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Lesebericht : Anthony Ryan, Das Lied des Blutes. Rabenschatten I

23. September 2014 von Heiner Wittmann

Heute, am 23.9.2014, erscheint „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan. Ein Fantasy-Roman, der die Geschichte des Kämpfers „Hoffnungstöter“ erzählt. Die Kollegen von der Hobbit Presse sind begeistert von diesem Roman, aber nicht nur sie, sondern auch viele Tausend Leser im Netz, die das englische Original gelesen haben. Neugierig? Dann besorgt euch die XXL-Leseprobe auf > www.hobbitpresse.de/ryan oder auf euren Lieblingsplattformen.


Um es gleich zu sagen, wir haben als Romanist keine spezielle Erfahrung, Bücher aus der Hobbit Presse, also Bücher, die zum Genre Fantasy gehören, hier so richtig sachgerecht vorzustellen. Aber da wir hier auch keine Rezensionen schreiben, sondern unseren Gewinn, den wir aus Büchern von Klett-Cotta ziehen, mit den Leser unseres Blogs teilen wollen, dürfen wir hier auch ganz subjektiv und einfach mal improvisiert, über das Leseabenteuer > Das Lied des Blutes von Anthony Ryan berichten.

Lesen. Noch ein Vorteil als Literaturwissenschaftler vermeiden wir die Methode l’homme et l’oeuvre, als einen Ansatz, der die Biographie des Autors zu Rate zieht, wenn es mit der Interpretation seines Buches hapert.

Beschränken wir uns also auf das Leseabenteuer (I) von > Das Lied des Blutes. Aufschlagen und einfach mal 30 Seiten dranbleiben. Mein Kollege von Klett-Cotta hatte mich gewarnt: Sie hören nicht wieder auf, bis Sie das Buch ganz gelesen haben.


Fantasy, so ein wenig unentschlossen war ich schon. Aber nach was zunächst nach Fünf Freunde und GSG 9 klang, entpuppte sich schnell als ein Roman mit wahnsinnig spannender Handlung. Bestes Hilfsmittel war die Karte in den Buchdeckeln.

Vaelin al Sorna ist der Titelheld. Sein Eintritt in den Sechsten Orden und seine überaus harte Ausbildung zum Kämpfer bestimmen die Handlung, das > Leseabenteuer (II). Der Tod ist allgegenwärtig. Mit den Kameraden verbindet ihn eine Art Treueverhältnis, das aber auch von Konkurrenz geprägt ist. Kursiv gesetzte Sätze – „sein innerer Beobachter“ (S. 403) – geben die Gedanken, Ideen und Schlussfolgerungen von Vaelin wieder, dadurch bekommen auch Passagen, die einen eher langsameren Rhythmus haben, Geschwindigkeit und Eindringlichkeit. Dem Leser werden so Interpretationen bestimmter Sachverhalte und Vorgänge vorgelegt. Und manchmal sind es dann doch Alternativen, die sich gar nicht so im Sinne von Vaelin entwickeln, und den Leser sich bald Sorgen um Vaelins Schicksal bereiten. Die Abschlussprüfungen des Ordens fordern von den Prüflingen einen Einsatz auf Leben und Tod.

> www.hobbitpresse.de/ryan

Charakterbildung. Die Erziehung im Orden lässt die Entwicklung eines miesen Charakters zu. Es wird geklaut und bestraft, wird wer so dumm ist, sich erwischen zu lassen. ( vgl. S. 215) Das ist alles nur harmlos. Viel grausamer ist die Einzelkämpferausbildung im Nahen Wald. Die Ordensschüler werden an verschiedenen Punkten ausgesetzt und müssen innerhalb einer bestimmten Frist zurückkommen, oder sie müssen den Orden verlassen. Bären und Mörder lauern ihnen auf. Vaelin lässt sich nicht schrecken und er kehrt wohlbehalten zurück, um dann mit den anderen restlichen fünf die zu betrauern, die es nicht geschafft haben.

Die Lektüre dauerte am vorletzten Wochenende bis 3 Uhr morgens. Und Vaelin gelingt es durch eine Reihe glücklicher Umstände seine eigene Geschichte aufzuklären. Was der Leser schon immer wissen wollte, wird ihm auf diese Weise berichtet. Langsam fügt sich ein Stein zum anderen, Vaelin wird vertrauter. Er entdeckt Geheimnisse. Wir haben uns das schon gedacht. „Es waren einmal sieben…“.

