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Archiv für März 2017

Nachgefragt: Stefan Lehnberg, Durch Nacht und Wind

Donnerstag, 30. März 2017

Wir sind in Weimar. Der Großherzog von N. hat eine seltsame Nachricht erhalten, die ihn in tiefe Unrufe stürzt. Sein wunderbarer und kostbarer Smaragdring soll verflucht sein. Der Ring soll unweigerlich den Tod seines Besitzers herbeiführen. In großer Sorge und Angst werden Goethe und Schiller gerufen und mit dem Fall beauftragt. Andere Zeiten, andere Sitten und sie bewähren sich fast noch besser als das Ermittlerduo vor Sherlock Holmes und Dr. Watson! Die die Mutter von Weimars Regenten Carl August, Anna Amalia, bittet Goethe und Schiller, den Großherzog, der mit seiner Familie im Lustschloss Belvedere bey Weimar residiert, zu besuchen, und ihn davon zu überzeugen, dass die Geschichte mit dem Fluch erfunden sei und kein Anlass zur Sorge bestehe. Goethe und Schiller verabreden sich aber, um dem so unsympathischen Großherzog noch ein bisschen mehr Angst einzujagen. Aber schon in der Nacht schließt der Großherzog für immer die Augen. Weder eine natürliche Todesursache, weder Mord oder Selbstmord kommen in Frage. Der Fall ist voller Rätsel. Goethe und Schiller werden gebeten, sich ganz diskret dieser Angelegenheit anzunehmen:

Auf der Leipziger Buchmesse 2017 haben wir Stefan Lehnberg getroffen und ihn gefragt, wie er auf die Idee kam, Goethe und Schiller mit diesem Fall zu beauftragen:

Stefan Lehnberg
> Durch Nacht und Wind
Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller. Herausgegeben von Stefan Lehnberg
1. Aufl. 2017, 237 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50376-0

Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017

Dienstag, 28. März 2017

Spannend, aufregend, vielfältig, Bücher, wo man man nur hinguckt, ach ja, wo war eigentlich das E-Book… ? Digitaltechnik? Unheimlich viele Besucher, die immer genau bis 10 Uhr warten mussten, viele Medienvertreter, viele Autoren. Warum fängt die Messe eigentlich erst Donnerstag an? Und es gibt entschieden zu viele Veranstaltungen. Alles so wie im letzten Jahr? Nein, die Ereignisse der Buchmesse in Frankfurt kündigen sich immer deutlicher an: > Pressekonferenz zu #FRAFRA2017 – Frankreich als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Und von der Warte des Bloggers und Interviewers ging es diesmal politischer zu: > Nachgefragt: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte und > Nachgefragt: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Gleich zwei wichtige Bücher mit dem notwendigen Handwerkszeug, um den Populisten entschieden entgegentreten zu können.

Wählen wir aus unserem Buchmessenfundus einige Fotos aus:

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Nachgefragt: Arno Frank, So, und jetzt kommst du

Dienstag, 28. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Wir haben in unserem Lesebricht zu dem Buch von Arno Frank festgestellt: Wenn Sie den Roman > So, und jetzt kommst du zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und möglichst eine Zugverbindung ohne Umsteigen gebucht haben. > Bitte weiterlesen.

Auf der Leipziger Buchmesse 2017 hatten wir die Gelegenheit, Arno Frank nach den beiden Lesarten seines Buches zu befragen:

Es gibt zwei Lesarten dieses Buches, die sich überschneiden:

1. Wie hat der Autor es angestellt, dass dieses Buch so unglaublich spannend ist?
2. Lesart: War es an der Zeit, dass Frank sich diese haarsträubende Geschichte seiner Kindheit jetzt endlich mal von der Seele schreiben?

1. Lesart: Welche Mittel hat der Autor eingesetzt, um diese Spannung zu erzeugen?

Jutta, die Muttermit ihren Kindern, der Erzähler, Jeany noch im Kinderwagen, Fabian zügelt nach, halten zu ihrem Mann und Vater Jürgen, auch als er auf die schiefe Bahn gerät und seine Familie unbarmherzig, kompromisslos immer mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft mit sich führt. Ist das ein Erziehungsroman?

Tragisch und komisch zugleich?

