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Archiv für die Kategorie 'Literatur'

Lesebericht: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s

Mittwoch, 9. August 2017

Eine Ferienlektüre soll es sein, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Wo man sich hineinversenken lassen kann und erst mal alles um sich herum vergisst. Eben Urlaub. Wir hätten da was für Sie: Die Sommerlektüre ist da. Der Roman von Don Carpenter > Freitags im Enrico’s ist es. > Aufgeschlagen: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s.

Teil Zwei. Die Portland Gruppe. Dick Dubonet ist ihr Star. Gerade hat Playboy ihm 3000 Dollar für seine Geschichte überwiesen. Er wohnt in der > Fourth Street Nähe Downton. Kaum prahlt er damit, muss er auch schon 50 Dollar verleihen. So sind die Preise. Seine Freundin Lisa zieht zu ihn und sie brauchen eine neue Wohnung. 14 Stories hat er gerade im Umlauf.

Charlie und Jaime kennen wir schon, Dick und Lisa auch schon. Da kommt noch Stan dazu, der ein Talent für Einbrüche hat, die für ihn wie ein Kick sind. Die ihn allerdings auch ins Gefängnis führen. Alle zusammen belauern sich und jeder hofft auf seinen literarischen Erfolg. Jeder hat eine andere Strategie. Charlie schreibt an einem Kriegs-Epos, füllt Seiten um Seiten, Karton um Karton. Schließlich findet er einen interessierten Verlag, der alle Manuskriptteile haben will, radikal kürzt, das tut einem Manuskript wirklich manchmal richtig gut, aber Charlies fühlt sich missverstanden ist wütend. Später soll gar ein Drehbuch daraus entstehen, in dem mehr von den Produzenten als von Charlie drinsteht. „Als er vor langer Zeit beschloss, Schriftsteller zu werden…“ kann man das beschließen? Oder muss man nicht doch ein wenig länger an so einem Vorhaben arbeiten: Sartre brauchte 2800 Seiten, um herauszufinden, wie > Gustave Flaubert sich zum Künstler gemacht oder entwickelt hat. In diesem Sinne ist > Freitags im Enrico’s auch eine Art investigativer Roman. Die angehenden Schriftsteller probieren alle verschiedene Textsorten aus, lesen die, die Erfolg haben, und suchen krampfhaft nach Themen, die sich vermarkten lassen.

Dick Dubonet bringt seine Kurzgeschcihten in Nugget, Caper, Fantasy & Science Fiction und im > Ellery Queen’s Mystery Magazine unter. Aber erstmal konnte er sicha uf den 3000 Dollar ausruhen, die ihm Playboy überweisen hatte. Er wohnt in einem der Holzhäuser in Portland SW Fourth Street. In Jerry’s Tavern lernt er Linda McNeill kennen, sie kennt den Herausgeber der > Evergreen Review. Er biete ihr an, Sie nach Hause zu fahren, mit einem Umweg, um zu Hause seien Story zu holen, ja sie will mit reinkommen …

Parties, wie die in der > SW Cable Avenue sind eine Gelegenheit, den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen, wer mit wem und welcher Verleger wo angerufen hat. Irgendwie helfen sie sich auch gegenseitig, wenn sie auch alle – die Mitglieder der Portland-Gruppe – hinsichtlich des Schreibens Konkurrenten und Neider sind.

Bei dieser Lektüre kann es ihnen passieren, dass Sie sich in Gedanken beim Lesen den Platz in dieser Clique suchen, der Ihnen passen würde – allein ein kurzer Gedanke daran, und die Sommerlektüre hat ihre Pflicht getan und Sie entführt. Das funktioniert mit diesem Buch. Dick und Jaime… Dann verschwindet Charlie für drei Tage… Dann wird Stan wieder festgenommen. Jaime hat Riesenerfolge und kauft ein Haus in Mill Valley in einer Sackgasse, die vom Panoramic Highway abging Mill Valley. Man trifft sich in den Bars und auch im Enrico’s. Jaime hat ihr Buch fertig und Charlie muss mit seinen Neidgefühlen kämpfen. In San Francisco treffen sie sich in > Gino and Carlo’s. Jetzt bekommt Jaime auch ein Angebot, die Filmrechte an ihrem Roman zu veräußern. Charlie hofft nach wie vor auf seinen Erfolg, sein Lektor Ratto zeigt sich zuversichtlich.

