Verlagsblog

Archiv für Oktober 2014

Lesebericht: Arno Gruen, Wider den Gehorsam

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Dieses Buch müssen Sie ständig mitführen, solange bis alle um Sie herum gefragt haben, wo haben Sie denn das her?

> Arno Gruen hat einen bemerkenswerten Essay verfasst: > Wider den Gehorsam: „Die Angst ungehorsam zu sein, führt dazu, sich dem Unterdrücker unterzuordnen,“ (S. 9) so lautet der Schlüsselsatz im Prolog, der die Idee zu diesem Buch in einem markanten Satz zusammenfasst. Gruen ist ein Aufklärer: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ schrieb Kant 1784 und Pico della Mirandola (1463–1494) ließ Gott nichts Anderes sagen: > De hominis dignitate / Über die Würde des Menschen (posthum 1496, Übertragung: D. Becker): «Dir, Adam, habe ich keinen bestimmten Ort, kein eigenes Aussehen und keinen besonderen Vorzug verliehen, damit du den Ort, das Aussehen und die Vorzüge, die du dir wünschest, nach eigenem Beschluss und Ratschlag dir erwirbst. Die begrenzte Natur der anderen ist in Gesetzen enthalten, die ich vorgeschrieben habe. Von keinen Schranken eingeengt sollst du deine eigene Natur selbst bestimmen nach deinem Willen, dessen Macht ich dir überlassen habe. Ich stellte dich in die Mitte der Welt, damit du von dort aus alles, was ringsum ist, besser überschaust. Ich erschuf dich weder himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich, damit du als dein eigener, gleichsam freier, unumschränkter Baumeister dich selbst in der von dir gewählten Form aufbaust und gestaltest. Du kannst nach unten in den Tierwesen entarten; du kannst nach oben, deinem eigenen Willen folgend, im Göttlichen neu erstehen.»

Gruen erinnnert daran, dass das Bedürfnis nach Gehorsam ein „grundlegender Aspekt unserer Kultur ist“ (S. 10). Die Furcht vor dem Ungehorsam begleitet uns schon in der Kindheit. Und Gruens Essays passt irgendwie auf alle Biographien seiner Leser. Macht entsteht durch die Angst, nicht wohlzutun. Ob das eine der Erklärungen ist, wie es zu dem Desaster des Dritten Reichs kommen konnte? vgl. S. 14 f., S. 31 ff., S. 39 ff. S. 69 Der terrorisierte Mensch hat eine Tendenz, sich mit seinem Peiniger zu identifizieren, in der Hoffnung sich selber retten zu können, schreibt Gruen auf S. 16. In der Kindheit ist das schon angelegt und äußert sich in der Angst davor, der Erzieher könne verstimmt sein.


„Die Vielfalt bei Klett-Cotta erstaunt mich immer wieder, und sie treibt diesen Blog am besten an. Kaum war ich mit der Lektüre des Romans von Jonathan Littell fertig, kam die Biographie über > Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität dran. Sie lag auf meinem Bücherlesestapel ganz oben – …“ Weiterlesen
Monika Schiffer
> Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität – Biografie
ca. 50 sw-Abbildungen
180 S., ISBN: 978-3-608-94449-5


Demokratie stärken, so lautet Gruens These, heißt die Umstände und die Gründe für „kritiklosen, blinden Gehorsam“ (S. 21) offenzulegen. Kindererziehung soll zur Selbständigkeit führen. Beobachten Sie Mütter und Väter z. B. im Zug oder in der S-Bahn, wie viele Hinweise, Verbote, Ermahnungen, Aufforderungen etc. muss sich der Nachwuchs ständig anhören. Was sagte noch > Jean-Jaques Rousseau? Der erste Satz seines Romans Émile ou de l’éducation lautet: „Tout est bien, sortant des mains de l’Auteur des choses ; tout dégénère entre les mains de l’homme.“ Er wollte, dass man den Zögling beobachtet und den „Émile“ liest, um daraus Schlüsse zu ziehen: „Man müsste, um ihn zu beurteilen, ihn ganz geformt sehen, man sollte seine Neigungen beobachten, seine Fortschritte sehen und seinem Gang folgen, in einem Wort, man sollte den einfachen Menschen in ihm erkennen. Man wird einige Schritte in diese Richtung tun, wenn man diese Schrift gelesen haben wird.“ „Il faudroit, pour en juger, le voir tout formé ; il faudroit avoir observé ses penchants, vu ses progrès, suivi sa marche ; il faudroit, en un mot, connaître l’homme naturel. Je crois qu’on aura fait quelques pas dans ces recherches après avoir lu cet écrit.“ Rousseau möchte seinen Zögling zur Selbständigkeit erziehen.

Was ist aber, wenn der Erzieher diese Selbständigkeit nicht im Auge hat?

Wie kommt es zu dem Kadavergehorsam? Das Sein der Eltern zum Eigenen machen, ist eine Tendenz, die Gruen mit der Erinnerung an Klaus Barbie, „der Gestapo-Schlächter von Lyon“ illustriert. Beim Verhör hatte Barbie gesagt: „Als ich Jean Moulin vernahm, hatte ich das Gefühl, dass er ich selber war.“ (S. 40) Der Schlächter tut das Unheil seinem verworfenen Selbst an, erklärt Gruen und meint damit der Feind im Anderen ist in uns selber. (vgl. S. 40) Es ist der Selbstwertlust des Kindes, den Gruen anklagt. (S. 44) Hass und Unterdrückung werden nicht gegen den Unterdrücker gerichtet, sondern an Andere weitergegeben. Ein Hinweis darauf, wie Macht funktioniert. Es ist nicht einfach, autonom, eigenständig authentisch (vgl. S. 48) zu werden.

