Klöpper hat > Die Dynamik des Psychischen geschrieben. Und von > Karl Heinz Brisch kommt ein weiterer Tiel: > Bindung und Psychosomatik. Irene Bozetti, Ingo Focke und Inge Hahn: > Unerhört – Vom Hören und Verstehen. Die Wiederentdeckung der grundlegenden Methode der Psychoanalyse..


Darf ich auch mal fahren?
Lesebericht: H. von Krosigk, H. Tscharn, Absolute Street

Freitag, 16. Mai 2014

Von > Holger von Krosigk und Helge Tscharn gibt es bei TROPEN ein neues Skateboard-Buch > Absolute Street. Skateboard Streetstyle Book. Der Blick in das Inhaltsververzeichnis von Frontside über Noselide, Feeble Grind, Nollie, Kickflip, Fakie und sogar Wallride macht aus diesem Buch für mich eher ein Zuguckbuch aber ein sehr spannendes. Was für eine Power und Technik dahintersteckt, wenn man hinter sich vor dem Stuttgarter Kunstmuseum oder auf der Kölner Domplatte, das charakteristische Knallen des Holzbrettes beim OLLIE hinter sich donnern hört „Leichtfüßig bleiben!“, wenn der Fahrer, nur mal eben gewendet hat. Skateboardfahrer sind freundliche Zeitgenossen, immer wenn ich sagte, ich möchte auch mal… wurde mir sofort das Board hingehalten, wenn auch die Besitzer ein Grinsen sich nicht verkneifen konnten. Wenn Sie dieses Buch durchgelesen haben, werden Sie beim nächsten Gang über die Domplatte aber schon ein bisschen neidisch gucken.

Beim Zugucken reicht der Sportmodus der Kamera so eben aus. FRONTSIDE 180 OLLIE verlangt Serienfotos, dann ist das Ergebnis so gut wie hier auf Seite 59: „Mit den Füßen über den Achsen landen und abfedern“. Skateboardfahren besteht aus Gleiten und Drehen: WHEELIES (Manauls). Guckt man sich Bilder an, versteht man, wieso der hintere Teil des Boards etwas nach oben gezogen ist: „Hoch genug über die Kante springen.“ Wenn da so eine Bank herumsteht, dann empfiehlt sich ein fixer 50-50 GRIND: „Etwas höher als die Kante ollien, das gibt Sicherheit und die nötige Zeit, das Board in die richtige Position zu bringen.“

NOSLIDE, nicht oben drauf, sondern flugs rüber: „Jetzt ganz auf die Nose Stellen.“ BOARDSLIDE bietet sich ein,wenn so eine Stange als Begrenzung im Weg steht: „Vor dem Abgang die Schultern ein wenig backside drehen…“

Ist gerade nichts in der Nähe kommt ein 360 KICKFLIP prima, wegen dem erschrecke ich mich immer so doll, wenn von hinten einer mit dieser Figur angesaust kommt. FRONTSIDE NOLLIE KICKFLIP ist dann die Steigerung. WALLRIDE probiere ich besser nicht aus, sonst hat der Blog nen Monat Pause.

Bei jedem Treppenaufgang werde ich künfitg mit geübtem Blick prüfen, ob hier ein schneller NOSLIDE am HANDRAIL nicht angezeigt wäre. Ein echter Hingucker „Er steht souverän in diesem NOSLIDE,“ würden die Zuschauer sagen und vergessen auf den Auslöser zu drücken.

Mit dem FRONTSIDE BOARDSLIDE an einem CURB sind wir auf der Domplatte: „Versucht zu sliden, ohne mit den vorderen Rollen hängenzubleiben,“ das empfiehlt sich, dann sieht das richtig gut aus. Wenn einer Tischtennisplatte (aus Beton) herumsteht, muss sie kein Hindernis sein: Ollie auf einer Tischtennisplatte: S. 160 f.

Nee, OLLIE 7 Stufen: „Leicht in die Hocke gehen und abspringen.“ Vielleicht übe ich nur dort, wo niemand zusieht. Die Leichtigkeit, mit der das Stadtmobilar vom Skater in diesem Buch als Schiene benutzt wird, macht schon Bock auf solches Fahren.

Darf ich auch mal?

