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Archiv für die Kategorie 'Politik'

Nachgefragt: Hans Hopf, Flüchtlingskinder gestern und heute

Donnerstag, 4. Mai 2017

hopf-fluechtlingskinderDie Erinnerung an das eigene Flüchtlingsschicksal und die psychoanalytische Betrachtung der Flüchtlingskinder heute, insbesondere der nichtbegleiteten Kinder und Jugendlichen, die bei uns auf der Suche nach Beistand und Hilfe ankommen, machen sein Buch zu einer Pflichtlektüre für alle. die mit FLüchtlingskindern zu tun haben… Bitte weiterlesen: > Lesebericht: Hans Hopf, Flüchtlingskinder gestern und heute. Das ist auch unser Blogprinzip: Lesen und dann nachfragen.
Wir haben Hans Hopf gestern im Verlagshaus von Klett-Cotta getroffen und konnten nachfragen:

www.france-blog.info:
> Bericht von Frau Annegret Kramp-Karrenbauer und Herrn Jean-Marc Ayrault zur Förderung der Integration in unseren Gesellschaften

Die KINDER sind auf dem Titel mit Versalien und in fetter Schrift hervorgehoben. Um sie geht es, um Flüchtlingskinder gestern und heute. Um die eigene Kindheit des Autors, um die Erzählung, wie er seine eigenen Traumata überwinden konnte, und wie dann seine Interesse dafür entstand, wie man das macht? Kindern zu helfen, damit sie die Erinnerungen an Vertreibung und Flucht zusammen mit den damit verbundenen Gräueltaten bewältigen können. Nochmal, das Buch ist ein Pflichtlektüre für alle, die mit Flüchtlingskinder umgehen, aber auch für alle, die sich an der Diskussion um Flüchtlinge beteiligen, und besonders für diejenigen, die im Alltag sich abfällig über Flüchtlinge äußern. Und dann aber auch für Politiker.

> Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration

Karl Heinz Brisch (Hg.)
> Bindung und Migration
1. Aufl. 2015, 288 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94939-1

Hans Hopf,
> Flüchtlingskinder gestern und heute. Eine Psychoanalyse
1. Aufl. 2017, 237 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96097-6


Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen – 9. Mai 2014 von Heiner Wittmann

Kennen Sie auffällige Jungen? Unkonzentriert? Fahrig? Unangepasst? Probleme mit den Affekten? Immer auf dem Sprung, als Zappelphilipp nicht zu bändigen? Probleme mit der Verarbeitung von Impulsen – seinen und denen anderer? Motorische Unruhe? Verhaltensauffällig, verhaltensabweichend, dann kommt doch irgendwann der Gedanke auf, die Eltern müssten den Jungen untersuchen lassen: ADHS? > Bitte weiterlesen – mit Video.

> Hans Hopf – Website

Hans Hopf, > Die Psychoanalyse des Jungen
1. Aufl. 2014, 404 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94775-5

PM May kündigt Neuwahlen am 8. Juni 2017 an

Dienstag, 18. April 2017

> 15 Argumente für den NonBrexit, gemeint sind die Gründe, die jetzt noch den Brexit verhindern könnten: „7. Vielleicht gibt es Neuwahlen in Großbritannien? Die könnten auch das Ende des Brexit bedeuten.“

Vielleicht liest Bois Johnson bis dahin sein Buch nocheinmal. In unserem Lesebericht zu diesem Buch hieß es: „So jetzt kommen wir zu der Frage, warum hat Boris Johnson dieses Buch geschrieben?

Erstmal natürlich um diesen erstaunlichen Politiker und seine Karriere zu würdigen. Loyal, integer, auch wenn er manchmal nicht nur für die Opposition sondern auch für die eigenen Gefolgsleute über die Stränge schlug, immer nicht nur im Krieg an vorderster Front, zweimal musste der König ihn schriftlich bitten, die Landung am D-Day nicht von einem der ersten Schiffe aus zu beobachten. Ein ungeheurer Sprachschatz stand Churchill zur Verfügung, der ihn zu einer beeindruckenden Produktion von Texten verleitete. Aber nochmal, warum schrieb Johnson dieses Buch?

Europa lautet das Stichwort. Gerade hadert England mal wieder mit der EU, und es steht sogar ein Volksentscheid an. Da kommt es wie gelegen, dass Johnson mit dem Kapitel 20 „Churchill, der Europäer“, an das „sperrige Thema der britischen Beziehungen zu ‚Europa’“ (S. 334) erinnert.“ >
Bitte Weiterlesen.

Boris Johnson,
> Der Churchill-Faktor
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und
Werner Roller (Original: The Churchill Factor. How One Man Made History)
2. Druckaufl. 2015, 472 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen s/w Abb. und 3×8 Seiten Tafelteil

Nachgefragt: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte

Montag, 27. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Kürzlich haben wir auf diesem Blog einen Lesebericht über das Buch des Historikers Volker Weiß > Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes verfasst.

Auf der Leipziger Buchmesse ergab sich eine Gelegenheit, mit Volker Weiß über sein Buch zu sprechen:

Der Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, kam am Donnerstag 23.3., auf den Stand von Klett-Cotta und hat 30 Minuten mit Volker Weiß und auch mit dem verlegerischen Geschäftsführer von Klett-Cotta, Tom Kraushaar gesprochen. Über das Gespräch hat Volker Weiß in unserem Gespräch berichtet.

