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Archiv für die Kategorie 'Zeitschriften'

Lesebericht: Merkur 813

Donnerstag, 9. Februar 2017

merkur-813 Gestern war unser Blog im Zug unterwegs, eine gute Gelegenheit, die neue Ausgabe des > MERKUR 813 Februar 2017 zu lesen:

Martin Sabrow mit untersucht die verschiedenen Formen des Erinnerns, u.a. auch an den Holocaust: ist da manchmal die Hoffnung im Spiel Vergegenwärtigung könne von der Vergangenheit erlösen? Zum Stichwort Erinnerungskultur sollte hier auch die Zeremonie auf dem Hartmannsweilerkopf – > Hartmannsweilerkopf: Staatspräsident Hollande und Bundespräsident Gauck gedenken der Opfer des Ersten Weltkriegs – genannt werden, wo auf dem dortigen Soldatenfriedhof, Frankreich und Deutschland zusammen ein > Historial , ein gemeinsames Museum bauen, zu dem Präsident François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck am 3. August 2014 den Grundstein gelegt haben:

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© Heiner Wittmann, 2014.

Gerade hat unser Kollege mit dem Frankreich-Blog > Pedro Kadivar interviewt, der wegen Heiner Müller von Paris nach Berlin gezogen ist und dort (perfekt!) Deutsch gelernt hat. Da passt es gut, dass wir jetzt den Beitrag von Dirk Baecker über Heiner Müllers »Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen« lesen. Der erste Satz ist ein Zitat von Heiner Müller: „Und die Funktion von Kunst besteht für mich darin, die Wirklichkeit unmöglich zu machen – die Wirklichkeit, in der ich leben, die ich kenne.“ (S. 16) Baecker hat eine klug Diskussion dieses Satzes verfasst, einen richtigen Essai, der die Frage von allen Seiten beleuchtet und dessen Ergebnis ein Statement (S. 28) ist, das zu neuen Diskussionen anregt. Und Werner Plumpe denkt über Romantische Fiktionen nach und spricht über den Traum von der Welt ohne Geld. Man hätte etwas anderes, oder würde jeglichen Tausch einstellen. Mit seinem Aufsatz legt Plumpe eine interessanten Überblick der aktuellen Literatur zu diesem Thema vor. Christoph Menke schreibt in der Philosophiekolumne über „Kritik und Apologie des Theaters“.

Die Medienkolumne von Matthias Dell „Talkshowrhetorik, Medienkritik und ‚besorgte Bürger‘ vor pegida“ nimmt sich längst überfällig die desolaten Talkskhows vor, „die ideale()n Bühnen für Rechtspopulisten“ (S. 54) deren traurige Inhalt Tags drauf sogar eine Nachricht wert sind. Ulrike Jureit hat zwei Gesamtdarstellungen zur NS-Geschichte von Nikolaus Wachsmann und Timothy Snyder gelesen. Eine lokale Studie zur Geschichte des Kredits im 19. Jahrhundert in der Schweiz findet Catherine Davies äußerst lesenswert. Jörg Ostermeyer findet die Naziverstrickungen des Euthanasie-Arztes merkur-813Werner Catel genauso mies wie die Haltung seines eigenen Lehrers Paul Heintzen zu Catel, seinem einstigen Lehrer. Gerhard Drekonja-Kornat findet es zu Recht genauso mies, dass zwei Migranten in ihre Nazivorgeschichte immer verheimlicht haben. Andreas Dorschel kritisiert die“ Verstocktheit der Ungläubigen“. Reinhard Brandt erinnert uns an die Aufklärung. Harry Walter sieht in einer Fotoschachtel eine Quasi-Skulptur.

> MERKUR

Konfliktdynamik 1/2017

Mittwoch, 11. Januar 2017

konfliktdynamik-1-17Ein Foto vom Glasleseraum, auf dessen Glaswänden TTIP-LESERAUM (Greenpace) und #ttipleaks steht, und in dem Leser über den (vertraulichen) Akten gebeugt sitzen, prägt das Cover dieser Ausgabe. Darunter wird der Schwerpunkt dieses Heftes genannt: „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Das Foto passt dazu. Zuerst waren die TTIP-Verhandlungen geheim, das Lese-und Einblickrecht musste erst erstritten werden. Wie wäre die Diskussion in der Öffentlichkeit verlaufen, wenn die Verhandlungen von Anfang öffentlich geführt worden wären? So wie bei der öffentlichen Anhörung via Internet zur Vorlage für das Gesetz zur digitalen Wirtschaft in Frankreich, für das wir eine > Präambel vorgeschlagen hatten?

