Verlagsblog

Archiv für die Kategorie 'Musik'

Buchpremiere:
Johanna Dombois und Richard Klein
Richard Wagner und seine Medien

Mittwoch, 6. Februar 2013

Am Sonntag, 3. Februar 2013 lud der Verlag Klett-Cotta zur Buchpremiere im Foyer im ersten Stock der Stuttgarter Oper: > Richard Wagner und die Medien. Für eine kritische Praxis des Musiktheaters. Was für ein gediegener Rahmen für dieses großartige Buch. Fadenheftung, 50 meist farbige Abbildungen! Ausgehend von „Richard Wagner und seinen Medien“ wird in diesem Buch auf sehr informative und kritische Art die Praxis des Musiktheaters untersucht.

In der Oper begrüßte der Lektor des Buches, Thomas Kleffner, die Gäste. Die Leitung des Gesprächs übernahm Sergio Morabito.

In diesem Buch lernt man eine ganze Menge über Medien. Wenn heute Studenten sagen, sie möchten später mal „was mit Medien“ machen, sollten sie unbedingt dieses Buch lesen. Zum einen wird hier erklärt, was Medien sind, und an konkreten Musikbeispielen wird dargelegt, was Medien vermitteln können. Die Einleitung der beiden Autoren (S. IX-XIX) macht unmissverständlich klar, dass es in diesem Buch um viel mehr als nur Wagner geht. Jemand sagte mir, er habe es nicht so mit Wagner, als ich ihm das Buch zeigte. Würde er diese kleine Hürde überwinden, hätte er es hinterher umso stärker mit den Medien und wahrscheinlich obendrein auch noch erst recht sogar heftig mit Wagner. Ich gebe zu, im Buchladen wäre ich vielleicht auch (an der Dicke) dieses Buches vorbeigelaufen, obwohl das Cover richtig gut gelungen ist: Ein Blick in die Technik und in die Oper. Diese Kombination macht neugierig. Da sich dieser Blog vorgenommen hat über neu erschienene Bücher von Klett-Cotta zu berichten und dieses Buch endlich geöffnet vor mir liegt, wird klar, wie gut es den beiden Autoren gelingt, ihre Leser in ihren Bann zu ziehen. „Besonders die ‚Neuen Medien‘ sind für ein zeitgemäßes Wagnerverständnis wichtig, doch nicht alles kann sich um sie drehen. Eher darum, den Stellenwert des Neuen verständlich zu machen, indem wir die „alten Medien analytisch im Blick halten,“ (S. X) schreiben Dombois und Klein. Ein Buch macht sich seine Leser, sie müssen es erst nur erst mal aufschlagen

Und dann geht es richtig los. Lehnen Sie sich zurück. Sie sitzen in der ersten Reihe. 1. Kapitel „Encore: Das Lied der unreinen Gattung. Zum Regietheater in der Oper:“ „Keine Oper kann dem Konflikt zwischen Realismus und Theater ausweichen.“ (S. 9) – Auch wenn ich pro Kapitel einen Satz nur zitiere oder zusammenfasse, bin ich heute Abend noch nicht fertig. Da wird der Blog zum Ring. Dann rezensiert Johanna Dombois Ulrich Schreibers letzten Streich den Opernführer für Fortgeschrittene im 399. Jahr des Bestehens der Oper. Richard Klein berichtet über Carl Dahlhaus oder die Musikwissenschaft im Clinch mit dem Musiktheater. „Kein Schwank“ aus der Feder von J. Dombois erläutert, was heute Kommunikation ist. Danach erklärt sie die „Szenographie des Wagner-Vorhangs“: „Das Auge, das sich wechselnd öffnet und schießt.“ Danach geht es um „Die ‚complicirte Ruhe’Schlaf als Struktur in Wagners Theater“, worüber bisher kaum oder nichts geschrieben wurde. Richard Klein berichtet über das Vorspiel zu Rheingold Raumkonstruktionen.