Das Kapitel C-Block erzählt die Haftzeit von Stan Winger, dessen Aufseher sein Romanmanuskript entsorgt. Stan entwickelt eine Strategie, das Manuskript im Kopf zu komponieren. Schlüsselwörter helfen ihm dabei, die Struktur und die Sätze zu memorieren. Seien Figuren haben skurrile Eigenarten. (S. 280) Nach der Haft bringt er den Roman zu Papier und kann seine ersten großen Erfolge feiern. Das erste Manuskript bringt ihm 3400 Dollar, Stan wird unabhängig und kann sich nach und nach immer mehr leisten.

In > Don Carpenter, Freitags im Enrico’s vermischen sich die Inhalte der Kurzgeschichten und Romane, mit den Erlebnissen der Portland-Clique. Was entscheidet über den Schreiberfolg? Ausdauer, Hartnäckigkeit oder einfach Glück?

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2

Aufgeschlagen: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s

Donnerstag, 3. August 2017

Sie suchen eine Ferienlektüre, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Hier ist sie:
Die Sommerlektüre ist da. Der Roman von Don Carpenter > Freitags im Enrico’s ist es. Gestern abend angefangen, dann nach Hause, Weißwein auf dem Balkon. Festgelesen. Es geht um angehende Schriftsteller, die Creative writing courses belegen oder geben, schreiben oder versuchen zu schreiben oder davon träumen zu schreiben. Verschiedene Cliquen, Neid auf die, die ihre Geschichten dank guter Agenten erfolgreich platzieren, Parties und Frauen. Manche erobern jede sofort.

Und immer gibt es Lesetipps, die, würden wir allen folgen, aus unserem Blog ein Literaturlexikon machen würden: „Jaime beschloss über Will Cathers Roman > Der Tod kommt zum Erzbischof zu schreiben.“ S. 10 und wartet darauf, dass Charlie Annäherungsversuche macht und sie verführt. Er wohnt auf der > Genoa Place: Als angehender Autor hat er ein Faible für Bücher, im > Bookshop von Mcdonalds kriegt fast alles für 50 Cent: Melville, Vincent Peale, Hemingway. Und Charlie fährt einen robusten 1940er De Sato. Die Bleibe von Charlie ist mönchisch klein, aber Jaime, neunzehn, muss dauernd an ihn denken, kann nicht schlafen, nimmt nachts den Bus, er ist nicht zu Hause, sie findet ihn vor einer der Bars El Miranda. S. 27.
Veteran Charlie hat sich ein Riesending vorgenommen: „Verdammt, er wollte den Moby Dick aller Kriege schreiben.“ S. 59

Teil Zwei. Die Portland Gruppe. Dick Dubonet ist ihr Star. Gerade hat Playboy ihm 3000 Dollar für seine Geschichte überwiesen. Er wohnt in der > Fourth Street Nähe Downton. Kaum prahlt er damit, muss er auch schon 50 Dollar verleihen. So sind die Preise. Seine Freundin Lisa zieht zu ihn und sie brauchen eine neue Wohnung. 14 Stories hat er gerade im Umlauf. Fortsetzung folgt

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2

Lesebericht: Arno Frank, So, und jetzt kommst du

Samstag, 11. März 2017

Tobias Nazemi schreibt auf seinem > Blog Buchrevier: „Ich habe diesen Roman mit offenem Mund an einem Tag durchgelesen, mit einem Kloß im Hals und Tränen in den Augen weggelegt und an den Mann gedacht, mit dem ich mich in Leipzig auf der Tropen-Party so gut unterhalten hatte. Arno Funk war mir sofort sympathisch. Ein cooler Typ, der für Spiegel Online, taz und den Musikexpress schreibt.“