Finden wir aus diesem Gehorsam? Wie kann die Anpassung überwunden werden? Schon 1932 beschrieb Ferenczi die Umwidmung von Angst und Terror in eine Scheingeborgenheit (S. 69) Geschichte erinnert immer wieder an die Taten der Großen, und wie Menschen die Verantwortung für sich selbst aufgeben verlieren oder sie ihnen einfach genommen wird: „Der Verlust des Selbst steht in einem engen Zusammenhang mit unseren politischen und gesellschaftlichen Problemen,“ lautet Gruens Fazit.

Wie oft und überall finden wir Situationen, in denen uns Meinung und Handlungen vorgeschrieben werden, die wir wider besseres Wissen nur ausführen, weil wir zu bequem sind, Konflikte auszutragen, unsere Meinung wohlbegründet zu artikulieren.

Empathie gibt es auch in der Politik und Gruen erinnert an Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt, Willy Brandt oder Olaf Palme. > Riace ist die reale Utopie, die Gruen im Auge hat.

Haben Sie das Buch schon? Passt in jedes Notizbuch. Sollte immer wieder mal auf dem Tisch liegen, Anlässe es als Programm vorzuzeigen oder es einfach nur sehen zu lassen, gibt es ständig.

> Arno Gruen
> Wider den Gehorsam
3. Aufl. 2014, 97 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94891-2

Jetzt wird das nächste Buch gelesen:

Lesebericht: Paul J. Kohtes / Nadja Rosmann,
Mit Achtsamkeit in Führung

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Führungskräfte sind ständig unterwegs, sind oft nicht zu sprechen, sie sind voll guter Vorsätze, oft im Stress, von der Routine getrieben, keine Zeit, sich selber mal zwei Minuten zu beobachten, ständig unter Strom, sich selbst den Sachzwängen unterwerfend, und wenn dann mal der Akku sich zum Ende neigt, suchen sie hektisch einen Coach, um die Dinge wieder auf die Reihe zu bekommen.

Wir hätten da was für Sie.

Der erste flüchtige Blick auf das Cover ließ uns Mediation lesen… Dazu passte das Bild aber gar nicht. Nein, der Untertitel des Bandes von Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann > Mit Achtsamkeit in Führung lautet „Was Meditation für Unternehmen bringt. Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Best Practises“. Um Meditation geht es, die in der Geschäftswelt auch „Achtsamkeit“ (vgl. S. 15) genannt wird. Meditation? Sich hinsetzen oder irgendwo entlang gehen und sonst gar nichts tun? Das passt nun überhaupt nicht zu modernen Bildschirmarbeitsplätzen, wo der Blick stets in die Ferne des Internets oder auf umfangreiche Zahlenkolonnen gerichtet sind, die dort ständig defilieren und permanent die vielen Workflows des Unternehmens dokumentieren. Da schickt es sich einfach nicht, mal einen Moment gar nichts zu tun. Was wird man dabei alles verpassen, und außerdem könnten einen die Kollegen sehen oder gar der Vorgesetzte.

„Bessere Konzentration, erhöhte Aufmerksamkeit, verringerte Stressresonanz“, darum geht es in dem Buch von Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann. Und damit werden Führungskräfte angesprochen. Ihnen wird vorgeschlagen, mal einen Moment innezuhalten und dieses Buch aufzuschlagen und dabei einen Moment darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn ihr Unternehmen einmal über das Thema Meditation nachdenken würde. Die Perspektiven der Meditation klingen verlocken: Unternehmen können „die äußeren Zwänge, die sie sich zu eigen gemacht haben, … durchschauen und wenn sich durch dieses Loslassen eine neues Gefühl der Freiheit einstellt, dann eröffnen sich Möglichkeiten, die vorher nicht absehbar waren.“ (S. 17) Ohne Meditation heißt das Change Management und man beauftragt gerne teure Berater dafür.

Die beiden Autoren stellen einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung von Aufmerksamkeitsspraktiken vor: S. 20-33. Im Kapitel „Wirkungen von Meditation aus Sicht der Wissenschaft“ werden Konzentration, Achtsamkeit und Stressmanagemnt im Zusammenhang mit der Vermeidung von Krankheitsbildern erläutert: Besser Selbsterkenntnis und die Kultivierung positiver Gefühle (S. 41) stehen dabei im Vordergrund. Wie funktioniert das? Die Meditation hilft dem Einzelnen persönliche Erfahrungen zu relativieren und als veränderbar wahrzunehmen. Es gibt Abteilungen in Unternehmen, die jahraus jahrein vom Rhythmus des Kalenders sich treiben lassen, ohne sich von derartigen Konditionierungen lösen zu können: „Achtsamkeitspraktiken stimulieren die Fähigkeit des Gehirns, neue Synapsen zu bilden und Neuronen zu generieren,“ (S. 40) das heißt, Neues das Führungskräfte motiviert und sich besser entfalten lässt, bedarf eines Anstoßes, eines Kicks, der „Wahrnehmungs- und Handlungsfreiheit“ (S. 41) erfordert.

