Verlagsblog

Archiv für Juni 2014

Lesebericht: Keigo Higashino, Heilige Mörderin

Montag, 30. Juni 2014

Viele haben sich an dem perfekten Mord versucht. Autoren, Erzähler und Mörder: Yoshitaka Mashiba liegt tot in seinem Wohnzimmer. Ist das die Quittung dafür, das er gerade von seiner Frau die Scheidung verlangt hatte? Aber sie hat ein Alibi. Inspektor Kusanagi fragt wieder um Hilfe beim Physik-Professor Yukawa an, der sich ans Knobeln und Kombinieren begibt.

Sie haben eine Zugfahrt vor sich? Nach Berlin oder Hamburg? Prima. Dann ist dieser Krimi > Heilige Mörderin von Keigo Higashino für Sie gerade richtig. Eignet sich hervorragend dafür | in einem Zug | durchgelesen zu werden. Alle stehen vor einem Rätsel, das Gift… keinerlei Spuren, kaum Indizien, aber der ein oder andere Hinweis, wie kleine Puzzlesteinchen, die der Autor den Leser allmählich zusammensetzen lässt. Kein Nebensatz darf überlesen werden. Keine Sorge, die Abteilmitreisenden können ruhig richtig laut sein, das werden Sie alles nicht mehr hören. Die Spannung in diesem Buch blendet alle störenden Umweltgeräusche während der Lektüre aus.

Nur zu gerne würde ich hier die Passagen zitieren, die die Puzzlesteine dieses Krimis bilden. Ganz bestimmte Sätze führen allmählich, unerbittlich und logisch zur Lösung des Falles. Markieren Sie diese Sätze und beim Durchblättern und Nachlesen dieser Puzzlesteinsätze bekommen Sie obendrein einen spannenden Einblick in die Krimiwerkstatt von Higashino. Mord mit Kaffeewasser? Arsen? Physiker Yukawa probiert herum, entwickelt Hypothesen verwirft sie, (er)findet neue Anhaltspunkte, bis alle auf einmal richtig kombinieren und die Puzzlesteine an ihre richtige Stelle setzen. Solange man nicht weiß, wie das Gift in den Kaffee gelangt ist, tappen alle im Dunkeln. Also wie kann der Fall geknackt werden? Noch ein weiteres Indiz? Noch eine weitere Zeugenaussage? Wie so oft der Mörder kehren auch die Kriminalinspektoren immer wieder an den Tatort zurück, um noch dies und jenes zu überprüfen. Man könnte ja eine Spur übersehen haben. Dann muss man sich vielleicht doch auf die Vergangenheit des Opfers konzentrieren, um weitere Spuren aufzudecken, von denen man zunächst gar nichts vermutet.

Wie in > »Verdächtige Geliebte« zieht er hier seine Leser in ein spannendes Verwirrspiel. Aber da es den perfekten Mord nun einmal nicht gibt, wird die für den Tod des Unternehmers Mashiba verantwortliche Person doch noch überführt.

> Leseprobe

Keigo Higashino,
> Heilige Mörderin
Kriminalroman, aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
1. Aufl. 2014, 316 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98012-7

> Auch als E-Book.

Wird bald aufgeschlagen:
Frank Dikötter, Maos großer Hunger

Samstag, 28. Juni 2014

Liegt auf meinem Lese-Bücherstapel ganz oben

Frank Dikötter, geboren 1961 in Kerensheide in den Niederlanden, lehrte chinesische Geschichte an der School of Oriental and African Studies in London (SOAS). Seit 2006 ist er Professor of Humanities an der Universität von Hongkong. Für sein Buch »Maos Großer Hunger« erhielt er den angesehenen BBC Samuel Johnson Prize. Stephan Gebauer hat das Buch > Maos großer Hunger. Massenmord und Menschenexperiment in China ins Deutsche übersetzt.

Auf der > Website von Klett-Cotta steht, das Buch sei eine „Pflichtlektüre für alle, die das moderne China verstehen wollen“.

Maos »Großer Sprung nach vorn« als ideologische Reformprojekt konzipiert wurde mit Gewalt und Brutalität ohne Nachsicht durchgesetzt und verwandelte China in eine Hölle auf Erden. Frank Dikötter erhielt als einer der ersten westlichen Historiker Zugang zu bisher geheimen Parteiarchiven und Dokumenten. mIZT SEINEM Bericht wird das ganze Ausmaß der Zerstörung, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen, deutlich.

