Verlagsblog

Archiv für Juni 2015

MERKUR 794 – Juli 2015

Dienstag, 30. Juni 2015

merkur-794Mein ganzes Studium wurde vom monatlichen MERKUR im Briefkasten begleitet. Die Vielfalt der Themen war stets eine wunderbare Ergänzung des Studiums. Referate in > Romanistik, Geschichte, Politische Wissenschaften. Im MERKUR stand dazu immer irgendetwas oder er war das Sprungbrett, um stets eine wenig weiter über die anstehenden Themen darüberhinaus zu denken. Diese Vielfalt war überaus bereichernd. Und so ist das heute mit dem MERKUR immer noch. Gerade kam das Juliheft 2015 an.

Diesmal steht das Erzählen als Monatsthema im Vordergrund. Wolfgang Kemp erinnert an die Roman von Leo Tolstoi und die Verfilmungen des Werks von Rosamunde Pilcher und erwähnt dabei Sören Kierkegaard und Jacques Derrida („Ici Jaques,“ sagte er immer, wenn er einen meiner Freunde anrief). Helmut Müller-Sievers zeigt die Parallelen zwischen den neuen US-TV-Serien und dem Fortsetzungsroman im 19. Jahrhundert. David Wagner berichtet, nein erzählt vom Hochwasser in Venedig.

Michael Rutschky erzählt sein Jahr beim MERKUR. Thomas E. Schmidt macht einen Aufschrei: „Die Ausdehnung der vierten Gewalt“. Schon Mitterrand hatte einmal im Sinn, den Medien eine Art Status der vierten Gewalt in der Verfassung einzuräumen. (1) Schmidt sieht: „Presse und Politik: Eine Beziehungskrise“. Dazu passt es, dass die Bundeskanzlerin tiefgreifenden Kontroversen aus dem Weg gehe, immer auf „partnerschaftliches Miteinander“ bedacht sei. (vgl. S. 48) Was dabei herauskommt formuliert Schmidt so: „Diese Art der Metakommunikation signalisiert kontingenzreduzierte Binnenverhältnisse, Sperrbezirke auf den Bolzplätzen und Andachts wiesen der moralisierten Gesellschaft.“ In andern Worten medialer Stillstand, bei dem der > YouTube-Kanal der Bundesregierung die Politik erklärt. Ein Beispiel: > Digitale Agenda der Bundesregierung hier, wo der Bürger kommentieren darf, > Concertation numérique in Frankreich, wo 18.000 Beiträge gesammelt, ausgewertet, bewertet und in Empfehlungen für ein Digitalgesetz fließen. Bei uns: „Politik-Politik generiert einfach zu wenig Kommunikation.“ S. 51

Also doch? Christoph Menke schreibt in seiner Philosophiekolumne über die „Die Möglichkeit der Revolution“: „De Revolution ist das politische Hinausgehen über die gesellschaftliche Arbeit.“ Eckhard Schumacher führt eine Popkolumne: „Selbstverhältnisse, Autobiografie und Geschichtsschreibung“. Christian Schröder schreibt über Jahrhundertschurken: Professor Moriarty, Fantômas und Dr. Mabuse. In den Marginalien stehen Aufsätze von David Wagner, „Sie essen Aal, gehen tanzen“, wie gesagt, er schreibt über das Hochwassser in Venedig,

von Philipp Schönthaler über „Manager“ und von Tobias Schmidt „Kausalität und Interpretation: Zur Hybris makroökonomischer Progonosen“. Außerdem Paul Ford, „Höflichkeit“ *** = Am besten sind die Artikel, die ich für diesen Bericht ansehe und dann solange hängenbleibe, bis der ganze Artikel gelesen ist. Gunter Hack, „Ort und Kern des Grünfinks“ und Stephan Herczeg setzt sein Journal fort (XXVIII): Wohnungssuche in Köln, Zugfahrt nach Paris, Museumsbesuche und ein Konzert in der neuen Oper.

Jetzt muss ich wieder vier Wochen auf den nächsten > MERKUR warten.

(1) H. W., Wem nützt nationalstaatliche Kontrolle? Zur Medienpolitik in Frankreich, in: Lüsebrink, H.J., Röseberg, D. (Hrsg), Landeskunde und Kulturwissenschaft. Theorieansätze, Unterrichtsmodelle und Forschungsperspektiven, [Vorträge aus der Sektion Kulturwissenschaft auf dem Romanistentag in Potsdam 1993,] Gunter Narr Verlag, Tübingen 1995, S. 153-170.