> Nachgefragt: Arno Frank, So, und jetzt kommst Du – 28. März 2017 von Heiner Wittmann


Wir haben in unserem letzten Beitrag mit den Ankündigungen zur > Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017 festgestellt: Wenn Sie den Roman von Arno Frank, > So, und jetzt kommst du zur Hand nehmen, sollten Sie keine unmittelbaren Termine vor sich haben und möglichst eine Zugverbindung ohne Umsteigen gebucht haben.

> Alle Termine zu diesem Buch

Jürgen, Jutta mit ihren Kindern, der Erzähler, Jeany unter ihnen noch im Kinderwagen, Fabian zügelt nach, sind die Hauptpersonen in diesem, nein, ein Erziehungsroman ist das nicht gerade, auch wenn er den Kindern vorspielt, wie das Leben sich anfühlt, wenn jemand auf die schiefe Bahn gerät und seinen Familienclan unbarmherzig, kompromisslos immer mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft mit sich führt.

Es fängt alles allmählich an. Briefe mit offiziellem Erscheinungsbild kommen an und wandern in die große Papierablage. Was macht Vater? Er handelt mit allem möglichen Krimkrams, der sich im Haus zu stapeln beginnt. Dann bekommt Vater Jürgen wirklich einen Job und verkauft Gebrauchtwagen, ganz korrekt geht es nicht zu. Wer uns einen Wagen bringt, bezahlt die Reparatur, der Käufer bezahlt sie auch, wir reinigen bloß, erklärt er seinem Sohn: „So, und jetzt bist du dran.“

Und Vater arbeitet an dem ganz großen Deal, das Business soll richtig abheben: „ready, willing and able“, muss der Käufer sein. Der Sproß wundert sich, dass die Provision so lange auf sich warten lässt. Schnauz wird überfahren, und dann kommt auch noch die Polizei, um an der Haustür zu klopfen. Warum mussten auch die Briefe „mit dem zauseligen Löwen“ im Altpapier landen? erinnert sich der Erzähler. Die Polizei wartet vor der verschlossenen Haustür und dreht dann wieder bei. Nachts hat es auf einmal wohl geklappt, Papa ist reich und alle werden in den Familien-BMW gepackt und Papa braust mit ihnen davon.

Sein Sohn findet sich in einer französischen Schule an der Côte d’Azur wieder. Ein schicker Bungalow ist jetzt ihr Zuhause. Im großen Stil wird gelebt, das Geld fließt: „Das Geheimnis ist das alle bescheißen. Alle.“ Jürgens Lebensweisheiten sind etwas dürftig und sein Sohn mag ihm nicht so recht trauen.

Wir müssen hier weg, wäre auch ein guter Titel gewesen. Natürlich ist auch viel Geld einmal aufgebraucht und die Familie ist wieder unterwegs, es geht nach Portugal, wo Papa ein kleines Doppelzimmer in einem Hotel findet. Wie er das gemacht hat, erklärt er seinem Filius, der immer noch zwischen ein bisschen Bewunderung und aufkeimenden Entsetzen schwankt. Nicht das nicht vorhandene Geld, sondern die Geduld des Wirts ist nach einigen Monaten vorbei. Wir müssen hier weg.

Arno Frank hat – so der Klappentext – eine wahren Geschichte aufgeschrieben. Soviel Kaltblütigkeit auf einmal gibt es doch gar nicht, sagt sich der Leser, wenn er die Familie auf ihrer Hatz durch Europa begleitet und mit den Kindern mitleidet. Ob der Vater glaubt, dass sich alle gegen ihn verschworen haben? Sein Kampf gegen alle? Tragisch und komisch zugleich. Frank stellt die gelungene Mischung her, die den Leser in die Geschichte so hineinzieht, dass er erst auf der letzten Seite bedrückt und mitgerissen aufhören kann.

