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Archiv für Januar 2017

Lesebericht: Steve Ayan, Lockerlassen

Dienstag, 31. Januar 2017

Lesung: Steve Ayan, „Lockerlassen“ – 6.2.2017 / 19:00 Uhr Hospitalhof Stuttgart

ayan-lockerlassenDenken Sie zu viel? Dann lesen Sie dieses Buch: Steve Ayan > Lockerlassen. Warum weniger Denken mehr bringt:Der Untertitel dieses Buches von Steve Ayan > Lockerlassen, das schon in der zweiten Auflage 2016 bei Klett-Cotta erschienen ist, kann missverstanden werden. Es geht nicht um weniger Überlegung und Nachdenken sondern um die missliche Konzentrierung per dauerndem Nachsinnen auf das eigene Ich. Habe ich das richtig gemacht? Hätte ich nicht…? Oder sollte ich das oder das jetzt machen? Was denkt der /die über mich?

Bei manchen kommt das Gedankenkarussell überhaupt nicht zur Ruhe, dreht sich mal langsamer, mal schneller und wirkt – und das ist entscheidend – wie eine Fremdbestimmung über den eigenen Willen: „So paradox es klingen mag: In vielen Fällen habe wir tatsächlich mehr davon, wenn wir uns und unserem Tun weniger Aufmerksamkeit schenken.“ S. 15 Natürlich kann man das Nachdenken nicht einfach abschalten, so leicht geht das nicht. Aber, und davon ist der Autor dieses Buches überzeugt, man kann wieder die Herrschaft über sein Denken gewinnen und dieses (Selbst-)“Bewußtseinsfimmel“ S. 17 reduzieren. Die menschliche Natur will ja auch etwas ganz anders: Sartre erklärt in L’être et le néant (1943), der Mensch überschreitet ständig seine Situation (vgl. Gerhard Seel, > « La morale de Sartre . Une reconstruction », Le Portique [Online], 16 | 2005, Online since 15 June 2008, connection on 31 January 2017. URL : http://leportique.revues.org/737, Absatz 13 und 14) Der Mensch sei sich immer voraus und dadurch definiert er sich, lehrt der > Existenzialismus Sartrescher Prägung.

Kennen Sie das, wenn jemand ständig sagt, ich mache mir Sorgen, ich fürchte, dass… und dazu eine Unsicherheit ausstrahlt. Ist eine Perspektive erstmal gesichert oder hat die Person ihr Vergnügen an neuen Situationen und am Ausprobieren wiedergefunden, hören die Sorgen auf, und dahin will Ayan seine Leser bringe: „Die Krux am Zu-viel-Denken ist tatsächlich, dass viele es nicht für ihr Problem, sondern für ihre Lösung halten.“ S. 21 „Mut zur Selbstvergessenheit“ schlägt Ayan vor. Richtig gute Ideen gibt es beim Rasieren oder beim Umgraben oder bei einem Waldspaziergang oder man findet etwas, was man gar nicht gesucht hat: > Serendipität – oder bei Ayan, S. 31-33 – gibt es im ersten Kapitel. Dann kommt im zweiten Kapitel die Unterscheidung zwischen Geist und Körper dran, der mehr mitdenkt, als der Geist findet. Drittes Kapitel: Wird alles durch Abwägen besser? Am besten man lässt den Teig ruhen, die Angelegenheit präsentiert sich am andern Tag in einem ganz anderen Licht. Das vierte Kapitel erklärt das ständige Überschreiten. Assoziationen sind das Stichwort. Komischerweise kommen in den Pausen des Denkens oft die allerbesten Ideen, womit wir wieder beim ruhigen Moment des Rasierens sind.