2. Lesart:
Arno Frank hat – so der Klappentext – eine wahren Geschichte aufgeschrieben. Wann wurde, jetzt kommt die Erinnerung des Autors – der biographische Aspekt – dran, ihm und seiner Familie klar, dass mit dem Vater etwas nicht stimmte? Die Ratschläge, die er ihnen gab, Jetzt kommst Du dran, hat er immer wieder gesagt, waren ja nicht so doll.

In unserem Lesebericht steht: „Das Geheimnis ist das alle bescheißen. Alle.“ Jürgens Lebensweisheiten sind etwas dürftig und sein Sohn mag ihm nicht so recht trauen.
Wie es um die Geschichte aus ihrer Erinnerung bestellt? „Soviel Kaltblütigkeit auf einmal gibt es doch gar nicht, sagt sich der Leser, wenn er die Familie auf ihrer Hatz durch Europa begleitet und mit den Kindern mitleidet. Ob der Vater glaubt, dass sich alle gegen ihn verschworen haben? Sein Kampf gegen alle?“ Welche Motive hatte er?

Wir müssen hier weg, wäre auch ein guter Titel gewesen.

Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2

Nachgefragt: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte

Montag, 27. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Kürzlich haben wir auf diesem Blog einen Lesebericht über das Buch des Historikers Volker Weiß > Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes verfasst.

Auf der Leipziger Buchmesse ergab sich eine Gelegenheit, mit Volker Weiß über sein Buch zu sprechen:

Der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, kam am Donnerstag 23.3., auf den Stand von Klett-Cotta und hat 30 Minuten mit Volker Weiß und auch mit dem verlegerischen Geschäftsführer von Klett-Cotta, Tom Kraushaar gesprochen. Über das Gespräch hat Volker Weiß in unserem Gespräch berichtet.

Bitte öffnen Sie das folgende Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst, wenn diese Seite vollständig geladen ist, also der kleine blaue Kreis verschwunden ist, sonst funktioniert das Blättern per Klick nicht:

Im Untertitel wird die „Neue Rechte“ genannt, aber das ist doch eher alter Wein in neuen Schläuchen? Das ist doch eher so, dass jetzt Personen und Gruppen, die politische Entwicklungen oft auf fragwürdige Weise interpretieren und ausnutzen, um sich als „neu“ zu profilieren? Außerdem wollten wir von Volker Weiß wissen, was das mit dem Abendland damit zu tun? „Der Untergang des Abendlandes“ klingt dramatisch, aber was steckt hinter dem Begriff „Abendland“ in der neurechten Sichtweise? Die neu auftauchende „Abendländer“ und Islamisten seien „in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder“, so resümiert der Klappentext eine der Thesen von Volker Weiß, wie meint er das? Mit welchen Strategien haben die rechtspopulistischen Parteien die meisten Erfolge?

Wie schafften die Anhänger der AfD es, aus ihrer ganz rechten Schmuddelecke heraus, in Landtage zu gelangen? Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Deutschland: „die Rückkehr von Autorität und Religion von Politik vollzieht sich überall mit enormer Geschwindigkeit.“ (S.11) Was kommt da noch auf uns zu?

Weiß nennt als Gründe die Euro-Krise, aber „die künstliche Schöpfung einer neuen rechten Tradition unter der Flagge einer ‚Konservativen Revolution‘ die sich nach 1945 vom Nationalsozialismus abgegrenzt wissen wollte…“, (S. 12) aber auch nationalstaatliche Gedanken, die vom „Verfallsprozess bürgerlich-konservativer Politik“ (ebd.) zu profitieren, dies gehört doch zur Kernthese seines Buches? Die „Neue Rechte“ hofft darauf, dass Anhänger aus dem rechten bürgerlichen Lager ihren Sirenenrufen (blind) folgen.

„Archäologische Arbeiten“ nennt Weiß sein Vorgehen, die Entwicklung der neuen Rechten aufzudecken. Jede seiner Seiten ist spannender als jeder landläufige Artikel über die AfD. Der „zwischentag“ am 6.10.2012 in Berlin ist ein Glied der Kette? Sie zeigen Argumentationsmuster, die sich später in der AfD wiederfinden. Er schreibt „Die politische Agenda der Neuen Rechten ist seit Jahrzehnten ausformuliert.“ (S. 27) Haben wir da etwas übersehen?
Es folgt eine historische Analyse, faktenreich aber vor allem kenntnisreich, auf der Basis einer präzisen und geduldigen Recherche: „Das theoretische Gerüst der neurechten Bewegung ruht auf einem ausgeprägten Antirationalismus und die aristokratische Haltung ist nichts anderes als Pose,“ stellt Weiß fest. Schon Anfang der 70er Jahre stand die Neue Rechte „in einer faschistischen Bündnistradition“, (S. 31) so lautet ihr Ergebnis.

