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Archiv für Mai 2015

Lesebericht: Jón Gnarr, Indianer und Pirat. Kindheit eines begabten Störenfrieds

Donnerstag, 28. Mai 2015

gnarr-indianer-piratJón hat es seinen Eltern und seinen Lehrern nicht gerade leicht gemacht. Seine Jugendbiographie > Indianer und Pirat. Kindheit eines begabten Störenfrieds, die jetzt bei TROPEN in der Übersetzung von von Tina Flecken und Betty Wahl erschienen ist, zeigt, dass Jón sich schon immer das Recht rausgenommen hat, sich nur dafür zu interessieren, was ihm gefiel. Da hatten eben viele Lehrer keine Chance zu dem Jungen durchzudringen.

Im Juni 2015: > Jón Gnarr auf Lesereise nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz

Beim Psychater musste Jón sich vorstellen, weil seine Umgebung auch mit ihrem Latein am ende war. (Dabei fällt uns ein: > ADHS?) Seine Eltern werden über er die Jahre immer ratloser und total überfordert, und dann wird Jón auch noch Punk und heftet bei der Kommunionsfahrt auch noch ein große A an die Stubentür. Antichrist denkt sich der Religionslehrer und schmeißt den Jungen achtkantig raus. Wie kommt es zu seiner Aufmüpfigkeit? Ist der Junge einfach nur unterfordert? Wird Ihm sein Spaß am Wörterbauen und -verdrehen übelgenommen? Werden seine überbordenden Ideen einfach nicht richtig kanalisiert? Wegen Überforderung der Lehrer gerät er immer wieder in Gefahr bestraft zu werden. Wie nennt man Schmetterlinge vor der Verpuppung? Die ganze Klasse weiß es nicht. Jón: Planierraupen. Seine Lehrerin lacht. Sie spielt das Spiel mit, sie wird er nicht ärgern. Die Urlaube mit den Innereien zum Essen sind eine Qual. Eine Brille verschafft ihm Erleichterung: Die Welt taucht aus ihrer schemenhaften Existenz auf. Tanzunterricht? Noch zu früh? Das Theater bringt ihm die Erleuchtung. Wie gebannt beobachtet der das Stück Das Genie und schmiedet sich seinen Lebensentwurf. Als er seinem Religionslehrer die Darwinsche Abstammungslehre erklären wollte, war wieder mal ein Lehrer gnarr-indianer-piratüberfordert und Jóns Schulkarriere endgültig zu Ende. Nach sieben Jahre war Schluss mit der Schule. Das Zeugnis und die Schulbücher auf dem Schulhof verbrennen… „We need no education… Teachers, leave them kids alone“, skandiert Jón Kári, dem wütenden Schulrektor, entgegen. „Willst DU überhaupt was werden?“ will seine Mutter wissen Nichts Besonderes,“ antwortet Jón, der zum Punk mutiert: Jugendzentrum und eine Band mitgründen: Nefrennsli „Die Laufnasen“ sind die weiteren Stationen. Nefrennsli fällt irgndwann wegen zu starken Lampenfiebers aus.

Null Toleranz um ihn herum, nur bei den Jugendlichen und den Busfahrer vom Busbahnhof Hlemmur, mit dem er stundenlang mitfährt und viel fürs Leben lernt. Die Ounks gründen dort ihren Stützpunkt und wenn die Polizei sie mal wieder kassiert und Schulschwänzen vermutet, erklären ihnen die Punks, jetzt würden sie wirklich zu spät kommen…. Irgendwie kriegt Jón auch Ideale mit, die zum Teil weinen Widerstand formen. Keine Gewalt – so toll war die Sache mit Biggi, dem sie aufgelauert hatten, um ihn zu vermöbeln und sein Fahrrad anzuzünden ja nun wirklich nciht – und nicht alles so ernstnehmen. Wie schon angedeutet: Unterforderung der Schüler und Überforderung der Lehrer ist immer ein Zeichen für Unstimmigkeiten, für die Schüler aber nicht gleich bestraft werden dürfen. Jón Gnarr ist auch > ohne Schulabschluss kann man auf dem Bürgermeistersessel einer Hauptstadt gelandet. Irgendwie war Jón immer ein Außenseiter. Sein Rotschopf ließ ihn immer suspekt erscheinen.

Lesebericht >

> „Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!ist einer der Sätze, die der Bürgermeister von Reykjavík Jón Gnarr von seinem Deutschunterricht übrigbehalten hat. Sein Untertitel Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte beschreibt seine Amtszeit als Bürgermeister, die er nach dem überraschenden Sieg der Besten Partei 2010 antrat.“ > Weiterlesen.

gnarr-indianer-pirat

Jón Gnarr
> Indianer und Pirat
Kindheit eines begabten Störenfrieds
Aus dem Isländischen
von Tina Flecken
und Betty Wahl (Orig.: Indjáninn)
1. Aufl. 2015, ca. 220 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50141-4