Bitte öffnen Sie das folgende Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst, wenn diese Seite vollständig geladen ist, also der kleine blaue Kreis verschwunden ist, sonst funktioniert das Blättern per Klick nicht:

Im Untertitel wird die „Neue Rechte“ genannt, aber das ist doch eher alter Wein in neuen Schläuchen? Das ist doch eher so, dass jetzt Personen und Gruppen, die politische Entwicklungen oft auf fragwürdige Weise interpretieren und ausnutzen, um sich als „neu“ zu profilieren? Außerdem wollten wir von Volker Weiß wissen, was das mit dem Abendland damit zu tun? „Der Untergang des Abendlandes“ klingt dramatisch, aber was steckt hinter dem Begriff „Abendland“ in der neurechten Sichtweise? Die neu auftauchende „Abendländer“ und Islamisten seien „in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder“, so resümiert der Klappentext eine der Thesen von Volker Weiß, wie meint er das? Mit welchen Strategien haben die rechtspopulistischen Parteien die meisten Erfolge?

Wie schafften die Anhänger der AfD es, aus ihrer ganz rechten Schmuddelecke heraus, in Landtage zu gelangen? Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Deutschland: „die Rückkehr von Autorität und Religion von Politik vollzieht sich überall mit enormer Geschwindigkeit.“ (S.11) Was kommt da noch auf uns zu?

Weiß nennt als Gründe die Euro-Krise, aber „die künstliche Schöpfung einer neuen rechten Tradition unter der Flagge einer ‚Konservativen Revolution‘ die sich nach 1945 vom Nationalsozialismus abgegrenzt wissen wollte…“, (S. 12) aber auch nationalstaatliche Gedanken, die vom „Verfallsprozess bürgerlich-konservativer Politik“ (ebd.) zu profitieren, dies gehört doch zur Kernthese seines Buches? Die „Neue Rechte“ hofft darauf, dass Anhänger aus dem rechten bürgerlichen Lager ihren Sirenenrufen (blind) folgen.

„Archäologische Arbeiten“ nennt Weiß sein Vorgehen, die Entwicklung der neuen Rechten aufzudecken. Jede seiner Seiten ist spannender als jeder landläufige Artikel über die AfD. Der „zwischentag“ am 6.10.2012 in Berlin ist ein Glied der Kette? Sie zeigen Argumentationsmuster, die sich später in der AfD wiederfinden. Er schreibt „Die politische Agenda der Neuen Rechten ist seit Jahrzehnten ausformuliert.“ (S. 27) Haben wir da etwas übersehen?
Es folgt eine historische Analyse, faktenreich aber vor allem kenntnisreich, auf der Basis einer präzisen und geduldigen Recherche: „Das theoretische Gerüst der neurechten Bewegung ruht auf einem ausgeprägten Antirationalismus und die aristokratische Haltung ist nichts anderes als Pose,“ stellt Weiß fest. Schon Anfang der 70er Jahre stand die Neue Rechte „in einer faschistischen Bündnistradition“, (S. 31) so lautet ihr Ergebnis.

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Lesebericht: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes

Freitag, 17. März 2017

> Nachgefragt: Volker Weiß, Die autoritäre Revolte – 27. März 2017

> Leipziger Buchmesse 2017: 23.-26. März 2017


Das Buch des Historikers Volker Weiß> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017.

> Alle Termine zu diesem Buch

Zwar steht im Untertitel die „Neue Rechte“ aber nicht im Sinn von jetzt neu aufgestellt als Antwort auf dringende Probleme, sondern eher im Sinn von „alter Wein in neuen Schläuchen“, also Personen und Gruppen, die politische Entwicklungen oft auf fragwürdige Weise interpretieren und ausnutzen, um sich als „neu“ zu profilieren. Die wieder neu auftauchende „‚Abendländer‘ und Islamisten“ sind „in ihrem Kampf gegen Selbstbestimmung Waffenbrüder“, so resümiert der Klappentext eine der Thesen von Volker Weiß.

Fundamentalopposition gegen Europa, Kritik an der Flüchtlingspolitik, pauschale Warnungen vor dem Islam, und eine Partei, wie die AfD, die auf ihrer Website sich als (> AfD :) „Alternative für Deutschland. Demokratische Partei und Bürgerbewegung gegen die undemokratische und rechtswidrige Willkür der etablierten Altparteien“ anbietet. Es genügt ihr, die anderen Parteien als „undemokratisch“ zu bezeichnen und deren „Rechtswidrigkeit“ zu behaupten, um Zulauf zu bekommen. Zum Mechanismus der „dogmatischen Setzung“ hat sich gerade Daniel-Pascal Zorn in seinem Buch geäußert: > Lesebericht: Daniel-Pascal Zorn, Logik für Demokraten. Eine Anleitung.

Wir fragen uns, wie kommt der Erfolg auch mit Blick auf den FN in Frankreich der Rechtspopulisten zustande? Wie schafften die Anhänger der AfD es, aus ihrer ganz rechten Schmuddelecke heraus, in Landtage zu gelangen? Das Phänomen beschränkt sich keineswegs auf Deutschland: „die Rückkehr von Autorität und Religion von Politik vollzieht sich überall mit enormer Geschwindigkeit.“ (S.11) Die Neuen Rechten machen sich Ängste und Befürchtungen u. a. im Zusammenhang mit der Euro-Krise zunutze, um „durch die künstliche Schöpfung einer neuen rechten Tradition unter der Flagge einer ‚Konservativen Revolution‘ die sich nach 1945 vom Nationalsozialismus abgegrenzt wissen wollte…“, (S. 12) unter Zuhilfenahme nationalstaatlicher Gedanken, die vom „Verfallsprozess bürgerlich-konservativer Politik“ (ebd.) zu profitieren und darauf hoffen, dass Anhänger aus dem rechten bürgerlichen Lager ihren Sirenenrufen (blind) folgen.