>Holger von Krosigk, > Helge Tscharn
> Absolute Street. Skateboard Streetstyle Boo
1. Aufl. 2014, 272 Seiten, broschiert, mit über 650 Fotos und Tricks zum Selberlernen
ISBN: 978-3-608-50328-9

MERKUR 780 – Mai 2014

Freitag, 16. Mai 2014

Wenn man den MERKUR aufblättert und gleich darüber schreiben will, solange er noch ganz druckfrisch ist, kann es leicht passieren, dass man sich drin festliest, die Zeit vergisst, dann wieder andere Bücher liest und schon kommt dieser Beitrag ein bisschen zu spät, derweil das nächste Heft Nr. 781 schon bald im Postfach liegen wird. Dieses Heft ist vor allem für Literaturwissenschaftler und überhaupt für alle, die sich für Literatur und alles drumherum interessieren eine echte Fundgrube.

Thomas Steinfeld erinnert an General Stumm (Musil!, Der Mann ohne Eigenschaften – alle sagen, „bin irgendwo steckengeblieben“, 2004 ich nicht.) und hat eine sehr lesenswerte Betrachtung über die Werkstatt der Literaturwissenschaftler verfasst: von den russischen Formalisten bis heute. Ein gute Tipp auch für die Theoriebildung in Seminaren, eine gelungene Anregung für Studenten, die dabei auch erfahren, was den Kern des MERKUR ausmacht, der immer eine Anleitung ist, über die Grenzen des eigenen Fachgebiets hinauszugucken und dabei sehr viel über das eigene Fach zu lernen. Die Redaktion des MERKUR schreibt zu diesem Artikel: „Im Aufmacher des Maihefts (Nr. 780) erinnert Thomas Steinfeld an die großen Zeiten der Theorie in der Philologie und wünschte sich ihre Rückkehr – könnte man sich diese denn wünschen. Die Zeiten aber sind andere, denn die Liebe und der Schmerz, die für Steinfeld am Ausgang aller Theorie stehen, fehlen im heutigen (wissenschaftlichen) Verhältnis zur Literatur.“ Und das passt auch gut dazu.

Martin Sabrow untersucht untersucht die nationalsozialistische und der kommunistische Diktatur: Die „Zeit der Diktaturen“. Das ist ein interessanter Ansatz, der
Historikern neue Einsichten eröffnet.

Claudia Basrawi beobachtet intelligente Oberflächen im Oman. Friedrich Wilhelm Graf liefert eine erste Religionskolumne. Eckhard Schumacher liest Diedrich Diederichsens Grundlagenwerk Über Pop-Musik, und Stephan Lessenich analysiert den Wandel des Bildes vom Alter. Claudia Basrawi reist durch den Oman und liefert einen erstklassigen Reisebericht. Jonathan Lethem, der uns kürzlich zu einem Gespräch empfangen hat, hat > Talking-Heads-Platte Fear of Music verafasst. Das Buch wird am 19. Juli 2014 unter dem gleichnamigen Titel mit dem Untertitel „Ein Album anstelle meines Kopfes“.

Eckhard Schumacher berichtet in der Popkolumne über Diedrich Diederichsens Grundlagenwerk Über Pop-Musik. Friedrich Wilhelm Graf analysiert den Zustand der beiden großen deutschen Volkskirchen: das ist die erste Religionskolumne. Susanna Elm schreibt in der zweiten Folge der Reihe »Neues aus der Alten Welt« über Neues aus der Spätantike. Michael Rutschky erinnert an „Vergessene Dichter“, diesmal an Heinz Risse.

Stephan Lessenich beobachtet den Wandel des Bildes vom Alter. Rudolf Burger, „Fallhöhe“ legt eine „Nachbemerkung zur Moralistik des Absurden“ im Werk von Albert Camus vor. Burger zitiert Foucault, kommt aber nicht auf den Gedanken, ihm heftig zu widersprechen, nein es gibt gar keinen Grund den Humanismus Camus‚ oder Sartres in Frage zu stellen, zumal wenn man bedenkt, dass das Absurde bei Camus in erster Linie ein Diagnose, danach formuliert Camus den Auftrag an den Künstler sich ohne Wenn und Aber für die Freiheit einzusetzen, so wie Sartre das auch gemacht hat. Burgers Analyse des Absurden bei Camus ist auch deshalb so lesenswert, weil er ganz nebenbei sagt, wie Camus mit diesem Ansatz sein Gesamtwerk geprägt hat und dass dieser Begriff kein isoliertes Phänomen in einem seiner Werke ist. Aber es ist überall der Ausgangspunkt für die Aufforderung nicht nur an den Künstler entschlossen zu handeln. Wir brauchen De Humanismus von > Camus und Sartre heute immer noch. Ein Beispiel unter vielen seines Engagements: > Gegen die Todesstrafe.

