Verlagsblog

Archiv für Juni 2016

Freitag, 1. Juli in Klagenfurt: Jan Snela liest um 11 Uhr

Donnerstag, 30. Juni 2016

> 40. Tage der deutschsprachigen Literatur in KLagenfurt

> bachmannpreis.orf.at/

Jan Snela liest am Freitag um 11 Uhr. Ihr könnt die Lesung live auf > 3sat verfolgen. Und vergesst nicht, am Samstag ab 15 Uhr für den Publikumspreis abzustimmen: > ‪#‎tddl16‬.

Publikumspreis: Stimmabgabe nur am Samstag, 2. Juli, 15.00 bis 20.00 Uhr über das Internet.

Wahlmöglichkeit: Über die Webseiten von 3sat, BKS, Stadt Klagenfurt und Musilmuseum.
Anforderungen: E-Mail-Adresse und Begründung. Jede E-Mail-Adresse kann nur eine Stimme abgeben. Diese Stimme ist nur mit einer Begründung (max. 400 Zeichen) gültig. E-Mails an den Veranstalter werden nicht in die Wertung aufgenommen.

> Abstimmungsformular 3sat

> Nachgefragt: Jan Snela, Milchgesicht

Lesebericht. Merkur 806 – Juli 2016

Donnerstag, 30. Juni 2016

merkur-806„Die Lobby der Tiere“ lautet die Überschrift des Aufsatzes von Reinhard Brandt, der Philosophie an der Universität in Marburg lehrt. Er erklärt Grundsätzliches zum Empfinden der Tiere und räumt mit alterhergebrachten Irrtümern auf, indem er erstmal die Begriffe klärt: „Es gibt, so zeigte sich, eine psychische Domäne der Tiere zwischen bloßen Sachen, einem Dachziegel etwa, und einer denkfähigen Person.“ (S. 16).

Barbara Wittmann, hat sich die Salonmalerei genauer angesehen: „Die Viktorianer – unserer Zeitgenossen“ und berichtet über ihren erstaunlichen Wiederaufschwung. Die „peinture académique“ ist auch eng mit dem Salon de peinture et de sculpture (1791-1881) verbunden, der vor allem auch im Zweiten Kaiserreich dokumentierte, wie die Künstler mit ihren Werken dem Regime eine internationale Bühne geboten haben: H. Wittmann, Napoleon III. Kunst und Macht, hrsg. v. D. Hoeges, Frankfurt/M. 1013, S. 62 ff, 124 ff. In diesem Zusammenhang hat B. Wittmann das Musée d’Orsay und dessen Raumeinteilung genauer angesehen. Sie lädt uns ein, wieder dorthin zu gehen und die Salonkunst neu zu entdecken.

Thomas Thiemayer hat die Etnhnologische und genealogische Erinnerungsultur unter die Lupe genommen: „Deutschland postkolonial“, und berichtet über die heftigen Diskussionen zum Thema Berliner Humboldt-Froum., S. 39 ff.

Christoph Menke erinnenrt im Zusammenhang mit de Flüchtling an Hannah Arendt. Gerade hat der > Défenseur des droits, Jacques Toubon,auf unsere Fragen zu den Flüchtlingen geantwortet. Er will das Wort „Krise“ in diesem Zusammenhang vermeiden, eine Krise habe einen Anfang und ein Ende, aber die Migrationsbewegungen werden uns noch auf lange Zeit beschäftigen

>> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

>> Das Heft gibt es jetzt günstig im MERKUR-Probeabo.
Andreas Eckert porträtiert Achille Mbembe : „Der Ausgang aus der großen Nacht“: „Der postkoloniale Star“. Jan Wilm erzählt über den US-Comedian Louis C.K. Jan von Brevern fragt „Ist Kunst widerständig“. Er war im Museum in Los Angeles: The Broad: „Es ist, wie gesagt, ein wunderbares Museum.“ S. 77.

Kommen noch die Marginalien: Erika Thomalla denkt über die Präsenzpflicht in deutschen Hochschulen nach. Markus Knell hat sich die automatischen Regeln in der Wirtschaftspolitik angesehen. Hannes Böhringer DesKnaben Wunderhorn aufgeschlagen und liest das Gedicht mit „3 Gänsen“: Die „Komik der langen Stange“. Harry Walter betrachtet ein Foto mit zwei Frauen und einem Pudel.