Jón Gnarr auf Lesereise nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz

Mittwoch, 27. Mai 2015

gnarr-indianer-pirat

Im ersten Teil seiner Autobiographie erzählt Jón Gnarr seine Kindheit im Ausnahmezustand: seine Probleme mit dem Schulsystem, (>ADHS?) das schwierige Verhältnis zu seinen total überforderten Eltern und dann die aufkeimende Liebe für die Ideen des Anarchismus. Kein Wunder, Jón eckt überall an und macht sich viele Feinde. Aber der Störenfried entdeckt bei den Kämpfen gegen eine wenig tolerante Mitwelt auch die Ideale, für die er später als Politiker kämpfen wird: Gewaltlosigkeit und vor allem ein Grundsatz: die Dinge nicht so ernst zu nehmen. Mit viel Herzenswärme und beeindruckender Offenheit erzählt Jón Gnarr von seiner schwierigen Kindheit und macht damit Eltern und Jugendlichen Mut. Denn auch ohne Schulabschluss kann man auf dem Bürgermeistersessel einer Hauptstadt landen.

> Jón Gnarr Autor auf Facebook

Für den Wahlkampf zur Kommunalwahl drehte seine Partei »Besti flokkurinn« diesen Spot

und errang die meisten Stimmen. Jón Gnarr 1967 in Reykjavík (Island) als Sohn eines Polizeibeamten geboren wurde daraufhin Oberbürgermeister bis 2014. gnarr-buergermeisterKann man Politik mit Jón Gnarr neu lernen? Nicht alles so ernst nehmen?

<<<< Lesebericht

Ein Künstler, Komiker, Anarchist – und Bürgermeister einer europäischen Hauptstadt.In seiner Streitschrift beschreibt er seinen Weg vom selbsternannten Anarcho und den Aufstieg seiner Partei »Besti flokkurinn«, die ihn von Juni 2010 bis zum 17. Juni 2014 in das Rathaus von Reykjavík brachte:

2011: > http://bestiflokkurinn.is/

Dort beobachtete er aufmerksam alle Niederungen des kommunalpolitischen Alltags. Und dabei können seine Leser füs Leben etwas lernen: Hören Sie gut zu und schärfen Sie ihr politisches Bewusstsein!

Trailer for the film „GNARR“:

Jón Gnarr auf Lesereise

Donnerstag, 4.6.2015, 19 Uhr
Bunkerei Augarten Wien
Obere Augartenstraße 1a, 1020 Wien
Moderation: Rainer Krispel
Eine Kooperation des Aktionsradius Wien mit der Bunkerei Augarten
Anmeldungen erwünscht: Tel. 332 26 94, office@aktionsradius.at
www.aktionsradius.at, www.bunkerei.at

Dienstag, 9.6.2015, 19.30 Uhr
Literaturhaus Zürich
Limmatquai 62, 8001 Zürich
Moderation: Ursula Giger
Deutsche Lesung: Dagny Giuolami
In Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Skandinavische Studien.
www.literaturhaus.ch

Mittwoch, 10.6.2015, 20 Uhr
Kulturzentrum Merlin Stuttgart
Augustenstraße 72, 70178 Stuttgart
Moderation: Oliver Maria Schmitt
Deutsche Lesung: Frank Streichfuss
www.merlinstuttgart.de

Donnerstag 11.6.2015, 19.30 Uhr
Haus des Buches, Literaturhaus Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig
Moderation: Hartmut Mittelstädt
Deutsche Lesung: N.N.
www.haus-des-buches-leipzig.de

gnarr-indianer-pirat

Jón Gnarr
> Indianer und Pirat
Kindheit eines begabten Störenfrieds
Aus dem Isländischen
von Tina Flecken
und Betty Wahl (Orig.: Indjáninn)
1. Aufl. 2015, ca. 220 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50141-4

gnarr-buergermeister

Jón Gnarr
> Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! > Lesebericht
Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte
Aus dem Isländischen von Betty Wahl
6. Aufl. 2015, 175 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50322-7

Konfliktdynamik 2/2015

Dienstag, 26. Mai 2015

konfliktdynamik-2-2015Konflikte tauchen immer auf und sind manchmal ganz normale Vorstufen zur Einleitung von Veränderungsprozessen, wenn die Verantwortlichen und die Betroffenen damit bewusst umgehen und unnötige Eskalationen vermeiden. Thema dieser Ausgabe der konfliktdynamik ist „Unternehmensberatung und systemisches Konfliktmanagement“. Hier wird besonders das Spannungsverhältnis zwischen betriebswirtschaftlichen Strategiekonzepten und sozialwissenschaftlichen Ansätzen der Konfliktbewältigung untersucht. Markus Troja und Martina Scheinecker stellen das Thema vor: „Klassische Unternehmensberatung und systemische Beratung – zwei Welten im Konfliktmanagement“: Sie ermutigen dazu, eine Kombination der Stärken beider Zugänge (S. 93) zu verfolgen. Dieter Haselbach und Frank Kuhn: „Die Sache mit den Risiken“, vertiefen das Thema und konzentrieren sich auf die Risiken der Strategieprozesse und zeigen die unterschiedlichen der Strategieberater/innen und Konfliktberater/innen. Sie ermutigen zu einer Strategieberatung, die sich den Risiken stellt und messbare Erfolge im Blick behält. Reinhard Nagel und Hellmut Sander vertreten die systemische Strategieberatung. Sie stellen typische Konfliktfelder eines Strategieprozesses vor. Die Synchronisierung von „Sache“, „Zeit“ und „Soziales“ eröffnet einen Zugang zum „Dritten Modus der Organisationsberatung“ (nach R. Wimmer u.a) (S. 94) Iris Wenck, „Von Besserwissern und Selbstorganisationsoptimisten“: berichtet in einem Interview von ihren Erfahrungen als Unternehmensberaterin bei McKinsey.

