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Archiv für die Kategorie 'Partnerschaft'

Lesebericht: Wolfgang Hantel-Quitmann, Die Othello-Falle

Dienstag, 25. April 2017

Wenn etwas schiefläuft, jede Art von Konflikt, schuld sind immer die Anderen. Fast ohne Ausnahme sehen sich viele immer als Opfer: „Wir leben scheinbar in einer Welt von Tätern und Opfern,“ schreibt Wolfgang Hantel-Quitmann, Die Othello-Falle, S. 11. „Scheinbar“ deutet seine These schon an. Immer Opfer der Anderen? Wie wäre es denn, wenn diejenigen, die sich so beklagen „Opfer ihres eigenen Denkens“ (ib.) wären? > Othello, der Mohr von Venedig von Shakespeare (1603/04) ist der Pate dieses Buches. Der eifersüchtige Held, der falsch denkt, falsche Denkweisen verinnerlicht hat, fühlt sich überzeugt von der Untreue seiner Desdemona und tötet sie. Es ist nicht so gut, dass zu glauben, was man sich so vorstellt oder denkt. Manchmal nehmen wir etwas für die Realität, weil wir so bequem denken, es müsste oder könnte so sein. Und so ein verqueres Denken kann schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Beziehungen und auf uns selbst haben. Also untersuchen wir Fehler unseres Denkens und passen künftig ein bisschen mehr auf unsere Schlussfolgerungen auf, denn die könnten sehr fehlerhaft sein.

Die Othello-Falle wird in vier Kapiteln abgehandelt: 1. Verwirrungen der Gefühle – Eifersucht und Schuld, 2. Verwirrungen des Verstandes – Irrtum und Denkfehler, 3.Verwirrungen der Beziehungen – Täuschung und Intrige. Und dann die Schlussfolgerung: Du sollst nicht alles glauben, was Du denkst! – Wege aus der Othello-Falle.

Manchmal legt man sich etwas zurecht, so dass es einem in den Kram passt, man schämt sich, der Realität ins Auge zu sehen, es könnte einem ja ein Zacken aus der Krone brechen. Scham wehrt die eigene Schuld ab. (Nebenbei bemerkt: Populisten machen das auch so, sie setzen Behauptungen in die Welt, falsche Fakten und leiten dann flugs ein Programm daraus ab, das die Wähler überzeugen soll.) Freud sagt aber dazu: „Jeder Mensch ist für sein eigenes Unterbewusstsein verantwortlich.“ (S. 12) Auch wenn in es in diesem Buch um „Fallen und Verwirrungen, die uns in intimen Beziehungen begegnen können“ geht, so sind Parallelen zur ungeprüften Übernahme von Fakten in der Online-Welt nicht zu übersehen. Man glaubt so gerne das, was gerade in das eigene Weltbild passt. (vgl. S. 20) Überwiegt das eigene Wunschdenken, klappt es nicht so recht mit der Realitätsprüfung, (vgl. S. 22) und Othello erliegt der Intrige Jagos.

In diesem Zusammenhang ist Eifersucht ein echtes Hindernis, Misstrauen gegenüber anderen abzubauen. Eifersucht und Phantasie gehören zusammen. Das mit der Eifersucht ist echt kompliziert, weil sie als (falsche) Projektion erlebt wird: „Nicht ich bin eifersüchtig, sondern du!“ (S. 27) Also werden die Fehler beim Anderen gesucht: Achterbahnfahren ist vorprogrammiert und der Streit nicht mehr fern. Zum Thema Phantasie rät Hantel-Quitmann zur Lektüre von Lewis Carrrolls
Alice im Wunderland (1865). (S. 40 f.)

Kann man seinen Gefühlen trauen? Und ist die Ehe eine Möglichkeit dem Misstrauen und der Eifersucht zu entfliehen, (vgl. S. 49) fragt der Autor vor dem Kapitel Die Ehe-Falle (S. 49-54), der Titel verrät seien Einstellung zu dieser Institution. Die nächsten Kapitel „Die ideale Ehe ist auch keine Lösung“ und der gute Vorschlag „Die Ehen nur auf fünf Jahre abschließen“ stammt aus Goethes Wahlverwandtschaften, wo der Graf erklärt: „Einer von meinen Freunden, dessen gute Laune sich meist in Vorschlägen zu neuen Gesetzen hervortat, behauptete: eine jede Ehe solle nur auf fünf Jahre geschlossen werden. Es sei, sagte er, dies eine schöne, ungrade, heilige Zahl und ein solcher Zeitraum eben hinreichend, um sich kennenzulernen, einige Kinder heranzubringen, sich zu entzweien und, was das Schönste sei, sich wieder zu versöhnen.“ Die Vertragsverlängerung müssten sich die beiden Partner verdienen. Also, so eine Art TÜV.

Schuldgefühle hat oft derjenige, der die Beziehung beenden möchte, und Hantel-Quitmann fügt hinzu, er halte die Verteilung von Schuldgefühlen oft für ungerecht. (vgl. S. 61) Das hängt damit zusammen, das man oft die Realität nicht wahrnimmt, darüber nicht nachdenkt, sondern nur Informationen mit den vorhandenen vergleicht, und sich nur ungerne der Gefahr aussetzt, vorhandene Überzeugungen revidieren zu müssen. (vgl. S. 77.)

Meinungen, Ansichten, Überzeugungen, Vergessen, Irrtümer das alles gehört zur einer Psychopathologie des Alltagslebens (vgl. S. 121-130)

Die Menge der literarischen Titel, die Hantel-Quitmann besonders im Kapitel über die Täuschungen als Beispiele angibt, verleitet zu einer strenge Prüfung der eigenen Bibliothek oder zu einem Gang in die Landesbibliothek.