„Archäologische Arbeiten“ nennt Weiß sein Vorgehen, die Entwicklung der neuen Rechten aufzudecken. Jede seiner Seiten ist spannender als jeder landläufige Artikel über die AfD. Die Mitglieder der AfD tun so, als ob die Ankunft der Flüchtlinge im letzten Spätsommer den Niedergang unserer Republik auslösen würden, stattdessen nutzen ältere rechte bis extremrechte Seilschaften Stimmungen aus, um sich selber in einem neuen Licht darzustellen. Weiß hat gründlich recherchiert und die Genealogie der lauten Populisten aufgeschrieben, die gut daran täten, sich nach der Lektüre dieses Buches, zurückzuhalten, zumal auch ihre Gegner mit Weiß‘ Analyse wissen, wie es um die Aufrichtigkeit und die Ziele der Neuen alten Rechten bestellt ist.

Auf dem Berliner „zwischentag“ am 6.10.2012 im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf war schon ein rechtes Sammelbecken mit Götz Kubitschek mit dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS), dessen Hauszeitschrift Sezession, Kubitscheks Verlag Antaios, der nationalkonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit, der Chemnitzer Schülerzeitung Blaue Narzisse und dem Internet Politically Incorrect (vgl. S. 16) „Ist der Islam unser Feind?“ wurde beim „zwischentag“ in der Diskussion von Karlheinz Weißmann, der als Historiker argumentierte, und Michael Stürzenberger gefragt, der auf die Angst setze und den Koran mit Hitlers Mein Kampf (vgl. S. 17) In der Diskussion des „zwischentags“ kamen auch die Begriffe „Volksaustausch“ und „Identität“ zur Sprache (S. 21) Ein Zwischenruf von Lichtmesz erinnerte an Arthur Moeller von den Bruck (1876-1925) und seine Formel „An Liberalismus gehen die Völker zugrunde.“ (vgl. S. 21) Der Diskussionsverlauf beim „zwischentag“ zeigt aber, dass nicht alleine der Islam als Bedrohung identifiziert wird, sondern „die globale Moderne mit all ihren Konsequenzen“. (S. 22) Der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke verkündet 2013 in Erfurt: „Der Islam ist nicht mein Feind, unser größter Feind ist die Dekadenz.“ (S. 25) Sich tolerant geben, aber Kritik üben, die Zuhörer applaudieren, das kann man sich so richtig vorstellen, aber ob sie wohl auch wissen warum? Weiß: „Die politische Agenda der Neuen Rechten ist seit Jahrzehnten ausformuliert.“ (S. 27) Haben wir da etwas übersehen?

Es folgt eine historische Analyse, faktenreich aber vor allem kenntnisreich, auf der Basis einer präzisen und geduldigen Recherche: „Das theoretische Gerüst der neurechten Bewegung ruht auf einem ausgeprägten Antirationalismus und die aristokratische Haltung ist nichts anderes als Pose,“ stellt Weiß fest. Schon Anfang der 70er Jahre stand die Neue Rechte „in einer faschistischen Bündnistradition“, (S. 31) so lautet sein Ergebnis.

Ein langes Kapitel ist dem Ideengeber für die Neue Rechte Armin Mohler (1920-2003) und seiner 1949 erschienen Dissertation Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932 gewidmet, dessen Doktorvater Karl Jaspers in dem Irrtum die Arbeit annahm, damit würden die in ihr genannten Autor entnazifiziert werden. (vgl. 39-64, bes. 47). Die Schlussfolgerung, altes Gedankengut wird neu verpackt und mittels gewagter und oft falscher Interpretationen als einzigen Ausweg vor dem Chaos den Sympathisanten angeboten. Die Hetze gegen die Flüchtlinge darf die rechten Parteien der Koalition nicht verleiten, ebenfalls in trüben Gewässern zu fischen.

Der Weg zur AfD – die Sammlung der Kräfte.(S. 64 ff) Die neue Rechte war aber auch nicht nur eine Neuformierung, sondern ihre Anhänger hingen in den achtziger Jahren enger mit der bürgerlichen Rechten zusammen als heute, berichtet Weiß und analysiert die Entwicklung der „Jungen Freiheit“. 2000 entstand das oben genannte Institut für Staatspolitik (IfS) mit dem sich Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek für die Theoriearbeit einsetzten. 2003 wurde die AfD gegründet, deren innerparteilicher Streit zwischen Nationalkonservativen und Völkisch-Nationalen (S. 83-92, bes. S. 91) immer weiter schwelt. Die Identitäre Bewegung (IB) nimmt hauptsächlich die Flüchtlingsfrage als Gefahr für Europa in den Blick (S. 93-117) und kann ihre „Traditionsbestände“ (S. 118) nicht verbergen. Zur rechten Ecke gehört auch „Pegida“ und „HogeSa“ 2014 in Köln.