ayan-lockerlassenSerendipität. Wann waren sie zum letzten Mal in einem > Buchladen und haben dort einfachmal geguckt und dies oder jenes Buch in die Hand genommen? Das muss man Ihnen nicht sagen, aber rund 40-50 % der Bücher, die Sie dort erwerben können, sind in der Lage Ihren Entscheidungen und damit Lebensumständen einen Kick wohin auch immer zu geben. Überraschende Begegnungen, ganz so, als ob sie rechts oder links herumgehen. Gedanklich lässt sich das alles nicht erzwingen, durch Nachsinnen und Nachdenken schon gar nicht, sondern durch ihr eigene Aktion. Sie fühlen sich unwohl und denken dauernd nach und hadern mit sich und der Welt. Ein Gespräch mit einem Freund, einer Freundin, der Besuch eines Cafés, der Gang ins Kino, die Verabredung zu einem Museumsbesuch, eine Kurzreise, ein Ausflug können alles auf den Kopf stellen, so als wenn sie einen spannenden Roman lesen und plötzlich merken, dass Sie ein paar Stationen zu weit gefahren sind. Wenn Sie das wegen etwaiger Folgen und Konsequenzen nicht besonders aufregt, dann haben Sie das Buch von Ayan richtig gut verstanden.

Sich auf neue Ideen einlassen. Neugierig sein. Das ist ein Modus, der Sie für die Serendipität empfänglich macht. Ziehen sie keine voreiligen Schlüsse, (vgl. S. 41) lassen Sie die Dinge auf sich wirken, genießen Sie Kunst und Literatur: „Serendipität heißt, Unsicherheit anzunehmen, statt sich davor zu fürchten und sich davon verrückt machen zu lassen,“ fasst Ayan diese Gedanken zusammen. Ablenkung ist ein eigener Abschnitt bei Ayan: S.48 ff.

Ayan meinte nicht weniger denken, sondern kreativer, abschweifender denken, Lust am Ausprobieren. Lesen Sie das „Intermezzo: Der Forscher“ S. 57 ff.

Embodiment: Wie reagiert der Körper auf Gedanken, was macht er aus ihnen und sie aus ihm? Lesen Sie bis S. 87 und es geht ihnen gleich ein bisschen anders. Übrigens Selbstaufmerksamkeit kann eingübte Mechanismen durcheinander bringen. So ist das auch, wenn zu viel nachgedacht wird: „Auf Analyse folgt Paralyse,“ zitiert Ayan Sian Beilock. Also schließen Sie die Tür ab und denken Sie darüber nach, ob Sie es auch wirklich tun. Rechts um, zweimal, Tür wirklich zu? Wenn Sie in der Garage im Auto sitzen: Ist die Tür zu? Wieviel Prozent der Nichtleser dieses Buches steigen nochmal aus,um nachzugucken, ob die Tür auch zu ist?

In Ayans Buch lernen Sie auch Nützliches über die Intuitionsforschung. (S. 96) „Das war Intutition,“ hat Ihnen sicher schon mal jemand gesagt. Bis S. 133 lernen Sie hier u.a, wie Entscheidungen zustande kommen. Gibt es Pausen im Gehirn? Das Unbewußte? Lesen Sie das 5. Kapitel über unsere graue Masse, die jedem SuperPC haushochüberlegen ist. Und wir machen so wenig daraus? Im 5. Kapitel geht es um „Epiphanie – („Berauschende Momente spenden Kraft und Sinn.“ S. 214) oder Die Macht der guten Momente“ S. 173 ff.

ayan-lockerlassenSie haben es eilig. Dann finden sie eine Zusammenfassung aller guten Gedanken dieses Buches auf S. 213-219.

Steve Ayan
> Lockerlassen
Warum weniger Denken mehr bringt
2. Druckaufl. 2016, 244 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-98049-3

Lesebericht: Josiah Ober, Das antike Griechenland. Eine neue Geschichte

Dienstag, 31. Januar 2017

ober-antike-grichenland-110Der Band von Josiah Ober > Das antike Griechenland. Eine neue Geschichte, von Martin Bayer und Karin Schuler übersetzt, ist ein außergewöhnliches historisches Werk. Es beeindruckt durch die Präzision seine Methode, die der Autor in allen Einzelheiten erklärt. Und es ist in gewisser Weise auch Lehrbuch für die heutige Politikwissenschaft, weil der Autor den Zusammenhang von Demokratie und Wachstum in einem föderalen Staatenbund unter Berücksichtigung aller Dimensionen untersucht.

