Verlagsblog

Archiv für April 2016

Das Herbstprogramm 2016 von Klett-Cotta und Tropen

Dienstag, 26. April 2016

Wir lesen noch die Bücher aus dem Frühjahrsprogramm und das Video > Nachgefragt. Jörg Magenau, > Princeton 66. Die abenteuerliche Reise der Gruppe 47, das wir auf der Leipziger Buchmesse aufgenommen haben, muss auch noch geschnitten werden. Und am 28. Mai erscheint von Peter Nichols, > Die Sommer mit Lulu.

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Das neue Jahr hat erst angefangen, der Winter ist immer noch nicht so richtig vorbei, den Weihnachtswunsch-zettel 2015 haben auch noch nicht alle abgearbeitet, und da kommen schon die Herbstvorschauen, Buchmesse in Frankfurt, erster Frost. Noch sind wir aber nicht so weit.

sweeney-nestSchlagen wir die Vorschauen einmal auf: > Klett-Cotta Belletristik Herbst 2016

Am 29.10.2016 wird der Roman von Cynthia D’Aprix Sweeney > Das Nest in der Übersetzung von Nicolai von Schweder-Schreiner erscheinen. Melody, Jack, Bea und Leo sind Geschwister. Mitten im Leben, so um die Vierzuig. Eines Tages kommt es zum Erbe. Wenn das aber ausbleibt? Wie das liebe Geld alles durcheinanderwirbelt.

Planen Sie > Ihren Herbsturlaub am besten rund um > Tropen Herbst 2016. Wenn Sie diese Vorschau aufschlagen, haben Sie schon angefangen, auf die Bücher zu warten.ramadan-hotel-jasminAm 27.8.2106 erscheint Jasmin Ramadans Roman > Hotel Jasmin.Rolan hat mit seiner Mutter abgeschlossen. Als man die Grundschullehrerin Christiane Tarpenbek beschuldigt, eine somalische Schülerin beleidigt zu haben, sieht der Sohn sie unter einem andren Blickwinkel. Es geht um die Selbstfindung einer Mutter in einer zunehmend rassistischen Gesellschaft. Sie bricht aus, reist nach Kairo und findet jemanden, der ihre Sorgen endlich versteht.

Schon auf den ersten Seiten > Klett-Cotta Fantasy Herbst 32016 steht die Ankündigung zu > Band 3: »Die Königin der Flammen« nach dem großen Erfolg von > »Das Lied des Blutes« und »Der Herr des Turmes« von Anthony Ryann: ryan-königin-der-flammen. In diesem Abschlussband der Rabenschatten-Trilogie muss Kämpfer Vaelin Al Sorna, mittlerweile Herr über die Schlachten des Reiches, seiner Königin Lyrna beistehen, um ihr Reich zu retten. Seine besondere Gabe, »das Lied« in seinem Blut, verklingt langsam. Wird es reichen, um die tückischen Feinde abzuwehren? Im fernen Volaria zieht eine neue Bedrohung auf, die die ganze Welt in Chaos und Vernichtung stürzen könnte. Ein neuer Feldzug ist nicht mehr zu vermeiden.

schweizer-islam-verstehenIm Segement > Klett-Cotta Sachbuch erscheint der Band von Gerhard Schweizer > Islam verstehen.Geschichte, Kultur und Politik wird Ende Juni bei Klett-Cotta erscheinen: „Das Standardwerk – für alle politisch wie zeitgeschichtlich Interessierten, die den Islam verstehen wollen,“ steht auf der Website von Klett-Cotta.

Sein Band > Syrien verstehen Geschichte. Gesellschaft und Religion ist kürzlich in einer 2. Auflage erschienen.

brisch-bindungstraumatisierungenDie Vorschau Klett-Cotta Fachbuch Herbst 2016 kündigt mehrere Titel an, die zur aktuellen Flüchtlingsdebatte passen, so u. a. > Karl Heinz Brisch (Hrsg.)
> Bindungstraumatisierungen. Wenn Bindungspersonen zu Tätern werden „Bindungstraumatisierungen gehören zu den schwersten Traumatisierungen überhaupt. Sie haben langfristige und gravierende Auswirkungen auf alle psychischen, sozialen und körperlichen Bereiche des Betroffenen. Es entstehen pathologische Bindungen des Opfers an den Täter, Erkrankungen mit dissoziativer Symptomatik und andere Muster von Bindungsstörungen,“ heißt es in der Verlagsankündigung.

