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Archiv für die Kategorie 'Wirtschaft'

Konfliktdynamik 1/2017

Mittwoch, 11. Januar 2017

konfliktdynamik-1-17Ein Foto vom Glasleseraum, auf dessen Glaswänden TTIP-LESERAUM (Greenpace) und #ttipleaks steht, und in dem Leser über den (vertraulichen) Akten gebeugt sitzen, prägt das Cover dieser Ausgabe. Darunter wird der Schwerpunkt dieses Heftes genannt: „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Das Foto passt dazu. Zuerst waren die TTIP-Verhandlungen geheim, das Lese-und Einblickrecht musste erst erstritten werden. Wie wäre die Diskussion in der Öffentlichkeit verlaufen, wenn die Verhandlungen von Anfang öffentlich geführt worden wären? So wie bei der öffentlichen Anhörung via Internet zur Vorlage für das Gesetz zur digitalen Wirtschaft in Frankreich, für das wir eine > Präambel vorgeschlagen hatten?

In diesem Heft geht es um Grundfragen der Legitimation außergerichtlicher Konfliktregelung. Mit Schieds-, Schlichtungs- und Mediationsverfahren gibt es Alternativen zur gerichtlichen Streitentscheidung. Diese Verfahren können sogar eine höhere fachliche Kompetenz bei der Streitentscheidung bieten. Oder gerade die fachgerecht durchgeführte Mediation bietet den Parteien flexiblere und informellere Verfahrensweisen, bei denen sie selber über ihre Belange entscheiden können. Für die Auseinandersetzungen in solchen außergerichtlichen Konfliktregelungsverfahren sind Themen geeignet, zu denen Rechtsnormen als Entscheidungskriterien entstanden sind. Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Spannungsfeld zwischen informellen, vertraulichen Konfliktregelungsverfahren und rechtsstaatlichen Prinzipien zu.


> Konfliktdynamik Heft 1, Januar 2017, 6. Jahrgang
Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat


Renate Dendorfer-Ditges, > Ditges PartGmbH in Bonn und Kirsten Schroeter, Meditationszentrum Altona, berichten über „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Den beiden Autoren geht es „nicht um eine Ersetzung der Verfahren des gerichtlichen staatlichen Rechtsschutzes, sondern um deren Ergänzung und Entlastung, für viele Verbraucher sogar um die Eröffnung einer realen Chance des Zugangs zum Recht.“ S. 8

Peter Hammacher, Heidelberg, „Transparenz und Schiedsverfahren“ unterstreicht die Notwendigkeit von transparenten Handeln auf allen Ebenen eines demokratischen Rechtsstaates. Es gilt abzuwägen zwischen Verschwiegenheit und Vertraulichkeit. Das ist das Stichwort für den Beitrag von Silke Schneider, (Richterin, u. a. Vorsitzende Richterin am Landgericht Lübeck sowie Direktorin des Amtsgerichts Bad Segeberg, Mediatorin BM®, BMWA und BAFM, Referentin im Bereich Mediation) „Vertrauen in die Vertraulichkeit – nur bedingt berechtigt. Die Vertraulichkeit der Mediation im Spannungsfeld zum Straf- und Strafprozessrecht“. Sie weiß um die Achillesferse Vertraulichkeit der Mediation, sei kennt das Spannungsverhältnis zwischen Strafverfolgung und Vertraulichkeit in der Mediatation und legt hier ihren Standpunkt dar.

konfliktdynamik-1-17Ulla Gläßer, „Die Diskussion um die alternative Streitbeilegung in Verbrauchersachen. Von einer polarisierten Debatte zu einem integrativen Ansatz“. Sie erklärt die unter Bezug auf einschlägige Normen des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG) aufgezeigt, wie durch entsprechende Rahmenbedingungen und Verfahrensweisen auf die einzelnen Kritikpunkte konstruktiv reagiert werden könnte. ALs Fazit formuliert sie ein Plädoyer für eine integrative Herangehensweise an die weitere Etablierung der Verbraucherstreitbeilegung im Sinne von »Appro priate Dispute Resolution«.

Es folgen Berichte aus Theorie und Praxis u.a. von Sascha Weigel über die „Transformative Mediation und Transaktionsanalyse“
Theorie und Praxis, ein Gespräch wischen Rudi Ballreich mit Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd: „Strukturaufstellungen und transverbale Konfliktarbeit“. Aus ihrer Sicht steuern Daniela Bornschein und Alexander Redlich „Die Vertrauensbrüche“ ein Instrument für die Konfliktberatung mit einzelnen Konfliktparteien bei.

Call for Papers:
Ausgabe 2/2017: Bewusstheit, Selbsterfahrung und Ausbildung für KonfliktberaterInnen
Ausgabe 3/2017: Vertrauen und Misstrauen
Ausgabe 4/2017: Krieg, Flüchtlinge und ethnische Konflikte

Die Herausgeber bitten um Beiträge zu den genannten Rubriken und zu den Schwerpunktthemen. Es wird empfohlen, sich bereits während der Konzeption eines Beitrages mit der Redaktion abzustimmen: > redaktion@konfliktdynamik.de. Für Fragen zu den Inhalten oder dem Publikations­ verfahren stehen auch die Herausgeber gern zur Verfügung.
Die Konfliktdynamik erscheint vierteljährlich – jeweils Anfang Januar, April, Juli und Oktober. Annahmeschluss für Beiträge ist jeweils 4 Monate vor dem Erscheinen.