Johanna Dombois

Johanna Dombois und Richard Klein bringen die Themen zusammen, die bei Wagner zusammengehören, in der Interpretation aber meist getrennt werden: Schrift, Musik und Theater. In 23 Beiträgen wird Wagners Werk als Modell für ein Musiktheater von heute entfaltet, in dem alte Wahrheiten wie Neue Technologien ihren Platz finden. Die Bandbreite der sprachlichen Formen – philosophische Abhandlung und Künstlertext, Essay und Manual, Dramolett, Rezension und Gespräch – steht dabei für das »Experimentelle im Repertoire« und ein Theater der Medien, das einmal keinen ruinösen Widerspruch zur Tradition der Werke bildet. Überall werden Einblicke in den inszenatorischen Alltag mit ästhetisch-politischer Kritik verzahnt. So formiert sich auf der Grundlage von Wagners Musiktheater eine Neubestimmung der Oper. Besonders empfehlenswerte Lektüre ist das Kapitel: J. Dombois: Wagner und die Neuen Medien. Zehn Thesen, S. 424-447. Ein Gespräch mit der Autorin, das per Video aufgezeichnet wird, ist für Mitte März verabredet. Wir sehen uns dann hier auf dem Blog wieder?

Richard Klein

Die „Klangdramturgie“ (S. 147-156) kommt nicht zu kurz. Klein erzählt auch über Wotan und analysiert dann „Die Tragödie der Zeit und das Problem des Politischen im Ring„. Auch einzelne Akte wie der III. Akt der Götterdämmerung. Ein bisschen unumgängliche Theorie, aber auch ein enorm profundes Wissen über die Aufführungspraxis zeichnet die Beiträge dieses Bandes aus, das beide Autoren bei der Besprechung und Bewertung vieler einzelner Szenen so eindrucksvoll zeigen. Wie kann man heute den Ring inszenieren? „Nach all den Jahren, Reden, Texten Proben ist eines klar: Der Ring lässt sich nicht mehr aus einem einheitlichen Gesamtkonzept heraus entwickeln.“ (S. 281), da wird Dombois ganz formell: „Opus magnum / Opera minima“. Dann folgt „Das Fließwerk und der Tod“, Klein erinnert an Schlingensief in Bayreuth. Klein bespricht danach Marc A. Werners „Antisemitische Fantasien. Die Musikdramen Richard Wagners“, Berlin 2000.

Schaulust, und Applaus gehört auch zur Oper: „Die grausame Gunst des Applaus“ hat Dombois ihren Beitrag genannt. Bis zum Ende des zweiten Teils hat er Leser genügend Material und Information bekommen, um den folgenden Teil über die Zusammenhänge von alten und die Neuen Medien sachgerecht einschätzen zu können. Klein legt einen Thesaurus der Träume Richard Wagners vor, und Dombois führt „Neue Technologien im klassischen Musiktheater“ unter dem Titel Scheinschwangerschaften vor: „IV. Technik ist Entbergung und Entbergung ist Kunst“. (S. 382 ff) Dann R. Klein: „Wagners Medientechnologie – wie Friedrich Kittler sie sieht“: (Literaturhaus Stuttgart, 31.05.06, 20.00 Uhr > Liebe romantisch Friedrich Kittler Veranstaltungsreihe: Romantik. Vortrag. Fotos Heiner Wittmann)

Meine Zusammenfassung dieses Buches? Auf in die Oper.

Johanna Dombois ist Opernregisseurin; seit 1995 experimentelles Musiktheater und Medienkunst u.a. am Musiktheater Amsterdam, Akademie der Künste Berlin, Semperoper Dresden, ZKM Karlsruhe. 2001-05 Künstlerische Leiterin der »Bühne für Musikvisualisierung« des Beethoven-Hauses Bonn.

Richard Klein ist freier Autor, Musikphilosoph; Herausgeber der Zeitschrift »Musik & Ästhetik« (Klett-Cotta), 1998-2001 wissenschaftlicher Beirat beim »Stuttgarter Ring«, Bücher u. a. zu Wagner, Adorno und Bob Dylan.

Johanna Dombois Richard Klein
> Richard Wagner und die Medien. Für eine kritische Praxis des Musiktheaters
1. Aufl. 2012, 531 Seiten, Klappenbroschur mit Fadenheftung und Goldprägung, 50 farbige und s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94740-3

Die aktuelle Lektüre:
Wagner und Verdi. Zwei Europäer im 19. Jahrhundert

Sonntag, 9. Dezember 2012

Von > Eberhard Straub ist in diesem Herbst die Doppelbiographie > Wagner und Verdi. Zwei Europäer im 19. Jahrhundert erschienen, deren Lektüre im Augenblick durch die Rallye der Jahresendzeittermine leider dauernd unterbrochen wird.