Vgl. > Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration

> http://www.klett-cotta.de/downloads

Google und das Scannen von Büchern

Mittwoch, 20. April 2016

Patrick Bahners, > Google Books Jetzt geht’s erst richtig los, FAZ 20. April 2016

Der Supreme Court erlaubt weiterhin Google, Bücher zu digitalisieren. Das Urteil ist eine gute Gelegenheit, an das vor 10 Jahren rezensierte Buch von > Jean-Noël Jeanneney > Quand Google défie l’Europe. Plaidoyer pour un sursaut, Editions Mille et une nuits, Paris 2005, zu erinnern: „Jeanneney gibt zwar eine gewisse Bewunderung gegenüber den Begründern von Google zu, will aber der Passivität, mit der vor allem in Europa ihrer Herausforderung begegnet wird, nicht hinnehmen. Die Aufgaben der Bibliothekare und Buchhändler werden mit der zunehmenden Digitalisierung in dem Maße nur noch größer, wie die technische Entwicklung den Unterschied von bloßer Information und überprüften Wissen ständig weiter vergrößert. Jeanneney stellt prinzipielle Fragen. Kann dieses System des Suchens, so wie Google Print es präsentiert, den Ansprüchen, die die Kultur fordert, überhaupt gerecht werden?“ Google fordert uns alle immer noch heraus. Warum akzeptieren wir Europäer, dass ein amerikanisches Unternehmen es sich anmaßt, auch urheberrechtlich geschützte Bücher einscannen zu und sie durchsuchbar machen zu dürfen… das ist os wie mit S21, man baut und abute, und obwohl der bahn noch Teilbenehmigungen fehlen, die werden kommen, weil man ja schon baut und baut. Digital geht, alles wird gescannt, was das Zeug hält, der Zug der zeit wird es schon legalisieren, sagt Google sich und uns.

In der Rezension über das Buch von Jean-Noël Jeanneney hieß es: „Jeanneneys Aufruf zeigte schnell Wirkung. In einer Botschaft haben sich Frankreich, Polen, Italien, Spanien, Ungarn und Deutschland am 28. April 2005 an den Präsidenten den europäischen Rates Jean-Claude Juncker und an den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Durao Barroso, gewandt. 19 National- und Universitäts-Bibliotheken in Europa haben den Appell der französischen Nationalbibliothek unterzeichnet, um eine drohende geistige und kulturelle Vorherrschaft der USA zu verhindern.“ Huete enthält die > http://www.europeana.eu/portal/ „52,557,036 Kunstwerke, Artefakte, Bücher, Videos und Audios aus ganz Europa“.


Dieser Beitrag ist schon wieder ein willkommener Anlass, an die Aufgaben eines Verlages zu erinnern, die auch im digitalen Zeitalter trotz der wertvoillen Unterstutzung durch > soziale Netzwerke nichts von ihrer Bedeutung für die Verbreitung von Büchern eingebüßt haben. Verlegerarebeit, die berherrschte Friedrich Cotta vorzüglich. Im Lesebericht: Johann Friedrich Cotta, Ein Leben für die Literatur Darin heißt es u.a.: „Die Autoren verlangen zur Recht ihr Honorar und kennen sehr wohl den Wert ihrer Werke, die Lieferanten wollen Geld sehen, die Buchhändler sind an ihren Rabatten interessiert und der Verleger wiederum kämpft für alle zusammen gegen die Raubdrucke und den Druckfehlerteufel: Hier die korrigierte Fassung mit neuen Druckfehlern schrieb er einmal. Kein Glied der ganzen Produktionskette, mit der das Wissen verbreitet wird, arbeitet kostenlos.“

Peter Kaeding
> Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
1. Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen
496 Seiten
ISBN: 978-3-7681-9712-0


Patrick Bahners zitiert Richter Leval, der der Auffassung ist, dass Autoren kein Monopol auf Informationen hätten, die in ihren Büchern stehen würden. Und Google Books sei nur ein „Schlagwortkatalog des Weltbuchbestandes“ steht bei Bahners. Klar, so was ersetzt nicht die Lektüre der Bücher, auch wenn Studenten in Versuchung geraten, schnell noch ein schönes Zitat für irgendeine Stelle ihrer Arbeit mittels Google-Books zu suchen.

