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Archiv für die Kategorie 'Erziehungs-Ratgeber'

Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration

Samstag, 26. September 2015

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Bei aktuellen Titeln muss der Blogger sein > Leseprogramm einfach mal ändern. Der Band > Bindung und Migration, den Karl Heinz Brisch gerade bei Klett-Cotta herausgegeben hat, kommt wie gerufen. 300 000 neue Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Jahr in unseren Schulen dazu kommen. Das sind Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge mit oft traumatischen Erlebnissen, Gewalt, Tod, Bomben und Flucht unter meist dramatischen Umständen zu uns flüchten.

Dieser Band geht auf die Internationale Konferenz Bindung und Migration, die von der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. Haunerschen Kinderhospital der Ludwig-Maximilians-Universität am 11. und 12. Oktober 2014 veranstaltet wurde, zurück, deren Beiträge hier vorgelegt werden.

In den kühnsten Träumen kann man sich das Elend und das erlittene Leid der Jugendlichen z. B. in Syrien, die vor Ort aus ihrem Lebensumfeld durch unermessliche Gewalt und Tod von Freunden, nahen Angehörigen herausgerissen wurden, nicht vorstellen. Panik und extreme Angst bestimmten auf einmal ihr Umfeld. Für viele schließen sich Vertreibung oder Flucht in eine ungewisse Zukunft an. Sie sind gezwungen, in prekären Lagern zu überleben, zuweilen können auch die Erwachsenen ihnen kaum beistehen. Schaffen sie die Flucht, die sie neuen Gefahren aussetzt, in ein zunächst sicheres Umfeld, entsteht eine ganz andere Art von Stress, der Anpassungsdruck, massive Verunsicherung, Deprivationsgefühle, Vereinsamung und gar neue Bedrohungen (vgl. 7) für sie bedeutet.

Die sprunghaft gestiegene Zahl von Flüchtlingen, die seit Anfang September 2015 in Europa ankommen übersteigt alle Befürchtungen. Unter ihnen sind besonders viele unbegleitet minderjährige Jugendliche, die Behörden und Helfer das Äußerste abverlangen. Kein Schicksal gleicht dem anderen, aber alle, die u. a. aus Syrien kommen, teilen traumatische Erfahrungen, die Erinnerung an den Bürgerkrieg, massive Zukunftsängste, aber auch die Hoffnung auf geordnete Verhältnisse. Bei uns treffen sie aber auf ihnen völlig unbekannte Situationen, auch wenn ihre Klassen Willkommensklassen heißen, benötigen sie viel Empathie, Zuwendung und Personen, Helfer, Lehrer, die sich ihrer annehmen. Ihre Betreuer wird das Schicksal der Neuankömmlinge keinesfalls unberührt lassen. Viele Kinder und Jugendliche sind schüchtern, völlig verstört, viele berichten, was sie erlebt haben und suchen neue Bindungen.

Die Aufsätze dieses Bandes untersuchen die Probleme, die bei der Eingliederung von Migranten auftauchen:

Thomas Hegemann und Melisa Budimlic stellen in ihrem Beitrag Brücken bauen zwischen Sprachen und Kulturen den „Einsatz von Gemeindedolmetschern zur Überbrückung von Kommunikationshindernissen und psychosozialen Diensten“ vor. Ihre Erfahrungen und Anregungen sollten denen zugutekommen, die heute unmittelbar mit der Aufnahme von Jugendlichen unter den Flüchtlingen betraut sind. Es reicht nicht, einfach zu übersetzen, auch der Einsatz von Dolmetschern unterliegt gewissen Regeln. Beide Autoren legen in ihren Beitrag auch eine Anleitung zum Einsatz von Laiendolmetschern vor.

Visal Tumani, Fachärztin für Psychiatrie aus Ulm, fragt Spielt Kultur bei der Bindungstraumatisierung eine Rolle? und stellt damit einen essentiellen Faktor von Bindung vor, nämlich die Kultur, die Bestandteil lebenslanger Sozialisationsprozesses sein sollten, die durch die Migration, vor allem aber durch Krieg, Gewalt und Verfolgung jäh unterbrochen werden. Damit stellt sie implizit die Frage, wie neue Bindungen aufgebaut werden können. Die knappe Form ihres Beitrags, mit dem sie die Vielfalt der Belastungen der jungen Flüchtlinge darstellt, ist sehr beeindruckend.


brisch-bindung-jugend„In der Jugendzeit wird die Bindung an Gruppen mit Gleichaltrigen zu einem bedeutungsvollen Bindungssystem, das den Jugendlichen Schutz und Sicherheit vermittelt und die Entwicklung fördern kann. Es kann auf der anderen Seite aber auch eine Quelle von Angst sein, die Autonomie und Individualität verhindert. Die Autorinnen und Autoren des Bandes behandeln folgende psychische Probleme bei den wegen desorganisierten kindlichen Bindungserfahrungen besonders gefährdeten Jugendlichen.“

Karl Heinz Brisch (Hrsg.)
> Bindung und Jugend
Individualität, Gruppen und Autonomie
1. Aufl. 2013, 296 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94827-1


Carolin Mogk hat den Grundlagenartikel für diesen Band verfasst: Allein in Deutschland – Psychotherapie und psychosoziale Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen (S. 44-82). Wer von denen, die gesagt haben, Wir schaffen das? weiß wirklich, dass nahezu jedes Kind das dem Krieg und Terror in Syrien und dann den Schleppern entkommen ist und die Flucht überstanden hat, hier mehr als völlig verstört ankommt und viel mehr als nur eine freundliche Aufnahme, sondern eine lange geduldige Betreuung braucht. Neue Deutschlehrer und Sachspenden alleine genügen nicht.

Elaine Arnold berichtet über Migration und die Auswirkungen zerbrochener Familienbindungen aus vielen Teilen der Welt über den Verlust von Bindungen. Verlorene Bindungen sind nicht einfach reparabel. Aber das Wissen um ihr Entstehen und ihre Bedeutung sind eine wichtige Voraussetzung, um diesen Jugendlichen wirksam helfen zu können.

In diesem Zusammenhang ist es folgerichtig, dass Gülay Teke aus Berlin aus ihrer täglichen Praxis über „Migrationssensiblen Kinderschutz“ berichtet.