Jubiläumsjahre sind immer besondere Anlässe. > Albert Camus wurde 1913 geboren. Am 19. März 1813 wurde David Livingstone geboren. Am 20. 1. 2013 jährt sich der Todestag von Chrstoph Martin Wieland zum 200. Mal. Und 2013 wird auch zum 200. Mal der Geburtstage von Richard Wagner (*22. Mai 1813) und Giuseppe Verdi( *10. Oktober 1813) gedacht. Beide haben auf ihre Weise das Genre der Oper revolutioniert und auf neue Höhen geführt. Ihre Lebenswege führen uns nach Leipzig und Dresden, Mailand, Wien, Bologna, Bayreuth, Venedig und vor allem auch nach Paris. Eberhard Straub ist neben der Doppelbiographie ein faszinierender Einblick in das Musikleben in der Zeit der beiden Komponisten gelungen. Zum Beispiel den Einfluss der Musik als gemeinsame „Sprache“ auf zerrissene Italien vor der seiner Einigung 1861. Straub deutet die Vorlagen für ihre Opern und erklärt, wie bei das Musiktheater auf seitdem unerreichte Höhen geführt haben.

Der Lesebericht folgt hier in einigen Tagen. Das Gespräch mit dem Autor > Nachgefragt, ist schon verabredet, es fehlt noch der Termin.

> Eberhard Straub
> Wagner und Verdi
Zwei Europäer im 19. Jahrhundert

1. Aufl. 2012, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 8-seitiger Tafelteil mit s/w und farb. Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94612-3

Buchvorstellung: Ralph Bollmann, Walküre in Detmold

Freitag, 22. Juli 2011


Am Montag 25. Juli um 20 Uhr stellt Ralph Bollmann sein Buch > Walküre in Detmold Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz im > Stuttgarter Literaturhaus vor.

Bollmann nimmt uns mit auf eine Bildungsreise einer ganz besonderen Art: Er lehrt uns das Staunen angesichts eines Provinznests, das den den ganzen »Ring« auf die Bühne stellt. Über achtzig feste Opernensembles gibt es in Deutschland, fast so viele wie im gesamten Rest der Welt. In München, Dresden, Detmold und Cottbus. Ralph Bollmann ist zwölf Jahre lang überall zu Opern gereist. In Meiningen hat er Tosca gesehen und in Plauen sah er Lohengrin, und Ulm hat Salome gezeigt. 81 Orte, 84 Opern: Eine Reise durch eine bedrohte Kulturnation?

Im Stuttgarter Literaturhaus wird an diesem Abend auch der Band von Albrecht Puhlmann „Staatsoper Stuttgart 2006-2011 – Kristallisationen“ (avedition) vorgestellt.

Ralph Bollmann
Walküre in Detmold Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz
1. Aufl. 2011, 285 Seiten,gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-94621-5

Stuttgarter Literaturhaus, 23. März 2011:
Zülfü Livaneli, Der Roman meines Lebens

Freitag, 18. Februar 2011

Zülfü Livanelli wird am Mittwoch, 23. März 2011 um 20 Uhr im Stuttgarter Literaturhaus aus seinem neuen Buch Roman meines Lebens. Ein Europäer vom Bosporus lesen. Zülfü Livanelis ganzes Leben ist geprägt von den Spannungen der türkischen Gesellschaft. Sein Berufsstart als Verleger in Ankara ist mit mit dem Militärputsch 1971 zu Ende. Er wird verhaftet, aber ihm gelingt gelingt ihm eine abenteuerliche Flucht nach Schweden. Im fünfjährigen Exil entwickelt er sich trotz Aufführungsverbot zu einem der beliebtesten Liedermacher der Türkei. Nach seiner triumphalen Rückkehr setzt er sich für die Kurden und die griechisch-türkische Aussöhnung ein und ist einige Jahre Abgeordneter. Sänger, Filmregisseur und Romancier in einer Person.

< Zülfü Livaneli am 20.1.2011 im > Stuttgarter Literaturhaus.