Anthony Atkinson – 4.9.1944 – 1.1.2017

Montag, 2. Januar 2017

atkinson-ungleichheitDer britische Ökonom und Spezialist für die Fragen der Ungleichheit ist am 1. Januar 2017 gestorben, berichtet Goff Roiley in seinem Blog Economics > RIP Sir Tony Atkinson.

Noch im September hat er auf unsere Fragen zu seinem Buch > Ungleichheit. Was wir dagegen tun können, das gerade bei Klett erschienen war, geantwortet: Nachgefragt….

> Anthony Atkinson

Das Fotoalbum: Das Symposium »Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Fortschritt, Kapitalismus und globale Armut«

Dienstag, 20. September 2016

Das Symposium »Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Fortschritt, Kapitalismus und globale Armut« fand am 12. und 13. September 2016 im Haus der Berliner Festspiele statt. Drei weltweit bekannte Ökonomen und Anthropologen Michael Hudson, David Graeber und Angus Deaton haben ihre Thesen vorgestellt. Anthony Atkinson > Ungleichheit. Was wir dagegen tun können konnte leider nicht nach Berlin kommen.

Bitte öffnen Sie das folgende Fotoalbum mit einem Klick auf ein Foto erst, wenn diese Seite vollständig geladen ist, also der kleine blaue Kreis verschwunden ist, sonst funktioniert das Blättern per Klick nicht:

Ungleichheit im 21. Jahrhundert – Symposium mit Atkinson, Deaton, Graeber und Hudson

Freitag, 9. September 2016

> An die Schrankenwärter: Muss man das Urheberrecht beschränken?


Die Soziale Ungleichheit ist das Grundproblem unserer Zeit. Die globale Finanzwirtschaft zerstört und spaltet die Gesellschaft. Die Schulden werden den Bürgern aufgebürdet. Kapitalismus und Bürokratie haben einen verhängnisvollen Pakt geschlossen. Was kann getan werden, um den Verlierern in unserer Gesellschaft und auf globaler Ebene aus ihrer Misere zu helfen? Vier weltweit bekannte Ökonomen und Anthropologen stellen ihre Thesen vor:

Das Symposium »Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Fortschritt, Kapitalismus und globale Armut« findet am 12. und 13. September 2016 im Haus der Berliner Festspiele statt. Vier weltweit bekannte Ökonomen und Anthropologen Michael Hudson, David Graeber und Angus Deaton haben ihre Thesen vorgestellt.

> Das Fotoalbum: Das Symposium »Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Fortschritt, Kapitalismus und globale Armut«

hudson-sektor atkinson-ungleichheit graeber-schulden graeber-buerokratie

KC_Deaton_U1+R.indd Der Band von Angus Deaton > Der große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen erscheint bei Klett-Cotta am 14.1.2017.
1. Aufl. 2017, 448 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94911-7

Neben einer Auftaktveranstaltung am Montag 12.09. um 19.30 Uhr und einer Abschlussdiskussion am Dienstag 13.09. um 19.00 Uhr hat es mit jedem der drei Wissenschaftler eine Einzelveranstaltung gegeben.

Die Veranstaltung mit Anthony Atkinson am Dienstag um 10 h 30 fällt leider aus.

symposium-berlin

>> Flyer und Programm zum Download

Was: Symposium: »Ungleichheit im 21. Jahrhundert«

Wann: 12. und 13. September 2016

Wo: Haus der Berliner Festspiele

Eine Veranstaltung vom Internationalen Literaturfestival Berlin und dem Klett-Cotta Verlag.

Michael Hudson
Der Sektor
> Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört – Erscheint im November 2016
Aus dem Amerikanischen von Stephan Gebauer und Thorsten Schmidt (Orig.: The Bubble and Beyond / Fictious Capital, Debt Deflation and the Global Crisis)
1. Aufl. 2016, ca. 600 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94748-9

Anthony B. Atkinson
> Ungleichheit. Was wir dagegen tun können – Erscheinungsdatum: 27.08.2016
Aus dem Englischen von Judith Elze (Orig.: Inequality. What Can Be Done)
1. Aufl. 2016, ca. 480 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94905-6

David Graeber
> Schulden. Die ersten 5000 Jahre
Klett-Cotta Aus dem Englischen von Ursel Schäfer, Hans Freundl und Stephan Gebauer (Orig.: Debt)
1. Aufl. 2012, 536 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94767-0

David Graeber
> Bürokratie. Die Utopie der Regeln
Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Henning Dedekind (The Utopia of Rules)
1. Aufl. 2016, 329 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94752-6