Das „Abendland“ wird einem eigenen Kapitel von Weiß als Begriff untersucht: S. 155-168 und als willkürlicher „Kampfbegriff“ im Sinne einer „Verbrämung eines neu angelegten ‚Rassenkampfes'“ (S. 186) eingeordnet. Dahinter erscheint auch der Traum eines „eurasischen‘ Kontinentalbündnis[ses] Moskau-Berlin(-Paris)“ (S. 202)

Was lernen wir aus Weiß‘ Buch? Die Kenntnisse der Ursprünge der sich jüngst neu zusammengefundenen populistischen politischen Gruppierungen verrät ganz erstaunliche Einsichten. Die jüngsten Debatten um die „faked News“ oder neuamerikanisch „postfaktische“ Behauptungen müssen ernstgenommen werden, bevor manche sie als Wahrheiten verkaufen. Bleiben wir hellwach, wenn uns Feststellungen genannt werden, um daraus sogleich politische Programme abzuleiten.

Volker Weiß
> Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes
1. Aufl. 2017, 304 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94907-0

Konfliktdynamik 1/2017

Mittwoch, 11. Januar 2017

konfliktdynamik-1-17Ein Foto vom Glasleseraum, auf dessen Glaswänden TTIP-LESERAUM (Greenpace) und #ttipleaks steht, und in dem Leser über den (vertraulichen) Akten gebeugt sitzen, prägt das Cover dieser Ausgabe. Darunter wird der Schwerpunkt dieses Heftes genannt: „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Das Foto passt dazu. Zuerst waren die TTIP-Verhandlungen geheim, das Lese-und Einblickrecht musste erst erstritten werden. Wie wäre die Diskussion in der Öffentlichkeit verlaufen, wenn die Verhandlungen von Anfang öffentlich geführt worden wären? So wie bei der öffentlichen Anhörung via Internet zur Vorlage für das Gesetz zur digitalen Wirtschaft in Frankreich, für das wir eine > Präambel vorgeschlagen hatten?

In diesem Heft geht es um Grundfragen der Legitimation außergerichtlicher Konfliktregelung. Mit Schieds-, Schlichtungs- und Mediationsverfahren gibt es Alternativen zur gerichtlichen Streitentscheidung. Diese Verfahren können sogar eine höhere fachliche Kompetenz bei der Streitentscheidung bieten. Oder gerade die fachgerecht durchgeführte Mediation bietet den Parteien flexiblere und informellere Verfahrensweisen, bei denen sie selber über ihre Belange entscheiden können. Für die Auseinandersetzungen in solchen außergerichtlichen Konfliktregelungsverfahren sind Themen geeignet, zu denen Rechtsnormen als Entscheidungskriterien entstanden sind. Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Spannungsfeld zwischen informellen, vertraulichen Konfliktregelungsverfahren und rechtsstaatlichen Prinzipien zu.


> Konfliktdynamik Heft 1, Januar 2017, 6. Jahrgang
Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat


Renate Dendorfer-Ditges, > Ditges PartGmbH in Bonn und Kirsten Schroeter, Meditationszentrum Altona, berichten über „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Den beiden Autoren geht es „nicht um eine Ersetzung der Verfahren des gerichtlichen staatlichen Rechtsschutzes, sondern um deren Ergänzung und Entlastung, für viele Verbraucher sogar um die Eröffnung einer realen Chance des Zugangs zum Recht.“ S. 8

Peter Hammacher, Heidelberg, „Transparenz und Schiedsverfahren“ unterstreicht die Notwendigkeit von transparenten Handeln auf allen Ebenen eines demokratischen Rechtsstaates. Es gilt abzuwägen zwischen Verschwiegenheit und Vertraulichkeit. Das ist das Stichwort für den Beitrag von Silke Schneider, (Richterin, u. a. Vorsitzende Richterin am Landgericht Lübeck sowie Direktorin des Amtsgerichts Bad Segeberg, Mediatorin BM®, BMWA und BAFM, Referentin im Bereich Mediation) „Vertrauen in die Vertraulichkeit – nur bedingt berechtigt. Die Vertraulichkeit der Mediation im Spannungsfeld zum Straf- und Strafprozessrecht“. Sie weiß um die Achillesferse Vertraulichkeit der Mediation, sei kennt das Spannungsverhältnis zwischen Strafverfolgung und Vertraulichkeit in der Mediatation und legt hier ihren Standpunkt dar.

konfliktdynamik-1-17Ulla Gläßer, „Die Diskussion um die alternative Streitbeilegung in Verbrauchersachen. Von einer polarisierten Debatte zu einem integrativen Ansatz“. Sie erklärt die unter Bezug auf einschlägige Normen des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG) aufgezeigt, wie durch entsprechende Rahmenbedingungen und Verfahrensweisen auf die einzelnen Kritikpunkte konstruktiv reagiert werden könnte. ALs Fazit formuliert sie ein Plädoyer für eine integrative Herangehensweise an die weitere Etablierung der Verbraucherstreitbeilegung im Sinne von »Appro priate Dispute Resolution«.

Es folgen Berichte aus Theorie und Praxis u.a. von Sascha Weigel über die „Transformative Mediation und Transaktionsanalyse“
Theorie und Praxis, ein Gespräch wischen Rudi Ballreich mit Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd: „Strukturaufstellungen und transverbale Konfliktarbeit“. Aus ihrer Sicht steuern Daniela Bornschein und Alexander Redlich „Die Vertrauensbrüche“ ein Instrument für die Konfliktberatung mit einzelnen Konfliktparteien bei.