Mao ZedongS Modernisierung Chinas mit dem »Großen Sprung« wurde zu einer der entsetzlichsten Katastrophen der chinesischen Geschichte. Das Thema ist in China Tabu, zu hoch waren die Opferzahlen. Dikötter berichtet von mindestens 45 Millionen Toten.

> Leseprobe

Frank Dikötter,
> Maos großer Hunger
Massenmord und Menschenexperiment in China
1. Aufl. 2014, aus dem Englischen von Stephan Gebauer (Orig.: Mao’s Great Famine), 526 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und 8-seitigem Bildteil
ISBN: 978-3-608-94844-8

Lesebericht: John Gottman, Die Vermessung der Liebe

Freitag, 27. Juni 2014

Vorbeugen ist besser als Heilen. Dieses Buch wendet sich an alle, denen eine gute Beziehung wichtig ist: an Therapeuten, an Betroffene, Paare die miteinander wirklich ernste Probleme haben, aber auch an Paare, die wie so viele andere irgendwann doch einmal in einer Alltagsroutine ankommen, in der der ursprüngliche Respekt gegenüber dem geliebten Partner Schaden nimmt. Die neuesten Erkenntnisse aus dem berühmten Love Lab von John Gottman liegen jetzt bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Cathrine Hornung in dem Band Die Vermessung der Liebe. Vertrauen und Betrug in Partnerbeziehungen vor. Es geht um Kommunikation, Vertrauen, Abstimmung, Sex, um alles was eine Paardynamik, deren Grundlagen Gottman hier vorstellen will, ausmacht.

Das Kernproblem ist immer wieder mangelnde Kommunikation, ja unzureichender Respekt voreinander, was manche Situationen so eskalieren lässt. Ist das Vertrauen angekratzt, ist der Stress in der Beziehung vorprogrammiert. Hinzu kommen die neuen Kommunikationsformen, die in sich alle Chancen missglückter Kommunikation bergen: „Mit unseren E-Mails, Smartphones und den zahlreichen Verpflichtungen, denen wir nachkommen und müssen, leben wir permanent am Rande einer katastrophalen Stressreaktion.“ (S 15 f) Man kann mit 140 Zeichen einen Streit nie beilegen, aber ihn gefährlich anheizen.

In seinem Forschungslabor hat er Paare beobachtet und kann seine Überlegungen auf die Biographie von 3000 untersuchten Paaren stützen. As schleichendes Gift bezeichnet er die Untreue jeder Art. Nicht der Seitensprung sondern jede Art von Treulosigkeit versteht Gottman als „heimliche“ Beziehungskiller. (S. 14) Untreue in jeder Form setzt Gottman das Vertrauen entgegen, das dessen Niveau die Partner selber bestimmen können (Kapitel 1). Das 2. Kapitel stellt die Situationen vor, die eine gute Paarbeziehung beeinträchtigen. Es gibt eine Mausefalle auch für Liebende (S. 54), eine Art feindliche Zone, die Gottman mit der Summe aller körperlichen Reaktionen definiert, die bei Stress mit dem Partner entstehen: Flooding nennt er diese Form des Streits. Empathie, so Gotman, ist der völlig falsche Rat in dieser Situation, weil bereits eine Art Mauern eingesetzt hat, die jeden Versuch einer Reparaturmaßnahme zum Scheitern verurteilt. Aufgrund seiner Beobachtungen beschreibt Gottman eine Abfolge von mehreren Schritten, die zu dieser Mausefalle führen, (S. 58-66) deren Kennzeichen Kritik, Verachtung, Rechtfertigung und Mauern sind = die vier apokalyptischen Reiter. (S. 66-69)

Außer Ehebruch nennt Gottmann „Zehn weitere Arten, den Partner zu brtrügen“ (S. 103 ff): U.a. Mangelndes Commitment, nichtsexuelle Affären, Lügen wie auch den Entzug von sexuellem Interesse. Ihnen stellt er in den folgenden Kapiteln Strategien entgegen, wie Partner Vertrauen und Abstimmung neu aufbauen können. Dabei verbirgt er nicht sein Erstauen darüber, wie wenig Partner oft nicht in der Lage sind; Emotionen oder Gefühle mitzuteilen: S. 138-156 sind eine Hilfe, diese Hürden der fehlenden Worte zu überwinden. S. 157-197: Das Gottmann-Rapoport-Modell soll für eine konstruktive Konfliktlösung dienen, bei der die richtige Dosierung von Sprechen und Zuhören im Mittelpunkt steht. Extra anberaumte Gespräche zur Lage der Nation sollten dem Paar die Möglichkeit geben, Kränkungen und verletzte Gefühle zu reparieren. Dafür stellt Gottman einen Werkzeugkasten – S. 198-205 – bereit. Keine Frage, das Buch richtet sich auch an Paare, deren Beziehung ok ist.

