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Archiv für Februar 2016

Lesebericht: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln

Montag, 29. Februar 2016

graeber-buerokratie

Ein Buch über die Bürokratie? Will ich mich noch mehr über den lästigen Papierkram ärgern? Steuererklärung? Oder damals die Anmeldung zu den Examina… was für eine Papierflut! Oder heute. Der Gang aufs Amt. Immer müssen Regeln eingehalten werden. Die Dame am Schalter sagte mir um 8 Uhr, haben Sie eine Nummer gezogen? Weit und breit war noch kein weiterer Mitbürger zu sehen. Draußen auf dem Gang habe ich dann brav eine Nummer gezogen. Bing-Bong machte es, und über der Tür leuchtete 001 auf, nun war der Amtsschimmel munter, und ich durfte eintreten und mein Anliegen vortragen. Bürokratie wird landläufig mit Umständlichkeit, ja sogar mit Schikanen gleichgesetzte, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Meine Aufenthaltsgenehmigung in Paris bekam ich nur mit Studentenausweis… und den Studentenausweis bekomme ich nur mit der Aufenthaltsgenehmigung… als ich wütend zum Büro für die Aufenthaltsgenehmigung zurückeilte, lächelte die Schalterdame und sagte, wir hätten da eine „Vorläufige Aufenthaltsgenehmigung“ für sie… dann kommen Sie mit den Studentenausweis wieder.

David Graeber hat die Bürokratie und ihre Geschichte als Sozial-Anthropologe oder als Sozialtheoretiker (S. 230) durchleuchtet. Das Ergebnis ist eine spannende Darstellung einer drögen Materie. Man muss nur genau hinschauen und mit den Mitteln der Soziologie zu einer präzisen Analyse schreiten. Jeder wird die Ergebnisse Graebers mit seinen eigenen leidvollen Erfahrungen im Dschungel der Bürokratie vergleichen und sich an Erlebnisse erinnern, die ihm das Leben schwer gemacht haben, oder gar an die Unzulänglichkeiten des eigenen Bürolebens denken. Komisch, kaum jemand jubelt bei dem Gedanken, wieder ins Büro, auf das Amt zu gehen, und doch entkommt niemand der Bürokratie.

In der Einführung erläutert Graeber „Das Eherne Gesetz der Liberalisierung und die Ära der totalen Bürokratisierung“, dann folgen drei Kapitel, zuerst über die „strukturelle Dummheit“, dann über die Technologie und dann über Rationalität und Wert.

„Totale Bürokratisierung“ bedeutet für Graeber das „allmähliche Verschmelzen von öffentlicher und privater Macht“, vielleicht gilt das auch für den Fahrkartenkauf. Zu den Zeiten als ich Fahrschüler war, jeden Morgen mit dem Zug von Klingenstein um 7 h 10 nach Ulm, hatte ich eine braune Monatsfahrkarte, die kaufte man vor dem Monatsersten als braune Pappkärtchen am Schalter, zeigte sie im Zug vor und gut wars. Heute ist das Online-Kaufen nur mit guten PC-Kenntnissen zu bewältigen und der Schaffner kontrolliert, leuchtet die Fahrkarte an, scannt die Bahncard, und locht, nein drückt einen Stempel auf das DinA4 Blatt, so dass die Bahn auf Knopfdruck immer weiß, wo und wann wir wie lange entlanggefahren sind. Der Zweck ist nicht nur der Service für uns, sondern im Endeffekt maximale Gewinnabschöpfung aufgrund der Kenntnis vieler persönlicher Daten, ohne deren Herausgabe wir nicht einsteigen dürften.

Die Bürokratisierung als „kulturelle Transformation“ (S. 28):, die „nahezu alle Aspekte des Alltagsleben manipulieren.“ Um es kurz zu machen, dabei fällt mir dieser Titel von Klett-Cotta ein: > Wolf Wagner, Tatort Universität – Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung. Mit was für einer nahezu perfekten Effizienz hat man den Hochschullehrern ein Übermaß von Verwaltungskram aufgebürdet! Statt Forschung und Lehre mit großem Einsatz zu fördern, wurden Evaluationen, Lehrpläne, immer neue Prüfungsordnungen, Exzellenzinitiativen aller Art, eine Inflation aller möglichen Fächer, die den Blick aufs Ganze systematisch verhindern, hervorgebracht von einer ins Maßlose ausgeuferten Bürokratie.

Graebers Stärke liegt darin, Sachverhalte aufzudecken, für die uns im wahrsten Sinne des Wortes die Worte fehlen. Der Kern des „bürokratischen Systems“ ist eine „Kultur der Komplizenschaft“ (S. 34) Ob die Leute bereit seien, ihre Verstöße gegen das System zu vertuschen? Daran werde ihre Loyalität gemessen. Es entsteht eine Doppelmoral, die, so Graeber für alle Arten bürokratischer Systeme“ typisch sei. Je mehr „Markt“ oder Wachstum, um so höher die Zahl der Bürokraten (S. 41) Das stimmt wohl, denn alle Versprechen, Bürokratie abzubauen, funktionieren nicht, weil immer erst eine vielköpfige Arbeitsgruppe berufen wird, die die Bürokratie durchleuchten soll, und die man hinterher nicht wieder los wird, die dann zu einer eigenen Abteilung mutiert und sich selbst natürlich nicht abschaffen wird…

Mit der PC-Technik dachte man, es würden Arbeitsplätze wegfallen. Vielleicht ist der PC das größte Arbeitsbeschaffungsprogramm, das es weltweit je gegeben hat – abgesehen von den 21 T km der chinesischen Mauer. Und Graeber: „Diese Computerschöpfung – diese Welt, in der wir heute leben – beruht auf einer Illusion.“ (S. 43) Unsere neue Welt als ein Kind der Computertechnik? Graeber widerspricht vehement, (vgl. S. 44) „Welche allgemeine Richtung die Technologie einschlägt, hängt von sozialen Faktoren ab.“ Er macht eher die Entwicklung des Finanzwesens dafür verantwortlich. Aber es gibt eine Folge der PC-Technik, die unser ganzes Leben durchdrungen hat: Bewertungen, Beurteilungen jeder Art (vgl. S. 53 ff) aufgrund unserer persönlichen Daten, mit denen wir jeden Tag unseren PC und damit das Internet füttern. Kaum eine Firma, die sich nicht der Kniffs der Internet-Werbung bedient. Kaum haben wir ein Produkt in ihrem Online-Shop angesehen, taucht die Werbung für genau dieses Produkt auf ganz anderen Websites für uns ganz persönlich auf. Internet-Stalking ist das. Oder die Online-Shops, die uns freundlich um eine Bewertung ihres Angebots bitten. Eigentlich müssten sie uns gleich 50 Euro überweisen, soviel sparen die bestimmt an umständlicher Marktforschung auf unsere Kosten und Zeit.

