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Lese(vor)bericht: Paula Bleckmann, Medienmündig

8. Februar 2012 von Heiner Wittmann

Gerade eben auf dem Frankreich-Blog den Beitrag > Kann man ohne das Internet studieren? verfasst, und jetzt kommt die Lektüre von Paula Bleckmanns neuem Buch > Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen dran.

„Aber liest man nicht überall, Kinder sollten früh mit Medien umgehen lernen, damit sie medienkompetent werden? Früh übt sich, wer ein Meister werden will? Ganz ohne Frage: Kinder – die Erwachsenen von morgen – sollten auf jeden Fall verstehen, mit Fernsehen, Computer, Handy & Co. gekonnt und selbstbestimmt umzugehen. Medienkompetenz ist in aller Munde, aber sie reicht heute nicht mehr aus.10 Denn technische Fertigkeiten schützen den Menschen nicht vor der Vereinnahmung als Maschinensklave.“ (S. 17)

Paula Bleckmann hat das Problem klar umrissen: „In Bezug auf die Ziele von Medienerziehung vollzieht sich in den letzten Jahrzehnten eine gefährliche Kehrtwende: Das Ziel war ursprünglich die Anpassung der Medien an die Bedürfnisse des Menschen. Lange Zeit war also der mündige Nutzer, der den Medien in seinem Leben und in der Gesellschaft nach eigener Entscheidung Raum und Bedeutung zumisst, Leitgedanke der Medienpädagogik. Nun hat sich unbemerkt dieses Ziel ins Gegenteil verkehrt: Die Vorstellung vom medienpädagogisch optimierten Training des Menschen als Bediener von Maschinen ist in den Vordergrund getreten, und damit die Anpassung des Menschen an die Medien. Was ursprünglich nur ein Medium, also ein »Mittel« war, wird damit zum Selbstzweck, zum Selbstläufer.“ (S. 17 f. Hervorhebung , H.W.)

Meine > Kritik an Facebook. Die neuen sozialen Medien drängen uns ihre Gewohnheiten auf. Sie wollen nicht nur, dass wir unser soziales Leben, also unseren Umgang mit unseren Mitmenschen nach ihren Vorschriften gestalten, sie geben dazu auch einen Rahmen vor, dessen Irrsinn darin besteht, ganz unbekannte Menschen, ohne sie jemals gesehen zu haben, als Freunde zu titulieren.

Die Autorin dieses Buches setzt auf die „volle Breite des Handlungsspektrums“ wie „Raum für kreative Eigentätigkeit und unmittelbare menschliche Begegnung“. Mit dem Internet kreativ umgehen, das gefällt mir. Bei einem Vortrag vor hundert Studenten, „streckte“ einer (!) bei der Frage „Haben Sie schon mal in Wikipedia einen Artikel korrigiert?“ Fast alle „streckten“ auf die Frage „Wer hat in Facebook mehr Freunde als im realen Leben?“

Das Buch von Bleckmann kommt gerade richtig. > Bald hier mehr.

Paula Bleckmann,
> Medienmündig. Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen
1. Aufl. 2012, 251 Seiten, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-608-94626-0

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