Wenn im ersten Teil dieses Buches das Vertrauen oder die Strategien zu seiner Wiederherstellung im Vordergrund stehen, ist der zweite Teil eindeutig dem Sex, Liebe und Leidenschaft in der Beziehung gewidmet. Wieder bietet Gottman einen Test an (S. 260 ff.), der dem Paar als Gesprächsanregung über dieses Themen dienen soll: S. 266-281. Siehe auch Anhang I: Formulierungsvorschläge für das intime Gespräch.

Die Vielfalt der Strategien, die Gottman beschriebt, wie Paare verlorenes Vertrauen wiederzurückgewinnen können ist beeindruckend. Man erkennt dabei leicht seine Überzeugung, dass viele bis in ihren Kern beschädigte Beziehungen neu belebt werden können. Ein „Verfallsdatum“ für Beziehungen (S. 284) hält er für paradox. Allerdings gibt es Situationen, in denen eine Beziehung keine Zukunft mehr hat: Kapitel 12. In solchen Situationen versucht Gottman die Partner an ihre Liebesgeschichte, -biographie zu erinnern. Die Art und Weise, wie die Paare sich diesen Erinnerungsinterviews stellen, vermittelt dem Therapeuten Aufschlüsse darüber, was zu retten ist.

Auch der Titel deutet an, dass Gottman Beziehungsprobleme mit Messwerten analysiert. Man muss aber ein „zunächst“ hinzufügen. Die Analysen Love Lab sind keine Grundlage für die Steuerung einer therapeutischen Behandlung, sondern sie dienen erst einmal dazu, die Probleme zu identifizieren und dann die richtigen Fragen zu stellen. Das Interview zu Sex und Liebe (S, 260 ff) folgt diesem Muster. Es ist in erster Linie ein Inventar aller Themen, über die as Paar miteinander sprechen sollten. Das Ergebnis des Tests ist ihnen ohnehin schon vor dem Ausfüllen bekannt und bewusst.

John Gottman, Nan Silver
Die Vermessung der Liebe
2. Aufl. 2014, 381 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, aus dem Amerikanischen von Cathrine Hornung (Orig.: What Makes Love Last; How to Build Trust and Avoid Betrayal)
ISBN: 978-3-608-94810-3

Nachgefragt: Sandro Veronesi, Die Berührten

Freitag, 13. Juni 2014

Letzte Woche haben wir hier den > Lesebericht zu Sandro Veronesis Buch > Die Berührten veröffentlicht. Gemäß unseren Bloggewohnheiten kommt danach der Beitrag Nachgefragt… dran, sowie wir den Autor fragen konnte, ob wir mit unserem Lesebericht alles richtig verstanden haben.

> Das Leseprogramm fürs Wochenende. Aufgeschlagen: Sandro Veronesi, Die Berührten

Wieder ein Interview auf Englisch. Wir haben Sandro Veronesi zuerst danach gefragt, ob dieses Buch mit Blick auf seinen Bruder, den Regisseur Giovanni Veronesi (Genitori & figliAgitare bene prima dell’uso or Manuale d’amore 3)auch Elemente eine Drehbuchs enthält. Außerdem wollten wir wir einiges über die Beziehungen Roms zu seinen Bewohnern… Sandro Veronesi ist auch Architekt – erfahren. Warum eigentlich Rom? Ist Mète ein typischer Charakter für die 80er Jahre? Als Graphologe lässt er Frauen Handschriftproben abliefern, er hat auch gar keine Skupel? Entgleitet Mète irgendwann die Initiative für seine Handlungen? Wir haben Veronesi auch nach dem Verhältnis der Handlung zu den Beschreibungen in seinem Roman gefragt. Klar, leidet Mète unter seiner Patchwork-Familie. Da ist die Katze, die zwischen ihm und Bellinda immer hin-und herläuft… „ach, da sind ganz viele Symbole in dem Roman,“ erklärt Veronesi.