> David Graeber am 25. Mai 2012 auf Lesereise ein Köln

Wunderbar, das Kapitel über „strukturelle Dummheit“. Bürokraten würden nie Unzulänglichkeiten zugeben, brandmarken aber unsere Unfähigkeit, die Formulare richtig, geduldig und vollständig auszufüllen, (vgl. S. 61) das ist nicht anderes als „strukturelle Gewalt“ (S. 71). Folglich ist es einleuchtend, wenn Graeber etwas weiter sein Buch als „eine Übung in Gesellschaftstheorie“ (S. 93 ) bezeichnet: „Strukturelle Gewalt bringt einseitige Strukturen der Imagination hervor:“ (S. 100) Die unteren Chargen müssen viel Imagination aufwenden, um das System zu verstehen und sich anzupassen, die oberen Chargen brauchen darüber überhaupt nicht nachzudenken. (vgl. ebd.) Graeber folgert daraus, das Bürokratien Dummheit organisieren, für ihn repräsentiert die bürokratische Autorität alleine durch ihre Natur einen Krieg gegen die menschliche Phantasie. Bien dit. Auch der Klügste wird von der Bürokratie als dummer Hansel vorgeführt. (vgl. S. 117) „Mechanismen der Entfremdung“ nennt Graeber alle Räume, wo Bürokratie sich abspielt, Fernseher und Wahlkabinen und Krankenhäuser gehören dazu (vgl. S. 122)

Und Graeber gelingt es, unser Bewusstsein für größere Zusammenhänge zu schärfen, in denen die Bürokratie sich befindet. Zum Beispiel soziale Netzwerke, die durch die PC-Technik und dann durch das Internet erst möglich wurden, vielen Kontakte ermöglichen und einige wenige steinreich werden lassen, weil sie ein sehr gefräßiges System für Daten entwickelt haben. Einige wenige Daten, die sich um eine Meldung ranken, sind immer offen, aber das sind nur Teile der Daten, die der Seitenbetreiber automatisch ausliest, um unser Verhalten vorauszuberechnen, um dann uns die perfekte Werbebotschaft zu präsentieren:

Die Kritik an der Technologie im 2. Kapitel erinnert daran, dass die post-industrielle Zivilisation einer Riesen-Täuschung erlegen ist. Nach der Mondlandung waren die USA ausgepowert. (vgl. S. 156) Und heute gibt es auch bei uns nur eine Verwaltung der Politik aber keine Visionen mehr, weil sich in den 60er Jahren schon der technologische Fortschritt zu verlangsamen begann. Ob das Internet ein Quantensprung in der Technik ist? Oder auch nur eine Illusion? müsste man Graeber fragen und mit ihm über das große nichtsnutze Spiel der kollektiven Intelligenz zu sprechen. Ob er einverstanden wäre, von einer „kollektiven Verdummung“ zu sprechen? Kreativität wird dauernd vorgespiegelt und doch treten alle Teilnehmer nur ein Hamsterdatenrad und herauskommt Wikipedia mit seinen unglaublichen Fehlern und der Autorität anonymer Korrektoren, die ihr Wissen als Maßstab der Welt zur Verfügung stellen. Bürokratie erstickt Visionen und Kreativität, schreibt er. Stimmt. Und es kommt noch schlimmer: Der PC nimmt uns Arbeit ab und bürdet uns Frust, Verzweiflung, Angst vor Datenverlust – und klau bis hin zum Diebstahl unserer Identität auf.

Mein PC bleibt meine „poetische Technologie“ und ich verteidige ihn bis heute gegen die bürokratische Technologie mehr schlecht als recht – bis immer wieder Microsoft oder andere >buerokratisierungFirmen wichtige Updates einspielen, obwohl doch auf jedem Produkt eigentlich die Inhaltsstoffe stehen sollten, man aber nie weiß, was deren Bürokratie in unserem PC anrichtet, welche Daten sei für sich auf unserem PC bestellen. Das formuliert Graeber so: „In Wirklichkeit hat es eine eigenartige Umkehrung von Zielen und Mitteln gegeben, bei der Kreativität in den Dienst der Administration gestellt wird und nicht umgekehrt.“ (S. 173). Das ist auch so bei der Bürokratisierung der Suchmaschinen, die nach Regeln arbeiten, die mit dem Inhalt, geschweige denn mit der Qualität der Websites eher nur am Rande etwas zu tun haben, uns aber die Ordnung der Welt vorgaukeln.

Und schließlich gelangt Graeber zur „Bürokratisierung der antibürokratischen Fantasy“. Unsere Leser, die mit der Hobbit-Presse werden hier erstaunliche Parallelen zu ihrer Lektüre entdecken: „Nur böse Menschen unterhalten Verwaltungssysteme.“ (S. 219)

Und Graeber kommt zu der Schlussfolgerung: „Was dem Reiz der Bürokratie letztendlich zugrundeliegt, ist die Angst vor dem Spielen.“ (S. 230)

David Graeber
> Bürokratie
Die Utopie der Regeln
Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Henning Dedekind (The Utopia of Rules)
1. Aufl. 2016, 329 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94752-6

graeber-schuldenDavid Graeber
> Schulden. Die ersten 5000 Jahre
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer (Orig.: Debt)
1. Aufl. 2012, 536 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94767-0

> Die aktuelle Lektüre: David Graeber, Schulden

Lesebericht: Gerhard Schweizer, Syrien verstehen

Dienstag, 23. Februar 2016

> Vortrag und Diskussion: Gerhard Schweizer, Syrien verstehen und 2 x Nachgefragt… 24. Februar 2017

Das Statement von Dr. Klaus Wittmann (Brigadegeneral a.D., Historiker und Senior Fellow des > Aspen Institute Deutschland) vom 23. Februar 2016 zur aktuellen Situation in Syrien auf der Website der IPG > Fünf Jahre Bürgerkrieg in Syrien. Zwei Lageeinschätzungen aus humanitärer und politisch-militärischer Sicht ist eine gute Gelegenheit, den Lesebericht zu dem Buch von Gerhard Schweizer auf diesem Blog nach oben zu holen:

schweizer-syrien-verstehenIm Februar 2011 beginnen Proteste in der syrischen Staat Deraa und greifen auf andere Landesteile über. Desertierte Soldaten gründen die „Freie syrische Armee“, die Aufstandsbewegung mündet in einen Bürgerkrieg, in dessen Verlauf bis heute die Lage immer unübersichtlicher wird. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ erobert im März 2013 Teile von Nordsyrien. Bis heute sind durch den Bürgerkrieg in Syriens rund 250.000 Menschen ums Leben gekommen. 11 der 22 Millionen Einwohner sind entweder im Land auf der Flucht oder haben in den angrenzenden Ländern Schutz gesucht. Seit dem Sommer 2015 hat auch ein Flüchtlingsstrom in Richtung der EU begonnen.