Wie kam es dazu, dass mehrere Jahrhunderte lang, Demokratie und Wachstum im klassischen Griechenland für die Bürger „normal waren“ (S. 9)? Das ist die Leitfrage dieses Buches. Fragen des Autors wie „Mit welcher Wahrscheinlichkeit können sich Demokratie plus Wohlstand als ebenso gängig wie normal etablieren?“ (S. 11) machen die Lehren dieses Buches auch für die heutige Zeit aktuell.

Ober hat eine spannende Geschichte der Wirtschaft und der Strukturen des klassischen Griechenlands vorgelegt. Beeindruckend, wie er mit seinen Quellen umgeht, sie offenlegt und welche Schlussfolgerungen er daraus zieht. Zuerst erklärt Ober, warum die Ausnahmestellung des klassischen Griechenlands so rätselhaft ist. Die folgenden drei Kapitel beschreiben die „dezentralisierte Ökologie aus Hunderten kleiner Staaten“ (S. 18) – ober-antike-grichenland-11045 Regionen der griechischen Welt: S. 20 f. – und versuchen eine Deutung, wie sich in ihnen eine Zusammenarbeit „ohne zentrale Führungsinstanz“ herausbilden konnte. Das erinnert an moderne Schwarmtheorien kollektiver Intelligenz, aber Ober zeigt doch noch viele weitere Faktoren, die über dieses uns heute geläufige und bestaunte Erklärungsmuster hinausgehen. Interessant ist der Hinweis auf S. 101 auf Platons (-428/-427, -348/-347 )“Politeia“, der den „Mythos der Metalle“ einführte, das auf die Seele aus Gold oder Silber hinweist, wodurch die Loyalität der Einwohner gegenüber einer Zentralmacht gesichert werden sollte.

Das Kapitel 5 nennt die wichtigsten Faktoren des beeindruckende Wachstums dieses Staatenbundes: die Formulierung gerechter Regeln und Individuen und Staaten, die zu einander in Konkurrenz treten und für institutionelle und technische Innovation sorgen. Dann folgen drei Kapitel, die die Entwicklung der bürgerzentrierten Politik und das Wirtschaftswachstum von Homer (ca um 750 v. Chr.) bis Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) in den Blick nehmen, dabei werden die Vorteile der „dezentralen griechischen Sozialökologie“ deutlich. Im Kapitel 10 geht es um den Niedergang Griechenlands, den Philipp und Alexander von Makedonien vorantrieben. Kapitel 11 zieht ein Resümee und erklärt, wieso trotz der Bedrohungen von außen die Polis-Ökologie sich so erstaunlich lange als widerstandsfähig erweisen konnte.

Betrachtet man die Grafik S. 26 mit dem Entwicklungsindex für das griechische Kernland von -1300 bis 1900 fallen die Jahre 500 – 200 v. Chr. durch ihr außergewöhnliches Wachstum auf. Die Zahlen dazu liegen hier > polis.stanford.edu vor. Ober nutzt auch das Inventory of Archaic and Classical Greek Polis, das der Däne Morgens H. Hansen zusammengestellt hat: Es beschreibt 1035 grieichische Stadtstaaten in 45 Regionen zwischen dem 8. Jh. und dem späten 4. vorchristlichen Jh.: „Kleine Staaten, verteilte Autorität“. Ober fragt, „Wie konnte ein Kleinstaatensystem wie das griechische überleben, wenn es doch immer wieder von einem großen, gut organisierten und aggressiven Imperium wie das Achämenidenreich bedroht wurde?“ Die Antwort: „Spezialisierung, Innovation, kreative Zerstörung“ (S. 37-41). Ober entleiht den Begriff „kreative Zerstörung“
bei Joseph Schumpeter, der damit den reformerisch wertvollen Kreislauf von Innovationen bezeichnete. Als der Wissenstransfer den Gegnern dieses Staatenbundes zunutze kam, war es um das stabile Wachstum geschehen. Die Geschichte ist natürlich viel komplizierter. Aber Ober zeigt wie der Export von militärischen und finanziellem Fachwissen z. B. in Makedonien gerne aufgenommen wurde. (vgl. S. 47).

