Verlagsblog

Archiv für August 2017

Lesebericht: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s

Mittwoch, 9. August 2017

Eine Ferienlektüre soll es sein, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Wo man sich hineinversenken lassen kann und erst mal alles um sich herum vergisst. Eben Urlaub. Wir hätten da was für Sie: Die Sommerlektüre ist da. Der Roman von Don Carpenter > Freitags im Enrico’s ist es. > Aufgeschlagen: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s.

Teil Zwei. Die Portland Gruppe. Dick Dubonet ist ihr Star. Gerade hat Playboy ihm 3000 Dollar für seine Geschichte überwiesen. Er wohnt in der > Fourth Street Nähe Downton. Kaum prahlt er damit, muss er auch schon 50 Dollar verleihen. So sind die Preise. Seine Freundin Lisa zieht zu ihn und sie brauchen eine neue Wohnung. 14 Stories hat er gerade im Umlauf.

Charlie und Jaime kennen wir schon, Dick und Lisa auch schon. Da kommt noch Stan dazu, der ein Talent für Einbrüche hat, die für ihn wie ein Kick sind. Die ihn allerdings auch ins Gefängnis führen. Alle zusammen belauern sich und jeder hofft auf seinen literarischen Erfolg. Jeder hat eine andere Strategie. Charlie schreibt an einem Kriegs-Epos, füllt Seiten um Seiten, Karton um Karton. Schließlich findet er einen interessierten Verlag, der alle Manuskriptteile haben will, radikal kürzt, das tut einem Manuskript wirklich manchmal richtig gut, aber Charlies fühlt sich missverstanden ist wütend. Später soll gar ein Drehbuch daraus entstehen, in dem mehr von den Produzenten als von Charlie drinsteht. „Als er vor langer Zeit beschloss, Schriftsteller zu werden…“ kann man das beschließen? Oder muss man nicht doch ein wenig länger an so einem Vorhaben arbeiten: Sartre brauchte 2800 Seiten, um herauszufinden, wie > Gustave Flaubert sich zum Künstler gemacht oder entwickelt hat. In diesem Sinne ist > Freitags im Enrico’s auch eine Art investigativer Roman. Die angehenden Schriftsteller probieren alle verschiedene Textsorten aus, lesen die, die Erfolg haben, und suchen krampfhaft nach Themen, die sich vermarkten lassen.

Dick Dubonet bringt seine Kurzgeschcihten in Nugget, Caper, Fantasy & Science Fiction und im > Ellery Queen’s Mystery Magazine unter. Aber erstmal konnte er sicha uf den 3000 Dollar ausruhen, die ihm Playboy überweisen hatte. Er wohnt in einem der Holzhäuser in Portland SW Fourth Street. In Jerry’s Tavern lernt er Linda McNeill kennen, sie kennt den Herausgeber der > Evergreen Review. Er biete ihr an, Sie nach Hause zu fahren, mit einem Umweg, um zu Hause seien Story zu holen, ja sie will mit reinkommen …

Parties, wie die in der > SW Cable Avenue sind eine Gelegenheit, den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen, wer mit wem und welcher Verleger wo angerufen hat. Irgendwie helfen sie sich auch gegenseitig, wenn sie auch alle – die Mitglieder der Portland-Gruppe – hinsichtlich des Schreibens Konkurrenten und Neider sind.

Bei dieser Lektüre kann es ihnen passieren, dass Sie sich in Gedanken beim Lesen den Platz in dieser Clique suchen, der Ihnen passen würde – allein ein kurzer Gedanke daran, und die Sommerlektüre hat ihre Pflicht getan und Sie entführt. Das funktioniert mit diesem Buch. Dick und Jaime… Dann verschwindet Charlie für drei Tage… Dann wird Stan wieder festgenommen. Jaime hat Riesenerfolge und kauft ein Haus in Mill Valley in einer Sackgasse, die vom Panoramic Highway abging Mill Valley. Man trifft sich in den Bars und auch im Enrico’s. Jaime hat ihr Buch fertig und Charlie muss mit seinen Neidgefühlen kämpfen. In San Francisco treffen sie sich in > Gino and Carlo’s. Jetzt bekommt Jaime auch ein Angebot, die Filmrechte an ihrem Roman zu veräußern. Charlie hofft nach wie vor auf seinen Erfolg, sein Lektor Ratto zeigt sich zuversichtlich.