Meditation kann nicht einfach so eingeführt werden, indem man die Mitarbeiter auf ein Fortbildungsseminar schickt. Zuerst muss man sich das Unternehmen, seine Strukturen – seine Unternehmenskultur ansehen. Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann untersuchen daher im Kapitel „Unternehmenskultur und Wertehorizonte“ die „Meditation im Spannungsfeld unternehmerischer Interessen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen“: S. 76-102. Fast ein eigenes Buch! Hier werden kurzgefasst interessante Anregungen gegeben, mit denen Organisationen betrachtet und analysiert werden können. Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann erklären die Unterschiede zwischen traditioneller Unternehmenskultur mit ihrer ausgeprägten Statushierarchie, die oft immer weiter ausgebaut wird, auch wenn flache Hierarchien als nützlich und wertvoll bereits anerkannt worden sind, und moderner Unternehmenskultur, die Individuen gerne fördert aber auch die Entwicklung zum Einzelkämpfer und die „Tendenz zur Selbstüberschätzung“ begünstigt. (vgl. S. 83). Behutsam zeigen die Autoren, wie Fehlentwicklungen in festgefahrenen Unternehmenskulturen durch Meditation korrigiert oder positiv beeinflusst werden können. Es geht um neue Formen der „Integrationsfähigkeit“ (S. 87).

Wie entdeckt man die Widersprüche in Organisationen? „Meditation lässt Menschen genauer hinsehen, sich selbst und die eigenen Motivationen klarer erkennen und die Außenwelt schärfer wahrnehmen,“ (S. 101) lautet die Empfehlung der beiden Autoren. Das ist wie in der Literatur, wenn die Dinge beim Namen genannt werden, verlieren sie ihre Unschuld, der Leser betrachtet sie sofort unter einem anderen Licht, und so beginnt jeder Veränderungsprozess, erklärt Sartre in Was ist Literatur? (1947). In diesem Buch sagt er auch: „Il faut appeler un chat un chat“, man muss die Dinge bei ihrem Namen nennen. Das ist oft schwierig und viele trauen sich nicht,
> Wider den Gehorsam zu handeln. Das haben wir schon immer so gemacht, und neue Gedanken sind bloß ärgerlicher Sand im Getriebe der täglich so erfolgreichen Routine, die Mitarbeiter mit neuen Vorschlägen nicht stören oder aufhalten dürfen. Diffuse Angst ist auf beiden Seiten vorhanden, und vielleicht umso mehr, je stärker und festgefügter eine Organisation hierarchisiert ist. Am besten machen Führungskräfte den Anfang und denken unter Anleitung über die Entwicklung ihrer Unternehmenskultur nach. Kein tagelanges Durchleuchten der Organisation mit externen teuren Beratern. Die Meditation verordnet ein Innehalten, schafft Freiräume, selber einen anderen Blick auf die eigene Organisation zu entwickeln, das ist kurzgefasst die Botschaft von Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann. Leistungshemmnisse wie Stress und ständigen Zeitmangel abbauen und im Unternehmen ein neues Miteinander zu entdecken, darum geht es.

Wendet man sich der Meditation zu: „Damit geraten zwangsläufig Bereiche in den Blick, die im Geschäftsleben bisweilen knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle verbleiben, beispielsweise die latente Spannung zwischen privaten und unternehmerischen Direktiven,“ (S. 101) kommentieren beide Autoren. Für beide ist Meditation ein Master-Tool, „das eines mit Sicherheit bewirkt: den Schleier der Vorstellungen, die wir darüber haben, wie die Welt ist beziehungsweise, wie sie sein muss, zu lüften.“ (S. 103)

Es folgen Szenarien, wie Meditation in Unternehmen eingeführt werden kann. In einem 2. Teil werden Best practices vorgestellt: Beratungsunternehmen, die Firmen und Organisationen auf dem Weg in eine erfolgreiche Meditation begleiten.

Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann
> Mit Achtsamkeit in Führung
Was Meditation für Unternehmen bringt. Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Best Practises
1. Aufl. 2014, 276 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94865-3

Wie fragt man nach einer Gehaltserhöhung?

Dienstag, 28. Oktober 2014

Wir hätten schwören könne, diesen Artikel vor zwei drei Jahren geschrieben zu haben, nein, er ist vom 26. August 2009. Aus Anlass der Ausstellung > Oulipo, la littérature en jeu(x) haben wir ihn hier wieder nach oben geholt.

Da müssen wir hin:

Oulipo, la littérature en jeu(x) Exposition

Entrée libre du mardi au dimanche 12h-19h
lundi et jours fériés

Bibliothèque de l’Arsenal, 1, rue Sully, 75004 Paris
> Adresses et transports – Arsenal

> Georges Perec (1936-1982) zur Oulipo-Gruppe.

Jetzt hätte ich Lust, dieses Buch einfach mal vorzulesen. Eine Flasche Mineralwasser, das kleine Tonbandgerät mit dem Mikro würden genügen. Und dann ginge es los. Ohne Punkt und Komma. Denn die sind ja auch gar nicht im Text. Perec arbeitet das vorne im Buch abgedruckte Diagramm linear ab. Georges Perec war Mitglied der > Oulipo (Ouvroir de littérature potentielle) – experimentelle Literatur, die aber auch ganz genauen Regeln und Zwängen folgt: > Oulipo.

> Mit Bild und Ton: Wie bitte ich meinen Abteilungsleiter um eine Gehaltserhöhung?