Susanne Röckel war in der Stadt Calafat. Jens Soentgen staunt immer noch zu Recht, wieviel Zeit Outlook uns klaut. Stephan Herczeg hat sein Journal weitergeschrieben.

Jetzt wissen Sie schon wieder ein bisschen mehr, wieso ich mich jeden Monat auf den MERKUR freue. Manchmal kann man sich an einigen Seiten reiben, und erstaunt rufen, nein, das ist ganz anders, aber sonst wäre es auch langweilig.

> MERKUR Heft 05 / Mai 2014

Nachgefragt: Per Leo, Flut und Boden

Montag, 12. Mai 2014

| Merkur 778 – März 2014 ist erschienen | Lesebericht: Adam Hochschild, Der Große Krieg | Unser ambulantes TV-Studio| Lesebericht: Per Leo, Flut und Boden |

Die Leiterin des Stuttgarter Literaturhaus, Stefanie Stegmann, begrüßte den Gast des Abends.

Nach seiner Lesung im > Stuttgarter Literaturhaus konnten wir unser > transportables TV-Studio auspacken und Per Leo nach seinem Buch > Lesebericht: Per Leo, Flut und Boden befragen. Nachgefragt:

Er hat eine Familiengeschichte geschrieben, die sich u.a. in Bremen ereignet. Die Geschichte beginnt mit seinen Besuchen bei der Großmutter in der Weserstraße 84, sein Großvater war sechs Jahre alt, als man dieses Haus in in Bremen Vegesack erwarb. Wir wollten wissen was die Bremer zur Zeit über sein Buch sagen?
Woher kommt der Titel Flut und Boden? Es gibt zwei Erzählstränge in seinm Buch, die eng miteinander verwoben sind. Es ist eine Familiengeschichte und eine Betrachtung der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

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Im Lesebericht zu seinem Buch steht : „Einerseits erzählt Per Leo, und andererseits hat er ein Protokoll seiner Recherchen angefertigt.“ Ist das richtig? Per Leo beschreibt die alte Familienvilla – die dortigen Gegebenheiten prägten auch die Familiengeschichte… und arbeiten sich zu den Erinnerungen an seinenn Großvater Friedrich vor. Wann hat er zum ersten Mal gemerkt, dass es da eine Verbindung zur SS gab?

Wann kam Ihm die Idee, über Ihren Großvater Friedrich ein Buch zu schreiben? War die professionelle Hilfe wirklich notwendig, die er gesucht haten, als er zu spüren begann, was da wegen Ihres Großvaters auf ihn zukam… aus diesem Kapitel hat er gestern im Literaturhaus gelesen, hören wir mal rein… The Making of an Nazienkel heißt das Kapitel, er beschreibt das wie eine zweite Geburt, war das wirklich so? Da ist noch sein Bruder Martin, der sich zu Zeiten des 3. Reichs und später in der Dedeär völlig anders entwickelt hat. Dieser Unterschied wird auch ein Bestandteil der Handlung. Wie verträgt sich die Romanform mit Ihrer Ausbildung als Historiker?

War sein Großvater überzeugter Nationalsozialist? Wie äußerte sich das bei ihm? Per leo nennt Heinrich Himmler und Walter Darré, um 1930, der Bund der Artamanen… Er schreibt: „Für Friedrich Leon setzt die Diktatur ein besonders freundliches Gesicht auf: das von Walter Darré.“
Was hat es mit moralischen und pädagogischen “Richtsätze”, die Friedrich in der Gefangenschaft verfasst und an die Familie adressiert hat, auf sich?.

