Verlagsblog

Archiv für September 2015

Daniel Illger: Wie kommt man zum Fantasy-Roman?

Dienstag, 29. September 2015

Als gestern das Tweet von Oliver Plaschka erschien:

fiel uns das Interview mit Daniel Illger auf der Leipziger Buchmesse wieder ein,

> Nachgefragt: Daniel Illger, Skargat. Der Pfad des schwarzen Lichts

von dem wir hier nochmal die ersten drei Minuten zeigen: Daniel Illger, Skargat, oder wie kommt man zum Fantasy-Roman?

Um > Albert Camus geht es also. Und um La peste. An Camus‘ Inspiration für die NGOs hat auch > Rupert Neudeck während einer Konferenz in Bonn im Februar 2010 erinnert. Der > Filmausschnitt von seinem Vortrag auf unserem Blog war dem ersten Einsatz unserer Videokamera zu verdanken.

Daniel Illger,
> Skargat. Der Pfad des schwarzen Lichts
1. Aufl. 2015, 568 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94642-0

Aufgeschlagen: Anthony Ryan, Der Herr des Turmes Rabenschatten 2

Montag, 28. September 2015

ryan-herr-des-turmes

Gerade erschienen Anthony Rya, > Der Herr des Turmes. Rabenschatten 2:

Vaelin al Sorna kehrt mit guten Vorsätzen aus den Schlachten zurück. Nie wieder jemanden töten. Es waren einfach zu viel Tote in König Janus’ Krieg. Aber Vaelin al Sorna ist das Ziel der Rachegelüste viele Überlebender. Jetzt, wo er zum Turmherrn der Nordlande ernannt worden ist, will er nur noch Ruhe finden. Leider fehlt dem neuen König die notwendige Stärke für sein Amt, und er muss miterleben, wie seine Feinde ein neues Bündnis schmieden, das immer stärker wird. „‚Der Glaube‘, sagte der König und klang dabei einigermaßen verbittert. ‚Wenn sich irgendwo in den Königslanden etwas zusammenbraut, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es etwas mit dem Glauben zu tun hat.'“ (S. 138) und mit dem Finger auf der Karte gerichtet, sagte er zu Vaelin gewandt: „‚Hier, Euer Lordschaft, bedarf ich Eurer Dienste.‘ – ‚ In den Nordlanden?'“ (S. 141)

Anthony Rya, > Der Herr des Turmes. Rabenschatten 2
Buchdeckel „978-3-608-96018-1
gebunden mit Schutzumschlag
> E-Book)

<< Lesebericht : Anthony Ryan, Das Lied des Blutes. Rabenschatten I

In unserem > Lesebericht hieß es: „Vaelin al Sorna ist der Titelheld. Sein Eintritt in den Sechsten Orden und seine überaus harte Ausbildung zum Kämpfer bestimmen die Handlung, das > Leseabenteuer (II). Der Tod ist allgegenwärtig. Mit den Kameraden verbindet ihn eine Art Treueverhältnis, das aber auch von Konkurrenz geprägt ist. Kursiv gesetzte Sätze – „sein innerer Beobachter“ (S. 403) – geben die Gedanken, Ideen und Schlussfolgerungen von Vaelin wieder, dadurch bekommen auch Passagen, die einen eher langsameren Rhythmus haben, Geschwindigkeit und Eindringlichkeit.“

Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration

Samstag, 26. September 2015

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Bei aktuellen Titeln muss der Blogger sein > Leseprogramm einfach mal ändern. Der Band > Bindung und Migration, den Karl Heinz Brisch gerade bei Klett-Cotta herausgegeben hat, kommt wie gerufen. 300 000 neue Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Jahr in unseren Schulen dazu kommen. Das sind Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge mit oft traumatischen Erlebnissen, Gewalt, Tod, Bomben und Flucht unter meist dramatischen Umständen zu uns flüchten.

Dieser Band geht auf die Internationale Konferenz Bindung und Migration, die von der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. Haunerschen Kinderhospital der Ludwig-Maximilians-Universität am 11. und 12. Oktober 2014 veranstaltet wurde, zurück, deren Beiträge hier vorgelegt werden.

In den kühnsten Träumen kann man sich das Elend und das erlittene Leid der Jugendlichen z. B. in Syrien, die vor Ort aus ihrem Lebensumfeld durch unermessliche Gewalt und Tod von Freunden, nahen Angehörigen herausgerissen wurden, nicht vorstellen. Panik und extreme Angst bestimmten auf einmal ihr Umfeld. Für viele schließen sich Vertreibung oder Flucht in eine ungewisse Zukunft an. Sie sind gezwungen, in prekären Lagern zu überleben, zuweilen können auch die Erwachsenen ihnen kaum beistehen. Schaffen sie die Flucht, die sie neuen Gefahren aussetzt, in ein zunächst sicheres Umfeld, entsteht eine ganz andere Art von Stress, der Anpassungsdruck, massive Verunsicherung, Deprivationsgefühle, Vereinsamung und gar neue Bedrohungen (vgl. 7) für sie bedeutet.

