Verlagsblog

Lesebericht: Johann Friedrich Cotta, Ein Leben für die Literatur

11. Mai 2009 von Heiner Wittmann

Andere Stimmen > J. F. Cotta: Der Napoleon des deutschen Buchhandels auf > www.leipzigerlerche.com


Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen Klassik: Die Hand über der ganzen Welt.. Das Buch hat mich in den letzten zwei Wochen dauernd begleitet. Folgt man dem Einsatz des Verlegers für seine Autoren, zu denen unter vielen anderen auch Schiller und Goethe gehörten, seinem Geschick mit den Behörden umzugehen, seiner immer größeren Erfahrung die Buchproduktion seines schnell wachsenden Verlages zu steuern, seinem wunderbaren Gespür neue Autoren aufzuspüren, seinen finanziellen Rechnungen, dann wird deutlich, dass es eine Gratiskultur auch im Buchhandel kaum geben kann.

Kaeding: Johann Friedrich CottaDie Autoren verlangen zur Recht ihr Honorar und kennen sehr wohl den Wert ihrer Werke, die Lieferanten wollen Geld sehen, die Buchhändler sind an ihren Rabatten interessiert und der Verleger wiederum kämpft für alle zusammen gegen die Raubdrucke und den Druckfehlerteufel: Hier die korrigierte Fassung mit neuen Druckfehlern schrieb er einmal. Kein Glied der ganzen Produktionskette, mit der das Wissen verbreitet wird, arbeitet kostenlos. Und die Arbeit des Verlegers wird grob fahrlässig unterschätzt, wenn man glaubt, man bräuchte ihn nicht. Im modernen PC-Zeitalter sind die Fallstricke auf dem Weg zur Veröffentlichung vielleicht nur noch größer, man unterschätzt sie, da man ja immer digital so schön korrigieren kann und man alles mit allem verlinken, verknüpfen und verühren kann.

Betrachtet man sich aber alle Zeitungen und Zeitschriften, die unter immer neuen Namen im Cotta’schen Verlag erschienen, manchmal den Wünschen und Grillen der Autoren Rechnung trugen, manchmal auch nur zugunsten einer geschickten Umgehung der Zensur umgenannt werden, dann kann man über diese Vielfalt nur staunen, an der im Internet-Zeitalter selbst die zahlreichen Literatur-Blogs kaum kratzen können. Woran das liegt? Sie ahnen es, dass ich jetzt schon wieder zur Gratiskultur komme. > Digital ist eben nicht kostenlos. Da wird man gleich einwenden, das ist ja ein kommerzieller Verlagsblog, der Blog von Klett-Cotta. Weit gefehlt, die Bürozeit ist vorbei, und von Felix Salmon > Zehn Thesen, warum deutsche Blogs nicht funktionieren stimmt nur die 5., dass Blogger, wie eben Salmon, auch mal irren. Ich meinte die Vielfalt und gleich auch den schon berühmten Spruch von der Demokratisierung des Wissens, der heute gerade im Vergleich zu all dem, was Peter Kaeding der umfangreichen Korrespondenz, entnehmen kann nur in sehr begrenztem Umfang und eigentlich gar nicht dazu geeignet ist, das Zirkulieren der Ideen so recht im Schwung zu bringen.

Cotta war unserer Zeit voraus. Nein, ich verdrehe nichts. Es ist unglaublich, wie er als Verleger in das Paris der französischen Revolution reist, wo Köpfe rollen und er mit Ministern verhandelt. Später mischt er an entscheidender Position im Streit um Verfassungsfragen mit, Ende der zwanziger Jahre macht er mit an vorderster Front, wenn es um die Zollunion geht, wie Herr Genscher ständig unterwegs von Hof zu Hof. Er habe nur hinter den Büchern gehockt? Weit gefehlt! In die Dampfschifffahrt hat er investiert. Er war also für alles Neue aufgeschlossen, ist mitgefahren, hat sich begeistern lassen und nebenbei seinen Verlag durch an allen Klippen der Zensur vorbei manövriert. Und dauernd gerechnet. natürlich um Gewinn zu machen. Aber auch, um sich und der Kultur das ganze Unternehmen überhaupt erlauben zu können. Napoleon I. war eine Episode in seinem Leben, das vom Ancien Régime ihn in die Neuzeit katapultierte. Selten habe ich eine Biographie gelesen, die zwei Erzählstränge hat, einmal die Zeitgeschichte, die immer wieder mal auf Cottas literarische und kulturellen Erfolge zu sprechen kommt, und dann Cotta selbst, der sich von seiner Zeit nie treiben lässt, sondern die Ereignisse zugunsten seines Verlages und seiner Autoren zu nutzen versteht. Wenn der Blick auf die schwindende Seitenzahl immer betrüblicher wird, dann ist das Buch richtig gut. Auf dem > Fucamp in Furtwangen vom 22.-24. Mai 2009 werde ich einen Beitrag zum Thema > Wie mache ich ein Buch im Internet bekannt? anbieten. Wie ? > Ganz einfach. Ich habe das Buch gelesen. Und dies hier mit mehrfachen Vergnügen, die Zeitgeschichte zum einen und dann der historische Kontext zum anderen, der so wunderbar zu der Diskussion um e-books, Open-Access, Gratiskultur und dem Abgesang auf das Buch passt, denn hier wird gezeigt, was für eine wichtige Rolle der Verleger als Mittler der Literatur einnimmt, besonders dann, wenn er sich so wie Cotta für seine Autoren und einsetzt und sich gleichzeitig in seiner Zeit so engagiert.

Peter Kaeding
Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
1. Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen
496 Seiten
ISBN: 978-3-7681-9712-0

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