> Merkur 806 Juli 2016


Ganz aktuell:

Ermittlungsprotokoll: „Ich habe ihn getötet“ von Keigo Higashiono

Mittwoch, 22. Juni 2016

higashino-getoetet

Was soll man dazu sagen: Ein bekannter Drehbuchautor wird am Tag seiner Hochzeit vergiftet und bricht auf dem Weg zum Traualtar in der Kirche zusammen und stirbt. Als Täter kommen drei Menschen aus seinem Umfeld in Frage. Jeder von ihnen hatte offensichtlich die Gelegenheit dazu, sein Schnupfenmedikament durch eine Giftkapsel zu tauschen. Und jeder dieser Tatverdächtigen hat ein Motiv!

Wir erfahren aus den Ich-Perspektiven der Darsteller, was sich zugetragen hat. Jeder einzelne von ihnen kommt zu Wort, schildert seine Eindrücke und lässt uns an der Geschichte teilhaben. Doch passen Sie auf: Keiner der Beteiligten verbreitet falsche Informationen in den erzählenden Teilen seiner Ich-Perspektive. Das gilt jedoch nicht mehr für die direkte Rede, in der jeder sich nur zu seines Gunsten äußert.
higashino-getoetetEin wunderbar erzähltes Buch liegt auf meinem Schoß. Zugeklappt, nachdem ich den geschlossenen Druckbogen mit der sehnsüchtig erwarteten Anleitung zur Lösung dieses verworrenen Kriminalfalls mit einem scharfen Messer aufgetrennt habe. Wer ist denn der Mörder, wer ist schuld am Gifttod des Bräutigams Makoto Hodaka?

Ich drehe und wende das Buch – und komme einfach nicht drauf. Bewunderung schlägt in Frust um, und ich bin froh darüber, dass es bereits später Abend ist und lege mich enttäuscht schlafen.

Es klingelt. 7:03 Uhr zeigt der Wecker an. Kein Mensch steht sonntags um diese Zeit auf, aber ich muss es wissen. Ich schlage ganz willkürlich eine Seite auf und da steht erwas, was ich beim ersten Lesen tatsächlich übersehen habe. Die Stelle, in der unser Täter die Möglichkeit hatte, … das verrate ich hier nicht.

Bemerkung des > Buch und Medienblogs zur „Anleitung zur Lösung“: Erstmals wünschte ich mir, einen Kriminalroman als e-book zu besitzen, war ich mir doch so sicher, auf einer heißen Spur zu sein. Doch wo ist die Passage, mit des Rätsels Lösung? Richtig, indem ich durch die Eingabe von Schlagworten den Text durchsuchen würde. Doch ich habe nun einmal die Printausgabe…

> Leseprobe auf der Verlagsseite von Klett-Cotta

Keigo Higashino
> Ich habe ihn getötet. Inspektor Kaga ermittelt
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe (Orig.: Watashi go kare)
1. Aufl. 2016, 352 Seiten, Klappenbroschur, mit geschlossenem Lösungsbogen
ISBN: 978-3-608-98306-7

Fußball

Mittwoch, 22. Juni 2016

Nachdem unser Kollege auf dem Frankreich-Blog dauernd aus gegebenem Anlass über Fußball und über die die EM schreibt, lehnen wir uns in den Spielpausen zurück, nutzen die Muße, um auszuspannen und zu lesen:

schroder-ich-pfeife Christoph Schröder pfeift seit fast 30 Jahren Fußballspiele. Aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung wirft er ganz authentisch, mit viel Ironie einen Blick auf unseren wichtigsten Volkssport: skurrile, faszinierende und rührende Geschichten von merkwürdigen Ritualen, absurden Regeln, Sportplätzen mit Schieflage und natürlich von der Schönheit des wahren Fußballspiels. Warum steht er Wochenende für Wochenende auf zugigen Dorfsportplätzen und lässt sich beschimpfen? Aber erhält duch: Was muss man für ein Mensch sein, um sich das Hobby des Fußballschiedsrichters auszusuchen und dann auch noch, über Jahre und Jahrzehnte hinweg, dabeizubleiben?