Die sprunghaft gestiegene Zahl von Flüchtlingen, die seit Anfang September 2015 in Europa ankommen übersteigt alle Befürchtungen. Unter ihnen sind besonders viele unbegleitet minderjährige Jugendliche, die Behörden und Helfer das Äußerste abverlangen. Kein Schicksal gleicht dem anderen, aber alle, die u. a. aus Syrien kommen, teilen traumatische Erfahrungen, die Erinnerung an den Bürgerkrieg, massive Zukunftsängste, aber auch die Hoffnung auf geordnete Verhältnisse. Bei uns treffen sie aber auf ihnen völlig unbekannte Situationen, auch wenn ihre Klassen Willkommensklassen heißen, benötigen sie viel Empathie, Zuwendung und Personen, Helfer, Lehrer, die sich ihrer annehmen. Ihre Betreuer wird das Schicksal der Neuankömmlinge keinesfalls unberührt lassen. Viele Kinder und Jugendliche sind schüchtern, völlig verstört, viele berichten, was sie erlebt haben und suchen neue Bindungen.

Die Aufsätze dieses Bandes untersuchen die Probleme, die bei der Eingliederung von Migranten auftauchen:

Thomas Hegemann und Melisa Budimlic stellen in ihrem Beitrag Brücken bauen zwischen Sprachen und Kulturen den „Einsatz von Gemeindedolmetschern zur Überbrückung von Kommunikationshindernissen und psychosozialen Diensten“ vor. Ihre Erfahrungen und Anregungen sollten denen zugutekommen, die heute unmittelbar mit der Aufnahme von Jugendlichen unter den Flüchtlingen betraut sind. Es reicht nicht, einfach zu übersetzen, auch der Einsatz von Dolmetschern unterliegt gewissen Regeln. Beide Autoren legen in ihren Beitrag auch eine Anleitung zum Einsatz von Laiendolmetschern vor.

Visal Tumani, Fachärztin für Psychiatrie aus Ulm, fragt Spielt Kultur bei der Bindungstraumatisierung eine Rolle? und stellt damit einen essentiellen Faktor von Bindung vor, nämlich die Kultur, die Bestandteil lebenslanger Sozialisationsprozesses sein sollten, die durch die Migration, vor allem aber durch Krieg, Gewalt und Verfolgung jäh unterbrochen werden. Damit stellt sie implizit die Frage, wie neue Bindungen aufgebaut werden können. Die knappe Form ihres Beitrags, mit dem sie die Vielfalt der Belastungen der jungen Flüchtlinge darstellt, ist sehr beeindruckend.


brisch-bindung-jugend„In der Jugendzeit wird die Bindung an Gruppen mit Gleichaltrigen zu einem bedeutungsvollen Bindungssystem, das den Jugendlichen Schutz und Sicherheit vermittelt und die Entwicklung fördern kann. Es kann auf der anderen Seite aber auch eine Quelle von Angst sein, die Autonomie und Individualität verhindert. Die Autorinnen und Autoren des Bandes behandeln folgende psychische Probleme bei den wegen desorganisierten kindlichen Bindungserfahrungen besonders gefährdeten Jugendlichen.“

Karl Heinz Brisch (Hrsg.)
> Bindung und Jugend
Individualität, Gruppen und Autonomie
1. Aufl. 2013, 296 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94827-1


Carolin Mogk hat den Grundlagenartikel für diesen Band verfasst: Allein in Deutschland – Psychotherapie und psychosoziale Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen (S. 44-82). Wer von denen, die gesagt haben, Wir schaffen das? weiß wirklich, dass nahezu jedes Kind das dem Krieg und Terror in Syrien und dann den Schleppern entkommen ist und die Flucht überstanden hat, hier mehr als völlig verstört ankommt und viel mehr als nur eine freundliche Aufnahme, sondern eine lange geduldige Betreuung braucht. Neue Deutschlehrer und Sachspenden alleine genügen nicht.

Elaine Arnold berichtet über Migration und die Auswirkungen zerbrochener Familienbindungen aus vielen Teilen der Welt über den Verlust von Bindungen. Verlorene Bindungen sind nicht einfach reparabel. Aber das Wissen um ihr Entstehen und ihre Bedeutung sind eine wichtige Voraussetzung, um diesen Jugendlichen wirksam helfen zu können.

In diesem Zusammenhang ist es folgerichtig, dass Gülay Teke aus Berlin aus ihrer täglichen Praxis über „Migrationssensiblen Kinderschutz“ berichtet.