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Lesebericht: James Rayburn, Sie werden dich finden

Montag, 27. März 2017

Unser Gastblogger Oliver W. Steinhäuser > www.buchundmedienblog.com hat den Thriller von James Rayburn > Sie werden dich finden für den Klett-Cotta-Blog gelesen:

Whistleblower ist ein starkes Wort, auch wenn es sich so weich spricht. Doch auch wer Geheimnisse anderen Personen zuflüstert, ist ein Verräter. Und Verrat ist gar nicht mehr weich und flüsternd. Verrat ist hart und bricht Vertrauen. Spätestens seit den Veröffentlichungen Edward Snowdens, steht der Begriff des Whistleblowers beinahe als festes Synonym für eine ganze Geschichte und der Historie zur Abhörung von Regierungen durch die National Security Agency. Ein komplizierter Begriff, da er sofort Erwartungen beim Leser auslöst.

Eine solche Verräterin ist auch Kate Swift, die in „Sie werden dich finden“ durch ihr Eingreifen und Stoppen eines Attentats an der Schule ihrer Tochter wieder in den Fokus ihres ehemaligen Arbeitgebers, der CIA, gerät. Jahrelang bewahrte sie sich ein getarntes Leben unterhalb des Radars des Auslandsgeheimdienstes der Vereinigten Staaten. Zum Schutz ihrer Tochter beendet sie den terroristischen Angriff auf die Schule. Die folgende Medienberichterstattung zu ihrem heldenhaften Eingreifen hat zur Folge, dass ihre alten Widersacher erneut auf den Plan gerufen werden und sie mit ihrer Tochter erneut untertauchen muss. Allen voran Lucien Benway, der aufgrund Kates Enthüllungen vor einigen Jahren unehrenwürdig seinen Posten räumen musste. Durch die Flucht nach Thailand erhofft sie sich Hilfe von Harry Hook, einem ehemaligen, nun in Thailand zurückgezogen lebenden Agent. Sie hofft auch, dass er ihr weitere Antworten zu offenen Fragen ihres Lebens liefern kann, denn sie beide verbindet mehr, als Hook vermutet.

Mit seiner Hilfe schafft es Kate tatsächlich als „Tote“ öffentlich von der Bildfläche zu verschwinden. Hook lässt die Absturzstelle eines Flugunglücks dementsprechend präparieren. Doch nicht jeder traut dieser Geschichte.

So kommt ein Parallelstrang ins Spiel.
Der des ausgeschiedenen Agenten Lucien Benway. Auch ihm wird seit dem Flugzeugabsturz mehr mediale Aufmerksamkeit zuteil als ihm lieb ist. Die Presse unterstellt ihm berechtigte Interessen an dem Flugzeugabsturz, dass er den Tod seiner Widersacherin Kate Swift gar selbst eingeleitet hat. All diese einem extrovertierten Journalisten zugespielten Informationen sind wiederum das Werk eines weiteren Akteurs, der Kate um jeden Preis vor Benway schützen möchte und deshalb im Hintergrund seine Fäden spinnt.

Erst beim Verfassen der Rezension
zu „Sie werden dich finden“ wird dem Rezensent bewusst, über wie viele Personen und ihre Lebensgeschichten in dem Buch erzählt wird. Das ist ein positives Zeichen, da es die unbeschwerte Verarbeitung vieler wichtiger Zusammenhänge bedeutet. Die Diversität der Schicksale macht das Buch zu einem spannenden Thriller, dessen Zusammenhänge aufregend komplex sind, dabei jedoch gleichzeitig unbeschwert nachvollziehbar bleiben. Es ist eine Freude, die Ereignisse aus der Außensicht zu beobachten und zu beobachten, welche Eigendynamik Netzwerke erzeugen, welche Synergieeffekte sich herauskristallisieren und welche Auswirkungen das Sähen geplanter Fehlinformationen haben können. All das sind Fakten, die der spionageähnlichen Aura des Buches gut tun und dem Leser vor Augen führen, welch enorme Macht dritte haben, die man für eine Sache arbeiten lässt. Dabei verliert der Leser sich nicht in Details.