Das Kapitel C-Block erzählt die Haftzeit von Stan Winger, dessen Aufseher sein Romanmanuskript entsorgt. Stan entwickelt eine Strategie, das Manuskript im Kopf zu komponieren. Schlüsselwörter helfen ihm dabei, die Struktur und die Sätze zu memorieren. Seien Figuren haben skurrile Eigenarten. (S. 280) Nach der Haft bringt er den Roman zu Papier und kann seine ersten großen Erfolge feiern. Das erste Manuskript bringt ihm 3400 Dollar, Stan wird unabhängig und kann sich nach und nach immer mehr leisten.

In > Don Carpenter, Freitags im Enrico’s vermischen sich die Inhalte der Kurzgeschichten und Romane, mit den Erlebnissen der Portland-Clique. Was entscheidet über den Schreiberfolg? Ausdauer, Hartnäckigkeit oder einfach Glück?

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2

Lesebericht: Jaroslav Kalfař, Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Samstag, 5. August 2017

Was schreiben andere über dieses Buch?

Kill Monotony – De Lust am Lesen > [Rezension] Jaroslav Kalfar: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Wer gerne wegfährt und eine > Sommerferienlektüre braucht, darf hier weiterlesen:

Auf so ein Buch und so eine Geschichte war ich überhaupt nicht vorbereitet. Klar, der Titel war bekannt, die Vorschauen mit den > Neuerscheinungen für TROPEN 2017 rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse durchgesehen. Aber Raumfahrt? und dazu noch aus Böhmen? Blogger sind von Prinzip aus neugierig. Setzten Sie sich auch mal in eine Buchhandlung und blättern Sie diesen Titel an, lesen Sie die ersten Seiten… was dann passiert? Vielleicht hören sie noch ein „Wir schließen jetzt,“ bevor das Licht ausgeht.

So erging es mir auf dem heimatlichen Balkon, Weißwein in der Nähe, lauer Sommerabend. Irgendwann musste ich dann eine Lichtquelle suchen: Jaroslav Kalfař, > Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt erzählt von Jakub Procházka, der von seinen Landsleuten ins All geschossen wird, um dort eine rätselhafte Wolke zu untersuchen. Im Raum herumfahren oder herumschweben ist gefährlich, und da kann einem allerhand begegnen und passieren. Die Außenhaut des Gefährts ist dünn.

Procházkas Start wird zum Volksfest, der Sitz vibriert, das ganze Ding wackelt, nur > Tatrancky darf er während des Aufstiegs auf Raten seines Psychologen verspeisen. Auf zu Chopra, so hat man die Wolke genannt, die sich zwischen Venus und Erde gebildet hat. Das Gleiten durch den Raum, wenn draußen die Sterne vorbei ziehen schenkt Procházka Zeit, seine Kindheit und sonstige Erinnerungen zu erzählen: „Ich bin ein Kind der Verliererseite,“ „Oder auch nicht,“ so beginnt der gleich folgende Absatz, schließlich ist Procházka ja doch ein bisschen stolz darauf das Weltraumprogramm Böhmens voranzutreiben. Procházka ist Professor für Astrophysik an der Karls-Universität und hat beste Erfahrungen in der Erforschung von interstellarem Staub. Was macht ihn eigentlich nervöser? Die Gespräche mit Lenka, seiner Frau oder die geplante Begegnung mit dem Staub der Chopras?

Nebenbei wird das Innere des Raumschiffes und seine Funktionen so gut beschrieben, dass auch Sie sich darin gut zurechtfinden würden. Petr passt da unten in der Kontrollstation auf Procházka, will aber gar nicht alles so genau wissen, was sein Raumfahrtzögling in seiner Alleinsamkeit gerade tun will. Er rät ihm zu Proteinriegel. Wahrscheinlich geht jetzt gerade das Licht in der > Buchhandlung aus.

Zwei Ereignisse auf seiner Reise möchte Ich Ihnen nicht en détail erzählen, sonst wäre die Neugier auf das Buch weg aber damit wäre auch dieser Beitrag schon zu Ende.

