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Archiv für September 2014

Lesebericht: Johanna Sinisalo, Finnisches Feuer

Montag, 29. September 2014

Blogschreiben für Klett-Cotta oder Tropen, > c’est le pied. Ob ich das Buch im Buchhandel angesehen hätte? Nachdem ich neulich beim Radiohören und Kochen, ein wenig zuviel an der Chilimühle gedreht hatte? Das Titelbild verrät diesen scharfen Anschlag auf den Gaumen, das Verlangen nach Wasser, das nichts helfen wird. Die Augen tränen, und ich muss versprechen, demnächst mit Chili vorsichtiger zu sein. Aber vielleicht hätte mich das Titelbild doch angemacht, ein wenig geblättert, man liest sich so schnell fest: „Kann ich Ihnen helfen?“ sagt eine Stimme hinter mir.

Bei Tropen ist ein ganz schräger Roman erschienen, auf den ersten Blick schräg. Diktatur, Frauenfeindlichkeit, reguliertes Paarungsverhalten, Maskodominanz, Abgrenzung von den Verfallsstaaten, die immer noch ihren Demokratien hinterherjammern. Finnland hat vor einiger Zeit eine tiefgreifende Revolution erlebt. Es ist das Amt, das Gesundheitsamt, das jetzt das Sagen hat. Meinungsfreiheit scheint es nicht mehr zu geben. Die Angst regiert mit. Aber noch sind nicht alle Lebensbereiche erfasst.

Johanna Sinisalo, > Finnisches Feuer in der Übersetzung von Stefan Moster: Die Menschen, zumindest einige von ihnen können sich das Leben mit Hilfe vom Naschen eines bisschen > Chili verschiedener Konzentrationen erträglicher machen. Allerdings muss man diesen Konsum schon gewöhnt sein, sonst sind die Folgen fatal. Vera und ihre Schwester Mira versuchen alles, um sich dem Regime nicht unterordnen zu müssen. Vera hat Glück. Sie hat einen Geliebten, der im Untergrund mit anderen verbotenerweise Chili anbaut. Es wird gedealt und ausprobiert. Vera schreibt ihrer verstorbenen Schwester…

Der Roman wirkt authentisch, wie ein Bericht, weil Dokumente , z. B. aus dem Wörterbuch der finnischen Umgangssprache den Leser über den Begriff „ELOI, die; -s, -s,“ aufklären, d.s. Femifrauen, „die auf dem Paarungsmarkt“ (S. 28) aktiv sind, im Gegensatz zu „Morlock“ oder „Neutifrau“, die“ aufgrund physischer Einschränkungen (z. B. Unfruchtbarkeit) außerhalb des Paarungsmarktes“ (S. 42) bleibt. Auslese, also ein Persiflage auf Diktaturen mit rassenwahnähnlichen Vorstellungen. Elois versuchen sich zu behaupten. Und als Vera auf dem Debütantinnenfest Erfolg hat, kommt es zur Krise in der Beziehung zu ihrer Schwester. Da gibt es noch die „Maskos“ und die „Minusmänner“ (S. 52). In folge dieser Definitionen und Unterscheidungen wird der Paarungsmarkt im Sinne der optimalen Auslese stark reguliert. Alles steht unter Strafe, sogar die Verschwendung von Behördenzeit. (vgl. S. 60) Vera ist am Eloi-Institut und wird planmäßig auf das Paarleben vorbereitet. Aber sie glaubt selber nicht, dass die Maskos auf die Tricks des weiblichen Charmes unter Zuhilfenahme der Kosmetika wirklich hereinfallen.

Finnland ist eine Euristokratie (S. 739 geworden, die die hedonistischen und dekadenten Demokratien hinter sich gelassen hat. Koffein, Alkohol und Nikotin sind erfolgreich verbannt worden. Beim Chili sind noch nicht alle Quellen erwischt worden. Und es gibt Codewörter, geheime Treffen, nichtssagende mit einem Symbol versehene Aushänge, die den Weg zum nächsten Fix ebnen. „Unsere Aufgabe besteht darin, der Menschheit das Feuer zurückzugeben, “ sagen die Friedensaktivisten. (S. 120)

Vera hat offensichtlich Wahnvorstellungen und eine Heidenangst davor, dass es im Keller finster ist und dort das schwarze Wasser steigt. Sie hat auch Angst davor, nie eine richtige ELoi zu werden. Vera fixt, um die Kellertür geschlossen zu halten. Chili auf jede Art von Schleimhäute. Manchmal ist für uns eine Umdrehung schon zuviel. Bei Vera kommt Chili großzügig in den Gemüseeintopf: S. 122 f.

Geschlechtererziehung: Die „Domestizierung der Frauen“ (S. 129 f) schien in Finnland eine Staatsaufgabe geworden zu sein. Vera steht kurz vor ihrem Erfolg. Aber es gibt soviel zu beachten, wenn eine Eloi heiraten und dann ins Haus kommen will: „Unerwünschtes Verhalten kann man ausrotten, indem man die Belohnungen einschränkt.“ (S. 145) Eine andere Wahl hat sie kaum, weil das „unbegründete Geben eines Korbs“ mit Bußgeld (vgl. S. 163) bestraft wird. Und Vera wehrt sich gegen die von Maskos dominierte Gesellschaft. Nicht nur mit Chili kämpft sie gegen das omnipräsente und eigentlich auch unsichtbare Amt. Sie lässt sich auch von den Maskos nichts gefallen. Ihre Opposition treibt sie anscheinend in den Wahnsinn oder zur Lösung des Geheimnisses um ihre Schwester.

