Verlagsblog

Nachgefragt: Ulrike Jureit und Christian Schneider, Gefühlte Opfer

14. Oktober 2010 von Heiner Wittmann

In diesem Herbst ist bei Klett-Cotta ein Band von Ulrike Jureit und Christian Schneider mit dem Titel > Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung erschienen. Ulrike Jureit, ist Historikerin am Hamburger Institut für Sozialforschung und Sprecherin der zweiten Wehrmachtsausstellung. Christian Schneider. Christian Schneider, ist Privatdozent an der Universität Kassel. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen im Bereich der psychoanalytischen Kulturtheorie vorgelegt. Ulrike Jureit und Christian Schneider haben über das heikelste Thema der deutschen Zeitgeschichte geschrieben. Es geht um das Erinnern an das Dritte Reich und den Holocaust.

Sie untersuchen in historischer, psychoanalytischer und geistesgeschichtlicher Sicht die Erinnerungsmoral in bezug auf das Dritte Reich. Im ersten Teil analysiert Ulrike Jureit die wesentliche Aspekte der Erinnerungskultur: „Erinnerung wird zum Gesellschaftszustand“ und entdeckt dabei „Normierungstendenzen einer opferidentifizierten Erinnerungskultur.“ Sie entwickelt eine „Theorie des kulturellen Gedächtnisses“ und erinnert dabei u.a. an die Arbeiten von Maurice Halbwachs (La mémoire collective) Christian Schneider untersucht die Grundlagen der Vergangenheitspolitik und erinnert an die Arbeiten von Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Alexander und Margarete Mitscherlich, aber auch Sigmund Freud und Norbert Elias.

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Das Ergebnis der beiden Autoren dieses Bandes: Eine vollkommene »Vergangenheitsbewältigung» bleibt eine Illusion.

Dorion Weickmann schrieb in der Süddeutschen Zeitung, 09.08.2010: »Dieses Buch stochert ebenso ungeniert wie schmerzhaft in der deutschen Amfortaswunde,“ und Harry Nutt notierte am 24.07.2010 in der Frankfurter Rundschau: „Gerade weil die Verbrechen des Holocaust als negativer Gründungsmythos der Bundesrepublik zu einem gesellschaftlichen Paradigma geworden sind, richten Jureit und Schneider ihren Blick auf die Phänomene des Gefühlten Opfers. Aus dem Opferdenken haben mit wachsendem zeitlichen Abstand auch Aspekte des Schuldstolzes an Bedeutung gewonnen.“

Foto: Brigitte Winter

Auf dem Stand von Klett-Cotta bei der Frankfurter Buchmesse hatte ich Gelegenheit, mit Christian Schneider über das Buch zu sprechen:

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ca. 14 Min

> Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Ulrike Jureit / Christian Schneider
> Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung
Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag
253 Seiten
ISBN: 978-3-608-94649-9

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