Die Beiträge dieses Heftes sensibilisieren dazu, schon die Anzeichen für entstehende Konflikte besser zu erkennen und zu bewerten. Und sie bieten Entscheidungsgrundlage für Lösungsansätze. Die Rubriken Aus Praxis und Forschung u.a. mit den Aufsätzen von Heiner Krabbe „Meditation bei hochstrittigen Arbeitskonflikten, von Hermut Kormann, „Konflikte im Geschäftsführerkollegium“ ergänzen das Thema dieses Heftes. Die Rubriken Interview „Es geht immer um Entscheidung!“ Systemtheoretische Anregungen zum Verständnis von Konflikten. Rudi Ballreich im Gespräch mit Fritz B. Simon und die Rezensionen kommentieren den Stand der Forschung.

Auf S. 90 steht der Call for Papers für die konfliktdynamik:
Ausgabe 4/2015: Vergleich von verschiedene Meditationsansätzen
Ausgabe 1/2016: Paradoxien, Dilemmata und Unlösbarkeiten
Ausgabe 2/2016: Normierungen im betrieblichen Konfliktmanagment
Ausgabe 3/2016: Emotionen in Konflikten
Ausgabe 4/2016: Meditationskompetenz für BeraterInnen
Ausgabe 1/2017: Schieds- und Meditationsverfahren im Spannungsfeld von Vertraulichkeit und Rechtsstaat
Ausgabe 2/2017: Bewusstheit/Ausbildung/Selbsterfahrung für KonfliktberatInnen

> konfliktdynamik

Lesebericht: Jón Gnarr, Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!

Dienstag, 12. Mai 2015

gnarr-buergermeister

Der Titel dieses bei TROPEN > Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! ist einer der Sätze, die der Bürgermeister von Reykjavík Jón Gnarr von seinem Deutschunterricht übrigbehalten hat. Sein Untertitel Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte beschreibt seine Amtszeit als Bürgermeister, die er nach dem überraschenden Sieg der Besten Partei 2010 antrat. Bis 2014 hatte er dieses Amt inne und einen neuen für die Isländer ganz ungewohnten Politikstil geprägt.

Auf der Homepage der Besten Partei hatte er 2010 im Wahlkampf sein politisches Credo vorgestellt: „Die Autoritäten haben versäumt, in puncto Zukunftsplanung einen klaren Kurs einzuschlagen, mit dem alle leben können. Im Grunde genommen scheren sie sich keinen Deut um die Zukunft, weil sie sie nämlich für völlig irrelevant halten.“ (S. 8 f) Vergleicht man Parteiprogramme anderer Länder untereinander, so kann oft gar nicht sagen, aus welchem Jahr ein Programm stammt, uzu ähnlich sind sich die Programme über die Jahre, und beim genaueren Hinsehen, findet man wenig über die Zukunft, kaum eine unserer Parteien verrät uns, wo die Reise hingehen soll. Wunderbar die Argumentation von Jón Gnarr: „Keine andere Partei betrachtet diesen programmatischen Blick in die Zukunft als einen ihrer Werte. Wir schon! Wir könnten durchaus einer rosigen Zukunft entgegensehen – vorausgesetzt, dass die Leute uns wählen.“ (S. 9) Die Sorge, die Eu werde uns mit Haut und Haar verschlingen, das Taumeln zwischen Wirtschaftsliberalismus und staatlicher Gängelung… Und dann wieder so ein klasse Satz „Wir haben eine Verabredung mit der Zukunft…“ (S. 10) Kostenlose Busse und Schwimmbäder und Geld holt man einfach bei der Bank ab. Kostenlos. Langsam gehen seine Wahlversprechen in Stuss über. Alles umsonst. Rosige Zukunft? „Dann mach dein Kreuz bei der Besten Partei.“ (ib.) Stuss gibt es auch bei unseren Parteien, überhaupt, fragt man sich bei der Lektüre dieses Buches immer wieder, nur in Island möglich?

Jón Gnarr hat ein einfaches und überzeugendes Menschenbild. Es gibt die Geber und die Nehmer: „Geben ist seliger als Nehmen. (S. 56) Wobei die Geber immer grundsätzlich mehr haben auch wenn sie den raffsüchtigen Nehmern etwas schenken. Anarchist nennt Gnarr sich. Keine Regeln? Nein, er will eine positive Einmischung in die Demokratie, die Menschen zum Mitmachen auffordern, deshalb ist Facebook als Tummelplatz vieler seiner Identitäten für ihn so wichtig. Ohne dass man sie von außen erkennen kann, weiß man doch, dass Gnarr dort ständig übt: Rede und Gegenrede. (s. S. 129 f.)