Was kann getan werden? Eva Pattis Zoja: Nach Massengewalt und Vertreibung: Der symbolische Ort, an dem Bindung wieder entstehen kann. Wie können neue Beziehungsmodelle aufgebaut werden? Es geht darum, Brücken zu bauen, und das sind kulturübergreifende Brücken, die in spielerischer Weise Neues mit bekannten kulturellen Elementen verknüpfen. Expressive Sandarbeit ist das Stichwort (S. 117 ff). Zojas Beitrag verrät ihre wertvollen praktischen Erfahrungen, die sie hier weitergibt. Auch hier gilt ein Grundsatz, der von J.-J. Rousseau her bekannt ist: Lerne Dein Kind zu beobachten und ziehe Schlüsse, wie Du darauf reagieren könntest, damit es lernt und weiterkommt, um mal ganz knapp hier an seinen Erziehungsbuch „Émile ou de l’éducation“ (1762) zu erinnern.

Jorge Aroche und Mariano Coello zeigen, dass die Behandlung der traumatisierten Flüchtlingskinder keineswegs auf ein gesichertes Vorwissen zurückgreifen kann: „Work in progress“, nennen sie ihre Überlegungen unter dem Titel Das komplexe Wechselspiel zwischen Bindung, Kultur und Flüchtlingstrauma – eine Herausforderung für die klinische Praxis. (S. 129-158)

Welche Identität werden eines Tages Kinder aus arabischen Staaten haben, wenn sie nach Deutschland emigriert sind? fragt Imen Belajouza: Psychotherapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus arabischen Familien.

Probleme ganz anderer singulärer Art stellt Barbara Schuller vor: Kinderhandel in Westafrika: Psychische Auswirkungen auf Betroffene und ihre Entwicklung mit besonderem Augenmerk auf Bindungsstörungen.

Viele Flüchtlingskinder, die zu uns kommen, sind entweder alleine unterwegs oder sehr oft von andern Familienmitgliedern getrennt. Ihre Problem hat Andrea Perry aufgegriffen: An der Seite eines Suchenden – ein bindungsorientierter Ansatz in der Arbeit mit voneinander getrennten Familienmitgliedern.

Die letzten beiden Beiträge stellen Maßnahmen vor, wie Bindungen unter den neuen Umständen im Ankunftsland wieder neu aufgebaut werden können: Patrick Meurs und Gül Jullian: Das Projekt „Erste Schritte“ – kultursensible und bindungsgerichtete präventive Entwicklungsberatung für Migranteneltern und Kleinkinder.

brisch-bindung-migrationKarl Heinz Brisch untersucht die Zusammenhänge zwischen Bindungsentwicklung und ihren Besonderheiten bei der Adoption: Migration und internationale Adoption: Psychotherapie zwischen den Kulturen.

Karl Heinz Brisch (Hg.)
> Bindung und Migration
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94939-1


Buch_Brisch_Bindungsreihe_alle_250

Die Reihe Bindungspsychotherapie von Karl Heinz Brisch: Das Wissen der Bindungstheorie kann vielfältig für eine bindungsbasierte Beratung und Therapie in allen Altersstufen angewandt werden, wobei sich die Diagnostik und Behandlung je nach Lebensalter der Patienten ganz unterschiedlich gestaltet.
Anhand von vielen Beispielen aus der klinischen Praxis gibt die Reihe eine Einführung in die Grundlagen der Bindungstheorie und die diagnostischen Methoden und Schritte einer bindungsorientierten Beratung und Therapie vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter.


Lesebericht: Albrecht Johann, Rock´n´Roll und Ramadan

Sonntag, 8. März 2015

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„Lehrer aus Überzeugung“ lautet der Untertitel des gerade erschienenen Buches von Albrecht Johann, > Rock´n´Roll und Ramadan.

Von 1977 bis 2011 unterrichtete Albrecht Johann an der Carl-von-Ossietzky-Oberschule in Berlin Kreuzberg, einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, die Fächer, Politik und Geschichte. Nach seiner Pensionierung hat unter dem Titel > Rock´n´Roll und Ramadan die Erinnerung an 30 Jahre in dieser Schule aufgeschrieben.

Alles fing für ihn an, als er am 11. Dezember 1977 in seine neue Schule kam und gleich zum Vertretungsunterricht eingeteilt wird. Eine Mathestunde. E- Kurs. Die Schüler blocken: „Keiner hat hier ein Mathebuch dabei, stimmts?“ ruft einer. Spielen wollen sie. „Irgendwie überleben“, lautet die Überschrift des nächsten Kapitels. Er nimmt die Herausforderung der Schüler an, und Herr Johann darf bald für Kollegen einspringen, die ihr Klasse nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Irgendwann ist aber Schluss und alle Nachgiebigkeit hat auch mal ein Ende. Seine Schule ist für den hohen Ausländerteil bekannt. Und er erlebt, wie auch die türkischen Mädchen sich ihre Freiheiten nehmen, oft genug aber auch von der Familie und den Brüdern kontrolliert werden.

Herr Johann macht interkulturellen Unterricht: „Ich erlebe ich persönlich als eine sehr anregende und sinnvolle Herausforderung.“ Ihm gelingt , es das Verstehen und Vertrauen seiner Schüler zu fördern, eine gute Basis auch für die deutsche Geschichte. Sein Tanzkurs aus dem „Ressourcenkästchen“ Rock’n’Roll wird der Hit.

Nach der Generalsanierung der Schule 1975 kommt ein neues Problem auf die Schule zu. Asbest wird entdeckt und dei Stadt weigert sich zunächst das Problem ernstzunehmen. Es folgen Demonstrationen, die Lehrer und Schüler im Sinne eines praktischen SoWi-Unterrichts miteinander vereint: Lernstoff: Demos. Die Stadt gibt nach, es folgt eine grundlegende Sanierung der Schule, die mehrere Jahre dauert.

Französische Revolution. Wieder wird es laut. Der Unterricht scheint auf der Strecke zu bleiben. Wie erklärt man 18 Muslimen, 1 Katholiken und 10 Protestanten das Problem der Abstimmung in den drei Ständen? Nun man simuliert eine Sitzung und diskutiert: Moschee oder Kirche besichtigen. Es wird nach „Ständen“ abgestimmt. Die Muslime haben ein Stimme und die Protestanten und Katholiken zusammen zwei. „Ungerecht,“ rufen die Muslime. Und „Revolution“, sie haben verstanden.