Idee und Entschluss, den Abteilungsleiter um eine Gehaltserhöhung zu bitten, stehen in den ersten drei Zeilen. Auf zu seinem Büro, aber er ist nicht da. Zurückgehen oder bei der netten Kollegin vorbeischauen, auf dem Flur hin-und hergehen und sich bei der Organisation umgucken, bei der man beschäftigt ist. Eine der vielen weiteren Möglichkeiten sieht dann doch mal vor, dass der Vorgesetzte im Büro sitzt. Klopfen? Wenn das so einfach wäre. Wir sind noch in der oberen Hälfte des Diagramms. Schaut er auf, schaut er nicht auf, vertagt er das Gespräch, bevor das Thema genannt ist? Der Leser leidet echt mit.

Warten ist aber nie langweilig, bei Perec eher kurzweilig. Wird die Kunst die Wirklichkeit einholen? Oder umgekehrt? Schauen Sie genau hin, es gibt keine Wiederholungen, ganz subtil hat er Veränderungen eingebaut, die Rückschlüsse auf die Eindrücke zulassen, die die Gemütsregungen des Bittstellers planmäßig oder zufällig beeinflussen. Es geht um seine persönliche Entscheidungen, dies oder jenes zu tun und auszuloten, ob das Ergebnis von ihm wirklich intendiert oder erlitten wird. Der Leser zittert mit, ob der Wunsch ankommt, ob der Abteilungsleiter geneigt ist, das erlösende Kopfnicken zu zeigen, dass den Eintritt in sein Reich erlaubt. Oder es passiert doch etwas ganz anderes, das der Autor, obwohl er vor seinem Diagramm sitzt, alles genau bedacht und überlegt hat, gar nicht vorgesehen hat. Und das ist doch im Leben immer so. Und das beste Diagramm hält immer eine nicht berechenbare Überraschung für uns bereit.

Vielleicht nehmen Sie das Buch einfach mal zu Ihrem Jour fixe mit. Oder lassen es bei einer Besprechung auf dem Tisch liegen. Aber Perec hat gar nicht vorgesehen, dass der Chef von sich aus mit dem Thema anfängt. Oder Sie kopieren das Diagramm und lassen es in die nächsten Unterlagen gleiten.

Im Schlusswort hat Bernard Magné die Feinmechanik dieses Textes wunderbar einleuchtend erklärt. Lesen Sie seinen Text aber nicht zuerst. Die Lektüre des Buches von Perec wird Ihnen noch ganz andere Dimensionen des Textes zeigen. Und jetzt gehe ich zu meinem Abteilungsleiter. Und wenn er nicht da ist, dann…

Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten steht auf der Longlist: > Abstimmung: Kuriosester Buchtitel.

Georges Perec
> Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten
Mit einem Nachwort von Bernard Magné, aus dem Französischen von Tobias Scheffel (Orig.: L‘art et la manière d‘aborder son chef de service pour lui demander une augmentation)
Ausstattung: Leinen mit Schutzumschlag, eingehängtes Organigramm
112 Seiten
ISBN: 978-3-608-93706-0

BR – 27.10.2014: Nachtlinie mit der Autorin Tina Soliman

Montag, 27. Oktober 2014

> Nachtlinie – Mit der Autorin Tina Soliman
Heute, 27.10.2014, Bayerisches Fernsehen: 23:00 bis 23:30 Uhr

Moderation: Andreas Bönte

Programmankündigung: „Für Verlassene kommt ein Kontaktabbruch aus heiterem Himmel. Doch wie sieht es für die andere Seite, die Kontaktabbrecher, aus? Der Funkstille geht meist ein langer innerer Kampf voraus. Tina Soliman, Journalistin, Regisseurin und Buchautorin, hat in ihrem neuen Buch den „Sturm vor der Stille“ untersucht und spricht darüber mit Andreas Bönte in der Nachtlinie. Zahlreiche Beziehungen enden mit einem banalen Ereignis. Familienmitglieder und Partner bleiben häufig mit der Frage zurück, ob es dieses letzte Telefonat oder dieser letzte Blick war, der alles verändert hat. … “

> Nachgefragt: Tina Soliman, Der Sturm vor der Stille – Antworten auf die quälende Frage nach dem »Warum«

Tina Soliman
> Der Sturm vor der Stille Antworten auf die quälende Frage nach dem »Warum«
1. Aufl. 2014, 217 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94804-2

Frank Schmiechen meint, Jaron Lanier würde „ziemlichen Unsinn“ reden

Sonntag, 19. Oktober 2014

Das > Die Reform des Urheberrechts in Europa (I) www.france-blog.info passt zu diesem Beitrag.


Mit Strg + können Sie das Schriftbild größer stellen…

> Dieser Zausel redet ziemlichen Unsinn ist der Titel des Kommentars von Frank Schmiechen in DIE WELT (18.10.2014) zu Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier. Wie bitte? F. Schmiechen hat das Buch von Jaron Lanier vielleicht gar nicht gelesen: Jaron Lanier, Wem gehört die Zukunft. Du bist nicht der Kunde der Internet-Konzerne, du bist Ihr Produkt (Joffmann und Campe, Hamburg 2014). F. Schmiechen schreibt: „In Zeiten des Internets, sagt Lanier in seiner Rede weiter, seien geistige Arbeit, Kultur und Patente nichts mehr wert,“ das stimmt so nicht. Natürlich sind sie viel wert, aber sie werden in Zeiten des Internets nicht entsprechend der erbrachten geistigen Arbeit gewürdigt.