Wie kann man heute bei diesem Konflikt mitreden? Unsere Medien berichten über die zersplitterte Opposition, von der Härte des Regimes unter Assad, das sich mit großer Brutalität verteidigt, sie berichten von immer neuen Gräueltaten des IS und der Zivilbevölkerung Syriens, die zur Hälfte unter dramatischen Umständen auf der Flucht ist, um Schutz und Hilfe zu finden.

Wie kann die Wiederherstellung des Friedens in Syrien gelingen? Es gibt unmittelbare Gründe für den Ausbruch des Bürgerkriegs, der sich am Widerstand des Regimes gegen die Bewegung des Arabischen Frühlings entzündet hat. Er zeigt, wie die Probleme des Nahen Ostens durch die Lage in Syrien noch weiter verschärft werden. Die Befriedung Syriens ist heute die allererste Aufgabe. Zu ihr gehören umfassende Kenntnisse vor allem der Geschichte, der Politik und der Gesellschaft in Syrien. Die hat Gerhard Schweizer in seinem Buch > Syrien verstehen. Geschichte, Gesellschaft und Religion, das in der 2. Auflage bei Klett-Cotta erschienen ist, vorgelegt. Das Buch ist schon 1998 unter dem Titel „Syrien. Religion und Politik im Nahen Osten“ bei Klett-Cotta veröffentlicht worden. Nun hat er es um ein Vorwort und um ein Kapitel „Ein Umbruch mit unabsehbaren Folgen“ erweitert, das mit dem Tod von Hafi al-Assad am 10. Juni 2000 beginnt und um eine Fortführung der Chronologie bis heute ergänzt.

Ob sich jemals alle direkt oder indirekt Beteiligten am syrischen Bürgerkrieg darauf besinnen könnten, dass Syrien schon immer ein Treffpunkt östlicher und westlicher Kulturen gewesen ist? Es sind die Geschichtskenntnisse, die dazu beitragen können, die Entwicklung Syriens bis heute besser zu verstehen. Zugleich sind es aber auch die interessengebundenen Interpretationen der historischen Ereignisse, die das heutige Chaos in Syrien als so unauflösbar erscheinen lassen. Zuerst war Syrien eine Hochburg des Christentums, dann wurde es zum Kernland des Islams. Dann wurde es Schauplatz der Kreuzzüge, deren unheilvolle Nachwirkungen bis heute andauern. Syrien wurde Brennpunkt der Religionsspaltung in Sunniten und Schiiten, Muslimbrüder entstanden dort, und heute wird es zu einem Kampfgebiet zwischen Rebellen und dem Regime Assads, der nicht weichen will, und die Syrier müssen zusehen, die sich der „Islamische Staat“ weiter ausbreitet.

In Syrien entwickelte sich im 20. Jahrhundert der arabische Nationalismus und der islamische Fundamentalismus. Unsere Medien haben lange Zeit nur den Nahostkonflikt mit den Krisenherden Israel und Palästina gezeigt. Syrien hat unter der Diktatur der Assads seit längerem versucht, den Libanon für sich zu bekommen. Nun versinkt Syrien in einem Bürgerkrieg. Das Syrien der Assads versuchte sich schon lang, den Libanon als »Provinz« einzuverleiben. Der großsyrische Nationalismus wurde lange nicht erkannt und dann unterschätzt.

Die Lage ist so verworren, weil die Zahl der Beteiligten am Bürgerkrieg so unübersichtlich ist. Die Rebellen sind sich keinesfalls einig und werden nicht nur vom Regime auch von Russen bekämpft, die in den Bürgerkrieg eingegriffen haben. In wieweit sie an der Seite der Amerikaner auch den IS bekämpfen ist für die Zeitungsleser und die Fernsehzuschauer im Westen nicht eindeutig erkennbar. Nach den Attentaten vom 13. November in Paris haben auch die Franzosen ihrerseits die Angriffe auf den IS verstärkt. Deutsche Soldaten leisten in Syrien mit Tornados Luftaufklärung.

Eine Lösung des Konflikts scheint in weiter Ferne. Nach dem Tod des Rebellenführers Sahran Allusch am 25.12.2015 bei Damaskus, der zwischen den verfeindeten Extremistengruppen vermitteln wollte,schweizer-syrien-verstehen ist das Abzugs-Abkommen erst einmal ausgesetzt worden. Es sah vor, dass 4000 Menschen das Palästinenserlager Jarmuk und die benachbarten Viertel Kadam und Hadschar al-Aswad verlassen. Unter ihnen vor allem Zivilisten, auch 2000 Islamisten, von denen die meisten IS-Kämpfer sein sollen.

Gerhard Schweizer,
> Syrien verstehen Geschichte, Gesellschaft und Religion
2. Aufl. 2015, 503 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94908-7

Fotos und Lesebericht: Jan Snela, Milchgesicht

Samstag, 20. Februar 2016

Am Di, 23.02. um 19.30 Uhr in der Café LesBar > Stuttgarter Stadtbliothek am Mailänder Platz hat Jan Snela sein Buch vorgestellt:

Man kann Literatur nicht einfach so photographieren, aber dennoch, die Stimmung wird auch durch lautlose Fotos eingefangen und der Blick in das folgende Fotoalbum – bitte erst mit einem Doppelklick auf ein Foto öffnen, wenn diese Seite ganz geladen ist – zeigt, wie spannend diese Lesung war. Julia Schröder, sehr gut vorbereitet, fragte präzise und Jan Snela antwortete manchmal sogar bedächtig, seiner Sache sehr sicher, und ließ die Zuschauer in seine Schreibwerkstatt blicken. Wie entstehen solche Texte? Beim Zuschauen, seinen Gesten, seine Blicke verrieten einiges darüber, wie er als junger Autor diesen Abend erlebte, und wie er sein eigenes Buch vorstellte. Das hat er nicht eben mal geschrieben, das ist schon echt harte Arbeit, da wurde gefeilt und gehobelt und dieses Werkeln am Text, davon hat Snela gestern abend viel erzählt. Es lohnt sich, ihm zuzuzuhören.