Neue Herausforderung: Thema Kurdistan in einer überwiegend türkischstämmigen Klasse unterrichten. Kurden gegen eine türkisch-nationalistische Front. Schließlich wird der Vater von Emine in der Schule vorstellig: Türkenfeindlicher Unterricht lautet sein Vorwurf. Aber auch das wird zum Lernstoff: Emine wird von Herrn Johann gefragt, ob in der Türkei ein kurdisches Kind mit einem kurdisch geschriebenen Zettel zum Direktor gehen kann und sich über kurdenfeindlichen Unterricht beklagen könne? (vgl. S. 104)

Der Schrei nach Freiheit, lautet die Überschrift über dem nächsten Kapitel. Besonders die türkischstämmigen Mädchen müssen bei Herrn Johann sich mit den Freiheiten auseinandersetzen, die ihnen in Deutschland zustehen.

Renitente, unwillige, disziplinlose Schüler, Herr Johann hat sie alle kennengelernt. Aber er weiß manche Ausraster seiner Schüler auch als gedankenlosen Übermut wegzustecken. Aber in manchen Situationen wirds dann doch brenzlig, und es bleibt ihm nichts übrig, dann doch ein Machtwort zu sprechen, oder auch mal einen Schüler sofort dem Direktor zu übergeben. Dann geht es wieder um Olcay, der immer wieder stört. Zeugniskonferenz. Er darf nicht in die Oberstufe. Ein Punkt fehlt. Die Lehrer beraten, diskutieren und wägen ab. Schließlich legt Herr Johann einen Punkt in Geschichte drauf. Olcay ist in der Oberstufe und macht ein gutes Abitur.

Johanns Erinnerungen sind einspannendes Handbuch für kulturellen Unterricht. Die meisten seiner Schüler sind in Deutschland geboren, aber bleiben oft mit dem Herkunftsland der Eltern eng verbunden. (Vgl. S. 155 ff.) Immer wieder Identitätsfragen, aus denen Johann erfolgreich Unterrichtsstoff macht. Durchhalten und nicht aufgeben ist seine Devise. Unterrichten ist wie Schwerarbeit beim Landen eines Flugzeugs: Kurs, Neigung, Geschwindigkeit müssen stimmen. Immer alle Warnleuchten im Auge behalten, sofort reagieren, wenn es blinkt. 138 Einflussaktoren in Lernsituationen müssen im Blick bleiben. Aber das ist alles nur Theorie: „Die besten Ergebnisse, das merke ich immer wieder, erzielt man sowieso, wenn die Initiative von den Schülern ausgeht.“ Ungläubig setzt er hinzu: „Und das soll der ‚Bodensatz‘ unserer Gesellschaft sein?“ (S. 285)

Die Abirede von Youssef, die letzte in Herrn Johanns Karriere ist ein wahrer Paukenschlag: Die Schüler, die stolzen Abiturienten sind die Sieger. Eine Abiturientin ist erst seit acht Jahren in Deutschland, Hatice hat ihren Kleinen während der Klausuren gestillt, Elena ist Deutsche Meisterin im Judo, Onar ist nebenbei Schauspieler am Naunyntheater, Zafa ist Berliner Juniormeister im Schach. Yunnus ist zum bekannten Rapper avanciert. Youssef lässt die alle nacheinander aufstehen. Und Adil, der „ewige Krawallmacher“ komtm auch mal wieder vorbei. Er ist jetzt im zweiten Jahr bei der Polizei.

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Nicht vergessen. Albrecht Johann wünscht, dass sein Buch als ein Appel an die Gesellschaft verstanden wird, Brennpunktschulen wie der Carl-von-Ossietzky-Oberschule mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.

Albrecht Johann,
> Rock´n´Roll und Ramadan
1. Aufl. 2015, 295 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-98044-8

Tippen Sie auf der Tastatur oder schreiben Sie mit der Hand?

Donnerstag, 15. Januar 2015

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Auch Bücher von 2005 verdienen es, hier angezeigt zu werden. Kaum was anderes ist für die Erziehung und das Aufwachsen von Kindern so wichtig wie die Sprache. Jean-Paul Sartre hat das in den beiden Kapiteln „Lire“ und „Écrire“ seiner Autobiographie Les Mots (1960) sehr eindringlich beschrieben. Die Entdeckung der Welt mittels der vielen Bücher in der Bibliothek seines Großvaters. Das Aufschlagen der richtigen Seite, das Abschreiben, das Einfügen der Konjunktionen, alles zusammen machte seine Feder zur Waffe. Das wusste er damals schon. Schreiben, das wollte auch Antoine de Roquentin, als er am Ende von Der Ekel (1938) die Biographie von Rollebon aufgibt, Bouville verlässt und sich im Zug sagt, – je cite de mémoire – „Ich muss ein Buch schreiben, das so hart wie Stahl ist, und den Menschen wegen ihrer Existenz die Schamröte ins Gesicht treibt.“ > Sartres Ästhetik in einem Satz. Dieser Gedanke ist aller PC-Technik weit überlegen. Darum geht es beim Schreiben, anderen neue Möglichkeiten aufzeigen und sie daran erinnern, was sie versäumt haben. Auch wenn in Digitalien eines Tages die Handschrift verschwinden sollte, wird man immer noch mit Wehmut daran denken, wie leicht doch die Gedanken mit der Tinte auf das schöne glatte Papier flossen, heute quälen sich die Buchstaben an Abstürzen, Updates, Programmfehlern, unverständlichen Formatvorlagen, unkompatiblen Dateiformaten, kaputten Dateien, kaputten Routern, fehlerhafter Hardware vorbei auf den Drucker, wenn dieser gerade mal nicht streikt. Wenn man ein Buch mit Word verfasst hat, > die Druckvorlage endlich auf dem Weg zum Verlag ist, dann fragt man sich, warum man das alles nicht lieber mit der Schreibmaschine gemacht hat. Wieviel Zeit klaut uns der PC? – Hier steht vieles zur Handschrift und zum Touchscreen: > Texte schreiben oder Buchstaben suchen? Schreibschrift, Blockschrift oder Touchscreen?.

