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Nachgefragt: Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann, Mit Achtsamkeit in Führung

Donnerstag, 27. November 2014

„Paul Kothes und Nadja Rossmann ist es gelungen, einen weiten Bogen zu spannen und Achtsamkeit nicht nur als Methode, sondern als Schlüssel, als grundlegende Voraussetzung, als Haltung für konstruktive Veränderungen zu beschreiben. Achtsamkeit als eine Möglichkeit der Kultivierung von Wachheit und Präsenz – eine Brücke im Spannungsfeld zwischen den Werteräumen von Person, Unternehmen und Gesellschaft,“ schreibt Liane Stephan, Bergisch Gladbach, in ihrer lkangen Besprechung dieses Buches, die von Tom Levold auf dem Blog > Systemagazin – Online-Journal für systemische Entwicklungen unter dem Titel > Mit Achtsamkeit in Führung zitiert wird.

Unseren Bloglesern ist unser System bekannt. Erst der Lesebericht, so genannt, weil wir für die Bücher von Klett-Cotta natürlich hier keine Rezensionen schreiben, die stehen woanders. Und noch etwas. Rezensionen prüft man im Allgemeinen im Dialog mit dem Autor nicht nach. Das ist bei Leseberichten, die über die Lektüre berichten, ganz anders. Wir suchen den Kontakt mit dem Autor, damit hier ein Bericht mit dem Titel > Nachgefragt… hier folgen kann. Heute haben wir Paul J. Kohtes besucht und ihn nach seinem Buch > Mit Achtsamkeit in Führung, das er zusammen mit Nadja Rosmann verfasst hat. Der Band ist gerade in der Reihe > Fachbuch bei Klett-Cotta erschienen. Der Lesebericht zu > Mit Achtsamkeit in Führung steht auch bereits hier auf unserem Blog.

Führungskräfte sind ständig unterwegs, sind oft nicht zu sprechen, sie sind voll guter Vorsätze, oft im Stress, von der Routine getrieben, keine Zeit, sich selber mal zwei Minuten zu beobachten, ständig unter Strom, sich selbst den Sachzwängen unterwerfend, und wenn dann mal der Akku sich zum Ende neigt, suchen sie hektisch einen Coach, um die Dinge wieder auf die Reihe zu bekommen. Wir hätten da was für Sie,“ steht im Lesebericht. Wir haben Herrn Kohtes gefragt, ob Führungskräfte die Zielgruppe für das Buch sind?“

Die beiden Autoren untersuchen „im Kapitel “Unternehmenskultur und Wertehorizonte” die “Meditation im Spannungsfeld unternehmerischer Interessen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen”: S. 76-102. Dieses Kapitel bietet Stoff für ein eigenes Buch! Hier werden kurz gefasst interessante Anregungen gegeben, mit denen Organisationen betrachtet und analysiert werden können,“ steht auf dem Blog. Wir wollten wissen, welchen Erfahrungshintergrund bringen Herr Kohtes in das Buch mit ein? Für gestresste Manager und Führungskräfte schlagen er Meditation vor. Welche Art von Meditation meint er? Wir haben ihn auch gefragt, wie ist zu Meditation gekommen?

Auf dem Blog steht, “Bessere Konzentration, erhöhte Aufmerksamkeit, verringerte Stressresonanz”, – Meditation im Unternehmen, das klingt nach Verlangsamung, aber die Autoren haben doch sicherlich mehr im Blick?

Die Perspektiven der Meditation klingen verlocken: Unternehmen können “die äußeren Zwänge, die sie sich zu eigen gemacht haben, … durchschauen und wenn sich durch dieses Loslassen eine neues Gefühl der Freiheit einstellt, dann eröffnen sich Möglichkeiten, die vorher nicht absehbar waren.” (S. 17) Meditation soll auch Veränderungsprozesse einleiten und begleiten?

Die Autoren stellen einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung von Aufmerksamkeitsspraktiken vor: S. 20-33. Im Kapitel “Wirkungen von Meditation aus Sicht der Wissenschaft” werden Konzentration, Achtsamkeit und Stressmanagemnt im Zusammenhang mit der Vermeidung von Krankheitsbildern erläutert: Besser Selbsterkenntnis und die Kultivierung positiver Gefühle (S. 41) stehen dabei im Vordergrund. Wie funktioniert das?