> Lesebericht: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln

> Nachgefragt: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln – 8. April 2016 von Heiner Wittmann

Bei Klett-Cotta gibt es noch mehr Bücher über Geld, Kapital, Finanzen und Schulden:

hudson-sektor lanchester-schulden lanchester-kapital braudel-dynamik-kapitalismus
focke-kayser-scheferling-macht-geld gleeson-white-soll-haben lanchester-sprache-geldes

Zur Erinnerung. Sir Angus Stewart Deaton (* 1945) erhielt 2015 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften „für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt“:

Angus Stewart Deaton: > The Economist The Economist asks: How much does inequality matter?
Und noch was:

pauls-geschichte-geldAlan Pauls
> Geschichte des Geldes. Roman

Erscheinungsdatum: 27.08.2016

Roman aus dem Spanischen von Christian Hansen (Orig.: Historia del dinero)
1. Aufl. 2016, 271 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98005-9

Ein Stahlunternehmer kommt bei Absturz seines Helikopters ums Leben. Sein Aktenkoffer mit Geld verschwindet ohne jede Spur. Unfall oder Überfall? Im letzten Teil von Alan Pauls Argentinien-Trilogie geht es nur ums Geld: Großzügigkeit und Gewalt, Kapitalflucht und Strafe, Traum und Korruption. Der Erzähler muss ständig für den Saus und Braus seiner Mutter büßen. Schulden, undokumentierte Darlehen, absurde Investitionen und geheime Geschäfte. »Geschichte des Geldes« ist dokumentiert menschlichen Verlust, finanzielle Desaster – alles wegen des Geldes.

> Lesebericht: Joris Luyendijk, Unter Bankern
22. Juli 2015 von Heiner Wittmann

„Der Untertitel von Joris Luyendijks Untersuchung Unter Bankern „Eine Spezies wird besichtigt“ ist vom Verlag TROPEN bestens gewählt worden. Das ist es, worum es hier geht, eine Phänomenologie der Banker, der niederländische Titel ist genauso gut: „Dit kan nit waar zijn. Onder Bankiers“. Das Buch erklärt einige Schattenseiten des Bankenwesens in London, Sonnenseiten scheint es außer dem vielen Geld, was einige dort verdienen können, kaum wirklich zu geben. Das Buch will gar keine Erklärung des überaus komplizierten Bankensystem vermitteln, es will nur berichten über rund 200 Gespräche, die der Autor mit Bankern geführt hat, um, das Bankendickicht etwas zu durchstöbern….“

Joris Luyendijk
>
Unter Bankern. Eine Spezies wird besichtigt
Aus dem Niederländischen von Anne Middelhoek (Orig.: Dit kan niet waar zijn. Onder bankiers)
1. Aufl. 2015, 267 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-50338-8

Lesebericht: Anthony Atkinson, Ungleichheit. Was wir dagegen tun können

Donnerstag, 8. September 2016

atkinson-ungleichheitDer gerade in deutscher Übersetzung von Hainer Kober erschienene Band > > Ungleichheit. Was wir dagegen tun können von Anthony B. Atkinson ist Lehrbuch, Essay und politisches Programm zugleich. Lehrbuch, weil es die Anwendung wirtschaftstheoretischer Grundsätze vorträgt, erläutert und abwägt. Essay, weil es das Thema Ungleichheit von mehreren Seiten umkreist, um dann in Sinne eines politischen Programms daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, die der Autor in der Form von 15 „staatlichen“ (vgl. S. 8) Vorschlägen zur Verringerung der Ungleichheit (S. 303-307) zusammenfasst.

> Das Symposium »Ungleichheit im 21. Jahrhundert. Fortschritt, Kapitalismus und globale Armut« findet am 12. und 13. September 2016 im Haus der Berliner Festspiele statt.

Atkinsons Buch beeindruckt mit der Präzision seiner Überlegungen und folglich auch mit wohlüberlegten Begründungen seiner Vorschläge, die er im dritten Teil des Buches mit den möglichen Einwänden konfrontiert. Das Buch richtet sich an Wirtschaftswissenschaftler, Politiker, Studenten, soll aber auch aufrütteln, denn das Thema Ungleichheit wurde vom Pew-Forschungsinstitut 2014 nach einer Befragung „nach der größten Bedrohung der Welt“ als eine Sorge identifiziert, die alle anderen Sorgen in den Schatten stellt. Geschichte dient ihm als Lehrmeister, um die wirtschaftlichen Umstände aus der Verteilungsperspektive neu zu bewerten, mit dem Ziel die Ungleichheit zu reduzieren. Sein Credo lautet, wir sind gegenüber den Kräften, die der Einzelne nicht beherrscht keineswegs hilflos: „Die Zukunft liegt in unserer Hand.“ (S. 7)