Man kann es drehen und wenden wie man will > Caspar Hirschi, Carlos Spoerhases Artikel Die Gefährdung des geisteswissenschaftlichen Buches.
Die USA, Frankreich und Deutschland im Vergleich
im neuen MERKUR 02/2015 hat viel mit den apokalyptischen Reitern zu tun, von denen wir in unserem Lesebericht > Schwerpunkt: « Die Gegenwart des Digitalen » Merkur 788 – Januar 2015 im neuen Gewand erzählt haben. Ohne die PC-Technik würden andere, bessere Texte besonders von Anfängern geschrieben werden. Wieviel Konzentration und Zeit geht durch das Einrichten, die Abstürze, das Erlernen der Programme, das Surfen, das Suchen und Stochern im Netz verloren! Vielleicht hätte mein Studium in Bonn mit dem PC länger gedauert. Heute können sich Studenten kaum vorstellen, ohne PC zu arbeiten, auch wenn das Erstellen einer Hausarbeit z. B. über Camus nur online einfach nicht funktioniert. Und ohne Open Access, Scanner, Sticks mit geklauten Texten, ohne die Verführung im Netz was zu suchen, könnten wir uns wieder aufs Schreiben konzentrieren.

Valentin Groebners Aufsatz > Mit Dante und Diderot nach Digitalien. Wie viel will die Wissensgeschichte von sich selber wissen? im neuen MERKUR 02/2015 ist so gut, an ihn muss ich nochmal erinnern. Wir sprechen heute von der Wissensgesellschaft und tun so, als hätten wir noch nie eine traditionelle Papierbibliothek von innen gesehen; wir lobpreisen Wikipedia, freuen uns an den vielen Fakten, die die kollektive Intelligenz objektiv ordnen will, vergessen aber, dass > Diderot mit seiner Enzyklopädie, ihrem Anspruch, ihrem Mut und ihrer Qualität der heutigen Wikipedia wohl überlegen ist. Diderot bezog Stellung, denn ein Lexikon ohne sogar implizite Stellungnahme gibt es nicht. Wikipedia will objektiv sein und kann immer nur so tun als ob. Groebner schreibt: „Im Reden über die Wissenswelten der Zukunft stecken eine ganze Menge alte Narrative, vor allem theologische.“

Helga Andresen
> Vom Sprechen zum Schreiben
Sprachentwicklung zwischen dem vierten und siebten Lebensjahr
Konzepte der Humanwissenschaften
1. Aufl. 2005, 272 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94394-8

Lesebericht: Arno Gruen, Wider den Gehorsam

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Dieses Buch müssen Sie ständig mitführen, solange bis alle um Sie herum gefragt haben, wo haben Sie denn das her?

> Arno Gruen hat einen bemerkenswerten Essay verfasst: > Wider den Gehorsam: „Die Angst ungehorsam zu sein, führt dazu, sich dem Unterdrücker unterzuordnen,“ (S. 9) so lautet der Schlüsselsatz im Prolog, der die Idee zu diesem Buch in einem markanten Satz zusammenfasst. Gruen ist ein Aufklärer: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ schrieb Kant 1784 und Pico della Mirandola (1463–1494) ließ Gott nichts Anderes sagen: > De hominis dignitate / Über die Würde des Menschen (posthum 1496, Übertragung: D. Becker): «Dir, Adam, habe ich keinen bestimmten Ort, kein eigenes Aussehen und keinen besonderen Vorzug verliehen, damit du den Ort, das Aussehen und die Vorzüge, die du dir wünschest, nach eigenem Beschluss und Ratschlag dir erwirbst. Die begrenzte Natur der anderen ist in Gesetzen enthalten, die ich vorgeschrieben habe. Von keinen Schranken eingeengt sollst du deine eigene Natur selbst bestimmen nach deinem Willen, dessen Macht ich dir überlassen habe. Ich stellte dich in die Mitte der Welt, damit du von dort aus alles, was ringsum ist, besser überschaust. Ich erschuf dich weder himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich, damit du als dein eigener, gleichsam freier, unumschränkter Baumeister dich selbst in der von dir gewählten Form aufbaust und gestaltest. Du kannst nach unten in den Tierwesen entarten; du kannst nach oben, deinem eigenen Willen folgend, im Göttlichen neu erstehen.»

Gruen erinnnert daran, dass das Bedürfnis nach Gehorsam ein „grundlegender Aspekt unserer Kultur ist“ (S. 10). Die Furcht vor dem Ungehorsam begleitet uns schon in der Kindheit. Und Gruens Essays passt irgendwie auf alle Biographien seiner Leser. Macht entsteht durch die Angst, nicht wohlzutun. Ob das eine der Erklärungen ist, wie es zu dem Desaster des Dritten Reichs kommen konnte? vgl. S. 14 f., S. 31 ff., S. 39 ff. S. 69 Der terrorisierte Mensch hat eine Tendenz, sich mit seinem Peiniger zu identifizieren, in der Hoffnung sich selber retten zu können, schreibt Gruen auf S. 16. In der Kindheit ist das schon angelegt und äußert sich in der Angst davor, der Erzieher könne verstimmt sein.


„Die Vielfalt bei Klett-Cotta erstaunt mich immer wieder, und sie treibt diesen Blog am besten an. Kaum war ich mit der Lektüre des Romans von Jonathan Littell fertig, kam die Biographie über > Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität dran. Sie lag auf meinem Bücherlesestapel ganz oben – …“ Weiterlesen
Monika Schiffer
> Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität – Biografie
ca. 50 sw-Abbildungen
180 S., ISBN: 978-3-608-94449-5


Demokratie stärken, so lautet Gruens These, heißt die Umstände und die Gründe für „kritiklosen, blinden Gehorsam“ (S. 21) offenzulegen. Kindererziehung soll zur Selbständigkeit führen. Beobachten Sie Mütter und Väter z. B. im Zug oder in der S-Bahn, wie viele Hinweise, Verbote, Ermahnungen, Aufforderungen etc. muss sich der Nachwuchs ständig anhören. Was sagte noch > Jean-Jaques Rousseau? Der erste Satz seines Romans Émile ou de l’éducation lautet: „Tout est bien, sortant des mains de l’Auteur des choses ; tout dégénère entre les mains de l’homme.“ Er wollte, dass man den Zögling beobachtet und den „Émile“ liest, um daraus Schlüsse zu ziehen: „Man müsste, um ihn zu beurteilen, ihn ganz geformt sehen, man sollte seine Neigungen beobachten, seine Fortschritte sehen und seinem Gang folgen, in einem Wort, man sollte den einfachen Menschen in ihm erkennen. Man wird einige Schritte in diese Richtung tun, wenn man diese Schrift gelesen haben wird.“ „Il faudroit, pour en juger, le voir tout formé ; il faudroit avoir observé ses penchants, vu ses progrès, suivi sa marche ; il faudroit, en un mot, connaître l’homme naturel. Je crois qu’on aura fait quelques pas dans ces recherches après avoir lu cet écrit.“ Rousseau möchte seinen Zögling zur Selbständigkeit erziehen.