Was kann getan werden? Eva Pattis Zoja: Nach Massengewalt und Vertreibung: Der symbolische Ort, an dem Bindung wieder entstehen kann. Wie können neue Beziehungsmodelle aufgebaut werden? Es geht darum, Brücken zu bauen, und das sind kulturübergreifende Brücken, die in spielerischer Weise Neues mit bekannten kulturellen Elementen verknüpfen. Expressive Sandarbeit ist das Stichwort (S. 117 ff). Zojas Beitrag verrät ihre wertvollen praktischen Erfahrungen, die sie hier weitergibt. Auch hier gilt ein Grundsatz, der von J.-J. Rousseau her bekannt ist: Lerne Dein Kind zu beobachten und ziehe Schlüsse, wie Du darauf reagieren könntest, damit es lernt und weiterkommt, um mal ganz knapp hier an seinen Erziehungsbuch „Émile ou de l’éducation“ (1762) zu erinnern.

Jorge Aroche und Mariano Coello zeigen, dass die Behandlung der traumatisierten Flüchtlingskinder keineswegs auf ein gesichertes Vorwissen zurückgreifen kann: „Work in progress“, nennen sie ihre Überlegungen unter dem Titel Das komplexe Wechselspiel zwischen Bindung, Kultur und Flüchtlingstrauma – eine Herausforderung für die klinische Praxis. (S. 129-158)

Welche Identität werden eines Tages Kinder aus arabischen Staaten haben, wenn sie nach Deutschland emigriert sind? fragt Imen Belajouza: Psychotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus arabischen Familien.

Probleme ganz anderer singulärer Art stellt Barbara Schuller vor: Kinderhandel in Westafrika: Psychische Auswirkungen auf Betroffene und ihre Entwicklung mit besonderem Augenmerk auf Bindungsstörungen.

Viele Flüchtlingskinder, die zu uns kommen, sind entweder alleine unterwegs oder sehr oft von andern Familienmitgliedern getrennt. Ihre Problem hat Andrea Perry aufgegriffen: An der Seite eines Suchenden – ein bindungsorientierter Ansatz in der Arbeit mit voneinander getrennten Familienmitgliedern.

Die letzten beiden Beiträge stellen Maßnahmen vor, wie Bindungen unter den neuen Umständen im Ankunftsland wieder neu aufgebaut werden können: Patrick Meurs und Gül Jullian: Das Projekt „Erste Schritte“ – kultursensible und bindungsgerichtete präventive Entwicklungsberatung für Migranteneltern und Kleinkinder.

brisch-bindung-migrationKarl Heinz Brisch untersucht die Zusammenhänge zwischen Bindungsentwicklung und ihren Besonderheiten bei der Adoption: Migration und internationale Adoption: Psychotherapie zwischen den Kulturen.

Karl Heinz Brisch (Hg.)
> Bindung und Migration
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94939-1


Buch_Brisch_Bindungsreihe_alle_250

Die Reihe Bindungspsychotherapie von Karl Heinz Brisch: Das Wissen der Bindungstheorie kann vielfältig für eine bindungsbasierte Beratung und Therapie in allen Altersstufen angewandt werden, wobei sich die Diagnostik und Behandlung je nach Lebensalter der Patienten ganz unterschiedlich gestaltet.
Anhand von vielen Beispielen aus der klinischen Praxis gibt die Reihe eine Einführung in die Grundlagen der Bindungstheorie und die diagnostischen Methoden und Schritte einer bindungsorientierten Beratung und Therapie vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter.


Lesebericht: Brigitte Kronauer, Poesie und Natur, Natur und Poesie

Samstag, 26. September 2015

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Gemäß unserer > Lesereihenfolge waren zuerst die beiden Bücher von Brigitte Kronauer, die gerade unter dem Titel > Poesie und Natur/Natur und Poesie. Essays angekommen sind, zu lesen.

Und es war wieder so wie damals, als wir ihren Roman > Zwei schwarze Jäger zur Hand nahmen: Die ersten Seiten (als „Maulprobe“ frei nach Flaubert) gelesen und dann das ganze Kapitel und dann das ganze Buch bis zur letzten Seite vorgelesen, diesmal waren es zwei Bücher, fast alle Kapitel haben wir zu Haus vorgelesen, viel Stoff zum Diskutieren.