Ein weiterer Grundsatz. Lösungen statt Probleme.

Kurze Sozialkunde über Island: S. 16-22. Im Hotpot und dann beim Duschen sind alle gleich(nackt). Und positives Denken ist angesagt.

Als Kind sei er eine „wandelnde Provokation gewesen“, das „schwarze Schaf der Familie“. Gnarr sieht das völlig anders: „Ich war eine frühreifes Kind in einer festgefahrenen Welt.“ (S. 25) Und an die Schulzeit hat er schlechte Erinnerungen: „In der Schule wird kreatives Denken schon im Keim erstickt“ (s. 47)

Er wurde Komödiant und feilte an seinen Rollen. Und so rutschte er in die Politik. Er dachte sich eine Rolle aus, die aus dem Spaß in den Ernst überging. Die Finanzkrise, die ihn indirekt die Stelle kostetet, war ein Auslöser für seinen Entschluss. Aus einem Sketch heraus um die Allerbesten entstand die Beste Partei. Sein Grundastz: „We can’t leave democracy to the politicians.“(S. 55)

Die ersten Umfrageergebnisse machen noch nicht das eine % voll. Facebook, YouTube, Blogspot, einige Vorschläge, Disneyland in Reykjavik eröffnen, kostenlose Handtücher für Gratis-Schwimmbäder, eine Websie und Gnarr fand sich zur Überraschung aller auf dem Sessel des Bürgermeisters wieder.

Von den Grundsätzen seiner Partei 2010 (S. 75 ff.) können manche anderen Parteien schnell etwas lernen, bevor es für sie zu spät ist: !. Privathaushalte und Schutz der Familie, denn sie haben nur das beste verdient.“ „5. Mehr Transparenz! Wie finden es wichtig, dass Politik immer mit offenen Karten spielen, damit die Bürger wissen, was Sache ist. Und wir versprechen, das in unserer Partei auch konkret umzusetzen.“ Hm: 7. Schuldenerlass für alle.“ „12. Absolute Gleichstellung der Geschlechter“ Jetzt fehlt hier noch eine Liste all der Themen der Besten Partei, die bei uns immer noch in der gutgemeinten Fürsorge von Väterchen Staat angesiedelt sind.

Und dann folgt der Bericht über die Hälfte der ersten Amtszeit als Bürgermeister. Über die Häme, die Angriffe, die Ausfälle, die Beschimpfungen der Opposition, bis zu den tätlichen Angriffen auf der Straße, und dann erzählt Gnarr, wie er in der Ratsversammlung seinen Kritikern geschickt gegenübertritt. Ach ja, noch was: „Nachhaltige Transparenz“ (S. 109) gehört zu seinen Grundsätzen: S. 109-112.

Lesen Sie dieses Buch. Und dann schauen Sie in eine unserer Tageszeitungen. Dann hätten wir wohl einige Änderungsvorschläge für unsere Politik, auch im Bund. Wörter wie „Fraktionszwang“ oder gar „sicherer Listenplatz“ passen nicht zu Gnarrs Transparenz.

> Hier stehen Infos zu seiner > Lesereise, auf der er mit seinem nächsten Buch > Indianer und Pirat. Kindheit eines begabten Störenfrieds. Aus dem Isländischen von Tina Flecken und Betty Wahl (Orig.: Indjáninn) 1. Aufl. 2015 im Frühsommer 2015 in Deutschland und Österreich unterwegs ist.

> Better Reykjavík – Connects citizens to city hall

> https://betrireykjavik.is/

gnarr-buergermeister

Jón Gnarr
> Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!
Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte
Aus dem Isländischen von Betty Wahl
6. Aufl. 2015, 175 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50322-7

Lesebericht: Richard Saul: Die ADHS Lüge. Eine Fehldiagnose und ihre Folgen

Montag, 11. Mai 2015

saul-adhs-luegeAuf der Website > ADHS? – Website des ADHS Infoportal des zentralen adhs-netzes steht „Die Kernprobleme (die Mediziner sagen dazu: Symptome) sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Jeder Mensch kann mehr oder weniger unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv sein. Erst ab einem bestimmten Grad der Auffälligkeit, spricht man von einer Störung. Dabei sind die Grenzen zur sogenannten „Normalität“ nicht genau zu ziehen.“ Und es gibt auch > ADHS für Erwachsene. Die > Apotheken-Rundschau erinnert daran, dass der Apotheker das „ADHS-Medikament Methylphenidat“ (ib.) bereithält. Die Apotheke hat lt. dieser Apotheken-RUndschau noch mehr: „Auch der Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin hat in Studien Wirksamkeit auf die Symptome von ADHS gezeigt und ist seit 2013 in Deutschland auch für Erwachsene zugelassen. Alle Patienten, die mit diesen Arzneistoffen behandelt werden, müssen – wie bei anderen medikamentösen Behandlungen auch – sorgfältig auf Verhaltensänderungen hin beobachtet werden.“ (ib.)