Diktaturen können leicht entstehen, wenn staatliche Ämter sich durch Revolution oder durch schleichende Prozesse Rechte erwerben, die ihnen nie zustanden. Solche Unrechtsregime werden durch ihren eigenen Wahnsinn oder ihre Pervertierungen getrieben. Diktaturen entstehen, wenn ihnen nicht gleich bei ihren ersten Ansprüchen Widerstand entgegengestellt wird.

Johanna Sinisalo
> Finnisches Feuer
Roman, aus dem Finnischen von Stefan Moster (Orig.: Auringon ydin)
1. Aufl. 2014, 318 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50144-5

Klett-Cotta auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Montag, 29. September 2014

banner_rechts_buchmesse_frankfurt2014)

Nächste Woche ist Buchmesse in Frankfurt! Gerade haben wir > Finnisches Feuer von Johanne Sinisalo gelesen und von zu Hause die Chilimühle mitgebracht, um die passende Illustration für den Lesebericht herzustellen. Klett-Cotta hat eine Übersicht seiner
> Autoren auf dem Stand Halle 3.1. D 134 veröffentlicht.
Das ist zugleich auch unser Blog-Leseprogramm.Ulrich Raulffs Buch > Wiedersehen mit den Siebzigern. Die wilden Jahre des Lesens haben wir schon gelesen und mit einem Lesebericht hier auf dem Blog gewürdigt. Ulrich Raulff ist heute abend im > Stuttgarter Literaturhaus zu Gast.


Die Freunde Albert und Édouard kommen als Opfer des machtbesessenen Offiziers Pradelle in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs fast zu Tode. In letzter Sekunde bewahrt Édouard ihn vor dem Tod. Albert fühlt sich seinem Retter verpflichtet und erfüllt ihm seinen größten Wunsch: eine falsche Identität. Pradelle durchschaut den Betrug und deckt sie, um sein hinterhältiges Manöver zu vertuschen. Die verfeindeten Männer werden zu Komplizen. Pierre Lemaitre entwirft das schillernde Panorama einer Gesellschaft, in der unablässig von Ruhm und Ehre die Rede ist und zugleich Profitgier und krumme Geschäfte vorherrschen.

Philippe Lemaître

8. Oktober, 14 – 16 Uhr am Stand Halle 3.1 Stand D 143
8. Oktober, 16.30 Uhr am FAZ Stand, 3.1. C 105

Prix Goncourt 2014.

Erscheinungstermin 25.10.2014:
Pierre Lemaitre
> Wir sehen uns dort oben
Roman, aus dem Französischen von Antje Peter (Orig.: Au revoir là-haut)
1. Aufl. 2014, 521 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98016-5

> Centenaire: 1914-1918 – Bibliographie und Sitographie – Frankreich-Blog


Finnland hat eine Revolution hinter sich. Das Gesundheitsamt – das Amt – hat die uneingeschränkte Macht übernommen. Alle Bürger Finnlands sind ruhig gestellt. Es gibt keine Handys, keine PCS mehr, dafür überall Überwachungskameras. Doch es gibt Widerstand im Untergrund. Dort weiß man, wie man mit Hilfe von Chilischoten richtig high wird. High ist gar kein Ausdruck. Schwitzen, Herzrasen ganz im Gegensatz zur verordneten Ruhe. Die beiden Schwestern Vera und Mira wollen sich nicht weiterhin dem Regime im Finnland, Frauen so verachtet, unterordnen. Vera kommt über einen Geliebten in Kontakt mit einer Untergrundgruppe, die heimlich Chili anbaut. Und sie findet ein Geheimnis heraus: Die Chilischoten bringen einen in den Kopf anderer Menschen. Vera kommt auf die Spur ihrer verschwundenen Schwester Mira, die gar nicht tot ist, wie es offiziell hieß.

Johanna Sinisalo

8. Oktober, 15 Uhr Finnland. Cool Pavillon, Gespräch mit Stefan Moster
10. Oktober, 20 Uhr Open Books,Alte Nikolaikirche, Römerberg 11

»Finnisches Feuer« ist eine phantastische Parabel auf einen Überwachungsstaat und ein total schräger Roman über weibliche Lebensentwürfe und Widerstände in einer männlich dominierten Gesellschaft.

Johanna Sinisalo
> Finnisches Feuer
Roman, aus dem Finnischen von Stefan Moster (Orig.: Auringon ydin)
1. Aufl. 2014, 318 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50144-5


Mit der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 war das Töten noch nicht beendet. Keith Lowe macht das ganz Europa umfassende Ausmaß der materiellen und moralischen Verwüstungen deutlich: die ergreifende Darstellung einer Welt, die aus den Fugen geraten war. Ein ganzer Kontinent geriet in den Strudel der Anarchie. Die Gewalteruption des Zweiten Weltkrieges war ein komplexes Geschehen über die

Keith Lowe

9. Oktober, 11 – 12 Uhr – Halle 3.1 Stand D 143

sogenannte Stunde Null hinaus. Regionalen Konflikte fangen noch nach den Kriegshandlungen statt: Bürgerkriege wüteten, ethnische Spannungen und Säuberungen dauerten an, Juden und Minderheiten wurden weiterhin verfolgt.