Zülfü Livanelli,
Roman meines Lebens. Ein Europäer vom Bosporus
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier (Orig.: Sevdalim Hayat)
1. Aufl. 2011, 364 Seiten,
ISBN: 978-3-608-93895-1


Zülü Livanelis grandiose Art, einen ganzen Saal in Schwingungen und beben zu versetzen zeigte er am 23.10.08 im > Stuttgarter Literaturhaus, anlässlich seines Konzertes und seiner Lesung aus seinem Roman > Glückseligkeit (Einführung: Claudia Roth, Musik: Jocelyn B. & Band Smith). Das war ein eindrucksvoller Abend! Alles alle Anwesenden in den Refrain seiner Lieder einfielen! Was war das für eine Stimmung! Hier auf dem Blog: > Sternstunde im Literaturhaus: Zülfü Livaneli sang für Stuttgart

Nachgefragt: > Ein Gespräch mit Zülfü Livaneli, Glückseligkeit

Der Lesebericht auf diesem Blog: > Glückseligkeit

Lesebericht: Die Beatles und die Philosophie

Mittwoch, 28. April 2010

Im Frühjahr ist bei Tropen der Band > Die Beatles und die Philosophie und dem Untertitel Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten, erschienen, den Michael Baur und Steven Baur herausgegeben haben und der von Susanne Held und Christoph Trunk übersetzt worden ist. Welch ein Lesevergnügen! Schon bei den ersten Kapiteln bin ich wieder im alten Partykeller und höre die Songs der Beatles „A Day In the Life“, „A Hard Day’s Night“, „Don’t Let Me Down“, „Fixing a Hole“, „I’ve Got A Feeling“, „Mr. Moonlight“, „Strawberry Fields Forever“, „Yellow Submarine“, und so viele andere. Dann nach etwa 80 Seiten hielt ich es doch nicht mehr aus und holte mir dem Zeitalter gemäß die CDs mit den Beatles-Songs, die ich aus Nostalgie schon vor einigen Jahren gekauft hatte.

Die Frage, ob Philosophen über die Beatles schreiben können, braucht gar nicht gestellt zu werden. Und ob sie das können. Alle Autoren dieses Bandes ist es wunderbar gelungen, die Ohrwürmer von damals zu entschlüsseln und dabei einen spannenden Aus- und Einblick in die Philosophie zu vermitteln. David Detmer hat den Skeptizismus und die Erkenntnistheorie bei den Beatles untersucht. Es geht in vielen ihrer Songs um Wissen und Erkenntnis, genau genommen um die Frage, wie Wissen erlangt wird. Grund genug, dass ein Epistemologe, der einen Hauptzweig der Philosophie vertritt, sich die Liedtexte der Beatles genauer ansehen sollte: „I’m a Loser“, die Dinge sind manchmal nicht so, wie sie scheinen. Es geht auch um die Selbsttäuschung: „Nowhere Man“, der nur sieht, was er will. Michael Baur untersucht den idealistischen Monismus in Zusammenhang mit den Beatles. Der Monismus will den Zusammenhang von Allem mit einem großen Ganzen zeigen. Baur geht aber hier über sein Thema hinaus und erklärt Zusammenhänge zwischen der Popkultur und der Philosophie. Das ist spannend, weil er gleichzeitig Parallelen zu anderen Themen der Beatles herstellt und immer wieder ihre Songs als Belege für seine Ausführungen nennt. DIe Verbundenheit aller Dinge kommt z. B. in „All you Need is Love“ zum Ausdruck.

Hegel, Liebe und Gemeinschaft ist das Thema von Jacob M. Held: „I am a Walrus“:“Ich bin hier und du bist hier, und du bist ich und wir sind alle zusammen, bringt hier die Liebe auf den Punkt. Peggy J. Bowers hat „She’s a Woman“ wiedergehört und hat sich die Beatles und die feministische Ethik der Fürsorge angesehen. Notieren Sie sich die philosophischen Begriffe, die in diesem Buch genannt werden, und Sie haben nach der Lektüre den Index eines Philosophie-Lehrbuchs vor sich liegen. Oder andersherum, die Autoren dieses Buches schieben Ihnen ganz nebenbei, während Sie sich beim Lesen an die Songs der Beatles erinnern, ein Lehrbuch der Philosophie unter. Das machen sie ganz unaufdringlich und sehr geschickt. Sie ertappen sich dabei, gerne mehr über die Philosophie wissen zu wollen. Hegel, Schelling, Nietzsche, Heidegger, Sartre u.a. Philosophen kommen vor und ergänzen mit ihren Gedankengebäuden die Lebendigkeit der Beatle-Texte. Die > Beatles-Songs – das waren Zeiten! – und die Philosophie verweisen beide aufeinander. Nebenbei erzählt Peggy J. Bowers, wie sich die Beatles Ende der 50er Jahre zusammengefunden haben. Sie erzählt von dem „prickelnden Lebensgefühl“: „Here comes the Sun“, und wie George sich an seine Freundin wendet: „Liebling, das Lächeln kehrt auf ihre Gesichter zurück. Liebling, es war doch jahrelang verschwunden. Hier kommt die Sonne. Hier kommt die Sonne. Alles ist gut.“ Aber ihre Liedtexte erzählen auch von Gleichgültigkeit und bemerken sehr wohl das Nebeneinander in den sozialen Beziehungen: „I’m looking through you“.