„… Dabei geht es nicht so sehr darum, wie er liest, sondern es geht um den Stil des Textes, den er liest. Man kann sehen (und als Foto festhalten), wie die Geschichte und die Eigenheiten des Stils die Zuhörer immer aufmerksamer werden lassen. Das kann man beobachten. > Gustave Flaubert machte auch eine „épreuve du gueuloir“, eine Maulprobe, um seine Texte seinen Freunden vorzulesen, sie mochten sie oder auch nicht.“ > Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger


Um es gleich vorweg zu sagen. Dieses Bücherpaket, diesen beiden Büchern von Frau Kronauer, können Sie sich selbst schenken oder damit schon mal mit der Besorgung der Advents- oder Weihnachtsgeschenke anfangen. Geeignet für alle, die sich für Literatur, ihre Wirkung, ihre Funktion interessieren. Eine Ästhetik der Literatur verbirgt sich hinter dieser Sammlung von Texten. Geschickt verbindet Brigitte Kronauer die eigene Biographie mit ihrem Schreiben, zugleich erklärt sie die vielfältigen Möglichkeiten der Literatur, ihre Verbindung zur Politik und zur Natur. Es geht um die Definition des Romans, um das Spiel mit Wahrnehmungen und Erinnerungen. Und der ständige Griff in ihr Bücherregal, so werden ihre Aufsätze auch zu einer > Literaturgeschichte auch ihrer eignen Romane. Bescheiden: „Was ist schon ein Roman!“ (S. 121) Nein, eine verbindliche Romanform kenne sie nicht, (vgl. S. 125) eher eine Formenvielfalt, die sie mit ganz verschiedenen Romanen belegt. Und dann wenn die letzte Seite gelesen ist, das Buch zugeklappt ist, entdeckt man auf dem Rücken, der „U4“, das gerade Gelesene als Affirmation noch einmal: „Ich glaube mehr denn je, es ist die Literatur, die uns, den schwankenden Akteuren des 21. Jahrhunderts, die alten stabilisierenden Verbindungen zur Natur garantieren können.“

Nehmen wir den ersten Band >Poesie und Natur Poesie und Natur zur Hand: Der erste Beitrag unter der Überschrift Mit Rücken und Gesicht zur Gesellschaft heißt „Über Avantgardismus“ und enthält Brigitte Kronauers Antworten auf die Fragen, was bedeutet mir die Literatur, was kann der Schriftsteller mit der Literatur machen: „Literatur ist für den Schriftsteller die präziseste Weise, sich auszudrücken. Genauer: seine spezielle Perspektive auf die Wirklichkeit zu rekonstruieren, indem er den Ab- und Eindruck, den sie in ihm hinterlässt, formuliert, also seine eigene, seinen Erlebnissen entsprechende Wirklichkeit in die Gegenwart stemmt.“ (S. 22) Am besten lesen Sie diesen Aufsatz und vergleichen die Poetik Kronauers mit ihrem Roman > Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger oder mit ihren > Paraphrasen auf alte Graubündner Sagen.kronauer Dieser Text „Über Avantgardismus“ ist auch für Schüler in der Oberstufe geeignet, um ihnen die Möglichkeiten der Literatur zu demonstrieren.

Mit „Über Politik in der Literatur“ geht es weiter – zwei Stellen habe ich besonders markiert: „Literatur als Kunstform, ob mit unmittelbar politischem Inhalt oder nicht, öffnet dagegen den Blick auf verschwiegene, übergangene, auch geleugnete Seiten unserer eigenen Existenz, auf den Diktator, den Fanatiker, den verhängnisvoll zu Exzessen der Abstraktion Fähigen, den Mörder, Opportunisten und manchmal Großmütigen, Tapferen in uns selbst!“ (S. 48) und „Literatur hat sich immer, ich darf daran erinnern, meines Erachtens der Prüfung zu stellen, sofern sie vordringlich ein soziales, ökologisches, politisches Anliegen hat, warum sie es denn nicht unmittelbarer, in Form von Reportage, Kommentar, Interview artikuliert. Mit anderen Worten: Sie darf sich nicht zu eingekleideten Aufgabe, zu ein wenig emotional aufgemöbelten Illustration degradiere.“ (S. 58) Danach kommt Wirkliches Leben und Literatur, ein Text, in dem sie das Verhältnis von Wirklichkeit und Literatur untersucht. „Vom Umgang mit der Natur und wie sie mit uns umspringt“ enthält eine autobiographische Skizze, wie sie mit Literatur in Berührung kam. Im dritten Teil dieses Buches fragt Kronauer nach der Definition des Romans.

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Jetzt kommt der zweite Band, der rote Band, >Poesie und Natur Natur und Poesie dran: Marder und Kaninchen. Schon im Artikel > Ausgepackt oder Leseprogramm habe ich versprochen, diese beiden Bücher von Brigitte Kronauer verleihe ich nicht mehr, die will ich behalten. allenfalls würde ich Ihnen daraus vorlesen. So wie vorgestern und vorvorgestern zu Hause. Also zuerst Marder und Kaninchen. Es ist ein Vergnügen, ihre Texte zu lesen, aber auch sie zu hören. Die Konstanz der Tiere „Überpersönliche Identitäten“ – eigentlich müssten hier als Illustration meine Zoobilder von früher folgen… Dias, einscannen… „Die Tiere trugen die Insignien und Indizien ihrer Wesensbeschaffenheit, sobald man sie erkannt hatte, unmaskiert bei sich und waren daher viel überzeugender und auch freundschaftlicher ohne Verwischungen als die zwielichtige schwankende menschliche Umgebung.“ (S. 12) Klasse. S. 7-24 höchstes Lesevergnügen.