Nach dem Interview enthält das folgende Video auch einige Szenen aus der Lesung in der Buchhandlung Hugendubel in Stuttgart am 13. Juni 2014:

Das folgende Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto bitte erst dann öffnen, wenn diese Seite vollständig geladen ist, sonst geht es nicht:

> Leseprobe

Kommen Sie zur Lesung?
12.06.2014 | 20:15 Uhr – Buchhandlung Hugendubel – Königsstrasse 5 -70173 Stuttgart

Sie sind nicht in Stuttgart?

Zwei weitere Lesungen von Sando Veronesi:

Di., 10.6.2014, 18 h 30: Moderation: Dr. Anna Rottensteiner – Cafè Katzung, 1. Stock, Saal Pauli Herzog-Friedrich-Straße 16 6020 Innsbruck

Mi 11.6. 20 h 00: Moderation: Silvia Mazzini – Deutsche Lesung: Miriam Japp – Babylon Berlin
Rosa-Luxemburg-Straße 30 – 10178 Berlin

Sandro Veronesi
> Die Berührten
1. Aufl. 2014, aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93993-4

Sandro Veronesi
> XY
Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn
1. Aufl. 2011, 394 Seiten,
ISBN: 978-3-608-93960-6

Auf unserem Blog stand:

> Sandro Veronesi, XY: 11 Leichen – 11 Todesarten – ein Riesenrätsel an der Grenz unseres Verstandes

„Mit einem vollem Bücherkoffer reise ich demnächst in den Urlaub. Schenkt man den Ankündigungen Glauben, wird uns dieses Buch einige Tage in Atem halten. Im verschneiten Wald nahe des Bergdorfs San Giuda werden elf Leichen von elf Touristen entdeckt. Jedes Opfer ist eines anderen Todes gestorben. Die Behörden versuchen erstmal, das Unerklärbare zu vertuschen, aber der Priester Don Ermete und die Psychologin Giovanna lassen nicht locker und versuchen, das Rätsel zu lösen.

Lesebericht: Sandro Veronesi, Die Berührten

Freitag, 13. Juni 2014

Letzte Woche haben wir mit der Lektüre von Sandro Veronesi Die Berührten angefangen.

> Das Leseprogramm fürs Wochenende. Aufgeschlagen: Sandro Veronesi, Die Berührten

Durchgelesen! Das war so, als ob man mittendrin und ständig mit dabei gewesen wäre. Zwei Wochen in Rom. Nach der Hochzeit verreisen die frisch getrauten, sein Vater mit seiner neuen Frau Virna, mit der er eine nun schon etwa 17-jährige Tochter hat. Belinda bleibt während der zweiwöchigen Hochzeitsreise alleine in Rom zurück und soll sich um die Katze kümmern, die einen Besuch beim Tierarzt braucht. Außerdem, soll sie, so der Wunsch von Mètes Vater während dieser beiden Wochen bei Mète wohnen, der das aber gar nicht komisch findet, und der ihr nur aus dem Weg geht, derweil das junge Paar aus der Ferne ständig per Telefon die Lage prüft und Mète auffordert, er soll sich doch um seine Halbschwester kümmern. Dieser versucht alles, dies nicht zu tun.

Wir werden hier nicht alle Personen aufzählen und auch nicht lange die subversiven Plakate erwähnen, die Mète mit seinem Freund an die Theatertüren der Stadt klebt. Aber das Vorlesen. Zum Antesten der Bücher lesen wir immer einige Zeitlang (zuhause) vor und manchmal dauert die Lesung länger, und diesmal verschwand eine ganze Rotweinflasche dabei. Das war ab S. 163 bis 200 oder mehr. Beschreibungen werden hier gekonnt Teil der Handlung. Und dann steht sie auf einmal vor ihm, in ihrem langen weißen Nachthemd: „Mète…“. Und da war die Katze wieder, die beide bei Ihrer Arbeit beobachtete: Belinda gebeugt über Dantes „Inferno“: „Die Katze verband sie mit ihrem unruhigen Hin-und-Her-Wandern und trug Liebkosungen von einem zur anderen. Bis etwas geschah.“ (S. 178) Dann wird wieder telefoniert. Wieder ein Auftritt der Katze: „Die Katze bahnte sich einen Weg zwischen Mètes Beinen, wobei sie sich ausgiebig an ihnen rieb, bevor sie auf das Bett sprang.“ (S. 182) Ein richtiger Sommerroman. Zum Eintauchen, weil er spannend ist: „Die Katze lief auf ihrem Bauch hin und her und beschloss, sich auf ihren Brüsten niederzulassen, die sich gegen das schwarze T-Shirt drückten.“ (S. 183) Später fragt Mète: „Was hat die Katze?“ – Belinda: „Keine Ahnung, ich müsste mit ihr zum Tierarzt.“