Per Leo
> Flut und Boden.
Roman einer Familie

2. Aufl. 2014, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98017-2

Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen

Freitag, 9. Mai 2014

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Kennen Sie auffällige Jungen? Unkonzentriert? Fahrig? Unangepasst? Probleme mit den Affekten? Immer auf dem Sprung, als Zappelphilipp nicht zu bändigen? Probleme mit der Verarbeitung von Impulsen – seinen und denen anderer? Motorische Unruhe? Verhaltensauffällig, verhaltensabweichend, dann kommt doch irgendwann der Gedanke auf, die Eltern müssten den Jungen untersuchen lassen: ADHS?

Nach dem Lesebericht, > Die Psychoanalyse des Jungen folgt jetzt der nächste Beitrag unter der Überschrift Nachgefragt…. Hans Hopf war heute im Verlag Klett-Cotta und wir hatten eine Gelegenheit ihn nach seinen jüngst erschienen Buch zu fragen, … mal nachhören, ob wir bei unserer Lektüre alles richtig verstanden haben.

Hans Hopf kommt aus Teplitz-Schönau (Teplice), das liegt im heutigen Tschechien. Er hat Pädagogik, Mathematik und Physik studiert. Es folgte einer Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, dann ein Studium in Ulm und 1989 die Promotion. Seit 1995 war er Therapeutischer Leiter im Therapiezentrum „Osterhof“, Baiersbronn. Er hat Veröffentlichungen zu den Themen Aggression, Traum und spezielle Neurosenlehre bei Kindern und Jugendlichen vorlegt. Seit 1999 ist er von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ernannter Gutachter für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Letztes Jahr ist er mit dem Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) in Berlin ausgezeichnet worden.

Wir haben Herrn Hopf gefragt, was für ihn die Psychoanalyse bedeutet? Auf der Website von Klett-Cotta steht zu seinem Buch: “Die These von Hans Hopf,: Die Jungen sind die »Emanzipationsverlierer«, sie wachsen überwiegend »vaterlos« in einer feminisierten Welt auf.” Ist da was dran? – Das Titelfoto zeigt einen ca.7-8 jährigen Jungen, die Fäuste vor dem Gesicht, ein Auge etwas zugekniffen, das andere – blau – hellwach. Trifft das Foto das Thema seines Buches?

“In den neunziger Jahren begannen Jungen zum Problem zu werden,” schreibt Hans Hopf und berichtet, wie ihm als Leiter eines psychotherapeutischen Kinderheims immer häufiger Jungen mit der Diagnose ADHS – Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – vorgestellt wurden. Heute ist das ein Krankheitsbild, das im DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) definiert wird. Ist da alles mit rechten Dingen zugegangen? ADHS – für dessen Zunahme gibt es auch gesellschaftliche Gründe? Die ungebremste Flut der Medien, vor allem der elektronischen, immer online sein, das solitäre Hocken vor dem Bildschirm spielt auch dabei eine Rolle. Surfen fördert eben keine Konzentration?

Hans Hopf schreibt, er wolle Jungen wieder ihre Seele zurückgeben, was meinen Sie damit? Wir haben ihn gefragt, was er damit meint?

Er wehrt sich gegen die unüberlegte Verschreibung von Methylphenidat. Sie möchten dass Eltern und Erzieher müssen wieder lernen, “die psychischen Ursachen von Aggression und Affektregulierung”. Inwieweit ist sein Buch dafür ein Ansatz? Es sind Konzentrations- und Lernstörungen bei Jungen zu beobachten, auch ein Zunahme ist bekannt. Was ist zu tun? Zwischen Jungen und Mädchen gibt es außer den biologischen Geschlechtsunterschieden weitere Unterschiede, die bei uns durch ein weiblich organisierten Erziehungssystems eingeebnet werden. Läuft da was schief?

Mutter und Sohn stehen im 1. Kapitel im Zentrum seiner Ihrer. Warum ist das Verhältnis zwischen den beiden für den Erwerb einer spezifisch männlichen Identität so wichtig? Welche Rolle spielt der Vater bei dem Erwerb dieser männlichen Identität? Sie schreiben: „Jungen haben mehr Probleme “Jungen und Männer sind sich ihrer Männlichkeit weitaus unsicherer als Mädchen und Frauen ihrer Weiblichkeit, und das bleibt so bis ins hohe Alter,” ist das wirklich so?