Call for Papers:
Ausgabe 2/2017: Bewusstheit, Selbsterfahrung und Ausbildung für KonfliktberaterInnen
Ausgabe 3/2017: Vertrauen und Misstrauen
Ausgabe 4/2017: Krieg, Flüchtlinge und ethnische Konflikte

Die Herausgeber bitten um Beiträge zu den genannten Rubriken und zu den Schwerpunktthemen. Es wird empfohlen, sich bereits während der Konzeption eines Beitrages mit der Redaktion abzustimmen: > redaktion@konfliktdynamik.de. Für Fragen zu den Inhalten oder dem Publikations­ verfahren stehen auch die Herausgeber gern zur Verfügung.
Die Konfliktdynamik erscheint vierteljährlich – jeweils Anfang Januar, April, Juli und Oktober. Annahmeschluss für Beiträge ist jeweils 4 Monate vor dem Erscheinen.

#NonBrexit

Donnerstag, 3. November 2016

Erinnern wir hier nochmal an unseren Lesebericht das Buch von Boris Johnson > Der Churchill Faktor: „Hm, ein bisschen lang, aber der Autor dieses Beitrags hat sich nur auf die auf die allerwesentlichsten Leseergebnisse aus diesem Buch beschränkt; aber die Anregungen durch Johnsons Buch, Quellen nachzulesen, konnte der Autor sich nicht verkneifen und schließlich beantwortet er als Zusammenfassung dieses langen Artikels die Frage, warum Boris Johnson dieses Buch verfasst hat.“ … > Bitte weiterlesen.

boris-johnson-churchill

Boris Johnson,
> Der Churchill-Faktor
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und
Werner Roller (Original: The Churchill Factor. How One Man Made History)
2. Druckaufl. 2015, 472 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen s/w Abb. und 3×8 Seiten Tafelteil
ISBN: 978-3-608-94898-1

Dazu der Kommentar > Boris Johnson und der #NONBrexit

Look here: > 15 reasons why the Brexit will not take place

16: Premierministerin May versprach in Birmingham ein Bill das die Eu-Verträge aus dem > Statute Book löschen soll. Geht doch nur mit dem Parlament. Und wenn das nicht mitmacht?

17: Der High Court hat heute entscheiden, dass der Art. 50 von der Regierung nicht ohne Zustimmung des Parlaments in London aktiviert werden darf. Berufung ist möglich.

und vielleicht der 18. Grund für das Ende des Brexit?

Lesebericht: Mohamedou Ould Slahi, Das Guantanamo-Tagebuch

Dienstag, 18. Oktober 2016

Aus gegebenem Anlass holen wir diesen Beitrag nach oben: > www.spiegel.de/politik/ausland/usa-autor-von-guantanamo-tagebuch-ist-frei-a-1117048.html

slahi-guantanamo-tagebuchWenn aus der Feder eines in Guantanamo einsitzenden Häftlings ein 400 Seiten dickes Buch erscheinen darf, in dem er Entführungen und Folter berichtet, wird man misstrauisch. Was ist an so einem Bericht dran? Wieso lassen die Behörden es zu, dass das Buch Slahis veröffentlicht werden darf? Tatsächlich wird Mohamedou Ould Slahi noch immer in Guantanamo immer noch ohne Gerichtsurteil festgehalten. Das > Manuskript zu diesem Buch hat er 2005 verfasst. Seitdem haben die Behörden seine Aufzeichnungen geprüft und viel geschwärzt. Dann, nach 10 Jahren Prüfung, die von seinen Anwälten immer wieder vorangetrieben wurde, darf das Buch in der Fassung des Herausgebers Larry Siems nun doch erscheinen. Im Vorwort beschreibt Siems ausführlich, wie er das Manuskript für den Druck vorbereitet hat. In Deutschland wird es heute vom Verlag Tropen veröffentlicht. Siems Einleitung berichtet über die Umstände, in denen das Manuskript entstanden ist: S. 17-53.

guantanamo

> www.guantanamodiary.com/

Mohamedou Ould Slahi ist Jahrgang 1970. Zwölf Jahre lebt er in Deutschland und studiert Elektrotechnik. 2000 gerät er das erste Mal in das Visier amerikanischer Fahnder, die ihn in Verdacht haben am Plan, den Flughafen von Los Angeles zu bombardieren (Millenium-Plotz), beteiligt zu sein. Er wird aber wieder freigelassen. Nach den Anschlägen von New York wird er nach Jordanien entführt, es folgen Verhöre, dann kommt er nach Bagram in Afghanistan und von dort aus Guantanamo. Das war im AUgust 2002. Er soll sich im Umkreis von Osama Bin Laden aufgehalten haben. Slahi wird Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten und Beteiligung an Terrorakten zur Last gelegt. Ein geordnetes juristische Verfahren hat der Häftling mit der Nummer 760 bis heute nicht bekommen.