> Open Access ist ein Angriff auf die Freiheit der Wissenschaften, Google ist ein ständiger Angriff auf das Urheberrecht.

In Frankreich war > www.gallica.fr eine Antwort auf die von Jean Noël Jeanneney beklagte Strategie von Google. Hier werden die Urheberrechte akzeptiert und berücksichtigt, und außerdem ist mit Gallica eines der besten Angebote einer Online-Bibliothek im Internet entstanden. Man könnte beinahe schon ein Buch schreiben, indem man sich nur online auf Gallica tummelt, aber die Bibliographie von > Napoleon III. Macht und Kunst, belegt, das das nicht möglich ist.

Wenn Verlage Google gestatten, auszugsweise ihre Bücher in Google-Books anzuzeigen, ist das eine Marketingentscheidung. Wenn ich aber meine Texte in Google-Books wiederfinde, auch wenn die Verlage möglicherweise Google das erlaubt haben, stört mich das sehr, weil ich nicht mehr entscheiden kann, wer, wo und wann meine Texte zu seinem Vorteil nutzen nutzen darf, denn jeder Text den Google verwendet, stärkt seine Inhalte und seien Werbeeinnahmen, warum honoriert Google uns eigentlich nicht > für unsere Inhalte?

Oder soll man doch lieber jubeln wie Andreas Rosenfelder in der WELT? > Google ist die Rettung für alle verkannten Genies, weil wir ohne Google das „Handbuch der Dicht- und Redekunst“ von 1798 nicht kennen würden? Alte Bücher, für die das Urheberrecht nicht mehr gilt, bietet Gallica auch zum Herunterladen und zum Durchsuchen an. Es geht uns in diesem Beitrag um das Urheberrecht, das es stets und ständiger Aushöhlung zu bewahren gilt.

Nachgefragt: Jan Snela, Milchgesicht

Freitag, 15. April 2016

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Jan Snela stammt aus München, er ist in Tübingen und Stuttgart zu Hause. Er hat Komparatistik, Slavistik und Rhetorik in München und Tübingen studiert. Im Sommersemester 2013 lehrte er Literarisches Schreiben an der Uni Heidelberg. Er ist Gewinner des Literatur-Nachwuchswettbewerbs Open Mike der Berliner Literaturwerkstatt. Und war in 2012 bei der Mikrolesung in der Stuttgarter Stadtbücherei zu Gast. jan-snela-video. Sein jüngst bei Klett-Cotta erschienenes Buch > Milchgesicht trägt den Untertitel Ein Bestiarium der Liebe. Ein Bestiarium (kommt von bestia – wildes Tier). Da gibt es das Bestiarium von Richard de Fournival aus dem 13. Jahrhundert, dessen Tiergeschichten von der Liebe handeln, um dem Leser zu zeigen, wie er die Gunst einer Dame erringen kann. Guillaume Apollinaires „Le bestiaire ou le cortège d’Orphée“ (1911) Franz Bleis „Großes Bestiarium der modernen Literatur“ (1924) sind Beispiele aus dem 20. Jahrhundert. Wie ist der Untertitel Ein Bestiarium der Liebe seines Buches Milchgesicht zu verstehen? Liebe wird hier mit Tieren in eine enge Verbindung gebracht:

Eine Geschichte heißt Das Wiesel, das Henri zwischen zwei Gehwegplatten zuläuft. Wiesel oder Hermine? Diese viel zu kurze Frage wird der Geschichte nicht gerecht.

Auf unserem Blog steht: „Das hat Jan Snela nicht eben mal geschrieben, das ist schon echt harte Arbeit, da wurde gefeilt und gehobelt und dieses Werkeln am Text…“ stimmt das? wollten wir wissen.