Arno Frank
> So, und jetzt kommst du
1. Aufl. 2017, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50369-2

Tom Malmquist, Lesebericht: In jedem Augenblick unseres Lebens

Samstag, 11. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Unser Gastblogger Oliver W. Steinhäuser > www.buchundmedienblog.com hat das Buch von Tom Malmquist für den Klett-Cotta-Blog gelesen:

Die Geburt eines Kindes ist der wohl aufregendste und glücklichste Moment eines sich liebenden Paares. Ein Anlass, mit dem man das Überqueren der Türschwelle eines Krankenhauses nicht mit Krankheit und Verlust, sondern mit der Entstehung neuen Lebens verbindet. Leider geht das nicht immer so einfach, und Tom muss dabei eine traurige Erfahrung machen. Das Schicksal hat für ihn keine traditionelle

> Alle Termine zu diesem Buch

„Vater-Mutter-Kind-Familie“ vorgesehen, denn bei seiner Partnerin Karin wird im Verlauf der Schwangerschaft Leukämie diagnostiziert. Dank eines ungeplanten und dann auch noch frühen Kaiserschnitts öffnet sich für seine Tochter Livia das Tor zur Welt, während die nicht heilbare Krankheit ihm innerhalb kürzester Zeit seine Freundin Karin nimmt.

Mit Luftnot liefert Tom Karin im Krankenhaus ein. Die Diagnose lautet Leukämie in einem bereits weit vorangeschrittenen Stadium. Bevor jedoch die Therapie begonnen werden kann, muss ihr Kind per Kaiserschnitt entbunden werden. Karins letzte Entscheidung, bevor Medikamente und fortschreitender Zerfall sie von ihrem Bewusstsein trennen lautet: Livia. Der Name eines Kindes, das sie selbst nur aufgrund pränataler Kindsbewegungen in ihrem Körper kennt.

Der Leser ist nach nur wenigen Seiten in einer traurigen und belastenden Geschichte gefangen. Er lernt den Vater Tom in einer auch ihm unbekannten Umgebung kennen. Er hetzt durch die Gebäude und Gänge des Krankenhauses, zwischen der Frühgeborenen-Station und der Thorax-Intensivstation. Das Krankenhaus verlässt Tom nur mit seiner Tochter.

Zur Verarbeitung des Geschehenen und zur Erinnerung an eine erfüllte Vergangenheit mit seiner Freundin, schreibt Tom Malmquist im Namen seines Protagonisten Tom Malmquist einen Roman. Gegenwart und Erinnerung bekommen einen gleichrangigen Stellenwert. Erinnerungen an das Verliebtsein, an die Freuden und die Zweifel. „In jedem Augenblick unseres Lebens“ führt uns die Macht des Schicksals vor Augen und offenbart, dass wir trotz widriger Umstände jeden Moment unserer Existenz zu leben haben.

Das konsequente Auslassen von Anführungszeichen der wörtlichen Rede verstärkt die Machtlosigkeit während der tragischen Ereignisse. Worte und Situationen gehen ineinander über, drohen dem Leser zu entgleiten. Zeilen verschwimmen im Kummer, in Ohnmacht, und sind für Tom nicht in Worte zu fassen. Malmquist schreibt ein Buch, in dem das Überspringen einzelner Zeilen unverzichtbar scheint. Denn nur wer im kontinuierlichen Fluss der Dialoge gelegentlich den Überblick verliert, hat eine Ahnung über die Überforderung des Protagonisten und Vaters.