Er wußte auch schon, dass unser Blog mit ihm auf der Leipziger Buchmesse #lbm16 einen Video-Termin hat, wenn > www.france-blog.info uns wieder sein Stativ leihen wird. Warum hat Snela aber den wunderbaren Umschlag vor dem beim Lesen von seinem Exemplar entfernt? Den muss er aber vor der nächsten Lesung wieder drummachen:

Buchpremiere | Moderation: Julia Schröder, STZ | Jan Snela erzählt von rauchenden Drittklässlern, Katzenfutter essenden Zimmermännern und in Milch badenden, gehörnten Wellnessmaniacs. Mit viel Liebe zum Detail, Sinn fürs Grobe und ohne Höhenangst spaziert er durch einen merkwürdig fremden Kosmos. Die Protagonisten in Milchgesicht sind moderne Nomaden in einem zur Wüste gewordenen Alltag. Völlig aus der Welt gefallen, schaffen sie sich ihre eigenen Mythen. Bastelnd und hinkend, stolpernd und stotternd kommen sie in triumphaler Selbstauflösung an den Rand dessen, was man eine ‚Existenz‘ nennt.

Jan Snela gewann 2010 den Open-Mike-Wettbewerb und war in 2012 bei der Mikrolesung bei uns zu Gast. Milchgesicht ist sein Debüt.
Eintritt: EUR 5 | Ermäßigt EUR 3 | In Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Schriftstellerhaus


snela-milchgesicht Jan Snelas > Milchgesicht trägt den Untertitel Ein Bestiarium der Liebe. Jan Snela ist > Gewinner des Literatur-Nachwuchswettbewerbs Open Mike.

Ein Bestiarium (kommt von bestia – wildes Tier) ist „eine mittelalterliche Tierdichtung, die moralisierend tatsächliche oder vermutete Eigenschaften von Tieren, auch Fabelwesen, allegorisch mit der christlichen Heilslehre verbindet. Bestiarien sind oft reich illustriert.“ Das steht so in Wikipedia. Und dessen meist anonyme Autoren wissen auch: „Mit Richard de Fournivals in Prosa verfasstem „Bestiaire d’amour“, das die Liebe Fournivals zu einer Dame allegorisch schildert, entstand das erste weltliche Bestiarium.“ > Richard de Fournivals (1201-1260) stammt aus Amiens. Er ist der Autor eines Liebesbestiarium (Le Bestiaire d’Amour) mit 60 Tierbeispielen, aus denen er ein Traktat über die Liebe herstellte, das ihm Zugang bei einer Dame verschaffen sollte.

Guillaume Apollinaires „Le bestiaire ou le cortège d’Orphée“ (1911) Franz Bleis „Großes Bestiarium der modernen Literatur“ (1924) sind Beispiele aus dem 20. Jahrhundert.

Ob wir so auf dem richtigen Weg sind? Immerhin heißt eine der Geschichten in der Sammlung > Milchgesicht Das Wiesel, das Henri zwischen zwei Gehwegplatten zuläuft. Wiesel oder Hermine? Zu kurz, das wird der Geschichte nicht gerecht.

Fangen wir vorne an. 10 Kurzgeschichten, kurze und längere Miniaturen hat Snela uns mitgebracht. Und da wir zu Hause neue Bücher oft par une épreuve du gueuloir (Flaubert) testen, altdeutsch vorlesen, ob die Geschichte rollt, so haben wir auch „Milchgesicht“ laut vorgelesen. Muss das wirklich soviel Milch sein? Ein Milchbad. Also auf zur Tankstelle. Wenn Sie diese Geschichte gelesen haben, werden Sie in jeder Tankstelle unwillkürlich danach gucken, ob noch genug Milch im Regal steht.

SPOOK SPEAKER in der U-Bahn lesen, die Schöne drei Sitzgruppen weiter: „Ich war ihr bereits verfallen.“ – „Gehn wir zu Dir?“ Und er nannte sie einfach mal Ruth, die sich durchs Fenster rettete, als Kirstin schon zu hören war.

„Eine Vigilie“. Amalie. Über ihre Nacht mit dem Erzähler habe ich schon andeutungsweise getwittert:

Diese Geschichte würde ich jetzt gerne nochmal vorlesen. Schließlich war es doch nicht so schwer, Amalie rumzukriegen, sie trug ihr per (Liebes)Briefchen dazu bei „Und bist du prêt?“ DAS WIESEL wird für Hermine zur Konkurrenz, weil es alle Aufmerksamkeit bekommt und schließlich auch mal weg ist, dann wieder kommt, und dem Erzähler fürs Leben sinnstiftend erscheint, so dass Henris Doktorarbeit bleibt, wo sie gerade ist. DAS KIND hat seinen eigenen Willen und setzt sich durch. DER LEHRLING. Und was ist mit Maren? Sie hat nur einen Zettel hinterlassen und ihren Zimmerschlüssel per Tesastreifen angebunden. Bei MIRIAM gab es kleine Mäuse in der Küche, in einem mit angetackertem Maschendraht-Verlies. Und dann noch KLOPSTOCK mit dem Klöppeln des Jäckleins. Und zuletzt Erzählt GRUNDIEREN von einem Maler.

Snelas Schreibtstil verleitet zum Vorlesen. Die Maulprobe hatte die erste Geschichte Milchgesicht bestens passieren lassen. Manchmal bekommt dann doch wieder das nüchterne Erzählen die Oberhand über seinen skurrilen Stil, der bestens zur Marotte von Amalie passt, mit der sie ihren Freund auszieht, aber dann erstmal per Kerzenschein da sitzen lässt: „Wir schluchzten gemeinsam.“ und dann: „unserer Leiber wurden … hinfortgerissen.“ „Das war’s“. Am frühen Abend kann der Protagonist wieder zur Ringvorlesung über Michel Foucault in die Uni schlendern.

Wie funktioniert die Aneignung dieses Buches? Zuerst ein wenig Stirnrunzeln, der Stil ist wirklich sehr recherchiert, Wortneubildungen und intensive Gefühlsduseln, aber dann der Lesebericht. Das Entdecken der guten Wirkung des Wiederlesens, so wie man einen Film mehrmals anguckt, um die letzten Einzelheiten zu genießen. Nicht alle Bücher haben bisher diese hohe Blogauszeichnung bekommen: Dieses hier geb‘ ich nicht wieder her. Vorlesen? Ja das würde ich damit machen und mich wieder an den vergleichen freuen: „Henri schwankte durch die Morgensonne, die sich verausgabt wie keine Sparglühbirne.“

Jan Snela
> Milchgesicht
Ein Bestiarium der Liebe
ISBN: 978-3-608-98307-4
Erscheinungsdatum: 20.02.2016

Das Internet ist nicht das Ende der Bibliotheken

Mittwoch, 10. Februar 2016

Unter der Überschrift > Weg mit den Büchern! stand am Sonntag, 7.2.2016 in der NZZ ein Interview mit Rafael Ball, seit 2015 Direktor ETH-Bibliothek in Zürich. Er meint, das Internet mache Bibliotheken überflüssig. Er gibt sich entschlossen: „Bibliotheken müssen ihr Geschäftsmodell radikal ändern. Wer das nicht tut, der wird in den nächsten 20 Jahren verschwinden.“

Seine Geringschätzung des Buches und sein grenzenloses Vertrauen in die Untiefen des Internets können als einfache Provokation, ein Appell an Bibliotheken, mal über den Tag hinauszudenken und sich in ein total digitalisiertes Zeitalter zu versetzen, verstanden werden. In diesem Fall bräuchten wir gar nicht besonders darauf zu antworten.