In diesem Heft geht es um Grundfragen der Legitimation außergerichtlicher Konfliktregelung. Mit Schieds-, Schlichtungs- und Mediationsverfahren gibt es Alternativen zur gerichtlichen Streitentscheidung. Diese Verfahren können sogar eine höhere fachliche Kompetenz bei der Streitentscheidung bieten. Oder gerade die fachgerecht durchgeführte Mediation bietet den Parteien flexiblere und informellere Verfahrensweisen, bei denen sie selber über ihre Belange entscheiden können. Für die Auseinandersetzungen in solchen außergerichtlichen Konfliktregelungsverfahren sind Themen geeignet, zu denen Rechtsnormen als Entscheidungskriterien entstanden sind. Besondere Aufmerksamkeit kommt dem Spannungsfeld zwischen informellen, vertraulichen Konfliktregelungsverfahren und rechtsstaatlichen Prinzipien zu.


> Konfliktdynamik Heft 1, Januar 2017, 6. Jahrgang
Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat


Renate Dendorfer-Ditges, > Ditges PartGmbH in Bonn und Kirsten Schroeter, Meditationszentrum Altona, berichten über „Schiedsverfahren und Mediation zwischen Vertraulichkeit und Rechtsstaat“. Den beiden Autoren geht es „nicht um eine Ersetzung der Verfahren des gerichtlichen staatlichen Rechtsschutzes, sondern um deren Ergänzung und Entlastung, für viele Verbraucher sogar um die Eröffnung einer realen Chance des Zugangs zum Recht.“ S. 8

Peter Hammacher, Heidelberg, „Transparenz und Schiedsverfahren“ unterstreicht die Notwendigkeit von transparenten Handeln auf allen Ebenen eines demokratischen Rechtsstaates. Es gilt abzuwägen zwischen Verschwiegenheit und Vertraulichkeit. Das ist das Stichwort für den Beitrag von Silke Schneider, (Richterin, u. a. Vorsitzende Richterin am Landgericht Lübeck sowie Direktorin des Amtsgerichts Bad Segeberg, Mediatorin BM®, BMWA und BAFM, Referentin im Bereich Mediation) „Vertrauen in die Vertraulichkeit – nur bedingt berechtigt. Die Vertraulichkeit der Mediation im Spannungsfeld zum Straf- und Strafprozessrecht“. Sie weiß um die Achillesferse Vertraulichkeit der Mediation, sei kennt das Spannungsverhältnis zwischen Strafverfolgung und Vertraulichkeit in der Mediatation und legt hier ihren Standpunkt dar.

konfliktdynamik-1-17Ulla Gläßer, „Die Diskussion um die alternative Streitbeilegung in Verbrauchersachen. Von einer polarisierten Debatte zu einem integrativen Ansatz“. Sie erklärt die unter Bezug auf einschlägige Normen des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG) aufgezeigt, wie durch entsprechende Rahmenbedingungen und Verfahrensweisen auf die einzelnen Kritikpunkte konstruktiv reagiert werden könnte. ALs Fazit formuliert sie ein Plädoyer für eine integrative Herangehensweise an die weitere Etablierung der Verbraucherstreitbeilegung im Sinne von »Appro priate Dispute Resolution«.

Es folgen Berichte aus Theorie und Praxis u.a. von Sascha Weigel über die „Transformative Mediation und Transaktionsanalyse“
Theorie und Praxis, ein Gespräch wischen Rudi Ballreich mit Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd: „Strukturaufstellungen und transverbale Konfliktarbeit“. Aus ihrer Sicht steuern Daniela Bornschein und Alexander Redlich „Die Vertrauensbrüche“ ein Instrument für die Konfliktberatung mit einzelnen Konfliktparteien bei.

Call for Papers:
Ausgabe 2/2017: Bewusstheit, Selbsterfahrung und Ausbildung für KonfliktberaterInnen
Ausgabe 3/2017: Vertrauen und Misstrauen
Ausgabe 4/2017: Krieg, Flüchtlinge und ethnische Konflikte

Die Herausgeber bitten um Beiträge zu den genannten Rubriken und zu den Schwerpunktthemen. Es wird empfohlen, sich bereits während der Konzeption eines Beitrages mit der Redaktion abzustimmen: > redaktion@konfliktdynamik.de. Für Fragen zu den Inhalten oder dem Publikations­ verfahren stehen auch die Herausgeber gern zur Verfügung.
Die Konfliktdynamik erscheint vierteljährlich – jeweils Anfang Januar, April, Juli und Oktober. Annahmeschluss für Beiträge ist jeweils 4 Monate vor dem Erscheinen.