Im Kapitel 3: “Schaltstellen der Triebentwicklung” geht es um psychologische Feinmechanik. Hier geht es um den Kastrationskomplex und den Ödipuskomplex. Hier kommen Sie auf die Verweiblichung unseres Erziehungswesens zu sprechen: “Den Rückzug, ja, die Flucht der Männer können wir immer wieder und überall beobachten.“ Es kommt noch schlimmer “Die männliche Identität ist fragil und erschütterbar.” Das klingt sehr heftig, müssen die Männer wieder aufgewertet werden?

Eine der Kernthesen von Hans Hopf lautet: “Die Leistungen der Jungen scheinen immer schlechter zu werden und allerorts wird ihnen Sand ins soziale Getriebe getragen Es ist offensichtlich, unserer Gesellschaft produziert den störenden Jungen, aber sie erträgt ihn nicht.”

Herr Hopf, für wen haben Sie das Buch geschrieben?

> Hans Hopf – Website

Hans Hopf, Die Psychoanalyse des Jungen
1. Aufl. 2014, 404 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94775-5

Nachgefragt: Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten

Donnerstag, 8. Mai 2014

Unsere Blogregel. Zuerst das Buch lesen, dann einen Lesebericht schreiben. Und wenn möglich den Autor treffen und nachfragen.

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AM 7.5. 2014 im Stuttgarter Literaturhaus: > Lesung: Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten. Helmut Mooshammer hat aus der deutschen Übersetzung von Ulrich Blumenbach gelesen. Ronald Suny hat mit Jonathan Lethem über sein Buch diskutiert. Pamela Rosenberg hat die Veranstaltung moderiert.

Lesebericht: Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten. Nach der Lesung gestern im Stuttgarter Literaturhaus hatten wir heute die Chance zusammen mit unserem > transportablen TV-Studio Jonathan Lethem zu treffen und nachzufragen:

> www.jonathanlethem.com/ – > Die Bücher von Jonathan Lethem bei Klett-Cotta.

After The Fortress of Solitude, 2003, You Don’t Love Me Yet, 2007 Chronic City (dt. > Chronic City, übers. von John Christoph, Klett-Cotta 2011), 2009, your last book Dissident Gardens was released in September 2013.
Your story presents the history of a family of immigrants which is involved in intellectual protests in New York in the 20th century.

Rose Zimmer is the main protagonist in your novel, she is a convinced communist, there is her daughter Miriam, she has a black lover. There is also son Cicero who is gay. And we should not forget Sergius, the grandson of Rose. Are there any autobiographical elements in Dissident Gardens?

Rose has an affair with a black policeman, she is expelled from the communist party. Doesn’t this shake her convictions? It this the mercilessness of the communist party ?

www.jonathanlethem.com/„>

The relationships between your protagonists contribute to the construction of your novel. Several times you mention the unshakeable convictions of Rose and Miriam. Mother and daughter, a sort of framework in your story, on the one hand, the conflict between them both, on the other hand, their protest against the political world, especially Miriam who enters the hippy scene.

The Title Dissident Gardens describes a certain location in Ost-Berlin but it means in your novel also an atmosphere of criticism and protest restrained by many factors?

In an interview you gave to Salon I read the expression “time-hopping novel”, in fact how do you deal with the time that is a part of the construction of your novel?

These different storylines in your novel mean that the protagonists do not succeed with their protest. Is their protest a utopian dream which does not correspond with their epoch?

Is there any literary theory as a guide-line for your novel? You write the story of a protest culture, I suppose that this is not only a historical story but do you give a political sense to your novel? Would you plead for more activism today?

Cicero is a character, a bit special in your book, he is gay, but it seems that he cannot act as he want to, does he personify the limits of protest?

Occupy Wall Street, is this something which will continue or is it a memory of the protest of the 1960s?

Your passion is describing the relationship of the New-Yorkers to their town. Are you also fascinated by this city?

Why did you begin to write at the end of the 1980s?

Which literary theory is your own? Does literature have any responsibility?

The article about you in Wikipedia reveals that you are an “American novelist, essayist and short story writer”. How would you distinguish between novels and essays?