Schreiben Sie oder komponieren Sie ihre Stücke? haben wir Jan Snela gefragt. Sein Buch enthält 10 Kurzgeschichten, kurze und längere Miniaturen, Novellen, oder gar nur ein Text, wie nennen Sie diese Kurzform am liebsten? haben wir ihn gefragt.

„Milchgesicht“ heiß die erste Geschichte. Beim Antesten von Büchern, lese ich die ersten Seiten immer laut vor, das rate ich auch den Lesern… „Es war ein Mittwoch und Zeit für mein Milchbad.“ Warum ein Milchbad? Gesundheitliche Gründe, Kosmetische Gründe? Frust, weil Karen ausgezogen war? Wenn Sie diese Geschichte gelesen haben, werden Sie in jeder Tankstelle unwillkürlich danach gucken, ob noch genug Milch im Regal steht. Hier in Milchgesicht geht es um einen Kaufvorgang, den der Autor en détail beschreibt, wie im Nouveau Roman, jede Einzelheit zählt, Milch muss her, oder geht es um mehr? Die verflossene Liebe verwinden?

SPOOK SPEAKER in der U-Bahn lesen, sich von den Artikeln verschlingen lassen die Schöne drei Sitzgruppen weiter: „Ich war ihr bereits verfallen.“ – Dann kommt wieder eine Haltestelle: „Die S-Bahn setzte sich ruckelnd erneut in Bewegung, nun merr fast leer. Die Schöne und ich waren waren allein im Abteil zurückgeblieben.“ Später fragt sie: „Gehn wir zu Dir?“ Und er nannte sie einfach mal Ruth, die sich durchs Fenster rettete, als Kirstin schon zu hören war. Eine Zufallsbekanntschaft, die spannende Geschichte einer Zufallsbekanntschaft?

„Eine Vigilie“. Die wilde Nacht mit Amalie. Der Autor dieses Buches hat wahrscheinlich in Paris studiert. Schließlich war es doch nicht so schwer, Amalie rumzukriegen, sie trug per (Liebes)Briefchen dazu bei „Und bist du prêt?“ Amalie lebt frugan und, die Kerze auf dem Fußboden, langwierige Vorbereitungen, bis sie endlich zusammenkommen, bis Amalie so weit ist.

DAS WIESEL wird für Hermine zur Konkurrenz, weil es alle Aufmerksamkeit bekommt und schließlich auch mal weg ist, dann wieder kommt, und dem Erzähler fürs Leben sinnstiftend erscheint, so dass Henris Doktorarbeit bleibt, wo sie gerade ist.

Baudelaire sagte in seiner Verteidigungsschrift von seiner Gedichtsammlung, sie forme ein Ganzes und nur dadurch könne die Moralität seines Werkes verstanden werden. Ist das hier auch so? Insgesamt ein Liebesroman? Sie erzählen ganz verschiedene Situationen, die aber alle irgendwie aufeinander verweisen? Wie oder mit welchem Ziel?

Snelas Schreibstil verleitet zum Vorlesen. Die Maulprobe nach Flaubert hatte die erste Geschichte Milchgesicht bestens passieren lassen. Manchmal bekommt dann doch wieder das nüchterne Erzählen die Oberhand über einen skurrilen Stil. Wir wollten von ihm wissen, wie er seinen Schreibstil nennt.

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Jan Snela
> Milchgesicht
Ein Bestiarium der Liebe
ISBN: 978-3-608-98307-4

Lesebericht: Sandro Veronesi, Fluchtwege

Freitag, 15. April 2016

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Was einem an einem Tag alles so passieren kann, wenn wirklich jeder Moment schiefgeht, kennen Sie das? Man steht morgen auf, hat einen Plan für den Tag und landet im absoluten Chaos, das sich ständig selbst potenziert. Pietro Paladini hat seine Angelegenheit eigentlich prima geordnet. Seine Geschäfte laufen gut, keine Klagen. Pietro hat außer seiner Familie noch eine Freundin D. Plötzlich häufen sich die Probleme mit seiner Tochter Claudia, sein Bruder wird polizeilich gesucht, und dann kommt ihm sein Geschäftspartner Lello, richtig Raffale Pica, abhanden. Flucht, weg ist er, und es wird klar, dass er allen Grund hatte, das Weite zu suchen.