ober-antike-grichenland-110Kapitel 2 „Ameisen um einen Teich. Eine Stadtstaaten-Ökologie“ und Kapitel 3 „Politische Lebewesen. Eine Theorie der dezentralisierten Zusammenarbeit“ sind auch Reflexionen über den Aufbau und Struktur moderner Organisationsformen. Ober stützt sich in diesen Kapitel auf die Werke Aristoteles, der auch Naturforscher war. Besonders spannend ist hier der Vergleich der Werke von Hobbes (1588-1679) mit denen von Aristoteles. (S. 98-102) Aber auch Ober erkennt „Grenzen der Vergleichbarkeit: „Ameisen und Griechen“ (S. 108-110).

Ein eigenes Buch in diesem Buch: „Hellas war Reich“. Eine Blüte in Zahlen“ S. 115-154. Dann folgt eine Betrachtung über die Gründe für den Reichtum Griechenlands: „Faire Regeln und Wettbewerb“ S: 155 ff.: „Bürgerzentrierte Regeln und Normen begünstigen relativ offene Märkte, ermöglichen den ständigen Informationsaustausch“ unter vielen unterschiedlichen Menschen und förderten dadurch kontinulierlich Innovationen und Wissen,“ Mr. Trump. Bemerkenswert, wie hier immer wieder das Wissen im Vordergrund steht und nicht nur der Warenaustausch. Soviel dazu, wenn heute immer von der Wissensgesellschaft geschwärmt wird. Und das Kapitel ist auch eine Mahnung an die EU. Das nächste Kapitel „Bürger und Spezialisierung vor 500 v. Chr. ergänzt diese Ausführungen.

Kapitel 7 nimmt wieder den Faden der politischen Entwicklung wieder auf: „Von der Tyrannis zur Demokratie, 550-465 v. Chr.“, S. 229 ff., gefolgt vom „Goldenen Zeitalter des Imperialismus, 487-404 v. Chr., S. 273 ff. und Unordnung und Wachstum 403-340 v. Chr., S.317 ff. Mit dem politischen Niedergang 359-334 v. Chr. kam auch das Ende der Klassischen Zeit S. 367 ff. Aber: „immortal, though nor more! though fallen, great“ Byron 1812 steht über dem Kapitel 11 „Schöpferische Zerstörung und Unsterblichkeit“ S. 407 ff. Griechenland als der früheste Fall von Demokratie plus Wirtschaftsaufschwung hatte Langzeitwirkung. (vg. S. 409) Viele Stadtstaaten behielten bis zum 2. Jh. v. Chr. demokratische Ordnung.

Dieses Buch gehört in die Reihe der vielen Bücher auf dem > historischen Regal bei Klett-Cotta, die u.a. auch Studenten historisches Orientierungswissen anbieten. In diesem Sinne ist dieser Band eine Pflichtlektüre für angehende Historiker.

ober-antike-grichenland-110
Josiah Ober
> Das antike Griechenland. Eine neue Geschichte
Aus dem amerikanischen Englisch von Martin Bayer und Karin Schuler (Orig.:The Rise and Fall of Classical Greece)
1. Aufl. 2016, 559 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen Karten, Graphiken, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-94928-5

Daniel-Pascal Zorn, Vortrag zur dialektischen Analyse populistischer Argumentation

Dienstag, 31. Januar 2017

Erscheinungstermin 11.03.2017

Berlin | Vortrag Mittwoch 1.2.2017 18 h 15
Vortrag zur dialektischen Analyse populistischer Argumentation
Zentrum für Antisemitismusforschung
TU Berlin, Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin

Demokratisches Handeln und Denken muss immer eingeübt werden, nur so kann man sich Gegnern und Feinden demokratischen Denkens erfolgreich entgegenzustellen, so lautet die Grundthese dieses Buches. Zorn erinnert mit der > Logik für Demokraten den Leser an die argumentativen Auseinandersetzungen, die ein Demokrat immer wieder neu aufnehmen muss. Seine Analysen populistischer Argumentation und totalitärer Denkweisen geben dem Leser Instrumente an die Hand, um die Demokratie wirkungsvoll gegen ihre Feinde zu verteidigen. Es werden auch diejenigen einzuladen, die mit dem Konzept der Demokratie noch nichts oder nichts mehr anfangen können. In diesem Buch kann man erfahren, warum es geradewegs vernünftig ist, demokratisch zu denken.