Dann kommt die Sozialphilosophie dran. Scott Calef untersucht die Kritik der Beatles an der Konsumkultur „You Say that You’ve Got Eyerything You Want“. Im Rauch des Konsums geht die Solidarität verloren. Die Beatles setzen diesem Verlust Ihr „Come together“ entgegen oder „Getting better oder auch „I’m fixing a Hole“. Steven Baur hat einen interessanten Beitrag über Karl Marx und die Beatles verfasst. Marx ist es auch, der als einziger Philosoph es auf ein Cover der Beatles geschafft hat: Sergeants Pepper’s Lonley Harts Club Band: „We all want to Change your Head.“ Oder sie melden sich mit „I’m Only Sleeping“ zu Wort, um der pausenlosen Geschäftigkeit einen Ruhepool entgegenzusetzen.

Und dann das großartige Kapitel über die Existenzphilosophie: „Think for Yourself“. Michel H. Hoffheimer und Joseph A. Hoffheimer über George zu Sein und Etwas: „A Day in Life“ und die Parallelen zur Philosophie > Jean-Paul Sartres steht hier im Mittelpunkt. „Savoy Truffle“ schriebt George 1968 und behauptet „Man ist, was man isst.“ Und der Autodidakt sagt zu Roquentin in La Nausée (1938): „Das Leben hat den Sinn, den sie ihm geben.“ Die Unaufrichtigkeit, die Sartre 1943 in L’être et le néant
definiert, wird von ihm mit einem Beispiel illustriert: Eine Frau lässt sich verführen tut aber so, als merke sie nicht, dass der Mann sie zu verführen versucht, während sie genau das will: „Norwegian Wood“. Sartre erläutert, dass der Mensch für sich selber und sein Handeln verantwortlich ist: John und Paul sagen 1965 in „The Word“ „Sag das Wort, und du wirst frei sein.“

Ronald Lee Ziegler beschreibt die Beatles als Ersatzgurus östlicher Philosophie: „Realize It’s All Within Yourself“. Jere O’Neill Surber hat sich „I’d Love to Trun You on“ und die Ethik der Beatles einer Bewußtseinserweiterung angesehen. Hier geht es auch wieder um Sartre und Heidegger, aber Surber meint die Beatles gehen u. a. auch mit ihren kosmischen Visionen noch über beide hinaus: „Here, There and Everywhere“. James B. Southe schreibt über Die Beatles und die Praxis der Philosophie: „But I Can Show You a Better Time“. James Crooks untersucht Die Postmoderne der Beatles: „Take a Sad Song and Make It Better“, und Rick Mayrock hat Parallelen zwischen Nietzsche und den Beatles entdeckt.

Im letzten Teil geht es um „Number Nine, Number Nine, Number Nine“: Das Spiel der Beatles mit Sprache und Unterschieden. Alexander R. Eodice hat sich „And of Course Henry the Horse Dances the Waltz“ vorgespielt und analysiert Lennons lyrische Sprachspiele. Richard Falkenstein und John Zeis tragen ihre Überlegungen unter dem Titel Vielfältiges Spiel mit Unterschieden vor, und schließlich hat Michael Caputo versteckte Hinweise auf den Tod von Paul McCartney gesammelt.

Schade, das Buch hätte auf meinem Lesestapel ganz oben liegen müssen. Vielleicht hatte ich keine Daumenprobe gemacht. Beatles und Philosophie? Denkt sich wohl auch mancher im Buchladen. > Blättern sie mal in dem Buch!. Ein IPad zeigt die Leseprobe nicht an. Dann hier: > Leseprobe. Hören Sie ihre Songs? Nein, dann blättern Sie ein bisschen weiter. Jetzt? Sehen Sie, so ging es mir auch.

