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Frank Schmiechen meint, Jaron Lanier würde „ziemlichen Unsinn“ reden

Sonntag, 19. Oktober 2014

Das > Die Reform des Urheberrechts in Europa (I) www.france-blog.info passt zu diesem Beitrag.


Mit Strg + können Sie das Schriftbild größer stellen…

> Dieser Zausel redet ziemlichen Unsinn ist der Titel des Kommentars von Frank Schmiechen in DIE WELT (18.10.2014) zu Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier. Wie bitte? F. Schmiechen hat das Buch von Jaron Lanier vielleicht gar nicht gelesen: Jaron Lanier, Wem gehört die Zukunft. Du bist nicht der Kunde der Internet-Konzerne, du bist Ihr Produkt (Joffmann und Campe, Hamburg 2014). F. Schmiechen schreibt: „In Zeiten des Internets, sagt Lanier in seiner Rede weiter, seien geistige Arbeit, Kultur und Patente nichts mehr wert,“ das stimmt so nicht. Natürlich sind sie viel wert, aber sie werden in Zeiten des Internets nicht entsprechend der erbrachten geistigen Arbeit gewürdigt.


Der Bericht über die Preisverleihung an Jaron Lanier in der Frankfurter Paulskirche steht hier > Jaron Lanier erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels > Contribuez à l’ambition numérique de la France (I), weil er als Anregung so gut zu dem Projekt des französischen Premierministers Manuel Valls passt, die Bürger nach den Grundlagen für ein neues Digitalgesetz zu befragen, passt. Eine Rezension des Buches von Jaron Lanier folgt.


> „Technologie ist eine Religion geworden“ – Gespräch der WELT mit Jaron Lanier – 11.10.2014


Geärgert: Frank Schmiechen, Chefredakteur der „Gründerszene“, hat sich über den Auftritt von Jaron Lanier geärgert: „Mit hüftlanger Dreadlockfrisur, bunter Brille, Zauselbart spielt er auch noch ein kleines Lied auf der laotischen Flöte aus Bambusröhren. Wie aus einem Fantasyfilm entsprungen.“ Urteilen wir lieber nicht nach dem Aussehen, sondern nach dem Inhalt.


>Die Aktualität der Meldungen im Internet oder: Kann das Internet Aktualität vermitteln?
3. April 2013 von Heiner Wittmann
Beim gestrigen Themenabend von ARTE wurde über Google und sein Buchprojekt berichtet. Es ging immer wieder um das ganze Wissen, das eingescannt werden soll. Als ob das Wissen der Welt lediglich in Büchern sei! Was ist mit den Archiven in allen Orten von allen Institutionen aus allen Zeiten. Da stecken die Informationen, von denen durch Bücher erst ein kleiner Prozentsatz gehoben ist.

Bei diesen Statements über die Qualität des Internets klingt auch immer die Vorstellung mit, im Internet könne alles gefunden werden. Weiterlesen…


Lanier, so hat Schmiechen ihn verstanden, “ warnt er vor den Gefahren einer neuen „Bewusstseinsindustrie“, die die Schöpfung „zerlegen, berechnen und programmieren“ wird.“ Das stimmt, das macht Lanier mit Nachdruck. Schmichen wendet sich an die Wissenschaftler und fragt sie, was sie zu so einem Aufruf sagen? das Wort „Wissenschaftler“ soll dem folgenden Satz wahr machen. „Mit Zerlegen, Berechnen und Optimieren hat die Menschheit bis heute ziemlich gute Erfahrung gemacht. Das ist das bewährte Instrumentarium der Aufklärung – und trotz einiger Rückschläge ein Erfolgsmodell.“ O je, jetzt geht alles durcheinander. Die Epoche der Aufklärung wird in die Nähe der digitalen Welt gerückt, um deren Gefahren es hier geht.

„Er (i. E. Lanier, H.W.) ärgert sich vor allem über Netzgiganten wie Google, Amazon und Facebook, die mit unseren persönlichen Daten sehr viel Geld verdienen, weil sie in der Lage sind, passgenaue und reichweitenstarke Werbung zu schalten. „Wir leben in gruseligen Zeiten“, sagt Lanier. Weil sich das Geld in den Händen weniger Milliardäre konzentriert.“ Recht hat, bei jedem Wort, dass von mir in Facebook oder Twitter erscheint, oder jedes Foto von mir das Google unrechtmäßig in seiner Bildersuche anzeigt, wundere ich mich immer wieder, daß ich dafür nicht anständig honoriert werde. Lesen wir weiter? Schmiechen stellt fest: „Seine Forderung nach mehr Menschlichkeit und Liebe zur Schöpfung bekommt an dieser Stelle eine leichte Schlagseite. Geht es ihm eigentlich um gerechtere Verteilung von Kapital?“ Nein, Herr Schmiechen, darum geht es nicht oder nur ganz am Rande. Es geht um den Anspruch, den Autoren geistiger Inhalte haben, wenn ihre Werke veröffentlicht werden. Sicher mein Honorar auf diesem Blog ist u. a. Die Aufmerksamkeit mit der ich bei der Lektüre der Artikel auf diesem Blog rechnen darf. Und vielleicht verlinkt jemand meinen Artikel… Bezahlen wird er dafür nicht, – sollte er nach Lanier – aber er gibt mir ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, in dem er diesen Artikel mit anderen teilt.