Christoph Schröder
> ICH PFEIFE!
Aus dem Leben eines Amateurschiedsrichters
4. Aufl. 2015, 224 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50332-6


kerr-wintertransferPhilip Kerr erzählt in > Der Wintertransfer eine erbarmungslose Jagd. Ein Grab mitten im Stadion, ein toter Trainer sind schon genug, um die Spannung anzutreiben. Für Scott Manson, Co-Trainer und Ermittler wider Willen, steht alles auf dem Spiel, nachdem aus der schönsten Nebensache der Welt blutiger Ernst geworden. Scott Manson Job als Co-Trainer ist es, die Mannschaft vom Erstligisten London City durch die Feiertage zu navigieren, und keiner macht ihn besser. Als sein Boss, die portugiesische Trainerlegende Zarco, ermordet wird, will Scott den Täter stellen und gerät er immer tiefer in den Strudel von Hinterzimmerdeals und Bestechungen der Liga. Dann kommt auch noch die Russenmafia ins Spiel.

> [Lesebericht] Philipp Kerr: Der Wintertransfer

Philip Kerr
> Der Wintertransfer
Thriller, aus dem Englischen von Axel Merz (Original: January Window)
5. Aufl. 2015, 425 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50138-4


kerr-hand-gottesPhilip Kerr
rechnet in > Die Hand Gottes mit allem. Scott Manson, Cheftrainer, ist wieder im Karaiskakis Stadion mit dem Team vom skandalträchtigen Erstligisten London City. Sie wollen nur das Champions League Spiel gewinnen und nichts wie zurück ins kühle England. Als Scotts Topstürmer vor laufenden Kameras tot zusammenbricht, stellt die griechische Polizei stellt die gesamte Mannschaft unter Verdacht, und der ukrainische Clubchef und Ex Mafiaboss Sokolnikow verlangt schnelle Aufklärung.

Philip Kerr
> Die Hand Gottes
Thriller aus dem Englischen von Hannes Meyer (Orig.: Hand of God)
1. Aufl. 2016, 397 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50139-1


horeni-boatengMichael Horeni geboren 1965, hat in Frankfurt Politologie studiert. Seit 1989 ist er in der Sportredaktion der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, seit 2008 als Sport-Korrespondent in Berlin. Er kennt alles in den Kulissen der Fußballwelt. Drei deutsche Karrieren > Die Brüder Boateng, zwei Mütter, ein Vater, ein Ziel: Fußballprofi zu werden. George, der älteste, hat es nicht geschafft und züchtet Hunde und macht Musik. Kevin hat bei der WM 2010 für Ghana gespielt und trumpft nun bei AC Mailand auf. Bei Jérôme, so scheint es, lief alles nach Plan. Er verteidigt für den FC Bayern und die deutsche Nationalmannschaft.

Michael Horeni
> Die Brüder Boateng
Drei deutsche Karrieren
1. Aufl. 2012, 272 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50308-1


koester-ballgefuehlPhilipp Köster, geboren 1972, gründete 2000 das Magazin für Fußball-Kultur »11 Freunde«. Als bekennender Arminia-Bielefeld-Fan schreibt er eine Kolumne in der Tageszeitung »Neue Westfälische« und der Lippischen Landes-Zeitung«, die an jedem Spieltag von Arminia Bielefeld erscheint. In > Ballgefühl und Rassehasen steht deutsche Fußballgeschichte: Günter Hetzer und seine trinkfesten Kollegen Delle, Waldi und Trollinger. Langbeinige Rassehasen, Schampus satt und auf der Doppelnull ein flinkes Zungenkompott mit den Ladies aus dem Alcazar – Onkel Günter und die Clique lassen nichts anbrennen. Denn die Jungs sind immer mit dabei: auf der legendären Weihnachtsfeier des FC Bayern, zu Besuch bei Nasenbär Christoph Daum in Florida, wenn im Weserstadion eine Kabelmuffe durchbrennt und wenn »Horny Mike« Skibbe beim Länderspiel in Rumänien steil geht.