Was ist aber, wenn der Erzieher diese Selbständigkeit nicht im Auge hat?

Wie kommt es zu dem Kadavergehorsam? Das Sein der Eltern zum Eigenen machen, ist eine Tendenz, die Gruen mit der Erinnerung an Klaus Barbie, „der Gestapo-Schlächter von Lyon“ illustriert. Beim Verhör hatte Barbie gesagt: „Als ich Jean Moulin vernahm, hatte ich das Gefühl, dass er ich selber war.“ (S. 40) Der Schlächter tut das Unheil seinem verworfenen Selbst an, erklärt Gruen und meint damit der Feind im Anderen ist in uns selber. (vgl. S. 40) Es ist der Selbstwertlust des Kindes, den Gruen anklagt. (S. 44) Hass und Unterdrückung werden nicht gegen den Unterdrücker gerichtet, sondern an Andere weitergegeben. Ein Hinweis darauf, wie Macht funktioniert. Es ist nicht einfach, autonom, eigenständig authentisch (vgl. S. 48) zu werden.

Finden wir aus diesem Gehorsam? Wie kann die Anpassung überwunden werden? Schon 1932 beschrieb Ferenczi die Umwidmung von Angst und Terror in eine Scheingeborgenheit (S. 69) Geschichte erinnert immer wieder an die Taten der Großen, und wie Menschen die Verantwortung für sich selbst aufgeben verlieren oder sie ihnen einfach genommen wird: „Der Verlust des Selbst steht in einem engen Zusammenhang mit unseren politischen und gesellschaftlichen Problemen,“ lautet Gruens Fazit.

Wie oft und überall finden wir Situationen, in denen uns Meinung und Handlungen vorgeschrieben werden, die wir wider besseres Wissen nur ausführen, weil wir zu bequem sind, Konflikte auszutragen, unsere Meinung wohlbegründet zu artikulieren.

Empathie gibt es auch in der Politik und Gruen erinnert an Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt, Willy Brandt oder Olaf Palme. > Riace ist die reale Utopie, die Gruen im Auge hat.

Haben Sie das Buch schon? Passt in jedes Notizbuch. Sollte immer wieder mal auf dem Tisch liegen, Anlässe es als Programm vorzuzeigen oder es einfach nur sehen zu lassen, gibt es ständig.

> Arno Gruen
> Wider den Gehorsam
3. Aufl. 2014, 97 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94891-2

Jetzt wird das nächste Buch gelesen:

Lesebericht: Christoph Eichhorn, Die Klassenregeln. Guter Unterricht mit Classroom-Management

Mittwoch, 10. September 2014

Gehen Ihre Schülerinnen und Schüler manchmal über Tisch und Bänke? Jede Stunde der gleiche Lärm, bis die mal zur Ruhe kommen! Kaum drehen Sie sich zur Tafel, geht das schon wieder los? Thomas kommt immer zu spät? Stuhlkreis und andere Sitzordnungen sind Fremdwörter für Ihre Zöglinge? Heute was erklärt, morgen wieder vergessen? Hat der Klassenkaspar schon wieder die Lacher auf seiner Seite? Sind das immer dieselben Störer, die einen vernünftigen Unterricht sabotieren? Ist Ihre Klasse etwas schwierig? Stillarbeit- oder Gruppenarbeit wird immer wieder gestört. Das Klassenklima ist nicht gerade vorbildlich. Früher standen die Schüler auf, wenn ich reinkam, heute nehmen sie mich manchmal gar nicht wahr. Beim ersten Mal wirkt eine Aufforderung bei denen wie ein Art Ankündigung, bei der zweiten Aufforderungen fangen sie an zu reagieren, beim dritten Mal fangen sie an zuzuhören.

Treffen einige Aussagen auf Ihre Klasse zu? Hm… Wir hätten da was für Sie:

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Nach seinen beiden Erfolgsbänden über das Classroom-Management hat Christoph Eichhorn nun > Die Klassenregeln für guten Unterricht mit Classroom-Management vorgelegt. Ein Thema mit hoher praktischer Relevanz im Unterricht, wie die internationale Forschung belegt. Denn präventiv angelegter Unterricht und gute Lehrer-Schüler-Beziehung legen die Basis auf der guter Unterricht aufbaut. Das Verfahren ist einleuchtend, bevor der Unterricht losgeht, vereinbaren Sie mit Ihrer Klasse eine Art Geschäftsgrundlage, an die sich alle zu halten haben. Sie werden dieses Buch an einem Abend durchlesen und dann für den Schulalltag bestens gerüstet sein. Kommen Sie aber nicht auf die Idee das Wort > Klassenregeln vor ihren Schülern zu benutzen. (vgl. S. 48) Die Summe aller Vorschläge, die dieses Buch enthält, deutet daraufhin, dass Schüler ernst genommen werden wollen. Sie bekommen nicht in erster Linie nur Anweisungen, sondern werden in ein Gemeinschaftsprojekt eingebunden.

Eine unruhige Klasse, schwierige Schüler, schlechte Leistungen, Konzentrationsmangel kommen oft nicht von ungefähr. Regeln in der Klasse bauen auf Regeln in der Schule auf. Vgl. S. 34 f. Konsequenz und Vorbildfunktion der Lehrer dürfen nicht unterschätzt werden. Viele Hinweise und Anweisungen ergeben sich aus dem Verhalten der Lehrer, den die Schüler genau beobachten. Wie gut kennen die Lehrer ihre einzelnen Schüler? S. 36 f.

Sie bekommen eine neue Klasse? Ihr Vorgänger wird Ihnen sicherlich drei Sätze über die Klasse sagen können. Zahide neigt zu oppositionellem Verhalten, sie wird von Ihnen angesprochen… in der nächsten Stunde erklärt Zahide die Klassenregeln (N. B. nie diesen Ausdruck verwenden!), S. 42. Je eher Sie ein Gespür für die Sozialstruktur ihrer Klasse entwickeln, umso schneller wissen, vgl. S. 42-46, mit welchen Vereinbarungen Sie Erfolg haben werden.