> Lesebericht: William Gibson, Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack
6. Mai 2013 von Heiner Wittmann

William Gibson > Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack. Gedanken über die Zukunft als Gegenwart hat hier einer Auswahl seiner Texte eine Phänomenologie der digitalen Welt , die uns heute umgibt, vorgelegt. Er lädt zu einem sachgerechten Umgang mit den Medien ein. Er lässt durchblicken, dass er von ihren Möglichkeiten durchaus fasziniert ist, aber er hat sich auch einen vernünftigen Abstand zu ihnen bewahrt. …

William Gibson schreibt über Literatur, Musik, Mode, Film, die japanische Kultur und berichtet aus der digitalen Zukunft vieles, was sich bei uns schon längst bemerkbar macht. … Weiterlesen

Mit der > Stichwortsuche „Internet“ auf diesem Blog finden Sie ca. 35 Artikel, in denen das Wort Internet vorkommt.


Honorare: Würde jeder Leser 20 Cent für jeden gelesenen Artikel auf diesem Blog entrichten, könnte ich ab morgen jemanden dafür honorieren, für die Tippfehlerfreiheit auf diesem Blog geradezustehen, und ich hätte eine Lösung für das Problem der Reisekosten, die für diesen Blog entstehen.

„Wir sind heute trotz der etwas unbeholfenen Algorithmen, die uns mehr oder weniger sinnvoll Produkte vorschlagen, trotz Facebook, das unsere Einträge sortiert, viel freier in unseren Kauf- und Informationsentscheidungen als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte.,“ jubelt Schmiechen ganz zu Unrecht. Jede Website einer Zeitung raubt uns durch das Übermaß an Werbung die Konzentration auf die Fakten dessen, was uns interessiert. So schnell und leicht kann geklickt und gekauft werden! Wieviel Prozent der Online-Einkäufe entsprechen einem vorformulierten Kaufwunsch?

F. Schmiechen wirft alles durcheinander: Er schreibt: „Lanier spricht vom „Ende der Freiheit“. Das Gegenteil ist der Fall. Wir erleben gerade den Anfang einer neuen Freiheit. Es ist sinnlos, an Berufen und Branchen festzuhalten, die durch Computer überflüssig werden.“ Nein, wir erleben eben keine neue Freiheit, sondern die Knechtschaft des Zwangs zum Verschenken, die Weigerung der der Surfer für die Nutzung von geistigen Inhalten zu bezahlen. Das ist der Punkt. Open-Source gaukelt vor, alles sei kostenlos.


Digital und kostenlos? Open Access
2. Mai 2009 von Heiner Wittmann

Noch immer lese ich in Peter Kaedings Buch > Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik, wie Cotta mit seiner Tätigkeit als Verleger zwischen Lesern und Autoren vermittelt und ganz ohne Internet deren Werke bekannt macht. Man muss schon eine starke Überzeugung von den Wohltaten des Internets haben, um Cottas Wissen und Erfahrungen unterschätzen zu können. Und mitten in dieser Lektüre über den Verleger von Goethe und Schiller taucht der > Heidelberger Appell auf, in dem Roland Reuß die Beibehaltung der Publikationsfreiheit anmahnt. In diesem Zusammenhang wurde auch Open Access erwähnt… Weiterlesen

> Das Urheberrecht ist im öffentlichen Raum – 22. Juli 2009 von Heiner Wittmann


Jean-Paul Sartre oder Albert Camus ihn in ihren Werken bezüglich der Kunst und der Freiheit ausgedrückt und gefordert haben. Aber die digitale Welt mit ihren Möglichkeiten als neuen Humanismus zu feiern? Er wird durch die digitalen Perspektiven nicht mächtiger, er hat als Idee mit ihnen vielleicht gar nichts zu tun. > Schreiben Sie mit der Hand oder der Tastatur? Sicher es gibt unglaubliche Segnungen und Fortschritt aller Art durch die digitale Technik. Aber auch mit den Weiten des Internets und einem Laptop kann kein Student eine Arbeit über Albert Camus oder Jean-Paul Sartre schreiben, wenn er seine Nase nicht in Bücher steckt und den Gang in die Bibliothek scheut. Das gilt so ziemlich für alle geisteswissenschaftlichen und viele naturwissenschaftliche Themen. F. Schmiechen schreibt: „Zur liebenswerten Schöpfung gehören übrigens auch Computer, Smartphones und die sozialen Netzwerke, in denen Millionen Menschen täglich unterwegs sind. Und zu all den Geräten und digitalen Anwendungen, die uns umgeben, gehört immer noch ein Mensch, der sie benutzt und Schlüsse aus den Daten zieht.“ Er zieht nur Schlüsse aus den im Netz vorhandenen Daten, die immer noch nur einen winzigen Bruchteil von den mengen an Informationen abbilden, die in Bibliotheken und Archiven ruhen. Kein Historiker wird für noch sehr lange Zeit ein Buch nur mit Hilfe des Internets schreiben können.