Halluzinationen? Wahnvorstellungen, TagNachtträume, Pseudohalluzination, Wahnwahrnehmungen, gar hypnagogen Halluzinationen, die von den Schlaftropfen herrühren, die Procházka sich gemehmigt? ALles verständlich, die Weite des Raumes entspannt das Denken und fordert es als wie in einer Extremsituation Zu neuen Höchstleistungen heraus. Die Schwerelosigkeit entzieht auch dem Denken allen Halt, die Eindrücke vermischen sich in Procházka Kopf mit seinen wissenschaftlichen Kenntnissen, seinen Methoden, die ihm sagen, was nicht ist, kann auch nicht sein. Kommt es bei ihm zu einer Modellpsychose? Er spricht ja nicht nur mit sich selbst. Aber was um ihn herum passiert, ist ja irgendwie reel, oder überwiegt der Traumanteil? Sauerstoffmangel? Die Leere, die Weite und die Stille des Raumes entziehen Procházka jegliche Orientierung. Er hat Angst: „Dr. Kuřáks Wahnsinnsprophezeiungen scheinen sich zu erfüllen.“ S. 61 Irgendwie führt der halbe Wahnsinn auch zu einer Überprüfung zu einem Vergleich mit der normalen Existenz, wo ist die Grenze? Sie sehen, wir kommen immer mehr zum Thema dieses Romans. Ein Rückblick auf die Zeit vor der Wende ist auch mit dabei. Dann verschwindet Lenka und wird staatlicherweise gesucht und dann überwacht. Procházka vermisst die Gespräche mit seiner Frau und fühlt sich da oben noch ein wenig einsamer. Tst er nun da oben alleine?

Dann kommt es zur Annäherung an die Chopra-Wolke und das Abenteuer bekommt eine neue Dimension, als sich der erste Kontakt mit der Staubmaterie als doch nicht ganz so harmlos erweist. Es fängt ganz anständig zu rumpeln an, die Sauerstoffversorgung bricht zusammen und Procházka kann die Stunden bis zu seinem Ableben auf der Uhr ablesen. Erinnerungen an zu Hause werden noch einmal wach in ihm, noch ein paar letzte Whiskey – wir wollten ja zwei Großereignisse hier nicht erzählen. Das eine betrifft die vermeintliche Einsamkeit im Raum und dann der Unfall und seine Folgen. Die bange Frage lautet: Muss Procházka da oben bleiben?

Mittlerweile ist die Weißweinflasche leer, es ist kühl geworden auf dem Balkon, fertig gelesen, morgen kommt mit dem Roman von Missiroli wieder eine total irdische Geschichte dran.

Jaroslav Kalfař
> Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
Roman
Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller (Orig.: Spaceman of Bohemia)
1. Aufl. 2017, ca. 368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50377-7

Lesebericht: Marco Missiroli, Obszönes Verhalten an privaten Orten

Samstag, 5. August 2017

Die Geschichte von Libero Marsell, Marco Missiroli, > Obszönes Verhalten an privaten Orten ist fast die eines jeden Jungen, die beginnt, wenn er in das schwierige Alter kommt. Aber es geht hier gar nicht so sehr um die „Atti osceni“, beim genauen Lesen, ist es die Literatur, die hier in ihrer Erziehungsfunktion, mit ihrer Fähigkeit die Welt zu erkunden, zu deuten und zu erklären, vorgestellt wird. Klar, so schwierig ist dieses Alter nun auch wieder nicht, es gibt viel zu entdecken. Die Familie Marsell war in die Straße Rue des Petits Hôtels in Paris gezogen und noch mit dem Einräumen und Einrichten beschäftigt. Durch einen Türspalt beobachtet Libero den Freund der Familie, Emmanuel, bei einer Tätigkeit – zusammen mit seiner Mutter, die nicht so recht zum Umzug passen wollte. Ferien werden in Deauville gamcht, Emmanuel darf mitkommen und bringt seine Freundin Marie mit, die Bibliothekarin ist. Marie will wissen, ob Libero schon eine Freundin habe: nein er sei eine Insel ohne Meer (S. 18) ganz so wie sein Vater es ihm beigebracht hatte: „um Frauen zu umgarnen.“ Wieder zu Hause beginnt die Schulzeit: das Lycée Colbert mit seinen Versuchungen. Mit Camille unterwegs, mit ihr im Kino, die ersten Küsse. Die Trennung der Eltern bringt alles durcheinander.