Drogen mit der jüngeren Halbschwester. Sie zerbröselt das Zeug und reicht ihm den Joint. War voher Mète ständig unterwegs auf vielen Partys, immer überall etwas am Laufen, so stellt sich jetzt alles für ihn auf denn Kopf. Nicht wegen der Drogen, die steckt er so weg. Wieder ist auf der Flucht, vor wem?, vor Belinda? so recht weiß er das selbst nicht. Er vermeidet es zu Hause einzutreten, läuft um das Viertel herum, so dass die Carabineri schon auf ihn aufmerksam werden.

Veronesis Stil, der in der Übersetzung von Michael von Killisch-Horn so richtig gut rüberkommt, zieht den Leser in die Geschichte. Von der leeren Rotweinflasche habe ich schon berichtet. Und danach noch knapp zwei Stunden spannendes Lesepensum. Durch die Beschreibungen, die sich in der Wir-Form an den Leser richtet, ist dieser unmittelbar immer mit dabei. Wir lernen Mète richtig gut kennen. Ob er sympathisch? Das ist hier nicht die Frage, aber als Hauptfigur ist prima dargestellt. Und tatsächlich findet jeder nach seinem Geschmack den Punkt, wo Mète der Getriebene wird. Ab wann ihm die Dinge entgleiten, oder man darf sich auch fragen, ob er überhaupt jemals Herr der Lage war?

Als sein Vater ihm den Einzug von Belinda ankündigt, freut ihn das so sehr nicht, aber er guckt schon gerne zu ihr hinüber. Aber sie ist ja seine Halbschwester, die auch eine Katze mitgebracht hat.

> Leseprobe

Kommen Sie zur Lesung?
12.06.2014 | 20:15 Uhr – Buchhandlung Hugendubel – Königsstrasse 5 -70173 Stuttgart

Sie sind nicht in Stuttgart?

Zwei weitere Lesungen von Sando Veronesi:

Di., 10.6.2014, 18 h 30: Moderation: Dr. Anna Rottensteiner – Cafè Katzung, 1. Stock, Saal Pauli Herzog-Friedrich-Straße 16 6020 Innsbruck

Mi 11.6. 20 h 00: Moderation: Silvia Mazzini – Deutsche Lesung: Miriam Japp – Babylon Berlin
Rosa-Luxemburg-Straße 30 – 10178 Berlin

Sandro Veronesi
> Die Berührten
1. Aufl. 2014, aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93993-4

Lesung: Tad Williams, Happy Hour in der Hölle

Freitag, 6. Juni 2014

tad-williams-happy-hourTad Williams‘ > Happy Hour in der Hölle. Bobby Dollar 2 erscheint am 23.8 2014 in der Übersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann bei Klett-Cotta. Gestern abend las Tad Williams aus seinem Buch.

Inmitten der vielen Bücher in der Buchhandel Hugendubel vor großem Publikum.

Bitte öffnen Sie das Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst dann, wenn diese Seite vollständig geladen ist.

Erscheinungstermin 23.08.2014
Tad Williams > Happy Hour in der Hölle. Bobby Dollar 2
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann (Orig.: Bobby Dollar 2, Happy Hour in Hell)
1. Aufl. 2014, ca. 570 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93833-3

Das Leseprogramm fürs Wochenende.
Aufgeschlagen: Sandro Veronesi, Die Berührten

Donnerstag, 5. Juni 2014

Neueste Meldung:
> Lesebericht: Sandor Veronesi, Die Berührten

Unsere Blogleser wissen, dass danach nach unserem bewährten Blogmuster meist ein „Nachgefragt…“ folgt. Diesmal am Freitag, 13. Juni: Der Klett-Cotta unterwegs mit dem > TV-Studio.