Erscheinungstermin 22.11.2014
Keith Lowe
> Der wilde Kontinent. Europa in den Jahren der Anarchie 1943–1950
Aus dem Englischen von Stephan Gebauer und Thorsten Schmidt (Orig.: Savage Continent)
1. Aufl. 2014, ca. 488 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil mit ca. 30 s/w-Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94858-5


>Der Sturm vor der Stille. Warum Menschen den Kontakt abbrechen: Die totale Funkstille hat immer einen Grund. Mit neuen Fallbeispielen begibt sich Tina Soliman auf Ursachenforschung.

Die Website zum Buch: Der Sturm vor der Stille. Warum Menschen den Kontakt abbrechen.

> www.tina-soliman.de

#Sie geht den Irritationen und Verletzungen nach, wenn jemand schlagartig eine Beziehung beendet und völlig von der Bildfläche verschwindet. Die hilf- und ratlosen Verlassenen suchen verzweifelt nach einem Auslöser, den es nicht gibt, denn der Bruch ist die Folge eines

Tina Soliman

10. Oktober, 14 – 15.30 Uhr – Halle 3.1 Stand D 143

langen Prozesses, der aus vielen kleinen zerstörerischen Momenten besteht. Manche Worte verletzen so sehr, dass sie einen Sturm entfachen, der nicht mehr zu bändigen ist – außer mit Stille.
Tina Soliman
> Der Sturm vor der Stille
Warum Menschen den Kontakt abbrechen
1. Aufl. 2014, 217 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94804-2


Drei Schüsse haben das Leben von Kriminalhauptkommissar Fallner verändert. Notwehr? Er hat bei einem Einsatz einen jungen Kriminellen erschossen. Jetzt ist er krank – dienstunfähig. Er nimmt den Rat seiner Therapeutin an und verwirklicht

Franz Dobler

10. Oktober, 11 – 12.30 Uhr – Halle 3.1 Stand D 143

seinen Jugendtraum: Mit einer Bahncard100 soll er so lange Zug fahren, wie er Lust hat. Auf die Tour will er den toten Jungen aus dem Kopf kriegen.
Franz Dobler
> Ein Bulle im Zug
1. Aufl. 2014, 347 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50125-4


Die fünfzigjährige Designerin und ehemalige Turnerin Antonia erlebt die letzten neun Monate im Leben der Mutter: Viel zu wenig Zeit und trotzdem sind diese neun Monate für Mutter und Tochter auch eine Zeit der Gnade. Antonia ist ein außergewöhnlich begabtes Mädchen, das von seiner Mutter Elsa und dem Rest der Familie wenig Aufmerksamkeit bekommt. Je weniger Anerkennung sie in ihrer

Evi Simeoni

9. Oktober, 14 – 15 Uhr – Halle 3.1 Stand D 143
9. Oktober, 17 Uhr Open Books,
Frankfurter Kunstverein, Markt 44
11. Oktober, 16 Uhr
am FAZ Stand, 3.1. C 105

Familie findet, desto heftiger steigert sie ihre Anstrengungen, als Sportlerin Erfolg zu haben. Evi Simeonis zweiter Roman erzählt aber nicht nur von der späten Annäherung einer Tochter an ihre Mutter, sondern versucht auch zu ergründen, was der Spitzensport in den Seelen von Kindern anrichten kann.

Evi Simeoni
> Rückwärtssalto
1. Aufl. 2014, 272 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98014-1


Kein guter Urlaub. Der pensionierte Kriminalkommissar Alexander Swoboda will die Steilküste der Normandie malen. Da stürzt plötzlich vor ihm ein Mensch von den 40 Meter hohen Klippen. Als Expolizist müsste Swobda zu dem Toten gehen. Aber als Maler wendet er sich ab. Doch dann wird er selbst erschossen. Seine Pflicht endet damit nicht. Bloß – wie soll er aus dem Jenseits einen Mord aufklären?

Gert Heidenreich

8. Oktober, 12 – 13 Uhr – Halle 3.1 Stand D 143

Pflichtgefühl? Auf unerklärliche Weise wird nun von ihm verlangt, die Hintergründe seiner Ermordung aufzudecken.

Gert Heidenreich
> Der Fall
1. Aufl. 2014, 319 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98019-6


Zum Ausdrucken:
> Klett-Cotta-Autoren auf der Frankfurter Buchmesse 2014

2017 ist Frankreich Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse

Mittwoch, 24. September 2014

Interviews, Fotos, Artikel, das wird ein Blogfest.

Lesebericht : Anthony Ryan, Das Lied des Blutes. Rabenschatten I

Dienstag, 23. September 2014

Heute, am 23.9.2014, erscheint „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan. Ein Fantasy-Roman, der die Geschichte des Kämpfers „Hoffnungstöter“ erzählt. Die Kollegen von der Hobbit Presse sind begeistert von diesem Roman, aber nicht nur sie, sondern auch viele Tausend Leser im Netz, die das englische Original gelesen haben. Neugierig? Dann besorgt euch die XXL-Leseprobe auf > www.hobbitpresse.de/ryan oder auf euren Lieblingsplattformen.


Um es gleich zu sagen, wir haben als Romanist keine spezielle Erfahrung, Bücher aus der Hobbit Presse, also Bücher, die zum Genre Fantasy gehören, hier so richtig sachgerecht vorzustellen. Aber da wir hier auch keine Rezensionen schreiben, sondern unseren Gewinn, den wir aus Büchern von Klett-Cotta ziehen, mit den Leser unseres Blogs teilen wollen, dürfen wir hier auch ganz subjektiv und einfach mal improvisiert, über das Leseabenteuer > Das Lied des Blutes von Anthony Ryan berichten.

