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Archiv für November 2015

#COP21 – Lesebericht : Ronald D. Gerste, Wie das Wetter Geschichte macht

Montag, 30. November 2015

gerste-wetter

Rechtzeitig zur Klimakonferenz > COP21 | United nations conference on climate change in Paris, die heute beginnt, hat Klett-Cotta das Buch von Ronald D. Gerste, > Wie das Wetter Geschichte macht mit dem Untertitel Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute vorgelegt.

Grundlagen der 21. > Klimakonferenz (Wikipedia) sind immer noch Annahmen, wie sich das Klimaänderung, gemeint ist die Erderwärmung durch die vom Menschen bewirkten Einflüsse, aufhalten lassen könnte. Es scheint Konsens zu sein, dass die Treibhausgase für die Erwärmung der Erde mit all ihren katastrophalen Folgen verantwortlich seien. Von allen Seiten drängen die Interessenverbände auf ein verbindliches Abkommen und fürchten reine Absichtserklärungen ohne jede Wirkung. Bis jetzt scheint es so, dass ein wirklich gemeinsames Handeln der Staaten nicht in Sicht ist; die meisten Staaten müssen in irgendeiner Form auf nationale Gegebenheiten Rücksicht nehmen, so dass jeder Staat ein anderes Konzept verfolgt, um den Klimawandel aufzuhalten. Prognosen, mehr oder weniger wissenschaftlich seriöse Untersuchungen, Warnungen aller Art vor ganz unterschiedlichen Szenarien des Klimawandels bis hin zu Katastrophen, die durch den Klimawandel bestimmt werden, bestimmten die Diskussion um das Klima.


> Die Artikel unseres Kollegen auf dem Frankreich-Blog zu #Cop21

Die > UN-Klimakonferenz, die vom 30. November bis 10. Dezember in Le Bourget stattfinden wird, hat die wichtige Aufgabe eine neues Protokoll zum Schutz des Klimas zu verabschieden.

> Fortschritte vor der UN-Klimakonferenz – Website der Bundesregierung

> www.cop21.gouv.fr ****


In dieser Situation ist es wohltuend, dass Ronald D. Gerste, > Wie das Wetter Geschichte macht den Blick auf die Geschichte mit in die Debatte einbringt. Klimawandel hat es in der Geschichte immer wieder teils mit dramatischen Folgen gegeben. In dieser Hinsicht bestätigt Gerste die Befürchtungen aller, die vor den dramatischen Folgen des Klimawandels warnen.

In Grönland erinnern die Reste der steinernen Kriche Hvalsey (Wikipedia) aus dem 13. Jahrhundert an die Blütezeit der Wikinger, die abzogen, als ihr Land immer kälter wurde. Die intensiven Regenfälle ab ca. 1315 oder die „Kleine Eiszeit“ im 17. Jahrhundert, die zu einem Faktor für den Dreißigjährigen Krieg wurde, sind für historische Umwälzungen mitverantwortlich. Dann aber gab es auch die mittelalterliche Warmperiode, die den Kritikern der heutigen Prognose zum Klimawandel, Recht zu geben scheint, wenn sie sagen, dass es schon immer ein Auf und Ab der Klimaschwankungen gegeben habe. (S. 14 f.) In der Tat scheint da etwas dran zu sein, denn die vielen Klimaschwankungen oder allein die besonderen Wetterereignisse, die Gerste im Zusammenhang mit historischen Ereignissen, beschreibt, waren kaum vom Menschen verursacht worden. Allerdings zeigen Vulkanausbrüche, wie der von 535 (wo?) oder der Krakatau, der am 27. August 1883 ausbrach, dass das Wettergeschehen weltweit sehr wohl von einem lokalen Ereignis völlig abhängig ist. Vulkane schleudern soviel Staub in die Atmosphäre, die Abkühlungen des Klimas zur Folge haben. Im Grunde genommen geht es darum, heute die Einflüsse der vom Menschen produzierten Faktoren auf das Wetter zu verstehen, zu bewerten und zu interpretieren. Es geht um das Modell des anthropogenen Klimawandels (S. 15 f.), das z. B. die Republikaner in den USA nicht akzeptieren würden.