„Tierlos“: Über Canettis Über Tiere: Kindheit und Tiere. Dann das Ökosystem Elbe: Die Niederelbe. „Schweiz meiner Seele“, im Flachland? gefolgt von Vom Riesengebirge bis Cuxhaven. Wir Avantgardisten ist eine Rückbesinnung auf das was wir meinen, wenn wir „Natur“ sagen. Dann nimmt sie uns mit in den Botanischen Garten in Klein-Flottbeck: Demokratie n ihrer schönsten Gestalt. Um es klar zu sagen: Landschaft ist nicht Natur. Sprechen Tiere? Klar! Herr Hagenbeck hirtet S. 76-109.

Wie gesagt, die beiden Bücher behalte ich. Mal gucken, wem ich daraus demnächst wieder vorlese.

Brigitte Kronauer
> Poesie und Natur/Natur und Poesie
Essays
1. Aufl. 2015, 295 Seiten, 2 Bände im Schuber, gebunden, Leinen, geprägt
ISBN: 978-3-608-98303-6

Zur Erinnerung: > Vorgefragt: Brigitte Kronauer, Gewäsch und Gewimmel

> Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger

Ausgepackt: Leseprogramm für die nächsten Tage

Montag, 21. September 2015

Immer wenn ein Päckchen von Klett-Cotta ankommt:

… muss entschieden werden, in welcher Reihenfolge gelesen wird. Und das fällt nie ganz leicht. Aber das kennen Sie ja, man liest immer mehrere Bücher parallel. Und was war heute im Paket drin? Dabei muss ich immer wieder an Albert Camus‘ Premier homme denken, in dem er den Bibliotheksbesuch mit seinen Kameraden beschreibt: Und draußen haben wir uns gleich auf die Bank gesetzt, um ganz lesehungrig die gerade entliehenen Bücher sofort aufzuschlagen, um zu sehen, was sie uns heute von der Welt berichten.

Also hier unsere Lesereihenfolge:

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Die neuesten beiden Bücher von Brigitte Kronauer unter dem Titel > Poesie und Natur/Natur und Poesie. Essays sind in dem Paket!

Darum geht es: »Ich glaube mehr denn je, es ist die Literatur, die uns, den schwankenden Akteuren des 21. Jahrhunderts, die alten, stabilisierenden Verbindungen zur Natur garantieren könnte.« Tiere sind wieder in Mode gekommen, stellt Brigitte Kronauer fest. In Flora und Fauna trifft sie Goethe und Grzimek, E. T. A. Hoffmann und Hagenbeck, Ror Wolf und seinen animalischen Namensvetter, um das Verhältnis von Poesie und Natur durch die Poesie wieder neu zu entdecken.

kronauer-natur-poesie

Ausgepackt. Zwei so schöne Bücher! Da sehen wir gleich auf den ersten Blick, beim ersten Aufschlagen, dass es uns so geht wie damals, als wir ihren Roman > Zwei schwarze Jäger zur Hand nahmen. Der Bericht über diesen Roman hieß nicht Lesebericht, sondern Vorgelesen, die erste Seite, dann die zweite Seite, nach zwei Abenden waren wir zu Hause mit dem Vorlesen fertig. Mal gucken, ob das heute abend genauso wird. In >Poesie und Natur steht ein Kapitel mit dem Titel Über Politik in der Literatur. Wirkliches Leben und Literatur aus ihrer Tübinger Poetik Dozentur 2011. Also um was geht es hier: Um Betriebsanleitungen zur Literatur, oder auch Poetiken handelt es sich hier. Nein, diese beiden Exemplare können Sie nicht bei mir ausleihen, die gebe ich nicht wieder her. Bald mehr hier unter > Lesebericht.

Brigitte Kronauer
> Poesie und Natur/Natur und Poesie
Essays
1. Aufl. 2015, 295 Seiten, 2 Bände im Schuber, gebunden, Leinen, geprägt
ISBN: 978-3-608-98303-6

Zur Erinnerung: > Vorgefragt: Brigitte Kronauer, Gewäsch und Gewimmel

> Nachgefragt: Brigitte Kronauer, Zwei schwarze Jäger


barley-paradies

Nigel Barley, > Das letzte Paradies erzählt von den wilden Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts. Bali war der Inbegriff exotischer Schönheit, freizügiger Sexualität und beeindruckender Kultur. Künstler kamen in das Inselparadies, die Reichen und Berühmten folgten. Treffpunkt war das Haus von Walter Spies (1895-1942) – deutscher Ethnologe, Musiker, Naturforscher und Maler.