Grundsatzkritik: Lanier schreibt auch: „Warum ist die Idee des freien Informationsaustauschs gescheitert? Weil sie die Natur der Informationstechnologie ignorierte.“ S. 20 – Ich beschäftige mich mit dem Problem, dass die Art und Weise , wie wir wirtschaftliche und kulturelle Tätigkeiten digitalisieren, letztendlich zu einer schrumpfenden Wirtschaft und einer neuartigen Konzentration von Macht und Reichtum führt, die nicht nachhaltig ist.“ S. 86

„Die Menschheit kann mit Hilfe von Computern und Internet viel mehr sein – viel freier, kreativer und gerechter, als es sich Jaron Lanier vorstellen kann,“ behauptet Frank Schmiechen. Ob der Siegeszug der Computertechnik die Freiheit und die Kreativität der Menschen befördern können, das muss erst noch nachgewiesen werden. Mehr Gerechtigkeit durch den Computer? Wie soll das funktionieren?

Klar, mit Hilfe des Internets kann ich meine Blogs schreiben und der PC hilft mir beim Formatieren der Druckunterlegen meiner Bücher. Ganz ohne Zweifel ist die weltweite Kommunikation in Echtzeit ein toller Fortschritt. Aber bin ich dadurch freier? Kreativer? Vor der Internetzeit habe ich Fotos gemacht… Im Französischunterricht haben wir uns in der Schule auf lange Texte konzentriert. Hätte ich damals mit dem PC auch soviel gelesen?

Lanier stellt einige Betrachtungsweisen auf den Kopf, und der Ärger von Schmiechen beweist, dass Lanier den Finger dahin gelegt hat, wo le bat blesse: Wir werden durch das Internet unfreier, weil Andere mit unseren Inhalten Geld verdienen, ohne im Traum daran zu denken, uns dafür gerecht zu honorieren. Urheberrecht, gerechte Autorenhonorare, Freiheit der Kunst und des Schreibens, das sind Laniers Themen.

P.S.
Meine Internet- und Medienbegeisterung:


Lesebericht: McLuhan, Fiore, Das Medium ist die Massage -17. Juni 2011 von Heiner Wittmann

Ungefähr ab der Mitte des letzten Jahrhunderts haben die neuen elektronischen Medien die Schrift mit ihrer Leitfunktion bei der Übermittlung von Botschaften und Inhalten abgelöst, will man Marshall McLuhan und der Einleitung von Regine Buschauer in das Werk von McLuhan (> NZZ, 19. Januar 2001) Glauben schenken. In Bezug auf die elektronischen Medien ist das sicher richtig, aber Fotos und Bilder, Gemälde aller Art haben schon viel früher der Schrift ihren Rang streitig gemacht. Beschränken wir uns aber tatsächlich auf die elektronischen Medien, dann stimmt die Beobachtung von McLuhan, und Klett-Cotta hat eine gute Idee gehabt, sein Buch > The Medium ist the Massage (1967/1969) auf deutsch zu veröffentlichen.

Aber an Warnungen darf es nicht fehlen:

>Lesebericht: Paula Bleckmann, Medienmündig -13. Februar 2012 von Heiner Wittmann
Paula Bleckmann möchte in ihrem Buch > Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen nicht wieder der schon immer viel beschworenen Medienkompetenz das Wort reden, sondern sie hat die Erziehung zur Freiheit und zur Autonomie im Blick. Sich und die Kinder nicht von den Medien vereinnahmen lassen, darum geht es in ihrem Buch, und dazu gehört mehr als nur Know-how für den Umgang mit den Medien. Ihre Botschaft ist eindeutig. “Zu früher Medienkonsum führt in die Abhängigkeit, nicht in die Mündigkeit.” (Klappentext) – Fragen wir doch mal: Woran liegt es eigentlich, dass Schülerinnen und Schüler in erster Linie nur Konsumenten im Internet sind? Web 2.0 bedeutet für sie wie für alle anderen FBler sich nur auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen ohne einen besonderen Erkenntnisgewinn. Also was läuft in der Medienpädagogik schief?…
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DEBATTEN: Die Zukunft des Verlagswesens im Zeitalter der Digitalisierung. Europäische Erfahrungen im Vergleich.

