Verlagsblog

Cotta: Das gelobte Land der Dichter. Briefe an die Verleger

Mittwoch, 9. September 2009

Cotta 350 Jahre Verlagsgeschichte! Man stelle sich die Menge an Briefen vor, die das literarische Programm gerade eines Verlags wie Cotta dokumentieren, der die Bücher von Goethe, Schiller, Hegel, Hölderlin und Heine betreut hat. Stephan Askani und Frank Wegner haben gesichtet und ausgewählt. Jetzt ist ihr Buch mit den Briefen der Autoren an die Herausgeber erschienen: > Cotta – »Das gelobte Land der Dichter« Briefe an die Verleger Gestern habe ich die beiden Herausgeber dieses Buches besucht und sie haben Fragen zu ihrer Auswahl und überhaupt zum Verhältnis zwischen Autoren und Verlegern beantwortet.Es geht um 350 Jahre Verlagsgeschichte in Briefen. Alles begann 1659 mit der J.G. Cotta’schen Verlagsbuchhandlung in Tübingen, die deutsche Geistesgeschichte widerspiegelt. Zum 350-jährigen Jubiläum legen die beiden Herausgeber einen Band mit Briefen vor, die Dichter und Denker an ihren jeweiligen Verleger geschrieben haben. Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Jean Améry, Ernst Jünger, Golo Mann, Javier Marías u. a. sind dabei. Die Autoren wollen ihre Bücher in guten Händen wissen, es geht auch um Geld, nebenbei, manchmal auch eindringlich erwähnt. Es geht seitens der Autoren um Desiderate, sie klagen auch über die leidigen Druckfehler und hoffen auf eine gefällige Ausstattung ihrer Werke. Friedrich Schiller verrät > Johann-Friedrich Cotta am 24. März 1800 die Erwartungen Goethes: „Noch einen guten Rat. Ich fürchte, Goethe läßt seinen Faust, an dem schon so viel gemacht ist, ganz liegen, wenn er nicht von außen und durch anlockende Offerten veranlaßt wird, sich noch einmal an diese große Arbeit zu machen und sie zu vollenden. Der Faust wird, wie er mir sagte, wenn er vollendet ist zwei beträchtliche Bände über 1 Alphabete betragen. Er rechnet freilich auf einen größeren Profit…“. Friedrich Hebbel wendet sich am 22. Dezember 1856 an Georg von Cotta und möchte einen „Geschäfts-Antrag“ machen. „Aber Deutschland ist lange gewohnt, Gedichte bei Ihnen zu suchen.“ Hebbel räumt auch ein: „Ich bin nicht um eine Buchhandlung in Verlegenheit.“ Diese Autoren kannten sehr wohl den Wert ihrer Werke und entwickelten mit ihren Verlegern oft ein besonders Vertrauensverhältnis. Und Hegel meldet am 22. Januar 1832 das was Verleger gar nicht so gerne mögen: Die Umarbeitung des Manuskripts: „Meine Ausstreichungen und Zusätze – ich habe das meiste umgearbeitet – werden sich ungefähr balancieren. Es werden sich wenige Bogen über die erste Ausgabe ergeben.“ Stimmt, ich war etwas skeptisch, weil die Auswahl der Briefe nicht der Chronologie folgt, aber die Herausgeber haben sie klug geordnet, und es ist ein Vergnügen auf 158 Seiten eine an Jahren doppelt so lange Verlagszeit beim Lesen an sich vorüberziehen zu lassen: Goethe am 16. Juni 1831 an Johann Friedrich Cotta: „Doch sei es nicht mutlos geschlossen! vielmehr mit der Versicherung: daß ich jeden guten Augenblick zu nutzen trachte, um derjenigen, die an mir teilnehmen, bis ans Ende wert zu sein.“

Das Gespräch mit Stephan Askani und Frank Wegner:

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ca. 18 Min.