Nigel Barley,
> Das letzte Paradies
Roman, aus dem Englischen von Anke Burger (Original: Island of Demons)
1. Aufl. 2015, 271 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-98028-8


waal-mensch-bonobo

Im Untertitel seines Buches > Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote stellt der Primatenforscher Frans de Waal fest: „Moral ist älter als Religion“. Er uns mit auf eine philosophische Reise mit, auf der Verbindung der lange Tradition des Humanismus und des Sozialverhalten im Tierreich erklärt werden. Welche Konsequenzen haben seine Forschungen für unser Verständnis von moderner Religion? Die Religion ist nicht die Urheberin unserer Moralität, behauptet de Waal. Er fordert die Leser auf, sich konstruktiv mit Fragen wie diesen auseinanderzusetzen: Welche Rolle spielt die Religion heutzutage in einer gut funktionierenden Gesellschaft? Wo können Gläubige und Nichtgläubige Inspiration für eine gute Lebensführung finden? Aufgeblättert: „Glaubt irgendwer im Ernst, unserer Vorfahren hätten keine sozialen Normen gehabt, bevor sie die Religion entdeckten? (S. 11)“Ich bezweifle jedoch, dass Moralität von oben verordnet werden muss. Kann sie nicht von innen heraus kommen? (S. 30)

Frans de Waal
> Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote
Moral ist älter als Religion
Aus dem Amerikanischen von Cathrine Hornung (Original: The Bonobo and the Atheist. In Search of Humanism Among the Primates)
1. Aufl. 2015, 365 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Tafelteil
ISBN: 978-3-608-98045-5


holland-rubikon

Im neuen Buch von Tom Holland > Rubikon. Triumph und Tragödie der Römischen Republik geht es um Aufstieg und Untergang der Römischen Republik: Mit historischem Scharfsinn erzählt Tom Holland die römische Geschichte von ihren etruskischen Anfängen bis zur Ermordung Caesars. Mit der Besprechung dieses Buches können wir auf diesem Blog unsere bisherigen 121 Artikel zur > Geschichte bestens ergänzen.

Tom Holland
> Rubikon
Triumph und Tragödie der Römischen Republik
Aus dem Englischen von Andreas Wittenburg (Original: Rubicon/The Triumph and Tragedy of the Roman Republic, mit einem Nachwort von Uwe Walter
1. Aufl. 2015, 463 Seiten, broschiert, mit Karten
ISBN: 978-3-608-94924-7

Klett-Cotta und Tropen auf der Frankfurter Buchmesse 2015

Donnerstag, 17. September 2015

> Autorinnen und Autoren am Stand

Auch in dieses Jahr sehen wir uns wieder auf dem Stand von Klett-Cotta und Tropen.

Die > Frankfurter Buchmesse findet statt vom 14. Oktober bis zum 18. Oktober 2015.
Sollten Sie kein Fachbesucher (Ausweis) sein, ist die Buchmesse für Sie geöffnet am 17. und 18. Oktober.

Unseren Stand (Klett-Cotta, Tropen, Hobbit Presse und Psychologisches Fachbuch) finden Sie in Halle 3.1. / Stand D 147.

Termine im Überblick

Adam Soboczynski, > Fabelhafte Eigenschaften: „Liebesroman, Künstlerroman, Gesellschaftsroman, Komödie und noch so einiges mehr steckt in diesem Buch…. Fabelhafte Eigenschaften ist aber zunächst ein Künstlerroman…“ stand in unserem > Lesebericht.

14. Oktober, 11.30 Uhr Blaues Sofa
14. Oktober, 15 Uhr 3sat Stand
15. Oktober, 13 – 14 Uhr am Klett-Cotta-Stand
15. Oktober, 18.30 Uhr Open Books, Historische Villa Metzler


Steve Sem-Sandberg, > Die Erwählten

Adrian Ziegler kommt im Alter von elf Jahren nach Steinhoft. Der Blick auf den Berg vor dem Fenster weckt bei den Kindern Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht. Adrians Renitenz lässt ihn die ganze Hölle der Nazi-Schergen durchleben.

14. Oktober, 18.30 Uhr Open Books, Alte Nikolaikirche
15. Oktober, 12 Uhr 3sat Stand


holofernes-baum

Judith Holofernes, Du bellst vor dem falschen Baum

14. Oktober, 10.30 Uhr ARD Bühne
14. Oktober, 12 Uhr Blaues Sofa
14. Oktober, 14 Uhr SPIEGEL Stand
14. Oktober, 16 Uhr 3sat Stand
14. Oktober, 17 Uhr FAZ Stand


barley-paradiesNigel Barley, > Das letzte Paradies

In den wilden Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts war Bali der Inbegriff exotischer Schönheit, freizügiger Sexualität und beeindruckender Kultur. Künstler kamen in das Inselparadies, die Reichen und Berühmten folgten. Treffpunkt war das Haus von Walter Spies (1895-1942) – deutscher Ethnologe, Musiker, Naturforscher und Maler.