Der Bericht über die Preisverleihung an Jaron Lanier in der Frankfurter Paulskirche steht hier > Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels > Contribuez à l’ambition numérique de la France (I), weil er als Anregung so gut zu dem Projekt des französischen Premierministers Manuel Valls passt, die Bürger nach den Grundlagen für ein neues Digitalgesetz zu befragen, passt. Eine Rezension des Buches von Jaron Lanier folgt.


> „Technologie ist eine Religion geworden“ – Gespräch der WELT mit Jaron Lanier – 11.10.2014


Geärgert: Frank Schmiechen, Chefredakteur der „Gründerszene“, hat sich über den Auftritt von Jaron Lanier geärgert: „Mit hüftlanger Dreadlockfrisur, bunter Brille, Zauselbart spielt er auch noch ein kleines Lied auf der laotischen Flöte aus Bambusröhren. Wie aus einem Fantasyfilm entsprungen.“ Urteilen wir lieber nicht nach dem Aussehen, sondern nach dem Inhalt.


>Die Aktualität der Meldungen im Internet oder: Kann das Internet Aktualität vermitteln?
3. April 2013 von Heiner Wittmann
Beim gestrigen Themenabend von ARTE wurde über Google und sein Buchprojekt berichtet. Es ging immer wieder um das ganze Wissen, das eingescannt werden soll. Als ob das Wissen der Welt lediglich in Büchern sei! Was ist mit den Archiven in allen Orten von allen Institutionen aus allen Zeiten. Da stecken die Informationen, von denen durch Bücher erst ein kleiner Prozentsatz gehoben ist.

Bei diesen Statements über die Qualität des Internets klingt auch immer die Vorstellung mit, im Internet könne alles gefunden werden. Weiterlesen…


Lanier, so hat Schmiechen ihn verstanden, “ warnt er vor den Gefahren einer neuen „Bewusstseinsindustrie“, die die Schöpfung „zerlegen, berechnen und programmieren“ wird.“ Das stimmt, das macht Lanier mit Nachdruck. Schmichen wendet sich an die Wissenschaftler und fragt sie, was sie zu so einem Aufruf sagen? das Wort „Wissenschaftler“ soll dem folgenden Satz wahr machen. „Mit Zerlegen, Berechnen und Optimieren hat die Menschheit bis heute ziemlich gute Erfahrung gemacht. Das ist das bewährte Instrumentarium der Aufklärung – und trotz einiger Rückschläge ein Erfolgsmodell.“ O je, jetzt geht alles durcheinander. Die Epoche der Aufklärung wird in die Nähe der digitalen Welt gerückt, um deren Gefahren es hier geht.

„Er (i. E. Lanier, H.W.) ärgert sich vor allem über Netzgiganten wie Google, Amazon und Facebook, die mit unseren persönlichen Daten sehr viel Geld verdienen, weil sie in der Lage sind, passgenaue und reichweitenstarke Werbung zu schalten. „Wir leben in gruseligen Zeiten“, sagt Lanier. Weil sich das Geld in den Händen weniger Milliardäre konzentriert.“ Recht hat, bei jedem Wort, dass von mir in Facebook oder Twitter erscheint, oder jedes Foto von mir das Google unrechtmäßig in seiner Bildersuche anzeigt, wundere ich mich immer wieder, daß ich dafür nicht anständig honoriert werde. Lesen wir weiter? Schmiechen stellt fest: „Seine Forderung nach mehr Menschlichkeit und Liebe zur Schöpfung bekommt an dieser Stelle eine leichte Schlagseite. Geht es ihm eigentlich um gerechtere Verteilung von Kapital?“ Nein, Herr Schmiechen, darum geht es nicht oder nur ganz am Rande. Es geht um den Anspruch, den Autoren geistiger Inhalte haben, wenn ihre Werke veröffentlicht werden. Sicher mein Honorar auf diesem Blog ist u. a. Die Aufmerksamkeit mit der ich bei der Lektüre der Artikel auf diesem Blog rechnen darf. Und vielleicht verlinkt jemand meinen Artikel… Bezahlen wird er dafür nicht, – sollte er nach Lanier – aber er gibt mir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, in dem er diesen Artikel mit anderen teilt.



> Lesebericht: William Gibson, Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack
6. Mai 2013 von Heiner Wittmann

William Gibson > Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack. Gedanken über die Zukunft als Gegenwart hat hier einer Auswahl seiner Texte eine Phänomenologie der digitalen Welt , die uns heute umgibt, vorgelegt. Er lädt zu einem sachgerechten Umgang mit den Medien ein. Er lässt durchblicken, dass er von ihren Möglichkeiten durchaus fasziniert ist, aber er hat sich auch einen vernünftigen Abstand zu ihnen bewahrt. …

William Gibson schreibt über Literatur, Musik, Mode, Film, die japanische Kultur und berichtet aus der digitalen Zukunft vieles, was sich bei uns schon längst bemerkbar macht. … Weiterlesen

Mit der > Stichwortsuche „Internet“ auf diesem Blog finden Sie ca. 35 Artikel, in denen das Wort Internet vorkommt.


Honorare: Würde jeder Leser 20 Cent für jeden gelesenen Artikel auf diesem Blog entrichten, könnte ich ab morgen jemanden dafür honorieren, für die Tippfehlerfreiheit auf diesem Blog geradezustehen, und ich hätte eine Lösung für das Problem der Reisekosten, die für diesen Blog entstehen.