Libero besucht Marie in ihrer Bibliothek und bekommt von ihr den Roman Der Fremde von Albert Camus zur Lektüre: „Innerhalb von drei Stunden las ich Der Fremde zu Ende.“ S. 46) Gleichgültig soll der Held gewesen sein? Ach das steht doch immer in der Sekundärliteratur und wird dadurch nicht richtiger. Im Deux Magots sitzt er mit seinem Vater unweit des Tisches, wo auch Albert Camus einst gesessen hatte. In hinteren Bereich saß ein Mann an einem Tisch: „Bonjour, je m’appelle Jean-Paul.“

Danach gibt Marie ihrem Leser Libero Die Tartarenwüste von Doino Buzzati. Beim Ausfüllen des Leihzettels merkte Libero, „dass meine Befangenheit Frauen gegenüber nicht mehr so ausgeprägt war.“ Es waren die Bücher, die seinen Schwerpunkt verlagerten: „Sie brachten mich zur Welt.“ (S. 50) Das ist eine Reminiszenz, die an Le Premier homme von Albert Camus erinnert, wenn Jacques Cormery nach dem Besuch in der Bibliothek sich mit seinem Freund sofort draußen auf die nächste Bank setzt, um nachzusehen, welchen großartigen Aspekt der Welt ihnen die ausgeliehenen Bücher heute zeigen werden. Wir haben hier mal Wikipedia zitiert, damit es (blog-)schneller geht, oder wir untersuchen den Inhalt eines jeden hier genannten Buchtitels, die sind vom Marco Missiroli nämlich ganz bestimmt überhaupt nicht zufällig ausgewählt worden, sondern werden zum Bestandteil der Erziehung Liberos.

Ein Küsschen für Marie versetzt Libero in große Verwirrung. Er bekommt immer zwei Bücher und sein Freund Antoine liest eines davon. Sie diskutieren über ihre Lektüren und, so darf man sagen, wachsen gemeinsam daran. Sein Buch von Buzzati tritt gegen Lolita von Nabokov an, das Lunette de Belleville gelesen hatte. Sie 20, Libero 17, sie die Schwester von Antoine. Er und Libero vergleichen en détail die Resultate ihrer Eroberungen. Dann kommen Wem die Stunde schlägt von Hemingway und Die Stadt und die Hunde von Mario Vargas Llosa dran. Es folgen erste Spaziergänge und Küsse mit Camille.

Im Deux Magots trifft sich die Klicke, man darf auf Papas Kosten anschreiben lassen: Der Fänger im Roggen, sogar Henry Miller „Wendekreise“ kommt vor. Dann passiert es: Antoine und Anna. Dann kommt auch noch Lunette händchenhaltend mit einem Freund an: Libero flieht zu seinem Vater und dann zu Marie. – Nach dem Tod von seinem Vater ist Libero auf sich allein gestellt. Er nimmt einen Nebenjob im Café an und trifft sich mit Lunette… list Auf Messers Schneide von Somerset Maugham: „Es gibt etwas, das mehr zählt als Schönheit, Sinnlichkeit und Macht.“ (S. 87) Eine Unschuld wird zu Herausforderung, das spürt auch Lunette, dann verführt sie ihn: „…die Gewissheit, dass dies die Existenz sei.“ (s. 91 f.) und „Ich wechselte von der ersten Person Singular zur ersten Person Plural.“ (S. 101)

Dann kommt Der Liebhaber von Marguerite Duras dran. Dann „Die Entflohene“ von Proust. Und Libero lernt die Eifersucht kennen…

Dann reist Libero (23) nach Neapel zu einem Praktikum zu einem Rechtsanwalt. Marie bleibt weiter aus der Ferne seine Tutorin.

Libero wird erwachsen, Anna kommt zu ihm. Ohne die Literatur hätte er die Vielfalt der Zweisamkeit nicht so oder vielleicht anders erlebt und erlernt.

Marco Missiroli, > Obszönes Verhalten an privaten Orten Roman
Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn (Orig.: Atti oscheni in luogo privato)
1. Aufl. 2017, 299 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50343-2

Sommer – Urlaub – Ferien
Unsere Lektürevorschläge

Freitag, 4. August 2017

Sie suchen eine Ferienlektüre, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Hier ist sie:
Die Sommerlektüre ist da. …

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2


Dieser Artkel zum Ausdrucken. Am besten nehmen Sie das Blatt mit in Ihre Buchhhandlung.


Wir haben in unserem Lesebricht zu dem Buch von Arno Frank festgestellt: Wenn Sie den Roman > So, und jetzt kommst du zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und möglichst eine Zugverbindung ohne Umsteigen gebucht haben. > Bitte weiterlesen.
Wir müssen hier weg, wäre auch ein guter Titel gewesen.

Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2


Unser Gastblogger Oliver W. Steinhäuser hat den Thriller von James Rayburn > Sie werden dich finden für den Klett-Cotta-Blog gelesen:

Whistleblower ist ein starkes Wort, auch wenn es sich so weich spricht. Doch auch wer Geheimnisse anderen Personen zuflüstert, ist ein Verräter. Und Verrat ist gar nicht mehr weich und flüsternd. Verrat ist hart und bricht Vertrauen. Spätestens seit den Veröffentlichungen Edward Snowdens, steht der Begriff des Whistleblowers beinahe als festes Synonym für eine ganze Geschichte und der Historie zur Abhörung von Regierungen durch die National Security Agency. Ein komplizierter Begriff, da er sofort Erwartungen beim Leser auslöst. > Bitte weiterlesen.
James Rayburn
> Sie werden dich finden. Thriller
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann (Orig.: The Truth Itself)
1. Aufl. 2017, 400 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50378-4


> Nachgefragt: Jan Snela, Milchgesicht: Jan Snela stammt aus München, er ist in Tübingen und Stuttgart zu Hause. Er hat Komparatistik, Slavistik und Rhetorik in München und Tübingen studiert. Im Sommersemester 2013 lehrte er Literarisches Schreiben an der Uni Heidelberg. Er ist Gewinner des Literatur-Nachwuchswettbewerbs Open Mike der Berliner Literaturwerkstatt. Und war in 2012 bei der Mikrolesung in der Stuttgarter Stadtbücherei zu Gast. jan-snela-video. Sein jüngst bei Klett-Cotta erschienenes Buch > Milchgesicht trägt den Untertitel Ein Bestiarium der Liebe. …

Jan Snela
> Kristina Pfister hat ihren ersten Roman geschrieben > Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten. So eindringlich erzählt: Es geht Annika, die gelangweilt die Wände ihres Wohnheimes anstarrt. Einziger Kontakt, ihre Mutter: „Isst Du auch genug?“ Dann ist da noch ihr Fenster und der Blick auf das gegenüberliegende Zimmer, gleiches Wohnheim, alles gleich, nur spiegelverkehrt und immer voller Besucher. Eines Abends klingelt es bei Annika: > Bitte weiterlesen.

Kristina Pfister,
> Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten.
1. Aufl. 2017, 253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50159-9


Wer gerne wegfährt und eine Sommerferienlektüre braucht, darf hier weiterlesen:

Auf so ein Buch und so eine Geschichte war ich überhaupt nicht vorbereitet. Klar, der Titel war bekannt, die Vorschauen mit den > Neuerscheinungen für TROPEN 2017 rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse durchgesehen. Aber Raumfahrt? und dazu noch aus Böhmen? Blogger sind von Prinzip aus neugierig. Setzten Sie sich auch mal in eine Buchhandlung und blättern Sie diesen Titel an, lesen Sie die ersten Seiten… was dann passiert? Vielleicht hören sie noch ein „Wir schließen jetzt,“ bevor das Licht ausgeht…. Der ganze Lesebericht erscheint hier am 5.8.2017.
Jaroslav Kalfař
> Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
Roman
Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller (Orig.: Spaceman of Bohemia)
1. Aufl. 2017, ca. 368 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50377-7



Ist das ein Erziehungs- oder ein Erweckungsroman? Am 5. August erscheint unser Leserbericht auf dem Blog von Klett-Cotta: blog.klett-cotta.de

Marco Missiroli
Obszönes Verhalten an privaten Orten
Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn (Orig.: Atti oscheni in luogo privato)
1. Aufl. 2017, 299 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50343-2


> Nachgefragt: Cynthia D’Aprix Sweeney, Das Nest : In ihrem ersten Roman > Das Nest erzählt Cynthia D’Aprix Sweeney von den vier Geschwister Plumb. Alle sind in den Vierzigern oder kurz davor wie die jüngste Melody. Sie leben über ihre Grenzen im Vertrauen auf das väterliche Erbe, das kommen wird, wenn die Jüngste 40 wird. Bis dahin ruht der Geldsegen in einem Fonds, liebevoll und erwartungsfroh von allen das Nest genannt. Die gewohnte Geborgenheit früher zu Hause wird von den Vieren in den Fonds projiziert, Geld gibt Sicherheit und Vertrauen. > Bitte weiterlesen.
Cynthia D’Aprix Sweeney
> Das Nest
Roman, aus dem amerikanischen Englisch von Nicolai von Schweder-Schreiner (Orig.: The Nest)
1. Aufl. 2016, 410 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98000-4