Erscheint am 19. Juli 2014:
Jonathan Lethem
> Talking Heads – Fear Of Music
Ein Album anstelle meines Kopfes

»Meine Identifikation mit Fear of Musicwar so groß, dass ich wünschte, das Album anstelle meines Kopfes zu tragen …« Jonathan Lethem

Brooklyn im Sommer 1979. Ein fünfzehnjähriger Junge liegt auf seinem Bett und hört Radio, als eine monotone Stimme zwischen den gespielten Songs verkündet: »Die Talking Heads haben ein neues Album, es heißt Fear of Music«. Für den Jungen, es handelt sich um Jonathan Lethem, ein alles entscheidender Moment.

Für Jonathan Lethem ist Fear of Music (das dritte Album der Talking Heads und das erste, das von Brian Eno produziert wurde) ein Meisterwerk – ausgefallen, paranoid, funky, süchtigmachend, rhythmisch, eingängig, schauderhaft und spaßig. Wie ein Besessener analysiert er die Songs, den Gitarrensound, den Rhythmus, die Texte, die äußere Aufmachung, die Ursprünge der Band aus Downtown New York und ihr musikalisches Erbe. Dabei bezieht er sich auf Theorien, Erzählliteratur und Erinnerungen und platziert das Album neben Größen wie Fritz Lang, Edgar Allan Poe, Patti Smith und David Foster Wallace. Er entführt uns in das New York der 1970er Jahre – und immer mit dem Blick darauf, wie sich unser Sinn für Kunst verändert. »Talking Heads – Fear of Music« ist das virtuose Stück eines Schriftstellers, der uns eine seiner größten Leidenschaften nahebringt.

Aus dem Englischen von Johann Christoph Maass (Orig.: Fear Of Music)
1. Aufl. 2014, ca. 160 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50333-3

Lesung: Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten

Donnerstag, 8. Mai 2014

Mittwoch 07.05.14 20.00 Uhr – Literaturhaus- Stuttgart
Der Garten der Dissidenten
Jonathan Lethem, Ronald Suny
Veranstaltungsreihe: head to head
Gedanken aus Amerika
Moderation: Pamela Rosenberg – Sprecher: Helmut Mooshammer

Bitte das folgende Fotoalbum, mit einem Klick auf ein Foto erst öffnen, wenn diese Seite vollständig geladen ist, sonst funktioniert das Fotoalbum nicht: 2o Fotos.

Fotos: Heiner Wittmann

In seinem neuen Roman „Der Garten der Dissidenten“ betrachtet Jonathan Lethem die Geschichte der amerikanischen linken Gegenkultur im 20. Jahrhundert aus der Perspektive mehrerer Einzelschicksale. Er zeichnet damit ein intimes Portrait individueller Verluste, Fantasien und Bedürfnisse seiner Protagonisten. Gemeinsam mit dem Historiker Ronald Suny diskutiert er den Moment, in dem politischer Idealismus mit persönlichen Träumen und Enttäuschungen kollidiert und fragt, inwiefern Individuen in diesem Spannungsfeld in der Lage sind, ihren Traum von einer besseren Welt zu realisieren. Jonathan Lethem ist Autor zahlreicher preisgekrönter Romane, die bereits in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. Bekannt wurde er durch seinen autobiographisch grundierten Roman „Die Festung der Einsamkeit“. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat Lethem den Roy-E.-Disney-Lehrstuhl für Kreatives Schreiben am Pomona College inne, dessen voriger Inhaber David Foster Wallace war. Ronald Grigor Suny ist ebenfalls Fellow an der American Academy in Berlin. Sunys Forschungsinteresse liegt in den Bereichen ethnische Konflikte, Nationalismus und der Rolle von Emotionen in der Politik. Als Leiter des Eisenberg Institute of Historical Studies an der University of Michigan publizierte er „A Question of Genocide“, das die Ursachen des Völkermordes an den Armeniern untersucht. Helmut Mooshammer, Schauspieler am Deutschen Theater Berlin, übernimmt die Lesung der deutschsprachigen Texte.

In Zusammenarbeit mit der American Academy Berlin

Gefördert von: Berthold Leibinger Stiftung, Daimler AG, Robert Bosch Stiftung, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH

Jonathan Lethem
>
Der Garten der Dissidenten
1. Aufl. 2014, aus dem Amerikanischen von Ulrich Blumenbach (Org.: Dissident Gardens), 476 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50116-2

> Nachgefragt: Jonathan Lethem, Der Garten der Dissidenten

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