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#COP21 – Lesebericht : Ronald D. Gerste, Wie das Wetter Geschichte macht

30. November 2015 von Heiner Wittmann

gerste-wetter

Rechtzeitig zur Klimakonferenz > COP21 | United nations conference on climate change in Paris, die heute beginnt, hat Klett-Cotta das Buch von Ronald D. Gerste, > Wie das Wetter Geschichte macht mit dem Untertitel Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute vorgelegt.

Grundlagen der 21. > Klimakonferenz (Wikipedia) sind immer noch Annahmen, wie sich das Klimaänderung, gemeint ist die Erderwärmung durch die vom Menschen bewirkten Einflüsse, aufhalten lassen könnte. Es scheint Konsens zu sein, dass die Treibhausgase für die Erwärmung der Erde mit all ihren katastrophalen Folgen verantwortlich seien. Von allen Seiten drängen die Interessenverbände auf ein verbindliches Abkommen und fürchten reine Absichtserklärungen ohne jede Wirkung. Bis jetzt scheint es so, dass ein wirklich gemeinsames Handeln der Staaten nicht in Sicht ist; die meisten Staaten müssen in irgendeiner Form auf nationale Gegebenheiten Rücksicht nehmen, so dass jeder Staat ein anderes Konzept verfolgt, um den Klimawandel aufzuhalten. Prognosen, mehr oder weniger wissenschaftlich seriöse Untersuchungen, Warnungen aller Art vor ganz unterschiedlichen Szenarien des Klimawandels bis hin zu Katastrophen, die durch den Klimawandel bestimmt werden, bestimmten die Diskussion um das Klima.


> Die Artikel unseres Kollegen auf dem Frankreich-Blog zu #Cop21

Die > UN-Klimakonferenz, die vom 30. November bis 10. Dezember in Le Bourget stattfinden wird, hat die wichtige Aufgabe eine neues Protokoll zum Schutz des Klimas zu verabschieden.

> Fortschritte vor der UN-Klimakonferenz – Website der Bundesregierung

> www.cop21.gouv.fr ****


In dieser Situation ist es wohltuend, dass Ronald D. Gerste, > Wie das Wetter Geschichte macht den Blick auf die Geschichte mit in die Debatte einbringt. Klimawandel hat es in der Geschichte immer wieder teils mit dramatischen Folgen gegeben. In dieser Hinsicht bestätigt Gerste die Befürchtungen aller, die vor den dramatischen Folgen des Klimawandels warnen.

In Grönland erinnern die Reste der steinernen Kriche Hvalsey (Wikipedia) aus dem 13. Jahrhundert an die Blütezeit der Wikinger, die abzogen, als ihr Land immer kälter wurde. Die intensiven Regenfälle ab ca. 1315 oder die „Kleine Eiszeit“ im 17. Jahrhundert, die zu einem Faktor für den Dreißigjährigen Krieg wurde, sind für historische Umwälzungen mitverantwortlich. Dann aber gab es auch die mittelalterliche Warmperiode, die den Kritikern der heutigen Prognose zum Klimawandel, Recht zu geben scheint, wenn sie sagen, dass es schon immer ein Auf und Ab der Klimaschwankungen gegeben habe. (S. 14 f.) In der Tat scheint da etwas dran zu sein, denn die vielen Klimaschwankungen oder allein die besonderen Wetterereignisse, die Gerste im Zusammenhang mit historischen Ereignissen, beschreibt, waren kaum vom Menschen verursacht worden. Allerdings zeigen Vulkanausbrüche, wie der von 535 (wo?) oder der Krakatau, der am 27. August 1883 ausbrach, dass das Wettergeschehen weltweit sehr wohl von einem lokalen Ereignis völlig abhängig ist. Vulkane schleudern soviel Staub in die Atmosphäre, die Abkühlungen des Klimas zur Folge haben. Im Grunde genommen geht es darum, heute die Einflüsse der vom Menschen produzierten Faktoren auf das Wetter zu verstehen, zu bewerten und zu interpretieren. Es geht um das Modell des anthropogenen Klimawandels (S. 15 f.), das z. B. die Republikaner in den USA nicht akzeptieren würden.

Gerste will zeigen, wie das Klima und und das Wetter Blüte und Abstieg menschlicher Gesellschaften bestimmt hat. Er hat keine Zweifel: Warmperioden fördern den Aufstieg, Kälteperioden bewirken Instabilität und Krisen. (vgl. S. 25) War es wirklich die Abkühlung, der Klimaumschwung, der um 300 n. Chr. dem Römischen Reich ein Ende bereitete? Die Auswertungen aller Klima- und Wetterindikatoren, scheint diese These zu stützen. vgl. S: 30 f.) Die nachfolgende Erwärmung begünstigte das fränkische Kaiserreich mit Karl dem Großen.

Manchmal können Wetterphänomene vom Menschen ganz bewusst genutzt werden: September 480 v. Chr. Der Krieg zwischen den Persern unter Xerxes und den Griechen, die eine List anwandten und ihre Flucht vorzutäuschen. Tatsächlich lief die persische Flotte aus, aber die Griechen wussten, dass die Aura, die Göttin der Morgenbrise, ihnen wirksam helfen würde. Und so erlitten die Perser eine herbe Niederlage.