Lesen. Noch ein Vorteil als Literaturwissenschaftler vermeiden wir die Methode l’homme et l’oeuvre, als einen Ansatz, der die Biographie des Autors zu Rate zieht, wenn es mit der Interpretation seines Buches hapert.

Beschränken wir uns also auf das Leseabenteuer (I) von > Das Lied des Blutes. Aufschlagen und einfach mal 30 Seiten dranbleiben. Mein Kollege von Klett-Cotta hatte mich gewarnt: Sie hören nicht wieder auf, bis Sie das Buch ganz gelesen haben.


Fantasy, so ein wenig unentschlossen war ich schon. Aber nach was zunächst nach Fünf Freunde und GSG 9 klang, entpuppte sich schnell als ein Roman mit wahnsinnig spannender Handlung. Bestes Hilfsmittel war die Karte in den Buchdeckeln.

Vaelin al Sorna ist der Titelheld. Sein Eintritt in den Sechsten Orden und seine überaus harte Ausbildung zum Kämpfer bestimmen die Handlung, das > Leseabenteuer (II). Der Tod ist allgegenwärtig. Mit den Kameraden verbindet ihn eine Art Treueverhältnis, das aber auch von Konkurrenz geprägt ist. Kursiv gesetzte Sätze – „sein innerer Beobachter“ (S. 403) – geben die Gedanken, Ideen und Schlussfolgerungen von Vaelin wieder, dadurch bekommen auch Passagen, die einen eher langsameren Rhythmus haben, Geschwindigkeit und Eindringlichkeit. Dem Leser werden so Interpretationen bestimmter Sachverhalte und Vorgänge vorgelegt. Und manchmal sind es dann doch Alternativen, die sich gar nicht so im Sinne von Vaelin entwickeln, und den Leser sich bald Sorgen um Vaelins Schicksal bereiten. Die Abschlussprüfungen des Ordens fordern von den Prüflingen einen Einsatz auf Leben und Tod.

> www.hobbitpresse.de/ryan

Charakterbildung. Die Erziehung im Orden lässt die Entwicklung eines miesen Charakters zu. Es wird geklaut und bestraft, wird wer so dumm ist, sich erwischen zu lassen. ( vgl. S. 215) Das ist alles nur harmlos. Viel grausamer ist die Einzelkämpferausbildung im Nahen Wald. Die Ordensschüler werden an verschiedenen Punkten ausgesetzt und müssen innerhalb einer bestimmten Frist zurückkommen, oder sie müssen den Orden verlassen. Bären und Mörder lauern ihnen auf. Vaelin lässt sich nicht schrecken und er kehrt wohlbehalten zurück, um dann mit den anderen restlichen fünf die zu betrauern, die es nicht geschafft haben.

Die Lektüre dauerte am vorletzten Wochenende bis 3 Uhr morgens. Und Vaelin gelingt es durch eine Reihe glücklicher Umstände seine eigene Geschichte aufzuklären. Was der Leser schon immer wissen wollte, wird ihm auf diese Weise berichtet. Langsam fügt sich ein Stein zum anderen, Vaelin wird vertrauter. Er entdeckt Geheimnisse. Wir haben uns das schon gedacht. „Es waren einmal sieben…“.

Machtpolitik, gerechtfertigt durch das Streben nach dem einen richtigen Glauben, für den man sein Leben auf das Spiel setzte, strategisches Denken, das Wissen, wo man angreifen muss, um den Gegner zu vernichten, Schnelligkeit bei der Handhabung mit dem eigenen Schwert, es gibt viele Quellen für diese Geschichte, die, wenn sie sich so nicht ereignet hat, eben doch der Phantasie eines Autors entsprungen ist. Fast wäre man geneigt, seinem Psychogramm weiternachzugehen. Nein, das tn wir jetzt nicht. Die Allgegenwart des Todes will nicht so ganz zum unerschütterlichen Respekt vor dem eigenen Glauben passen. Einerseits vermittelt sie einen moralischen festgefügten Anspruch, andererseits begründet er absolute Unnachgiebigkeit gegenüber den Gegnern. Parallelen zur heutigen Welt?

Spannend geschrieben. Das reicht aber nicht, um anzudeuten, was hier wirklich passiert. Ryan denkt sich einen einleuchtenden Plot aus. Die Rahmenhandlung bildet die Erzählung des Kriegers Vaelins. Jede Erzählung liefert immer eine Interpretation und Wertung des Geschehens. Man spürt den Respekt Vaelins vor dem Orden, aber er besitzt auch Qualitäten, die der Orden nicht vermittelt, so als ob, im Menschen doch etwas angelegt ist, was ihn auszeichnet, und was der Orden nicht erreichen und auch nicht zerstören kann. Mit den Passagen, die diese Grenzgänge berücksichtigen, kann das Genre dieses Buches, dieses Romans näher bestimmt werden. Ganz ohne Zweifel gehört > Das Lied des Blutes in das Reich der Fantasy-Romane, aber da wo Ryans Buch auch Wahrheiten, oder gar moralische Ansprüche aufzeigt, bekommt das Buch eine Romanform, keine modernes Märchen, aber eben doch eine Sammlung von Parallelen zu mancher bekannter Kriegsgräuel.