Wikipedia fängt im Artkiel zu > ADHS mit Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter (1845) an, um dann u. a. mit Sigmund Freunds „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ (1901) fortzufahren. 2004 soll es schon, so die Wkipedia rund 19.000 Arebtien weltweit zu ADHS vorliegen. Da muss ja was dran sein. Nun muss zum Kapitel > Kontroversen um ADHS ein weiterer Titel hinzugefügt werden: Richard Saul > Die ADHS-Lüge. Eine Fehldiagnose und ihre Folgen – Wie wir den Betroffenen helfen hat eine ganz andere Definition: ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssymptome gibt es nicht! (S. 19-23) In den USA sollen 11% der Kinder die Diagnose ADHS, zwei Drittel von ihnen erhalten Ritalin gegen eine Krankheit, die es gar nicht gibt. Außerdem werden diese Kinder und auch 4 % der Erwachsenen falsch behandelt. 18 Symptome kennen Ärzte aus dem Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (Saul S. 27). Werden fünf erkannt, soll/hat das Kind ADHS /haben. Saul bezeichnet dieses Vorgehen schlicht als skandalös, zumal die Diagnose die Verschreibung von Präparaten wie Ritalin bewirkt.

Diagnose und Behandlung von ADHS hält Saul beides gleichermaßen schlichtweg für falsch. Diagnose für etwas, was es nicht gibt, folglich macht für ihn auch die Behandlung keinen Sinn. Müssen Eltern nicht stutzig werden, wenn ihnen gesagt wird, ihr Kind habe ADHS, Probleme mit der Aufmerksamkeit und auch Probleme mit seiner Aktivität, wo von es zu viel haben soll? Es ist so bequem, ein Etikett zu vergeben. ADHS: Kapitel 2. Ein einfache Antwort: Die Gesellschaft ist schuld. Der Vorwurf lautet: Lehrer und Eltern hätten weniger Zeit als je zuvor, und bei schlechten oder störenden Schülern fiele ihnen ADHS ein. (S. 39) Saul streitet gar nicht ab, dass es die Symptome und Beobachtungen führen, die mit ADHS umschrieben werden, nur die Bezeichnung ADHS ist falsch. Seine Ansicht nach erfordern diese Symptome andere Maßnahmen und vor allem keine Aufputschmittel oder Stimulanzien jeder Art: Kapitel 3. Saul warnt vor dem Missbrauch der Stimulanzien mit allen Folgen der Abhängigkeit.

saul-adhs-luege Der Klappentext bringt es auf den Punkt >>>>>

Kapitel 4 mit einem Überblick über die Störungen hinter den ADHS-Symptomen stellt eine Liste der Symptome vor, die in den folgenden Kapiteln vorgestellt werden. Für Sehstörungen, Schlafstörungen und chronischer Substanzmissbrauch sind für alle sich zu behandeln, ohne in den Zusammenhang mit ADHS zu geraten. Folgt man Saul werden Symptome anderer Art wie Affektive Störungen (bipolare Störung und Major Depression) (Kapitel 8) nicht erkannt, wenn sie als Teil von oder als ADHS behandelt werden.

Hörproblem sind wie Sehstörungen zu behandeln. Lernstörungen (Kapitel 10) wie Dyslexie (Legasthenie) haben spezielle Ursachen und dürfen nicht einfach unter einem vermutlichen Krankheitsbild ADHS abgelegt werden. In diese Kategorie gehört auch eine Sensorische Verarbeitungsstörung (Kapitel 11), die unerkannt und unbehandelt bleibt, wird sie unter ADHS subsumiert.

Jetzt wird es richtig ernst: Hochbegabung. Kapitel 12. Eine Fehldeutung als ADHS zieht schweres Unrecht für das Kind nach. Es folgen eine Reihe von Symptomen, die zum Aufgabenfeld der Psychologen gehören. wie Kapitel 13. Anfallsleiden. Es sei, so Saul, schwer feststellbar und in Gefahr als ADHS aufgefasst zu werden. Das gilt auch für Zwangsstörungen (Kapitel 14). Probleme bei sozialen Kontakten wie das Asperger Syndrom (Kapitel 16) werden auch leicht unter die ADHS-Syptome eingereiht.

Treten die von Saul genannten Symptome und werden sie als ADHS bezeichnet, sollten die betroffenen Personen vorzugsweise ihre Stresssituation überprüfen. Veränderungen des alltäglichen Lebens empfiehlt er als die beste „Therapie“ (S. 291 f).

saul-adhs-luegeDie Diagnose ADHS scheint verführerisch zu sein, weil sie, folgt man Saul, einen Gesamtzusammenhang vorgaukelt, den es nicht gibt, wenigstens nicht als Rechtfertigung für die windige Diagnose ADHS.

