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Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen

9. Mai 2014 von Heiner Wittmann

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Kennen Sie auffällige Jungen? Unkonzentriert? Fahrig? Unangepasst? Probleme mit den Affekten? Immer auf dem Sprung, als Zappelphilipp nicht zu bändigen? Probleme mit der Verarbeitung von Impulsen – seinen und denen anderer? Motorische Unruhe? Verhaltensauffällig, verhaltensabweichend, dann kommt doch irgendwann der Gedanke auf, die Eltern müssten den Jungen untersuchen lassen: ADHS?

Nach dem Lesebericht, > Die Psychoanalyse des Jungen folgt jetzt der nächste Beitrag unter der Überschrift Nachgefragt…. Hans Hopf war heute im Verlag Klett-Cotta und wir hatten eine Gelegenheit ihn nach seinen jüngst erschienen Buch zu fragen, … mal nachhören, ob wir bei unserer Lektüre alles richtig verstanden haben.

Hans Hopf kommt aus Teplitz-Schönau (Teplice), das liegt im heutigen Tschechien. Er hat Pädagogik, Mathematik und Physik studiert. Es folgte einer Ausbildung zum analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, dann ein Studium in Ulm und 1989 die Promotion. Seit 1995 war er Therapeutischer Leiter im Therapiezentrum „Osterhof“, Baiersbronn. Er hat Veröffentlichungen zu den Themen Aggression, Traum und spezielle Neurosenlehre bei Kindern und Jugendlichen vorlegt. Seit 1999 ist er von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ernannter Gutachter für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Letztes Jahr ist er mit dem Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPTK) in Berlin ausgezeichnet worden.

Wir haben Herrn Hopf gefragt, was für ihn die Psychoanalyse bedeutet? Auf der Website von Klett-Cotta steht zu seinem Buch: “Die These von Hans Hopf,: Die Jungen sind die »Emanzipationsverlierer«, sie wachsen überwiegend »vaterlos« in einer feminisierten Welt auf.” Ist da was dran? – Das Titelfoto zeigt einen ca.7-8 jährigen Jungen, die Fäuste vor dem Gesicht, ein Auge etwas zugekniffen, das andere – blau – hellwach. Trifft das Foto das Thema seines Buches?

“In den neunziger Jahren begannen Jungen zum Problem zu werden,” schreibt Hans Hopf und berichtet, wie ihm als Leiter eines psychotherapeutischen Kinderheims immer häufiger Jungen mit der Diagnose ADHS – Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom – vorgestellt wurden. Heute ist das ein Krankheitsbild, das im DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) definiert wird. Ist da alles mit rechten Dingen zugegangen? ADHS – für dessen Zunahme gibt es auch gesellschaftliche Gründe? Die ungebremste Flut der Medien, vor allem der elektronischen, immer online sein, das solitäre Hocken vor dem Bildschirm spielt auch dabei eine Rolle. Surfen fördert eben keine Konzentration?

Hans Hopf schreibt, er wolle Jungen wieder ihre Seele zurückgeben, was meinen Sie damit? Wir haben ihn gefragt, was er damit meint?

Er wehrt sich gegen die unüberlegte Verschreibung von Methylphenidat. Sie möchten dass Eltern und Erzieher müssen wieder lernen, “die psychischen Ursachen von Aggression und Affektregulierung”. Inwieweit ist sein Buch dafür ein Ansatz? Es sind Konzentrations- und Lernstörungen bei Jungen zu beobachten, auch ein Zunahme ist bekannt. Was ist zu tun? Zwischen Jungen und Mädchen gibt es außer den biologischen Geschlechtsunterschieden weitere Unterschiede, die bei uns durch ein weiblich organisierten Erziehungssystems eingeebnet werden. Läuft da was schief?

Mutter und Sohn stehen im 1. Kapitel im Zentrum seiner Ihrer. Warum ist das Verhältnis zwischen den beiden für den Erwerb einer spezifisch männlichen Identität so wichtig? Welche Rolle spielt der Vater bei dem Erwerb dieser männlichen Identität? Sie schreiben: „Jungen haben mehr Probleme “Jungen und Männer sind sich ihrer Männlichkeit weitaus unsicherer als Mädchen und Frauen ihrer Weiblichkeit, und das bleibt so bis ins hohe Alter,” ist das wirklich so?

Im Kapitel 3: “Schaltstellen der Triebentwicklung” geht es um psychologische Feinmechanik. Hier geht es um den Kastrationskomplex und den Ödipuskomplex. Hier kommen Sie auf die Verweiblichung unseres Erziehungswesens zu sprechen: “Den Rückzug, ja, die Flucht der Männer können wir immer wieder und überall beobachten.“ Es kommt noch schlimmer “Die männliche Identität ist fragil und erschütterbar.” Das klingt sehr heftig, müssen die Männer wieder aufgewertet werden?

Eine der Kernthesen von Hans Hopf lautet: “Die Leistungen der Jungen scheinen immer schlechter zu werden und allerorts wird ihnen Sand ins soziale Getriebe getragen Es ist offensichtlich, unserer Gesellschaft produziert den störenden Jungen, aber sie erträgt ihn nicht.”

Herr Hopf, für wen haben Sie das Buch geschrieben?

> Hans Hopf – Website

Hans Hopf, Die Psychoanalyse des Jungen
1. Aufl. 2014, 404 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-608-94775-5

2 Kommentare zu “Nachgefragt: Hans Hopf, Die Psychologie des Jungen”

  1. 13. Mai 2014 14:30

    […] "…Affekte beherrschen zu lernen lernt ein Junge von seinem Vater" Interview mit #KJP Dr. Hans Hopf http://blog.klett-cotta.de/psychologie/nachgefragt-hans-hopf-psychologie-des-jungen/ […]

  2. 14. Dezember 2014 15:56

    Das sind interessante Gedanken. Die vorschnelle Zuschreibung einer ADHS Diagnose, gesichert mittels, von der Methode her unwissenschafftlichen, Fremdbeurteilungs-Fragebögen und Medikation mit Stimulantien muss überdacht werden.

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