> Lesebericht: Johann Friedrich Cotta, Ein Leben für die Literatur – 11. Mai 2009 von Heiner Wittmann >>>

„Vom 1. Dezember 1787 bis zu seinem Tod am 29. Dezember 1832 hat Johann Friedrich Cotta die J. G. Cotta’sche Buchhandlung geführt. Dreiundzwanzig war er, als er den Verlag mit zwanzig Gulden in der Tasche übernahm. Peter Käding hat über ihn und seine Verlegerkarriere eine wundervolle Biographie verfasst: > Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik: Die Hand über der ganzen Welt.…“ Wie flüchtig wären die die Titel seines Verlages als E-Books gewesen, das gedruckte Wort hat seinem Unternehmen und den von ihm betrauten Autoren diesen Erfolg beschert.


Es gibt eine andere Lesart der Antworten von Rafael Ball, und die verlangt eine Stellungnahme. Rafael Ball spielt in seiner Antwort mit dem gedruckten Wort, das heute in einem Buch eine andere Würde und eine besondere Form der Freiheit für sich in Anspruch nehmen darf als das flüchtige, schnell – manchmal auch zu Unrecht – eingescannte Wort. Auf die Frage „Brauchen wir noch Bibliotheken,“ antwortet er: „Nein, in ihrer heutigen Form nicht. Bibliotheken machten ja bisher nichts anderes, als für die Menschen Inhalte zu sammeln. Dieses Konzept funktioniert heute nicht mehr. Jetzt ist das Internet da. Wer Inhalte sucht, braucht keine Bibliothek mehr.“ Kein Historiker, kein Philosoph, kein Germanist, kein Romanist, kein Politikwissenschaftler kann heute eine wissenschaftliche Arbeit schreiben, wenn er sich auf die vermeintlichen Segnungen des Internets mit seiner schon recht beachtlichen Menge an digitalisierten Büchern und Dokumenten jeder Art verlassen soll. Über > Sartre können Sie kein Buch schreiben, wenn alle Bibliotheken geschlossen sind und Sie sich mit den heutigen Ressourcen des Internets zufriedengeben müssen. Ohne Bibliotheken und Archive, nur mit dem Blick auf den Bildschirm und in die Weiten des Internets hat wissenschaftliches Arbeiten keine Zukunft mehr, noch lange keine neue Zukunft, die sich Rafael Ball vorstellt. Die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung steht auf dem Spiel. Wer Ergebnissen von Suchmaschinen traut ist verloren.

„Das Informationsmonopol der Bibliothek ist gekippt. Wer heute einen Internetanschluss hat, aber keinen Zugang zu einer Bibliothek, ist potenziell gebildeter als jemand mit einem Bibliothekszugang, aber ohne Internetanschluss.“ Würde das stimmen, wäre das Internet das erträumte Eldorado, das Allheilmittel für jedes Bildungsproblem. Das ist es aber nicht, davon sind wir Lichtjahre entfernt, und Rafael Ball stellt uns lediglich seine grenzenlose Überbewertung des Internets vor.


>„Stellen wir uns eine Schulklasse oder Kurs mit 12 Schülern in der Oberstufe vor. Teilen wir die Klasse. Die eine Hälfte (Gruppe 1) erhält zwei oder drei interessante Texte zu den deutsch-französischen Beziehungen, … und die Aufgabe, einen Text in Form eines Éditorial zu verfassen, um einige Grundprobleme der deutsch-französischen Beziehungen darzulegen….“

Das gleiche Experiment können Sie auch in jedem Seminar wiederholen. Mit dem Internet können die wenigstens Hausarbeiten geschrieben werden.

> Tippen Sie auf der Tastatur oder schreiben Sie mit der Hand?


Bücher sieht Ball nur noch im „Bereich der Leseförderung“, Dort „ haben Bibliotheken eine Aufgabe. Man kann das aber an die Schulen verlagern und dort Bücher zur Verfügung zu stellen.“ Und warum soll das nicht auch für die Universitäten gelten?

Die digitale Welt auf unserem Blog:

> Wissen und Nicht-Wissen im digitalen Zeitalter und das Ende der Zeitung

> Digital und kostenlos? Open Access

> Schwerpunkt: « Die Gegenwart des Digitalen »
Merkur 788 – Januar 2015 im neuen Gewand

> Zahlt Google? Die Arbeit der Autoren und das Urheberrecht

> Sollen öffentlich geförderte Forschungsergebnisse wirklich kostenlos sein?

Nota bene, es gibt Fachrichtungen, die könnten sich mit den vorhandenen digitalisierten Ressourcen, die per Intrnet erreichbar sind, zufriedengeben. Viele technische Themen gehören dazu; vor allem Themen, für die keine Literatur aus dem Zeitalter vor der Einführung des PCs vorhanden ist. Meine Lieblingsbibliothek > www.gallica.de der BnF in Paris stellt mittlerweile schon u.a. 635.000 Bücher, 1,5 Mio Zeitungen, 40.000 Partitionen und rund 35.000 Tonaufnahmen zum Download zur Verfügung und kann so tatsächlich für den Forscher auch geisteswissenschaftlicher Richtung – auch für den der eine Arbeit über > Napoleon III. schreibt eine echte Hilfe sein, eine gute Hilfe, aber mehr auch nicht. Es ist aber nur ein Bruchteil der Ressourcen, die die Bibliothèque Nationale de France BnF und andere >Online-Bibliotheken in Frankreich und Deutschland zum Beispiel für Geschichte anbieten.

Alle Bücher einscannen, das ist auch der Traum von Google, das keinen juristischen Weg in den USA ausläßt, um sich doch noch erlauben zu lassen, alle Bücher einscannen und zum Durchsuchen bereitzustellen > US-Gerichtsentscheid : Google darf Bücher digitalisieren – DIE ZEIT 15. November 2013. Google bedient sich an fremden Rechten, tut so als wäre es ein Wohltätigkeitsverein, der den Autoren hilft, ihre Bücher bekanntzumachen. In Wirklichkeit nutzt Google urheberrechtlich geschützte Inhalte, um seine Werbe-und Marktmacht ins Grenzenlose weltweit zu seinem eigenen Wohl auszudehnen. Der Google Algorithmus bestimmt schon heute, welches Buch oben angezeigt wird, die meisten Bücher verschwinden so im Nirwana des Internets.