Gerste will zeigen, wie das Klima und und das Wetter Blüte und Abstieg menschlicher Gesellschaften bestimmt hat. Er hat keine Zweifel: Warmperioden fördern den Aufstieg, Kälteperioden bewirken Instabilität und Krisen. (vgl. S. 25) War es wirklich die Abkühlung, der Klimaumschwung, der um 300 n. Chr. dem Römischen Reich ein Ende bereitete? Die Auswertungen aller Klima- und Wetterindikatoren, scheint diese These zu stützen. vgl. S: 30 f.) Die nachfolgende Erwärmung begünstigte das fränkische Kaiserreich mit Karl dem Großen.

Manchmal können Wetterphänomene vom Menschen ganz bewusst genutzt werden: September 480 v. Chr. Der Krieg zwischen den Persern unter Xerxes und den Griechen, die eine List anwandten und ihre Flucht vorzutäuschen. Tatsächlich lief die persische Flotte aus, aber die Griechen wussten, dass die Aura, die Göttin der Morgenbrise, ihnen wirksam helfen würde. Und so erlitten die Perser eine herbe Niederlage.

Zu den Berichten über den Einfluss von Klima und Wetter auf historische Ereignisse gehören auch die Zeugnisse der Klimageschichte (S. 48-53) und die Instrumente, Methoden und Verfahren wie die Dendrochronologie oder wie die Radiokarbonmethode oder die Auswertung von Ablagerungen im Eis mit denen man Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen erhalten kann.


> #Cop21: Websites und Bibliographie
> Mit Twitter und Tweets COP21 im Schulunterricht untersuchen- Eine Anleitung



Aktuelle Tweets zu #COP 21:
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Die Folgen eines jeden Klimaumschwungs waren immer dramatisch. Gerste nennt als Belege viele Beispiele. Die Rodungen der Maya waren für den Klimaumschwung im 9. Jahrhundert der zu ihrem Untergang führte, mitverantwortlich. (Vgl. S. 56 f.) Die Mittelalterliche Warmperiode in Europa ca. um 950 bis 1300 war, glaubt man den Klimaforschern, nicht global. Um eine durchschnittliche Erwärmung von etwa 1 Grad Celsius soll es sich gehandelt haben. Ganz anders heute, wo die Menschheit einer globalen Erwärmung von 1 oder 2 Grad Celsius „der mittleren Temperatur pro Zeiteinheit (wie zum Beispiel eine Dekade)“ (S. 64) entgegensieht.

Um 1310-1350 kam nach der Ausbreitung des Packeises von Grönland bis Island es zu einer besonderen Regenzeit mit katastrophalen Folgen in Europa wie Hungertod und der Pest. Es folgte die Kleine Eiszeit bis etwa 1850, für, die u.a. Vulkanausbrüche, wie u. a auch der des Mount Tambora 1815 zu den Ursachen zählen, dem das „Jahr ohne Sommer“ 1816 folgte. Hier folgt eine wichtige Beobachtung des Autors: kein Treibhauseffekt bedeute keine Erwärmung, fehlen diese Gase kommt es zu einer Eiszeit; (vgl. S. 97 f.) Damit ist alles gesagt, wie prekär Klimaentwicklung sein kann.

Klimaschankungen verlaufen keinesfalls linear. Auch in der kleinen Eiszeit gab es Ausreißer, wie die heißen Sommer 1665 und 1666, die den Großen Brand von London im September 1666 begünstigten. (Vgl. S. 110 ff.)

Klimaschwankungen aber auch besondere Wetterereignisse drehten immer wieder am Rad der Geschichte. Der Nebel am 29. August 1775 ermöglichte George Washington den Sieg. (S. 140 ff.) Hagel und Hitze trugen 17788/89 dazu bei, dem Ancien Régime den Gar auszumachen. Robespierre verpasste wegen eines gewaltigen Wolkenbruchs am 28. Juli 1794 die allerletzte Chance durch eine Ansprache seinen Kopf zu retten. Das Schicksal der großen Armee Napoleons, die auf ihrem Rückzug aus Moskau im Schnee steckenblieb ist bekannt, die Lehren aus diesem Desaster hat Hitler nicht verstanden. Napoleon scheiterte u. a. wegen des Wolkenbruchs in Waterloo, der sein Regime endgültig hinwegspülte.