Im letzten Kapitel stellt der Autor die Strategien vor, mit denen man der Othello-Falle entgehen kann. Lesen Sie dieses Kapitel aber nicht zuerst, denn die Kenntnisse aus den vorhergehenden drei Kapitel sind notwendig, um die folgenden Strategien gewinnbringend in ihr Weltbild einbauen zu können. Nochmal, es geht darum, dem zu entgehen, was wir immer schon gedacht haben. Mut zur Wahrheit und die Überwindung von Angst gehören u.a. auch dazu. Wenn ich den Autor fragen würde, wer das Buch lesen solle, wird er bestimmt antworten: Alle. Alle können von sich sagen, dass sie am liebsten den für sie persönlich bewährten Denkmustern vorzugsweise vertrauen. Einen Sachverhalt mal aus einer anderen Perspektive ansehen und Schlussfolgerungen darauszuziehen, kann äußerst heilsam sein. Und das bringt Hantel-Quitmann ihnen hier bei.

Nochmal, keines der Bücher zum Beziehungsstress jeder Art, das ich bisher gelesen habe, enthält so viele so nützliche Hinweise auf die Weltliteratur, auf größere und kleinere Werke.

Wolfgang Hantel-Quitmann,
Die Othello-Falle.
Du sollst nicht alles glauben, was du denkst
1. Aufl. 2017, ca. 256 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98068-4

Lesebericht: Christopher Ryan, Cacilda Jethá, Sex. Die wahre Geschichte

Freitag, 10. Februar 2017

ryan-jetha-sex-110Wenn Sie das Buch > Sex. Die wahre Geschichte von Christopher Ryan, Cacilda Jethá in der Übersetzung von Birgit Herden im Zug lesen, dürfen Sie sicher sein, dass Ihre Mitreisenden tatsächlich ab und zu ihr Smartphone sinken lassen, um das Buch, dann Sie zu mustern… aber nichts sagen… aber irgendwie gucken sie, ein bisschen belustigt, aber auch eine Spur neugierig.

Das Vorwort von Ulrich Clement zur deutschen Ausgabe bringt die These der beiden Autoren auf den Punkt: „Frauen suchen ressourchenreiche Männer, die wiederum hinter attraktiven Frauen her sind“, und beide Geschlechter finden, es solle dabei halbwegs monogam zugehen. Diesem Modell erteilen die beiden Autoren eine Absage, denn ihrer Ansicht nach, sei es nur „für agrarische Kulturen mit langfristiger Erbfolge und Besitzregelungen“ geeignet. „Teilen und Gemeinsamkeiten“ sei in „früheren Jäger- und Sammler-Horde(n)“ viel wichtiger gewesen. Geteilte Vaterschaft ist ihr Stichwort. Elternschaft und Untreue müsse man nicht so ernst nehmen. Monogamie ist also das Ziel der „pfiffigen Attacke auf den verhaltensbiologischen Mainstream“ (S. 11 f.), den Clement aus diesem Buch herausliest.

Die Geschichte unserer Vorfahren, Primaten und Affen haben uns was anderes als Monogamie vorgemacht. Und es ist klar, wohin die beiden Autoren wollen, denn schon in ihrer Einleitung erklären sie uns, dass wir abstammungsmäßig über die Menschenaffen nicht sehr weit hinausgekommen sind. (vgl. S. 16) Und heute? esposas bedeutet Ehefrauen und … Handschellen im Spanischen. (vgl. S. 17) Und dann das Heer aller, die zu Rate gezogen werden, wenn es im Eheverkehr nicht so toll läuft; schizophren finden die Autoren unsere Versuche, das zu kitten. Wir interpretieren heute den Zusammenhang von Liebe und Sex falsch, eine solche Interpretation gibt unsere Entwicklungsgeschichte nicht her. Die Datenlage sagt was anders. Vielleicht beruht unseres heutiges Verständnis vor Sex nur auf den letzten 10.000 Jahren? Wollten wir nur Risiken minimieren, und alles marschierte in eine falsche Richtung? (vgl. S. 25) Unsere Vorfahren lebten früher in Gruppen statt in Zweierbündnissen. Der Zusammenhalt war in diesen Gruppen viel stärker und problemloser als in Zweisamkeiten.

Dann werden Details von Körperbau und -funktionen untersucht, die eher für das Hordenleben viel besser geeignet sind. Siedlungen und Landwirtschaft haben alles verändert. Das Kapitel Über die „Entstehung der Arten“ erklärt, was Darwin über Sex nicht wissen konnte. Die Geschichte soll zu heutigen Ehe geführt haben. Falsch, finden die beiden Autoren und bemerken nebenbei, dass der Kampf gegen die Natur schon immer gescheitert sei (vgl. S. 65).

Über die Wollust im Paradies. Wieder der Vergleich mit den Bonobos, die Hunderte, wenn gar Tausende von Geschlechtsakten vollziehen, bevor es zu einer Geburt kommt, nur machen sie es deutlich kürzer als der Mensch die „personifizierte Hypersexualität“ (S. 107). Bei der Diskussion um die Vaterschaft holt uns unsere Vorgeschichte wieder ein: „Kapitel 6. Wer sind deine Väter?“ Wäre uns Monogamie wirklich in die Wiege gelegt, so argumentieren beide Autoren, so würden die Menschen nicht dauern dagegen verstoßen. (vgl. S. 121)

Und dann werden die Vorteile der Promiskuität erläutert: S. 121-136. Klar, dass das folgende Kapitel vom „Schlamassel von Ehe, Partnerschaft und Monogamie“ handelt. Jetzt wird nochmal der Gedanke vom Kap. 6 fortgeführt: „Genetische Vaterschaft: Das Standardnarrativ bröckelt: „Freie Liebe am Lugu-See“ zwischen den chinesischen Grenzen Yunnan und Sichuan geht es ganz anders zu als bei uns, wo sexuelle und familiäre Beziehungen ganz strikt voneinander getrennt sind.