Es geht um Autos, die sie wegen unbezahlter Ratenverträgen wieder zurückholen und erneut verkaufen. Heute muss er das ungewöhnlicherweise einmal alleine machen und erlebt, wie das einzuziehende Auto und Dame, die es herausgeben sollte, mit hoher Geschwindigkeit davonbrausen. Sein Handy hat er bei ihr liegenlassen. Pietro so schnell hinterher, was ihm den Führerschein und eine saftige Geldstrafe kostet. Damit ist der Tag noch nicht zu Ende. Das versteht auch Pietro, der im Büro ein noch größeres Chaos entdeckt, als nach der Durchsuchung der Geschäftsräume das Finanzamt alles beschlagnahmt und mitgenommen hat. „Das wird eine Außenprüfung sein“, versucht Pietro als Erklärung. Um mit Lello in Kontakt zu treten, muss Pietro einen Internetshp aufsuchen: Pitro ist kein Internet-Liebhaber: „Dadurch, dass im Internet alles auf der gleichen Ebene und gleich weit weg ist, hat man das Gefühl, man habe im die Gelegenheit, sein Leben zu ändern, dem zu Trotz, was man eigentlich tun müsste.“ (S. 130) Guter Satz! Lello korrespondiert mit ihm nur noch über die Entwurfsfunktion von Google Mail.

Das ungestüme Schreiben von Veronesi berichtet ziemlich atemlos jedes Detail und zieht den Leser in Pietros aufeinderfolgende Unglücke hinein. Auch den andren Figuren ergeht es kaum besser, Marco Tardioli (Kap. 10 liest sich wie eine eigene Kurzgeschichte in Dramafrom) reist nach Australien, lernt die hübsche Marlene kennen, sie ist unbefreundet und Marco vermasselt durch seine eigene Dummheit ein hoffnungsvolles Rendezvous.

Pietro muss alle möglichen Leute auch von früher (re) aktivieren, um aus dem diesem Schlamassel irgendwie herauszukommen. Ein Tag im Leben des Pietro hat wirklich alles für ihn verändert. Andere helfen ihm zwar, machen aber seine Probleme nicht so recht zu den Ihrigen.

D. heißt Dianette – nach der Antibabypille, die bei ihrer Mutter nicht funktionierte. Später hat sie den Namen auf Diana ändern lassen, unser Erzähler bevorzugt Di‘ auf römische Art. Es sind die schnellen Dialoge, die immer wieder an Stelle von Beschreibungen die Handlung vorantreiben. Dann kommt es zu Streit, beide werden handgreiflich, D: reist ab. Adieu. Pietro wendet sich an früherer Freunde, die schon Bescheid wissen. Enrico: „Verkaufst Du immer noch gestohlene Autos in Rom?“. (D. 258) Schließlich sucht Pietro Rechtsbeistand.

Wenn Ihnen Chaos und das Gefühl eine Hiobsbotschaft generiert gleich die nächste bekannt ist, und Sie neugierig sind, wie andere die Achterbahn des Lebens beherrschen, dann ist dieses Buch für Sie genau richtig.

Sandro Veronesi,
> Fluchtwege
Roman aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn (Orig.: Terre rare, Bompani, Mailand)
1. Aufl. 2016, 416 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98035-6


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> Nachgefragt: Sandro Veronesi, Die Berührten

In unserem > Lesebericht hieß es: „Sein Erzählstil fällt auf, er betreut den Leser geradezu: „Sehen wir Mète ein bisschen bei seiner lautlosen Tätigkeit zu…“ und unterbricht die Beschreibung, wenn plötzlich die Handlung wieder einsetzt: „Doch jetzt kommt Mète zurück…“ (S. 8) Die Liebe treibt Mète jedoch immer zerstörerischer in die Nähe zu seiner sinnlich-verführerischen Halbschwester Belinda. Als die Eltern der beiden ihre Hochzeitsreise antreten, zieht Belinda bei ihm ein. Und damit ist die Katastrophe nicht mehr abzuwenden. Sandro Veronesis Roman ist nicht nur die Geschichte einer zerstörerischen Liebe, sondern gleichermaßen ein faszinierendes Gesellschafts- und Großstadtpanorama. Und die Geschichte beginnt in Rom. Auf dem Corso Vittorio „Mal ist sie die Bühne für einen Banküberfall, mal eine sonnige Strandpromenade…“ (S. 21)