Zwischen all den Hürden und Anstrengungen, denen Tom ausgesetzt ist, erfährt der Leser eine Menge über Säuglinge Informationen, über die nur Eltern verfügen: Beispielsweise die korrekte Menge an Vitamin D, den Moro-Reflex oder Kindspech. Oder den besten Zeitpunkt zur Vaterschaftsanerkennung und der Einwilligung der Mutter zum geteilten Sorgerecht in seinem Fall leider zu spät, denn die Kindsmutter ist tot. „Was mich bei diesem Zirkus am meisten verletzt, ist die Tatsache, dass eine simple Heiratsurkunde, die man schon unterschreiben kann, wenn man sich nur eine Viertelstunde aus der Kneipe kennt, mehr zählt, als dass man zehn Jahre zusammen gelebt hat, ist eine Heiratsurkunde denn wichtiger als die Geschichte einer Familie?“ (S. 167)
Eine Bürokratie, die kaum auszuhalten ist!

Falsch liegt, wer hinter „In jeden Augenblick unseres Lebens“ einen tränentreibenden Trauerroman vermutet, denn dem Leser bleibt ebenso wenig Zeit zur Trauer, wie dem Protagonisten Tom. Wir sind zusammen mit ihm und der Bewältigung seiner Probleme so beschäftigt, dass wir dem Überlebenstrieb mehr folgen als uns in Larmoyanz zu ergeben.

Tom Malmquist
> In jedem Augenblick unseres Lebens
Roman
Aus dem Schwedischen von Gisela Kosubek (Orig.: I varje ögonblick är vi fortfarande vid liv)
1. Aufl. 2017, 301 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98312-8

Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2017 geht an Jan Snela

Freitag, 3. März 2017

Der mit 10.000 Euro dotierte Clemens Brentano Preis für Literatur der Stadt Heidelberg geht an Jan Snela. Er erhält den Preis für seinen Erzählband > Milchgesicht. Ein Bestiarium der Liebe“, Klett-Cotta Verlag, 2016.

Jan Snela, geboren 1980 in München, studierte Komparatistik, Slawistik und Rhetorik in München und Tübingen, wo er auch heute noch lebt. Seine Texte erschienen in Anthologien und Literaturzeitschriften und wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem gewann er den Open-Mike-Wettbewerb für junge Literatur. „Milchgesicht“ ist sein Debüt.

In der Jury-Begründung heißt es: „Jan Snela ist ein Meister der Sprache und Fabulierkunst. In ‚Milchgesicht. Ein Bestiarium der Liebe‘ schafft er artifizielle Worträume aus Sprachspiel und Sprachwitz. In dieser rhythmischen Wirklichkeit voller Wortkaskaden und Neuschöpfungen verflüchtigt sich für die Figuren zunehmend die Realität. Snelas verlorenen Helden bleibt nur, sich an Sprache aufzurichten und festzuhalten.“

> Nachgefragt: Jan Snela, Milchgesicht – 15. April 2016 von Heiner Wittmann

Der Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg wird seit 1993 jährlich im Wechsel in den Gattungen Lyrik, Erzählung, Essay und Roman an deutschsprachige Autorinnen und Autoren vergeben, die mit ihren Erstlingswerken bereits die Aufmerksamkeit der Kritiker und des Lesepublikums auf sich gelenkt haben. Der Preis ist deutschlandweit einmalig, die Jury ist mit professionellen Literaturkritikerinnen und -kritikernu und mit Studierenden des Germanistischen Seminars der Universität Heidelberg besetzt. Der Brentano-Preis-Jury gehören an: die Literaturkritikerin und Kulturjournalistin Claudia Kramatschek, die SWR-Redakteurin Annette Lennartz, der Heidelberger Literaturwissenschaftler und Editionsphilologe Prof. Dr. Roland Reuß, der Leiter des Hauses für Poesie, Berlin, Dr. Thomas Wohlfahrt, sowie die Germanistik-Studierenden der Universität Heidelberg Sophia Henninger, Eric Sasse und Karin Schlagbauer.

Die bisherigen Preisträger sind u. a. Thilo Krause, Saskia Hennig von Lange, Maximilian Probst, Philipp Schönthaler, Alexander Gumz, Sven Hillenkamp, Barbara Köhler, Gabriele Kögl und Günter Coufal.