Das Buch beginnt mit der Chronik einer Freiheitsberaubung. Nach seiner Ausreise aus Deutschland und kam 1991 im al-Farouq-Trainingslager in Khost ein und schwor, so berichtet Larry Siems (S. 25), der al-Qaida einen Treueeid. Es folgte der Abschluss des Studiums in Deutschland, ohne dass der Kontakt mit seinen Freunden in Afghanistan abriss. Seit seiner Verhaftung nach den Anschlägen vom 11. September ist Mohamedou Ould Slah in amerikanischem Gewahrsam.

slahi-guantanamo-tagebuchDas erste Kapitel von Slahis Das Guantanamo-Tagebuch berichtet über die Verlegung, die ein Entführung war, von Jordanien über Afghanistan bis GTMO Guantanamo am 5. August 2002.. Nackt in Ketten mit einer Augenbinde. S. 59 f. Die Verhöre beginnen und Slahi kann sofort aus den Fragen auf die Entwicklung in Afghanistan schließen. Es folgen immer neue Verhöre und Isolationshaft, schließlich wird Slahi nach Guantanamo geflogen. Dort wird er u.a. auch von Beamten des BND und einem Angehörigen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (Anm. 30, S. 107) verhört. Ganze Seiten S. 112 ff. sind geschwärzt, offenbar um dem Leser Details der Befragungen und der Foltermethoden zu ersparen. Über einen seiner Peiniger heißt es einmal: „Er beherrschte die Sprache gar nicht gut.“ (S. 113) – Rückblende: 2. Kapitel Senegal – Mauretanien, Januar-Februar 2000 mit der ersten Verhaftung. 3. Kapitel. Mauretanien, September-November 2000 und erneute Verhaftung. 2003 kommt Slahi nach Guantanamo weiterhin ohne Aussicht auf Freilassung. Irgendwie beginnt Slahi sich mit seiner Umgebung zu arrangieren, er lernt Englisch und findet in seiner Umgebung auch Menschen, die sich ihm zuwenden. dann aber immer wieder Verhöre auch nachts in kalten Räumen. Die Ermittler tun alles, um mehr über seine vermutete Verstrickung in die Ereignisse vom 11. September zu erfahren: S. 271 ff. Die Verhöre zermürben Slahi: „Der Typ wollte doch tatsächlich, dass ich glaubte, dass ich hinter dem 11. September steckte.“ (S. 271) Die Verhöre werden ausgedehnt, seine letzte persönliche Habe wird konfisziert. Es steht immer nur der Verdacht im Raum, offenkundig können konkrete Taten ihm nicht nachgewiesen werden. Sexuelle Belästigungen kommen dazu. Die verhöre werden wieder weiter verstärkt: „Sie zwangen mich, Dinge zuzugeben, die ich nicht getan habe.“ (S. 299) Wieder werden große Teile geschwärzt und man kann man kann ahnen welchen Qualen Slahi ausgesetzt wurde.

In der Nachbemerkung wird Mohamedou Ould Slahi mit den Worten zitiert, er hege keiner Person in diesem Buch Groll gegenüber. Er wünsche, dass sie das Buch lesen, und Dinge richtigstellen, wenn sie es für nötig halten. Eines Tages wolle er mit allen bei einer Tasse zusammensitzen, nachdem man soviel voneinander gelernt habe.

Ist das Buch ein halbherziger Versuch der Amerikaner mit den unhaltbaren Zuständen auf Guantanamo ein Ende zu machen, die Absicht zu zeigen, die Vorgänge dort öffentlich zu machen und zu ihrer Aufklärung beizutragen, indem man die Insassen selber zu Wort kommen lässt? Wurde das Manuskript freigegeben, weil es vielleicht sonst die Gerüchte um Guantanomo die USA in eine noch schlechteres Licht stellen würden? Allerdings tragen auch die Schwärzungen dazu bei, die Authentizität und die Glaubwürdigkeit von Salhis Buch zu bekräftigen. Das was er an Folter und Verhören dort am Rande der physischen Leistungsfähigkeit durchstehen musste, slahi-guantanamo-tagebuchwürde kann auch durch Gerüchte nicht verschlimmert werden. Mittlerweile hat ein Gericht seine Freilassung angeordnet,was durch die Regierung aber verhindert worden ist.

Mohamedou Ould Slahi
Das Guantánamo-Tagebuch
Aus dem Amerikanischen von Susanne Held
1. Aufl. 2015, 459 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-50330-2

Lesebericht: PSYCHE – Heimat Fremdheit Migration

Freitag, 2. September 2016

psyche-heimat-fremdheit-migrationDas neue Doppelheft PSYCHE – Heimat Fremdheit Migration ist in unserer Redaktion angekommen.

Mit der Überschrift zu seinem Editorial zu dieser Ausgabe hat Werner Bohleber die richtigen Worte gewählt: „Die Psychoanalyse in einer globalisierten Welt“. Es geht in diesem Heft um Migranten und Flüchtlinge, die zwischen ihrer Heimat und den Aufnahmeländern unterwegs sind. In erster Linie geht es gemäß des Titels dieser Zeitschrift um ihre Psyche und um die Ursachen der Migration, zu denen auch die Globalisierung gehört, die als Fakt nicht einfach wie eine Fluchtursache zu bekämpfen ist. Das klang auch im > Interview mit dem Défenseur des droits, Jaques Toubon an, als wir ihn danach fragten, ob ob England per Referendum die Migration stoppen könne, sagte der Défenseur Nein, das sei eine Illusion. Zäune, Einreiseverschärfungen, das alles nützt nichts, globale Migrationsbewegungen werden eher zunehmen als abnehmen, da hilft auch kein Zurückrudern wie Siegmar Gabriel das versucht, der zuerst sagte, „Wir schaffen das.“ Auch wenn die Rechtspopulisten sich dagegen wehren, ihre einfachen Rezepte der Abgrenzung werden nicht funktionieren, das Tempo und die Zahl der Migranten werden eher zunehmen. Da wäre es besser, darüber nachzudenken, wie diese Situation > gemäß unserem Anspruch an die Menschenrechte bewältigt werden kann.