Sandro Veronesi
> Die Berührten
1. Aufl. 2014, aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93993-4


Lesung der Literaturstipendiaten des Landes BW
Per Leo, Flut und Boden

Mittwoch, 13. April 2016

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25. April 19 h 30
Moderation: Irene Ferchl Eintritt frei
Stadtbibliothek Stuttgart Café Lesbar
Mailänder Platz 1, 70173 Stuttgart

> Waren Sie schon in der neuen Stadtbibliothek am Mailänder Platz?

Per Leo berichtet über seinen Großvater. Daraus ist eine Familiengeschichte geworden, die sich u.a. in Bremen ereignet. Die Geschichte beginnt mit seinen Besuchen bei der Großmutter Friedrich in der Weserstraße 84, sein Großvater war sechs Jahre alt, als man dieses Haus in in Bremen Vegesack erwarb. Großvater Friedrich ein aktivistischer Krieger und Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS.

> Nachgefragt: Per Leo, Flut und Boden

> Lesebericht: Per Leo, Flut und Boden

Per Leo
> Flut und Boden.
Roman einer Familie

2. Aufl. 2014, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98017-2

Nachgefragt: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln

Freitag, 8. April 2016

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Heute hatten wir Gelegenheit mit David Graeber über sein jüngst bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Hans Freundl und Henning Dedekind erscheinenes Buch > Bürokratie. Die Utopie der Regeln zu sprechen. Gemäß der Regeln unseres Blogs zuerst der > Lesebericht: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln und dann wie hier der Artikel „Nachgefragt…“ mit einem Video-Interview:.

Haben wir eine Lust an der Bürokratie? Der Untertitel der englichen Ausgabe lauitet : On Technology, Stupidity and the Secret Joys of Bureaucracy. Ich erinnere mich an meine frühe Sozialisation/Bürokratisierung mit der wunderbaren Kinderpost, wo das Stempeln und Verkaufen der Briefmarken an die großen Brüder, die in meinem Zimmer vorbeigeschickt wurden, eine Lust war: Strafporto, Paketklebezettel, alles hatte seine Regeln. Graebers Buch enthält eine interessante historische Analyse der Bürokratie, eine Diskussion der Spieltheorie und auch interessante Schlussfolgerung aus seinen Beobachtungen der „sozialen“ Medien im Internet (Erinnerung: > Wie sozial sind soziale Netzwerke? 30. Juli 2010) – Haben wir eigentlich keine so rechten Antrieb, die uns lästige Bürokratie zu verändern? Muss es in der Demokratie weniger Bürokratie oder mehr Kontrolle der Bürokratie geben?

David Graeber
> Bürokratie
Die Utopie der Regeln
Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Henning Dedekind (The Utopia of Rules)
1. Aufl. 2016, 329 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94752-6

Fotos: David Graeber bei Dussmann in Berlin

Freitag, 8. April 2016

Am Freitag, 8.4. sehen wir uns um 20 h in der Stuttgart-Bibliothek in Stuttgart? Da ist der Blog auch mit dabei:


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Bürokratie sind feste Regeln, von denen man nicht abweicht: Heute morgen hatte der ICE von Frankfurt nach Stuttgart schließlich 34 Minuten Verspätung und die Zugbegleiterin hatte mir geraten, gehen Sie zum Service-Point, dort bekommen Sie einen Taxischein. Aber den Taxischein habe ich am Service-Point nicht bekommen, die letzte S-Bahn zu meinem Ziel fährt um 00:15, der Zug erreicht planmäßig Stuttgart um 00:08, das hätten Sie schaffen können, meinte der freundliche Bahnbeamte am Service-Point, aber und dann wurde gleich wieder bürokratisch, wir rechnen mit 13 Minuten Umsteigezeit, daher kann ich Ihnen keinen Taxischein geben. Soviel zur Bürokratie unserer Bahn.