Lesebericht: Volker Hunecke, Napoleons Rückkehr

Dienstag, 16. Juni 2015

hunecke-napoleons-rueckkehrNoch heute sind achtzig Prozent der Besucher des Schlachtfeldes von Waterloo, wie Jürg Altwegg heute in der FAZ: „Eine glorreiche Niederlage“ berichtet, Viele Besucher des Schlachtfeldes seien heute noch davon überzeugt, Napoleon habe diese Schlacht für sich entschieden. Sein Genius war gar nicht in der Lage, so eine Schlacht zu verlieren. Auch nach seinem Tod am 5. Mai 1821 in der Verbannung, haben wohl viele eine solche Schreckensmeldung mit der Antwort: Napoleon könne nicht sterben, abgetan.

Auch wenn sich jetzt der Jahrestag dieser Schlacht zum 200. Mal jährt, wirkt die Napoleon-Legende 1) immer noch nach. Auch seine Gegner konnten sich ihr nicht entziehen. Die Hundert Tage = „Napoleon Redivivus“ (S. 9) waren eine geglückte Nahrung des Napoleon-Kults, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders von Historikern, Schriftstellern und Dichtern gepflegt wurde. „Man hat außer in Frankreich keinen Begriff davon, wie sehr noch das französische Volk an Napoleon hängt. Deshalb werden auch die Missvergnügten, wenn sie einmal etwas Entscheidendes wagen, damit anfangen, dass sie den jungen Napoleon proklamieren, um sich der Sympathie der Massen zu versichern,“ schrieb Heinrich Heine für die Augsburger Allgemeine Zeitung am 19. Januar 1832 über den Sohn Napoleons, den Herzog von Reichstatt, der am 22. Juli 1832 in Schönbrunn stirbt. Und in Heines Französischen Zuständen heißt es weiter „‚Napoleon’ ist für die Franzosen ein Zauberwort, das sie elektrisiert und betäubt. Es schlafen tausend Kanonen in diesem Namen, ebenso wie die Säule des Vendômeplatzes, und die Tuilerien werden zittern, wenn einmal diese Kanonen erwachen. […] sein Bild sieht man überall, in Kupferstich und Gips, in Metall und Holz, und in allen Situationen. Auf allen Boulevards und Carrefours stehen Redner, die ihn preisen, den Mann, Volkssänger, die seine Taten besingen.“ (H. Heine, Französische Zustände, Artikel II, in: ders., Sämtliche Schriften, hg. v. K. Pörnbacher, Bd. 5. Schriften 1831-1837, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1981, S. 89-279, hier: S. 119 f.)

Heine hat schon 1828 seine Leser in seinen Reiseberichten gebeten, ihn nicht für einen Bonapartisten zu halten. Den Handlungen des Kaisers gelte seine Huldigung nicht, sondern nur dem Genius, stellt klar, und seine Liebe für ihn reiche nur bis zum 18. Brumaire, der Tag, an dem Napoleon die Freiheit verraten habe. Trotz eindeutiger Kritik am Kaiser kann sich auch Heine der Faszination nicht entziehen: „Vielleicht nach Jahrtausenden, wird ein spitzfindiger Schulmeister, in seiner grundgelehrten Dissertation, unumstößlich beweisen, dass der Napoleon Bonaparte ganz identisch sei mit jenem anderen Titane, der den Göttern das Licht raubte und für dieses Vergehen auf einem einsamen Felsen, mitten im Meere, angeschmiedet wurde, preisgegeben einem Geier, der täglich sein Herz zerfleischte.“ (H. Heine, Reisebilder. Dritter Teil. Italien (1828). I. Reise von München nach Genua, in: ders., Sämtliche Schriften, hg. v. K. Pörnbacher, Bd. 3. Schriften 1822-1831, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1981, S. 309-389, hier: S. 374) Und als Heine 1832 in die Normandie reist, stellt er fest: „Ganz unbedingt verehrt man den Kaiser auf dem Lande; da hängt in jeder Hütte das „Porträt ‚des Mannes’ und zwar, wie die ‚Quotidienne’ bemerkt hat, wo das Porträt des Haussohnes hängen würde, wäre er nicht von jedem Manne auf einem seiner hundert Schlachtfelder hingeopfert worden.“ (H. Heine, Französische Zustände, Tagesberichte aus der Normandie, in: ders., Sämtliche Schriften, hg. v. K. Pörnbacher, Bd. 5. Schriften 1831-1837, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1981, S. 267 f.)