Freitag, 17. Oktober 2014

Mittlerer Sitzungssaal, Rathaus, Marktplatz 1, 70173 Stuttgart
21.10.2014, 19:00 Uhr – 21:00 Uhr

Das digitale Zeitalter stellt die Verlagshäuser vor neue Herausforderungen. Über die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Lesern, Autoren und Verlagen im digitalen Zeitalter ändert, diskutieren Vertreter aus vier europäischen Verlagen: Il Mulino (Bologna), Gallimard (Paris), Covina (Budapest) und Klett-Cotta (Stuttgart).

Eine Veranstaltung des EUNIC-Clusters Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart und dem Klett-Cotta-Verlag Stuttgart.

Moderation: Sebastian Körber (stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Abteilung Medien des Instituts für Auslandsbeziehungen)

Sprache: Dt.
Eintritt: frei

Veranstalter: Kulturinstitut der Republik Ungarn, Istituto italiano di cultura, Institut français Stuttgart, Institut für Auslandsbeziehungen

E-Books bei Klett-Cotta

Mittwoch, 19. März 2014

Viele Titel sind bei Klett-Cotta schon als > E-Books erhältlich:

Praktisch. Auf oder in einen E-Book-Reader passen mehrere Umzugskartons voll spannender Bücher. Aber die Literatur in digitaler Form hat auch andere Dimensionen Serge Bouchardon, > La valeur heuristique de la littérature numérique, (341 Seiten Paris: Éditions Hermann, 2014) hat alle Digitale, was die Textproduktion beeinflussen, ja verschönern kann zusammengetragen: “ Das digitale Schreiben wir umso ästhetischer, wie es ihm gelingt, technische Grenzen zu überwinden und trotzdem von der Technik zu profitieren, so könnte man hier Bouchardons Erkenntnis prägnant zusammenfassen. Er zeigt die vielfältigen Spannungen zwischen der Erzählung und dem technischen/digitalen Träger und erklärt dabei die Variabilitäten. Auf diese Weise formuliert Bouchardon eine Ästhetik der digitalen Literatur, die auch die Beziehung zwischen Autolr und Leser ausdrücklich nennt. Diese Beziehung – die Rezetionsästhetik – gewinnt hier mit den Formen des Hypertexts, der Verweise und der „Inszenierung interaktiver Formen“, spezifische Dimensionen, die das gedruckte Buch weit hinter sich lassen,“ hieß es in unserer Rezension. Unser Blog reist am nächsten Freitag in Form des Frankreich-Blogs zum > Salon du Livre nach Paris und vorher nach Compiègne, um mit Serge Bouchardon über digitale Literatur zu sprechen. Von dem Interview erhoffen wir uns neue Einsichten in die Bedeutung von E-Books:

> E-Book-Infos: DRM und FAQs – Website von Klett-Cotta.

Und welche Lesegewohnheiten haben Sie? E-Book?

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Liebe Hobbit Presse-Leser,

meine Kollegen von der Hobbit-Presse machen derzeit eine Umfrage, in der sie veränderten Lesegewohnheiten in Zeiten von E-Books und Internet untersuchen und sind deshalb sehr an eurer Meinung interessiert. Daher würden sie sich freuen, wenn ihr an der Umfrage teilnehmen würdet. Natürlich soll eure Mühe belohnt werden. Unter allen Teilnehmern werden Fantasy-Buchpakete, das neue Hobbit-Spiel und Fantasy-Zeitschriften verlost. Hier ist der Link zur Umfrage: www.hobbitpresse.de/umfrage

Ihr könnt bis 31. Dezember an der Umfrage teilnehmen.

Herzlichen Dank!

Google darf auch geschützte Bücher zum Durchsuchen bereitstellen

Samstag, 16. November 2013

Schon wieder ein massiver Angriff auf das Urheberrecht. Wenn auch das Urteil, über das hier berichtet wird, wohl zuerst nur die USA betrifft, so ist doch eine Entwicklung absehbar, der es zu widersprechen gilt. Doch der Reihe nach…

Vor zwei Jahren habe ich durch einen Zufall bemerkt, dass Google sich mit seinem Angebot Google Books nicht an vereinbarte Regeln gehalten hat. Der Verlag Gunter Narr hatte offenkundig zugestimmt, dass Google mein Buch Sartre und die Kunst in Auszügen anzeigen darf. Durch die Suche nach einem Zitat von Sartre stieß ich durch Zufall um 2011 auf mein eigenes Buch, von dem die Hälfte im Internet auf der Seite von Google Books zu lesen war. Ein Kollege von mir konnte mit seinem PC das Angebot das Zitat in meinem Buch nicht finden, weil auf seinem PC die andere Hälfte meines Buches angezeigt wurde. Wer also nur die IP-Nr. seines PCs wechseln konnte, hatte Einblick in mein ganzes Buch. Mehrere Jahre lang hatte Google unrechtmäßig mein Buch in ganzer Länge angezeigt. Ein Mail genügte, und das Buch war nach 12 Stunden aus Google Books verschwunden.