Wir haben im Lesebericht geschrieben, „Meditation kann nicht einfach so eingeführt werden, indem man die Mitarbeiter auf ein Fortbildungsseminar schickt. Zuerst muss man sich das Unternehmen, seine Strukturen – seine Unternehmenskultur ansehen.“ Korrekt?

Auf unserem Blog: „Neue Gedanken sind bloß ärgerlicher Sand im Getriebe der täglich so erfolgreichen Routine, die Mitarbeiter mit neuen Vorschlägen nicht stören oder aufhalten dürfen. Diffuse Angst ist auf beiden Seiten vorhanden, und vielleicht umso mehr, je stärker und festgefügter eine Organisation hierarchisiert ist.“ – Ist die Meditation ein Weg, solche Verkrustungen aufzulösen?

Auf dem Blog steht im Lesebericht: „Am besten machen Führungskräfte den Anfang und denken unter Anleitung über die Entwicklung ihrer Unternehmenskultur nach. Kein tagelanges Durchleuchten der Organisation mit externen teuren Beratern. Die Meditation verordnet ein Innehalten, schafft Freiräume, selber einen anderen Blick auf die eigene Organisation zu entwickeln, das ist kurzgefasst die Botschaft von Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann.“ Ist das so richtig wiedergegeben?

Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann
> Mit Achtsamkeit in Führung
Was Meditation für Unternehmen bringt. Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Best Practises
1. Aufl. 2014, 276 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94865-3

Lesebericht: Arno Gruen, Wider den Gehorsam

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Dieses Buch müssen Sie ständig mitführen, solange bis alle um Sie herum gefragt haben, wo haben Sie denn das her?

> Arno Gruen hat einen bemerkenswerten Essay verfasst: > Wider den Gehorsam: „Die Angst ungehorsam zu sein, führt dazu, sich dem Unterdrücker unterzuordnen,“ (S. 9) so lautet der Schlüsselsatz im Prolog, der die Idee zu diesem Buch in einem markanten Satz zusammenfasst. Gruen ist ein Aufklärer: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ schrieb Kant 1784 und Pico della Mirandola (1463–1494) ließ Gott nichts Anderes sagen: > De hominis dignitate / Über die Würde des Menschen (posthum 1496, Übertragung: D. Becker): «Dir, Adam, habe ich keinen bestimmten Ort, kein eigenes Aussehen und keinen besonderen Vorzug verliehen, damit du den Ort, das Aussehen und die Vorzüge, die du dir wünschest, nach eigenem Beschluss und Ratschlag dir erwirbst. Die begrenzte Natur der anderen ist in Gesetzen enthalten, die ich vorgeschrieben habe. Von keinen Schranken eingeengt sollst du deine eigene Natur selbst bestimmen nach deinem Willen, dessen Macht ich dir überlassen habe. Ich stellte dich in die Mitte der Welt, damit du von dort aus alles, was ringsum ist, besser überschaust. Ich erschuf dich weder himmlisch noch irdisch, weder sterblich noch unsterblich, damit du als dein eigener, gleichsam freier, unumschränkter Baumeister dich selbst in der von dir gewählten Form aufbaust und gestaltest. Du kannst nach unten in den Tierwesen entarten; du kannst nach oben, deinem eigenen Willen folgend, im Göttlichen neu erstehen.»

Gruen erinnnert daran, dass das Bedürfnis nach Gehorsam ein „grundlegender Aspekt unserer Kultur ist“ (S. 10). Die Furcht vor dem Ungehorsam begleitet uns schon in der Kindheit. Und Gruens Essays passt irgendwie auf alle Biographien seiner Leser. Macht entsteht durch die Angst, nicht wohlzutun. Ob das eine der Erklärungen ist, wie es zu dem Desaster des Dritten Reichs kommen konnte? vgl. S. 14 f., S. 31 ff., S. 39 ff. S. 69 Der terrorisierte Mensch hat eine Tendenz, sich mit seinem Peiniger zu identifizieren, in der Hoffnung sich selber retten zu können, schreibt Gruen auf S. 16. In der Kindheit ist das schon angelegt und äußert sich in der Angst davor, der Erzieher könne verstimmt sein.