Teil III „Wie wir nicht waren“ zerstört einige hartnäckige Mythen und belegt, dass Malthus‘ Vorhersagen einfach komplett falsch waren. Er rechnete mit einer Verdoppelung der Bevölkerung vor der Landwirtschaft alle 25 Jahre, und unsere Autoren halten ihm entgegen, dass die Zahl 250 000 Jahre lauten müsste (vgl. S. 182).

Danach bieten Christopher Ryanu und Cacilda Jethá eine Revision gängiger soziologischer und biologischer Modelle an: um nur ein Beispiel unter vielen anderen hier zu nennen z. B. Gerret Hardins Aufsatz „The Tragedy of Commons“ (Die Tragödie des Allgemeinguts), dessen Modell wie das von Maltus in der Reialtät nicht funktioniere. Vgl. S. 197.

Im Teil IV wird der Körper des Menschen unter die Lupe genommen: „Was unsere Körper erzählen“: S. 245-306. Hier wird allerlei vermessen und verglichen und dabei werden allerlei Rückschlüsse gezogen.

Sind die Schlussfolgerungen von Christopher Ryan und Cacilda Jethá Auslegungs- oder Ansichtssache? Ihre Belege überzeugen, wenn auch Soziologen und Philosophen mit ihren Fachgebieten möglicherweise andren genauso gut überzeugende Aussagen zu dieser Diskussion beisteuern könnten. Aber der Ansatz der beiden Autoren gängige Ergebnisse der Evolutions- und Verhaltensforschung neu zu bewerten und anders, als wir es gewohnt sind, einzuordnen, machen dieses Buch sehr lesenswert.Vielleicht ist ja wirklich was da dran, dass viele Probleme der Menschen ryan-jetha-sex-110von ihrer gewohnten Zweisamkeit her stammen.

Christopher Ryan, Cacilda Jethá
> Sex. Die wahre Geschichte
Aus dem Englischen von Birgit Herden (Orig.: Sex at Dawn. The prehistoric origins of modern sexuality)
Mit einem Vorwort von Ulrich Clement
2. Druckaufl. 2016, 430 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98050-9

Lesebericht: Adam Soboczynski, Fabelhafte Eigenschaften

Mittwoch, 16. September 2015

sobocynski-fabelhafte Eigenschaften

Bestens vorbereitet durch sein Buch Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung (Köln: Gustav-Kiepenheuer 2008) hat Adam Soboczynski jetzt seinen ersten Roman > Fabelhafte Eigenschaften verfasst, der bei Klett-Cotta erschienen ist. Liebesroman, Künstlerroman, Gesellschaftsroman, Komödie und noch so einiges mehr steckt in diesem Buch.

Das Motto dieses Buches hat Baudelaire kürzlich getwittert.

Das steht in einer Anmerkung zu den „Fusées“ von 1867.

Fabelhafte Eigenschaften ist aber zunächst ein Künstlerroman. Es geht um Hans Weinling und seine Tiere, die er immer am Strand malt. Kein Strand ohne Tiere. Menschen kommen bei ihm nicht vor. Manchmal oder eigentlich immer steht er versunken in seine Kunst oder seine Gedanken vor der Staffelei und wartet auf neue Einfälle. Aber er beherrscht auch „die Kunst der Verführung“ (S. 14) Bei einer Vernissage steht plötzlich Julia vor ihm, die sich gerade im Streit von Sebastian getrennt hatte. Julia hatte den Maler schon mehrmals vergeblich um eine Interview für ihre Zeitschrift gebeten. Nun war es soweit, sie spricht ihn an. Duzt ihn einfach. Dieses erste Kapitel zeigt eine Fülle von sehr guten Beobachtungen des Erzählers, die Marotten des Malers, die knappe Manier von Julia, wie sie sich auf den Maler stürzt. Beim Vorlesen dieses ersten Kapitels merkt man, dass man jetzt den ganzen Roman sogleich lesen muss.

Dann der Mailwechsel von Julia mit Sebastian, die ihm nochmal seinen fiesen Charakter vorhält. Sebastian liest gerade ein Manuskript eines Freundes, der sich ein wenig an der Wirklichkeit um Sebastian herum orientiert hat: Ein Maler, der Tiere am Strand malt, eine Frau die sich mit ihm zusammentut, deswegen einen anderen verlässt. Schließlich antwortet Sebastian ihr und hält auch ihr ihren schlechten Charakter vor.

Hans Werling hat eine Tante, Eva Hersohn, eine Augsburger Kunsthistorikerin, die kürzlich mit Helene Kerst nach Madrid gereist war. Kersts Ex-Mann sitzt zu Hause und schreibt schon ziemlich an einer Biographie über Hannes Maria Wetzlar.

Julia und Hans beziehen für ihre Stelldicheins ein Hotelzimmer, sie mag nicht in seinem Atelier, er nicht im Doppelbett, wo Sebastian lag, sein. Erst später verbringt Julia längere Zeiten in seinem Atelier: dieser „starre Blick auf das unfertige Bild!“ (S. 49) Vielleicht war dafür das Hotelzimmer doch ganz gut, dann entdeckt man nicht so schnell die Marotten seines Liebhabers, die zu seiner gewohnten Umgebung dazugehören. Sie zwingt sich, diese Beobachtungen nicht überzubewerten.