Daniel-Pascal Zorn, Jahrgang 1981, Philosoph, Historiker und Literaturwissenschaftler hat sich auf Theoriestrategien und Analyse reflexiver Strukturen in Philosophie, Kultur- und Sozialwissenschaft spezialisiert. Er hat bisher Arbeiten zu Carl Schmitt, Michel Foucault, Michel de Certeau, zu den Vorsokratikern, zu Leibniz und Bergson vorgelegt. Außerdem hat er sich mit fantastischer und reflexiver Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts (Lovecraft, Borges, Eco, Ende, Handke) beschäftigt.

Di 14.3.2017
Daniel-Pascal Zorn „Logik für Demokraten. Eine Anleitung“
Stiftung Geißstraße, Stuttgart

Do 23.03.2017 19:30 Uhr
Daniel-Pascal Zorn
Leipzig | Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion mit Andrea Röpke, Ralf Fücks, Michael Wildt / Moderation: Bastian Wierzioch
Zeitgeschichtliches Forum, Grimmaische Str. 6, 04109 Leipzig

Mo 24.04.2017 19:00 Uhr
Daniel-Pascal Zorn, Über Populismus
Berlin | Vortrag
Diskussionsrunde mit Jan-Werner Müller / Moderation: Stefanie Schüler-Springorum
Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße 23, 10719 Berlin

DO 01.06.17, 19:00 – 21:00 Uhr
Buchvorstellung: Daniel-Pascal Zorn > Logik für Demokraten
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart

Daniel-Pascal Zorn > Die Kunst der Rchtfertigung. Reflexive Philosophie im 21. Jahrhundert: „In diesem Blog soll es einerseits um die großen Fragen gehen, aus der Perspektive einer reflexiven Logik: was ist genau unter ‚Toleranz‘ zu verstehen? Was meint ‚Meinungsfreiheit‘ oder ‚Freiheit‘ überhaupt? Was können wir eigentlich von der Welt erkennen? Ist ‚Fortschritt‘ eine Kategorie, die alle Lebensbereiche betrifft? Wozu müssen wir uns mit unserer Geschichte beschäftigen.“

Buchpremiere: Ingeborg Gleichauf, Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin

Mittwoch, 18. Januar 2017

gleichauf-gudrun-ensslin

Ingeborg Gleichauf istg mit ihrem neuen Band > Poesie und Gewalt. Das Leben der Gudrun Ensslin auf > Lesereise.

Mittwoch 18.1.2017, 19 h: Stuttgarter Buchpremiere, Hospitalhof, Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart

Gudrun Ensslin gehörte zur Führungsspitze der RAF. Eine literarisch hochgebildete Person. Ingeborg Gleichauf beschreibt Ensslins geistige wie politische Entwicklung und zeigt, wie aus dem intellektuellen Bürgertum des Nachkriegsdeutschlands gewaltbereite Radikalisierung möglich war. Ensslin war eine extreme Person und ihr extremer Lebensweg. Die Autorin räumt mit den gängigen Klischees und Vorurteilen auf, die die spätere Terroristin als Produkt eines provinziellen Pastorenhaushalts sehen. Sichtbar wird eine vielseitig begabte Persönlichkeit der Zeitgeschichte, die die Entwicklung einer Gewaltbereitschaft begünstigt hat. Dies Umstände prägten Ensslins Lebensweg prägten nicht sie allein. Ihre intensive Schreibtätigkeit und die Literaturbegeisterung waren zentral für ihre Weltanschauung. Die Autorin zeichnet ihre Lebensstationen nach und widmet sich den bisher vernachlässigten Kindheits- und Jugendjahren Ensslins. Eindringlich schildert sie Ensslins Beziehungen. In einer besonderen Verbindung von Erzählung und Analyse gelingt es ihr, uns eine ebenso schwierige wie vielschichtige Person nahezubringen, die unsere Gesellschaft radikal verändern wollte.