Schülerinnen und Schüler sind unfassbar neugierig. Vereinbarungen können dazu beitragen, das Interesse der Schüler auf das Unterrichtsziel zu lenken. In allen Fächern gibt es Gelegenheiten, solche Vereinbarungen mit Unterrichtsthemen zu verbinden, und ihre Schüler werden schnell lernen, dass sie durch Regeln nicht drangsaliert werden sollen, sondern dass ihnen neue Freiräume eröffnet werden.

Klassenregeln. Das klingt auf dem Papier einfach – ist in der Praxis aber eine hohe Kunst. Und belegt wie anspruchsvoll Ihr Beruf ist. Das Thema Klassenregeln ist viel komplexer als die vielen Laien, die alles besser wissen aber noch nie vor einer lauten Klasse standen, erahnen. Die Schülerinnen und Schüler, die Regeln am nötigsten hätten, erahnen deren Sinn am wenigsten. Sie fühlen sich, vor allem wenn sie etwas älter sind, durch das Wort Klassenregeln bevormundet und gegängelt, sie schalten innerlich ab, sowei das Gespräch darauf kommt. Eine Herausforderung, die es in sich hat. Viel Fingerspitzengefühl ist notwendig, diese Schülerinnen und Schüler vom Nutzen, vom Sinn und von den Vorteilen von Klassenregeln zu überzeugen. Es ist eine Frage der richtigen Strategie, um mit den Schülerinnen und Schülern, die durch besonders „schwieriges“ Verhalten auffallen überhaupt in ein zieldienliches Gespräch zu kommen.

Aber führen denn dann ein oder mehrere solcher Gespräche wenigstens auch zu einer stabilen Einstellungs- und Verhaltensänderung? Schön wär`s. Aber die Realität sieht leider anders aus, wie wir doch alle wissen. Es geht also nicht nur darum, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen und möglichst sinnvolle Klassenregeln aufzustellen – sondern darum, deren Einhaltung konsequent, höflich und langfristig einzufordern. Jeden Monat, jede Woche, jeden Tag, jede Unterrichtsstunde, jede Minute. Eine Herkulesaufgabe. Das verlangt hohe Präsenz, Aufmerksamkeit, Geschick und Kontrolle der eigenen Emotionen. Wie Sie im Detail vorgehen können, dazu gibt Ihnen das Buch von Christoph Eichhorn gleich eine ganze Fülle praxisnaher Tipps und Anregungen.


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Noch was: Schon die kleinen Störungen – Reinrufen, Quatschen oder Herumrascheln – sind es, die einem Lehrer das Leben schwer machen. Lernen Sie mit der Applikation > „Beziehungen aufbauen“ aus der Reihe > „Classroom Management“, wie Sie als Pädagoge dagegen ankommen. Mit einem neuen, international bewährten Konzept von Christoph Eichhorn wird Ihnen anschaulich und modern vermittelt, wie Sie in Ihrer Klasse für Ruhe sorgen und auch mit schwierigen Schülern zurechtkommen. An konkreten Beispielsituationen werden Möglichkeiten für Lehrer aufgezeigt mit Ihren Schülern Probleme zu lösen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und eine positive Beziehung zu ihnen herzustellen.
Guter Unterricht baut auf kooperativen Lehrerinnen-Schüler-Beziehungen auf. Studien zeigen, dass Lehrer mit guten Beziehungen 30% weniger Disziplinprobleme haben. Wenn Schüler und Lehrperson gut miteinander auskommen, kooperieren die Schülerinnen und Schüler besser. Die Entwicklung von guten Beziehungen ist zu vielen Schülerinnen und Schülern zum Glück kein großes Problem. Aber in fast allen Klassen gibt es auch solche, zu denen der Beziehungsaufbau eine besondere Herausforderung darstellt. Und gerade zu diesen ist er besonders wichtig – und gleichzeitig ist das Risiko von Spannungen zwischen Schülern und Lehrperson besonders hoch, denn die Lehrperson muss häufig ermahnen und zurechtweisen. Viele Schülerinnen und Schüler mit „herausforderndem“ Verhalten können zwar gut austeilen, sind aber nach einer Ermahnung schnell gekränkt. Den richtigen Weg zu finden ist eine der besonderen Herausforderungen Ihres Berufs. Die Applikation „Beziehungen aufbauen“ aus der Reihe Classroom-Management will Sie auf diesem Weg unterstützen. Sie zeigt Ihnen an konkreten Beispielen wie Sie auch zu den als schwierigen beurteilten Schülerinnen und Schülern Schritt für Schritt zu einer professionellen Kooperationsbeziehung gelangen. Das kostet Zeit, Energie und verlangt, einen ganz kühlen Kopf zu bewahren. Wenn ein solcher Schüler schliesslich mit Ihnen kooperiert statt Sie täglich herauszufordern und mit Ihnen zu kämpfen – dann profitieren Sie als Lehrperson und als Mensch davon und sparen Nerven, Zeit und Energie.


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Christoph Eichhorn
> Die Klassenregeln
Guter Unterricht mit Classroom-Management
1. Aufl. 2014, 93 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-98040-0

> Eichhorn, Christoph
> Classroom-Management – Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten
7. Aufl. 2014, 223 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94498-3

“Classroom-Management heißt gelingender Unterricht, stellt die Leistung engagierter Lehrer heraus, bedeutet zufriedenere Eltern und ermöglicht Schülern, ihre wirklichen Fähigkeiten lernend zu entfalten,” heißt es im Ankündigungstext des Verlages. Dahinter steckt aber viel mehr. “Classroom-Management” hat auch etwas mit Disziplin und Regeln zu tun, das ist auch ein gemeinsames Einverständnis, das der Lehrer durch Führung mit seinen Schülern hinsichtlich bestimmter Abläufe erreichen muss.“ hieß es in unserem > Lesebericht

Christoph Eichhorn, Antje von Suchodoletz
Chaos im Klassenzimmer. Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird
2. Aufl. 2013, 201 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94497-6
223 Seiten, ISBN: 978-3-608-94534-8