Der Nebel war es auch, der das Attentat von Georg Elser auf Hitler am 8. November 1939 scheitern ließ. (S. 202 ff.) Das Wetter war für die Niederlage der deutschen Wehrmacht im Osten mitverantwortlich. „Operation Overlord“ hatte im Sommer 1944 Erfolg, weil es den Meterologen gelang ein Zeitfenster mit einer kurzfristigen Wetterberuhigung vorherzusagen

Ronald Gerste hat ein spannendes Buch verfasst, das nicht beabsichtigt, „eine ungewisse Zukunft zu skizzieren,“ (S. 279) aber es schärft in lehrreicher Weise den Blick für historische Zusammenhänge. Zweifellos gibt es auch eine „Rhetorik des nicht Prognostizierbaren“ (S. 278), und er erinnert an die 60er und 70er Jahre, als man alles versuchte, um die Erderwärmung zu fördern. Gerste will überhaupt nicht die anthropogenen Einflüsse auf das Klima abstreiten; er hat aber auch die Folgen der Überbevölkerung, das er als Tabu bezeichnet, im Blick.

Nach der Lektüre seines Buches fragt sich der Leser, ob die Staaten auf der Klimakonferenz #COP21 sich mit den Folgen des Klimawandels auch nur ansatzweise beschäftigen werden. Es kann auf dieser Konferenz nicht nur um die Reduzierung der Treibhausgase gehen, denn wenn wir diese Probleme wirklich ernstnehmen, dann dürfen die Gefahren in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht nicht vernachlässigt werden. Prognosen sind unzureichend, auch die Historiker haben dazu etwas zu sagen, so wie R. D. Gerste in diesem Band.

Ronald D. Gerste
> Wie das Wetter Geschichte macht
Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94922-3

Lesebericht: Merkur 798 November 2015

Dienstag, 24. November 2015

Gerade ist der MERKUR 799 angekündigt worden, da kriegen wir gerade eben noch die Kurve und erinnern an das November-Heft. Wie ist es um den Banksprech bestellt und wie kann man ednlich mal wieder den Begriff der omnipräsenten Digitalisierung entzaubern?
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Franco Moretti und Dominique Pestre haben sich die Sprache der Weltbank ganz genau angesehen. Was steht in ihren Jahresberichten? Erstaunliches fördert die linguistische Analyse ihrer Texte zu Tage und sie deckt ideologische Veränderungen auf. Benno Heussen untersucht kurz vor der Entscheidung des Bundestags die Diskussion hinsichtlich der Sterbehilfe. Thomas Steinfeld betrachtet Karikaturen und erinnert nochmal an die Diskussionen um Charlie Hebdo.


Merkur-Gespräch vom 23.10.2015 im ACUD, Berlin: Öffentliche Debatten zum Thema Internet sind meist ebenso gegenwartsverhaftet wie zukunftsbesessen, die soziale und mediale Vorgeschichte der digitalen Revolution blenden sie großzügig aus. Was dabei verloren geht, war Leitfrage der zweiten Auflage der Reihe „Merkur-Gespräche“. > Das Netz, historisch betrachtet (Teil 2)


In Litauen scheint die Situation seit der Ukrainekrise immer angespannter, weiß Felix Ackermann zu berichten. Die Theologiekolumne enthält einen Beitrag von Friedrich Wilhelm Graf, mit Hinweisen darauf, warum der Versuch interreligiöser Verständigung oft kontraproduktiv wird. Martin Hartmann erklärt die Schwächen an Hartmut Rosas Beschleunigungstheorie. Matthias Dell erinnert in seiner Medienkolumne über seine Verwunderung über die Unbedarftheit mancher deutscher Medien im Umgang mit mit rassistischen Entgleisungen wie der des bayerischen Innenministers in einer Talkshow. Martin Hartmann erläutert uns die Schwächen an Hartmut Rosas Beschleunigungstheorie.

>> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

>> Das Heft gibt es jetzt günstig im MERKUR-Probeabo.

Kathrin Passig und Aleks Scholz beschäftigen sich mit dem Begriff »Digitalisierung«: „Seit ein paar Jahren wird die Welt digital.“ (S.75) Da wird es endlich mal Zeit, sich über diesen Begriff zu unterhalten, also zwischen „digital“ und „analog“ zu unterscheiden. eine solche Schwarzweiß-Malerei gibt es gar nicht: „Unsere Umgebung ist weder digtial noch analog“. (S. 80) Und so möchten wir hinzufügen, Bildung kann man schon gar nicht digitalisieren: > Texte schreiben oder Buchstaben suchen? Schreibschrift, Blockschrift oder Touchscreen?:

David Wagner hat literarisch über seine Bergtour nachgedacht. Günter Hack berichtet novhmal über den Wiedehopf fort. Stephan Herczeg schreibt weiter in seinem Journal.