atkinson-ungleichheitDer erste Teil stellt eine Diagnose vor und fragt nach den Zeiten, in denen die Ungleichheit zurückging? Das ist die Gretchenfrage, findet man die, kann man daraus lernen, was zur Reduktion der Ungleichheit führte. Jeder Gedanke an die Reduzierung der Ungleichheit muss dabei die Frage nach dem Erhalt der Arbeitsplätze und des Wirtschaftswachstum im Blick behalten. Klar definierte Begriffe sind Atkinsons Arbeitsgrundlage: Geht es um Chancen- oder Ergebnisungleichheit? Der wirtschaftliche Wandel der letzten hundert Jahre rückt die entscheidenden Dimensionen der Ungleichheit in den Blick. Die Verbesserung der empirischen Daten haben den Ansatz dieses Buches ermöglicht. Auf den Rückgang der Ungleichheit nach 1945 folgte in den 80erJahren die „Ungleichheitswende“, deren Ökonomie im 3. Kapitel diskutiert wird. Unwillkürlich stellt man sich die Frage, ob unsere Politiker, die im 4-Jahres-Rhythmus der Wahlen verfangen sind, da etwas verpasst haben. Längerfristige Entscheidungen werden von ihnen gerne aufgeschoben, so wie das Thema Steuergerechtigkeit oder gar die Absenkung der Kalten Progression oder sogar noch eine Steuerreform unserem Finanzminister immer erst kurz vor den Wahlen wieder einfällt, bevor man nach den Wahlen zum Tagesgeschäft übergeht. Der zweite Teil enthält die Handlungsvorschläge, die alle Ressorts der Regierung betreffen. Der technische Wandel, Marktstruktur und Gegenmacht, wie die Definition des Arbeitsmarktes werden dabei thematisiert. Kapitel 7 und 8 gehen ins Detail der progressiven Besteuerung und untersuchen die Vor- und Nachteil des Bürgergelds. Im dritten Teil werden Dimensionen der Machbarkeit der Vorschläge untersucht.

Gut, dass Twitter uns oft hilft:

Atkinson betont ausdrücklich, dass dieses Buch auch „seine Gedanken über den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaftslehre“ (S. 12) zusammenfasst, der er die Ausklammerung von Verteilungsproblemen ankreidet. Er wünscht sich, dass „Laien mit einem Interesse für Wirtschaft und Politik“ sein Buch lesen werden. Es kommen auch wirklich keine komplizierten Formeln vor, und der Leser kann sich auf eine einleuchtende Lektüre freuen.

atkinson-ungleichheitDie Verringerung der Ungleichheit ist als „Bewegungsrichtung“ (S. 17) zu verstehen nicht als Ziel. Dabei muss der Ergebnisungleichheit mehr Aufmerksamkeit als bisher gewidmet werden, wobei zwischen kompetitiver und nicht kompetitiver Chancenungleichheit unterschieden werden muss. Dabei geht es auch um Preise und ihre Unterschiede auch in sozialer Hinsicht, folglich muss die Preisstruktur berücksichtigt werden. Daten sind eine unerlässliche Grundlage für die Wirtschaftstheorien. Einer der wichtigsten Koeffizienten ist der Gini-Koeffiient (Corrado Gini, 1884-1965), mit dem die Ungleichheit gemessen wird. (Vgl. S. 27 und > Gini-Koeffizient – Wikipedia) der mti einer Zahl einen Ungleichheitsindex ausdrückt. Wendet man ihn für die Betrachtung auf längere Zeiträume in einem Land an, werden Entwicklungen der Einkommensverteilung deutlich. Vergleicht man dann die Ergebnisse mehrerer Länder untereinander, können Auffälligkeiten erkannt und interpretiert werden. Steigenden Einkommensstreuung und Ungleichheit des Verbrauchs sind weitere Faktoren für die Ungleichheit. Kapitel 2 „Aus der Geschichte lernen“ (S. 63-109) beruft sich auf Haushaltserhebungen zeigt, dass in den westeuropäischen Staaten der Wohlfahrstaat in den achtziger Jahren an seinen Grenzen gestoßen ist, wofür u. a. Einschnitte in den Sozialleistungen verantwortlich waren. (vgl. S. 91) Und noch vor kurzem hat die Bundesregierung die Rente mit 63 eingeführt, was zu einer ungerechten Belastung kommender Generationen führen wird. Atkinsons Diagnose: „Die Lohnquote am Volkseinkommen nimmt zu, die Ungleichheit des Kapitaleinkommens nimmt zu, während die Ungleichverteilung des Lohneinkommens abnimmt.“ (S. 92) – Auf einem anderen Blatt steht die wirtschaftliche Ungleichheit, die von Faktoren wir die Globalisierung, dem Finanzleistungssektor und u.a. von der veränderten Lohnpolitik bestimmt wird. Die strikte Trennung der ersten beiden Teile trägt die Diagnose in Form eines Lehrbuchs für Wirtschaftstheorie vor und macht aus den Vorschlägen zum Handeln im zweiten Teil ein politisches Programm.