Philipp Köster
> Ballgefühl und Rassehasen
Die Günter-Hetzer-Kolumnen

3. Aufl. 2010, 165 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-50073-8


koester-viererketteNoch mehr Geschichten von Philipp Köster. Im Mannschaftshotel der Nationalelf oder auf der Weihnachtsfeier beim FC Bayern, die Clique um Günter Hetzer steht wieder am Tresen und lässt den Zapfhahn glühen. > Viererkette auf der Doppelnull erzählt vom Frauenversteher Delle und dem bayerischen Urviech Waldi. Neu – allerdings ohne Chance auf Vollmitgliedschaft – ist »Horny Mike« als Junior. Gemeinsam erlebt die Clique spannende Abenteuer: »Wer sich erinnert, war nicht dabei!«

Philipp Köster
> Viererkette auf der Doppelnull
Die Günter-Hetzer-Kolumne
Mit einem Vorwort von Waldemar Hartmann
1. Aufl. 2010, 175 Seiten, broschiert mit 4 farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-608-50301-2

Anmerkungen zum Lesebericht: Boris Johnson, Der Churchill-Faktor vom 18. Januar 2016

Dienstag, 21. Juni 2016

> 15 Gründe für den NONBrexit

boris-johnson-churchill

„Hm, ein bisschen lang, aber der Autor dieses Beitrags hat sich nur auf die auf die allerwesentlichsten Leseergebnisse aus diesem Buch beschränkt; aber die Anregungen durch Johnsons Buch, Quellen nachzulesen, konnte der Autor sich nicht verkneifen und schließlich beantwortet er als Zusammenfassung dieses langen Artikels die Frage, warum Boris Johnson dieses Buch verfasst hat.“ So fing unser > Lesebericht zu Boris Johnson, Der Churchill-Faktor (Sir Winston Leonard Spencer-Churchill, 1874-1965) am 18. Januar 2016 an.


Wie gerne hätten wir Boris Johnson interviewt: Nachgefragt… Aber sein Eintreten für den Brexit hat uns enttäuscht. Reines Machtkalkül, um vielleicht eines Tages die Nachfolge von PM Cameron anzutreten?. Und dabei hat er alle Seiten von Churchills Europapolitik so gründlich untersucht und dargestellt. Die Gegner von der Mitgliedschaft Englands in der EU finden bei Churchill viele Argumente, aber nur solange sie selektiv lesen. Lesen Sie alles, was er zur Europa sagt, dann verstehen sie, dass der Einfluss Englands, die lange demokratische Erfahrung in der EU als Stimme nicht fehlen darf, darauf sollten die Briten stolz sein. Die Brexit-Gegner, die Johnsons Buch lesen, müssten, wenn sie das Buch richtig verstehen, mit Remain stimmen.


In unserem Lesebricht hieß es auch: „So jetzt kommen wir zu der Frage, warum hat Boris Johnson dieses Buch geschrieben?“ … „Europa lautet das Stichwort. Gerade hadert England mal wieder mit der EU, und es steht sogar ein Volksentscheid an. Da kommt es wie gelegen, dass Johnson mit dem Kapitel 20 „Churchill, der Europäer“, an das „sperrige Thema der britischen Beziehungen zu ‚Europa’“ (S. 334) erinnert. Der Reihe nach: Die Befürworter und die Gegner Europas finden viele Argumente bei Churchill.“ … „Die Gegner Europas haben es leicht, bei Churchill ihre Argumente zu finden, solange sie auswählen und nicht alles lesen: 1930 steht in einem Zeitungsartikel von Churchill etwas über die drei Rollen Großbritanniens: Europäische Nation, Mittelpunkt des British Empires und Partnerland der englischsprachigen Welt – alles gleichzeitig. (vgl. S. 347)… Wäre Churchill 1948 Premierminister geworden, dann hätte er Europa seinen Churchill-Faktor aufgedrückt, dann wäre ein EU-Modell entstanden, angelsächsischer orientiert und demokratischer. (vgl. S. 348) Also, aus diesem Buch können Europakritiker in England lernen, wieso die EU und der Gedanke der Vereinigten Staaten von Europa wichtig ist, und die Befürworter können lernen, wie sie ihre Position noch besser vertreten können.“

boris-johnson-churchill

Boris Johnson,
> Der Churchill-Faktor
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und
Werner Roller (Original: The Churchill Factor. How One Man Made History)
2. Druckaufl. 2015, 472 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen s/w Abb. und 3×8 Seiten Tafelteil
ISBN: 978-3-608-94898-1