„Die Vielfalt bei Klett-Cotta erstaunt mich immer wieder, und sie treibt diesen Blog am besten an. Kaum war ich mit der Lektüre des Romans von Jonathan Littell fertig, kam die Biographie über > Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität dran. Sie lag auf meinem Bücherlesestapel ganz oben – …“ Weiterlesen
Monika Schiffer
> Arno Gruen. Jenseits des Wahnsinns der Normalität – Biografie
ca. 50 sw-Abbildungen
180 S., ISBN: 978-3-608-94449-5


Demokratie stärken, so lautet Gruens These, heißt die Umstände und die Gründe für „kritiklosen, blinden Gehorsam“ (S. 21) offenzulegen. Kindererziehung soll zur Selbständigkeit führen. Beobachten Sie Mütter und Väter z. B. im Zug oder in der S-Bahn, wie viele Hinweise, Verbote, Ermahnungen, Aufforderungen etc. muss sich der Nachwuchs ständig anhören. Was sagte noch > Jean-Jaques Rousseau? Der erste Satz seines Romans Émile ou de l’éducation lautet: „Tout est bien, sortant des mains de l’Auteur des choses ; tout dégénère entre les mains de l’homme.“ Er wollte, dass man den Zögling beobachtet und den „Émile“ liest, um daraus Schlüsse zu ziehen: „Man müsste, um ihn zu beurteilen, ihn ganz geformt sehen, man sollte seine Neigungen beobachten, seine Fortschritte sehen und seinem Gang folgen, in einem Wort, man sollte den einfachen Menschen in ihm erkennen. Man wird einige Schritte in diese Richtung tun, wenn man diese Schrift gelesen haben wird.“ „Il faudroit, pour en juger, le voir tout formé ; il faudroit avoir observé ses penchants, vu ses progrès, suivi sa marche ; il faudroit, en un mot, connaître l’homme naturel. Je crois qu’on aura fait quelques pas dans ces recherches après avoir lu cet écrit.“ Rousseau möchte seinen Zögling zur Selbständigkeit erziehen.

Was ist aber, wenn der Erzieher diese Selbständigkeit nicht im Auge hat?

Wie kommt es zu dem Kadavergehorsam? Das Sein der Eltern zum Eigenen machen, ist eine Tendenz, die Gruen mit der Erinnerung an Klaus Barbie, „der Gestapo-Schlächter von Lyon“ illustriert. Beim Verhör hatte Barbie gesagt: „Als ich Jean Moulin vernahm, hatte ich das Gefühl, dass er ich selber war.“ (S. 40) Der Schlächter tut das Unheil seinem verworfenen Selbst an, erklärt Gruen und meint damit der Feind im Anderen ist in uns selber. (vgl. S. 40) Es ist der Selbstwertlust des Kindes, den Gruen anklagt. (S. 44) Hass und Unterdrückung werden nicht gegen den Unterdrücker gerichtet, sondern an Andere weitergegeben. Ein Hinweis darauf, wie Macht funktioniert. Es ist nicht einfach, autonom, eigenständig authentisch (vgl. S. 48) zu werden.

Finden wir aus diesem Gehorsam? Wie kann die Anpassung überwunden werden? Schon 1932 beschrieb Ferenczi die Umwidmung von Angst und Terror in eine Scheingeborgenheit (S. 69) Geschichte erinnert immer wieder an die Taten der Großen, und wie Menschen die Verantwortung für sich selbst aufgeben verlieren oder sie ihnen einfach genommen wird: „Der Verlust des Selbst steht in einem engen Zusammenhang mit unseren politischen und gesellschaftlichen Problemen,“ lautet Gruens Fazit.

Wie oft und überall finden wir Situationen, in denen uns Meinung und Handlungen vorgeschrieben werden, die wir wider besseres Wissen nur ausführen, weil wir zu bequem sind, Konflikte auszutragen, unsere Meinung wohlbegründet zu artikulieren.