Geheimnisse, die angedeutet werden und dann langsam auf ihre Lösung hin ausgebreitet werden, bestimmen die Spannung in > Das Lied des Blutes. Sieben, diese Zahl spielt eine wichtige Rolle, aber auch der Glauben der selbst, dessen Inhalt als so offenkundig bekannt vorausgesetzt wird, dass es immer nur der Glaube heißt. „Der Orden kämpt, aber häufig kämpft er im Verborgenen,“ (S. 331) hatte Meister Sollis Vaelin mit auf den Weg gegeben. Man schweigt, Geheimnisse werden gut behütet. Makril sagt einmal „Die meisten herrschen durch Furcht,“ (S. 387) als ob er seinen Machiavelli kennen würde.

Eltern.Wer waren Vaelins Eltern? Wer hat ihn in den Orden gebracht? Seine Vorgeschichte bestimmt sein Handeln im Orden. Mit Beharrlichkeit, Ausdauer und Geschick kommt er seinem eignen Geheimnis auf die Spur. Vaelin traut sich die strengen Hierarchien zu überspringen, es ist wie ein Blick auf das wirkliche Leben. Er beweist Mut, tut verbotenerweise das Richtige und hat Erfolg. Derlei Stellen erscheinen öfters und machen das Buch zu einem Märchen, das einen tieferen Sinn vermitteln, keine moralischen Grundpositionen, aber doch wichtige Einsichten.

Das Lied des Blutes. Eine Art Mantra der inneren Stimme, Warnung, Ansporn oder die dunkle Gabe (vgl. S. 407)?

Erscheinungstermin: Am 23.09.2014 gehen Sie bestimmt in Ihre Lieblingsbuchhandlung oder Sie probieren mal: > XXL-Leseprobe.

>Anthony Ryan
> Das Lied des Blutes
Rabenschatten 1
Aus dem Englischen von Sara und Hannes Riffel (Orig.: Blood Song)
1. Aufl. 2014, 775 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, zwei Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-93925-5

Coachen Sie Ihre Kinder beim Lernen
Lesebericht: Christoph Eichhorn, Bei schlechten Noten helfen gute Eltern

Montag, 22. September 2014

Die dritte Auflage dieses Buches ist ein guter Grund, diesen Artikel aus den Blogtiefen nach oben zu holen. Außerdem hat der uns Christoph Eichhorn seine Überlegungen zu den Hausaufgaben auf 11 Seiten (PDF) und eine Grafik dazu geschickt

Christoph Eichhorns wichtigste These: > Bei schlechten Noten helfen gute Eltern. Er stützt sich auf die Langzeitstudie, mit der Martin Neuenschwander den besonderen Einfluss der Eltern auf die Schulleistungen ihres Kindes nachgewiesen hat. Die Leistung der Kinder werden wohl zur Hälfte von den Erwartungen der Eltern bestimmt. Daraus leitet Eichhorn ein ganzes Bündel von Strategien und Lösungsansätzen ab, um Eltern auf alle möglichen Situationen vorzubereiten: Schlechte Noten, keine Lust zu Hausaufgaben, Schulfrust, alles was uns immer noch wohlvertraut ist. Oft wird auf die Lehrer geschimpft, aber Eichhorn bringt seinen Lesern, und vornehmlich den Eltern bei, Ruhe zu bewahren und zuallerst mal das Selbstvertrauen ihrer Sprösslinge zu stärken. Wenn das Kind kapiert, dass es auf die Frage, wer ist der Boss bei Deinen Hausaufgaben, „ich“ antwortet, ist das die halbe Miete. Schlechte Noten regen alle auf. Eichhorns strategische Vorschläge sind überzeugend und beruhigen erst einmal die Eltern: Eine Zuhör- und Verständnisphase ist angesagt. Ein Donnerwetter hilft nur selten. Stattdessen sollten realistische Erwartungen kommuniziert werden.


Zum Download:

Christoph Eichhorn: > Immer diese blöden Hausaufgaben, 11 Seiten, *.pdf


Und auch bei Schülern mit mäßigen Leistungen gibt es genug Erfolge, an die man anknüpfen kann. Wie gesagt, Selbstvertrauen fördern, Verantwortung übertragen und das Kind Probleme selbst lösen lassen. Und Eltern müssen lernen, Belastungen der Schüler zu erkennen. Mancher Nachwuchs hat schon einen Terminkalender wie ein hochdotierter Manager und hält seine Eltern mit allerlei Taxidiensten auf Trab. Hinzu kommt noch die Computer- und Internetwelt, die statt Erholung zu verschaffen, den Kleinen die letzte Konzentrationsfähigkeit raubt. Sport und Bewegung ist angesagt.


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Download: > Bei schlechten Noten helfen gute Eltern


Der Sinn von Hausaufgaben wird von den Kindern schnell unterschätzt, wenn ihre Eltern über nicht gemachte Hausaufgaben hinwegsehen. Die Motivationsstrategien für erfolgreiche Hausaufgaben sollte man allen Eltern in die Hand drücken, die über schlecht gemachte Hausaufgaben ihrer Kinder klagen. Ein Stamm-Arbeitsplatz ist schon der Anfang. Setzen Sie Ziele und kämpfen Sie nicht gegen Probleme, rät Eichhorn.