MERKUR 812 – Januar 2017 – 71. Jahrgang

Donnerstag, 5. Januar 2017

merkur-812-jan-2017Der MERKUR wird 70 Jahre alt: Das Dokument, mit dem die französische Besatzungsbehörde Hans Paeschke die Lizenz erteilte, trägt als Datum den 4. November 1946.

Der MERKUR feiert das Jubiläums und das > Geschenkabo (das nach einem Jahr automatisch endet) gibt es für nur 80 statt 120 Euro – eine Buchprämie für die oder den Schenkende/n gibt es obendrein.

> Rupert Neudeck – 1939-2016

> Die Migranten und die Menschenrechte

> Der Vergleich (XIII) : Die Menschenrechte in Frankreich und Deutschland

> Der Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2015

Der Historiker Stefan-Ludwig Hoffmann (Berkeley) erklärt, wie sehr sich der Begriff der „Menschenrechte“ insbesondere seit den neunziger Jahren verändert hat. Nein Historiker sind keine „Leichenbeschauer“ (S. 5), ihre Gegenstände sind keinesfalls abgeschlossen oder irrelevant für die Nachkommenden. Die Leidenschaft des Historikers für sein Fach findet seinen Ursprung in der Bedeutung früherer Ereignisse und Epochen für unsere Gegenwart und für unsere Zukunft. Geschichtsschreibung ist immer auch ein Korrektiv für unsere Zeit. Denken Sie nur an das Gejammere, heute sei alles so schnell und so vernetzt, und dabei vergisst man, dass ein 20-jähriger in Paris 1789 eine Beschleunigung der Zeit erlebt hat, die wir heute kaum ahnen können. Ohne zweifel waren die Menschenrechte noch nie so gefährdet wie heute. Aber jeder Historiker muss bei diesem Zeit stutzen. War es um sie seit Ihrer Verkündung vor 227 Jahren: Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 26. August 2014 – www.france-blog.info jemals besser gestellt? Ist das Programm der Revolutionäre in Frankreich und der Verfassungsväter, die diese Erklärung 1946 und 1958 in Frankreich mit ihren universalen Anspruch in die Verfassung geschrieben haben, jemals wirklich auch nur annähernd erfüllt worden? Im Grunde genommen, muss jeder Artikel über die Menschenrechte immer auch eine breit angelegte historische Perspektive mitbringen. Die Betrachtung nach 1945 des Umgangs mit den Menschenrechten reicht nicht. Hoffmann deutet eine historische Dimension der Diskussion um die Menschenrechte an (S. 17 ff): Nein die Geschichte der Menschenrechte beginnt keinesfalls erst in unserer Gegenwart. Dennoch ist Hoffmanns Artikel so lesenswert, weil er in präziser Form eine Liste aktueller Konfliktherde in der Welt mit einer Diskussion über die Durchsetzbarkeit der Menschenrechte verbindet.


> MERKUR-Blog


Der Staatsrechtler Rainer Wahl untersucht die Krise der EU „Die immer engere Union“ und wünscht sich eine neue Balance europäischer und nationaler Befugnisse. Es geht um ein neues Austarieren der Befugnisse zwischen der EU und der Mitgliedsstaaten, als der Bürokratie in Brüssel immer neue Kompetenzen zu übertragen.

Heiner Barz kritisiert die Verurteilung der Gülen-Bewegung, die nicht nur von Erdogan und der AKP für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich gemacht wird.

Eva Behrendt schreibt in ihrer Theaterkolumne über „Echte Tränen“ und die Rolle, die sie auf der Bühne spielen: Die Realität, das Universale und das unverfälschte Einssein. Roland Reichenbach berichtet in der Bildungskolumne über das chinesische Konzept von Herz/Geist vor. Der Musikwissenschaftler Thomas Kabisch hat sich die Versuche des Ex-Guardian-Chefredakteurs Alan Rusbridger, ein Chopin-Stück als Amateur möglichst perfekt zu spielen, genau angehört: Was fehlt ist die „Tugend des Sich-Wunderns“. Léonce Lupette übersetzt ein Gedichts von Reynaldo Jiménez sein Essay ist erstmal der Schlusspunkt der mit Daniel Graf entstandene inter_poems-Reihe. Die Herausgeber versprechen, dass sie am Thema der Lyrik dranbleiben.

