Verlagsblog

Lesebericht: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s

9. August 2017 von Heiner Wittmann

Eine Ferienlektüre soll es sein, so mal was Richtiges zum Schmökern. Ein Buch, das sich nach 12 Seiten so anfühlt, als seien sie schon 2 Stunden im Kino? Wo man sich hineinversenken lassen kann und erst mal alles um sich herum vergisst. Eben Urlaub. Wir hätten da was für Sie: Die Sommerlektüre ist da. Der Roman von Don Carpenter > Freitags im Enrico’s ist es. > Aufgeschlagen: Don Carpenter, Freitags im Enrico’s.

Teil Zwei. Die Portland Gruppe. Dick Dubonet ist ihr Star. Gerade hat Playboy ihm 3000 Dollar für seine Geschichte überwiesen. Er wohnt in der > Fourth Street Nähe Downton. Kaum prahlt er damit, muss er auch schon 50 Dollar verleihen. So sind die Preise. Seine Freundin Lisa zieht zu ihn und sie brauchen eine neue Wohnung. 14 Stories hat er gerade im Umlauf.

Charlie und Jaime kennen wir schon, Dick und Lisa auch schon. Da kommt noch Stan dazu, der ein Talent für Einbrüche hat, die für ihn wie ein Kick sind. Die ihn allerdings auch ins Gefängnis führen. Alle zusammen belauern sich und jeder hofft auf seinen literarischen Erfolg. Jeder hat eine andere Strategie. Charlie schreibt an einem Kriegs-Epos, füllt Seiten um Seiten, Karton um Karton. Schließlich findet er einen interessierten Verlag, der alle Manuskriptteile haben will, radikal kürzt, das tut einem Manuskript wirklich manchmal richtig gut, aber Charlies fühlt sich missverstanden ist wütend. Später soll gar ein Drehbuch daraus entstehen, in dem mehr von den Produzenten als von Charlie drinsteht. „Als er vor langer Zeit beschloss, Schriftsteller zu werden…“ kann man das beschließen? Oder muss man nicht doch ein wenig länger an so einem Vorhaben arbeiten: Sartre brauchte 2800 Seiten, um herauszufinden, wie > Gustave Flaubert sich zum Künstler gemacht oder entwickelt hat. In diesem Sinne ist > Freitags im Enrico’s auch eine Art investigativer Roman. Die angehenden Schriftsteller probieren alle verschiedene Textsorten aus, lesen die, die Erfolg haben, und suchen krampfhaft nach Themen, die sich vermarkten lassen.

Dick Dubonet bringt seine Kurzgeschcihten in Nugget, Caper, Fantasy & Science Fiction und im > Ellery Queen’s Mystery Magazine unter. Aber erstmal konnte er sicha uf den 3000 Dollar ausruhen, die ihm Playboy überweisen hatte. Er wohnt in einem der Holzhäuser in Portland SW Fourth Street. In Jerry’s Tavern lernt er Linda McNeill kennen, sie kennt den Herausgeber der > Evergreen Review. Er biete ihr an, Sie nach Hause zu fahren, mit einem Umweg, um zu Hause seien Story zu holen, ja sie will mit reinkommen …

Parties, wie die in der > SW Cable Avenue sind eine Gelegenheit, den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen, wer mit wem und welcher Verleger wo angerufen hat. Irgendwie helfen sie sich auch gegenseitig, wenn sie auch alle – die Mitglieder der Portland-Gruppe – hinsichtlich des Schreibens Konkurrenten und Neider sind.

Bei dieser Lektüre kann es ihnen passieren, dass Sie sich in Gedanken beim Lesen den Platz in dieser Clique suchen, der Ihnen passen würde – allein ein kurzer Gedanke daran, und die Sommerlektüre hat ihre Pflicht getan und Sie entführt. Das funktioniert mit diesem Buch. Dick und Jaime… Dann verschwindet Charlie für drei Tage… Dann wird Stan wieder festgenommen. Jaime hat Riesenerfolge und kauft ein Haus in Mill Valley in einer Sackgasse, die vom Panoramic Highway abging Mill Valley. Man trifft sich in den Bars und auch im Enrico’s. Jaime hat ihr Buch fertig und Charlie muss mit seinen Neidgefühlen kämpfen. In San Francisco treffen sie sich in > Gino and Carlo’s. Jetzt bekommt Jaime auch ein Angebot, die Filmrechte an ihrem Roman zu veräußern. Charlie hofft nach wie vor auf seinen Erfolg, sein Lektor Ratto zeigt sich zuversichtlich.

Das Kapitel C-Block erzählt die Haftzeit von Stan Winger, dessen Aufseher sein Romanmanuskript entsorgt. Stan entwickelt eine Strategie, das Manuskript im Kopf zu komponieren. Schlüsselwörter helfen ihm dabei, die Struktur und die Sätze zu memorieren. Seien Figuren haben skurrile Eigenarten. (S. 280) Nach der Haft bringt er den Roman zu Papier und kann seine ersten großen Erfolge feiern. Das erste Manuskript bringt ihm 3400 Dollar, Stan wird unabhängig und kann sich nach und nach immer mehr leisten.

In > Don Carpenter, Freitags im Enrico’s vermischen sich die Inhalte der Kurzgeschichten und Romane, mit den Erlebnissen der Portland-Clique. Was entscheidet über den Schreiberfolg? Ausdauer, Hartnäckigkeit oder einfach Glück?

Don Carpenter
> Freitags im Enrico’s
Roman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben (Orig.: Fridays at Enrico’s), Beendet und mit einem Nachwort von Jonathan Lethem
1. Aufl. 2017, 462 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96079-2

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