Die Flüchtlinge kommen nicht aus Reiselust, sie bringen entsetzliche Erlebnisse mit, Terror, Mord, Verfolgung, Tod und das oft über Jahre lang. Ihre Kinder haben bis jetzt nur das Grauen in der Welt kennengelernt, dazu oft noch eine halsbrecherische Flucht, bei der das Versinken im Schlamm der Lager noch dazu kam. Bis sie dann vor den Zäunen stehen, die ihnen die letzten Kilometer ihrer Flucht abschneiden. Ihnen muss geholfen werden, genauso wie auch diejenigen Hilfe, Beistand und Aufklärung benötigen, die glauben, die Zuwanderer seien für Sie eine Bedrohung. Bohleber antwortet darauf, die politologischen, ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen aufgerufen sind, sich darum zu kümmern. Und er erinnert an die neue Konjunktur des Begriffs Heimat: „Freuds Arbeit Das Unheimliche (1919h) hat uns gelehrt, uns nicht zu behaglich im Eigenen, Vertrauten und Heimatlichen einzurichten. Er arbeitet heraus, wie sich das Heimliche, heimelig Vertraute zu einer ambivalenten Bedeutung hin entwickelt hat, bis es mit seinem Gegensatz »unheimlich« zusammenfiel.“ (S. 766 f.) Die Parallele zum Begriff Freuds des Unbewussten ist offenkundig, der „zugleich biologische und symbolische Andersheit im Inneren des Menschen verortet und zu einem integralen Bestandteil des Selbst“ (S. 767) wird. Und Bohleber zitiert Julia Kristeva, J.: Fremde sind wir uns selbst. Übers. X. Rajewsky. Frankfurt/M. 1990, S. 197 f.: „Von nun an ist das Fremde nicht Rasse und nicht Nation […]. Als Unheimliches ist das Fremde in uns selbst: Wir sind unsere eigenen Fremden – wir sind gespalten« (1990, S. 197f.). Bohlebers Editorial ist ein sehr lesenwerter Literaturbericht, der die Ansätze der Migrationsfoschung mit ihren psychologischen Hintergründen referiert.


bericht-integration> Bericht von Frau Annegret Kramp-Karrenbauer und Herrn Jean-Marc Ayrault zur Förderung der Integration in unseren Gesellschaften

Dazu: > Flüchtlinge und Integration: Akteure der deutsch-französischen Zusammenarbeit

Weil die Migranten nach den letzten Attentaten immer mehr Gefährdungen durch die populistischen und extremistischen Parteien ausgesetzt werden, die simple Lösungen bis hin zum offenen Rassismus propagieren, erinnern wir hier noch einmal an die auf unserem Blog, die die Menschenrechte als Thema hatten: > Die Migranten und die Menschenrechte


M. Fakhry Davids, Ethnische Reinheit, Andersartigkeit und Angst, stellt das Modell einer »inneren rassistischen Organisation« vor. Es handelt sich um eine pathologische Anlage in uns, ein Abwehrsystem gegen primitive Ängste (vgl. achc S. 801) , das im Umgang mit Menschen, die zu einer anderen ethnischen Gruppe gehören, virulent werden kann und unser Denken beeinträchtigt, gar lähmt. Für Davids erlaubt diese innere Struktur anderen keinen Raum, ein normaler Mensch zu sein, sondern vereinnahmt ihn, und macht Merkmale, die die Mitglieder einer bestimmten ethnischen Gruppe charakterisiert, zum Ausgangspunkt für eine massive projektive Identifizierung. Das Verständnis dieses „inneren Rassismus“ kann dazu beitragen, dass Menschen anderer Ethnien sich aus Sackgassen befreien, die unser professionelles Verhalten beeinträchtigen. Man muss Optimist bleiben, das fällt leichter, wenn man Davids folgt und den Mechanismus der inneren AnNgst gegenüber Fremden durchschaut hat: „Doch auch wenn die Angst davor, dass eine Konfrontation mit dem inneren Rassismus katastrophal endet, sehr groß ist, verfügt das »normale« Ich über die notwendigen Ressourcen, um einen solchen Kampf aufzunehmen. Anders gesagt: Die Organisation selbst ist es, die heftige Angst generiert, um das Subjekt anschließend in ihre eigenen schützenden Arme zu treiben.“ (S. 802)


> Nachgefragt. CNCDH: Le rapport sur la lutte contre le racisme, l’antisémitisme et la xénophobie

Am Montag, 2. Mai 2016, hat Mme Christine Lazerges, Präsidentin der Commission nationale consultative des droits de l’homme CNCDH den Bericht über den Kampf gegen den Rassismus, gegen den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit der Regierung übergeben … Der erste Teil des Berichts zählt anitrassistische, anitsemitische und fremdenfeindliche Vorfälle auf und stellt die Mittel zu ihrer Verhinderung vor.


psyche-heimat-fremdheit-migrationRoger Kennedy stellt das integratives Konzept eines »psychischen Zuhauses« vor. Es geht um die Identität des Einzelnen die durch ein entsprechende psychischen Struktur gefördert werden soll. Wie werden Flüchtlinge bei uns heimisch. Welche Fragen der Identität werden gestellt? Sie sollen ihre Identätät nicht wechseln, sie können sie auch gar nicht austauschen. Was helfen kann ist der Versuch die Dynamik von Toleranz versus Intoleranz verstehen.