Ahmet Cavuldak schreibt über die Heimat > Im Wartezimmer des Lebens. Heimat für Flüchtlinge? Leander Steinkopf erzählt, was er beim Hitchhiken über Deutschland und auch das Leben gelernt hat. Günter Hacks jüngster Vogel-Miniatur hat Krähen, Koren, Karyatiden (und mancherlei mehr) beobachtet und Harry Walter betrachtet ein Foto mit Frau, Goldhamster und Walnüssen.

> MERKUR 812 – Januar 2017

MERKUR 811 – Dezember 2016

Samstag, 31. Dezember 2016

merkur-811-12-16

In der so bekannten Vorweihnachtshektik ist der Lesebericht zu diesem Heft untergegangen. Diese Ausgabe des > MERKUR 811 – Dezember 2016 verdient es aber, hier noch ausdrücklich gewürdigt zu werden. Russland bestimmt den Schwerpunkt dieser Ausgabe. Felix Philipp Ingold untersucht die neoeurasische Ideologie, die in Russland inzwischen bis in die inneren Zirkel der Politik vorgedrungen ist und dort sogar offensiv vertreten wird. Mit Recht gibt Ingold sein Befremden über die Geschichtsklitterung zu erkennen, die mit diesem Begriff und seiner Auslegung einhergeht. Sehr lesenswert.*** Alexander Blankenagel zeigt an vielen Beispielen aus ganz verschiedenen Bereichen, wie Russland sich unter Putin unter Aufbietung aller Beharrungskräfte sich immer mehr von der Demokratie entfernt hat. Roman Widder nimmt die Ukraine in den Fokus, in dem er den Schriftsteller Andrej Platonow wiederliest.

Stefan Krankenhagen berichtet über Gerhard Richters Auschwitz-Bilder.

> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

Hanna Engelmeier kommt nochmal auf Sokal-Affäre zurück. Es ging um einen Der Streit um Sprache und Denken vor allem französischer Theorie und einen ganz vermeintlich wissenschaftlichen Ansatz. Engelmeier beurteilt diesen Streit aus heutiger Sicht.

Stefan Krankenhagen hat Gerhard Richters Auschwitz-Bildern gesehen und diskutiert den klassischen Topos von der Undarstellbarkeit der Verbrechen des Holocaust. Uwe Walter referiert über Erzählungen vom antiken Griechenland. Und Michael Multhammer hat Stuckrad-Barres »Panikherz« gelesen. Max Czollek übersetzt in der »inter_poems«-Reihe ein Gedicht der israelischen Lyrikerin Adi Keissar – und findet dabei Parallelen zwischen ihrer Außenseiterposition als Misrachin und der der Juden im heutigen Deutschland. Richard Schuberth stellt Rigas Velestinis (1757-1798) vor. Melanie Möller stellt eine Lektüre der „Aeneis“ vor. Und Harry Walter schreibt der Jaherszeit angemsen über ein Foto mit Familie unter dem Christbaum.

Lesebericht: Merkur 801 – Nov. 2016

Montag, 14. November 2016

merkur-11-2016Stephan Wackwitz wohnt schon fünf Jahre in Tiflis und berichtet über den architektonischen Niedergang der Stadt. Im Dieter Gosewinkel fragt, ob das Staatsbürgerschaftsrecht noch zeitgemäß ist: „Ein Relikt europäischer Rechtskultur?“ „Es geht also um die Frage, ob und inwieweit die personale Grenzziehung zwischen politischen Einheiten dem Einzelnen die Basis und ein Mehr an Schutz und Freiheit seiner Person gab und gibt.“ (S. 19) Sein Fazit: „Stellen wir uns vor, dass die Staaten der Union ihren politischen Bund in Zukunft enger schließen. Dann ersetzen sie ihre nationalen Staatsangehörigkeiten durch eine Unionsbürgerschaft und überführen die national vielgestaltige in eine einheitliche Institution des ius publicum europaeum.“ Ist er seiner Zeit weit voraus oder entwickelt er nur logisch weiter, was die EU begonnen hat? Ernst-Wilhelm Händler stellt fest: Das Universum ist auch nicht mehr das, was es einmal war: „zur modernen Ksomologie der Möglichkeiten“. In seiner Religionskolumne berichtet Friedrich Wilhelm Graf über die »Letzten Gespräche« Benedikts XVI.
Christina Dongowski erinnert an die am 28. April 2016 verstorbene britische Autorin Jenny Diski, deren letzte Texte über ihre letzten Jahre als Buch In Gratitude, New York: Bloomsbury 2016 vorliegen.