Lesebericht: Hans Erhard Lessing, Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte

Donnerstag, 3. August 2017

Hans-Erhard Lessing erzählt mit seinem Buch > Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte eine 200-jährige Erfolgsgeschichte. 12–14 Milliarden Fahrräder wurden seither weltweit gebaut und rund 72 Millionen gibt es allein in Deutschland. Hans-Erhard Lessing kommt aus Schwäbisch Gmünd. Er ist Physiker, Technikhistoriker und ein weltweit führender Fahrradexperte. Er machte auf den Zusammenhang zwischen der Zweiraderfindung und der Klimakatastrophe von 1816/17 aufmerksam: Hans-Erhard Lessing: What led to the invention of the early bicycle? In: Cycle History, 11, San Francisco 2000, S. 28–36.

Es war ein weiter Weg von der Draisine Karl Drais‘ (1785-1851) > www.karldrais.de bis zu den heutigen leichten Klappelektorädern. Ein jahrzehntelanger Kampf um Patente und immer wieder pfiffige Erfindern, die das Fahrrad auf die Zielgerade schickten. 1866 kam die Kurbel am Vorderrad dazu. Soziale Spannungen gab es beim Draisinieren schon damals: schnell und unbemerkt von einem zum anderen Ort. Nur ein Vorteil für die Männer? Bremsen gab es auch damals schon. Aber lizenzfreie Nachbauten, die sich an Stichen orientierten, ‚vergaßen‘ oder übersahen die Bremsen, weil sie in den Herstellerprospekten hinter dem Bein des Fahrers versteckt waren. Schon 1817 war das Radeln auf den Bürgersteigen in Mannheim verboten worden. Und heute?


StVO, § 2 Absatz 5 Stand: Dezember 2016

„(5) Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen. Ist ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg vorhanden, so dürfen abweichend von Satz 1 Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch diesen Radweg benutzen. Soweit ein Kind bis zum vollendeten achten Lebensjahr von einer geeigneten Aufsichtsperson begleitet wird, darf diese Aufsichtsperson für die Dauer der Begleitung den Gehweg ebenfalls mit dem Fahrrad benutzen; eine Aufsichtsperson ist insbesondere geeignet, wenn diese mindestens 16 Jahre alt ist. Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Soweit erforderlich, muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden. Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen die Kinder und die diese begleitende Aufsichtsperson absteigen.“


Um die Jahrhundertwende gab es in den USA schon „sidewalk traps“, wo Polizisten auf Radfahrer lauerten, die verbotswidrig auf den Gehsteigen radelten.

Pedalkurbeln, so erklärt Lessing, sei ein heißes Thema der Radfahrgeschichtsforschung. Balancieren und gleichzeitig Pedaltreten! Dann kam das Drahtspeichenrad hinzu und wurde bald unter Ausnutzung aller möglichen physikalischen Gesetze als Tangentialspeichenrad (S. 103) verfeinert. Wer hoch fährt, kann tief fallen, also kam man wieder auf Normalmaß. Das Verdeutschungs-Wörterbuch von Otto Sarrazin ersetzte 1886 Bicycle durch Fahrrad oder noch Zweirad. Was fehlt noch? Die Reifen. John Boyd Dunlop (1840-1921) entwickelte die pneumatischen Gummireifen, von denen auch die Autos profitierten.

Lessing stützt sich auf eine profunde Kennntnis der Literatur, die die Entwicklung des Zweirades begleitet und mit vorangetrieben hat: Louis Baudry de Saunier, Pierre Giffard, > Le Cyclisme théorique et pratique Paris 1891, Nachdruck: BnF collection ebooks, 03.07.2015 – 574 Seiten oder von
Gustav Steinmann, > Das Velocipede: seine Geschichte, Construction, Gebrauch und Verbreitung, Weber, Leipzig 1870 – 91 Seiten. Oder E. Bertz, > Philosophie Des Fahrrads, 1900, Nachdruck Рипол Классик, 1984.