Der Preis wird im Frühsommer durch Bürgermeister Dr. Joachim Gerner in Heidelberg an Jan Snela überreicht.

Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017

Donnerstag, 16. Februar 2017

Zwei Autoren aus dem Progamm von Klett-Cotta wurden für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 nominiert:

kronauer-scheik-aachen-110Brigitte Kronauer, > Der Scheik von Aachen. Roman, Klett-Cotta 2016: „Anita kommt zurück, findet bei dem Antiquitätenhändler Marzahn ein Anstellung. Und da ist noch Mario, der Bergsteiger in den Anita sehr verliebt ist. Die Gespräch mit Marzahn kreisen um Liebe zwischen Tragik und Lächerlichkeit. Und ihre Tante lauscht den Geschichten Anitas in Anlehnung an Wilhelm Hauffs Zyklus »Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven«,“ stand hier auf dem Blog: Lesebericht: Brigitte Kronauer, Der Scheik von Aachen. Roman (I).

Weiss, Autoritäre RevolteVolker Weiß legt mit einem Buch > Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes, Klett-Cotta 2017, eine Analyse des neuen rechten Denkens vor. Er stellt Akteure der rechtspopulistischen Bewegungen Pegida, AfD & Co mit ihren Strategien und Methoden vor. Wo kommen die Kader der neuen rechten Bewegungen her? Nationalistische Strömungen der Vergangenheit, die der Nationalsozialismus verdrängt hatte, kommen wieder an die Oberfläche. Wo sind die Übergänge von Konservativismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus? Er demaskiert die antiliberalen Phrasen der Rechten und erklärt, dass »Abendländer« und Islamisten in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung wie Waffenbrüder auftreten. Die Ergebnisse seines Buches zeigen die Dürftigkeit der neuen Bewegungen und rufen dazu auf, diesen neuen autoritären Strömungen und Zumutungen ganz entschieden entgegenzutreten.

Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017

> Brigitte Kronauer
> Der Scheik von Aachen
Roman
1. Aufl. 2016, 399 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98314-2

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes, Klett-Cotta 2017
1. Aufl. 2017, ca. 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Lesebericht: Kristina Pfister, Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten

Montag, 13. Februar 2017

pfister-dinosaurier-faltenKristina Pfister hat ihren ersten Roman geschrieben > Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten.

So eindringlich erzählt: Es geht Annika, die gelangweilt die Wände ihres Wohnheimes anstarrt. Einziger Kontakt, ihre Mutter: „Isst Du auch genug?“ Dann ist da noch ihr Fenster und der Blick auf das gegenüberliegende Zimmer, gleiches Wohnheim, alles gleich, nur spiegelverkehrt und immer voller Besucher. Eines Abends klingelt es bei Annika: Es ist Marie-Louise von gegenüber. Annika lädt sie zur Abschiedsparty ein. Marie-Louise zögert duscht erst mal und lässt sich ein zweites Mal bitten. Der viel Alkohol, der Zigarettenqualm, der Sprung vom Bungalowdach, Marie-Louise schläft bis ein Uhr nachmittags und will nur noch heim.