> Merkur 798

Lesebericht: Hallgrímur Helgason, Seekrank in München

Dienstag, 24. November 2015

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> Seekrank in München ist kein Buch für München-Liebhaber oder erst recht für alle Münchner, die ihre Stadt den Zugereisten noch besser erklären möchten. Um es gleich zu sagen, München ist nicht so recht das Problem des Protagonisten, Freiburg, Hannover oder Köln wären ihm kaum besser bekommen. Der Isländer Jung hat sich auf die Reise nach München begeben. In Deutschland wollte er studieren, da aber überall die Einschreibfristen schon abgelaufen waren, blieb nur noch die Hochschule, wo die Frist noch lief. Und so kam Jung zur Kunst, nämlich an die Kunstakademie in München. Zuerst die Reise nach und die Ankunft in München: „Mit dem Zug in eine Stadt zu kommen ist etwa so, wie einen Menschen durch ein Vergrößerungsglas kennenzulernen,“ (S. 9) erklärt Jung und leistet sich eine Taxifahrt in die Hohenzollernstraße. Bei der Zimmerbesichtigung für eine provisorische erste Bleibe fällt ihm die letzte Nacht zu Hause ein, Totalabsturz, und was war da nachts mit ihm passiert? Ein leichtes Nachtmahl, das seinen Magen zum Kollaps brachte. Nachts schnell raus. Das Erbrochene hatte eine seltsame Konsistenz, war schwarz und stank. Das Unheil nimmt so seinen Lauf und trägt keineswegs zu seinem Wohlbefinden bei. Ist es München, die ungewohnte Kost, die Umstellung, die Aufregung der Reise? Jung macht sich keinen Reim darauf.

In den nächsten Tagen führt ihn der Hunger in eine Gastwirtschaft, er greift sich eine Zeitung. Wohnungssuche, Telefon, das Übliche. U-Bahn-Fahren, erneute Zimmerbesichtigung. Für Jung wird alles zu Last. Ein rotes Zimmer mit roten Tapeten. Da schon wieder, sein Magen gibt seinen Inhalt zurück. Das Krankenhaus hat keinen Befund für ihn. Eine Unpässlichkeit?

Als seine isländischen Freunde ihn nach Schwabing mitnehmen, bekommt er zünftig zuviel Hochprozentiges ab. Leidet der Leser mit? Schreibt sich der Autor Studienerlebnisse von der Seele? Er erzählt uns viel über Island. Schon sein Kunsthochschuldebut zu Hause in Island war nicht so toll gewesen. Und jetzt auch noch eine Zulassungsprüfung, die eigentlich eine Aufnahmeprüfung ist. Keine günstigen Umstände, da kommt alles auf einmal zusammen… für einen Isländer, der auf München nicht so recht vorbereitet ist.

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Hallgrímur Helgason, Oktober 2011

Würde er sich nicht immer wieder so schrecklich unpässlich fühlen. Erinnerungen an die schwarze Lava zu Hause, schlimmes ins Bild gesetzte Heimweh? Nun dies als Reminiszenz an einen autobiographischen Charakter des Romans lassen wir gelten. Ansonsten prüft Jung ständig sein schwieriges Innenleben, ein geregeltes Studium findet unter diesen Umständen nicht statt.

Seine Artgenossen halten ihn von kreativer Arbeit ab, so als er ob er Island nicht einfach mal loslassen könnte. Doch er kann und reist zum Rendez-vous nach Florenz. Auch da vermasselt seine Unpässlichkeit alles… Ein Leiden oder das Mitleiden des Lesers ist auf dem Höhepunkt… Oder ist er nur etwa ganz unangepasst, dieser Künstler, der alles so ganz anders empfindet, seine Rolle eben nicht so spielt, wie man es von einem Künstler erwartet? Das grenzt ja fast an Schadenfreude, wenn man hier bei der Lektüre, Spaß empfindet, sagen wir eher Vergnügen bei dieser skurrilen Geschichte oder Lebensweise unseres Künstlers

Schließlich wird das Schwarze doch noch mehr oder weniger wissenschaftlich von staatlicher Seite untersucht… Nebenbei finden sich hier viele gelungene Anspielungen bis zu Persiflagen auf die bundes- und ostdeutsche Geschichte um den Beginn der 80er Jahre.