Die eingangs erwähnte Studie von Martin Neuenschwander, die die überragende Bedeutung der Eltern für den Lernprozess der Kinder unterstreicht, darf als Ausgangspunkt für die Anleitung, die Eichhorn hier Eltern präsentiert, mit der sie ein guter Lerncoach für ihre Kinder werden sollen, nicht überbewertet werden. Auch ohne diese Studie ist Eichhorns Ansatz sehr bedenkenswert, und Eltern können hier viele Ideen für die Entwicklung ihrer eigenen Strategien finden.Man darf dabei aber nicht vergessen, dass auch Lehrerpersönlichkeiten einen äußerst prägenden Einfluss auf ihre Schüler gewinnen können. Viele Lehrer sind auch Eltern, auch sie werden dieses Buch mit Gewinn lesen. Noch ein Ratgeber. Ja, klar, aber in sehr konzentrierter Form. Und seine Leser dürfen sich fragen, ob sie wirklich schon einen Teil der hier vermittelten Anregungen wirklich umsetzen? Haben Ihre Kinder das Gefühl, Verantwortung für sich, für ihr Lernen und andere zu haben? Werden sie ernst genommen? Wann hatten Sie zum letzten Mal Zeit und Ruhe, um mit Ihrem Kind zu sprechen? Wissen Sie warum es Angst vor einer Klassenarbeit hat? Selbstvertrauen, Verantwortung kann man auch lehren, also den Kindern beibringen.

Christoph Eichhorn
Bei schlechten Noten helfen gute Eltern
1. Aufl. 2011, 187 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94603-1

Christoph Eichhorn, Diplom-Psychologe, Supervisor und approbierter Psychologischer Psychotherapeut, hat den Band >
Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten verfaßt, der im Oktober 2008 erschienen ist.> Eichhorn, Christoph
> Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten
223 Seiten, ISBN: 978-3-608-94534-8

Weitere > Erziehungs-Ratgeber bei Klett-Cotta

Lesebericht: Ulrich Raulff, Wiedersehen mit den Siebzigern

Montag, 22. September 2014

Das neue Buch von Ulrich Raulff, > Wiedersehen mit den Siebzigern mit dem Untertitel „Die wilde Zeit des Lesens“ berichtet über das Studium in den siebziger Jahre in Marburg und in Paris. Ein Nachachtundsechziger? Jedenfalls war achtundsechzig vorbei, als Ulrich Raulff zum Studium nach Marburg reist. Verpasst hat er aber dann doch nicht viel: „Marburg war eine Art Freilichttheater, in dem man den Stil von 68 noch ziemlich lange studieren konnte,“ (S. 10) schreibt Raulff.“ Mit ironischer aber auch ein einsichtiger Distanz fasst er sein Studenten-Dasein in Marburg zusammen: „Auch der Marburger Student vor vierzig Jahren lebte im unsichtbaren Käfig intellektueller Zeitgenossenschaft.“ (S. 11) Wolfgang Abendroth „das große Tier, das Haupt der Marburger Schule“ (S. 12) mit Erinnerungen an seine eindrucksvollen Vorlesungen, ein „beeindruckender Rhetor“ (S. 13). Hans Heinz Holz wurde Philosophie-Professor und geriet in den Krieg mit Reinhard Brandt. Gert Mattenklott konnte sich erst nach vielen Jahren von der materialistischen Literaturgeschichte befreien. (vgl. S. 16) Und die Erinnerungen an das > Ehepaar Schlaffer, an die Vorlesungen von > Heinz Schlaffer, denen auch > seine Frau „in atemberaubender Garderobe“ (S. 21) folgte.

Neukantianismus und Hermeneutik waren in Marburg vorbei. „Der Geist des juste milieu von heute neigt zu der Vorstellung, die um 68 einsetzende Politisierung der Hochschulen habe dem Geist der Universität als Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden den Garaus gemacht.“ (S. 24) Stimmt nicht, erklärt Raulff: „Das Gegenteil war der Fall. Eine Studentenschaft, die mit größter Selbstverständlichkeit ihre sämtlichen Probleme, die politischen wie die existentiellen, die öffentlichen wie die privaten, ja intimsten, in die Universität und an sie herantrug – in der naiven Erwartung, dort werde eine Lösung sich finden lassen –, eine solch erwartungs- und anspruchsvolle Studentenschaft hauchte dem Mythos der Universität als Gemeinschaft sui generis, ob Staat, Familie oder Polis, neues, frisches Leben ein.“ (S. 24 f) Raulff muss aber doch zu geben: „Im Rückblick erscheinen die frühen Siebziger als Zeit des politischen Niedergangs. Was im Augenblick des Ausbruchs 68 heiße Lava gewesen war, war erstarrt in ideologischen Kleinstpositionen, was umfassende Vision gewesen war, zersplittert in tausend Rechthabereien.“ (S. 26)

Im Regen jobbte Raulff dann am Bücherstand vor dem Haupteingang der Frankfurter Buchmesse: Der Junge mit der Tasche (vgl. S. 46) von Stand zu Stand, um seine Ideen an den Mann und Verlag zu bringen. Und er hat die Zeremonien der ungezählten Empfänge bei den Buchmessesoireen immer wieder erlebt. Auf diesen Seiten spürt man viel von der so anziehenden Faszination des jährlichen Treffens in Frankfurt. Der ständige Rollenwechsel ist dem Verfasser dieser Zeilen auch vertraut. Man reist als Mitarbeiter eines großen Verlags nach Frankfurt, ist dort Verkäufer, Fotograf, Autor, Zuschauer, Flaneur, Leser je nachdem, wann man welchen Stand gerade betritt. Und Raulff hat seinen Suchtstoff Buch beschrieben, später hat er vielleicht nur aus Platzmangel seine Anschaffungspolitik modifiziert. (vgl. S. 53)