Wieder zu Hause. Zusammen mit Bruder und Mutter. Dann kommt die Szene im Wald. Eine Bank für Spaziergänger: „Ich saß da, mit angewinkelten Beinen und atmete.“ und „Ich stellte mir vor, wie ich mit der Bank verschmelzen würde…“ klar, die Autorin kennt Sartres Roquentin in La nausée dt. Der Ekel nur zu gut, wo der Held sich auf eine Bank unter einem Kastanienbaum niederlässt. Heute sagt man dazu, Bewußtseinsklärung oder Selbstfindungsprozess. „Et puis voilà: tout d’un coup, c’était là, c’était clair comme le jour: l’existence s’était soudain dévoilée. – Die Existenz war aufeinmal aufgedeckt. – Elle avait perdu son allure inoffensive de catégorie abstraite : c’était la pâte même des choses, cette racine était pétrie dans l’existence.“ Es geht um die Kontingenz, das Abolute „L’essentiel c’est la contingence. Je veux dire que, par définition, l’existence n’est pas la nécessité. Exister, c’est être là, simplement; les existants apparaissent, se laissent rencontrer, mais on ne peut jamais les déduire. Il y a des gens, je crois, qui ont compris ça. Seulement ils ont essayé de surmonter cette contingence en inventant un être nécessaire et cause de soi. Or, aucun être nécessaire ne peut expliquer l’existence – Keine Notwendigkeit kann die Existenz erklären – la contingence n’est pas un faux semblant, une apparence qu’on peut dissiper; c’est l’absolu, par conséquent la gratuité parfaite.“ Die Grundlosigkeit des Seins, aber die Existenz kommt vor der Essenz, man ist einfach nur da und hat alle Möglichkeiten/die Verantwortung, etwas aus sich zu machen: „… ich selbst war Teil einer Leinwand, mit der ich mich nicht identifizieren sollte… „: (S. 57) „Solitaire et solidaire,“ hatte Jonas in der gleichnamigen Erzählung von Albert Camus auf seine Leinwand geschrieben.

Das Messen mit den Freundinnen. „Anja holte mich ab wie, pünktlich wie früher.“ Die meisten sind erfolgreich. Erinnerungen an früher.

Im Krankenhaus trifft Annika zufällig Marie-Louise wieder, die ihren Londonbesuch abgebrochen hat, warum auch immer.

In der Bibliothek hat Annika einen Job gefunden. Marie-Louise nimmt sie in ihrem Auto mit. Rummelbesuch.

Ob Marie-Louise für Annika eine Hilfe ist? Bestimmt gibt sie ihr Halt, wobei nicht ausgemacht wer von beiden die Andere mehr braucht. Aber das ist ein Roman, der sich zum Durchlesen in einem Zug (wortwörtlich) wunderbar eignet. Literatur führt eine andere Realität vor. Manches kommt bekannt vor und beide holen zusammen diese Jahre oder Monate zwischen Ausbildung und Berufseinstieg nach, Abschied und Einstieg zugleich. Es ist nicht einfach, sich einen so guten Schreibtstil anzueignen, wörtliche Rede und kurze Beschreibungen wechseln miteinander ab, und die Handlung zieht den Leser zum pfister-dinosaurier-faltenMiterleben in die Geschichte mit hinein. Kristina Pfitzer hat ihren Roman geschrieben, um den Leser miterleben und an der Geschichte teilhaben zu lassen.

Kristina Pfister,
> Die Kunst, einen Dinosaurier zu falten1. Aufl. 2017, 253 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50159-9

Frühjahr 2017

Dienstag, 6. Dezember 2016

Das > Weihnachtsfest 2016 ist noch nicht gefeiert, das Jahresende liegt noch vor uns, da gibt es schon die Vorschauen für das Frühjahr 2017. Alles schon fertig, die Druckmaschinen arbeiten. Aber unsere Bücherstapel von der > Frankfurter Buchmesse sind noch nicht abgearbeitet. Noch sind einige Leseberichte nicht geschrieben, da ist die Versuchung schon groß, schon mal in den Vorschauen zu blättern, um nachzusehen, was uns das Frühjahr bieten wird: Leipziger Buchmesse! Sieben neue spannende Romane und eine Essayband von Ernst Jünger. Beren und Lúthien von J.R.R. Tolkien erscheint am 6.5.2017. Von Edgar Wolfrum erscheint am 11.2.2017 > Welt im Zwiespalt. Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts und Agnust Deatons > Der große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen steht am 14.1.2017 bei Ihrem Buchhändler. Und am 11. März wird > Die Psychoanalyse des Mädchens von Inge Seiffge-Krenke wird den Band von Hans Hopf, > Die Psychologie des Jungen im Fachbuchprogramm ergänzen.

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