Kaum eine andere Gestalt der neueren europäischen Geschichte hat in einem ähnlichen Maße die Phantasie, die Erwartungen und das Entsetzen nahezu aller europäischen Völker beschäftigt. Noch sein Neffe > Louis-Napoleon berief sich auf sein Erbe und konnte mit seinem Namen das höchste neugeschaffenen Präsidentenamt der II. Republik erringen, seinen dritten, erfolgreichen Staatsstreich am 2. Dezember 1851 unternehmen und ein Jahr später das Kaiserreich restaurieren und es als Second Empire bis 1870 behaupten.

Am 31. März 1814 dringen die Alliierten in Paris ein, und Napoleon I. dankt ab und erhält als Rückzugsort Elba. Ludwig XVIII. kommt zurück und verkündet am 4. Juni die Charte, die neue Verfassung wird „oktroyiert“ und hat damit trotz aller Liberalität einen Geburtsfehler. Die Restauration beginnt, während in Wien der Kongress tanzt/tagt. Am 7. März 1815 trifft die Nachricht ein, dass Napoleon Elba verlassen habe. Es folgen die 110 Tage bis zu seiner endgültigen Verbannung nach St. Helena. Napoleon redivivus (S. 9) forderte sein Land und den ganzen Kontinent heraus, so beschreibt Volker Hunecke > Napoleons Rückkehr Die letzten hundert Tage – Elba, Waterloo, St. Helena, ein Band der jetzt bei Klett-Cotta erschienen ist. Auf 220 Seiten erklärt Hunecke die kurzzeitige Restauration der Kaiserherrschaft. Er zeigt die Fehler der Restauration unter Ludwig XVIII. und zugleich, auch welch schmalen Grad Napoleon sich bewegen musste, um einerseits an den vergangenen Ruhm anknüpfen zu können, und andererseits die Erwartungen, die die Franzosen an die Freiheit knüpften, nicht zu enttäuschen: Ich habe den Ideen des Grand Empire entsagt, soll Napoleon gesagt haben. (S. 11) Zugleich erinnerten seine Hundert Tage mit Nachdruck an die revolutionären Ereignisse, die auch nach seiner Verbannung wieder verstärkt zur Beurteilung der Restauration herangezogen wurden und schließlich zu ihrem Scheitern in der Juli-Revolution 1839 führten.

hunecke-napoleons-rueckkehrAm 22. April 1815 gibt es schon wieder eine neue Verfassung: Der Acte additionel aux constitutions de l’Empire. Auch eine Verfassung mit einem Geburtsfehler, da sie den ausdrücklichen Bezug auf das Kaiserreich sogar in ihrem Titel trägt. Der Hauptautor der Acte, Benjamin Constant, konnte sich gegenüber Napoleon nicht durchsetzen, der auf dieser Wahrung der Tradition bestand. Nach der Verbannung Napoleons wird die Charte wieder in Kraft gesetzt, diesmal mit dem erneuten Geburtsfehler, nur wegen der Niederlage von Waterloo überlebt zu haben. (vbl. S. 13)

Napoleon landet bei Cannes in Frankreich und besteigt nach nur 20 Tagen wieder seinen Thron in Paris. Kein Tropfen Blut. Der Kaiser kehrt zurück. Seine Gegner, seine Fans befürchteten, hofften und glaubten daran, dass der Kaiser wiederkehren werde. Das war nur eine Frage der Zeit, von Monaten vielleicht nur. Die Restauration musste das riesige Heer Napoleons abbauen und setzte viele Soldaten auf demi-solde, und schuf damit die Armee, die nach seiner Rückkehr mit wehenden Fahnen zu ihm überlief. Nie war die Invasion eines Landes durch nur einen einzigen Mann (vgl. Chateaubriand) erfolgreicher.