Kersts Bewegungen in der Öffentlichkeit erinnern an Musils Beobachtungen von Privatheit und Öffentlichkeit: „Es zeichnet die Öffentlichkeit aus, dass man, sobald man sie betritt, es mit Fremden zu tun hat und mit ihnen verkehrt und zwar in einem klar umrissenen Rahmen…“ (S. 67) Herrlich, die Art, wie Sebastian beim Anmachen kläglich durch dumme unverschuldete Zufälle scheitert. Tassen gehen zu Bruch, er verzupft sich ganz geschwind. Zufälle? Aber Sebastian trifft doch nochmal mit Charlotte zusammen.

Erste Zweifel tauchen bei Julia auf, ob sie und Hans wirklich zusammenpassen, das steigert ihr Verlangen aber nur noch. Auf dem Küchentisch, dabei geht einiges zu Bruch, kurz darauf zerschellt auch eine Flasche an Sebastians Kopf, als er Julia und Hans unverhofft besuchen will.

Wie gesagt, auch ein Künstlerroman, der Hans Wernling und seine Kunst von allen Seiten zeigt, und auch Werner Kerst in seiner Versunkenheit und Andacht vor seinem Werk über Wetzlar vorführt. Beide werden von der Wirklichkeit immer wieder unsachgemäß gestört und aufgehalten. Dann ist da noch sein Sohn Mark, der mit gebrochenem Fuß im Krankenhaus strandet und den Kerst nun besuchen muss.

Langsam reicht es Julia: „Zwei große Kragenbären standen regungslos auf ihren Hinterbeinen am Stand.“ (S. 124) Schließlich zerstört Hans das Bild und wendet sich zärtlich Julia zu: „Mausi, Herzchen, Bärchen…“ (S. 126) Julia weiß nicht so recht, > ob sie die Kunst Weinlings hassen soll.. jedenfalls macht sie sich erst auf zu einer Shoppingtour, ein anderes Kleid bringt sie vielleicht auf andere Gedanken.

Es ist doch ein Roman über die Kunst! Tiere fragt sich der Künstler? „Den Tieren gefiel es, wenn sie von der Natur in die Kunst überführt wurden. Die Menschen sobocynski-fabelhafte Eigenschaften

hatten keine Natur, man beförderte sie durch die Kunst nur von einer schäbigen Künstlichkeit in die nächste.“ (S. 171) Jetzt übernachtetet er fast täglich bei Julia – bis zum nächsten Streit.

Adam Soboczynski
> Fabelhafte Eigenschaften. Roman
1. Aufl. 2015, 206 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98030-1

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Lesebericht: Urs Augstburger, Kleine Fluchten

Montag, 14. September 2015

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Gerade ist der neue Roman von Urs Augstburger, > Kleine Fluchten erschienen. Rea und Peer sind in die Berge gereist. Dort veranstaltet seine Firma ein Fest, das ihnen und ihrer Ehe bestimmt gut tun wird. Durch einen Zufall ergibt sich für Rea eine Bekanntschaft, die nach einer kurzen Berührung zuerst ganz virtuell bleibt, in der es dann immer mehr online so angenehm knistert (Dazu Shirley P. Glass, Jean Coppock Staeheli, >Die Psychologie der Untreue, Stuttgart: Klett Cotta 2015, S. 56 ff: Die Intimität der sozialen Medien.) Man kennt das, er sitzt dauernd vor seinem PC, Peer ist Softwareentwickler, da fällt einem ständig etwas ein, was gleich verbessert, optimiert werden muss. Natürlich bekommt Peer die „morgendlichen Kämpfe mit den Kindern“ (Moritz und Stina) nicht mit. Kommunikation läuft bei beiden oft nur über SMS. Peer hat eine wilde Zeit in Second Life hinter sich. Dann ist da noch Paula, Reas Schwester mit ihrem Mann Delios. Rea und Peer „verbrachten ihre Tage in komplett verschiedenen Welten“ (S. 27). Die Nordstern-Party beginnt, bei der die neue Chefin von Dan Reisinger eingeführt wird: Dordi Larsson. Auf dem Dach beobachten sie das Feuerwerk.

> www.kleinefluchten-das-buch.com/

Da geschieht es: „Aus der Berührung war ein sanftes Streicheln geworden.“ (S. 39) Dazu Shirley P. Glass, Jean Coppock Staeheli, >Die Psychologie der Untreue, op. cit., S. 42 ff: Wenn die Gefahr einer Grenzüberschreitung größer wird. Sie weicht aus, und als sie sich umdreht, ist der Platz hinter ihr leer. Peer hat nichts bemerkt, sagt aber nach dem Feuerwerk zu Rea: „Dir hat es offenbar besonders gut gefallen.“ (S. 43)

Mit dem Unbekannten beginnt Rea eine E-Mail-Korrespondenz, während Peer im Büro nähere Bekanntschaft mit Dordi Larsson macht, die dafür sorgt, dass er seine Selbständigkeit wieder aufgibt. Während Rea Fotos und Bilder online mit xy austauscht, entwickelt sich langsam aber stetig etwas mit Peer und Dordi: Dazu Shirley P. Glass, Jean Coppock Staeheli, >Die Psychologie der Untreue, op. cit., S. 164 ff: Der Übergang in ein Doppelleben. Beide genießen die Anspielungen, die Versuchungen und verstecken ihre Schwärme voreinander. Beide kalkulieren ihre Chancen, überlegen, was sie vor wem verheimlichen müssen, und alles steigert das Verlangen nach dem Neuen, nach der Abwechslung. Fällt es Peer nicht auf, das Rea plötzlich Facebook liebte und darauf drängte, online zu sein? Obwohl sie Peer angedroht hatte, weg zu sein, wenn er wieder bis spätnachts vor dem Computer hocken würde (vgl. S. 122).