> Lesebericht: Jenny Diski, Küsse und Schläge

Julia Griem vergleicht die mehrbändigen Werke von Elena Ferrante und Karl Ove Knausgård miteinander: „Nahkampf auf der Langsrecke“. Achim Wagner übersetzt ein Gedicht der türkischen Lyrikerin Müesser Yeniay – und erklärt seiner Übersetzerarbeit.

>> Dieses Merkur-Heft digital (PDF, epub, mobi)

>> Das Heft gibt es jetzt günstig im MERKUR-Probeabo.

Heiko Christians schreibt über Selbstradikalisierung in Bibliotheken und vor Bildschirmen und errinnert and ie Bibliotheksarbeiten von Lenin: „Man stelle sich nun einfach mal vor, wie jemand heutzutage im World Wide Web zunächst angesichts der schieren Menge der Funde verzweifelt, wenn er auf vergleichbare Wahrheits- und Rollensuche, nicht aber auf Wissenssuche geht. Man stelle sich vor, wie dieser (sich) suchende, schon irgendwie »geladene« anonyme Nutzer surfend, klickend, spielend, chattend, postend (oder welche Gebrauchsformen digitaler Kommunikationstechnik er auch immer wählt), wie dieser Suchende unter solchen Bedingungen eine tragfähige Selbsterzählung zustande bringen soll, die sich mit jedem Klick oder Post bestätigt, statt sich in bloßes (für ihn wertloses) Mehrwissen oder gar in dieselben Belanglosigkeiten aufzulösen, die die anderen dort vermeintlich auch immer schon treiben.“ (S. 83) … „Die Zeiten der alten Leser und Bibliotheksbenutzer sind wohl vorbei.“ Nein, das glaube ich nicht: > Essai. Lernen und Studieren mit dem Internet. 30. September 2016 von H. Wittmann

Christoph Schönberger liest und erinnert an Carl Schmitt als Literaten. Und Harry Walter sieht sich ein Fotoalbum von Wehrmachtssoldaten an.

> MERKUR Heft 11 / November 2016 – Heft 810

Trauma & Gewalt 4/2016

Mittwoch, 9. November 2016

Trauma & Gewalt 4/2016

Das neue Heft der Zeitschrift > TRAUMA & GEWALT 4/2016 berichtet über die Behandlung vielfältiger Psychotraumatologien. Yuriy Nesterko und Heide Glaesmer stellen Flucht und Migration als Prozessgeschehen in ihren theoretischen Konzepten vor und setzen diese mit aktuellen Befunden der allgemeinen und migrationsspezifischen Psychotraumatologie in Beziehung. Ines Ederer und Pia Andreatta berichten über Ergebnisse einer Studie , in der das Erleben und die Erlebnisverarbeitung von Jugendlichen untersucht wird, die »ohne Absicht schuldig« geworden sind am

> Lesebericht: PSYCHE – Heimat Fremdheit Migration
> Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration

Tode oder an Verletzungen anderer, etwa im Rahmen von Unfällen. Barbara Neudecker untersucht, inwieweit Prozessbegleitung für traumatisierte Opfer hilfreich sein kann und welcher Stellenwert ihr in der Traumabearbeitung zukommt. Sie konzentriert sich auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Gewalterfahrungen. Johanna Sommer berichtet über die Ergebnisse einer Studie vor zur psychotherapeutischen Versorgungsrealität komplex traumatisierter Menschen, die die Erfahrungswerte von 1334 direkt oder indirekt Betroffenen, die mittels Online­-Fragebogen an einer Befragung zur Versorgungsrealität untersucht hat. Die Ergebnisse dieser Studie lassen vermuten, dass die psychotherapeutische Versorgung komplex traumatisierter Menschen nicht ausreicht, um Betroffenen eine dauerhafte gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Daraus folgt die Notwendigkeit, die Psychotherapie­-Richtlinien zu ergänzen. Ein Interview mit Ines Geipel, geb. 1960 in Dresden, das Harald Freyberger geführt hat, ergänzt neben anderen Artikeln dieses heft.