Dann geht es nach Paris. Erinnerungen an die Vorlesungen von Roland Barthes: „Seien Vorlesungen waren mondäne Ereignisse…“ (S. 65). Mittags wurde bei > Chartier für einige Francs gespeist. Der Strukturalismus zog alle in seinen Bann. Michel Foucault und Gilles Deleuze hielten Vorlesungen. Deleuze ignorierte die Attestationswünsche der jungen Deutschen, aber Foucault nahm sie mit in sein Büro und schrieb ihnen eigenhändig die begehrten Zettel. Die Erinnerungen an die Vorlesungen im Collège de France: Ein bisschen später bin ich dort in den Vorlesungen von André Chastel und Emmanuel Le Roy de Ladurie gewesen. Oder > René Rémond hat mich zu einer persönlichen Studienberatung in seinem Büro in Paris-X Nanterre empfangen. Wir könnten mit Ulrich Raulff wunderbare Erinnerungen austauschen. Unsere Professoren waren uns für der Start in das intellektuelle Leben. Nach den Vorlesungen in der Paris III Sorbonne-Nouvelle bei dem Kunsthistoriker Carol Heitz waren unsere akademischen Lehrer > Maurice Duverger, Georges Vedel und > Alfred Grosser, Raoul Girardet und auch René Rémond im Institut d’Études Politiques in Paris.

Raulffs Buch weckt Erinnerungen an Paris, an die späten siebziger Jahre, Sobonne-Nouvelle – Paris III und Institut d’études politiques in der Rue St. Guillaume und der Rue de la Chaise. Ein Blick in den Schreibtisch, Ausweise und Metrokarten sind noch griffbereit:

In der Nationalbibliothek haben wir vielleicht unsere Plätze einander gegenüber eingenommen? Es stimmt alles haargenau, wie Raulff das Lesen und Schreiben wie ein Zeremonie im Großen Lesesaal der Pariser Nationalbibliothek beschreibt. Da ist das Gewölbe oder der Keller unter dem Lesesaal mit den unendlich vielen Karteikästen, die von Generationen von Bibliothekaren penibler ausgefüllt wurden. Und da sind auch die
<<< vertrauten Roten Karten, die man beim kurzzeitigen Verlassen des Lesesaals der Nationalbibliothek abstempeln lassen musste; einige liegen noch als Ephemeria in meinen Bücher. Mittags durch das große Tor hinaus in die Rue Richelieu, im Torbogen stand der LE MONDE-Verkäufer, der die geistige Nahrung zum schnellen Mittagessen bereit hielt. Steak-Frites und ein Expresso, dann wieder zurück unter die grüne Lampe an den Lesesaal-Tisch. Mittlerweile waren schon wieder einige Bücher eingetroffen und warten auf ihre Lektüre. Das Buch enthält nicht nur Erinnerungen oder Beschwörungen an vergangene Zeiten. Raulff erzählt vom ständigen Aufbruch, immer neuen Entdeckungen auf die Studenten sich unbedingt einlassen müssen, die sie suchen müssen. Leider verleitet die heutige CreditPointsRechnerei immer nur danach, Sicherheit zu suchen. Unser Studienanfang in Paris war vielleicht eine der aller besten Entscheidungen. Auch wir waren ein wenig zu spät gekommen. > Jean-Paul Sartre saß noch mit Simone de Beauvoir draußen am runden Tisch vo dem Deux Magots. Und in den vielen Bibliotheken „Meine Begeisterung wuchs, als ich bemerkte, dass andere meine Leidenschaft teilten und mit ihnen meine Daseinsform“ (S. 93), der Bibliothèque de la Sorbonne, in der Bibliothèque Sainte-Geneviève am Panthéon, oder in der kleinen, so feinen Bibliothèque Mazarine hätten wir uns treffen können. Und Sonntags, wenn alle Bibliotheken geschlossen hatten, natürlich in der Bibliothek des Centre Pompidous.

Gegen Ende der achtziger Jahre tauchten die ersten PCs auf (vgl. S. 95). Sie werden immer noch als nützliche Helfer verstanden, auch wenn sie z. B. beim Verfassen einer Arbeit über > Camus kaum mehr als eine praktische Schreibmaschine sind: > Schreiben Sie mit der Hand oder der Tastatur? darf man heute mit einem Blick auf unsere geliebten Karteikästen fragen.

In den späten siebziger Jahren war Raulff bei der Gründung der Zeitschrift Tumult. Zeitschrift für Verkehrswissenschaft mit dabei. Abenteuerlust und kaum mehr verband die Redaktionsmitglieder, und Raulff steuerte seine Freude am Bild mit bei: „Anders als in linken Blättern wie dem Freibeuter durften in Tumult die Bilder ein gewisses Eigenleben führen.“ (S. 113)

Und Raulff beherrscht den Vergleich mit Frankreich, mit Paris. Eine Frau, die einen hier mustert, das kann schon mal Minuten dauern. In Paris kaum seine Sekunde: „Alles Göttliche und alles Schöne, schreibt Friedrich Schlegel, ist schnell und leicht.“ (S, 140)

Und dann geht es auch nach London.