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Shirley P. Glass, Jean Coppock Staeheli,
>Die Psychologie der Untreue
Mit einer Einführung und aus dem Amerikanischen
übersetzt von Susanne Nagel (Original: Not »Just Friends«. Rebuilding Trust and Recovering Your
Sanity After Infidelity)
1. Aufl. 2015, 448 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98047-9


Der Erzähler lässt es sich nicht nehmen, die Beweggründe beider zu untersuchen: „Peer verspürte keine echten Schuldgefühle, er hatte nur gesucht, was zwischen ihm und Rea nicht möglich war,“ (S. 278) während Rea sich die Realisierung ihrer Online-Freundschaft erträumt. Augstburgers feine Beobachtungen zusammen mit den Features des Online-Verkehrs machen dieses Buch zu einer spannenden Lektüre, wenn auch das Muster der > Untreue bei Rea und Peer sich ähnlich entwickelt.



Die Grenzüberschreitungen fangen online an, und Peer erlebt dabei eine große Überraschung, die ihn nur noch tiefer hineinzieht. Der Leser wartet darauf, dass die Wünsche beider sich erfüllen, währenddessen überholt Stina ungewollt ihre Eltern. Während die Eltern sich auf Abwegen tummeln, bahnt sich sich da mehr als etwas zwischen Stina und ihrem Freund Dirk an. Mit 14 ist Stina viel zu jung, befürchtet Rea. Und tatsächlich gibt es Probleme: Party, Alkohol, Fotos und gut dass Nikos, Stinas Cousin, onlinemäßig auf sie aufpasst, mit seinem Wissen den PC von ihrem Freund kontrolliert, und sie, als es eigentlich schon fast zu spät ist, dort rausholt.

Urs Augstburger,
> Kleine Fluchten
Roman
1. Aufl. 2015, 392 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98023-3

So begann unser > Lesebericht: „Urs Augstburger Roman > Als der Regen kam ist ein besonders gelungenes Beispiel, wie ein sehr bedrängendes Problem in literarischer Form vorgestellt und untersucht werden kann. „Für sie, mit den weißen Haaren“ lautet die Widmung des Buches und ist vielleicht als Reverenz an diejenige gedacht, die ihn zu diesem Buch inspiriert hat? Das Buch ist auch ein Essay über Demenzerkrankungen. Helen Nesta ist an Alzheimer erkrankt und befindet sich in einem Pflegeheim. Aus Genua kommend steigt Mauro aus dem Zug, um nach zwei Jahren seine Mutter wieder zu besuchen.“ Bitte weiterlesen.

> Nachgefragt: Urs Augstburger, Als der Regen kam

Urs Augstburger
> Als der Regen kam
Roman
2. Aufl. 2012, 288 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-93974-3

Lesebericht: Roland Kachler: Die Therapie des Paar-Unbewussten

Samstag, 22. August 2015

kachler-paar-unbewussteEin tiefenpsychologisch-hypnosystemischer Ansatz lautet der Untertitel des gerade erschienenen Buches von Roland Kachler > Die Therapie des Paar-Unbewussten, das eine für den Erfolg entscheidende Lücke in der heutigen Praxis der Paartherapie füllen möchte. In den bekannten Ansätzen wird häufig mit Verhaltenstherapie, den beobachtbaren Formen der Paarkommunikation und ihren Austauschprozessen gearbeitet. Aber das Paar-Unbewusste wird meistens nicht beachtet, nicht thematisiert, vielleicht auch nicht erkannt, so Kachler in seinem I. Kapitel.

Kachler zeigt sich überzeugt davon, dass die moderne Hirnforschung (S. 12-18) der Paarpsychologie und der Paartherapie neue zielführende Impulse vermitteln sollte. Das zeigt auch die Einbindung einiger, nicht sehr zahlreicher, aber umso typischere Fallvignetten, (bsd. S. 158 f.) die er nutzt, um das Procedere bei der Paartherapie unter Einbeziehung des Paar-Unbewußten zu zeigen. Mit den Fall-Vignetten berichtet er keine Geschichten, sondern er zeigt typische Konstellationen, um ganz präzise Ansätze, die sich aus seinem Konzept ergeben, wie in einem Lehrbuch vorzustellen und zu erläutern.

Roland Kachler bezieht sich auf

willi-therapie-paarbeziehungJürg Willi >>>
> Therapie der Zweierbeziehung. Einführung in die analytische Paartherapie – Anwendung des Kollusionskonzepts – Beziehungsgestaltung im therapeutischen, Stuttgart: Klett-Cotta, 1. vollständig überarbeitete Neuausgabe 2008, 368 Seiten, ISBN: 978-3-608-94522-5

und gibt an, über ihn hinausgehen zu wollen. Willis Kollusions-Konzept, die Grundlage des „gemeinsamen Unbewussten“, das aus „den gemeinsamen unbewussten Grundannahmen der beiden Partner konstelliert“, so Kachler, passe genau in sein Konzept, mit dem er die Vielfalt der unterschiedlichen Partnerschaften und deren Kollusion auf dem Weg über das Paar-Unbewusste erfassen wolle.