15. Oktober, 14 – 15 Uhr am Klett-Cotta-Stand
16. Oktober, 14 Uhr Stand Indonesien, Halle 4.0 C 80

> Autorinnen und Autoren am Stand

Veranstaltungen – Lesungen – Nominierungen

Donnerstag, 17. September 2015

schroder-ich-pfeife

Das Buch von dem Schriedsrichter Christoph Schröder »Ich pfeife!« ist für den Fußball-Kulturpreis 2015 nominiert:

Ein Fußballschiedsrichter in der Amateurklassen erlebt das echte Leben. Hier kickt der Bäcker gegen den Schornsteinfeger und nach dem Abpfiff gibt’s erstmal einen Kasten Bier. Christoph Schröder hat ganz genau unseren Volkssport Nummer 1 beobachtet.

> Lesungen:
> 24.9.2015 in Wien
> 29.9. in Weil am Rhein
> 12.10. in Berlin
> 13.10. in Götingen

Christoph Schröder
> ICH PFEIFE!
Aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters
978-3-608-50332-6 NEU
3. Aufl. 2015, 224 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50332-6


kerr-wintertransferPhilip Kerr > Der Wintertransfer erzählt von einem Grab mitten im Stadion, einem toter Trainer, einer erbarmungslose Jagd. Scott Manson, ist Co-Trainer und wird Ermittler wider Willen, als sein Boss, die portugiesische Trainerlegende Zarco auf einmal tot ist. Ermordet. Der Täter? Manso jagt ihn. Und alles wird nur noch schlimmer: Hinterzimmerdeals und Bestechungen der Liga. schließlich wechselt auch noch die Russenmafia ein.

> [Lesebericht] Philipp Kerr: Der Wintertransfer > www.literatur-internet.de

> Lesungen:
> 6.10.2015 in Wien
> 87.10.2015 in Hamburg

Philip Kerr
> Der Wintertransfer
Thriller, aus dem Englischen von Axel Merz (Original: January Window)
1. Aufl. 2015, 425 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50138-4


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Adrian Ziegler kommt im Alter von elf Jahren nach Steinhoft. Der Blick auf den Berg vor dem Fenster weckt bei den Kindern Hoffnung auf einen Schutzengel, der zur Rettung naht. Adrians Renitenz lässt ihn die ganze Hölle der Nazi-Schergen durchleben. Auf der Krankenstation trifft er auf Anna Katschenka, die den Umgang mit Kindern liebt. Aber sie macht sich aus Loyalität mitschuldig am Leiden und Tod zahlreicher Kinder.

sven-sandberg

Steve Sem-Sandberg
> Die Erwählten
Roman, aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Original: De utvalda)
1. Aufl. 2015, 525 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93987-3

Blogarchiv > Nachgefragt: Steve Sem-Sandberg, Die Elenden von Łódź. In unserem > Lesebericht hieß es: „Sehr nachdenklich macht der Roman über das jüdische Getto in Łódź, in dessen Mittelpunkt der Judenälteste Mordechai Chaim Rumkowski steht. Er der die Arbeit als Überlebenskampf im Getto organisierte, musste zusehen, wie die deutschen Besatzer immer wieder neue Deportationen in Form von „Aussiedlungen“ organisierten, die und das fanden die Gettobewohner bald heraus, in den Tod führten. Was blieb dem Judenältesten anderes übrig? Die Anordnungen der Besatzungsmacht ausführen, um die Zurückgebliebenen wenigstens noch eine Zeitlang beschützen zu können? Oder sich den Verbrechen der Deutschen entgegenzustellen, um den Untergang derer, die er unter seinem Schutz standen, zu beschleunigen und selber unterzugehen? “ > Bitte weiterlesen.

Lesebericht: Adam Soboczynski, Fabelhafte Eigenschaften

Mittwoch, 16. September 2015

sobocynski-fabelhafte Eigenschaften

Bestens vorbereitet durch sein Buch Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung (Köln: Gustav-Kiepenheuer 2008) hat Adam Soboczynski jetzt seinen ersten Roman > Fabelhafte Eigenschaften verfasst, der bei Klett-Cotta erschienen ist. Liebesroman, Künstlerroman, Gesellschaftsroman, Komödie und noch so einiges mehr steckt in diesem Buch.

Das Motto dieses Buches hat Baudelaire kürzlich getwittert.

Das steht in einer Anmerkung zu den „Fusées“ von 1867.