Lesung mit Sandro Veronesi – Lassen Sie sich ins italienische Dolce Vita der 80er Jahre entführen. Die Berührten von Sandro Veronesi ist jüngst bei Klett-Cotta erschienen. Mète wacht morgens auf und betrachtet die Spuren der letzten Stunden bevor er sich vollständig angezogen unter seine Decke gelegt hat. Filmriss? Nein. Zum Glück ruft Damiano ihn an und erzählt wann bei dem gemeinsamen Abend sein Film gerissen ist. Mète lässt sich ziemlich vorbehaltlos treiben: auf Partys und von einer Affäre zur nächsten. Erst allmählich wird ihm bewusst, dass er der Getriebene ist – von einer Liebe, die ihn schließlich in Gefahr bringt. Veronesi schildert in seinem Roman mit der Bildkraft eines Fellini eine Jugend ohne Ziel – aber auch ohne Probleme. Bis auf die alle bedrohende Einsamkeit. Und der versuchen sie durch die Liebe zu entkommen.

Sein Erzählstil fällt auf, er betreut den Leser geradezu: „Sehen wir Mète ein bisschen bei seiner lautlosen Tätigkeit zu…“ und unterbricht die Beschreibung, wenn plötzlich die Handlung wieder einsetzt: „Doch jetzt kommt Mète zurück…“ (S. 8) Die Liebe treibt Mète jedoch immer zerstörerischer in die Nähe zu seiner sinnlich-verführerischen Halbschwester Belinda. Als die Eltern der beiden ihre Hochzeitsreise antreten, zieht Belinda bei ihm ein. Und damit ist die Katastrophe nicht mehr abzuwenden. Sandro Veronesis Roman ist nicht nur die Geschichte einer zerstörerischen Liebe, sondern gleichermaßen ein faszinierendes Gesellschafts- und Großstadtpanorama. Und die Geschichte beginnt in Rom. Auf dem Corso Vittorio „Mal ist sie die Bühne für einen Banküberfall, mal eine sonnige Strandpromenade…“ (S. 21) Und Mète liebt die Minderheiten: „Lassen wir ihn gehen, in die Einsamkeit, die so gut zu ihm passt.“ (S. 23) Immer wieder unterbricht Veronesi sich selber, weil sich gerade wieder etwas Unvorhergesehenes ereignet: „Doch da kommt Mète über die Freitreppe, ein wenig außer Atem,“ – auf dem Weg zur Hochzeit seines Vaters! – (S. 24)

Und dann folgen wieder neue Beschreibungen inklusiv der Vermutungen des Erzählers, manches bleibt unausgesprochen oder unbeschrieben und wieder wird der Leser auf später vertröstet. Wenn ich so weiter lese, werden Sie merken, wie der Autor den Leser in seinen Bann zieht, und schon denke ich wieder an den alten Blog-Topos, nicht dieses Buch in der S-Bahn lesen, Sie verpassen die nächste Haltestelle. Wann hat Veronesi das Buch geschrieben? Es gibt noch einen Photographen, der den von mir früher immer gewünschten Motor zum Filmtransport surren lässt. (S. 25 f.) Heiraten auf einer halben Buchseite, geht ganz schnell. Und man hat doch alles gesehen. Kuß, Reis. Belinda hat den Reis mitgebracht. Die blonde Belinda mit dem roten Glockenmantel. Mète ist geknickt, weil der Vater eine lange Liebschaft legalisiert und seien erste Ehe sozusagen im Nachhinein annulliert. An dieser Stelle reiche ich Ihnen das Buch. Lesen Sie weiter vor? …

> Leseprobe

Kommen Sie zur Lesung?
12.06.2014 | 20:15 Uhr – Buchhandlung Hugendubel – Königsstrasse 5 -70173 Stuttgart

Sie sind nicht in Stuttgart?

Zwei weitere Lesungen von Sando Veronesi:

Di., 10.6.2014, 18 h 30: Moderation: Dr. Anna Rottensteiner – Cafè Katzung, 1. Stock, Saal Pauli Herzog-Friedrich-Straße 16 6020 Innsbruck

Mi 11.6. 20 h 00: Moderation: Silvia Mazzini – Deutsche Lesung: Miriam Japp – Babylon Berlin
Rosa-Luxemburg-Straße 30 – 10178 Berlin

Sandro Veronesi
> Die Berührten
1. Aufl. 2014, aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93993-4

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