Lesebericht Merkur 805 Juni 2016 (I)

Donnerstag, 16. Juni 2016

merkur-6-2016Die Ausgabe vom > MERKUR 805, Juni 2016 beginnt mit einem Essay von Bernhard Schlink über die „Praktische Gerechtigkeit“. Ist Gerechtigkeit wirklich immer schon eine Art Ungleichbehandlung gewesen? Damit würde das Wort „Gerecht“ auf eine andere Ebene gehoben und wir wären einen Teil der Diskussion los? Er hat einen Essay – nach der > Art von Montaigne verfasst, der seinen Gegenstand von verschiedenen Seiten beleuchtet, um ihn herumgeht, ohne unbedingt eine fertige Lösung zu präsentieren. Martin Burckhardt hat sich die „Modernität der Populismen“ angesehen. Passen die beiden Substantive überhaupt zusammen? Der Einfluss der Medien, neue Kommunikationstechniken in jeder Hinsicht, ein neues Koordinatensystem der Politik führen zu ganz neuen Aspekten der Identitätspolitik und Fundamentalismen jeder Art. (vgl. S. 20 f.) Thomas Etzenmüller berichtet aus dem „Maschinenraum einer untoten Disziplin“: „Was können wir von der Rassenanthropologie lernen?“ Sollte man nicht gleich „Rassenwahn“ in den Titel setzen? Fabian Steinhauer rezensiert den Band von Christoph Möllers Die Möglichkeit der Normen. Übrer ein Praxis jenseits von Moralitärecht, Berlin: Suhrkamp 2016 und gibt sich nicht überzeugt davon. In Matthias Dells Medienkolumne steht Ai Weiwei und die Fußball-EM im Vordergrund. Ekkehard Knörer hat neue und neuaufgelegte Krimis gelsen. Marcus Twellmann berichtet über über Juli Zehs Gesellschaftsroman „Unterleuten“. In den Marginalien schreibt Hannelore Schlaffer über ihre Erinnerungen an Hans Robert Jauß, der in Konstanz lehrte: „Kleine Apologie“. Seine NS-Vergangenheit war spät, zu spät bekanntgeworden. „Österreich, wie es ist“ weiß Peter Stachel. Leander Steinkopf erinnert an die „Fetten Zeiten“. Harry Walter betrachtet wieder ein gefundenes Foto.

> MERKUR 805, Juni 2016

Lesebericht: Peter Nichols, Die Sommer mit Lulu

Donnerstag, 9. Juni 2016

nichols-sommer-mit-luluNein, das Buch ist nicht falsch zusammengebunden. 2005, 1995, 1983, 1970, 1966, 1951, 1948… die Geschichten werden auch nicht rückwärts erzählt, das sind auch keine Rückblenden damit würde man es sich zu einfach machen. Aber Peter Nichols spielt sehr geschickt und spannend mit der Erinnerung in > Die Sommer mit Lulu, den Roman, den Dorothee Merkel übersetzt hat, und der in diesen Tagen gerade bei Klett-Cotta erschinen ist.

Nichols nimmt uns nach Mallorca mit. Lulu Davenport ist in den Neunzigern angekommen und ärgert sich über die Auswirkungen ihres Schlaganfalls, die allen anderen keineswegs verborgen bleiben. Sie besitzt eine kleines Hotel an der Ostküste der Insel Mallorca. Von ihrem Mann Gerald Rutledge ist sie kurz nach der Hochzeit 1949 geschieden, beide blieben in dem Ort Cala Marsopa, sind sich aber nie mehr begegnet. Durch einen Zufall treffen sie sich beim Einkaufen. Eine neue Romanze? Weit gefehlt. Beide sind nicht mehr ganz so sicher auf ihren Beinen und der Weg an der Steilküste entlang wird beiden zum Verhängnis. Kaum hat der Leser Lulu und Gerald kennengelernt, ist es vorbei mit ihnen.