Zu den Berichten über den Einfluss von Klima und Wetter auf historische Ereignisse gehören auch die Zeugnisse der Klimageschichte (S. 48-53) und die Instrumente, Methoden und Verfahren wie die Dendrochronologie oder wie die Radiokarbonmethode oder die Auswertung von Ablagerungen im Eis mit denen man Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen erhalten kann.


> #Cop21: Websites und Bibliographie
> Mit Twitter und Tweets COP21 im Schulunterricht untersuchen- Eine Anleitung



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Die Folgen eines jeden Klimaumschwungs waren immer dramatisch. Gerste nennt als Belege viele Beispiele. Die Rodungen der Maya waren für den Klimaumschwung im 9. Jahrhundert der zu ihrem Untergang führte, mitverantwortlich. (Vgl. S. 56 f.) Die Mittelalterliche Warmperiode in Europa ca. um 950 bis 1300 war, glaubt man den Klimaforschern, nicht global. Um eine durchschnittliche Erwärmung von etwa 1 Grad Celsius soll es sich gehandelt haben. Ganz anders heute, wo die Menschheit einer globalen Erwärmung von 1 oder 2 Grad Celsius „der mittleren Temperatur pro Zeiteinheit (wie zum Beispiel eine Dekade)“ (S. 64) entgegensieht.

Um 1310-1350 kam nach der Ausbreitung des Packeises von Grönland bis Island es zu einer besonderen Regenzeit mit katastrophalen Folgen in Europa wie Hungertod und der Pest. Es folgte die Kleine Eiszeit bis etwa 1850, für, die u.a. Vulkanausbrüche, wie u. a auch der des Mount Tambora 1815 zu den Ursachen zählen, dem das „Jahr ohne Sommer“ 1816 folgte. Hier folgt eine wichtige Beobachtung des Autors: kein Treibhauseffekt bedeute keine Erwärmung, fehlen diese Gase kommt es zu einer Eiszeit; (vgl. S. 97 f.) Damit ist alles gesagt, wie prekär Klimaentwicklung sein kann.

Klimaschankungen verlaufen keinesfalls linear. Auch in der kleinen Eiszeit gab es Ausreißer, wie die heißen Sommer 1665 und 1666, die den Großen Brand von London im September 1666 begünstigten. (Vgl. S. 110 ff.)

Klimaschwankungen aber auch besondere Wetterereignisse drehten immer wieder am Rad der Geschichte. Der Nebel am 29. August 1775 ermöglichte George Washington den Sieg. (S. 140 ff.) Hagel und Hitze trugen 17788/89 dazu bei, dem Ancien Régime den Gar auszumachen. Robespierre verpasste wegen eines gewaltigen Wolkenbruchs am 28. Juli 1794 die allerletzte Chance durch eine Ansprache seinen Kopf zu retten. Das Schicksal der großen Armee Napoleons, die auf ihrem Rückzug aus Moskau im Schnee steckenblieb ist bekannt, die Lehren aus diesem Desaster hat Hitler nicht verstanden. Napoleon scheiterte u. a. wegen des Wolkenbruchs in Waterloo, der sein Regime endgültig hinwegspülte.

Der Nebel war es auch, der das Attentat von Georg Elser auf Hitler am 8. November 1939 scheitern ließ. (S. 202 ff.) Das Wetter war für die Niederlage der deutschen Wehrmacht im Osten mitverantwortlich. „Operation Overlord“ hatte im Sommer 1944 Erfolg, weil es den Meterologen gelang ein Zeitfenster mit einer kurzfristigen Wetterberuhigung vorherzusagen

Ronald Gerste hat ein spannendes Buch verfasst, das nicht beabsichtigt, „eine ungewisse Zukunft zu skizzieren,“ (S. 279) aber es schärft in lehrreicher Weise den Blick für historische Zusammenhänge. Zweifellos gibt es auch eine „Rhetorik des nicht Prognostizierbaren“ (S. 278), und er erinnert an die 60er und 70er Jahre, als man alles versuchte, um die Erderwärmung zu fördern. Gerste will überhaupt nicht die anthropogenen Einflüsse auf das Klima abstreiten; er hat aber auch die Folgen der Überbevölkerung, das er als Tabu bezeichnet, im Blick.

Nach der Lektüre seines Buches fragt sich der Leser, ob die Staaten auf der Klimakonferenz #COP21 sich mit den Folgen des Klimawandels auch nur ansatzweise beschäftigen werden. Es kann auf dieser Konferenz nicht nur um die Reduzierung der Treibhausgase gehen, denn wenn wir diese Probleme wirklich ernstnehmen, dann dürfen die Gefahren in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht nicht vernachlässigt werden. Prognosen sind unzureichend, auch die Historiker haben dazu etwas zu sagen, so wie R. D. Gerste in diesem Band.

Ronald D. Gerste
> Wie das Wetter Geschichte macht
Katastrophen und Klimawandel von der Antike bis heute
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94922-3

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