Tagung in Siggen: Konzepte wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Aus Anlass der Tagung > „Konzepte wissenschaftlichen Publizierens im digitalen Zeitalter“ vom 10.-16. Oktober 2016 der Redaktion Merkur

erinnern wir an unsere Beiträge zum Publizieren im digitalen Zeitalter:


> Muss man das Urheberrecht beschränken? 30. August 2016

> Man darf nicht mit dem Urheberrecht spielen – 7. Juni 2016

> Wir brauchen ein europäisches Urheberrecht, auf das wir uns verlassen können – 10. Juni 2015

> Wissen und Nicht-Wissen im digitalen Zeitalter und das Ende der Zeitung – 5. Februar 2016

> Schwerpunkt: « Die Gegenwart des Digitalen » Merkur 788 – Januar 2015 im neuen Gewand – 13. Januar 2015

> DEBATTEN: Die Zukunft des Verlagswesens im Zeitalter der Digitalisierung. Europäische Erfahrungen im Vergleich – 17. Oktober 2014

> Digital ist nicht gleich kostenlos Verleger dringen auf das Urheberrecht auch im Internet – 8. Juni 2009

> Digital und kostenlos? Open Access 2. Mai 2009

> Urheberrecht: Digital heißt nicht rechtlos – 26. April 2009

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Und auf > www.france-blog.info:

> Gare à la gratuité scientique ! – 9. März 2016

> Essai. Lernen und Studieren mit dem Internet – 30. September 2016

Lesebericht: PSYCHE – Heimat Fremdheit Migration

Freitag, 2. September 2016

psyche-heimat-fremdheit-migrationDas neue Doppelheft PSYCHE – Heimat Fremdheit Migration ist in unserer Redaktion angekommen.

Mit der Überschrift zu seinem Editorial zu dieser Ausgabe hat Werner Bohleber die richtigen Worte gewählt: „Die Psychoanalyse in einer globalisierten Welt“. Es geht in diesem Heft um Migranten und Flüchtlinge, die zwischen ihrer Heimat und den Aufnahmeländern unterwegs sind. In erster Linie geht es gemäß des Titels dieser Zeitschrift um ihre Psyche und um die Ursachen der Migration, zu denen auch die Globalisierung gehört, die als Fakt nicht einfach wie eine Fluchtursache zu bekämpfen ist. Das klang auch im > Interview mit dem Défenseur des droits, Jaques Toubon an, als wir ihn danach fragten, ob ob England per Referendum die Migration stoppen könne, sagte der Défenseur Nein, das sei eine Illusion. Zäune, Einreiseverschärfungen, das alles nützt nichts, globale Migrationsbewegungen werden eher zunehmen als abnehmen, da hilft auch kein Zurückrudern wie Siegmar Gabriel das versucht, der zuerst sagte, „Wir schaffen das.“ Auch wenn die Rechtspopulisten sich dagegen wehren, ihre einfachen Rezepte der Abgrenzung werden nicht funktionieren, das Tempo und die Zahl der Migranten werden eher zunehmen. Da wäre es besser, darüber nachzudenken, wie diese Situation > gemäß unserem Anspruch an die Menschenrechte bewältigt werden kann.

Die Flüchtlinge kommen nicht aus Reiselust, sie bringen entsetzliche Erlebnisse mit, Terror, Mord, Verfolgung, Tod und das oft über Jahre lang. Ihre Kinder haben bis jetzt nur das Grauen in der Welt kennengelernt, dazu oft noch eine halsbrecherische Flucht, bei der das Versinken im Schlamm der Lager noch dazu kam. Bis sie dann vor den Zäunen stehen, die ihnen die letzten Kilometer ihrer Flucht abschneiden. Ihnen muss geholfen werden, genauso wie auch diejenigen Hilfe, Beistand und Aufklärung benötigen, die glauben, die Zuwanderer seien für Sie eine Bedrohung. Bohleber antwortet darauf, die politologischen, ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen aufgerufen sind, sich darum zu kümmern. Und er erinnert an die neue Konjunktur des Begriffs Heimat: „Freuds Arbeit Das Unheimliche (1919h) hat uns gelehrt, uns nicht zu behaglich im Eigenen, Vertrauten und Heimatlichen einzurichten. Er arbeitet heraus, wie sich das Heimliche, heimelig Vertraute zu einer ambivalenten Bedeutung hin entwickelt hat, bis es mit seinem Gegensatz »unheimlich« zusammenfiel.“ (S. 766 f.) Die Parallele zum Begriff Freuds des Unbewussten ist offenkundig, der „zugleich biologische und symbolische Andersheit im Inneren des Menschen verortet und zu einem integralen Bestandteil des Selbst“ (S. 767) wird. Und Bohleber zitiert Julia Kristeva, J.: Fremde sind wir uns selbst. Übers. X. Rajewsky. Frankfurt/M. 1990, S. 197 f.: „Von nun an ist das Fremde nicht Rasse und nicht Nation […]. Als Unheimliches ist das Fremde in uns selbst: Wir sind unsere eigenen Fremden – wir sind gespalten« (1990, S. 197f.). Bohlebers Editorial ist ein sehr lesenwerter Literaturbericht, der die Ansätze der Migrationsfoschung mit ihren psychologischen Hintergründen referiert.