Vor diesem Gespräch habe ich eine Aufnahme vom Cotta’schen Haus in Tübingen gemacht. – Was hätten die Autoren dieser Briefe heute zum Mitmachinternet gesagt, wo jeder überall veröffentlichen kann und ihre potentiellen Leser immer mehr der willkürlichen Auswahl von Suchmaschinen vertrauen. Auch ohne die Antworten der Verleger, die sich auch in diesem band im Hintergrund halten, bemerkt man in diesen Briefen doch sehr deutlich ihre Bereitschaft, ihr verlegerisches Gespür und ihren wirtschaftlichen Wagemut für Neues Leser zu finden und damit auch ganz schlicht die Überlegenheit eines Verlages über > Open Access, das die > Nutzungsrechte am liebsten Verleger und Autoren entwinden und ins Internet verlagern wollen..

> Cotta – »Das gelobte Land der Dichter«
Briefe an die Verleger
Mit einem Vorwort von > Brigitte Kronauer
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen
168 Seiten
ISBN: 978-3-608-93904-0

Zeittafel

1659 am 22. November
Heirat Johann Georg Cottas mit der Witwe des akademischen Buchführers Philibert
Brunn.

Der Verlag bzw. die Buchhandlung wird geführt

von bis durch
1659-1692 Johann Georg Cotta I
1692-1712 Johann Georg Cotta II.
1712-1770 Johann Georg Cotta III.
1770-1775 Johann Jacob Cotta
1775-1787 Christoph Friedrich Cotta
1787-1832 > Johann Friedrich Cotta der „große“ Cotta
Seit 1817 von Cotta zu Cottendorf, seit 1822 Freiherr
1833-1863 Johann Georg IV. Freiherr Cotta von Cottendorf
(Georg von Cotta)
1863-1888 Carl Freiherr Cotta von Cottendorf
1889-1911 Adolf Kröner (führt den Verlag nach dem Kauf unter
dem Namen J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger weiter.)
1911-1955 Robert Kröner und seine Erben
1952/1954 Erwerb des Cotta’schen Verlagsarchivs durch die Stuttgarter
Zeitung und seine Überführung als Leihgabe an das Schiller-Nationalmuseum,
Marbach
1956-1977 J.G. Cotta’sche Nachfolger GmbH, nach dem Verkauf an eine Gruppe Stuttgarter Verleger und Buchhändler. Der Verlag geht noch 1956 in das alleinige Eigentum von Wilhelm Schlösser über.
1977 Die Firma Ernst Klett – Verlag und Druckerei – erwirbt von Wilhelm Schlösser alle Anteile an der J.G. Cotta’schen Nachfolger GmbH. Der wissenschaftlich-belletristische Verlag von Ernst Klett wird umbenannt in Verlagsgemeinschaft Ernst Klett – J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, abgekürzt Klett-Cotta.

Quelle: (für die Daten bis 1959) Liselotte Lohre.

20. Mai: 350 Jahre Cotta – Die Ausstellung in Tübingen

Mittwoch, 20. Mai 2009

Am Mittwoch, 20. Mai 2009 wird im Tübinger Stadtmuseum eine Ausstellung zum Jubiläum des in Tügingen gegründeten Cotta-Verlags eröffnet.

Buchvorstellung: Peter Kaeding stellt auf dem Tübinger Bücherfest > seine Biographie über Johann Friedrich Cotta vor: 24.05. 2009, 13:00 Uhr, Stadtmuseum im Kornhaus, Kornhausstr. 10, 72070 Tübingen

Kaeding: Johann Friedrich CottaPeter Kaeding: > Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik
Die erste große Cotta-Biographie
1. Aufl. 2009,
496 Seiten,
ISBN: 978-3-7681-9712-0