Aber beide haben aufregende Geschichten hinter sich, die dieses Buch zu Ihrer Sommerlektüre machen. Wie bereits angedeutet, wird die Geschichte nach vorne nach hinten erzählt. Nichols nutzt dabei eine einfache Technik, ganz so, wie Sie Freunden von früher berichten. Eine Geschichte und ihr Ende erinnert an eine Vorgeschichte die zur Erklärung und Illustration des Gesagten jetzt auch noch erzählt werden muss. Nur dann muss deren Vorgeschichte auch en détail erzählt werden, nur in Kenntnis ihrer Folgen wird das ganze Ausmaß der Ereignisse verständlich. Lineares Erzählen, entlang den Jahren, ist langweilig, weil die Erinnerung so schnell verblasst. Hier werden frühere Erlebnisse zu neuem leben erweckt, weil sie eine unmittelbare Auswirkung auf spätere Ereignisse hatten. Hauptpersonen sind Luc Franklin, der Sohn von Lulu und Aegina, die Tochter von Gerald. Charlie ist der Sohn von Aegina, er sit 15 und seien Freundin ist Bianca, die Tochter Aeginas bester Freundin in Cala Marsopa. Geralds Buch Der Weg nach Ithaka im Londoner Verlag Doughty Books Ltd. soll neu aufgelegt werden, und Gerald muss sich zur Buchpräsentation nach London begeben, derweil Lulu daheim ihren Geburtstag feiert. Und Charlie dar mit in das Schlafzimmer von… Lulu.

1983. Nein, Lulu betritt keine Boote. Vielleicht mal eine Fähre. Szábo kommt aber auf die Idee, die Taue zu lösen… die Yacht setzt sich in Bewegung. Die energische Lulu wirft kurz entschlossen ihre Handtasche auf die Kaimauer und springt filmreif ins Hafenbecken und schwimmt ans rettende Land zurück. Toll, bei einer Verfilmung des Buches wird die Szene bestimmt dreimal wiederholt, schon weil sie so gut ist. Bei der anschließenden Segelpartie geht nicht alles glatt, der Wind bleibt aus, der Motor geht kaputt und Luc geht über Bord, ohne dass jemand das merkt. Diesmal fährt Lulu mit. Ein Schnellboot wird gechartert, und man nimmt die Suche nach Luc auf. Nicht ganz einfach. Wo war er denn über Bord gefallen?

Geralds Erinnerungen (S. 224 ff) an 35 Jahre, in denen er die Frau, die ihn an diese Insel gefesselt hat, nur dreimal gesehen hat, vermischen sich mit seinen Beobachtungen, wie sein vertrautes Mallorca sich verändert.

1970. Nach dem Tod ihrer Mutter 1966 kam Aegina auf ein Internat nach England und zu Tante Billie, Geralds älterer Schwester. Dann folgt später eine Reise nach Marroko mit Luc, der Unfall mit der Kuh, der Leihwagen und die Drogen in der Türverkleidung. Lulu und Gerald kümmert sich um beide, die im Gefängnis festgehalten werden.

Auch Aegina und Luc haben ihre Vorgeschichte: S. 358 ff. 1956. 1951, Gerald hatte immer wieder an der Villa Los Roques geklopft. Aber deren Tür wurde nie geöffnet. Es blieb ihm nur die Erinnerung an 1948 und Lulu „die Verkörperung einer wilden konetiuschen Energie“. S. 453

Segeln, Sonne, Strand und Liebe, dabei wirkt die Geschichte, die hier erzählt wird, beinahe nur wie Beiwerk. Sie waren noch nicht auf Mallorca? Wahrscheinlich packen Sie nach der Lektüre dieses Buches ihren Koffer und lösne das Billett nach Palma de Mallorca.

Peter Nichols
Die Sommer mit Lulu
Roman aus dem Englischen von Dorothee Merkel
2. Druckaufl. 2016, 507 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98310-4

Man darf nicht mit dem Urheberrecht spielen

Dienstag, 7. Juni 2016

Öffentlich geförderte Publikationen sollen nach einer gerade durch die Minister des EU-Wettbewerbsrats verkündeten Richtlinie auf Open Access umgestellt werden, das soll für naturwissenschaftliche Publikationen nach sechs Monaten, für geisteswissenschaftliche Publikationen nach zwölf Monaten gelten. Vgl. Th. Thiel, Willkommen im geschlossenen System, FAZ 7.6.2016. Rechtlich bindend ist die Vereinbarung nicht, kein Mitgliedsland muss sie umsetzen.