„Christoph Eichhorns wichtigste These: > Bei schlechten Noten helfen gute Eltern. Er stützt sich auf die Langzeitstudie, mit der Martin Neuenschwander den besonderen Einfluss der Eltern auf die Schulleistungen ihres Kindes nachgewiesen hat. Die Leistung der Kinder werden wohl zur Hälfte von den Erwartungen der Eltern bestimmt. Daraus leitet Eichhorn ein ganz Bündel von Strategien und Lösungsansätzen ab, um Eltern auf alle möglichen Situationen vorzubereiten: Schlechte Noten, keine Lust zu Hausaufgaben, Schulfrust, alles was uns immer noch wohlvertaut ist,“ hieß es in unserem Lesebericht:
Christoph Eichhorn
> Bei schlechten Noten helfen gute Eltern.
187 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-94603-1


Lernen. Prof. Roth: Bildung braucht Persönlichkeit

Montag, 18. November 2013

Evgenia Danilevic hat kürzlich mit Prof. Dr. Gerhard Roth ein Gespräch geführt: Bildung braucht Persönlichkeit – ein Gespräch mit Gerhard Roth. Er „erklärt in einem Gespräch, warum LehrerInnen noch immer die wichtigste Rolle im Bildungsprozess zukommt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der Psychologie im Unterricht“ mehr und das Video auf dem Blog > meinunterricht.de angewandt werden können.

Blogrückschau:

> Lesebericht: Gerhard Roth, Bildung braucht Persönlichkeit
> Nachgefragt: Gerhard Roth, Bildung braucht Persönlichkeit

> Gerhard Roth
> Bildung braucht Persönlichkeit. Wie Lernen gelingt
1. Aufl. 2011, 360 Seiten
ISBN: 978-3-608-94655-0

Leseberichtsprogramm

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Beim PC-Start heute morgen fiel mein Blick zuerst auf Nickolas Butlers > Shotgun Lovesongs: „Drei Hochzeiten, zwei Scheidungen, ein Beinschuss und Lieder von der Liebe. Fünf Freunde aus einer Kleinstadt im Norden der USA. Durchs Schicksal auseinandergetrieben, lebt in allen die Sehnsucht nach der Nähe, die sie einst verband. Ein sentimentaler, kraftvoller Roman, der vielstimmig von den großen Themen Freundschaft, Heimat und Liebe erzählt.“

Obwohl der rechte Büchstapel immer größer wird, die tägliche Büroarbeit terminlich drängt, ist die Versuchung groß, nachzugucken, wieviel Urlaubstage noch da sind und mit > Shotgun Lovesongs in den nächsten Zug zu steigen. Geht aber gerade nicht. Schade. Außerdem warten noch die Videos von der Buchmesse: Mit Barabara Vinken haben wir über > Angezogen. Das Geheimnis der Mode und mit Michale Laub über > Tagebuch eines Sturzes gesprochen.

Und dann wartet auch noch das Buch von Brigitte Kronauer > Gewäsch und Gewimmel – auf der Frankfurter Buchmesse hat unsere Ein-Mann-Redaktion schon schon mit ihr gesprochen – auf seinen Lesebericht. Nochmal zur Unterscheidung: Bücher aus dem eigenen Verlag rezensiert man doch nicht. Also sind es Leseberichte. Unsere > Rezensionen stehen woanders.

Und dann gibt es in der Abteilung Partnerschaft und Liebe Zuwachs: Zwei neue Bücher: Hans Jellouschek und Bettina Jellouschek-Otto > Grenzen der Liebe. Nähe und Freiheit in Partnerschaft und Familie, das Buch von Katherine Angel > Ungebändigt. Über das Begehren, für das es keine Worte gibt und die zweite Auflage von Roland Webers Buch > Wenn die Liebe Hilfe braucht. Das Partnerschaftsbuch mit Tests und Übungen:

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In welcher Reihenfolge? Vielleicht genügt es, erst mal > das Buch von Katherine Angel zu lesen:“Dieses Buch ist ein intimes und erotisches Geständnis einer Frau und Geliebten. Es ist aber auch eine intensive Betrachtung widersprüchlicher und in unserer Gesellschaft fest verwurzelter Vorstellungen von Sexualität. Mit bemerkenswerter Offenheit reflektiert Katherine Angel die Geschichte ihrer sexuellen Begegnungen und Überzeugungen und zeigt, wie unser Leben durch unsere Sprache und unsere Erfahrungen geprägt wird. Lyrisch, erotisch, mutig und mit Bildern, die einem im Gedächtnis bleiben.“ steht am Anfang der > Leseprobe. Wenn die Probleme bleiben gibt es „Hilfe aus eigener Kraft mit“ Roland Weber oder > > Grenzen der Liebe: Klappentext: „Dieses Buch macht deutlich, dass sich jede Zweierbeziehung gegen dritte Faktoren behaupten muss. Doch auch innerhalb der Partnerschaft sind Grenzziehungen wichtig: Wie bleibt man als Teil eines Paars trotzdem ein Individuum und damit ein interessantes Gegenüber für den Partner? Erst das ermöglicht eine realistische, reife Liebe, eine »Liebe auf Dauer«, nach der wir uns doch alle sehnen.“

Lesebericht: Paula Bleckmann, Medienmündig

Montag, 13. Februar 2012

Paula Bleckmann möchte in ihrem Buch > Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen nicht wieder der schon immer viel beschworenen Medienkompetenz das Wort reden, sondern sie hat die Erziehung zur Freiheit und zur Autonomie im Blick. Sich und die Kinder nicht von den Medien vereinnahmen lassen, darum geht es in ihrem Buch, und dazu gehört mehr als nur Know-how für den Umgang mit den Medien. Ihre Botschaft ist eindeutig. „Zu früher Medienkonsum führt in die Abhängigkeit, nicht in die Mündigkeit.“ (Klappentext) – Fragen wir doch mal: Woran liegt es eigentlich, dass Schülerinnen und Schüler in erster Linie nur Konsumenten im Internet sind? Web 2.0 bedeutet für sie wie für alle anderen FBler sich nur auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen ohne einen besonderen Erkenntnisgewinn. Also was läuft in der Medienpädagogik schief?