Huneckes Darstellung erklärt die Ereignisse in Zusammenhang mit präzisen Erläuterungen der Verfassungstexte, und das macht sein Buch so lesenswert. Nach seiner Rückkehr musste Napoleon sich erst einmal den verfassungsrechtlichen Fragen widmen. Constant eigentlich sein Gegner beriet ihn dabei, machte Kompromisse und schuf einen der faszinierendsten Texte der französischen Verfassungsgeschichte. Erbe, Tradition, ein bisschen mehr Freiheit, der Versuch, die Herrschaft vor einem erneuten Verlust zu bewahren. Das alles ging gründlich schief.

Zwar gelang es dem Feldherren noch, den anrückenden Preußen in Waterloo eine Niederlage beizubringen, aber Verzögerungen und taktische Fehler auf Seiten der Franzosen häuften sich, das Kriegsglück war dahin, oder der Wille der Alliierten, Napoleon definitiv zu besiegen war so stark wie nie. Victor Hugo war sich sicher. Napoleon konnte diese Schlacht nicht mehr gewinnen. (vgl. S. 146) Seine Diktatur passte nicht mehr in die Zeit. „Er störte Gott,“ befand Hugo (ib.)

Zwanzig Tage von der Landung bis auf den Thron, nochmal zwanzig Tage, um nach Waterloo am 8. Juli 1815 in Rochefort das Schiff zu besteigen, das ihn in die Verbannung bringen sollte. Wiederum beriet Constant den Kaiser stundenlang im Élysée-Palast, bis dieser schließlich seinen Bruder Lucien bat, nach seinem Diktat seine Abdankung niederzuschreiben. (cf. S. 164 f.)

Noch nie hatte ein verbannter Feldherr ein solches Comeback inszeniert. Wie gesagt, er war ja gar nicht fähig zu sterben. („Ceux-ci disent qu’il est mort! Ah bien oui, mort! On voit bien qu’ils ne le connaissent pas. Ils répètent c’te bourde là, pour attraper le peuple et le faire tenir tranquille dans leur baraque de gouvernement.“ H. de Balzac, Le médecin de campagne, in: ders., Œuvres complètes, éd. J.-P. Castex, Bd. IX, Études de mœurs. Scènes de la vie de campagne, S. 536) Auch nach seinem vermeintlichen Tod im Mai 1821 herrschte seine Faszination ungebrochen weiter. Am 14. und 20. Mai 1840 berichtet Heine für die Augsburger Allgemeine Zeitung über den Beschluss, die sterblichen Überreste Napoleons nach Frankreich zu überführen: Die Wirkung dieser Nachricht, die als großer Akt der Gerechtigkeit empfunden werde, habe alle Erwartungen des Ministeriums übertroffen.F F Und Heine rechnet mit Schwierigkeiten für die Regierung: „Während unten im Volk alles jubelt, jauchzt, glüht und aufflammt, grübelt man oben, in den kälteren Regionen der Gesellschaft, über die Gefahren, die jetzt von Sankt Helena aus täglich näher ziehen und Paris mit einer sehr bedenklichen Totenfeier drohen.“ (H. Heine, Lutetia, in: ders., Sämtliche Schriften, hg. v. K. Pörnbacher, Bd. 5. Schriften 1831-1837, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1981, S. 271)

hunecke-napoleons-rueckkehrIm August, also noch bevor die Gebeine des Onkels in Frankreich eintreffen, hat der Neffe in Boulogne-sur-Mer eine zweiten wiederum erfolglosen Staatsstreich versucht. Er kann den toten Onkel in Paris nicht grüßen, weil er in Haft ist. Aber sechs Jahre später flieht er aus Fort Ham und wird im Dezember 1848 zum Staatspräsidenten gewählt. Noch ein Staatsstreich im Dezember 1851, und der neue Kaiser heißt am 2. Dezember 1852 > Napoleon III.

Volker Hunecke
> Napoleons Rückkehr
Die letzten hundert Tage – Elba, Waterloo, St. Helena
1. Aufl. 2015, 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94855-4

1. Vgl. H. Wittmann, > Napoleon III. Macht und Kunst, Reihe Dialoghi/dialogues. Literatur und Kultur Italiens und Frankreichs. Hrsg. v. Dirk Hoeges, Band 17,
Verlag Peter Lang, Frankfurt, Berlin, Bern u.a., 2013, S. 15, 23-28, 40.

Nachgefragt: Jón Gnarr, Indianer, Pirat und Politiker?