Machtpolitik, gerechtfertigt durch das Streben nach dem einen richtigen Glauben, für den man sein Leben auf das Spiel setzte, strategisches Denken, das Wissen, wo man angreifen muss, um den Gegner zu vernichten, Schnelligkeit bei der Handhabung mit dem eigenen Schwert, es gibt viele Quellen für diese Geschichte, die, wenn sie sich so nicht ereignet hat, eben doch der Phantasie eines Autors entsprungen ist. Fast wäre man geneigt, seinem Psychogramm weiternachzugehen. Nein, das tn wir jetzt nicht. Die Allgegenwart des Todes will nicht so ganz zum unerschütterlichen Respekt vor dem eigenen Glauben passen. Einerseits vermittelt sie einen moralischen festgefügten Anspruch, andererseits begründet er absolute Unnachgiebigkeit gegenüber den Gegnern. Parallelen zur heutigen Welt?

Spannend geschrieben. Das reicht aber nicht, um anzudeuten, was hier wirklich passiert. Ryan denkt sich einen einleuchtenden Plot aus. Die Rahmenhandlung bildet die Erzählung des Kriegers Vaelins. Jede Erzählung liefert immer eine Interpretation und Wertung des Geschehens. Man spürt den Respekt Vaelins vor dem Orden, aber er besitzt auch Qualitäten, die der Orden nicht vermittelt, so als ob, im Menschen doch etwas angelegt ist, was ihn auszeichnet, und was der Orden nicht erreichen und auch nicht zerstören kann. Mit den Passagen, die diese Grenzgänge berücksichtigen, kann das Genre dieses Buches, dieses Romans näher bestimmt werden. Ganz ohne Zweifel gehört > Das Lied des Blutes in das Reich der Fantasy-Romane, aber da wo Ryans Buch auch Wahrheiten, oder gar moralische Ansprüche aufzeigt, bekommt das Buch eine Romanform, keine modernes Märchen, aber eben doch eine Sammlung von Parallelen zu mancher bekannter Kriegsgräuel.

Geheimnisse, die angedeutet werden und dann langsam auf ihre Lösung hin ausgebreitet werden, bestimmen die Spannung in > Das Lied des Blutes. Sieben, diese Zahl spielt eine wichtige Rolle, aber auch der Glauben der selbst, dessen Inhalt als so offenkundig bekannt vorausgesetzt wird, dass es immer nur der Glaube heißt. „Der Orden kämpt, aber häufig kämpft er im Verborgenen,“ (S. 331) hatte Meister Sollis Vaelin mit auf den Weg gegeben. Man schweigt, Geheimnisse werden gut behütet. Makril sagt einmal „Die meisten herrschen durch Furcht,“ (S. 387) als ob er seinen Machiavelli kennen würde.

Eltern.Wer waren Vaelins Eltern? Wer hat ihn in den Orden gebracht? Seine Vorgeschichte bestimmt sein Handeln im Orden. Mit Beharrlichkeit, Ausdauer und Geschick kommt er seinem eignen Geheimnis auf die Spur. Vaelin traut sich die strengen Hierarchien zu überspringen, es ist wie ein Blick auf das wirkliche Leben. Er beweist Mut, tut verbotenerweise das Richtige und hat Erfolg. Derlei Stellen erscheinen öfters und machen das Buch zu einem Märchen, das einen tieferen Sinn vermitteln, keine moralischen Grundpositionen, aber doch wichtige Einsichten.

Das Lied des Blutes. Eine Art Mantra der inneren Stimme, Warnung, Ansporn oder die dunkle Gabe (vgl. S. 407)?

Erscheinungstermin: Am 23.09.2014 gehen Sie bestimmt in Ihre Lieblingsbuchhandlung oder Sie probieren mal: > XXL-Leseprobe.

>Anthony Ryan
> Das Lied des Blutes
Rabenschatten 1
Aus dem Englischen von Sara und Hannes Riffel (Orig.: Blood Song)
1. Aufl. 2014, 775 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, zwei Vorsatzkarten
ISBN: 978-3-608-93925-5

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