„Wir sind heute trotz der etwas unbeholfenen Algorithmen, die uns mehr oder weniger sinnvoll Produkte vorschlagen, trotz Facebook, das unsere Einträge sortiert, viel freier in unseren Kauf- und Informationsentscheidungen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte.,“ jubelt Schmiechen ganz zu Unrecht. Jede Website einer Zeitung raubt uns durch das Übermaß an Werbung die Konzentration auf die Fakten dessen, was uns interessiert. So schnell und leicht kann geklickt und gekauft werden! Wieviel Prozent der Online-Einkäufe entsprechen einem vorformulierten Kaufwunsch?

F. Schmiechen wirft alles durcheinander: Er schreibt: „Lanier spricht vom „Ende der Freiheit“. Das Gegenteil ist der Fall. Wir erleben gerade den Anfang einer neuen Freiheit. Es ist sinnlos, an Berufen und Branchen festzuhalten, die durch Computer überflüssig werden.“ Nein, wir erleben eben keine neue Freiheit, sondern die Knechtschaft des Zwangs zum Verschenken, die Weigerung der der Surfer für die Nutzung von geistigen Inhalten zu bezahlen. Das ist der Punkt. Open-Source gaukelt vor, alles sei kostenlos.


Digital und kostenlos? Open Access
2. Mai 2009 von Heiner Wittmann

Noch immer lese ich in Peter Kaedings Buch > Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik, wie Cotta mit seiner Tätigkeit als Verleger zwischen Lesern und Autoren vermittelt und ganz ohne Internet deren Werke bekannt macht. Man muss schon eine starke Überzeugung von den Wohltaten des Internets haben, um Cottas Wissen und Erfahrungen unterschätzen zu können. Und mitten in dieser Lektüre über den Verleger von Goethe und Schiller taucht der > Heidelberger Appell auf, in dem Roland Reuß die Beibehaltung der Publikationsfreiheit anmahnt. In diesem Zusammenhang wurde auch Open Access erwähnt… Weiterlesen

> Das Urheberrecht ist im öffentlichen Raum – 22. Juli 2009 von Heiner Wittmann


Jean-Paul Sartre oder Albert Camus ihn in ihren Werken bezüglich der Kunst und der Freiheit ausgedrückt und gefordert haben. Aber die digitale Welt mit ihren Möglichkeiten als neuen Humanismus zu feiern? Er wird durch die digitalen Perspektiven nicht mächtiger, er hat als Idee mit ihnen vielleicht gar nichts zu tun. > Schreiben Sie mit der Hand oder der Tastatur? Sicher es gibt unglaubliche Segnungen und Fortschritt aller Art durch die digitale Technik. Aber auch mit den Weiten des Internets und einem Laptop kann kein Student eine Arbeit über Albert Camus oder Jean-Paul Sartre schreiben, wenn er seine Nase nicht in Bücher steckt und den Gang in die Bibliothek scheut. Das gilt so ziemlich für alle geisteswissenschaftlichen und viele naturwissenschaftliche Themen. F. Schmiechen schreibt: „Zur liebenswerten Schöpfung gehören übrigens auch Computer, Smartphones und die sozialen Netzwerke, in denen Millionen Menschen täglich unterwegs sind. Und zu all den Geräten und digitalen Anwendungen, die uns umgeben, gehört immer noch ein Mensch, der sie benutzt und Schlüsse aus den Daten zieht.“ Er zieht nur Schlüsse aus den im Netz vorhandenen Daten, die immer noch nur einen winzigen Bruchteil von den mengen an Informationen abbilden, die in Bibliotheken und Archiven ruhen. Kein Historiker wird für noch sehr lange Zeit ein Buch nur mit Hilfe des Internets schreiben können.

Grundsatzkritik: Lanier schreibt auch: „Warum ist die Idee des freien Informationsaustauschs gescheitert? Weil sie die Natur der Informationstechnologie ignorierte.“ S. 20 – Ich beschäftige mich mit dem Problem, dass die Art und Weise , wie wir wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten digitalisieren, letztendlich zu einer schrumpfenden Wirtschaft und einer neuartigen Konzentration von Macht und Reichtum führt, die nicht nachhaltig ist.“ S. 86

„Die Menschheit kann mit Hilfe von Computern und Internet viel mehr sein – viel freier, kreativer und gerechter, als es sich Jaron Lanier vorstellen kann,“ behauptet Frank Schmiechen. Ob der Siegeszug der Computertechnik die Freiheit und die Kreativität der Menschen befördern können, das muss erst noch nachgewiesen werden. Mehr Gerechtigkeit durch den Computer? Wie soll das funktionieren?

Klar, mit Hilfe des Internets kann ich meine Blogs schreiben und der PC hilft mir beim Formatieren der Druckunterlegen meiner Bücher. Ganz ohne Zweifel ist die weltweite Kommunikation in Echtzeit ein toller Fortschritt. Aber bin ich dadurch freier? Kreativer? Vor der Internetzeit habe ich Fotos gemacht… Im Französischunterricht haben wir uns in der Schule auf lange Texte konzentriert. Hätte ich damals mit dem PC auch soviel gelesen?