Donnerstag, 11. Juni 2015

gnarr-indianer-pirat

Im ersten Teil seiner Autobiographie erzählt Jón Gnarr seine Kindheit im Ausnahmezustand: seine Probleme mit dem Schulsystem, (>ADHS?) das schwierige Verhältnis zu seinen total überforderten Eltern und dann die aufkeimende Liebe für die Ideen des Anarchismus. Kein Wunder, Jón eckt überall an und macht sich viele Feinde. Dann wird er mit 13 Punk, es gibt noch einen Versuch, wieder in die Schule zu kommen, bevor er dann seine Bücher auf dem Schulhof verbrennt. Aber 2010 wird er nach der Gründung der Besten Partei Bürgermeister von Reykjavík, verspricht, kein Versprechen zu halten, verspricht nur, eine Wahlperiode bis 2014 bleiben zu wollen.

Wir haben gestern vor seiner Lesung im Kulturzentrum MERLIN in Stuttgart nachgefragt:

> Lesebericht: Jón Gnarr, Indianer und Pirat. Kindheit eines begabten Störenfrieds
> Lesebericht: Jón Gnarr, Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!!

Lesung im MERLIN in Stuttgart

gnarr-indianer-pirat

Jón Gnarr
> Indianer und Pirat
Kindheit eines begabten Störenfrieds
Aus dem Isländischen
von Tina Flecken
und Betty Wahl (Orig.: Indjáninn)
1. Aufl. 2015, ca. 220 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50141-4

gnarr-buergermeister

Jón Gnarr
> Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! > Lesebericht
Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte
Aus dem Isländischen von Betty Wahl
6. Aufl. 2015, 175 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50322-7

MERKUR 793 – Juni 2015

Freitag, 5. Juni 2015

merkur-793Neben einem sehr lesenwerten Beitrag von Sarah Birke und Peter Harling die den Westen an seine Fehler erinnern und davor warnen, den »Islamischen Staat« als das zentrale Problem des Nahen Ostens zu sehen, Sebastian Conrads Geschichtskolumne über die zeitliche Synchronisierung der Welt im 19. Jahrhundert geht es im Themenschwerpunkt dieses Heftes um die desolate Lage der Universität in Deutschland. Armen Avanessian und Joseph Vogl beklagen im Gespräch mit Ekkehard Knörrer, dass die Universität in ihrem heutigen Zustand nicht genügend Raum für Theorie und Intellektualität bietet. Beate Scholz beschreiben aus Sicht der Förderbürokratie und Remigius Bunia von der Schnittstelle von Wissenschaft und Verwaltung die Prekarität von Wissenschaftskarrieren. Befristet sind nicht nur die Stellen, vor allem aber die Perspektiven für junge Forscher und Lehrende.


Merkur-Gespräche

> Merkur-Gespräche 1: Zur Lage der Universität

Die Lage der Universität ist Themenschwerpunkt im aktuellen Merkur. In der ersten Folge der neuen Reihe Merkur-Gespräche werden die wichtigsten Thesen aus dem Heft vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, den 25. Juni 2015 im Grünen Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 2, 10178 Berlin.

Beginn ist 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Wir bitten um Anmeldung unter redaktion@merkur-zeitschrift.de.

Programm: „Die Universitäten haben in den letzten Jahren rasante Umbauten erfahren. Im Zuge der Exzellenzinitiative wurden Forschung und Lehre nach Wettbewerbsprinzipien neu ausgerichtet. Die Hochschullandschaft hat sich dadurch nachhaltig verändert und das nicht nur zu ihrem Vorteil:“ > Weiterlesen


Remigius Bunia analysiert die Vorgeschichte und zeigt, was die Universität und die Politik versäumt haben, oder was die Miatarbeiter mit sich haben machen lassen müssen, und welche miesen Aussichten die Mitarbeiter haben, die mit Zeitverträgen abgespeist werden: > Gesetz über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft (Wissenschaftszeitvertragsgesetz – WissZeitVG). 12.4.2007.


merkur-blogEkkehard Knörer
Julia Encke, FAS, 11.Juni 2015

„Julia Encke, die neue Literaturchefin der FAS, schreibt in der aktuellen Ausgabe eben dieser Zeitung (derzeit nicht online), unter dem beziehungsreichen Titel… “ > Weiterlesen


Bunia fürchtet, dass man engagierten, enthousiastischen und loyalen Mitarbeiter nicht verraten dürfe, dass ihre Leistung am Ende nicht zählen werde. (vgl. S. 26) Hanna Engelmeier berichtet schonungslos aus dem Inneren über Sinn und Zweck der Universität. Warum löst das alles nicht laute, sehr laute Empörung in Deutschland aus? Wissenschaft und Technologie wird von der Politik lautstark gepriesen, man lobt den Standort Deutschland, vor den Mauern der Universitäten werden Exzellenzinitiatven gepriesen und gefördert, hinter den Mauern verkümmern die Forscher. Es muss doch seit Jahren allen auffallen, wie wenig z. B. die Universitäten in der öffentlichen Debatte noch präsent sind.

> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

> Das Heft gibt es jetzt günstig im MERKUR-Probeabo.

In Deutschland gerne die US-Universitäten oft als Vorbild. Jan-Werner Müller berichtet über ihre Krisen. Julika Griem, Ruth Knepel und Jan Wilm haben universitäre Leitbildtexte gelesen, und sie können ihre Verwunderung über deutsche und denglishe Buzzwords mit ihnen teilen.

Ekkehard Knörer kommentiert in seiner Literaturkolumne den Zustand unseres Rezensentenwesens. Claude Haas hat neuere Literatur zur Drohnenkritik gelesen. Roman Köster befasst sich mit Fragen nach Schulden und Ökonomie nach dem Ersten Weltkrieg. Stephan Herczeg setzt sein Journal fort und berichtet über die desolate Lage der Touristen in Paris. – Da hätten wir was > Für einen Tag nach Paris oder > April 2015. Auf nach Paris.


Unser > Lesebericht: „Zuerst kommt das Buch von Wolf Wagner, > Tatort Universität. Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung dran. Dem Titel und dem Untertitel dieses Buches ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wagners Buch ist eine herbe Kritik am Zustand der deutschen Hochschulen. Er wirft den deutschen Universitäten ein Verharren auf einem niedrigen Niveau in Bezug auf die Bildungsbeteiligung der Bevölkerung vor und kritisiert die damit zusammenhängende Begrenzung der Innovationsfähigkeit.“Zuerst kommt das Buch von Wolf Wagner, > Tatort Universität. Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung dran. Dem Titel und dem Untertitel dieses Buches ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wagners Buch ist eine herbe Kritik am Zustand der deutschen Hochschulen. Er wirft den deutschen Universitäten ein Verharren auf einem niedrigen Niveau in Bezug auf die Bildungsbeteiligung der Bevölkerung vor und kritisiert die damit zusammenhängende Begrenzung der Innovationsfähigkeit.“ > Weiterlesen

> 10 Jahre Bologna ohne Feierlaune

Wolf Wagner, Tatort Universität. Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung
Stuttgart: Klett-Cotta 2010
Ausstattung: broschiert – 188 Seiten – ISBN: 978-3-608-94614-7


> MERKUR 793 – Juni 2015

Lesung: Daniel Illger, Skargat. Der Pfad des schwarzen Lichts

Montag, 1. Juni 2015

Stuttgart | Lesung: Donnerstag, 11. Juni 2015, 18 h 30

Atelier im Hauptgebäude der > Akademie für Kommunikation, Kölner Str. 7, 70376 Stuttgart

Die Gespensterhorde des Schwarzen Jägers reitet durch die schwarze Nacht Ahekriens. Rudrick bedroht das Dorf, wo die Freunde Mykar und Cay aufwachsen. Der Außenseiter Mykar wird von allen geschnitten. Cay ist sein einziger Freund. Nach einigen gruseligen Verbrechen wird Mykar beschuldigt. Die Bauern üben Lynchjustiz, halten ihn für tot und verscharren ihn im Wald. Cay wird Jahre später des Mordes an einem Adligen beschuldigt wird. Für Mykar ist die Zeit gekommen, zurückzukehren und Gerechtigkeit zu üben.

Wir haben Daniel Illger auf der Buchmesse in Leipzig 2015 getroffen und ihn nach seinem Buch befragt. Wenn Sie das Interview mit > Daniel Illger gesehen haben, werden Sie bestimmt zu der Lesung am Donnerstag, 11. Juni 2015, 18 h 30, in die Akademie für Kommunikation kommen.

> Nachgefragt: Daniel Illger, Skargat. Der Pfad des schwarzen Lichts

Daniel Illger,
> Skargat. Der Pfad des schwarzen Lichts
1. Aufl. 2015, 568 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94642-0

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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