 

> Johann Friedrich Cotta und die Rechte der Autoren
Auf unserem Blog,
3. Mai 2009

Durch das am Ende der letzten Woche gefällte > Urteil des Richters Denny Chin wird Google das Einscannen auch von urheberrechtgeschützten Büchern im Rahmen des „Fair Use“, einer Ausnahmeregelung im US-Urheberrecht, das die nicht genehmigte Nutzung von geschütztem Material gestattet, wenn sie der öffentlichen Bildung und Diskussion dient. Das Urteil gilt wohl nur für Google Books in den USA. Wie Google woanders verfahren darf, wird in dem Urteil nicht gesagt.

Richter Chin schätzt offenbar Google Books als ein besonderes „Recherche-Instrument“, das Lesern hilft, Bücher zu finden. Richter Chin geht davon aus, dass Google das Lesen der Bücher verhindere. Nichtlesende Staatsbürger sind auch recht ungefährlich. Google wird sicher eines Tages einen Weg finden, sich am Gewinn zu beteiligen, wenn die Suchkunden von Google wirklich auf die Idee kommen sollten, das Buch lesen zu wollen, müsste man dem Richter antworten. Nochmal. Der Reihe nach.

Der Autorenverband Authors Guild will zu Recht gegen dieses Urteil den Rechtsweg beschreiten : > Round One to Google: Judge Chin Finds Mass Book Digitization a Fair Use. Guild Plans Appeal

Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass auch > meine Bücher von Google ohne meine Erlaubnis digitalisiert werden, und den durchsuchbaren Fundus von Google Books -ohne ein Honorar zu meinen Gunsten – vergrößern. Mit der Anzeige der Fundstellen in meinen Büchern bereichert sich Google an meinen Büchern. Außerdem wird Google allein schon durch die undurchschaubare Anordnung in den Suchergebnissen irgendwie eine Bewertung vorlegen, die jeder Grundlage entbehrt.

 

> Lesebericht: William Gibson, Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack

Die Befürworter von Google werden sofort entgegnen, ich solle mich freuen, wenn Google so nett (und völlig uneigennützig) ist und mir hilft, meine Bücher bekanntzumachen. Klar, das Verfassen von Seminararbeiten wird noch leichter, man sucht hier, man sucht dort und pickt hier und da ein Zitat heraus, mit dem man seine Arbeit „anrühren“ kann. Vergleichen wir Google Books mit Gallica, so fällt auf, wie gut es > Gallica gelingt, den Besucher online wie in einer Bibliothek arbeiten zu lassen: auf die bibliographischen Angaben ist Verlass, die online eingestellten Reihen > Revue des deux mondes sind vollständig. Vgl. > https://www.google.fr/#q=editions:KvT4o-67pLwC&tbm=bks Google Books hat hier und dort mal eingescannt, „bibliographische Angaben“ als Begriff werden bei Google Books anders gehandhabt als in der realen Welt. Scrollt man auf der Seite mit > meinem Buch in Google-Books nach unten, gibt es einen Eintrag mit ähnliche Bücher: da werden in diesem Fall auch Bücher angezeigt, die mit mit meinem Buch gar nichts zu tun haben, aber Google wird wohl wissen, dass ich den Autor dieses Buches kenne: > Riskomanagement Im Strategischen Fit. Bald wird man in Google bestimmt nachlesen können, wer welche Bücher in Google-Books gesucht, und welche Seiten er angeguckt hat.

Das Urteil, und damit stimme ich Olaf Zimmermann vom Deutschen Kulturrat – der vom Buchreport zitiert wird: Richter erlaubt Buchdigitalisierung von Google in Bibliotheken > „Unschätzbares Recherche-Werkzeug“ – Buchreport 15. November 2013 – zu, ist eine Mahnung an die Europäer jetzt endlich den Ausbau der EUROPEANA nach dem glänzenden Vorbild von Gallica voranzutreiben. Im Moment sind wir jeder wieder auf LOS, an dem Punkt, wo damals Jean Noël Jeanneney sein Buch Jean Noël Jeanneney > Quand Google défie l’Europe. Plaidoyer pour un sursaut, Editions Mille et une nuits, Paris 2005 (Dt. Fassung: Jean-Noël Jeanneney, Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek, Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger und Sonja Fink. Wagenbach Verlag, Berlin 2006) vor den Google-Auswüchsen so nachdrücklich warnte. Der damalige Direktor der Französischen Nationalbibliothek gab damit den Startschuss für Google, das als Online-Angebot ein Erfolg geworden ist, der seinesgleichen sucht.

 

> Die Aktualität der Meldungen im Internet oder: Kann das Internet Aktualität vermitteln?