Da man vor allem Hook, Kate Swift und ihre Tochter liebgewinnt, vergisst man den Titel des Thrillers leider zu schnell: „Sie werden dich finden“. Ein Titel, der den Ausgang bereits ziemlich deutlich trägt und von dem man viel zu abrupt eingeholt wird.

James Rayburn
> Sie werden dich finden. Thriller
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann (Orig.: The Truth Itself)
1. Aufl. 2017, 400 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50378-4

Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017

Dienstag, 21. März 2017

> Klett-Cotta und Tropen auf der Leipziger Buchmesse März 2017 Halle 4, C105

Zum Download > Autoren von Klett-Cotta und Tropen am Stand

Auf nach Leipzig. Fahrkarten gebucht, > www.france-blog.info kommt mit.

> Brigitte Kronauer mit > »Der Scheik von Aachen« auf der Shortlist des Buchpreises der Leipziger Buchmesse: Klett-Cotta freut sich, bekannt geben zu können, dass Brigitte Kronauers außergewöhnlicher Liebesroman »Der Scheik von Aachen« für die Shortlist der Kategorie »Belletristik« nominiert wurde! Am Nachmittag des 23. März wird im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung bekannt gegeben, welche Bücher mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet werden. >> Informationen zum Leipziger Buchpreis

> Volker Weiß wurde mit »Die autoritäre Revolte« für den Buchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert

Zum Ausdrucken. Diese Bücher stehen im Mittelpunkt der > Veranstaltungen von Klett-Cotta auf der Leipziger Buchmesse *.pdf

Wenn Sie Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
Roman
zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und das Umsteigen nicht vergessen.
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2


Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Volker Weiß analysiert die brisante Entwicklung der rechtspopulistischen Bewegungen mit ihren Strategien und Methoden.


Daniel-Pascal Zorn
> Logik für Demokraten. Eine Anleitung
1. Aufl. 2017, 314 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-96096-9

Zorn erklärt scharfsinnig die argumentativen Auseinandersetzungen, vor die sich ein Demokrat immer wieder gestellt sieht. Wie kann man die Demokratie wirkungsvoll gegen ihre Feinde zu verteidigen?


Kristina Pfister,
> Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten
1. Aufl. 2017, 253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50159-9
„Es ist nicht einfach, sich einen so guten Schreibtstil anzueignen, wörtliche Rede und kurze Beschreibungen wechseln miteinander ab, und die Handlung zieht den Leser zum Miterleben in die Geschichte mit hinein. Kristina Pfitzer hat ihren Roman geschrieben, um den Leser miterleben und an der Geschichte teilhaben zu lassen.“ > Bitte weiterlesen


Stefan Lehnberg
> Durch Nacht und Wind
Die criminalistischen Werke des Johann Wolfgang von Goethe. Aufgezeichnet von seinem Freunde Friedrich Schiller. Herausgegeben von Stefan Lehnberg
1. Aufl. 2017, 237 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-50376-0

Der Großherzog von N. bekommt eine Mitteilung, dass ein Smaragdring, der sich in seinem Besitz befindet, mit einem alten Fluch beladen sey. Dieser soll unfehlbar den Tod seines Besitzers herbeiführen. Goethe und Schiller werden zur Hülfe gerufen …


Tom Malmquist
> In jedem Augenblick unseres Lebens
Roman
Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: I varje ögonblick är vi fortfarande vid liv)
1. Aufl. 2017, 301 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98312-8

> Klett-Cotta und Tropen auf der Leipziger Buchmesse März 2017

Karl Heinz Bohrer: »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« – Lesung

Samstag, 18. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Karl Heinz Bohrer, Jan Bürger, Stephan Schlak

Mo, 20.03.2017 19:30 Uhr bis Mo, 20.03.2017 21:00 Uhr
> Deutsches Literaturarchiv Marbach
Schillerhöhe 8 – 10, 71672 Marbach am Neckar

„Er gilt als einer der streitbarsten deutschen Intellektuellen: Wann immer Karl Heinz Bohrer in den letzten Jahrzehnten das Wort ergriff, meist in direkter Konfrontation mit dem Mainstream – die höchste Aufmerksamkeit, häufig auch Erregung seiner Zeitgenossen war ihm sicher. Anlässlich seines gerade erschienenen Buchs »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« (Suhrkamp Verlag) ist der herausragende Denker und Autor am 20. März im Deutschen Literaturarchiv Marbach zu Gast. Stephan Schlak und Jan Bürger befragen Karl Heinz Bohrer zu seiner Lebensgeschichte und intellektuellen Abenteuern, zu Weggefährten, Freunden und mitunter – erbitterten – Gegnern.“ Bitte weiterlesen

Lesebericht: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes

Freitag, 17. März 2017

> Nachgefragt: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte – 27. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Das Buch des Historikers Volker Weiß> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017.