Nach einem Jahr kommt Jung wieder mach Hause. Ein bisschen mehr Künstler vorher? Um viele Erfahrungen reicher, nach seiner Reise kann er viel erzählen, und der Reisezweck, das Studieren geht unterwegs verloren.

Die Zugfahrt hin war prima, die 2. Hälfte dieses Romans gelesen und auf der ersten Hälfte der Rückfahrt diesen Lesebericht verfasst.

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Hallgrímur Helgason,
Seekrank in München. Roman,
aus dem Isländischen von
Karl-Ludwig Wetzig
Original: Seasick in Munich
1. Aufl. 2015, 416 Seiten,
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50151-3


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Nachgefragt: Hallgrímur Helgason, Eine Frau bei 1000°. 5. Oktober 2011 von Heiner Wittmann:
„Fast durchgelesen. Der Band von Hallgrímur Helgason, >Eine Frau bei 1000°, ist jetzt bei Tropen in der Übersetzung von Karl Ludwig Wetzig erschienen. Nach der Lesung gestern abend im Literaturhaus Stuttgart (Fotos folgen) haben wir uns für heute vormittag zu einem Gespräch verabredet. …“ > Bitte weiterlesen.

Hallgrímur Helgason
> Eine Frau bei 1000°
Aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig (Orig.: Konan við 1000°C)
1. Aufl. 2011, 400 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50112-4

> Wie kann man mit dem Morden aufhören? ZehnTipps von Halligrímur Helgason 15. Februar 2010 von Heiner Wittmann: „Auch die Routine macht einen Beruf nie so richtig langweilig. Oder es haben sich schlechte Gewohnheiten eingeschlichen, und man möchte sie überwinden, nochmal ganz neu anfangen – ohne alte Rechnungen. Das will dann nicht so recht klappen, man fällt doch wieder in den alten Schlendrian zurück. Das muss nicht immer so sein. Nur bei einem Serienkiller kommt die Gewohnheit immer wieder durch. Tomislav alias Toxic geht es nicht anders. Seine Nummer 67 war auch nicht geplant. Sie kam ihm dummerweise in die Quere: Ausknipsen, nennt das Toxic. Er hätte aber vorher genauer hingucken sollen, denn sein letztes Opfer ist offenkundig ein Priester, der nun sein Gewand als Fluchthilfe ausleihen muss. Und wir sind erst auf Seite 18. …“ > Bitte weiterlesen.

Hallgrímur Helgason
> Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen
Roman
Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson

Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
271 Seiten
ISBN: 978-3-608-50108-7

Weltkindertag 2015

Freitag, 20. November 2015

Aktuell:

Für den Weltkindertag fällt uns der Lesebericht auf dem Blog von Klett-Cotta ein:

Karl Heinz Brisch (Hg.)
> Bindung und Migration
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94939-1

In unserem > „>Lesebericht heißt es u.a.: „In den kühnsten Träumen kann man sich das Elend und das erlittene Leid der Jugendlichen z. B. in Syrien, die vor Ort aus ihrem Lebensumfeld durch unermessliche Gewalt und Tod von Freunden, nahen Angehörigen herausgerissen wurden, nicht vorstellen. Panik und extreme Angst bestimmten auf einmal ihr Umfeld. Für viele schließen sich Vertreibung oder Flucht in eine ungewisse Zukunft an. Sie sind gezwungen, in prekären Lagern zu überleben, zuweilen können auch die Erwachsenen ihnen kaum beistehen. Schaffen sie die Flucht, die sie neuen Gefahren aussetzt, in ein zunächst sicheres Umfeld, entsteht eine ganz andere Art von Stress, der Anpassungsdruck, massive Verunsicherung, Deprivationsgefühle, Vereinsamung und gar neue Bedrohungen (vgl. 7) für sie bedeutet.“

Nicht so sehr nur auf die Zahlen der Zuwanderer gemünzt, sondern auf unsere Möglichkeiten aller Bürgerinnen und Bürger den Kindern, und besonders den unbegleiteten Minderjährigen, die in und aus großer Not traumatisiert zu uns kommen, gilt das „wir schaffen das,“ der Bundeskanzlerin.