Die steigende Ungleichheit sei nur reduzierbar, wenn die Ungleichheit im Markt gesenkt werde, so Atkinson, deshalb wird er im Folgenden die Marktkräfte, die das Markteinkommen aus Arbeit und Kapital bestimmen, um sich dann den Steuern und Ausgaben zu widmen. Besonders interessant sind seine Erklärungen zur Bedeutung des Humankapitals im Rahmen des technologischen Fortschritts, hier legt er Stellschrauben offen, die kurzsichtige Politiker nicht im Blick haben. (S. 152 ff). Vorschlag 1. Die Politik solle Innovationen fördern, die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen verbessern. (Wir fassen hier im Folgenden nur einzelne Vorschläge zusammen) Zwar konzentriert sich Atkinson auf staatliche Maßnahmen zur Reduzierung der Ungleichheit, aber er hat sehr wohl dabei auch die Verzerrung durch Wirtschaftssektoren im Blick. (Vgl. S. 158 ff) Der 2. Vorschlag zielt auf angemessene Machtverhältnisse zwischen den Interessengruppen. In Sciences-Po wurden uns in einer Vorlesung von Casanova einmal alle Bestimmungsfaktoren erläutert, die den Begriff Arbeitslosigkeit ausmachen, die den Politikern einen weiten Spielraum bieten, auf diese Statistiken auch kurzfristig einzuwirken.. Daran denke ich bei der Lektüre des Kapitel 5, in dem Atkinson die Auswirkungen der zunehmenden atypischen Arbeitsverhältnisse erläutert. Jetzt wird es kompliziert: Atkinson will, dass der Staat (Vorschlag 3) öffentlich garantierte Arbeitsplätze zu einem Mindestlohn anbietet. Arbeitsbeschaffungsprogramme und öffentliche Investitionen sind seine Stichworte. Vorschlag 4 mit der nationalen Lohnpolitik, die zwei Elemente mit dem Mindestlohn und einer Richtlinie für eine Ergänzung über dem Mindestlohn bietet, ergänzt Vorschlag 3.

„Staatliche Sparbriefe mit einem garantierten Realzinssatz auf Ersparnisse“ in Zeiten negativer Zinsen? 6. Mit der Volljährigkeit erhält jeder eine Kapitalausstattung. Eine öffentliche Investitionsbehörde soll einen Staatsfonds verwalten und den Nettowert des Staates erhöhen. Alle weiteren Maßnahmen – vgl. die Zusammenfassung S. 304-307 – konzentrieren sich auf die Besteuerung und die Sozialgesetzgebung.

Die Aussichten für die Realisierung seiner Vorschläge sind düster, wenn in Berlin selbst kleine Drehungen an der Steuerschraube nur als als (mögliches) Programm nach der nächsten Wahl vage in Aussicht gestellt werden und unserer Politik sich zu durchgreifenden Reformen außerstande sehen. Bei uns träumt jeder Steuerzahler nach dem Papierkrieg mit dem Finanzamt von einer grundlegenden Steuerreform, die uns wieder Zeit für Wesentlicheres lässt.

„Den Kuchen schrumpfen lassen?“ und die Frage „Hindert uns die Globalisierung am Handeln? zusammen mit der bangen Frage vieler „Können wir uns das leisten?“ nutzt Atkinson, um die Perspektiven seiner Vorschläge zu präzisieren und gegen Einwände zu verteidigen. Er glaubt, dass wir keineswegs den Effekten der Globaliserung passiv und schutzlos ausgeliefert seien. Es sei eine Sache der Staaten und damit auch von uns darauf zu reagieren. (vgl. S. 349)

Ein Glossar S. 399-404 und ein Index mit der Bibliographie ergänzen den Band.

atkinson-ungleichheitAnthony B. Atkinson
>
Ungleichheit. Was wir dagegen tun können – Erscheinungsdatum: 27.08.2016
Aus dem Englischen von Judith Elze (Orig.: Inequality. What Can Be Done)
1. Aufl. 2016, ca. 480 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94905-6

Boris Johnson und der #NONBrexit

Dienstag, 26. Juli 2016

> 15 Gründe für den NONBrexit

Manchmal ist auch eine Tweet-Unterhaltung ein guter Anlass für einen neuen Artikel auf diesem Blog: Thomas Brasch hat uns per Twitter gefragt, ob er das Buch von Boris Johnson, dem ehemaligen Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter und jetzigen Außenminister im neuen Kabinett von Theresa May lesen sollte. Und ob! Unbedingt. Ganz bestimmt. Ein richtig wichtiges Buch. Leider hat sein Autor einige Argumente von Churchill übersehen oder kann sie nicht mehr richtig gewichten.

In unserer Antwort steckte natürlich der Link zum Lesebericht: > Boris Johnson, Der Churchill-Faktor auf unserem Blog.

Unsere Redaktion bleibt bei ihrem ersten Eindruck. Boris Johnson hat ein wunderbares Buch über > Winston Churchill geschrieben. Nach der Lektüre wären wir nicht auf die Idee gekommen, dass Johnson, um es seinem Vorbild gleichzutun und Premierminister zu werden, sogar die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU aufs Spiel setzen würde. Damit hat er sich aber so gründlich verzockt. Vieles spricht dafür, dass er selbst nicht an den Erfolg der Brexit-Befürworter geglaubt hat. Auch war der Wahlkampf viel zu überspannt, viel zu viele falsche Zahlen wurden als Argumente genannt. Genauso wie die Gegner auf die Unwissenheit der Wähler gesetzt haben, lautet die Lehre aus dem Referendum wieder einmal, mit der Demokratie spielt man nicht.