Ingeborg Gleichauf
> Poesie und Gewalt.Das Leben der Gudrun Ensslin
1. Aufl. 2017, 350 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94918-6

Konfliktdynamik 1/2017

Mittwoch, 11. Januar 2017

konfliktdynamik-1-17Ein Foto vom Glasleseraum, auf dessen Glaswänden TTIP-LESERAUM (Greenpace) und #ttipleaks steht, und in dem Leser über den (vertraulichen) Akten gebeugt sitzen, prägt das Cover dieser Ausgabe. Darunter wird der Schwerpunkt dieses Heftes genannt: „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Das Foto passt dazu. Zuerst waren die TTIP-Verhandlungen geheim, das Lese-und Einblickrecht musste erst erstritten werden. Wie wäre die Diskussion in der Öffentlichkeit verlaufen, wenn die Verhandlungen von Anfang öffentlich geführt worden wären? So wie bei der öffentlichen Anhörung via Internet zur Vorlage für das Gesetz zur digitalen Wirtschaft in Frankreich, für das wir eine > Präambel vorgeschlagen hatten?

In diesem Heft geht es um Grundfragen der Legitimation außergerichtlicher Konfliktregelung. Mit Schieds-, Schlichtungs- und Mediationsverfahren gibt es Alternativen zur gerichtlichen Streitentscheidung. Diese Verfahren können sogar eine höhere fachliche Kompetenz bei der Streitentscheidung bieten. Oder gerade die fachgerecht durchgeführte Mediation bietet den Parteien flexiblere und informellere Verfahrensweisen, bei denen sie selber über ihre Belange entscheiden können. Für die Auseinandersetzungen in solchen außergerichtlichen Konfliktregelungsverfahren sind Themen geeignet, zu denen Rechtsnormen als Entscheidungskriterien entstanden sind. Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Spannungsfeld zwischen informellen, vertraulichen Konfliktregelungsverfahren und rechtsstaatlichen Prinzipien zu.


> Konfliktdynamik Heft 1, Januar 2017, 6. Jahrgang
Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat


Renate Dendorfer-Ditges, > Ditges PartGmbH in Bonn und Kirsten Schroeter, Meditationszentrum Altona, berichten über „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Den beiden Autoren geht es „nicht um eine Ersetzung der Verfahren des gerichtlichen staatlichen Rechtsschutzes, sondern um deren Ergänzung und Entlastung, für viele Verbraucher sogar um die Eröffnung einer realen Chance des Zugangs zum Recht.“ S. 8

Peter Hammacher, Heidelberg, „Transparenz und Schiedsverfahren“ unterstreicht die Notwendigkeit von transparenten Handeln auf allen Ebenen eines demokratischen Rechtsstaates. Es gilt abzuwägen zwischen Verschwiegenheit und Vertraulichkeit. Das ist das Stichwort für den Beitrag von Silke Schneider, (Richterin, u. a. Vorsitzende Richterin am Landgericht Lübeck sowie Direktorin des Amtsgerichts Bad Segeberg, Mediatorin BM®, BMWA und BAFM, Referentin im Bereich Mediation) „Vertrauen in die Vertraulichkeit – nur bedingt berechtigt. Die Vertraulichkeit der Mediation im Spannungsfeld zum Straf- und Strafprozessrecht“. Sie weiß um die Achillesferse Vertraulichkeit der Mediation, sei kennt das Spannungsverhältnis zwischen Strafverfolgung und Vertraulichkeit in der Mediatation und legt hier ihren Standpunkt dar.

konfliktdynamik-1-17Ulla Gläßer, „Die Diskussion um die alternative Streitbeilegung in Verbrauchersachen. Von einer polarisierten Debatte zu einem integrativen Ansatz“. Sie erklärt die unter Bezug auf einschlägige Normen des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG) aufgezeigt, wie durch entsprechende Rahmenbedingungen und Verfahrensweisen auf die einzelnen Kritikpunkte konstruktiv reagiert werden könnte. ALs Fazit formuliert sie ein Plädoyer für eine integrative Herangehensweise an die weitere Etablierung der Verbraucherstreitbeilegung im Sinne von »Appro priate Dispute Resolution«.