bericht-integration> Bericht von Frau Annegret Kramp-Karrenbauer und Herrn Jean-Marc Ayrault zur Förderung der Integration in unseren Gesellschaften

Dazu: > Flüchtlinge und Integration: Akteure der deutsch-französischen Zusammenarbeit

Weil die Migranten nach den letzten Attentaten immer mehr Gefährdungen durch die populistischen und extremistischen Parteien ausgesetzt werden, die simple Lösungen bis hin zum offenen Rassismus propagieren, erinnern wir hier noch einmal an die auf unserem Blog, die die Menschenrechte als Thema hatten: > Die Migranten und die Menschenrechte


M. Fakhry Davids, Ethnische Reinheit, Andersartigkeit und Angst, stellt das Modell einer »inneren rassistischen Organisation« vor. Es handelt sich um eine pathologische Anlage in uns, ein Abwehrsystem gegen primitive Ängste (vgl. achc S. 801) , das im Umgang mit Menschen, die zu einer anderen ethnischen Gruppe gehören, virulent werden kann und unser Denken beeinträchtigt, gar lähmt. Für Davids erlaubt diese innere Struktur anderen keinen Raum, ein normaler Mensch zu sein, sondern vereinnahmt ihn, und macht Merkmale, die die Mitglieder einer bestimmten ethnischen Gruppe charakterisiert, zum Ausgangspunkt für eine massive projektive Identifizierung. Das Verständnis dieses „inneren Rassismus“ kann dazu beitragen, dass Menschen anderer Ethnien sich aus Sackgassen befreien, die unser professionelles Verhalten beeinträchtigen. Man muss Optimist bleiben, das fällt leichter, wenn man Davids folgt und den Mechanismus der inneren AnNgst gegenüber Fremden durchschaut hat: „Doch auch wenn die Angst davor, dass eine Konfrontation mit dem inneren Rassismus katastrophal endet, sehr groß ist, verfügt das »normale« Ich über die notwendigen Ressourcen, um einen solchen Kampf aufzunehmen. Anders gesagt: Die Organisation selbst ist es, die heftige Angst generiert, um das Subjekt anschließend in ihre eigenen schützenden Arme zu treiben.“ (S. 802)


> Nachgefragt. CNCDH: Le rapport sur la lutte contre le racisme, l’antisémitisme et la xénophobie

Am Montag, 2. Mai 2016, hat Mme Christine Lazerges, Präsidentin der Commission nationale consultative des droits de l’homme CNCDH den Bericht über den Kampf gegen den Rassismus, gegen den Antisemitismus und die Fremdenfeindlichkeit der Regierung übergeben … Der erste Teil des Berichts zählt anitrassistische, anitsemitische und fremdenfeindliche Vorfälle auf und stellt die Mittel zu ihrer Verhinderung vor.


psyche-heimat-fremdheit-migrationRoger Kennedy stellt das integratives Konzept eines »psychischen Zuhauses« vor. Es geht um die Identität des Einzelnen die durch ein entsprechende psychischen Struktur gefördert werden soll. Wie werden Flüchtlinge bei uns heimisch. Welche Fragen der Identität werden gestellt? Sie sollen ihre Identätät nicht wechseln, sie können sie auch gar nicht austauschen. Was helfen kann ist der Versuch die Dynamik von Toleranz versus Intoleranz verstehen.

Sverre Varvin erklärt die Flüchtlingserfahrung mit Traumatisierungen, dem Verlust der Heimat, den Fluchterfahrungen, den Erfahrungen im Exil, den tiefen Erschütterungen und Brüchen der Identität und dem Wunsch nach einem Sicherheit vermittelnden Exil. Mit einem Fallbeispiels diskutiert sie die Bedingungen für die analytische Psychotherapie mit schwer traumatisierten Flüchtlingen.