Richard Saul
> Die ADHS-Lüge
Eine Fehldiagnose und ihre Folgen – Wie wir den Betroffenen helfen.
Aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs (Orig.: ADHD does not exist)
1. Aufl. 2015, 317 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98046-2


Hans Hopf
> Die Psychoanalyse des Jungen
1. Aufl. 2014, 404 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94775-5

> Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen

In unserem > Lesebericht, Hans Hopf, Die Psychoanalyse des Jungen stand:“ Was als ADHS daherkam waren “altbekannte soziale Störungen” (S. 13), allerdings waren “immer häufiger massive Probleme mit der Beherrschung ihrer Affekte zu beobachten” (ib.). Das DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) beschreibe zwar die Symptome, aber die Ursachen wurden vergessen, vernachlässigt oder übersehen, unterbewertet mit allen Folgen für die Behandlung. Hopf will diesen Jungen die Seele zurückgeben, sie sollen wieder ihre männliche Identität entwickeln können, und ihre Eltern und Erzieher müssen wieder lernen, “die psychischen Ursachen von Aggression und Affektregulierung” zu verstehen. Störanfälligkeit der Jungen, so Hopf, darf nicht länger mit der Verschreibung von Methylphenidat (s. auch S. 28) beantwortet werden. (S. 14″

Lesebericht: Psyche 5-2015

Freitag, 8. Mai 2015

psyche-5-2015In der Mai-Ausgabe der > PSYCHE. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, Heft 5/2015 wird über den 49. IPV-Kongress, Boston 2015. „Die Welt im Wandel. Form und Nutzen der Psychoanalyse heute“ berichtet. Alessandra Lemma hat dort den Hauptvortrag gehalten: „Psychoanalyse in Zeiten der technologischen Kultur. Überlegungen zum Schicksal des Körpers im virtuellen Raum“. Sie weist daraufhin, dass die psychoanalytische Literatur bisher nur wenige Untersuchungen

zu den Auswirkungen der neuen Kommunikationsformen via Internet auf die psychische Struktur im analytischen Setting existieren. Es ist kein bloßes Nebeneinanderexistieren virtueller Welten und der realen Welt, denn heute hat dieser Zusammenprall schon ernstzunehmende und fast beängstigende Auswirkungen. Lemmas Absatz „Das Schicksal des Körpers im Cyberspace“ eröffnet die weiten Themenbereiche, die sich hier psychoanalytischen Ansätzen und Fragestellungen bieten, wobei die Verschiebung der Verhältnisses zwischen innerer und äußerer Realität (S. 400) nur ein Aspekt unter vielen ist, aber ein Aspekt mit gravierenden Folgen. Hyperaktivität der Kinder und Schüler, ja sogar Orientierungslosigkeit, keine ausgeprägte Kompetenz, Inhalte im Netz beurteilen zu können sind nur einige wenige Stichworte, die das Ende der Kreidezeit in der Schule mit sich bringt. Dazu: > Französischlernen mit dem Computer (I) – Die Welterfahrung ändert sich und hat schwerwiegende Auswirkungen, wie Lemma dies am Beispiel der „Arbeit des Begehrens“ kurz, prägnant und eindrucksvoll erläutert (S. 401) Wieder wird in diesem Vortrag ein klinischer Fall vorgestellt und interpretiert. Lemma Artikel ist so lesenswert, weil er den Blick für die Gefahren der Ausbildung des Individuums, das immer und überall online ist, so nachhaltig unterstreicht. Wir wissen alle, dass Google uns immer nur eine Minisicht auf die Inhalte des WWW anbietet und sind schon immer ganz froh, dass es nicht mehr ist, obwohl wir es besser wissen. Sehenden Auges rennen wir dauernd in unser Unglück, weil wir im Netz Dinge machen und konsumieren, die uns im normalen Leben nie einfallen würden. Wenn wir den PC in der Schulzeit gehabt hätten! Dann hätten wir die Anzahl unserer Schülerzeitung verdreifachen können. Lemma nennt auch die Illusion interpersonneller Transparenz. Menschen, denen man in den sozialen Netzwerken begegnet, nicht kennenlernt, werden später bei einem Treffen im realen Leben an dem virtuellen Bild gemessen, d. h. Online-Surfer-in-sozialen-Netzwerken verlernen, wie das geht, einen Menschen kennenzulernen.

Noch ein Hauptvortrag: Virginia Ungar referierte über „Der Analytiker und sein Werkzeugkasten. Die Deutung neu erkundet“, die ihre Betrachtungen mit zwei Vignetten illustriert. Besonders Ungars Kapitel über die „Psychoanalytische Deutung gestern und heute“ ist interessant, weil sie so zugleich hier einen historischen Abriss der Psychoanalyse vorstellt.