Aus Johnsons Churchill-Buch kann man lernen, wie Churchill Europa unterstützt hat, und die Gegner Europas finden dort auch viele Argumente gegen Europa, aber auf dass sie genau lesen, das sind konstruktive Argumente, nie eine prinzipielle Ablehnung. Nach der Lektüre von Johnsons Buch über Churchill hatten wir gar nicht daran gedacht, dass Johnson sich als überzeugter Gegner der EU präsentieren würde.

15 Argumente für den NonBrexit, gemeint sind die Gründe, die jetzt noch den Brexit verhindern könnten:

Argumente 16-18: > #NonBrexit 3. November 2016 von Heiner Wittmann

Nach der Referendum pro-Brexit haben dessen Befürworter das Weite gesucht, ganz so als wenn sie sich der daraus resultierenden Verantwortung nicht stellen wollten. Johnson erklärt überraschend, er stehe für das Amt des Premierministers nicht zur Verfügung. Und Nigel Farrage verkündete seinen Rücktritt von der Spitze seiner Partei. Mittlerweile hat Theresa May, die neue Premierministerin Boris Johnson wieder eingefangen und ihm das Foreign Office übertragen. Am erstauntesten war vielleicht Johnson selbst. PM May hat versprochen, den Brexit zu organisieren. Sie gab auch zu verstehen, dass es ihr um den Erfolg des Brexit ginge. Da aber der Brexit gar nicht so sicher ist, wie viele glauben, und für alle Beteiligten nur der #Non-Brexit ein wirklicher Erfolg wäre, schauen wir uns doch mal die Argumente gegen den Brexit genauer an:

1. Das Ergebnis des Referendums vom 23. Juni 2016 ist nur eine Empfehlung an die Adresse der britischen Regierung. Sie ist nicht gehalten, diese Empfehlung zu befolgen.

2. Premierministerin Theresa May hat nicht für den Brexit gestimmt und hat nun die Aufgabe > den Art. 50 des EU-Vertrags zu aktivieren, um so die zweijährigen Austrittsverhandlungen zu starten. Ob sie das machen wird? Oder fällt ihr ein Ausweg ein? Sie wird bestimmt nicht mit Absicht ihr Land in ein dann unvermeidliches Finanz- und Wirtschaftschaos führen wollen.

> Nach Brexit-Votum: Großbritannien steuert auf Rezession zu SPIEGEL s.d. (aufgerufen am 3.8.2016)

4. Schon signalisiert die Regierung, sie würde gerne weiterhin vom Freihandel mit der EU profitieren, aber lässt erkennen, dass sie die Freizügigkeit, also den Aufenthalt von Arbeitnehmern in England stärker kontrollieren, gar einschränken möchte. Das passt natürlich nicht zusammen. Scheint aber logisch zu sein, weil PM May sich vor allem hinsichtlich der Zuwanderung wie alle Brexit-Befürworter kritisch geäußert hatte. Zitieren wir dazu unsere > Frage an den Défenseur des droits, Jacques Toubon: „Kann heute eine Regierung die Zuwanderung per Referendum stoppen? „Das ist eine Illusion“, hat er uns geantwortet.

5. Die EU muss Reformen auf ihre Agenda schreiben. Vor allem hinsichtlich ihrer Institutionen, die den EURO verwalten…. man hatte ihn eingeführt, ohne wirklich dafür gemeinsame Institutionen bereitzuhalten. Das ständige Nachbessern, ohne dem EURO ein institutionelles Fundament zu geben, kann nicht mehr lange gut gehen. Eine reformierte EU kann Großbritannien einen neuen Anreiz bieten. Gleich zu 6.:

6. Noch hat die EU nicht so richtig damit begonnen, für einen Verbleib Großbritanniens in der EU zu werben.

7. Vielleicht gibt es Neuwahlen in Großbritannien? Die könnten auch das Ende des Brexit bedeuten.

8. Die Regierung könnte nach der zweijährigen Verhandlung mit der EU das Ausstiegsabkommen wieder zum Gegenstand eines Referendums machen, das dann möglicherweise beim Wähler durchfallen wird.

Ein Leser erinnerte uns an den Art. 50 „3) Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2 genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern.“ Werden die Vertragsverhandlungen nach Aktivierung des Art. 50 innerhalb von zwei Jahren nicht abgeschlossen, ist das Vereinigte Königreich draußen.

9. Als Außenminister hat > Boris Johnson eine Gelegenheit bekommen, seinen Faux-pas zu reparieren. Eingestellt, damit er neue Chance bekommt?