Lanier stellt einige Betrachtungsweisen auf den Kopf, und der Ärger von Schmiechen beweist, dass Lanier den Finger dahin gelegt hat, wo le bat blesse: Wir werden durch das Internet unfreier, weil Andere mit unseren Inhalten Geld verdienen, ohne im Traum daran zu denken, uns dafür gerecht zu honorieren. Urheberrecht, gerechte Autorenhonorare, Freiheit der Kunst und des Schreibens, das sind Laniers Themen.

P.S.
Meine Internet- und Medienbegeisterung:


Lesebericht: McLuhan, Fiore, Das Medium ist die Massage -17. Juni 2011 von Heiner Wittmann

Ungefähr ab der Mitte des letzten Jahrhunderts haben die neuen elektronischen Medien die Schrift mit ihrer Leitfunktion bei der Übermittlung von Botschaften und Inhalten abgelöst, will man Marshall McLuhan und der Einleitung von Regine Buschauer in das Werk von McLuhan (> NZZ, 19. Januar 2001) Glauben schenken. In Bezug auf die elektronischen Medien ist das sicher richtig, aber Fotos und Bilder, Gemälde aller Art haben schon viel früher der Schrift ihren Rang streitig gemacht. Beschränken wir uns aber tatsächlich auf die elektronischen Medien, dann stimmt die Beobachtung von McLuhan, und Klett-Cotta hat eine gute Idee gehabt, sein Buch > The Medium ist the Massage (1967/1969) auf deutsch zu veröffentlichen.

Aber an Warnungen darf es nicht fehlen:

>Lesebericht: Paula Bleckmann, Medienmündig -13. Februar 2012 von Heiner Wittmann
Paula Bleckmann möchte in ihrem Buch > Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen nicht wieder der schon immer viel beschworenen Medienkompetenz das Wort reden, sondern sie hat die Erziehung zur Freiheit und zur Autonomie im Blick. Sich und die Kinder nicht von den Medien vereinnahmen lassen, darum geht es in ihrem Buch, und dazu gehört mehr als nur Know-how für den Umgang mit den Medien. Ihre Botschaft ist eindeutig. “Zu früher Medienkonsum führt in die Abhängigkeit, nicht in die Mündigkeit.” (Klappentext) – Fragen wir doch mal: Woran liegt es eigentlich, dass Schülerinnen und Schüler in erster Linie nur Konsumenten im Internet sind? Web 2.0 bedeutet für sie wie für alle anderen FBler sich nur auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen ohne einen besonderen Erkenntnisgewinn. Also was läuft in der Medienpädagogik schief?…
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DEBATTEN: Die Zukunft des Verlagswesens im Zeitalter der Digitalisierung. Europäische Erfahrungen im Vergleich.

Freitag, 17. Oktober 2014

Mittlerer Sitzungssaal, Rathaus, Marktplatz 1, 70173 Stuttgart
21.10.2014, 19:00 Uhr – 21:00 Uhr

Das digitale Zeitalter stellt die Verlagshäuser vor neue Herausforderungen. Über die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Lesern, Autoren und Verlagen im digitalen Zeitalter ändert, diskutieren Vertreter aus vier europäischen Verlagen: Il Mulino (Bologna), Gallimard (Paris), Covina (Budapest) und Klett-Cotta (Stuttgart).

Eine Veranstaltung des EUNIC-Clusters Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart und dem Klett-Cotta-Verlag Stuttgart.

Moderation: Sebastian Körber (stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Abteilung Medien des Instituts für Auslandsbeziehungen)

Sprache: Dt.
Eintritt: frei

Veranstalter: Kulturinstitut der Republik Ungarn, Istituto italiano di cultura, Institut français Stuttgart, Institut für Auslandsbeziehungen

13. Internationale Bindungskonferenz 2014

Freitag, 17. Oktober 2014

brisch-hoersaal-500

Mit einem Klick vergrößerbar.

Vom 10. bis 12. Oktober 2014 fand in München die renommierte internationale Bindungskonferenz statt, dieses Jahr zum 13. Mal: „Viele Menschen verlieren heute durch Umzug, Migration, Flucht und Vertreibung, Folter, Menschenhandel, besonders mit Frauen und Kindern, ihre Beziehungen zu ihren Bindungspersonen und oftmals auch zu Mitgliedern ihrer erweiterten Familie sowie Freunden; zusätzlich werden sie von ihren sprachlichen und kulturellen Wurzeln isoliert. Zudem erleben sie in neuen Gesellschaften und Kulturen extremen
Stress, Anpassungsdruck, massive Verunsicherung, Isolation, Deprivation und sind aggressiven Anfeindungen, Verfolgung und Bedrohung ausgesetzt. Dadurch werden sie in ihrem Bindungssystem extrem erschüttert und ein Gefühl von Urvertrauen in Schutz durch liebevolle Menschen geht ihnen verloren. Diese Erfahrungen können potentiell traumatisch verarbeitet werden und zu tiefgreifenden Bindungsunsicherheiten führen, mit einem Gefühl von extremer Angst und Panik. Welche Faktoren schützen, welche Rolle spielen neue wichtige Bindungspersonen, wie können neue Beziehungen aufgebaut werden? Was müssen aufnehmende Familien, Partner, Arbeitgeber und Gesellschaften wissen, damit aus einem traumatischen Schicksal der Migration eine neue Ressource für Entwicklung und Bindungssicherheit erwachsen könnte? Welche Therapieformen sind für diese Menschen hilfreich? Führende international renommierte Fachleute und Forscher werden aus ihren Erfahrungen und Studien berichten und uns für die Problematik sensibilisieren, sowie Wege für neue Entwicklungen aufzeigen.“ aus der > Konferenzankündigung

Die Konferenz stand unter dem Motto „Bindung und Migration“, wurde wie immer von > PD Dr. Karl Heinz Brisch organisiert und fand in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität statt. Wie alle vorangegangenen Konferenzen war auch diese mit fast 900 Besuchern ausverkauft. Die Vortragenden kamen diesmal aus Großbritannien, Italien, Australien, dem Senegal, Belgien und aus Deutschland.