René Roussillons Hauptvortrag „Zur Einführung in die Arbeit an der primären Symbolisierung“ in Boston wird hier abgedruckt. Er meint, dass die Erweiterung der Kompetenz des psychoanalytischen Hörens auf narzisstische Formen des Leids feinere Instrumente verlangt, um zu einem tieferen Verständnis der frühesten Kindheit zu finden. Roussillon zeigt an einer Vignette, was dieses Verständnis der primäre Formen der Symbolisierung leisten könnte. Ohne die Parallelen hier zu weit zu führen, aber Sartres Analyse der Kindheit von Jean Genet in Saint Genet. Comédien et martyr(1), Paris 1952 (= 1. Band der gesammelten Werke von Jean Genet) (und auch von Gustav Flaubert: L’Idiot de la famille, La vie de Gustave Flaubert de 1821 à 1857, Paris 1/1970/2, 2801 Seiten) mit den Beobachtungen der Störung der Persönlichkeitsentwicklung, der Verbindung von fehlgeleitetem Triebleben und das Abgleiten in das Verbrechen, das Genet selber erlebt und literarisch verarbeitet verlangt, geradezu nach einem Blick auf die Entwicklung der Psychoanalyse nach 1950 und einen Vergleich mit den heutigen Standpunkten der Psychoanalyse. >Sartre, der zwar das Unbewusste einfach ablehnte, weil für ihn ein Bewussteins immer ein Bewusstsein von etwas ist, ist auch der Autor des Drehbuchs zum Film über Sigmund Freund Freud. Le scénario unter der Regie von Jean Houston. Insoweit wusste er, wovon er sprach, wenn er eine Art Anamnese des jungen Jean Genet unternahm. Aufsätze wie der von Roussillon öffnen den Blick auf wichtige Aufgaben der Psychoanalyse.

Es folgt eine Buchessay von Michael B. Buchholz „Non-»positivistische« Empirie der Konversation – wie die Psychoanalyse dabei ist, endlich wieder Beobachtungswissenschaft zu werden“ und Rezensionen.

Wolfgang Mertens, München, berichtet über Hans Hopf: Die Psychoanalyse des Jungen den wir nach unserem > Lesebericht interviewt haben: > Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen. Christian Schneider, Frankfurt/M. hat Helmut Dahmer, (Hg.): Analytische Sozialpsychologie. Texte aus den Jahren 1910–1980 gelesen. Caroline Neubaur, Berlin, rezensiert den Band des Instituts für Kulturanalyse e.V. (Hg.): Für eine Konfliktkultur in Familie und Gesellschaft. Kommunikation in interkulturellen und interreligiösen Übergangsräumen. Werner Pohlmann, Köln, legt seine Beurteilung von Michael psyche-5-2015Ermann: Der Andere in der Psychoanalyse. Die intersubjektive Wende vor. Manfred G. Schmidt, Köln, berichtet über Erika Fischer-Lichte: Performativität. Eine Einführung und Jakob Hessing, Jerusalem, las Kai Rugensteins: Humor. Die Verflüssigung des Subjekts bei Hippokrates, Jean Paul, Kierkegaard und Freud

> Psyche. Zeitschrift für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, Heft 5/2015

(1) Sartres Saint Genet. Comédien et martyr ist eines der Themen der diesjähirgen Jahrestagung der www.ges-sartre.fr im Juni in der Sorbonne.

Merkur Mai 2015

Donnerstag, 7. Mai 2015

Politik, Geschichte, Soziologie, Kluges übers Internet. Ein Heft so richtig im Geist des MERKUR.

merkur-792-5-2015Friedrich Wilhelm Graf diskutiert die Überlegungen der Kirchen zur Sterbehilfe. Sein als Religionskolumne eingereichtes Manuskript zum Umgang »der Kirche« mit Sterbehilfe sei so kämpferisch und aktuell, berichten die Herausgeber des Merkur, so dass sie zum Aufmacher des Maihefts gemacht haben. Graf schreibt: „Die beiden großen deutschen Volkskirchen sind nur noch erschreckend geistlose Organisationen. Und eines habe ich noch nie verstanden: Wieso mein Sterben „den Staat“ und „die Kirche“ überhaupt etwas angeht.“ Ralph Bollmann (> Die Deutsche. Angela Merkel und wir) schriebt unter dem Titel „Das ferne Land“ über die Historisierung der alten Bundesrepublik, die uns heute als weit zurückliegend erscheint. Für einen Bonner der der 70er und 80er Jahre ist diese Entrückung auch mit der Erinnerung an die Umzugsdebatte besonders präsent. Wenn ich mich recht erinnere hatte Wolfgang Schäuble in der denkwürdigen Debatte zur Hauptstadtwahl mit den Ausschlag gegeben und so zur Entrückung der Bundesrepublik und der Gewichtsverlagerung nach Berlin den Ausschlag gegeben. Klar, Bonn war ein Provisorium, immer zu klein, aber auch irgendwie bescheiden und heute ist die Berliner Politik uns allen immer ein wenig, um es nochmal zu sagen, entrückt. Einer meiner akademischen Lehrer sagte mir einmal, vielleicht gebe es die Bundesrepublik (so) bald nicht mehr… das war so um 1985.