Es folgen Berichte aus Theorie und Praxis u.a. von Sascha Weigel über die „Transformative Mediation und Transaktionsanalyse“
Theorie und Praxis, ein Gespräch wischen Rudi Ballreich mit Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd: „Strukturaufstellungen und transverbale Konfliktarbeit“. Aus ihrer Sicht steuern Daniela Bornschein und Alexander Redlich „Die Vertrauensbrüche“ ein Instrument für die Konfliktberatung mit einzelnen Konfliktparteien bei.

Call for Papers:
Ausgabe 2/2017: Bewusstheit, Selbsterfahrung und Ausbildung für KonfliktberaterInnen
Ausgabe 3/2017: Vertrauen und Misstrauen
Ausgabe 4/2017: Krieg, Flüchtlinge und ethnische Konflikte

Die Herausgeber bitten um Beiträge zu den genannten Rubriken und zu den Schwerpunktthemen. Es wird empfohlen, sich bereits während der Konzeption eines Beitrages mit der Redaktion abzustimmen: > redaktion@konfliktdynamik.de. Für Fragen zu den Inhalten oder dem Publikations­ verfahren stehen auch die Herausgeber gern zur Verfügung.
Die Konfliktdynamik erscheint vierteljährlich – jeweils Anfang Januar, April, Juli und Oktober. Annahmeschluss für Beiträge ist jeweils 4 Monate vor dem Erscheinen.

Gespräch über das Theater in Berlin am 19. Januar 2017

Donnerstag, 5. Januar 2017

Das nächste Merkur-Gespräch findet am 19. Januar 2017 statt, und zwar zur Frage: „Was wird Theater?“ TeilnehmerInnen sind Birgit Lengers (Leiterin Junges DT) und Christoph Gurk (Dramaturg für die freie Szene und Musik, Kammerspiele München), Stefanie Wenner (Ex-Dramaturgin des HAU in Berlin, jetzt Professorin für Angewandte Theaterwissenschaft in Dresden) und Thomas Oberender (Intendant der Berliner Festspiele). Es moderiert unsere Theater-Kolumnistin Eva Behrendt (Redakteurin bei Theater heute). Ort des Gesprächs ist die Lettrétage am Mehringdamm 61 in Berlin. Wir bitten um Anmeldung unter redaktion@merkur-zeitschrift.de.

> Merkur-Gespräche 7: Was wird Theater?

> MERKUR-Blog

MERKUR 812 – Januar 2017 – 71. Jahrgang

Donnerstag, 5. Januar 2017

merkur-812-jan-2017Der MERKUR wird 70 Jahre alt: Das Dokument, mit dem die französische Besatzungsbehörde Hans Paeschke die Lizenz erteilte, trägt als Datum den 4. November 1946.

Der MERKUR feiert das Jubiläums und das > Geschenkabo (das nach einem Jahr automatisch endet) gibt es für nur 80 statt 120 Euro – eine Buchprämie für die oder den Schenkende/n gibt es obendrein.