Das Wort „Urheberrecht“ scheint Ball unbekannt zu sein. Noch darf der Urheber, bzw. seine Erben bestimmen, wo und wann ein Manuskript veröffentlicht werden darf. Internet bedeutet nicht grenzenlose Verfügbarkeit geistigen Eigentums.

Rafael Ball hat eine merkwürdige Vorstellung von einem Geschäftsmodell für die Zukunft der Bibliotheken. Gemeindebibliotheken sollen zu Kommunikationszentren werden, die den Zugriff auf elektronische Inhalte ermöglichen. Wissenschaftsbibliotheken wie die ETH sollen Wissenschaftler beraten, z. B. beim Publizieren von wissenschaftlichen Artikeln. Ball meint auch, die Bibliothek könne „massgeschneiderte Programme entwickeln, damit Wissenschaftler die riesigen Mengen an Literatur zu ihren Fachgebieten nach exakt jenen Informationen durchsuchen können, die für sie relevant sind.“ Will er Google nachbauen? Eigentlich sollte ein Wissenschaftler selber über die Kriterien entscheiden, was für seine Arbeit wichtig sein wird. Sollen etwas Bibliothekare in elektronischer Form eine Auswahl der Sekundärliteratur am besten noch mit dem passenden Zitat zur Verfügung stellen, die in die Hausarbeit übernommen werden? „Bibliotheken werden zu Analysezentren,“ sagt Rafael Ball.
Er will alle Bücher digitalisieren… ob er wirklich alle Schätze jeder Bibliothek meint? Dann wird tatsächlich, der Computer das Erstellen der Bibliographie übernehmen mit allen Möglichkeiten (staatlicher) diverser Autoritäten die Ergebnisse zu steuern.

Rudolf Mumenthaler > Sind Bibliotheken überflüssig? Eine Replik

Bloggen auf der Leipziger Buchmesse – 17. bis 20. März 2016

Dienstag, 9. Februar 2016

Leipzig, 9. Februar 2016. Premiere: Leipziger Buchmesse lädt zu Bloggersessions. Das Fachprogramm richtet sich an Blogger und Neueinsteiger sowie Verlage und Autoren


<<<< Die > Tweets von der Leipziger Buchmesse mit Hashtag lbm16

Blogger sind eine noch junge Zielgruppe der Verlagsbranche. Aus großer Leidenschaft für Literatur entstehen in Deutschland immer mehr hochwertige Blogs rund um Belletristik, Sachbuch, Comic und Fantasy und begeistern damit Hundertausende Fans. Für Verlage und Autoren sind die meinungsbildenden Medienmacher damit längst ein spannender Partner und Multiplikator geworden. Doch wie gelingt ein erfolgreicher Blog? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit von Verlagen und Bloggern? Und vor welchen Herausforderungen stehen Blogbetreiber? Diese Fragen beantwortet die erste Bloggerkonferenz „buchmesse:blogger sessions 16“ der Leipziger Buchmesse am Sonntag, den 20. März. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.

„Im letzten Jahr haben wir mit unserer Bloggerlounge einen erfolgreichen Grundstein gelegt. Hunderte Blogger nutzten unser Angebot des direkten Austausches mit Verlagen und Autoren“, so Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. „Mit unseren Bloggersessions möchten wir in diesem Jahr das Angebot ausbauen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Verlagen und Bloggern auf professionelle Füße zu stellen.“ Eröffnet wird die Konferenz mit einer Keynote der erfahrenen Bloggerin und Verlagsleiterin von Edel ebooks Karla Paul. Sie zeigt von 11.15 Uhr bis 12.00 Uhr, wie es gelingt den Blog in der Verlagsbranche zu etablieren und Finanzierungsmöglichkeiten zu sichern.

Vier Sessions zu Rahmenbedingungen und praktischen Angeboten

Im Anschluss an den Eröffnungsvortrag starten vier Sessions, von denen jeweils zwei parallel laufen. Die Rechtsanwälte Rainer Dresen, Justiziar Random House, und Stefan Haupt, Haupt Rechtsanwälte, klären von 12.00 bis 13.00 Uhr über rechtliche Rahmenbedingungen auf. Rainer Dresen zeigt, was beim Zitieren und der Verwendung von Bildern zu beachten ist. Stefan Haupt berichtet zum aktuellen Stand des Urheberrechts und deren Auswirkungen. Zur gleichen Zeit stellen im parallelen Panel verschiedene Blogger diverse Blogkonzepte vor.

Die > Tweets von Blog von Klett-Cotta >>>>>

Nach der Mittagspause (13.30 Uhr bis 14.30 Uhr) geht es in großer Diskussionsrunde um die Blogger Relations: Judith Tings (Kirchner Kommunikation), Karina Elm (NetGalley Deutschland), Annette Geduldig (Online PR-Referentin Bastei Lübbe), Tanja Rörsch (mainwunder Buchmarketingagentur) und Anke Henkel (Online Redaktion Carlsen Verlag) zeigen das Wechselspiel von Bloggern und Verlegern auf. Wer noch den Einstieg ins Bloggen sucht, ist im parallelen Workshop von Lovelybooks richtig. Experten erklären, warum ein Redaktionsplan notwendig ist und wie Zeitmanagement und Organisation ideal funktionieren. Den Abschluss des Tages bildet eine spannende Podiumsdiskussion: Das Eröffnungsstatement wird nach den Eindrücken des Tages noch einmal erörtert. Es diskutieren Karla Paul, Ute Nöth, Senior Manager Social Influencer Relations im Carlsen Verlag und Leander Wattig, Gründer von Orbanism.

Moderiert werden die Bloggersessions durch Felix Wegener. Der Münchener arbeitet seit 15 Jahre in der Buchbranche, unter anderem in den Bereichen Vertrieb, Presse, Digitales Marketing und Kommunikation. Seit 2014 ist er Geschäftsführer der Agentur Direttissima.

Die „buchmesse:blogger sessions 16“ werden von Lovelybooks, NetGalley & MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH unterstützt.

Raum zum Netzwerken und Fotoaktion

Ab 15.30 Uhr lädt die Bloggerkonferenz zur Happy Hour ein. Bei Snacks und Getränken können sich die Teilnehmer mit Referenten austauschen und Erfahrungen weitergeben. Darüber hinaus findet eine besondere Aktion statt. Fotografin Katrin Duval erstellt kostenfrei Portraits der Blogger, die für die eigenen Blogs verwendet werden dürfen.


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Anmeldung für Bloggersessions ab sofort möglich

„buchmesse:blogger sessions 16“ richtet sich an Blogger und jene, die es noch werden wollen sowie Autoren und Verlage. Die Anmeldung ist ab sofort online möglich. Die Konferenz findet am Sonntag, 20. März, 11.00 bis 16.30 Uhr im CCL statt. Die Teilnahme kostet 35 Euro, eine Eintrittskarte für die Leipziger Buchmesse muss zusätzlich erworben werden. > Alle Infos zum Programm.