Thomas Auchter meint, Fremdenfeindlichkeit und Fundamentalismus sei in der frühen Entwicklung des Menschen angesiedelt. Aufgrund von späterer Kränkungen kommt dieser maligne Narzissmus zum Ausbruch. Die Folge kann ein Fundamentalismus sein, der sich sich als innere geistige Haltung in einer Flucht ins Radikale und ideologisch Absolute ausdrückt.

Patrick Meurs untersucht die Beweggründe radikalisierter junger Muslime, die sich dem IS anschließen. Er zeigt, wie Anwerber sie in die Radikalisierung treiben. Die Vorstellung einer reinen Welt des Islam, die Hingabe an einen charismatischen Anführer und die Vorstellung der Brüderlichkeit der Kämpfer sollen den Hass auf den Westen schüren.

psyche-heimat-fremdheit-migrationAnna Leszczynska-Koenen diskutiert, in welcher die Sprache psychoanalytischen Behandlungen stattfinden: „Es mag sein, dass die Muttersprache oft näher an dem dran ist, »was vor der Sprache war«, und sich der Verbindungskanal zu den unbewussten Erlebnisinhalten mit ihrer Hilfe deswegen leichter öffnen lässt. Aber sie stellt auch viele Umschreibungen und Umwege zur Verfügung, die es erlauben zu intellektualisieren und auszuweichen. In der Fremdsprache, in der man solche Instrumente nicht beherrscht, wird die Kommunikation oft basaler, wie in der Verständigung mit einem kleinen Kind, und sie muss auch stärker aus dem präverbalen Kontakt schöpfen, der bei elaboriertem Sprachgebrauch in den Hintergrund geraten kann.“ (S. 920)

Christoph Schneider untersucht mit seinem Aufsatz Das Ferne, das uns nahe ist Fremdheit als eine relationale Beziehungseigenschaft, die nicht dem anderen personal zugeschrieben werden kann. Der klassischen vertikalen Konzeption des Unbewussten kontrastiert er mit einer horizontalen Konzeption psychischer Fremdheit.

Marianne Leuzinger-Bohleber, Constanze Rickmeyer, Judith Lebiger-Vogle, Korinna Fritzemeyer, Mariam Tahiri und Nora Hettich berichten über Frühpräventionsprojekte des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt/M. für Familien mit Migrationshintergrund vor. Es geht um die Fragen, wie zum Beispiel eine transgenerative Weitergabe von Traumatisierungen verhindert oder gemildert werden kann.


Lesebericht: Karl Heinz Brisch (Hg.), Bindung und Migration 26. September 2015 von Heiner Wittmann: „Dieser Band geht auf die Internationale Konferenz Bindung und Migration, die von der Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. Haunerschen Kinderhospital der Ludwig-Maximilians-Universität am 11. und 12. Oktober 2014 veranstaltet wurde, zurück, deren Beiträge hier vorgelegt werden.

In den kühnsten Träumen kann man sich das Elend und das erlittene Leid der Jugendlichen z. B. in Syrien, die vor Ort aus ihrem Lebensumfeld durch unermessliche Gewalt und Tod von Freunden, nahen Angehörigen herausgerissen wurden, nicht vorstellen. Panik und extreme Angst bestimmten auf einmal ihr Umfeld. Für viele schließen sich Vertreibung oder Flucht in eine ungewisse Zukunft an. Sie sind gezwungen, in prekären Lagern zu überleben, zuweilen können auch die Erwachsenen ihnen kaum beistehen.“ > Bitte weiterlesen.


Vera King untersucht die Psychodynamik von Migration. Migration ist ein Trennungsprozess und ein von Hoffnungen getragenes »intergenerationales Erwartungsprojekt«, das sich in der Generation der Kinder verwirklichen lassen sollte: „Analogien von Adoleszenz und Migration zeigen sich übergreifend darin, dass Erwachsenwerden klassisch, auch in Mythen und Märchen, selbst wie ein Aufbruch, eine Reise in ein neues Leben und ein Auszug in die Fremde verstanden wird. Gerade wenn psyche-heimat-fremdheit-migrationjunge Leute migrieren, wird deutlich, wie stark beide Prozesse, Adoleszenz und Migration, nicht nur Parallelen aufweisen, sondern psychisch ineinander verwoben sind. Adoleszente müssen sich wie Migranten trennen und ihre vertrauten Bezüge aufgeben. Wie gut die notwendigen Umgestaltungen gelingen, hängt von psychischen Ressourcen und äußeren Bedingungen ab.“ (S. 983)

Am Ende des Heftes stehen Buchbesprechungen.


Literatur – Sachbuch – Blog – Klett-Cotta
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