Fabelhafte Eigenschaften ist aber zunächst ein Künstlerroman. Es geht um Hans Weinling und seine Tiere, die er immer am Strand malt. Kein Strand ohne Tiere. Menschen kommen bei ihm nicht vor. Manchmal oder eigentlich immer steht er versunken in seine Kunst oder seine Gedanken vor der Staffelei und wartet auf neue Einfälle. Aber er beherrscht auch „die Kunst der Verführung“ (S. 14) Bei einer Vernissage steht plötzlich Julia vor ihm, die sich gerade im Streit von Sebastian getrennt hatte. Julia hatte den Maler schon mehrmals vergeblich um eine Interview für ihre Zeitschrift gebeten. Nun war es soweit, sie spricht ihn an. Duzt ihn einfach. Dieses erste Kapitel zeigt eine Fülle von sehr guten Beobachtungen des Erzählers, die Marotten des Malers, die knappe Manier von Julia, wie sie sich auf den Maler stürzt. Beim Vorlesen dieses ersten Kapitels merkt man, dass man jetzt den ganzen Roman sogleich lesen muss.

Dann der Mailwechsel von Julia mit Sebastian, die ihm nochmal seinen fiesen Charakter vorhält. Sebastian liest gerade ein Manuskript eines Freundes, der sich ein wenig an der Wirklichkeit um Sebastian herum orientiert hat: Ein Maler, der Tiere am Strand malt, eine Frau die sich mit ihm zusammentut, deswegen einen anderen verlässt. Schließlich antwortet Sebastian ihr und hält auch ihr ihren schlechten Charakter vor.

Hans Werling hat eine Tante, Eva Hersohn, eine Augsburger Kunsthistorikerin, die kürzlich mit Helene Kerst nach Madrid gereist war. Kersts Ex-Mann sitzt zu Hause und schreibt schon ziemlich an einer Biographie über Hannes Maria Wetzlar.

Julia und Hans beziehen für ihre Stelldicheins ein Hotelzimmer, sie mag nicht in seinem Atelier, er nicht im Doppelbett, wo Sebastian lag, sein. Erst später verbringt Julia längere Zeiten in seinem Atelier: dieser „starre Blick auf das unfertige Bild!“ (S. 49) Vielleicht war dafür das Hotelzimmer doch ganz gut, dann entdeckt man nicht so schnell die Marotten seines Liebhabers, die zu seiner gewohnten Umgebung dazugehören. Sie zwingt sich, diese Beobachtungen nicht überzubewerten.

Kersts Bewegungen in der Öffentlichkeit erinnern an Musils Beobachtungen von Privatheit und Öffentlichkeit: „Es zeichnet die Öffentlichkeit aus, dass man, sobald man sie betritt, es mit Fremden zu tun hat und mit ihnen verkehrt und zwar in einem klar umrissenen Rahmen…“ (S. 67) Herrlich, die Art, wie Sebastian beim Anmachen kläglich durch dumme unverschuldete Zufälle scheitert. Tassen gehen zu Bruch, er verzupft sich ganz geschwind. Zufälle? Aber Sebastian trifft doch nochmal mit Charlotte zusammen.

Erste Zweifel tauchen bei Julia auf, ob sie und Hans wirklich zusammenpassen, das steigert ihr Verlangen aber nur noch. Auf dem Küchentisch, dabei geht einiges zu Bruch, kurz darauf zerschellt auch eine Flasche an Sebastians Kopf, als er Julia und Hans unverhofft besuchen will.

Wie gesagt, auch ein Künstlerroman, der Hans Wernling und seine Kunst von allen Seiten zeigt, und auch Werner Kerst in seiner Versunkenheit und Andacht vor seinem Werk über Wetzlar vorführt. Beide werden von der Wirklichkeit immer wieder unsachgemäß gestört und aufgehalten. Dann ist da noch sein Sohn Mark, der mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus strandet und den Kerst nun besuchen muss.

Langsam reicht es Julia: „Zwei große Kragenbären standen regungslos auf ihren Hinterbeinen am Stand.“ (S. 124) Schließlich zerstört Hans das Bild und wendet sich zärtlich Julia zu: „Mausi, Herzchen, Bärchen…“ (S. 126) Julia weiß nicht so recht, > ob sie die Kunst Weinlings hassen soll.. jedenfalls macht sie sich erst auf zu einer Shoppingtour, ein anderes Kleid bringt sie vielleicht auf andere Gedanken.

Es ist doch ein Roman über die Kunst! Tiere fragt sich der Künstler? „Den Tieren gefiel es, wenn sie von der Natur in die Kunst überführt wurden. Die Menschen sobocynski-fabelhafte Eigenschaften

hatten keine Natur, man beförderte sie durch die Kunst nur von einer schäbigen Künstlichkeit in die nächste.“ (S. 171) Jetzt übernachtetet er fast täglich bei Julia – bis zum nächsten Streit.

Adam Soboczynski
> Fabelhafte Eigenschaften. Roman
1. Aufl. 2015, 206 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98030-1

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