Empathie gibt es auch in der Politik und Gruen erinnert an Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt, Willy Brandt oder Olaf Palme. > Riace ist die reale Utopie, die Gruen im Auge hat.

Haben Sie das Buch schon? Passt in jedes Notizbuch. Sollte immer wieder mal auf dem Tisch liegen, Anlässe es als Programm vorzuzeigen oder es einfach nur sehen zu lassen, gibt es ständig.

> Arno Gruen
> Wider den Gehorsam
3. Aufl. 2014, 97 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94891-2

Jetzt wird das nächste Buch gelesen:

Lesebericht: Paul J. Kohtes / Nadja Rosmann,
Mit Achtsamkeit in Führung

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Führungskräfte sind ständig unterwegs, sind oft nicht zu sprechen, sie sind voll guter Vorsätze, oft im Stress, von der Routine getrieben, keine Zeit, sich selber mal zwei Minuten zu beobachten, ständig unter Strom, sich selbst den Sachzwängen unterwerfend, und wenn dann mal der Akku sich zum Ende neigt, suchen sie hektisch einen Coach, um die Dinge wieder auf die Reihe zu bekommen.

Wir hätten da was für Sie.

Der erste flüchtige Blick auf das Cover ließ uns Mediation lesen… Dazu passte das Bild aber gar nicht. Nein, der Untertitel des Bandes von Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann > Mit Achtsamkeit in Führung lautet „Was Meditation für Unternehmen bringt. Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Best Practises“. Um Meditation geht es, die in der Geschäftswelt auch „Achtsamkeit“ (vgl. S. 15) genannt wird. Meditation? Sich hinsetzen oder irgendwo entlang gehen und sonst gar nichts tun? Das passt nun überhaupt nicht zu modernen Bildschirmarbeitsplätzen, wo der Blick stets in die Ferne des Internets oder auf umfangreiche Zahlenkolonnen gerichtet sind, die dort ständig defilieren und permanent die vielen Workflows des Unternehmens dokumentieren. Da schickt es sich einfach nicht, mal einen Moment gar nichts zu tun. Was wird man dabei alles verpassen, und außerdem könnten einen die Kollegen sehen oder gar der Vorgesetzte.

„Bessere Konzentration, erhöhte Aufmerksamkeit, verringerte Stressresonanz“, darum geht es in dem Buch von Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann. Und damit werden Führungskräfte angesprochen. Ihnen wird vorgeschlagen, mal einen Moment innezuhalten und dieses Buch aufzuschlagen und dabei einen Moment darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn ihr Unternehmen einmal über das Thema Meditation nachdenken würde. Die Perspektiven der Meditation klingen verlocken: Unternehmen können „die äußeren Zwänge, die sie sich zu eigen gemacht haben, … durchschauen und wenn sich durch dieses Loslassen eine neues Gefühl der Freiheit einstellt, dann eröffnen sich Möglichkeiten, die vorher nicht absehbar waren.“ (S. 17) Ohne Meditation heißt das Change Management und man beauftragt gerne teure Berater dafür.

Die beiden Autoren stellen einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung von Aufmerksamkeitsspraktiken vor: S. 20-33. Im Kapitel „Wirkungen von Meditation aus Sicht der Wissenschaft“ werden Konzentration, Achtsamkeit und Stressmanagemnt im Zusammenhang mit der Vermeidung von Krankheitsbildern erläutert: Besser Selbsterkenntnis und die Kultivierung positiver Gefühle (S. 41) stehen dabei im Vordergrund. Wie funktioniert das? Die Meditation hilft dem Einzelnen persönliche Erfahrungen zu relativieren und als veränderbar wahrzunehmen. Es gibt Abteilungen in Unternehmen, die jahraus jahrein vom Rhythmus des Kalenders sich treiben lassen, ohne sich von derartigen Konditionierungen lösen zu können: „Achtsamkeitspraktiken stimulieren die Fähigkeit des Gehirns, neue Synapsen zu bilden und Neuronen zu generieren,“ (S. 40) das heißt, Neues das Führungskräfte motiviert und sich besser entfalten lässt, bedarf eines Anstoßes, eines Kicks, der „Wahrnehmungs- und Handlungsfreiheit“ (S. 41) erfordert.