> Alle Termine zu diesem Buch

Zwar steht im Untertitel die „Neue Rechte“ aber nicht im Sinn von jetzt neu aufgestellt als Antwort auf dringende Probleme, sondern eher im Sinn von „alter Wein in neuen Schläuchen“, also Personen und Gruppen, die politische Entwicklungen oft auf fragwürdige Weise interpretieren und ausnutzen, um sich als „neu“ zu profilieren. Die wieder neu auftauchende „‚Abendländer‘ und Islamisten“ sind „in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder“, so resümiert der Klappentext eine der Thesen von Volker Weiß.

Fundamentalopposition gegen Europa, Kritik an der Flüchtlingspolitik, pauschale Warnungen vor dem Islam, und eine Partei, wie die AfD, die auf ihrer Website sich als (> AfD :) „Alternative für Deutschland. Demokratische Partei und Bürgerbewegung gegen die undemokratische und rechtswidrige Willkür der etablierten Altparteien“ anbietet. Es genügt ihr, die anderen Parteien als „undemokratisch“ zu bezeichnen und deren „Rechtswidrigkeit“ zu behaupten, um Zulauf zu bekommen. Zum Mechanismus der „dogmatischen Setzung“ hat sich gerade Daniel-Pascal Zorn in seinem Buch geäußert: > Lesebericht: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Eine Anleitung.

Wir fragen uns, wie kommt der Erfolg auch mit Blick auf den FN in Frankreich der Rechtspopulisten zustande? Wie schafften die Anhänger der AfD es, aus ihrer ganz rechten Schmuddelecke heraus, in Landtage zu gelangen? Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Deutschland: „die Rückkehr von Autorität und Religion von Politik vollzieht sich überall mit enormer Geschwindigkeit.“ (S.11) Die Neuen Rechten machen sich Ängste und Befürchtungen u. a. im Zusammenhang mit der Euro-Krise zunutze, um „durch die künstliche Schöpfung einer neuen rechten Tradition unter der Flagge einer ‚Konservativen Revolution‘ die sich nach 1945 vom Nationalsozialismus abgegrenzt wissen wollte…“, (S. 12) unter Zuhilfenahme nationalstaatlicher Gedanken, die vom „Verfallsprozess bürgerlich-konservativer Politik“ (ebd.) zu profitieren und darauf hoffen, dass Anhänger aus dem rechten bürgerlichen Lager ihren Sirenenrufen (blind) folgen.

„Archäologische Arbeiten“ nennt Weiß sein Vorgehen, die Entwicklung der neuen Rechten aufzudecken. Jede seiner Seiten ist spannender als jeder landläufige Artikel über die AfD. Die Mitglieder der AfD tun so, als ob die Ankunft der Flüchtlinge im letzten Spätsommer den Niedergang unserer Republik auslösen würden, stattdessen nutzen ältere rechte bis extremrechte Seilschaften Stimmungen aus, um sich selber in einem neuen Licht darzustellen. Weiß hat gründlich recherchiert und die Genealogie der lauten Populisten aufgeschrieben, die gut daran täten, sich nach der Lektüre dieses Buches, zurückzuhalten, zumal auch ihre Gegner mit Weiß‘ Analyse wissen, wie es um die Aufrichtigkeit und die Ziele der Neuen alten Rechten bestellt ist.