Nachgefragt: > Tom Kraushaar über die Beatles und die Philosophie

Michael Baur / Steve Baur
> Die Beatles und die Philosophie
Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden ohne Schutzumschlag
319 Seiten
ISBN: 978-3-608-50402-6

Michael Baur & Steve Baur
Die Beatles und die Philosophie

Freitag, 12. März 2010

A Day In the Life, A Hard Day’s Night, Don’t Let Me Down, Fixing a Hole, I’ve Got A Feeling, Mr. Moonlight, Strawberry Fields Forever, Yellow Submarine, und so viele andere > Beatles-Songs, das waren Zeiten! Und jetzt erscheint bei Klett-Cotta mit dem Titel > Die Beatles und die Philosophie und dem Untertitel Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten ein Buch von Michael Baur und Steve Baur. Love, Liebe kommt immer wieder in ihren Songs vor. Also wird die Liebe gemäß der Beatles erstmal von den Autoren definiert:

„Die Vorstellung von Liebe, wie die Beatles sie vertreten, beruht auf wechselseitiger respektvoller Abhängigkeit. Liebe ist die Beziehung zwischen Menschen, die in nichtparasitärer, hilfsbereiter Art aufeinander verwiesen sind. Wir können also nicht gleichzeitig einerseits egoistisch nur an unsere eigenen Interessen denken und andererseits behaupten, liebende Menschen zu sein. Wer nur an sich selbst denkt und damit anderen schadet, der schadet letztlich auch sich selbst, da er sich die Sichtweise verbaut, die es ihm ermöglichen würde, andere zu respektieren und sich selbst als Mitglied einer Gemeinschaft zu entfalten. Das ist allerdings eine umstrittene Behauptung, was die Reaktion auf die Beatles belegt. Ihre Songs und ihre Botschaften werden häufig als gescheiterte »Hippie«-Ideale oder naive jugendliche Träumereien abgetan. Einer von Liebe geprägten Haltung wird Idealismus im abwertenden Sinn – als Weltfremdheit – vorgeworfen. Dieser Zynismus erwächst aus einem ganz bestimmten, weitverbreiteten Verständnis der menschlichen Natur.“

Aber es geht auch um soziale Beziehungen innerhalb von Gruppen, und die beiden Autoren haben zuallererst die Beatles selbst im Blick: (Wie präsent ihre Melodien sind! Seit ich diesen Beitrag schreibe, gehen sie mir im Kopf herum, gerade eben wollte ich lauter stellen.)

„Stellen wir uns die Beatles als beispielhafte Vertreter einer idealen, rücksichtsvollen sozialen Welt vor, in der jeder Einzelne durch seine Beziehung zu den anderen gefördert und verbessert wird. Jedes Mitglied wächst durch seine Funktion in der Band; durch diese Funktion kann jeder das für sich als Person Optimale erreichen. Ringo ist ein besserer Mensch, weil er ein Beatle ist, und das gilt genauso für George, John und Paul. Man darf ja mit vollem Recht davon ausgehen, dass jeder der Vier nicht der wäre, der er ist, wenn er kein Beatle wäre, und als Beatle ist jeder Einzelne ein wünschenswertes Optimum. Entscheidend bei dieser Vorstellung ist der Umstand, dass jedes Mitglied nicht ausschließlich seine eigenen Interessen verfolgen darf , diese Einschränkung aber ist für jedes einzelne Mitglied von Vorteil. Jedes Mitglied kann nur in der Gemeinschaft echte Größe entwickeln. Und durch die gemeinsame Anstrengung aller Mitglieder wächst die Band als Ganze! “

Bei der Gesprächsrunde mit den beiden verlegerischen Geschäftsführern von Klett-Cotta, – in anderthalb Stunden konnten wir gar nicht den Berg der Neuerscheinungen dieses Frühjahrs abarbeiten – hat Herr Kraushaar auf meine erstaunte Frage, dieses Buch falle doch aus ihrem Rahmen bei Klett-Cotta, oder? erklärt, wieso dieser Band über die Beatles in das Programm aufgenommen wurde:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Möchte Sie mal > in das Buch gucken? Probelesen?
Michael Baur / Steve Baur
> Die Beatles und die Philosophie
Klüger werden mit der besten Band aller Zeiten
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden ohne Schutzumschlag
Seiten: 319
ISBN: 978-3-608-50402-6

Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
Klett-Cotta is proudly powered by WordPress and the 3 Column Relaxation Theme from Clemens Orth.
Entries (RSS) and Comments (RSS). 28 queries. 0,379 seconds.