Verlagsblog

Nachgefragt:
Robert Spaemann, Nach uns die Kernschmelze

12. Juni 2011 von Heiner Wittmann

Nach dem Leseberichtzu dem Buch > Nach uns die Kernschmelze. Hybris im atomaren Zeitalter hat Robert Spaemann auf Fragen zu seinem Buch geantwortet. Natürlich kommt der Ausstieg zu spät, aber immerhin er kommt, und Spaemann erkennt den Mut der Bundeskanzlerin an, diese Wende zu vollziehen. Natürlich haben die Grünen zu dieser Entscheidung langfristig das Ihrige beigetragen, dennoch bleibt Spaemanns Verhältnis zu den Grünen weiterhin zwiespältig.
Angela Merkel hat am Juni in ihrer > Regierungserklärung zur Energiepolitik gesagt „Das Restrisiko der Kernenergie habe ich vor Fukushima akzeptiert, weil ich überzeugt war, dass es in einem Hochtechnologieland mit hohen Sicherheitsstandards nach menschlichem Ermessen nicht eintritt. Jetzt ist es eingetreten.“ (> Mitschrift)

Versteht man die Kanzlerin richtig, ist dieses Restrisiko jetzt der Grund für den anvisierten Stopp der Atomenergie in Deutschland. Aber das Restrisiko gab es auch schon vorher… Robert Spaemann bewertet in unserem Gespräch dieses Restrisiko als Philosoph. Man hätte es nicht so lange- eigentlich gar nicht! – hinnehmen dürfen. Allen Wahrscheinlichkeitsannahmen zum Trotz, ein Unfall kommt, im Sinne von was kaputtgehen kann, geht auch einmal kaputt. Im übrigen haben wir überhaupt nicht das Recht, künftige Generationen mit unseren strahlenden Atomresten als „nicht transformierbare Sachzwänge“ zu belasten. So Spaemann der Auffassung ist, die Koalition sei ihrer „Begründungspflicht“ beim Ausstieg aus dem Ausstieg der Atomenenergie nicht nachgekommen ist, so finde ich darf man auch heute noch stichhaltige Gründe für die Restlaufzeit bis 2022 vermissen.

Frankreich-Blog – Ein Interview
Hervé Kempf, LE MONDE, antwortet auf unsere Fragen zur Atomenergie

Robert Spaemann ist keinesfalls gegen Fortschritt, ja er plädiert für die Rückkehr zu einem Fortschritt im Plural. Allerdings sind diesem Fortschritt Grenzen gesetzt, wenn der Mensch sich auf Gebiete begibt, wo er nicht alle Nebenwirkungen im Griff hat. Wie weit darf man gehen? Was hat die Atomforschung mit dem Willen des Menschen nach Erkenntnisgewinn zu tun? Wie steht es z. B. um die Präimplanationsdiagnostik? Schließlich habe ich nach religiösen Aspekt gefragt: Betrachtet man die Entfesselung der Naturgewalten in Japan durch das Erdbeben und indirekt auch durch den Menschen mit nahezu ebenso schwerwiegenden Folgen ist man schon versucht zu fragen „Wo war Gott“?, so wie Sie dies für im März für Christ und Welt (Beilage in Die Zeit) gefragt worden sind.

> Robert Spaemann
> Nach uns die Kernschmelze. Hybris im atomaren Zeitalter
1. Aufl. 2011, 108 Seiten,gebunden ohne Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-94754-0

2 Kommentare zu “Nachgefragt:
Robert Spaemann, Nach uns die Kernschmelze”

  1. 17. August 2011 11:42

    […] Nachgefragt: Robert Spaemann, Nach uns die Kernschmelze […]

  2. 25. April 2012 09:58

    […] 2011 waren wir mit unserem transprotablen TV-Studio bei Professor Spaemann und haben ihn nach den Problemen der Kernenergie […]

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