Die Motivation für diese Richtlinie soll der Ärger über Verlage sein, die sich an öffentlich geförderten Publikationen bereichern. Das ist aber ein ideologisch getriebener Ärger oder Misstrauen. Es ist keinesfalls auch nur annähernd ein Kavaliersdelikt, wenn ein Verlag mit einer Publikation Gewinne macht, denn wissenschaftliche Zeitschriften entstehen nicht ohne Kosten, das dürfte allgemein anerkannt sein. Ein solches Misstrauen den Verlagen gegenüber ist kein hinreichender Grund, den Autoren die Wahl ihres Publikationsortes und das Recht auf ihre Daten zu entziehen.

Öffentlich gefördert… ? Schon diese Definition ist viel zu schwammig, um den Status einer Publikation zu bestimmen, oder die Publikationen auszumachen, für die der oben genannten genannte Zwang, die Daten einem Open-Access-System gegen eine Pflichtgebühr zu übermitteln gilt. Eine Publikation entsteht nie allein aus öffentlicher Förderung. Auch wenn öffentliche Gelder für ein Projekt zur Verfügung stehen, so bringt jeder Wissenschaftler gehörig viel Wissen mit, dessen Erwerb er alleine finanziert hat. Eine Grenze, ab wann eine wissenschaftliche Publikation dem Staat gehört, kann gar nicht bestimmt werden. Bedroht ist die Freiheit der Wissenschaft.


In unserem Lesebericht hieß es: „> Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik: Die Hand über der ganzen Welt. Das Buch hat mich in den letzten zwei Wochen dauernd begleitet. Folgt man dem Einsatz des Verlegers für seine Autoren, zu denen unter vielen anderen auch Schiller und Goethe gehörten, seinem Geschick mit den Behörden umzugehen, seiner immer größeren Erfahrung die Buchproduktion seines schnell wachsenden Verlages zu steuern, seinem wunderbaren Gespür neue Autoren aufzuspüren, seinen finanziellen Rechnungen, dann wird deutlich, dass es eine Gratiskultur auch im Buchhandel kaum geben kann.“

Peter Kaeding
Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
1. Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen
496 Seiten – ISBN: 978-3-7681-9712-0


Die Anhänger von Open Access unterschätzen die Rechte der Autoren und die Aufgaben der Verlage. Der Zwang, der hinter dieser Richtlinie steckt, den Autoren die Wahl des Publikationsortes ihrer Arbeiten zu entziehen, ist ärgerlich und kein „Befreiungsschlag“ für die Wissenschaft, wie Thiel meint. Jeglicher staatlicher Dirigismus sollte sich aus der Wissenschaft heraushalten. Wissenschaftliche Zeitschriften mit und ohne langer Tradition, mit einem Herausgebergremium oder einem Herausgeber, mit einem Programm von Artikeln, Rezensionen und z.B. Liste der neu eingegangenen Publikationen leistet mit der Auswahl der Inhalte einschließlich den verlagseigenen Marketingabteilung, die die Publikation auf den Weg bringt, der Wissenschaft einen größeren Dienst als das Versenken eines Artikels im öffentlichen Raum. > Gare à la gratuité scientique !.

Ist Open Access eine Art Super-Verlag mit offenen Türen, wo sich jeder Leser kostenlos bedienen kann? Werden Autoren wirklich verpflichtet, die Daten ihrer Publikationen einem solchen öffentlichen Haus zu übergeben? Wie man dies dreht und wendet, ohne Zweifel werden dabei Verlag auf der Strecke bleiben. Staatlicher Dirigismus wird die Verlagslandschaft ausdünnen, falls der Gesetzgeber der Richtlinie folgt und vielleicht schon das Gehalt eines Wissenschaftlers als öffentliche Förderung seiner Publikationen definiert.

> http://blog.klett-cotta.de/websites/digital-und-kostenlos-open-access/ – 2. Mai 2009

> Gare à la gratuité scientique ! – 9. März 2016

> Réformer le droit d’auteur ? – 21 März 2015

> Das Internet ist nicht das Ende der Bibliotheken – 10. Februar 2016

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