Sverre Varvin erklärt die Flüchtlingserfahrung mit Traumatisierungen, dem Verlust der Heimat, den Fluchterfahrungen, den Erfahrungen im Exil, den tiefen Erschütterungen und Brüchen der Identität und dem Wunsch nach einem Sicherheit vermittelnden Exil. Mit einem Fallbeispiels diskutiert sie die Bedingungen für die analytische Psychotherapie mit schwer traumatisierten Flüchtlingen.

Thomas Auchter meint, Fremdenfeindlichkeit und Fundamentalismus sei in der frühen Entwicklung des Menschen angesiedelt. Aufgrund von späterer Kränkungen kommt dieser maligne Narzissmus zum Ausbruch. Die Folge kann ein Fundamentalismus sein, der sich sich als innere geistige Haltung in einer Flucht ins Radikale und ideologisch Absolute ausdrückt.

Patrick Meurs untersucht die Beweggründe radikalisierter junger Muslime, die sich dem IS anschließen. Er zeigt, wie Anwerber sie in die Radikalisierung treiben. Die Vorstellung einer reinen Welt des Islam, die Hingabe an einen charismatischen Anführer und die Vorstellung der Brüderlichkeit der Kämpfer sollen den Hass auf den Westen schüren.

psyche-heimat-fremdheit-migrationAnna Leszczynska-Koenen diskutiert, in welcher die Sprache psychoanalytischen Behandlungen stattfinden: „Es mag sein, dass die Muttersprache oft näher an dem dran ist, »was vor der Sprache war«, und sich der Verbindungskanal zu den unbewussten Erlebnisinhalten mit ihrer Hilfe deswegen leichter öffnen lässt. Aber sie stellt auch viele Umschreibungen und Umwege zur Verfügung, die es erlauben zu intellektualisieren und auszuweichen. In der Fremdsprache, in der man solche Instrumente nicht beherrscht, wird die Kommunikation oft basaler, wie in der Verständigung mit einem kleinen Kind, und sie muss auch stärker aus dem präverbalen Kontakt schöpfen, der bei elaboriertem Sprachgebrauch in den Hintergrund geraten kann.“ (S. 920)

Christoph Schneider untersucht mit seinem Aufsatz Das Ferne, das uns nahe ist Fremdheit als eine relationale Beziehungseigenschaft, die nicht dem anderen personal zugeschrieben werden kann. Der klassischen vertikalen Konzeption des Unbewussten kontrastiert er mit einer horizontalen Konzeption psychischer Fremdheit.

Marianne Leuzinger-Bohleber, Constanze Rickmeyer, Judith Lebiger-Vogle, Korinna Fritzemeyer, Mariam Tahiri und Nora Hettich berichten über Frühpräventionsprojekte des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt/M. für Familien mit Migrationshintergrund vor. Es geht um die Fragen, wie zum Beispiel eine transgenerative Weitergabe von Traumatisierungen verhindert oder gemildert werden kann.


Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration 26. September 2015 von Heiner Wittmann: „Dieser Band geht auf die Internationale Konferenz Bindung und Migration, die von der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. Haunerschen Kinderhospital der Ludwig-Maximilians-Universität am 11. und 12. Oktober 2014 veranstaltet wurde, zurück, deren Beiträge hier vorgelegt werden.

In den kühnsten Träumen kann man sich das Elend und das erlittene Leid der Jugendlichen z. B. in Syrien, die vor Ort aus ihrem Lebensumfeld durch unermessliche Gewalt und Tod von Freunden, nahen Angehörigen herausgerissen wurden, nicht vorstellen. Panik und extreme Angst bestimmten auf einmal ihr Umfeld. Für viele schließen sich Vertreibung oder Flucht in eine ungewisse Zukunft an. Sie sind gezwungen, in prekären Lagern zu überleben, zuweilen können auch die Erwachsenen ihnen kaum beistehen.“ > Bitte weiterlesen.


Vera King untersucht die Psychodynamik von Migration. Migration ist ein Trennungsprozess und ein von Hoffnungen getragenes »intergenerationales Erwartungsprojekt«, das sich in der Generation der Kinder verwirklichen lassen sollte: „Analogien von Adoleszenz und Migration zeigen sich übergreifend darin, dass Erwachsenwerden klassisch, auch in Mythen und Märchen, selbst wie ein Aufbruch, eine Reise in ein neues Leben und ein Auszug in die Fremde verstanden wird. Gerade wenn psyche-heimat-fremdheit-migrationjunge Leute migrieren, wird deutlich, wie stark beide Prozesse, Adoleszenz und Migration, nicht nur Parallelen aufweisen, sondern psychisch ineinander verwoben sind. Adoleszente müssen sich wie Migranten trennen und ihre vertrauten Bezüge aufgeben. Wie gut die notwendigen Umgestaltungen gelingen, hängt von psychischen Ressourcen und äußeren Bedingungen ab.“ (S. 983)

Am Ende des Heftes stehen Buchbesprechungen.


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