10. Statt sich auf zweijährige Ausstiegsverhandlungen vorzubereiten, sollten die EU-Mitgliedsländer die Gründe der Brexit-Befürworter analysieren, allerdings müssten sie dabei auch die Fehlinformationen berücksichtigen, die die Brexit-Gegner für bare Münze genommen haben:

„Nigel Farrage, der seine ganze Politikerkarriere dem Brexit gewidmet hat, musste mittlerweile eingestehen, dass die im Brexit-Wahlkampf so vollmundig versprochene Umlenkung der wöchentlichen 350 Millionen Pfund der britische EU-Beiträge in das britische Gesundheitssystem doch nicht so einfach sei, tatsächlich ist diese Summe sogar nur halb so groß… im Wahlkampf wurde übertrieben. Seinen Bus neu und ehrlich bemalen und mit ehrlichen Zahlen noch einmal abstimmen?“ > Frankreich-Deutschland und der #Brexit (I) und > Frankreich-Deutschland und der #Brexit (III)Jean-Marc Ayrault und Frank-Walter Steinmeier. Ein starkes Europa in einer unsicheren Welt

11. Frankreich und Deutschland sind noch damit beschäftigt, eine tragfähige visionäre Zukunft für eine reformierte EU zu finden: > #Brexit (V) – > Premier ministre Manuel Valls parle devant l’Assemblée nationale. Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt eine Regierungserklärung ab. In beiden Ländern stehen nächstes Jahr Wahlen an. Man könnte sich vorstellen, dass ein runderneutes französisch-deutsches Tandem neue Impulse für die EU und besonders für Großbritannien bereithält.

12. Großbritannien hatte eigentlich schon immer eine Sonderrolle (weniger Mitgliedsbeiträge als die anderen, gemäß des Kompromisses, den PM Thatcher ausgehandelt hatte, kein Euro) in der EU innegehabt. Mit dem Brexit soll diese Sonderrolle noch mehr verstärkt werden? Wie wäre es denn, wenn sich aus den Ausstiegsverhandlungen und einer parallelen Reform der EU eine neue Gemengelage ergibt, die lautet, EU-Mitglied oder kein EU-Mitglied?

13. Das Abkommen über den Austritt des Vereinigten Königreiches wird nach der Aktivierung des Artikels 50 ohne das austrittswillige Mitglied vom Europäischen Rat diskutiert werden. Der Rat muss das Abkommen mit einer qualifizierten Mehrheit beschließen. Das könnte scheitern.

14. Das Europäische Parlament hat beim Abkommen über den Austritt des Vereinigten Königreiches ein Vetorecht.

15. Zwei Jahre nach dem Aktivierung des Artikels 50 könnte das Vereinigte Königreich auch ohne Abkommen austreten. Das ist unwahrscheinlich, weil das Vereinigte Königreich den Zugang zum EU-Binnenmarkt nicht einfach so aufgeben will.

16: Premierministerin May versprach in Birmingham ein Bill das die Eu-Verträge aus dem > Statute Book löschen soll. Geht doch nur mit dem Parlament. Und wenn das nicht mitmacht?

17: Der High Court hat heute entscheiden, dass der Art. 50 von der Regierung nicht ohne Zustimmung des Parlaments in London aktiviert werden darf. Berufung ist möglich.

und vielleicht der 18. Grund für das Ende des Brexit?

> Frankreich-Deutschland und der #Brexit (II) Die Twitter-Analyse – 28. Juni 2016

Boris Johnson,
> Der Churchill-Faktor
Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz und
Werner Roller (Original: The Churchill Factor. How One Man Made History)
2. Druckaufl. 2015, 472 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen s/w Abb. und 3×8 Seiten Tafelteil
ISBN: 978-3-608-94898-1

Man darf nicht mit dem Urheberrecht spielen

Dienstag, 7. Juni 2016

Öffentlich geförderte Publikationen sollen nach einer gerade durch die Minister des EU-Wettbewerbsrats verkündeten Richtlinie auf Open Access umgestellt werden, das soll für naturwissenschaftliche Publikationen nach sechs Monaten, für geisteswissenschaftliche Publikationen nach zwölf Monaten gelten. Vgl. Th. Thiel, Willkommen im geschlossenen System, FAZ 7.6.2016. Rechtlich bindend ist die Vereinbarung nicht, kein Mitgliedsland muss sie umsetzen.

Die Motivation für diese Richtlinie soll der Ärger über Verlage sein, die sich an öffentlich geförderten Publikationen bereichern. Das ist aber ein ideologisch getriebener Ärger oder Misstrauen. Es ist keinesfalls auch nur annähernd ein Kavaliersdelikt, wenn ein Verlag mit einer Publikation Gewinne macht, denn wissenschaftliche Zeitschriften entstehen nicht ohne Kosten, das dürfte allgemein anerkannt sein. Ein solches Misstrauen den Verlagen gegenüber ist kein hinreichender Grund, den Autoren die Wahl ihres Publikationsortes und das Recht auf ihre Daten zu entziehen.