Haben wir eine Lust an der Bürokratie. Ach, wie war das damals, als ich mit der Kinderpost Stempel und Formulare entdeckte. Mit Stempeln die Einschreibeformulare amtlich machen, war das gut.

Unser Lesebericht zu diesem Buch > Lesebericht: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln ist ein bisschen zu lang geraten, das liegt aber an der Vielfalt seiner Themen. Ein Buch über die Bürokratie… ? Gehen Sie im Buchladen nicht dran vorbei. Als Soziologe und Anthropologe vermittelt David Graeber uns einen ganz anderen Eindruck dieses Papierkrams, mit dem der Amtsschimmel bei uns immer wedelt.

Unser Blog musste vorgestern nach Berlin reisen und konnte noch am Montag, 4. April im Kulturkaufhaus Dussmann mit dabei sein, als David Graeber sein Buch Bürokratie vorstellte

Bitte die Galerie mit einem Klick auf ein Foto erst dann öffnen, wenn diese Seite ganz geladen ist:

David Graeber
> Bürokratie
Die Utopie der Regeln
Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Henning Dedekind (The Utopia of Rules)
1. Aufl. 2016, 329 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94752-6

Lesung und Gespräch: IS Propaganda: Sprache, Text und Poesie

Mittwoch, 6. April 2016

Nicolas Hénin und Sabin Damir-Geilsdorf

Freitag, 13. Mai, 20.00 Uhr | > Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstr. 4, 70174 Stuttgart

Nicolas Hénin gehört zu den kenntnisreichsten Nahostjournalisten Frankreichs und war zehn Monate lang Geisel des Islamischen Staats. Umso bemerkenswerter ist seine Haltung, wenn er sagt: „Was dem IS viel mehr Sorgen bereitet als Bomben, sind Appelle zum Frieden. Sie wollten aus mir einen Rache-Propagandisten machen – und was tue ich? Ich rufe nicht dazu auf, sie zu töten. Worte und Ideen sind in diesem Krieg wirksamer als Armeen und Bomben.“ Jüngst erschien seine Analyse Der IS und die Fehler des Westens: Warum wir den Terror militärisch nicht besiegen können. Mit Worten und Ideen beschäftigt sich auch Sabine Damir-Geilsdorf, Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Köln. Sie untersucht die Bedeutung von Frauen in der Propaganda-Maschinerie des IS. Überraschend ist dabei die Popularität von Poesie als Propaganda, von zahlreichen verklärenden Erfahrungsberichten, verfasst von Frauen, häufig als Fortsetzungsgeschichte konzipiert und erfolgreich über Kanäle der social media verbreitet – Dichtung und Geschichten als Instrument der IS-Politik.

Moderation: Jörg Armbruster (ARD)

Eintritt: 10,-/ 8,-/ 5,- €. Kartenreservierung in der Buchhandlung im Literaturhaus oder unter www.reservix.de, für Literaturhausmitglieder unter Tel. 0711 22 02 17 47 oder > info@literaturhaus-stuttgart.de.
Veranstalter: Institut français Stuttgart & Literaturhaus Stuttgart.

Dazu empfiehlt unser Blog:

> In unserem > Lesebericht: Gerhard Schweizer, Syrien verstehen hieß es u. a.: „Wie kann die Wiederherstellung des Friedens in Syrien gelingen? Es gibt unmittelbare Gründe für den Ausbruch des Bürgerkriegs, der sich am Widerstand des Regimes gegen die Bewegung des Arabischen Frühlings entzündet hat. Er zeigt, wie die Probleme des Nahen Ostens durch die Lage in Syrien noch weiter verschärft werden. Die Befriedung Syriens ist heute die allererste Aufgabe. Zu ihr gehören umfassende Kenntnisse vor allem der Geschichte, der Politik und der Gesellschaft in Syrien. Die hat Gerhard Schweizer in seinem Buch > Syrien verstehen. Geschichte, Gesellschaft und Religion, das in der 2. Auflage bei Klett-Cotta erschienen ist, vorgelegt.“ > Bitte weiterlesen.

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