Erstmal wollen diese Kinder zu uns, sie suchen Sicherheit, und sie werden wahrscheinlich ein ganzes Leben lang davon schwärmen, dass sie bei uns Schutz, Geborgenheit, Sicherheit, neue Perspektiven, hoffentlich sogar neues Selbstvertrauen, neue Bindungen gefunden haben. Strengen wir uns ein bisschen an. Das werden die besten Botschafter Deutschlands.

Lesebericht: Amanda Vaill, Hotel Florida

Dienstag, 17. November 2015

amanda-vaill-hotel-floridaAmanda Vaill hat ein faszinierendes und packendes Buch über den Spanischen Bürgerkrieg > Hotel Florida mit dem Untertitel Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen Bürgerkrieg geschrieben:

Viele Intellektuelle stehen im Zentrum dieser Geschichte. Ernest Hemingway und Martha Gellhorn, die Fotografen Robert Capa und Gerda Taro, und der Zensurbeamte Arturo Barea und seine Geliebte Ilse Kulcsar. Viele von ihnen stiegen im Hotel Florida ab. Das Hotel mit seinen zehn Stockwerken gibt es nicht mehr. 1924 war es gebaut worden und wurde 1964 abgerissen. Im Spanischen Bürgerkrieg diente es von 1936-1939 als Herberge für großen und internationalen Namen.

Etwa 35 000 Freiwillige zogen für die Republik gegen Francos Truppen in den Krieg. Mehr als 17 000 von ihnen überlebten den Bürgerkrieg nicht, der rund eine halbe Million Menschen das Leben kostete. Deutschland und Italien unterstützen Franco, die Sowjetunion half den Republikanern, während die USA, England und Frankreich jede Einmischung in den Krieg ablehnten.

Viele verschiedene Lebensläufe, unter ihnen Michail Kolzow, John Dos Passos, Joris Ivens, Lillian Hellman und Geschichten auf ganz unterschiedlichen Schauplätzen Key West, Paris und New York führen aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Krieg zu. Sie wollen alle auf ihre Weise über den Krieg berichten, aus Madrid, Valencia, Teruel, Barcelona, Bilbao und zwischendurch wird die Erzählung wie in einem Roman, wo die Perspektive wieder verengt wird, auf die Ereignisse im Hotel Florida konzentriert, von wo aus alle Protagonisten wieder ausschwärmen auf der Jagd nach der besten Story oder dem besten Bild. Da müssen die Soldaten schon mal für den Photographen losrennen oder sich für ihn in die Deckung schmeißen.

Man spürt, dass sich in Europa etwas zusammenbraut, ein Clash der Ideologien und Systeme, wobei die Republikaner mit ihrer engen Verbindung zur SU auch Probleme bekommen. Die unmittelbaren Augenzeugen reagieren erstmal nur auf Sichtweite und haben nicht immer das große Ganze im Blick, sie denken an ihre kleinen Projekte und finden Wege und Tricks, um sich zu behaupten. Barea schafft es zunächst dem engen Korsett seiner Vorgaben zu entkommen und wird selber Chef seiner Behörde. Hemingway und die anderen reisen zwischendurch weider ab, müsenn aber dann doch einem inneren Drang folgen, die Meldungen von den Fronten ziehen sie immer wieder zurück. Robert Capa und Gerda Taro wollen alle Aspekte des Krieges zeigen, unerschrocken bewegen sie sich in den vordersten Linien. Schließlich wird ein Fronteinsatz Gerda Taro zum Verhängnis.

Barea (vgl. S. 252), der als Zensor weiß, wie es um das Regime steht und zunächst nur positive Meldungen durchlassen darf, beginnt dann doch zu zweifeln und betrachtet mit Sorge, wie Spanien eine (Kriegs-)Versuchsgelände wird: Faschismus oder Sozialismus? So wie der „Rest der Welt“ die Ereignisse in Spanien fieberhaft verfolgte, so beobachten ihn die Protagonisten dieses Romans: „Wir sind von Vornherein verdammt, dachte Barea. Wir können nicht gewinnen, trotzdem müssen wir kämpfen.

Das Ergebnis der präzise Recherchen von Amanda Vaill muss jeden Leser in ihren Bann ziehen. Oft waren es ganz persönliche Motive, die die Intellektuellen ganz dicht an die Front heranzog, manche kamen und blieben wegen einer Frau, eine Faszination des Kriegsgeschehen dürfte dabei auch gewirkt haben, aber schon früh hatte Capa mit dem Foto des tödlich getroffenen Soldaten das Grauen des Krieges in nur einem Foto festgehalten. Machtlos waren sie alle, um das Sterben und die Barbarei zu beenden.