> Rupert Neudeck – 1939-2016

> Die Migranten und die Menschenrechte

> Der Vergleich (XIII) : Die Menschenrechte in Frankreich und Deutschland

> Der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2015

Der Historiker Stefan-Ludwig Hoffmann (Berkeley) erklärt, wie sehr sich der Begriff der „Menschenrechte“ insbesondere seit den neunziger Jahren verändert hat. Nein Historiker sind keine „Leichenbeschauer“ (S. 5), ihre Gegenstände sind keinesfalls abgeschlossen oder irrelevant für die Nachkommenden. Die Leidenschaft des Historikers für sein Fach findet seinen Ursprung in der Bedeutung früherer Ereignisse und Epochen für unsere Gegenwart und für unsere Zukunft. Geschichtsschreibung ist immer auch ein Korrektiv für unsere Zeit. Denken Sie nur an das Gejammere, heute sei alles so schnell und so vernetzt, und dabei vergisst man, dass ein 20-jähriger in Paris 1789 eine Beschleunigung der Zeit erlebt hat, die wir heute kaum ahnen können. Ohne zweifel waren die Menschenrechte noch nie so gefährdet wie heute. Aber jeder Historiker muss bei diesem Zeit stutzen. War es um sie seit Ihrer Verkündung vor 227 Jahren: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 26. August 2014 – www.france-blog.info jemals besser gestellt? Ist das Programm der Revolutionäre in Frankreich und der Verfassungsväter, die diese Erklärung 1946 und 1958 in Frankreich mit ihren universalen Anspruch in die Verfassung geschrieben haben, jemals wirklich auch nur annähernd erfüllt worden? Im Grunde genommen, muss jeder Artikel über die Menschenrechte immer auch eine breit angelegte historische Perspektive mitbringen. Die Betrachtung nach 1945 des Umgangs mit den Menschenrechten reicht nicht. Hoffmann deutet eine historische Dimension der Diskussion um die Menschenrechte an (S. 17 ff): Nein die Geschichte der Menschenrechte beginnt keinesfalls erst in unserer Gegenwart. Dennoch ist Hoffmanns Artikel so lesenswert, weil er in präziser Form eine Liste aktueller Konfliktherde in der Welt mit einer Diskussion über die Durchsetzbarkeit der Menschenrechte verbindet.


> MERKUR-Blog


Der Staatsrechtler Rainer Wahl untersucht die Krise der EU „Die immer engere Union“ und wünscht sich eine neue Balance europäischer und nationaler Befugnisse. Es geht um ein neues Austarieren der Befugnisse zwischen der EU und der Mitgliedsstaaten, als der Bürokratie in Brüssel immer neue Kompetenzen zu übertragen.

Heiner Barz kritisiert die Verurteilung der Gülen-Bewegung, die nicht nur von Erdogan und der AKP für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich gemacht wird.

Eva Behrendt schreibt in ihrer Theaterkolumne über „Echte Tränen“ und die Rolle, die sie auf der Bühne spielen: Die Realität, das Universale und das unverfälschte Einssein. Roland Reichenbach berichtet in der Bildungskolumne über das chinesische Konzept von Herz/Geist vor. Der Musikwissenschaftler Thomas Kabisch hat sich die Versuche des Ex-Guardian-Chefredakteurs Alan Rusbridger, ein Chopin-Stück als Amateur möglichst perfekt zu spielen, genau angehört: Was fehlt ist die „Tugend des Sich-Wunderns“. Léonce Lupette übersetzt ein Gedichts von Reynaldo Jiménez sein Essay ist erstmal der Schlusspunkt der mit Daniel Graf entstandene inter_poems-Reihe. Die Herausgeber versprechen, dass sie am Thema der Lyrik dranbleiben.

Ahmet Cavuldak schreibt über die Heimat > Im Wartezimmer des Lebens. Heimat für Flüchtlinge? Leander Steinkopf erzählt, was er beim Hitchhiken über Deutschland und auch das Leben gelernt hat. Günter Hacks jüngster Vogel-Miniatur hat Krähen, Koren, Karyatiden (und mancherlei mehr) beobachtet und Harry Walter betrachtet ein Foto mit Frau, Goldhamster und Walnüssen.

> MERKUR 812 – Januar 2017

Anthony Atkinson – 4.9.1944 – 1.1.2017

Montag, 2. Januar 2017

atkinson-ungleichheitDer britische Ökonom und Spezialist für die Fragen der Ungleichheit ist am 1. Januar 2017 gestorben, berichtet Goff Roiley in seinem Blog Economics > RIP Sir Tony Atkinson.

Noch im September hat er auf unsere Fragen zu seinem Buch > Ungleichheit. Was wir dagegen tun können, das gerade bei Klett erschienen war, geantwortet: Nachgefragt….

> Anthony Atkinson

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