Paartherapie funktioniere nur mit aufeinander abgestimmten Schritten (S. 19 f.) wie Paardiagnostik, Paartherapievertrag, paartherapeutische Interventionen wie Spiegel- und Resonanzprozesse. Allerdings werde, so muss man Roland Kachler verstehen, nur ein Teil der Kommunikation zwischen den Partnern abgedeckt, seien doch 60 Prozent der menschlichen Kommunikation nonverbal (vgl S. 22), wovon ein großer Teil unbewusst abläuft. Über den Weg der Spiegelungen (über das Gesicht, vgl. S. 31) zwischen den Partnern kann das Paar-Unbewusste als dritte Gestalt (vgl. S. 41) erkannt werden. Theoretische Reflexionen und praktische Anleitungen wechseln hier einander ab.

Im Kapitel III wird die Entstehung des Paar-Unbewussten beider Partnerwahl und dem Verlieben erklärt. Sartre hatte in Das Sein und das Nichts (Sartre, 1997, S. 457 ff. in der wunderbaren Übersetzung mit dem so lesenswerten Nachwort von Traugott König), wie das Ich sich seiner selbst durch den Blick des anderen bewusst werde, gezeigt. Die Erinnerung an das Kennenlernen zählt zu den Resonanzprozessen, die der Paartherapeut initiieren kann. Sartre, der das Unbewusste strikt ablehnte, weil das das Bewusstsein immer das Bewusstsein von etwas sei, hat sich allerdings auch als besonderer Freud-Kenner ausgewiesen, indem er das Drehbuch zum Freud-Film von Jean Huston (1962) verfasst, das dieser in einer gekürzten Fassung realisiert hat, was Sartre dazu veranlasste, seinen Namen vom Drehbuch zurückzuziehen. Vgl. aus seinem Nachlass: Sartre, Le scénario Freud, Paris: Gallimard 1984.

kachler-paar-unbewussteIm IV. Kapitel werden die Bestandteile des Paar-Unbewussten vom relationalen Bedürfnis-Unbewussten bis zum kreativen Unbewussten der Liebe vorgestellt, wobei sich ein weiteres Mal die Systematik dieses Lehrbuchs als vorteilhaft erweist. Erst wenn das Paar-Unbewusste in der Paar-Therapie thematisiert wird, und so lautet implizit Kachlers wichtigste These kann die unbewusste Kollusion der Bedürfnisse überhaupt erst erkannt und dann auch im Sinne der Veränderung darauf eingewirkt werden. Würde die unbewussten Bedürfnisse ausgeblendet werden, so würde eine Paartherapie unvollständig und folglich unwirksam bleiben: vgl. S. 83: Kachler kennt die Folgen: „Ungestillte oder verletzte Bedürfnisse auf der Ebene des Paar-Unbewussten behalten ihre stets virulente Dynamik im Paarsystem.“ S. 83 f. Bei der >Paartherapie wird das Paar-Unbewusste in Teilmengen zerlegt, wobei u. a. das biographische Paar-Unbewusstsein mit Bindungsmustern aus der Kindheit oder das Körper-Unbewusste (vgl. S. 109) aufgearbeitet wird.

Blogbeiträge sollen nicht zu lang sein, aber die Versuchung den Katalog Kachlers Theorien mit den der hier vorgeschlagenen paartherapeutischen Maßnahmen im Rahmen der Paartherapie zu vergleichen ist groß und würde die wertvollen ganz praktischen Erfahrungen des Autors nur noch mehr verdeutlichen. Ob allerdings der Paartherapeut schon bei der ersten Sitzung sich wirklich über die Stimmung beim Paar klar werden kann (vgl. S. 111), muss nicht unbedingt eine Regel sein.

Nach Willis Kollusionsansatz ergänzt Kachler seine Überlegungen um die Hypnotherapie nach Milton Erickson, (vgl. S. 120 ff.) derzufolge das Unbewusste an den „salutognetischen Prozessen“ (S. 120 u. bsds. S. 177 ff) beteiligt sei.

erickson-rossi-hypnotherapieMilton H. Erickson, Ernest L. Rossi, >>>
> Hypnotherapie. Aufbau – Beispiele – Forschungen – Jubiläumsedition,Leben Lernen 49 – Jubiläumsedition. Aus dem Amerikanischen von Brigitte Stein, Stuttgart: Klett-Cotta, 1. Aufl. 2015, 556 Seiten, ISBN: 978-3-608-89168-3

Kapitel V untersucht Paarsymptome als Störung des Paar-Unbewussten, und das letzte Kapitel „Die Therapie mit dem Paar-Unbewussten – Wie Paartherapie spielend leicht wird“ (S. 158 ff.) fasst die Ergebnisse dieses Buches zusammen und stellt ein Modell einer Paartherapie vor. Der zweite Satz dieser Kapitelüberschrift wird vom Autor mit großem Nachdruck selbst relativiert, denn wenn bei der Therapie Probleme auftauchen wie Trennungsabsichten eines Partners oder körperliche oder sexuelle Gewalt angedeutet wird, rät Kachler dazu die Arbeit mit dem Unbewussten mit großer Vorsicht erst in der Spätphase der Paartherapie einzusetzen, vgl. S. 163), um Irritationen oder Verletzungen nicht (unbewusst) zu vergrößern. Er ist sich also der Risiken wie auch der Chancen, der von ihm vorgeschlagenen Interventionen bewusst.