Am 25. April 1937 überfolgten Flugzeuge der Legion Condor Guernica, nachdem die Bewohner die Schutzräume verlassen hatten, kamen sie wieder und bombardierten die Stadt. Es passt zu den Wirren des Bürgerkriegs, dass Journalisten den Fall von Guernica falsch einschätzten und darüber gar nicht berichteten. Virgina Cowles folgte ihrer Neugierde (vgl. S. 237), besuchte Guernica und obwohl ihr spanischer Begleiter ihr davon abriet, schrieb sie über Guernica.

Barea findet im Sender Beruhigung. Er wird zur voz incógnita de Madrid und berichtet im Rundfunk über die Kriegsereignisse, vor allem aber über die kleinen Leute und die tagtäglichen Ereignisse, man nennt das den Geschehnissen ein Gesicht zu geben. (vgl. S. 269 f.) Vielleicht war das seine persönliche Art, den Druck und die Grausamkeit der Ereignis verstehen und einordnen zu können.

Mit jedem dieser Schicksale ist ein anderer Aspekt des Bürgerkrieges verbunden. Für den Leser ist das Buch zunächst ein Puzzle vieler Namen, das sich beim Lesen sehr schnell zu einem zusammenhängenden Gesamtbild darbietet.

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Amanda Vaill
> Hotel Florida
Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen Bürgerkrieg
Aus dem Amerikanischen von Susanne Held (Orig.: Hotel Florida. Truth, Love, and Death in the Spanish Civil War)
1. Aufl. 2015, 512 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit 16 Seiten Tafelteil (s/w)
ISBN: 978-3-608-94915-5

Nachgefragt: Steve Sem-Sandberg, Die Erwählten

Dienstag, 10. November 2015

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Adrian Ziegler ist elf Jahre alt, als er nach Steinhoft kommt: “ Das erste Mal wurde er im Januar 1941 auf den Spiegelgrund gebracht, eines klaren kalten Wintermorgens, an dem das bleiche Licht über dem Boden vor Frost glitzerte. Adrian Ziegler sieht noch die kupfergrüne Kuppel der Anstaltskirche vor sich, die sich auf dem Berg oberhalb der Pavillons erhob, und dahinter den Himmel, so blau, wie kein Himmel in Wirklichkeit blau sein kann, nur auf einer Postkarte oder vielleicht auf einem Plakat.“ (S. 15) Bald ist es nur noch der Blick auf den Berg vor dem Fenster, der bei Kindern Hoffnung auf einen Schutzengel weckt, der zur Rettung naht. Adrians Renitenz lässt ihn die ganze Hölle der Nazi-Schergen durchleben. Auf der Krankenstation trifft er auf Anna Katschenka, die den Umgang mit Kindern liebt. Aber sie macht sich aus Loyalität mitschuldig am Leiden und Tod zahlreicher Kinder.

Auf der Frankfurter Buchmesse haben wir mit Steve Sem-Sandberg über seinen Roman gesprochen:

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Steve Sem-Sandberg
> Die Erwählten
Roman, aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Original: De utvalda)
1. Aufl. 2015, 525 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93987-3

>

> Nachgefragt: Steve Sem-Sandberg, Die Elenden von Łódź

In unserem > Lesebericht: Steve Sem-Sandberg, Die Elenden von Łódź hieß es: „Sehr nachdenklich macht der Roman über das jüdische Getto in Łódź, in dessen Mittelpunkt der Judenälteste Mordechai Chaim Rumkowski steht. Er der die Arbeit als Überlebenskampf im Getto organisierte, musste zusehen, wie die deutschen Besatzer immer wieder neue Deportationen in Form von „Aussiedlungen“ organisierten, die und das fanden die Gettobewohner bald heraus, in den Tod führten. Was blieb dem Judenältesten anderes übrig? Die Anordnungen der Besatzungsmacht ausführen, um die Zurückgebliebenen wenigstens noch eine Zeitlang beschützen zu können? Oder sich den Verbrechen der Deutschen entgegenzustellen, um den Untergang derer, die er unter seinem Schutz standen, zu beschleunigen und selber unterzugehen?“ > Bitte weiterlesen

Steve Sem-Sandberg
Die Elenden von Łódź
Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: De fattiga i Łódź)
1. Aufl. 2011, 651 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93897-5

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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