Wir in Europa haben etwas verpasst. Wir lassen es uns gefallen, dass ein amerikanischer Konzern zur Online-Bibliothek unserer Literaturen werden will. Und er wird speichern, was, wer, wann, wo recherchiert, welche Seiten wer, wie lange betrachtet, und er wird das komplette Profile seiner Besucher erstellen, um sich immer weiter an den Werbeeinnahmen bereichern können, nur weil die Europäer die Entwicklung verschlafene haben. Google wird den Besuchern die Bücher anzeigen, die zu seinem Suchprofil passen und wer die falschen Bücher aufruft, darf in die USA nicht mehr einreisen, weil sein politisches Profil unerwünscht ist. Wie leicht kann Google in die Versuchung kommen, wissenschaftliche Arbeit zu steuern, indem bestimmte Texte den Lesern unterschlagen werden; Texte z. B., die ein schlechtes politisches Profil generieren. Karrierechancen werden gekappt, weil das Leseprofil eines Kandidaten, das politische Lese-Führungszeugnis irgendwelche dummen Bemerkungen enthält. Sicher, solche Praktiken sind auch in anderen Bibliotheken mit jeder Art von Online-Ausleihe möglich, aber Google kann das mit der Vielfalt seines schon beinahe Monopol-artigen Angebots besonders gut. Google wir eines Tages einen eigenen Verlag gründen, in dem es seine Suchkunden nach Vorgaben, die von den Leseprofilen gefüttert werden, Texte schreiben lässt, die dem Lesegeschmack 100%ig entsprechen und in der hauseigenen Suchmaschine ganz oben angezeigt werden.

> Lesebericht:
McLuhan, Fiore, Das Medium ist die Massage

Am 9. September 2013 haben der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., der Deutsche Kulturrat, das Syndicat National de l’Edition, und der Sybdicat de la Librairie française in ihrer Erklärung > „Zukunft des Buches – Zukunft Europas“ an die fundamentale Bedeutung des Urheberrechts errinnert: Darin heißt es u.a.: „Das Autorenrecht ist der Kern des europäischen Urheberrechts. Der Urheber steht im Mittelpunkt dieses Rechts, er allein entscheidet, ob und wie sein Werk veröffentlicht wird. Dieser Grundsatz des europäischen Urheberrechts muss auch in der digitalen Welt mit ihren neuen Publikationsmöglichkeiten Bestand haben und darf nicht durch Anpassungen an die digitalen Gegebenheiten aufgeweicht werden.“

> Erklärung „Zukunft des Buches – Zukunft Europas“ von Deutscher Kulturrat, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Syndicat national de l’édition und Syndicat de la Librairie Française

Mit allen Videos der Konferenz am 9. September 2013 in Berlin:
> Französische Botschaft lud zum Forum „Zukunft des Buches, Zukunft Europas“ – Frankreich-Blog

United State District Court Filed Souther District of New York: > Authors Guild v. Google Decision

Richter erlaubt Buchdigitalisierung von Google in Bibliotheken > „Unschätzbares Recherche-Werkzeug“ – Buchreport 15. November 2013.

> Google darf Millionen Bücher ins Internet stellen – FAZ, 14.11.2013

Ergänzung:

Michael Roesler-Graichen, > Verbeugung vor dem Monopolisten – boersenblatt.net – 19.11.2013


> Alex Rühle: Ohne Netz. Mein halbes Jahr offline

Blogrückblick:

> Nicolas Sarkozy und das Urheberrecht 21. Januar 2011
> Sollen öffentlich geförderte Forschungsergebnisse wirklich kostenlos sein? – 7. Dezember 2009
> Der Google-Welt-Buchladen und das Urheberrecht – 31. Juli 2009
> Leser, Autoren, Verleger und Herausgeber – 22. Juli 2009
> Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos – 26. April 2009
> Pause vom Internet: Netzstille oder Hilft das Internet beim Bücherschreiben? – 21. Januar 2010

> Web 2.0 – 38 Artikel auf unserem Blog


Wieso wollen E-Books Bücher ersetzen?

Donnerstag, 15. April 2010

David Gelernter, Professor für Computerwissenschaft an der Yale-University in New Haven, Connecticut, hat einen Aufsatz über die > E-Book-Plage – wieso lautet der Titel auf der Website der FAZ nämlich Für ein neues Lesen im Internet-Zeitalter ganz anders als in der Print-Ausgabe? – geschrieben, den die FAZ heute im Feuilleton veröffentlicht hat. Er zählt alle Merkmale und Vorteile, auf die sich mit den Büchern auf unseren Regalen verbinden und die mit der Einförmigkeit der neuen Anzeigegeräte nichts zu tun haben.