Öffentlich gefördert… ? Schon diese Definition ist viel zu schwammig, um den Status einer Publikation zu bestimmen, oder die Publikationen auszumachen, für die der oben genannten genannte Zwang, die Daten einem Open-Access-System gegen eine Pflichtgebühr zu übermitteln gilt. Eine Publikation entsteht nie allein aus öffentlicher Förderung. Auch wenn öffentliche Gelder für ein Projekt zur Verfügung stehen, so bringt jeder Wissenschaftler gehörig viel Wissen mit, dessen Erwerb er alleine finanziert hat. Eine Grenze, ab wann eine wissenschaftliche Publikation dem Staat gehört, kann gar nicht bestimmt werden. Bedroht ist die Freiheit der Wissenschaft.


In unserem Lesebericht hieß es: „> Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik: Die Hand über der ganzen Welt. Das Buch hat mich in den letzten zwei Wochen dauernd begleitet. Folgt man dem Einsatz des Verlegers für seine Autoren, zu denen unter vielen anderen auch Schiller und Goethe gehörten, seinem Geschick mit den Behörden umzugehen, seiner immer größeren Erfahrung die Buchproduktion seines schnell wachsenden Verlages zu steuern, seinem wunderbaren Gespür neue Autoren aufzuspüren, seinen finanziellen Rechnungen, dann wird deutlich, dass es eine Gratiskultur auch im Buchhandel kaum geben kann.“

Peter Kaeding
Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
1. Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen
496 Seiten – ISBN: 978-3-7681-9712-0


Die Anhänger von Open Access unterschätzen die Rechte der Autoren und die Aufgaben der Verlage. Der Zwang, der hinter dieser Richtlinie steckt, den Autoren die Wahl des Publikationsortes ihrer Arbeiten zu entziehen, ist ärgerlich und kein „Befreiungsschlag“ für die Wissenschaft, wie Thiel meint. Jeglicher staatlicher Dirigismus sollte sich aus der Wissenschaft heraushalten. Wissenschaftliche Zeitschriften mit und ohne langer Tradition, mit einem Herausgebergremium oder einem Herausgeber, mit einem Programm von Artikeln, Rezensionen und z.B. Liste der neu eingegangenen Publikationen leistet mit der Auswahl der Inhalte einschließlich den verlagseigenen Marketingabteilung, die die Publikation auf den Weg bringt, der Wissenschaft einen größeren Dienst als das Versenken eines Artikels im öffentlichen Raum. > Gare à la gratuité scientique !.

Ist Open Access eine Art Super-Verlag mit offenen Türen, wo sich jeder Leser kostenlos bedienen kann? Werden Autoren wirklich verpflichtet, die Daten ihrer Publikationen einem solchen öffentlichen Haus zu übergeben? Wie man dies dreht und wendet, ohne Zweifel werden dabei Verlag auf der Strecke bleiben. Staatlicher Dirigismus wird die Verlagslandschaft ausdünnen, falls der Gesetzgeber der Richtlinie folgt und vielleicht schon das Gehalt eines Wissenschaftlers als öffentliche Förderung seiner Publikationen definiert.

> http://blog.klett-cotta.de/websites/digital-und-kostenlos-open-access/ – 2. Mai 2009

> Gare à la gratuité scientique ! – 9. März 2016

> Réformer le droit d’auteur ? – 21 März 2015

> Das Internet ist nicht das Ende der Bibliotheken – 10. Februar 2016

Nachgefragt: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln

Freitag, 8. April 2016

graeber-buerokratie

Heute hatten wir Gelegenheit mit David Graeber über sein jüngst bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Hans Freundl und Henning Dedekind erscheinenes Buch > Bürokratie. Die Utopie der Regeln zu sprechen. Gemäß der Regeln unseres Blogs zuerst der > Lesebericht: David Graeber, Bürokratie. Die Utopie der Regeln und dann wie hier der Artikel „Nachgefragt…“ mit einem Video-Interview:.

Haben wir eine Lust an der Bürokratie? Der Untertitel der englichen Ausgabe lauitet : On Technology, Stupidity and the Secret Joys of Bureaucracy. Ich erinnere mich an meine frühe Sozialisation/Bürokratisierung mit der wunderbaren Kinderpost, wo das Stempeln und Verkaufen der Briefmarken an die großen Brüder, die in meinem Zimmer vorbeigeschickt wurden, eine Lust war: Strafporto, Paketklebezettel, alles hatte seine Regeln. Graebers Buch enthält eine interessante historische Analyse der Bürokratie, eine Diskussion der Spieltheorie und auch interessante Schlussfolgerung aus seinen Beobachtungen der „sozialen“ Medien im Internet (Erinnerung: > Wie sozial sind soziale Netzwerke? 30. Juli 2010) – Haben wir eigentlich keine so rechten Antrieb, die uns lästige Bürokratie zu verändern? Muss es in der Demokratie weniger Bürokratie oder mehr Kontrolle der Bürokratie geben?

David Graeber
> Bürokratie
Die Utopie der Regeln
Aus dem Amerikanischen von Hans Freundl und Henning Dedekind (The Utopia of Rules)
1. Aufl. 2016, 329 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94752-6

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