Auf dem Berliner „zwischentag“ am 6.10.2012 im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf war schon ein rechtes Sammelbecken mit Götz Kubitschek mit dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS), dessen Hauszeitschrift Sezession, Kubitscheks Verlag Antaios, der nationalkonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit, der Chemnitzer Schülerzeitung Blaue Narzisse und dem Internet Politically Incorrect (vgl. S. 16) „Ist der Islam unser Feind?“ wurde beim „zwischentag“ in der Diskussion von Karlheinz Weißmann, der als Historiker argumentierte, und Michael Stürzenberger gefragt, der auf die Angst setze und den Koran mit Hitlers Mein Kampf (vgl. S. 17) In der Diskussion des „zwischentags“ kamen auch die Begriffe „Volksaustausch“ und „Identität“ zur Sprache (S. 21) Ein Zwischenruf von Lichtmesz erinnerte an Arthur Moeller von den Bruck (1876-1925) und seine Formel „An Liberalismus gehen die Völker zugrunde.“ (vgl. S. 21) Der Diskussionsverlauf beim „zwischentag“ zeigt aber, dass nicht alleine der Islam als Bedrohung identifiziert wird, sondern „die globale Moderne mit all ihren Konsequenzen“. (S. 22) Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke verkündet 2013 in Erfurt: „Der Islam ist nicht mein Feind, unser größter Feind ist die Dekadenz.“ (S. 25) Sich tolerant geben, aber Kritik üben, die Zuhörer applaudieren, das kann man sich so richtig vorstellen, aber ob sie wohl auch wissen warum? Weiß: „Die politische Agenda der Neuen Rechten ist seit Jahrzehnten ausformuliert.“ (S. 27) Haben wir da etwas übersehen?

Es folgt eine historische Analyse, faktenreich aber vor allem kenntnisreich, auf der Basis einer präzisen und geduldigen Recherche: „Das theoretische Gerüst der neurechten Bewegung ruht auf einem ausgeprägten Antirationalismus und die aristokratische Haltung ist nichts anderes als Pose,“ stellt Weiß fest. Schon Anfang der 70er Jahre stand die Neue Rechte „in einer faschistischen Bündnistradition“, (S. 31) so lautet sein Ergebnis.

Ein langes Kapitel ist dem Ideengeber für die Neue Rechte Armin Mohler (1920-2003) und seiner 1949 erschienen Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932 gewidmet, dessen Doktorvater Karl Jaspers in dem Irrtum die Arbeit annahm, damit würden die in ihr genannten Autor entnazifiziert werden. (vgl. 39-64, bes. 47). Die Schlussfolgerung, altes Gedankengut wird neu verpackt und mittels gewagter und oft falscher Interpretationen als einzigen Ausweg vor dem Chaos den Sympathisanten angeboten. Die Hetze gegen die Flüchtlinge darf die rechten Parteien der Koalition nicht verleiten, ebenfalls in trüben Gewässern zu fischen.

Der Weg zur AfD – die Sammlung der Kräfte.(S. 64 ff) Die neue Rechte war aber auch nicht nur eine Neuformierung, sondern ihre Anhänger hingen in den achtziger Jahren enger mit der bürgerlichen Rechten zusammen als heute, berichtet Weiß und analysiert die Entwicklung der „Jungen Freiheit“. 2000 entstand das oben genannte Institut für Staatspolitik (IfS) mit dem sich Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek für die Theoriearbeit einsetzten. 2003 wurde die AfD gegründet, deren innerparteilicher Streit zwischen Nationalkonservativen und Völkisch-Nationalen (S. 83-92, bes. S. 91) immer weiter schwelt. Die Identitäre Bewegung (IB) nimmt hauptsächlich die Flüchtlingsfrage als Gefahr für Europa in den Blick (S. 93-117) und kann ihre „Traditionsbestände“ (S. 118) nicht verbergen. Zur rechten Ecke gehört auch „Pegida“ und „HogeSa“ 2014 in Köln.

Das „Abendland“ wird einem eigenen Kapitel von Weiß als Begriff untersucht: S. 155-168 und als willkürlicher „Kampfbegriff“ im Sinne einer „Verbrämung eines neu angelegten ‚Rassenkampfes'“ (S. 186) eingeordnet. Dahinter erscheint auch der Traum eines „eurasischen‘ Kontinentalbündnis[ses] Moskau-Berlin(-Paris)“ (S. 202)

Was lernen wir aus Weiß‘ Buch? Die Kenntnisse der Ursprünge der sich jüngst neu zusammengefundenen populistischen politischen Gruppierungen verrät ganz erstaunliche Einsichten. Die jüngsten Debatten um die „faked News“ oder neuamerikanisch „postfaktische“ Behauptungen müssen ernstgenommen werden, bevor manche sie als Wahrheiten verkaufen. Bleiben wir hellwach, wenn uns Feststellungen genannt werden, um daraus sogleich politische Programme abzuleiten.

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

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