Heute birgt das Zweirad weiterhin ein ganz enormes Potenzial zur Regulierung des Individualverkehrs, sowie ihnen angemessene Verkehrsräume und die Rücksicht der Vierradfahrer sicher sind. Statt Fahrradgipfel gibt es bei uns Dieselgipfel, wo die Schadstoffreduzierung per Software versprochen wird, wo doch gerade die Autoindustrie schon per Software den Behörden jahrelang angeblich saubere Motoren untergejubelt hat. Was waren das für unbeschwerte Sommertage von Cannstatt durch die grüne Lunge bis zum Opernhaus zu radeln. Lessings Buch gibt die Freude daran zurück: unbeschwertes Radeln. Aber die Verkehrsplaner in vielen unserer Städte tun nur so, als hätten sie schon mal ein Fahrrad gesehen.

Auch für sie ist die Lektüre von Lessings Fahrradgeschichte äußerst wertvoll, denn sie kann ihnen lehren, wie Politik ihren Beitrag für fröhliches Radeln schaffen könnte. Die Techniker übernehmen die Entwicklung bis hin zum E-Bike, die Politiker sorgen für den Verkehrsrahmen, aber nicht so wie auf dem > Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt, wo jeder Verkehrsteilnehmer ständig den ihm zugewiesenen Raum benutzen darf, aber die Radler bei der Konzeption des Platzes vergessen wurden. Aber die müssten auch das Ihre dazu tun, denn kaum einer von ihnen respektiert rote Ampeln und auf den Bürgersteigen radeln sie, weil die Autofahrer alles tun, um sie mehr oder weniger geschickt von der Fahrbahn zu verdrängen. Mit dem Radeln bis zum Opernhaus ist es schon seit vielen Jahren vorbei.

Parkende Autos: Wie wäre es, wenn der Griff zum Öffnen sofort den Warnblinker an der Seite der Tür aktivieren würde, dann würden Radfahrer merken, da reißt gleich jemand die Türe auf?

Hans-Erhard Lessing
> Das Fahrrad. Eine Kulturgeschichte
1. Aufl. 2017, ca. 272 Seiten, gebunden, Leinenband, mit zahlreichen Abbildungen
ISBN: 978-3-608-91342-2

Aufgeschlagen: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s

Donnerstag, 3. August 2017

Sie suchen eine Ferienlektüre, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Hier ist sie:
Die Sommerlektüre ist da. Der Roman von Don Carpenter > Freitags im Enrico’s ist es. Gestern abend angefangen, dann nach Hause, Weißwein auf dem Balkon. Festgelesen. Es geht um angehende Schriftsteller, die Creative writing courses belegen oder geben, schreiben oder versuchen zu schreiben oder davon träumen zu schreiben. Verschiedene Cliquen, Neid auf die, die ihre Geschichten dank guter Agenten erfolgreich platzieren, Parties und Frauen. Manche erobern jede sofort.

Und immer gibt es Lesetipps, die, würden wir allen folgen, aus unserem Blog ein Literaturlexikon machen würden: „Jaime beschloss über Will Cathers Roman > Der Tod kommt zum Erzbischof zu schreiben.“ S. 10 und wartet darauf, dass Charlie Annäherungsversuche macht und sie verführt. Er wohnt auf der > Genoa Place: Als angehender Autor hat er ein Faible für Bücher, im > Bookshop von Mcdonalds kriegt fast alles für 50 Cent: Melville, Vincent Peale, Hemingway. Und Charlie fährt einen robusten 1940er De Sato. Die Bleibe von Charlie ist mönchisch klein, aber Jaime, neunzehn, muss dauernd an ihn denken, kann nicht schlafen, nimmt nachts den Bus, er ist nicht zu Hause, sie findet ihn vor einer der Bars El Miranda. S. 27.
Veteran Charlie hat sich ein Riesending vorgenommen: „Verdammt, er wollte den Moby Dick aller Kriege schreiben.“ S. 59

Teil Zwei. Die Portland Gruppe. Dick Dubonet ist ihr Star. Gerade hat Playboy ihm 3000 Dollar für seine Geschichte überwiesen. Er wohnt in der > Fourth Street Nähe Downton. Kaum prahlt er damit, muss er auch schon 50 Dollar verleihen. So sind die Preise. Seine Freundin Lisa zieht zu ihn und sie brauchen eine neue Wohnung. 14 Stories hat er gerade im Umlauf. Fortsetzung folgt

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2

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