Meditation kann nicht einfach so eingeführt werden, indem man die Mitarbeiter auf ein Fortbildungsseminar schickt. Zuerst muss man sich das Unternehmen, seine Strukturen – seine Unternehmenskultur ansehen. Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann untersuchen daher im Kapitel „Unternehmenskultur und Wertehorizonte“ die „Meditation im Spannungsfeld unternehmerischer Interessen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen“: S. 76-102. Fast ein eigenes Buch! Hier werden kurzgefasst interessante Anregungen gegeben, mit denen Organisationen betrachtet und analysiert werden können. Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann erklären die Unterschiede zwischen traditioneller Unternehmenskultur mit ihrer ausgeprägten Statushierarchie, die oft immer weiter ausgebaut wird, auch wenn flache Hierarchien als nützlich und wertvoll bereits anerkannt worden sind, und moderner Unternehmenskultur, die Individuen gerne fördert aber auch die Entwicklung zum Einzelkämpfer und die „Tendenz zur Selbstüberschätzung“ begünstigt. (vgl. S. 83). Behutsam zeigen die Autoren, wie Fehlentwicklungen in festgefahrenen Unternehmenskulturen durch Meditation korrigiert oder positiv beeinflusst werden können. Es geht um neue Formen der „Integrationsfähigkeit“ (S. 87).

Wie entdeckt man die Widersprüche in Organisationen? „Meditation lässt Menschen genauer hinsehen, sich selbst und die eigenen Motivationen klarer erkennen und die Außenwelt schärfer wahrnehmen,“ (S. 101) lautet die Empfehlung der beiden Autoren. Das ist wie in der Literatur, wenn die Dinge beim Namen genannt werden, verlieren sie ihre Unschuld, der Leser betrachtet sie sofort unter einem anderen Licht, und so beginnt jeder Veränderungsprozess, erklärt Sartre in Was ist Literatur? (1947). In diesem Buch sagt er auch: „Il faut appeler un chat un chat“, man muss die Dinge bei ihrem Namen nennen. Das ist oft schwierig und viele trauen sich nicht,
> Wider den Gehorsam zu handeln. Das haben wir schon immer so gemacht, und neue Gedanken sind bloß ärgerlicher Sand im Getriebe der täglich so erfolgreichen Routine, die Mitarbeiter mit neuen Vorschlägen nicht stören oder aufhalten dürfen. Diffuse Angst ist auf beiden Seiten vorhanden, und vielleicht umso mehr, je stärker und festgefügter eine Organisation hierarchisiert ist. Am besten machen Führungskräfte den Anfang und denken unter Anleitung über die Entwicklung ihrer Unternehmenskultur nach. Kein tagelanges Durchleuchten der Organisation mit externen teuren Beratern. Die Meditation verordnet ein Innehalten, schafft Freiräume, selber einen anderen Blick auf die eigene Organisation zu entwickeln, das ist kurzgefasst die Botschaft von Paul J. Kohtes und Nadja Rosmann. Leistungshemmnisse wie Stress und ständigen Zeitmangel abbauen und im Unternehmen ein neues Miteinander zu entdecken, darum geht es.

Wendet man sich der Meditation zu: „Damit geraten zwangsläufig Bereiche in den Blick, die im Geschäftsleben bisweilen knapp unterhalb der Wahrnehmungsschwelle verbleiben, beispielsweise die latente Spannung zwischen privaten und unternehmerischen Direktiven,“ (S. 101) kommentieren beide Autoren. Für beide ist Meditation ein Master-Tool, „das eines mit Sicherheit bewirkt: den Schleier der Vorstellungen, die wir darüber haben, wie die Welt ist beziehungsweise, wie sie sein muss, zu lüften.“ (S. 103)

Es folgen Szenarien, wie Meditation in Unternehmen eingeführt werden kann. In einem 2. Teil werden Best practices vorgestellt: Beratungsunternehmen, die Firmen und Organisationen auf dem Weg in eine erfolgreiche Meditation begleiten.

Paul J. Kohtes, Nadja Rosmann
> Mit Achtsamkeit in Führung
Was Meditation für Unternehmen bringt. Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Best Practises
1. Aufl. 2014, 276 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94865-3

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