> Bericht im SWR3-Fernsehen in der Landesschau am 25.5.09

Johann Friedrich Cotta und die Rechte der Autoren

Sonntag, 3. Mai 2009

Während ich immer noch Peter Kaedings Buch über Cotta > Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik lese, geht es parallel zu dieser Lektüre um die Frage > Digital und kostenlos? Open Access. Eigentlich ging es zunächst nur um den > Heidelberger Appel, dann hat sich hier die > Diskussion Kaeding: Johann Friedrich Cottaimmer mehr um Open Access gedreht, wobei es ja in einem gewissen Sinn auch um die Publikationsfreiheit geht, die Roland Reuß im Sinn hat. Zur gleichen Zeit lese ich, wie Cotta sich beim Wiener Kongress im Namen der 81 auf der Leipziger Buchmesse vertretenen Buchhandlungen für die Rechte der Verleger und Schriftsteller einsetzt. In Wien kommt es aber nicht zu konkreten Beschlüssen. Immerhin: „Artikel 18 der Bundesakte“ legt fest: „Die Bundesversammlung wird sich, bei ihrer ersten Zusammenkunft, mit Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Preßfreiheit und Sicherstellung der Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck beschäftigen.“ (zi. bei P. Käding, S. 310) Vielleicht dürfen wir nicht alle Geschäftsfelder miteinander vermengen, ich habe bisher eher nur die Rechte der Autoren in einem eher allgemeinen Sinn – und nicht nur im wissenschaftlichen Bereich – im Blick, und das passt vielleicht gar nicht direkt zum Anliegen von Open Access. Die Kommentare zu den letzten Beiträgen auf diesem Blog vermitteln einige Einsichten, wobei auch die individuelle Entscheidung der Autoren und die prinzipielle Wahrung ihres Urheberrechts – das aber durch die beliebige Verwendung ihrer Texte nicht so ganz gewahrt scheint, unterstrichen wird.

Peter Kaeding: Johann Friedrich Cotta

Dienstag, 24. März 2009

Kaeding: Johann Friedrich CottaKaum ist die Leipziger Buchmesse vorbei, wächst mein Bücherstapel noch immer. Eben erst habe ich einen neuen Band ausgepackt und gleich angefangen Peter Kaedings > Die Hand über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik zu lesen.

Klett-Cotta hat zum 350-jährigen Cotta-Verlagsjubiläum eine wunderbare Biographie des wohl bedeutendsten deutschen Verlegers veröffentlicht. Es geht um das Leben Cottas, um Ökonomie, um Literatur und um Geschichte und vor allem um den Wiederaufbau un dei Blüte eines Verlages in einer aufregenden Zeit, einer echten Zeitenwende. 1787 übernimmt der 23 Jahre alte Johann Friedrich Cotta (1764 -1832) die Cotta’sche Verlagsbuchhandlung in Tübingen und führt sie an die Spitze der Buchhandlungen in Deutschland. Sein erster Messebesuch zu Fuß zur Leipzig, und er ist überzeugt davon, dass er sich seine Autoren suchen muss, um sein Verlagsprogramm zusammenzustellen. Glück sicherlich, aber auch Sachverstand ist der Pate seines Erfolgs, und er ist vor Ort, so 1790, um in Paris mit eigenen Augen zu sehen, was sich dort zuträgt. Ein Aufklärer, der sich am Sturm auf die Bastille berauscht, der aber vor allem die Verkündung der Menschen- und Bürgerrechte begrüßt und sie ernst nimmt. Und er kümmert sich auch um die Rechte und die Interessen seiner Zunft, so im gleichen Jahr, als Herzog Karl Eugen um gesetzlichen Schutz und Beistand vor Raubdrucken bittet. Schließlich lernt Cotta Friedrich Schiller im März 1794 kennen. Ein neues Kapitel deutscher Verlagsgeschichte hat begonnen.

Mit diesem Buch bekommt der > Vorkoster allerbeste Kost. Ein wunderschönes Buch, mit richtigem Leineneinband, und perfekt gebunden. Zuerst dieses! Und dann erst guck ich wieder nach meinem Stapel.

Peter Kaeding, > Johann Friedrich Cotta. Die Hand über der ganzen Welt
Johann Friedrich Cotta – Der Verleger der deutschen Klassik

Auflage: 1.Aufl. 2009
Ausstattung: Leinen mit eingelassenem Titelschild, Fadenheftung, Lesebändchen,
496 Seiten, ISBN: 978-3-7681-9712-0

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