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Der Google-Welt-Buchladen und das Urheberrecht

31. Juli 2009 von Heiner Wittmann

Die > Rezension des kleinen Büchleins von Jean Noël Jeanneney, Quand Google défie l’Europe. Plaidoyer pour un sursaut, Editions Mille et une nuits, Paris 2005, (Deutsche Fassung: J.-N. Jeanneney, Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek, Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger und Sonja Fink. Wagenbach Verlag, Berlin 2006) entstand 2005. 2004 kündigte Google das Vorhaben, “innerhalb von zehn Jahren rund 15 Millionen Bücher zu digitalisieren”, 2005 erschien das genannte Buch von J.-N. Jeanneney, über das ich im gleichen Jahr u.a. folgendes schrieb: “Jeanneney widmet der Verifikation der Inhalte, die bei Google naturgemäß keine Rolle spielen kann, seine besondere Aufmerksamkeit. Bibliographien sind ein Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit, und hier zielt Jeanneney auf die Methode, wie Google-Print seine Ergebnislisten präsentiert. Über kurz oder lang könnte Google-Print die Inhalte und damit die Qualität vieler Bibliographien mitbestimmen, da deren Umfang den Suchenden zumindest im anglophonen Bereich eine Vollständigkeit suggeriert, die man augenscheinlich nur mit Mühe vervollständigen kann. Noch bedenklicher wird es, wenn (nicht nur) Studenten sich in ihren Arbeiten auf das Durchsuchen von Google-Print mittels einschlägiger Stichworte beschränken, um eben noch ihre Seminararbeit mit einigen mehr oder weniger treffenden Zitate abzurunden. (Ergänzung: Wo kommt ein bestimmtes Wort vor? w.)
Man muß jetzt und nicht morgen in die Digitalisierung der Kultur investieren, so lautet Jeanneneys Forderung.” Haben die Europäer etwas verpasst? Immerhin, die Pariser Nationalbibliothek, deren Direktor Jeanneney gewesen ist, segelt mit ihrer Onlinebibliothek > www.gallica.fr an der Spitze des Fortschritts.

Und heute am 31. Juli 2009 schreibt Oliver Jungen in der FAZ unter dem Titel > Operation Parasitenverlag: “Hat man Google nicht doch allzu gerne glauben wollen, spielerisch Ordnung ins Weltwissen zu bringen? … Aber spätestens jetzt ist klar, wie viel schmerzhafter es wird, wenn man es nicht tut. Das Bibliotheksprogramm war immer nur schmückendes und noch zu bewirtschaftendes Beiwerk einer gigantischen Offensive, die den gesamten Buchhandel überrollen soll. Warum verdienen wir eigentlich nicht an jedem verkauften Buch dieser Welt die Hälfte mit, hat man sich eines Tages in Mountain View gefragt. Wenige Jahre später scheint das plötzlich möglich.”

> Leser, Autoren, Verleger und Herausgeber sind alle gleichermaßen nicht nur hinsichtlich ihrer Geschäftsinteressen, sondern in ihrem kulturellen Mark getroffen. Schon heute vertrauen allzuviele aus Bequemlichkeit und auch aus Unkenntnis den Suchergebnissen der großen Suchmaschine – man sagt ja auch nie Findmaschine – ist sie ja auch nicht. Wer ganz oben sein will bezahlt. Ob man künftig auch im Googlebuchladen den schönsten Regalplatz kaufen kann? Wird dieser Buchladen seine Bibliographien, Find- oder Suchergebnisse auch weiterhin in Form von Bibliographien oder in Form der gewohnten Listen, auf denen naturgemäß nur wenige oben stehen werden, anzeigen? Wer wird das sein? Die billigsten, die kürzesten, die profitabelsten, die jüngst erschienenen, die jemandem-freundlich-gesinnten, die unkritischen Bücher? Google kann immer noch nicht verstehen, dass die Abeiträge des Frankreich Blogs > www.france-blog.info zu 92 % zweisprachig sind, denn sonst würde er in Frankreich, also in der französischen Verison von Google genausogut zu finden sein. So wird das auch mit Büchern sein, Google wird dann dort auch künftig die Suchergebnisliste nach seinem digitalen Gutdünken diktieren und seinen Dienst für wissenschaftliches Arbeiten weiterhin disqualifizieren.

Wolfgang Tischer hat im Literaturcafé > die Arbeit von Roger Cloes und Christopher Schappert (> Das Für und Wider der urheberrechtlichen Diskussion im Zusammenhang mit dem “Heidelberger Appell”) mit ihren Anmerkungen zur Googel Booksuche und ihrer Kritik am > Heidelberger Appell gelesen: > Wissenschaftliche Dienste des Bundestages sehen Vorteile in der Google Buchsuche und halten Heidelberger Appell für überzogen. Über diese Arbeit hat Sandra Schüssel auf der Website des Börsenblatts unter Überschrift Wissenschaftliche Dienste des Bundestags: > “Die Kritik an Open Access kann kaum nachvollzogen werden” berichtet und Christian Sprang, der Justiziar des Börsebvereins, und Dr. Guenter Krings, MdB haben sich in ihren Kommentaren zum Beitrag von Sandra Schüssel sich krtisch zum Ergebnis der Arbeit des Wissenschaftlichen Dienstes geäßert.

Wie man es dreht und wendet, Google versucht, Online-Fakten zu schaffen, die im > Heidelberger Appell eindeutig benannt werden: “International wird durch die nach deutschem Recht illegale Veröffentlichung urheberrechtlich geschützter Werke geistiges Eigentum auf Plattformen wie GoogleBooks und YouTube seinen Produzenten in ungeahntem Umfang und ohne strafrechtliche Konsequenzen entwendet.”

Der Google-Buchladen funktioniert bis jetzt nicht nach Kriterien von gewissenhaften Bibliothekaren. Schon deshalb ist mir die partielle Zustimmung von Roger Cloes und Christopher Schappert völlig unverständlich. – Erst wenn Studenten diese Quelle immer mehr für ihre Arbeiten nutzen, werden auch ihre akademischen Lehrer merken, was hier angerichtet worden ist.

2 Kommentare zu “Der Google-Welt-Buchladen und das Urheberrecht”

  1. Google et la Bibliothèque Nationale à Paris - Das Frankreich-Blog - France blog
    18. August 2009 12:55
    1

    [...] Der Google-Welt-Buchladen und das Urheberrecht – 31. Juli [...]

  2. Google Books: Das digitale Paradies für Bücherleseroder das Ende der öffentlichen Bibliotheken - Das Frankreich-Blog - France blog
    14. September 2009 16:59
    2

    [...] aller plus loin: > Der Google-Welt-Buchladen und das Urheberrecht > Heidelberger Appell unt les billets sur le > Blog de Klett-Cotta LE MONDE hat in ihrer Ausgabe [...]

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