kachler-paar-unbewussteRoland Kachler,
> Die Therapie des Paar-Unbewussten. Ein tiefenpsychologisch-hypnosystemischer Ansatz
Stuttgart: Klett-Cotta, 1. Aufl. 2015, 196 Seiten, gebunden, ca. 20 Abbildungen
ISBN: 978-3-608-94866-0

BR – 27.10.2014: Nachtlinie mit der Autorin Tina Soliman

Montag, 27. Oktober 2014

> Nachtlinie – Mit der Autorin Tina Soliman
Heute, 27.10.2014, Bayerisches Fernsehen: 23:00 bis 23:30 Uhr

Moderation: Andreas Bönte

Programmankündigung: „Für Verlassene kommt ein Kontaktabbruch aus heiterem Himmel. Doch wie sieht es für die andere Seite, die Kontaktabbrecher, aus? Der Funkstille geht meist ein langer innerer Kampf voraus. Tina Soliman, Journalistin, Regisseurin und Buchautorin, hat in ihrem neuen Buch den „Sturm vor der Stille“ untersucht und spricht darüber mit Andreas Bönte in der Nachtlinie. Zahlreiche Beziehungen enden mit einem banalen Ereignis. Familienmitglieder und Partner bleiben häufig mit der Frage zurück, ob es dieses letzte Telefonat oder dieser letzte Blick war, der alles verändert hat. … “

> Nachgefragt: Tina Soliman, Der Sturm vor der Stille – Antworten auf die quälende Frage nach dem »Warum«

Tina Soliman
> Der Sturm vor der Stille Antworten auf die quälende Frage nach dem »Warum«
1. Aufl. 2014, 217 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94804-2

Psychologie bei Klett-Cotta

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Bevor die Lektüre von Birgitte Kronauers > Gewäsch und Gewimmel weitergeht – Sie erinenrn sich, Elsa Gundlach und ihre Klientel, die ihr, wenn sie nachts nicht schlafen kann, durch den Kopf trottet, ein Blick auf das riesige Psychologie-Regal von Klett-Cotta: Schade, der ganze Bereich > Psychologie ist bisher auf unserem Blog zu kurz gekommen. Das gilt auch für die > Lesungen / Veranstaltungen / Termine zum Thema Psychologie, Erziehung und aller verwandten Gebiete.

Tatsächlich verdient dieses Verlagsprogramm viel mehr Aufmerksamkeit. Immer wieder wird von Chancengleicheit und den Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder und Schüler gesprochen. Gesamtschulen sollen Abhilfe schaffen. Ich erinnere mich noch, wie ab der achtziger in NRW das dreigliedrige Schulsystem zugunsten der Gesamtschule nachhaltig geschädigt wurde. Durch meine berufliche Tätigkeit konnte ich ab 1988 dort über 20 oder noch mehr Gesamtschulen besuchen und mit den Lehrern auch über die Lernerfolge der Schüler sprechen. Wie auch in andern Lebensbereichen gab es zufriedene und engagierte Lehrerinnen und Lehrer, aber die unzufriedenen sind mir auch im Gedächtnis geblieben. Damals fiel mir auf, wie wenig die Lehrer von der Selbständigkeit der Schüler sprachen, immer nur Klagen über ihre schlechten Leistungen. Die Verschulung der Referendarzeit mit den willkürlichen Noten für Lernproben sind mir in schlechter Erinnerung geblieben. Paul Though stellt mit seinem Buch die Frage nach dem Verhältnis von Charakter und Intelligenz > . Warum Charakter wichtiger ist als Intelligenz. Er stellt die beklemmende Frage lt. Klappentext: „Kann es sein, dass unsere Gesellschaft seit Jahrzehnten die falschen Fähigkeiten unserer Kinder fördert?“ Wie dankbar bin heute noch meinen Lehrern im Schiller-Gymnasium in Köln die 4 oder 5 Jahre lang meine Schülerzeitungsaktivitäten mit Wohlwollen und Unterstützung förderten. Und auf dem Klappentext steht auch die Frage „Was garantiert Glück und Erfolg in Schule, im Beruf und im späteren Leben?“ „Selbstkontrolle, Entschlossenheit“ sind Stichwörter, die in den Antworten auf diese Fragen stehen. Paul Though stellt ausnahmslos alle pädagogischen Ansätze aus diesem Themenfeld vor und bewertet sie. Dabei beobachtet Though vor allen die Entwicklungschancen von Kindern aus unteren Gesellschaftsschichten. Er ist der Auffassung, wenn die richtigen Eigenschaften gefördert werden, kann die soziale Schere geschlossen werden. Erträge der Psychologie, der Neurowissenschaften und der Ökonomie, so erklärt Though zeigen, das Charaktereigenschaften wie Ausdauer, Optimismus, Neugier, Mut und Gewissenhaftigkeit über den späteren Erfolg entscheiden. Am Beispiel einer Brennpunktschule zeigt Though, wie die Förderung benachteiligter Schüler gelingt. Dieses Buch kann unser unser Verständnis von Kindheit, Schule und Ausbildung revidieren.