Mein erster E-Book-Test war genauso ernüchternd. Durch das Blättern per Klicken oder Tippen auf den Bildschirm geht so ziemlich alles verloren, was eine Lektüre begleitet. Seitenzahlen werden abstrakt gegenüber dem Blick auf die noch ungelesenen Seiten des Buches. Die Elektronik hilft beim Suchen eines bestimmten Wortes, man braucht nicht mehr das Gefühl für die Verdichtung des Textes hin zu einer bestimmten Idee, zu einem Begriff, zu einer bestimmten Aussage. Man verlernt, ein Gefühl für den Text zu bekommen. Hypertextfunktionen verbinden alles mit jedem, jedes Stichwort wird zum Sinnträger des ganzen. Ein elektronisches Gerät assistiert bei einer Daumenprobe gar nicht mehr. Man nimmt das Buch in die Hand, zum Beispiel von einem großen Bücherstapel in der Bibliothek, die Daumenprobe, die kurzen Blicke ins Vorwort, die Stichproben auf den Seiten, der Blick ins Inhaltsverzeichnis, in das Register verraten soviel über das Anliegen des Autors, seine Idee, seinen Ansatz, sein Verfahren und das Ergebnis. Das E-Book als Instrument macht die Daumenprobe kaputt, das Gerät schiebt sich zwischen den Buchinhalt und den Leser.

Aber für manche schnell zu aktualisierende Texte werden diese Lesegeräte – ein Ausdruck, der uns in Aussicht stellt, der Leseprozess werde einfacher , so wie die Waschmaschine Hemden bearbeitet – vielleicht wirklich ihre Nische finden. Auch werden sich diese Geräte eines Tages zum Multimediaalleskönner, Video, Texte, Musik entwickeln. Das können heutige Laptops und Notebooks auch alle schon. Aber keines dieser Geräte, je ausgetüftelter ihre Funktionen und ihre Software auch sein mag, ersetzt die traditionelle Recherche in den Bibliotheken und überhaupt in der Welt. Natürlich ist das Internet ein riesiger Vorratskasten mit tollen und viel zu vielen (beliebigen) Informationen, aber nutzen kann ein Student das nur, wenn er vorher gelernt hat, sich in einer Bibliothek zu bewegen. Ein Romanist, der eine Hauptseminararbeit schreiben will, kommt nicht viel weiter, wenn er noch nie was vom Regal mit den Personalbibliographien, vom Klapp, der Verzeichnisses der Rezensionen und allen sonstigen bibliographischen Hilfsmittel aber von Wikipedia gehört hat. Eine Abschlussarbeit über ein Werk von Albert Camus oder Honoré de Balzac oder Maria de‘ Medici benötigt kein Internet, weil es da schlicht nichts oder kaum etwas dazu gibt, außer so manchem nützlichen Hinweis auf bibliograpische Angaben, womit wir wieder beim Thema des ständigen Abschreibens wären. Mit solchen Verfahren kann man prima beobachten, wie immer die gleiche Sekundärliteratur zitiert wird und wie wenig Neugier am Werke ist.

Werden sich Seminarteilnehmner künftig darauf beschränken, auf die Glasscheibe ihrer Lesehilfe mit dem > Wikipedia-Eintrag zu Camus zu gucken, um zur Sitzung etwas beizutragen?

Die Lesegeräte werden sicherlich eines Tages seine Benutzer mit > Sozialen Netzwerken finden, denn gemeinsam liest sich es schneller. Textfunde können gebookmarkt werden und kreieren mehr oder weniger sinnvolle Links in alle Richtungen. Und Gelernter kennt durchaus die Vorteile des > elektronischen Schweifs, er sagt „leuchtender Schweif“, den das Buch, der Komet durchs Internet hinter sich herzieht. Das sind wertvolle Ergänzungen für Bücher, auf die wir gar nicht mehr verzichten wollen. Aber Buchlesen in elektronischer Form, wo soll den der > Autor nach der Lesung dann noch signieren?

Also, E-Books, werden Bücher nicht ersetzen, weil das Lesen dann schöner, schneller, interessanter, spannender, kurzweiliger, vielfältiger, aufregender oder einfacher wird, sondern weil es die Technik gibt. So wie beim TV, dessen Existenz sein wichtigster Grund ist.

Nachgefragt: Michael Klett über Klett-Cotta

Dienstag, 8. Dezember 2009

Bei seiner > Ansprache zum 350. Cotta-Jubiläum im Stuttgarter Rathaus hat Michael Klett dargestellt, wie die beiden Traditionslinien Cotta und die des Allgemeinen Verlages seines Vaters Ernst Klett zusammengefügt wurden. Heute hat Michael Klett in seinem Büro auf meine Fragen hin, verschiedene Aspekte der Verlagsgeschichte von Cotta erläutert. Wir haben über die Unterscheidung zwischen dem Schulbuchverlag und dem Literaturverlag und auch über >Johann Friedrich Cotta (1787-1832) gesprochen. In einem Verlagsprospekt von Klett-Cotta steht: „Als im Jahre 1977 das Haus Klett alle Anteile der J.G. Cotta’schen Buchhandlung Nachf. GmbH erwirbt, handelt es sich im wesentlichen um den Erwerb eines Namens,“ dabei hatte natürlich die literarische und wissenschaftliche Tradition von Cotta auch eine Bedeutung, wie Michael Klett in diesem Gespräch versichert. Außerdem haben wir auch über einzelne Segmente gesprochen, die das heutige Profil von Klett-Cotta bestimmen. Und zum Schluß habe ich noch nach E-Books gefragt.

