Verlagsblog

Nachgefragt: Tom Drury, Grouse County

12. September 2017 von Heiner Wittmann

Bevor wir den letzten Roman von Tom Drurys > Grouse County. Romantrilogie ganz gelesen hatten, konnten wir den Autor am letzten Wochenende in Berlin besuchen und nach seinem neuen Buch und vor allem auch nach den Personen seiner Geschichten befragen. Drury erlaubte uns einen faszinierenden Einblick in seiner Schreibwerkstatt. Eine Triologie ist dabei herausgekommen. Nein, daran hatte er am Anfang bei der ersten Zeile überhaupt nicht gedacht. Er habe erst einmal angefangen. Somit gehört Drury zu den Autoren, die abwarten und zusehen, wie seine Charaktere sich entwickeln. Allerdings kommt mit den Jahren bei ihm eine weitere Komponente hinzu, die die Lektüre seiner drei Romane so spannend macht. Seine Personen machen Entwicklungen durch und obwohl Drury, ihr Fortkommen nur mit der Feder verfolgt und protokolliert, schaut er doch schon genauer hin, was machen sie aus ihrem Leben? Weniger in dem Sinne von, was wird aus ihnen, sondern es geht um die Frage, welche Chancen haben sie genutzt oder welche haben sie vertan.

Klar, der Autor lässt somit dem Leser alle Freiheiten, in die Beurteilung der Charaktere (mit) einzusteigen. Hält er uns einen Spiegel vor? Das darf jeder Leser für sich selbst entscheiden.

Klar, der Autor lässt somit dem Leser alle Freiheiten, in die Beurteilung der Charaktere (mit) einzusteigen. Hält er uns einen Spiegel vor? Das darf jeder Leser für sich selbst entscheiden. Doch mir fiel während unseres Gesprächs – in einem Bistrot in Berlin mit ungewöhnlicher Beleuchtung ein, wie > Sartre am Ende von Der Ekel seine Literaturtheorie und damit ihre Bemessungsgrundlage von Roquentin formulieren lässt: Er müsse, so sagt sich Roquentin auf der Zugfahrt nach Paris, ein Buch schreiben, das so hart wie Stahl sei und den Leuten wegen ihrer Existenz die Schamröte ins Gesicht treibe. Also es geht um alles, was sie nicht gemacht haben oder noch nicht gemacht haben. Geht es immer um verpasste Chancen? Man verpasst immer irgendwas. Aber es geht darum, immer wieder neu anzufangen und zu lernen, n’est-ce pas?

Tom Drury,
> Grouse County. Romantrilogie
Aus dem Amerikanischen von Gerhard Falkner und Nora Matocza
1. Aufl. 2017, 795 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
ISBN: 978-3-608-98025-7

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