Birgit Recki, „Gegen die Absolutismen der Wirklichkeit“, berichtet über Hans Blumenberg in Münster, wo er 15 Jahre lang lehrte: Spannende Wissenschaftsgeschichte. Zu Recht wünscht Recki ihm ein weltweites Auditorium. Hannes Bajohr erinnert unter dem Titel „Der Preis der Wahrheit“ an „Hans Blumenberg über Hannah Arendts ‚Eichmann in Jerusalem'“. Er verdächtigt sie des Platonismus. (S. 56)

Rudolf Stichweh schreibt in seiner Soziologiekolumne über „Religion als globale Kategorie“, eine Verortung der Religion, die lesenswert ist. Niels Werbers Beitrag „Gaias Geopolitik“ fängt mit der Frage „Was macht Carl Schmitt mit Brundo Latour?“ an. Es geht um die ANT (Akteur-Netzwerk-Theorie) und Werber disktuiert den Begriff der „politischen Theologie“, dabei entdeckt er erstaunliche Parallelen zwischen Schmitt und Latour.

Die Marginalien: Günter Hack untersucht die Philosophie des Responsive Design – Gestaltung und Kontrolle: Gut auf den Punkt gebracht. Eine große Suchmaschine, die wir alle ständig benutzen, gibt jetzt Internet-Angeboten, wenn sie für mobile PCs designmäßig responsive optimiert sind und auf mobilen PCs gesucht werden, den Vorrang im Suchergebnis. Je hübscher gemacht, umso mehr nach oben, egal was auf der Seite für ein Stuss gezeigt wird: „Wer die Verhältnisse kontrolliert , der bestimmt die Verhältnisse,“ stellt Hack fest.

Michael Esders beschäftigt sich mit dem ökonomischen Wert, den Wörter im Internet bekommen haben. Max-Otto Baumann nimmt das Datenschutzversagen in den Blick. Man könnte den Eindruck haben, dass Datensammler Datenschutz als Legitimation ihrer Daten (miss-)verstehen. Jochen Thies: „Das Ende der Bescheidenheit: der deutsche Politikbetrieb“. Schon allein der Ausdruck „sichererer Listenplatz“ könnte für uns eine Anregung sein, jeden Volksvertreter in einem Wahlkreis wählen zu lassen. Wir können eine bestimmte Zahl von Politikern einfach nicht abwählen. Begünstigungen, Beziehungen und Lobbyistentum, alles geht ineinander über. Viele Politik suchen nach dem Ende ihres Mandats ihr Heil in der Wirtschaft. Ein Geschmäckle hat das, sagen die Schwaben.

Und Stephan Herczeg hat die nächste Folge seines Journals verfasst.

> Merkur
Jahrgang 69, Heft 792, Heft 05, Mai 2015
broschiert
ISSN: 0026-0096

Nachgefragt: Thibaut de Champris spricht über Bismarck

Mittwoch, 6. Mai 2015

kraus-bismarckKürzlich ist bei Klett-Cotta der Band von Hans-Christof Kraus über > Bismarck, Größe – Grenzen – Leistungen, erschienen, über den wir einen > Lesebericht verfasst haben. Der im April-Heft der Zeitschrift Cicero erschienene Artikel von des Leiters des > Institut français in Mainz, Thibaut de Champris, war für den Frankreich-Blog > www.france-blog.info ein cicero-april-2015-110willkommener Anlass – trotz Bahnstreik superpünklitch -nach Mainz zu reisen und de Champris nach dem Alten Reich, Bismarck und der Reichsgründung von 1871 und den Folgen zu fragen. Wir steigen heute noch auf Bismarck-Türme, aber er war nicht der „Gründer von Deutschland“, das wir heute kennen? Gibt es eine Linie von Bismarck bis zur Katastrophe des Zweiten Weltkriegs? Wird die Erinnerung an Bismarck heute in Deutschland immer noch oder überhaupt ihrer Ansicht nach geschönt?

Thibaut de Champris sieht Preußen und Bismarck kritisch und sagt aus der Sicht der Staaten, die nach der Reichsgründung von 1871 auf Deutschland und besonders auf Preußen sehen: „Was ich im Inneren zerstört habe, warum sollte ich das früher und später nicht auch mit den Nachbarn machen..“, er betont aber, Bismarck „war ein sehr guter Außenpolitiker“. Allerdings hatte die Annexion von Elsaß-Lothringen nach dem Krieg von 1870/71 schwerwiegende Folgen für die deutsche Politik im 20. Jahrhundert. Was wissen Sie wirklich vom alten Reich ? Es ist interessant, wie de Chambris das Werden des 1. Reiches, des Alten Reiches mit der französischen Geschichte vergleicht. Das Deutschland von heute ruht, so schreiben Sie viel mehr auf den Paradigmen des Alten Reiches als auf dem Reich von Bismarck. De Champris erinnert an die Biographie von Lothar Gall: “Nicht Otto von Bismarcks System, dieses ‘extrem unstabile und kurzlebige politische Gebilde‘ (Lothar Gall), das Deutschland unter sich begrub und die Welt gegen sich aufbrachte, sondern das Alte Reich schuf die Grundlagen für das freiheitliche, stabile und vorbildlich strukturierte Deutschland von heute.” (de Cahmbris, Cicero, S. 24)

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