Ursula Wawrzinek, Annette Schauer haben über neue Strategien gegen Burnout nachgedacht: > Was tun, wenn es brennt? Sind Sie erschöpft, ausgelaugt, überfordert? Wird manchmal oder immer wieder alles zuviel? Nicht wegen der Arbeit, sondern zum Beispiel wegen Dauerstress am Arbeitsplatz. Merken Sie selbst, dass Sie zunehmend nervöser werden? Sie wissen, wo ihre Grenzen sind. Haben Sie wirklich schon mal über Ihren eigenen Leistungsanspruch nachgedacht? Burnout? Nein ich doch nicht, denkt jeder, aber seine gefahren sind nicht so leicht von der Hand zu weisen. Der Arbeitsplatz als Verursacher ist dann auch keine Hilfe. Die Hilfe muss schlicht gesagt von Ihnen selbst kommen. Ursula Wawrzinek und Annette Schauer erklären die Stressspirale und ihr Durchbrechen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre eigenen Perspektiven, versuchen Sie die Logik Ihres Unternehmens zu durchschauen und bremsen Sie das »Hamsterrad«. Leichter gesagt als getan? Die beiden Autorinnen erklären Ihnen eine Selbstanalyse und schlagen Ihnen Befreiungsstrategien vor: Planen und Handeln lauten die Stichwörter im Kapitel Selbstverantwortlicher Umgang mit den eignen Ressourcen (S. 105 ff), dass Lust auf Ausprobieren macht.

Michael E. Harrer nähert sich dem Burnoutauf eine andere Weise: Dieses Buch vermittelt die Grundlagen der Achtsamkeit und bietet daneben eine fundierte Zusammenschau der Entstehungsbedingungen von Überforderung. Es informiert über die Vielfalt individueller Wege aus einem Burnout. > Burnout und AchtsamkeitDie steigende Häufigkeit von Stress und stressbedingten Krankheiten bis hin zum Burnout und die zunehmende Sehnsucht nach Entschleunigung, Ruhe und innerem Frieden. Harrer bietet alltagstaugliche Ideen und Möglichkeiten aus der Burnout-Spirale. Innere Klarheit, Gelassenheit, Gleichmut, innere Ruhe, Lebensfreude und Lebensqualität gehört zu seinen Zielen.

> Zusatzmaterialien zu diesem Buch

Hans Jellouschek und Bettina Jellouschek-Otto haben die Nähe und Freiheit in Partnerschaft und Familie untersucht. > Grenzen der Liebe Schade, dass unsere Einmannredaktion nicht jedem Buch einen ausführlichen Lesebericht widmen kann. Hier geht es nicht nur um Partnerschaft, es geht hier auch um die so notwendigen Grenzen, eben um die Freiräume des anderen , die auch in einer Partnerschaft respektiert werden müssen. Dabei spielen Entwicklungsphasen ein besondere Rolle. Bindungen, die die Autonomie des anderen vereinnahmen geraten in Gefahr: Die Autoren dieses Buches zeigen es am Beispiel von Axel und Anita, die seit langem ohne Sex nebeneinander herleben: „In dieser Beziehung ist kein eigenständiger Mann mehr da, der Lust auf eine attraktive, weil eigenständige Frau hätte, und keine eigenständige Frau, in der Lust auf einen attraktiven, weil eigenständigen Mann erwachen könnte.“ (S. 33) Beide Autoren empfehlen Alex und Anita, Grenzen zu setzen (S. 32). Grenzziehung darf nicht zur Ausgrenzung werden, wird auf den folgenden Seiten erklärt. Stellen sich Kinder ein, werden Grenzziehung und Autonomie in einem veränderten Umfeld erneut auf die Probe gestellt. In der Phase, wenn die Kinder ausziehen, kommt es erneut zu einer Belastungsprobe, wenn beide anfangen, allmählich eine Lebensbilanz zu ziehen. (S. 132 ff.) Gelingt jetzt keine Ausgleich über die Verständnis des gemeinsamen Lebensweges, werden frühere Verfehlungen systematisch aufgewärmt und vorgehalten, gerät die Beziehung erneut in Gefahr: Versöhnung mit der eignen Vergangenheit (S. 147 ff) schlagen die beiden Autoren uns vor.

Paul Tough
> Die Chancen unserer Kinder
Warum Charakter wichtiger ist als Intelligenz –
Mit einem Vorwort von Heinz Buschkowsky, aus dem Amerikanischen von Dieter Fuchs (Orig.: How Children Succeed. Grit, Curiosity, and the Hidden Power of Character)
1. Aufl. 2013, 315 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94803-5

Ursula Wawrzinek, Annette Schauer
> Was tun, wenn es brennt?
Neue Strategien gegen Burnout
Mit Illustrationen von Michael Wirth.
1. Aufl. 2013, 176 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-608-86039-9

Michael E. Harrer
> Burnout und Achtsamkeit
1. Aufl. 2013, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94818-9

Hans Jellouschek, Bettina Jellouschek-Otto
> Grenzen der Liebe
Nähe und Freiheit in Partnerschaft und Familie
1. Aufl. 2013, 183 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94592-8

Vorgefragt:
Ingrid Müller-Münch, Sprengsatz unterm Küchentisch

Dienstag, 15. Oktober 2013

Der Lesebericht zu dem Buch von Ingrid Müller-Münch, > Sprengsatz unterm Küchentisch. Wenn die Frau das Geld verdient ist noch nicht fertig, aber wir haben auf der Buchmesse schon unser > transportables TV_Studio aufgebaut und das Gespräch mit der Autorin über ihr Buch geführt. Müssen Männer auf Dauer umdenken? Manche müssen auf einmal zu Hause bleiben und sich sogar daran gewöhnen, dass ihre Frauen den Hauptanteil an den Familieneinkünften beisteuern. Machen es die neuen Familienernährerinnen den Männern schwer oder leicht? Ingrid Müller-Münch ist sich sicher, dass da einiges auf dei Männer zukommt, der Wandel sei in vollem Gange und manche haben es noch gar nicht gemerkt:

Ingrid Müller-Münch, > Sprengsatz unterm Küchentisch. Wenn die Frau das Geld verdient
1. Aufl. 2013, ca. 290 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94595-9

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