Ulrich Raulff,
> Wiedersehen mit den Siebzigern
Die wilden Jahre des Lesens
1. Aufl. 2014, 170 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94893-6

Leseabenteuer : Anthony Ryan, Das Lied des Blutes (II)

Donnerstag, 11. September 2014

Wir haben der Presseabteilung von Klett-Cotta versprochen müssen, keinen Lesebericht zu diesem Buch vor seinem offiziellen Erscheinen zu veröffentlichen. Dabei bleibt es auch. Aber die letzten hundert Seiten, jetzt sind wir bei S. 326 und xxx ist wieder da, haben es in sich. Nein, wir werden nichts verraten, auch wenn es schwerfällt. N. und V. und B., wie bereits gemerkt, zu vertraut sind die Personen, da gibt es keine Verwechslung. Glücklicherweise saßen wir heute wieder im Zug. „Darf ich mal sehen, was Sie da lesen… “ (Presseabteilung: „nicht vor dem 23.!“) Hatte mein „Nein“ unhöflich geklungen? Aber wenn da gerade jemand mit dem Schwert… und dann fragt der Mitreisende… so leicht verfliegt die Konzentration auf das Buch nicht. Dann haben wir aber doch ein wenig das Cover angehoben. Unser Mitreisender macht in der ersten Sekunde einen so erstaunten Eindruck, als ob wir auch bewaffnet wären… Immerhin hatten wir schon wieder das dickste Buch von allen im Wagon. Ob er jetzt fragen würde, ob er das Buch mal anfassen dürfe. (Presseabteilung: „nicht vor dem 23.!“) So weit kam es nicht. Der Umsteigebahnhof wurde angekündigt. Mit unserem Schatz brachten wir uns aus aus dem Zug schnell in Sicherheit. Im nächsten Zug war doppelte Konzentration notwendig: Die Geschichte! Und der Moment der Ankunft am Zielbahnhof. Dann noch ein bisschen S-Bahn, weitere 23 Seiten. und wieder V. mit Herzklopfen beim P….. (Presseabteilung: „nicht vor dem 23.!“). Ach ja, ein Kollege hatte uns gewarnt, Recht hatte er.

> Leseabenteuer : Anthony Ryan, Das Lied des Blutes (I)
> Aufgeschlagen: Anthony Ryan, Das Lied des Blutes
> XXL-Leseprobe

Anthony Ryan
> Das Lied des Blutes
Rabenschatten 1
Aus dem Englischen von Sara und Hannes Riffel (Orig.: Blood Song)
1. Aufl. 2014, 775 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, zwei Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-93925-5

Geschichte bei Klett-Cotta. Überblicks- und Orientierungswissen, Handbücher und Epochenüberblicke oder “Wir wollen alle Lampen gleichzeitig anschalten.” (Braudel)

Donnerstag, 11. September 2014

Klett-Cotta Geschichte

Für das Geschichtsstudium zählt keines wegs nur das Faktenwissen. Von großem Vorteil sind Epochenüberblicke. Dazu bietet Klett-Cotta Handbücher und Einführungen, die die großen Zusammenhänge im Rahmen bestimmter Epochen erläutern. Das sind Bücher, die Studenten auch mal außerhalb der Themen ihrer Vorlesungen und Seminare lesen müssten, um ihr historisches Verständnis und Wissen zu verbreitern.

Download: > Das Historische Buch bei Klett-Cotta 2014/2015       >>>>>>

In unserem Lesebericht zu > Lesebericht: Fernand Braudel, Geschichte als Schlüssel zur Welthieß es: Ereignisse vollziehen sich in Strukturen und die Frage lautet: “Halten diese großen Männer tatsächlich das Schicksal der Welt und ihr eigenes in Händen?” (S. 29) In Bezug auf die Sozialgeschichte erinnert Braudel an die umfassende Aufgabe des Historikers: “Wir wollen alle Lampen gleichzeitig anschalten.” (S. 46) Geschichte ist mehr als nur Ereignisgeschichte: “Wir werden die Geschichte nur erklären können, indem wir die Welt erklären.” (S. 76)“ Diese Sätze könnten auch als Geschichtsprogramm für unseren Blog gelten:

Auf dem > Geschichtsregal von Klett-Cotta ist die Orientierung ganz einfach: Zuerst kommen die > Neuheiten, dann die > Bestseller, dann die > Empfehlungen, nicht zu vergessen: > Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte, dessen Neuauflage mittlerweile nahezu abgeschlossen ist.

> Klett-Cotta hat jetzt auf Facebook eine eigene Seite für Geschichte

Eine kleine Auswahl der Leseberichte zur Geschichte auf unserem Blog; schon diese Auswahl beweist die Leidenschaft, die der Schreiber dieses Blogs an seine Leser weitergeben möchte:

> 3. August 2014: Staatspräsident Hollande und Bundespräsident Gauck auf dem Hartmannsweilerkopf

> Nachgefragt: Per Leo, Flut und Boden und > Lesebericht: Per Leo, Flut und Boden

> Jacques le Goff (1924-2014)

> 250. Geburtstag von Johann Friedrich Cotta

> Ernst Jünger, Kriegstagebuch 1914-1918

> Das Reisesehnsuchtsbuch: David Gilmour, Auf der Suche nach Italien

> Lesebericht: Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger

> Nachgefragt: Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger

> Lesebericht: Faramerz Dabhoiwala, Lust und Freiheit. Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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