2015 steht die Konferenz unter dem Thema > „Bindungstraumatisierungen – Wenn Bindungspersonen zu Tätern werden“.

Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich umgehend anmelden.

Download:> Flyer/Vorankündigung IBK 2015 „Bindungstraumatisierungen“ *.pdf

> www.bindungskonferenz-muenchen.de

> PD Dr. Karl Heinz Brisch

Fotos: Heinz Beyer


brisch-schwangerschaft-geburtKarl Heinz Brisch
> Schwangerschaft und Geburt
Reihe Bindungspsychotherapie – Bindungsbasierte Beratung und Therapie, Band 1
Dieser Band zeigt die Möglichkeiten auf, wie man Eltern auf der Grundlage der Bindungstheorie beratend und psychotherapeutisch zur Seite stehen kann. Er betrachtet die Veränderungen der werdenden Eltern schon ab dem Zeitpunkt der Konzeption, während der gesamten Schwangerschaft sowie in der Zeit während und nach der Geburt. Ausführliche Therapiebeispiele verdeutlichen das Vorgehen und runden diesen Band ab.
1. Aufl. 2013, 207 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94781-6

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Karl Heinz Brisch
> Säuglings- und Kleinkindalter
Reihe Bindungspsychotherapie – Bindungsbasierte Beratung und Therapie, Band 2
Viele therapeutisch relevante Störungsbilder haben ihren Ursprung in der frühen Kindheit. Brisch beschreibt – auf der Grundlage der Bindungstheorie und mit ausführlichen Therapiebeispielen – die Möglichkeiten rechtzeitiger Hilfe und Interventionen schon im Säuglings- und Kleinkindalter.
1. Aufl. 2014, 227 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94824-0

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Karl Heinz Brisch
> Kindergartenalter
Viele therapeutisch relevante Störungsbilder haben ihren Ursprung in der frühen Kindheit. Brisch beschreibt – auf der Grundlage der Bindungstheorie und mit ausführlichen Therapiebeispielen – die Möglichkeiten rechtzeitiger Hilfe und bindungsorientierter Interventionen im Kindergartenalter.
Reihe Bindungspsychotherapie – Bindungsbasierte Beratung und Therapie, Band 3
Erscheinungstermin 28.03.2015
1. Aufl. 2014, ca. 160 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94830-1


Buch_Brisch_Bindungsreihe_alle_250

Die Reihe Bindungspsychotherapie von Karl Heinz Brisch: Das Wissen der Bindungstheorie kann vielfältig für eine bindungsbasierte Beratung und Therapie in allen Altersstufen angewandt werden, wobei sich die Diagnostik und Behandlung je nach Lebensalter der Patienten ganz unterschiedlich gestaltet.
Anhand von vielen Beispielen aus der klinischen Praxis gibt die Reihe eine Einführung in die Grundlagen der Bindungstheorie und die diagnostischen Methoden und Schritte einer bindungsorientierten Beratung und Therapie vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter.


Unser Blogarchiv:

> „>Nicht nur für werdende Mütter auch für die Väter: SAFE – der feinfühlige Umgang mit dem Baby

Karl Heinz Brisch
>
SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern
1. Aufl. 2010
176 Seiten:
ISBN: 978-3-608-94601-7

Vorgefragt: Pierre Lemaître, Wir sehen uns dort oben

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Die Freunde Albert und Édouard kommen wegen des machtbesessenen Offiziers Pradelle in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs beinahe noch ums Leben. In letzter Sekunde bewahrt Édouard Albert vor dem Tod. Albert fühlt sich seinem Retter verpflichtet Er erfüllt ihm seinen größten Wunsch und verschafft seinem Freund eine falsche Identität. Pradelle durchschaut den Betrug und deckt sie, um sein hinterhältiges Manöver zu vertuschen. Die verfeindeten Männer werden zu Komplizen. Pierre Lemaître entwirft ein Panorama einer Gesellschaft, in der ständig Ruhm und Ehre gesprochen wird und wo zugleich Profitgier und krumme Geschäfte vorherrschen.

Der Lesebericht folgt hier nach dem 25. Oktober, der Tag an dem dieser Roman, für den Pierre Lemaître den Prix Goncourt erhalten hat, bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Antje Peter erscheinen wird.

Auf der Buchmesse 2014 hatten wir Gelegenheit, Pierre Lemaître nach seinem Buch zu befragen. Wir haben auch über die Gedenkfeierlichkeiten besprochen. Lemaître bedauert, dass die Europäische Union daraus kein Projekt für das Europe unitaire hat machen können:

Pierre Lemaitre
> Wir sehen uns dort oben
Roman, aus dem Französischen von Antje Peter (Orig.: Au revoir là-haut)
1. Aufl. 2014, 521 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98016-5
Erscheinungstermin 25.10.2014:

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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