Netzwerken auf der Leipziger Buchmesse: Bloggerlounge & Bloggerguide

Neben dem Fachprogramm lädt die Leipziger Buchmesse zum täglichen Austausch ein. In der Bloggerlounge in Halle 5 können sich die Meinungsmacher mit Verlagen und Autoren treffen oder miteinander austauschen. Darüber hinaus finden verschiedene Bloggertreffen im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt. Diese und viele weitere praktische Tipps gibt es ab Ende Februar im > Bloggerguide.

Über die Leipziger Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser, Autoren und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die Leipziger Buchmesse 2016 mit dem Lesefest Leipzig liest findet vom 17. bis 20. März auf dem Leipziger Messegelände sowie im gesamten Stadtgebiet statt. Es werden rund 2.000 Aussteller, über 250.000 Besucher und mehr als 2.500 Journalisten erwartet. Im Verbund mit der Leipziger Buchmesse öffnet die Manga-Comic-Con (MCC) in Halle 1. Parallel dazu findet die 22. Leipziger Antiquariatsmesse statt.

Leipziger Buchmesse im Internet:
http://www.leipziger-buchmesse.de
Leipziger Buchmesse im Social Web:
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Mein aktuelles Lesebuch: Jan Snela, Milchgesicht. Ein Bestiarium der Liebe

Dienstag, 9. Februar 2016

snela-milchgesicht„ET 20.2.2016“ hat die Pressestelle dick auf die erste Seite geschrieben, dort wo wie Autoren normalerweise mir ein Buch widmen. Jan Snelas > Milchgesicht. Ein Bestiarium der Liebe darf also erst am 20.2. um 0 h 01 hier auf dem Blog seinen Lesebericht erhalten, bis dahin keine Andeutungen, auch wenn das dem Autor dieser Zeilen ziemlich schwerfällt. Vorlesen! Beim Anklingen-lassen zu Hause, gucken, ob der Klang der ersten Seiten bei den Zuhörern ankommt, – > Gustave Flaubert machte auch eine „épreuve du gueuloir“, eine Maulprobe, um seine Texte seinen Freunden vorzulesen, sie mochten sie oder auch nicht.“ > Vorgelesen: Zwei schwarze Jäger, das haben wir damals gleich ganz vorgelsen. Snela, Das Milchgesicht, das Lesen des ersten Kapitels, laut und deutlich… nein ET 20.2., ich sag jetzt nicht mehr, bitte auch nicht gleich anrufen, auch nicht wieder so viele Mails schicken, nein ich sagt wirklich nichts, ET 20.2., immerhin soviel sei verraten, 181 Seiten Text und schon im 2. Kapitel fllt auf… Et 20.2., ich soll mich jetzt wirklich einmal zurückhalten. Gestern habe ich Milch gekauft, was man dabei alles im Laden sieht, bis dann schlussendlich die Karte im Bezahlautomat verschwindet, aber mehr sage ich jetzt über mein LESEBUCH wirklich nicht. Bitte nicht mehr anrufen.

Jan Snela
> Milchgesicht
Ein Bestiarium der Liebe
ISBN: 978-3-608-98307-4
Erscheinungsdatum: 20.02.2016

Roger Willemsen (1955-2016)

Montag, 8. Februar 2016

willemsen

Vor drei Jahren trafen wir uns auf der Buchmesse und haben lange miteinander geplaudert. Diese Fröhlichkeit und seine Passion für die Literatur! … und dann haben wir uns im Literaturhaus wiedergesehen. Ausweichen musste es in den riesigen – bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Hospitalhofes, und er hat uns über den Bundestag berichtet: „Das gesamte Jahr 2013 verfolgt er in jeder einzelnen Sitzungswoche, kein Thema ist ihm zu abgelegen, keine Stunde zu spät. Er spricht nicht mit Politikern oder Journalisten, sondern macht sich sein Bild aus eigener Anschauung und 50000 Seiten Parlamentsprotokoll.“ Mit Einsichten, die mancher Abgeordnete bedenken müsste.

Roger Willemsen wird uns sehr fehlen.

> Das Hohe Haus – Roger Willemsen, Annette Schiedeck, Jens-Uwe Krause – Lesung und Bühnenprogramm – Literaturhaus Stuttgart, 25.06.14 20.00 Uhr

> Vom Weggehen und Ankommen – Die Eröffnungsgala – Josef Haslinger, Roger Willemsen – Veranstaltungsreihe: Flüchtlingsgespräche Literaturhaus Stuttgart, 29.01.15 20.00 Uhr

Foto: H. Wittmann

Wissen und Nicht-Wissen im digitalen Zeitalter und das Ende der Zeitung

Freitag, 5. Februar 2016

merkur-801-febuar-2016

War es seriös genug, die letzte Ausgabe des MERKUR 801 per Tweets mit dieser Zwitschermaschine zu besprechen? Die 140 Zeichen zwingen zu einer wohltuenden Präzision, und es macht Spaß aus eigenem Anlass zu zwitschern und den Nachhll der Tweets zu bebachten. Wenn auch es auch ein wenig nach Spielerei aussah.

Man muss ja doch schon zugeben, dass so der Leser sich dazu zwingt, den Kern jedes Artikel auf den 140erPunkt zu bringen. Wie auch immer dieses Tweet-Format lässt vielleicht sogar schützen und wenn nicht:

Lesen wir nochmal die Artikel von Andreas Bernhard, Das totale Archiv. Zur Funktion des Nicht-Wissens in der digitalen Kultur und von Stefan Schulz, Das Ende der Zeitung in den Marginalien. Beide Artikel gehören zusammen und schnüren den roten Faden um das ganze Heft.

Wie wohltuend ist es, wenn man seine eigenen Überzeugungen woanders wieder findet. Bernhard berichtet vom schmalen Grat, auf dem der Surfer wandelt, links das Wissen, rechts das Nicht-Wissen, eine Unterscheidung, die den Adepten der Wissensgesellschaft so gänzlich fremd ist. Wenn wir was wissen wollen, genügt es doch, eine Suchmaschine anzuwerfen, und schon verfügen wir über Wissen und Orientierung in der Welt. Was die Suchmaschine, eigentlich eine Findmaschine, uns nicht sagt, gibt es nicht, wird uns nicht bekannt. Findmaschinen zeigen das Wichtigste oben und verraten natürlich nicht, wieso das Oberste gut sein soll. Unsere Faulheit macht es für uns wichtig. Studenten und Schülern, die sich per Suchmaschinen über ein Thema orientieren, geht es dann so ähnlich, wie als wenn sie nur mit Navi unterwegs sind, wie sie dahinkommen, fällt ihnen gar nicht mehr auf, und Umwege werde ihnen gar nicht bewusst. Digitales Wissen (vgl. S. 15) von dem die Digital Humanities sprechen ist eine technisch ästhetisierte Umschreibung von gespeicherten Texten, die andere oder uns unbekannte Algorithmen für uns in eine Ordnung bringen, der wir uns beim Surfen bereitwillig unterwerfen. Das ist doch nur vorverdaute Kost, von der man normalerweise nichts wissen will. Viele Didaktieraugen leuchgten, wenn es um den PC im Unterricht geht. Laptop-Klassen ist das Modestichwort. Da fällt uns der Artikel vom 14. Juli 2014 über den > Computer im Französischunterricht. Teilen wir die Klasse in zwei Hälften, links wird mit dem PC gearbeitet, rechts traditionell. Welche Hälfte hat die besseren Ergebnisse?