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ca. 38 Min.

Sollen öffentlich geförderte Forschungsergebnisse wirklich kostenlos sein?

Montag, 7. Dezember 2009

Eine Petition fordert den Bundestag auf, den kostenlosen Zugang zu öffentlich geförderten wissenschaftlichen Publikationen sicherzustellen.

> https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=7922

„Text der Petition: Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.“

Im Grunde genommen ist das Anliegen dieser Petition leicht nachvollziehbar. Wenn der Staat mit der Unterstützung öffentlicher Gelder forschen lässt, dann sollten die Bürger die Ergebnisse dieser Forschungen kostenlos erhalten können.

Das klingt bestechend, einfach und fast schon logisch. Ist es aber nicht. Denn die Förderung von Forschung muss ja nicht notwendigerweise auch gleich deren Verbreitung abdecken. Tut sie es, werden bestimmt weniger Projekte gefördert, da der Topf nie für alle reicht.

Der Ruf nach kostenfreier Verbreitung der mit staatlicher Unterstützung geförderten Forschungsergebnisse hat aber auch noch eine andere Dimension. Aus welchen Gründen soll sich die Wissenschaft freiwillig in eine immer größere staatliche Bevormundung begeben? Wenn nicht nur die Erstellung wissenschaftlicher Publikationen, sondern auch deren Lektorierung, Herausgeberschaft, Digitalisierung, Bereitstellung, Katalogisierung, Vertrieb und Bekanntmachung mit öffentlicher Unterstützung erfolgen sollen, wird die Abhängigkeit der Wissenschaft vom Staat noch größer werden.

Die Zeit der Staatsverlage haben wir in Deutschland eigentlich überwunden. Die Institutionen, die staatliche Fördergelder verwalten, sollen sich als Forschungsinstitutionen betätigen und nicht zu Verlagen werden, die on- und vielleicht sogar offline veröffentlichen müssen. Woher kommt eigentlich das so grenzenlose Vertrauen in staatliche, halbstaatliche oder ähnlich öffentlich geförderter Institutionen, sie würden die ihnen anvertrauten Aufgaben schon sachgerecht verwalten? Eine Überantwortung der Forschung an die öffentliche Hand, beschwört doch auch die öffentliche Kontrolle über die Forschungsergebnisse geradezu herauf. Vielleicht haben solche Befürchtungen eher nur theoretischen Charakter. Dennoch, die Kontrolle über solche Institutionen ist kaum gegeben, abgesehen davon, dass diese Institutionen meist auch gar nicht wie Verlage ausgerichtet sind. Die Schaffung der technischen Voraussetzungen verschlingt ganz sicher Gelder, die der Forschung abgezogen werden, da Veröffentlichungen nun mal nicht zum Nulltarif zu haben sind.

Dahinter steckt wieder einmal ein subtiler Angriff auf das Urheberrecht. Wie gesagt, öffentlich geförderte Forschung könnte in ihren Vereinbarungen bestimmte Absätze enthalten, die die kostenfreie Weitergabe der Forschungsergebnisse festlegen. Aber eine Verpflichtung für deren kostenfreie Publizierung, also die Bestimmung, der Staat oder die von ihm bezahlten Institutionen müssen dafür die Kosten übernehmen bringt die Wissenschaftler und das Urheberrecht in Bedrängnis. Wird einem solchen Ansinnen wie dieser Petition stattgegeben, findet auch bald der nächste Angriff auf das Urheberrecht, der Schriften Statt, die beispielsweise von Professoren verfasst werden, weil diese ja auch öffentlich besoldet werden.

Die Folge wäre eine Art Verstaatlichung der Forschung, der wir in in Deutschland mit der DDR vor 20 Jahren gerade entkommen sind.

Und was man mit den Erfolgen von Johann Friedrich Cotta, so wie er seinen Verlag und die Wünsche seiner Autoren und Leser zwischen den Untiefen der Zensur aber auch zum wohl der Literatur selbst hindurchgesteuert hat, kann man auch die Kritik an Open Access (2. Mai 2009) verbinden.

Ergänzung:

Lars Fischer: > Kurz zu meiner ePetition „Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“, 11.11.2009, schreibt u.a. :
„Zuerst einmal bezieht sich die Petition ausschließlich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, die nach einem Peer Review in den einschlägigen Fachzeitschriften publiziert werden. Nicht gemeint sind populärwissenschaftliche Publikationen, Bücher, Berichte aus Tageszeitungen und andere Texte, die Verlage von Autoren einkaufen. Außerdem gibt es zwei sehr unterschiedliche Modelle des Open Access. „Goldener“ Open Access bedeutet, dass die Fachzeitschrift selbst kostenlos zugänglich ist.“

> Open Access. Akademisches Wissen soll im Netz kostenlos sein
Von Hendrik Werner, DIE WELT online 17. November 2009, 16:02 Uhr

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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