Eine moderne Medienerziehung darf keine „Maschinensklave[n]“ (S. 17) ausbilden. Ihr Buch ist eine Kritik an der aktuellen Medienpädagogik, die „die Anpassung des Menschen an die Medien“ (vgl. ebd.) vorsieht. Ihr Ansatz macht neugierig, denn sie legt ihr Buch genau zum richtigen Zeitpunkt vor, wenn auf der diesjährigen Didacta in Hannover die Digitalisierung des Unterrichts auf vielen Ständen gefordert und manchmal auch demonstriert wird. Man darf auch fragen, Medienkompetenz wofür? In einer Stadt kann man sich nur bewegen, wenn man ungefähr das Ziel kennt, zumindest aber neugierig, einen neuen Weg zu entdecken. Kinder, die im Internet etwas suchen sollen, sind heillos überfordert, und es wird für sie noch schwieriger, wenn sie mit den modernen Medien mehr machen sollen, als sich nur bunte Inhalte anzugucken.

Kinder brauchen Zeit, so wie der > Flaneur sich in seiner Bewegung vortastet und orientiert. Erst ein gewisses Orientierungswissen erlaubt dem Kind, mit den Medien etwas anfangen zu können. Man sieht nur, was man weiß, hat mir mal ein Architekt gesagt. Keine Lauflernhilfe, meint Bleckmann, und erwähnt die Auswüchse in den USA; die Neugeborenen so schnell wie möglich vor der ersten Flasche mit einem PC versorgen – mein Lieblingsgeschenk für Neuankömmlinge, war immer das achtseitige Stoffbuch.

Paula Bleckmann ist von Berufs wegen mit der Suchtprävention vertraut. Ihre Anmerkungen zu den Medien als Suchtauslöser sind ganz praktisch fundiert. Und sie meint, es gehe nicht um Abstinenz, sondern um den kontrollierten Konsum (S. 80). Ihr 4. Kapitel „Medienmündig – Schritt für Schritt“ enthält wichtige und sehr lesenswerte Abschnitte zu Rezeptions- und Produktionsfähigkeiten. Der PC soll ein Knecht werden und kein Meister, so darf man ihren Ansatz interpretieren. Systematisch entwickelt Bleckmann ihre Alternative zu einer unreflektierten Medienkompetenz. „Selektionsfähigkeit“ soll zu der Frage führen, „was macht der Mensch mit den Medien?“ (S. 105) statt die Medien den Menschen verbiegen zu lassen.

Bleckmann stützt ihre Ausführungen auf Umfragen, außerdem kennt sie die Basisarbeit und kann die Ergebnisse der von ihr zitierten Umfragen sachgemäß lesen und auswerten. Und sie nimmt auch das Problem der Kinder aus privilegierten Familien in den Blick und zeigt wie auch eine Medienpädagogik helfen kann „Bildungsklüfte“ zu erkennen und zu überwinden. Mir gefällt der gesunde Menschenverstand von P. Bleckmann: Abenteuer, Langeweile, Freud und Leid in der richtigen realen Welt lösen manches Medienproblem oder pädagogisch gesprochen, in der realen Welt erarbeitet man sich das nötige Orientierungswissen. Medien konsumieren kann jeder mehr oder weniger kompetent, aber etwas mit den Medien machen, sie sich Untertan machen, das ist eine Kunst. Von hundert Studenten, die ich danach fragte, wer schon mal in Wikipedia etwas geändert hat, wollte es nur einer gewesen sein. Schreiben die anderen nur ab? Oder konsumieren sie nur?

Im 2. Teil werden die Erwachsene aufgefordert zuzuhören. Hier können sie etwas lernen über die Wirkung von Medien in Kinderzimmern. Sie zitiert Nicholas Carrs Buch Die neue Seichtigkeit – was das Internet mit unserem Hirn macht – man kann sich denken, das das Internet dabei nicht gut wegkommt, wie z. B. Günther Anders in seinem Band Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 1. Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, München 1956, 7. Aufl. 1987 die „Verbiederung“ der Welt so einleuchtend und zutreffend beschrieben hat: S. 99-128: „Massenkonsum findet heute solistisch statt“ (S. 101) titelte er und setzte gleich hinzu, ohne das Internet zu kennen: „Jeder Konsument ist ein unbezahlter Heimarbeiter für die Herstellung des Massenmenschen“ (ebd.) und zeichnete so den Facebookteilnehmer von heute. Alles schon mal dagewesen: „Da die Geräte uns das Sprechen abnehmen, verwandeln sie uns in Unmündige und Hörige,“ (S. 107) lautet die nächste Überschrift, gefolgt von „Die Ereignisse kommen zu uns, nicht wir zu ihnen.“ (S. 110) Aber es gibt doch Web 2.0 wird man wir antworten – aber doch nicht im Rahmen der Medienpädagogik? Mag sein, dass es noch Nachholbedarf gibt, und dass daraus noch etwas werden kann: z. B. > Fremdsprachenunterricht 2.0. Die Gretchenfrage wird aber immer so lauten: Lernt der Schüler mit dem digitalen Medienverbund, der ihm angeboten wird mehr? Welche Lehr- und Lern-Szenarien gibt es, die ihn anleiten, einen Blog zu schreiben, eine Website zu entwerfen, den richtigen Mix zwischen Twitter, Facebook und seinem Blog zu begründen? Konsumiert er? Oder lernt er im Internet zu schreiben?

Im dritten Teil vermittelt Bleckmann Tipps und Tricks für den Alltag. Es geht um Familien, wo der Bildschirm-Babysitter nie kommt, und wenn der Kasten schon mal da ist, kann man Regeln finden: „frühes Nichtfernsehen führt zu weniger Fernsehen.“ (S. 179), aber das stumme TV-Gucken fördert die Konsumhaltung vor dem PC, so darf man Bleckmann verstehen. Und am Schluss gibt es drei pfiffige Tests, mit deren Bestehen, sich die Kinder von nacheinander von derCD zum TV und dann weiter zum PC hangeln dürfen.

Der Drang zur totalen Digitalisierung der Schule berücksichtigt nicht, dass die Kinder sich vorher am besten selber einen Eindruck davon verschaffen sollen, was sie digitalisieren sollen. Ansonsten werden sie nur kompetent im bloßen Knöpfendrückchen, aber sie lernen nicht oder erst spät, selber Inhalte über ihre Erlebnisse anderen mitzuteilen.

Paula Bleckmann,
> Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen
1. Aufl. 2012, 251 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94626-0

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