Andreas Bernhard erwähnt die Freiheit, die grenzenlose Freiheit im Internet, die Weite des Raums möchte man hinzufügen. (vgl. S. 16) Und dann fällt sein Fazit wie ein Schlachtbeil, genau und präzise: „Wer das Verhältnis von Wissen und Nicht-Wissen, das dieser Raum produziert, aber genauer untersucht, könnte auch zu dem Ergebnis kommen, dass genau jene 250 Jahre alten Elemente einer bürgerlichen Öffentlichkeit angesichts der Funktionsweisen digitaler Kultur auf die Probe gestellt sind.“ Da fällt uns Richard Sennett, den wir hier in einem Artikel einmal erwähnt haben: „> Richard Sennett hat 1977, ohne dass es soziale Netzwerke gab, schon über sie geschrieben: > Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität (S. Fischer, Frankfurt/M. 1983). Der Originaltitel The Fall of Public Man ist viel treffender für seine Thesen. In Anlehnung an sie kann man sagen, dass die sozialen Netzwerke keinesfalls sozial sind, sondern zum Niedergang der Öffentlichkeit gerade durch die Vorspiegelung der Öffentlichkeit erheblich und entscheidend beitragen. Je mehr gemeinsame Identität festgestellt oder entwickelt wird, je gleicher alle werden, so möchte man hinzufügen, so unmöglicher wird die Verfolgung gemeinsamer Interessen, erklärt Sennett (dt. S. 295). Das ist nicht unbedingt so paradox, wie es klingt. Nur die Unterschiede lassen die Neugier entstehen und führen zum Entdecken von Neuem.“ > Wo führen uns soziale Netzwerke hin? oder Sind soziale Netzwerke wirklich sozial? – 29. Dezember 2008.

Würde für unseren Blog der Korridor in die Öffentlichkeit nur Facebook heißen, wäre der Blog bald am Ende. Das System FB mit seinen Regeln beschädigt das soziale Miteinander, es reduziert alles auf eine sehr niedrige Ebene, auf den Humus, wo FB seine Werbemaßnahmen züchtet. Warum nutzen wir FB dennoch? Das ist ehrlich gesagt, gar nicht so einfach und schnell zu beantworten. Für unsere Blogs ist Twitter eindeutig wichtiger. Eine Besprechung des MERKUR 801 auf FB würde dort einfach in der Flut der Texte und Bilder versinken.

Irgendwie ist das noch nicht alles. Bernard meint am Schluss, „Die Analyse des Nicht-Wissens… kann … einen Beitrag zur Analyse
von Machtstrukturen im digitalen Zeitalter liefern.“ Es geht um viel mehr, es geht gar um Ansätze von totalitären Strukturen, die uns vereinnahmen wollen, um alle nur denkbaren Werbe-Tricks, die ständig um unsere Aufmerksamkeit buhlen, da ist die Beschädigung der Freiheit nicht mehr fern.

merkur-801-febuar-2016Und dann kommt der Artikel von Stefan Schulz über Das Ende der Zeitung, das deren Redakteur einläuten, die auf die sozialen Netzwerke mit allen eben angedeuteten Defiziten schielen, anstatt ordentliches journalistisches Handwerk zu betreiben. Die Redakteure können sicher nichts dafür, wenn ihre Zeitungswebsite zu 80 % mit Klickverlockungen gefüllt ist. Ist das wirklich so, die 100e von Millionen Facebook-Anhängern sollen, wie Schulz behauptet „die Schmiermasse der neuen Medienwelt“ (S. 80) sein? Ob sie wirklich über eine solche Macht verfügen, und von FB aus nur kurz mal in die Medien hineingucken, bevor sie ihren Infohunger wieder in FB stillen? (vgl. S. 81) Und FB entscheidet, was sichtbar ist, (vgl. 83) Bernard köntne sagen, FB steuert unser Wissen und generiert auch Nicht-Wissen. Und Schulz schreibt: „Reichweite kann heute nur noch digital gewonnen werden.“ Stimmt nicht ganz. Würde eine geduckte Zeitung über die 2500 Artikel, von den rund 2000 zweisprachig sind, auf dem in diesem Jahr 20 alten > www.france-blog.info, dann würden die Besucherzahlen noch mehr steigen. Man darf sich nicht so überschätzen, die digitale Welt, ach, da fällt mir Jaron Lanier, dessen Buch noch zu Hause auf meinem Rezensionsstapel wartet: „„Wie sich die Zeiten ändern,“ schreibt er, „Vielleicht missfällt Ihnen die Idee einer allgemeinen Online-Identität, aber wenn sie nicht von amtlicher Seite eingeführt wird, wird sie irgendwann von einem Unternehmen wie Google oder Facebook durchgesetzt.“ (S. 322) Dahinter steckt die Idee, dass jeder, der Inhalte ins Internet hochlädt, dafür bezahlt werden soll, sei es für das Hochladen, oder für die Nutzung anderer durch Verlinken der hochgeladenen Inhalte, was schon in die Nähe unserer Leistungsschutzrechtes (> Le bilan des discussions avec Google en Allemagne : „Leistungsschutzrecht“) kommt.“ hieß es in unserem Artikel: > Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Contribuez à l’ambition numérique de la France (I).

„Chartbeat“ (S.85) lässt Klickzahlen über die Bedeutung der Inhalte entscheiden, genauso wie alle, die erfahren, dass ich den ein oder anderen Blog habe, wissen möchten, wie viel Beuscher haben Sie? Jede aufgerufene Seite könnte mit 50 Cebt honoriert werden, dann würde ein weiterer Mitarbeiter für Fehlerfreiheit einstehen und Rechercheaufgaben übernehmen. Geht wahrscheinlich nicht, dann freue ich mich weiter daran, dass die Blogarbeit aus 40 % Lesen, 35 % Schreiben 10 % Video, 10 % Fotos und nur 5 % Technik besteht.

> MERKUR 801 – Februar 2016

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