Verlagsblog

Nachgefragt:
Die unendliche Freiheit und das Ende der Liebe

Samstag, 17. Oktober 2009

Das Ende der LiebeAm ersten Tag der Buchmesse gab es zwischen vielen Terminen beim Fernsehen und Rundfunk ein Treffen mit Sven Hillenkamp auf dem Stand von Klett-Cotta. Über sein Buch > Das Ende der Liebe Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit habe ich hier auf dem Blog schon berichtet. Jetzt ging es darum, einmal nachzufragen.

Der Leser gewinnt den Eindruck, dass der Autor hier möglicherweise auch autobiographische Erlebnisse für dieses Buch verwendet hat. Ganz konkret wollte er sich dazu nicht äußern, insistiert habe ich nicht, denn darum geht es in diesem Buch auch gar nicht. Vielmehr geht es um die Einsicht in die Unmöglichkeit einer grenzenlosen Liebe und um die Angst, die aus allen Versuchungen der Freiheit resultieren. Das Ende der Liebe Da dieses Blog kein Lobforum ist, auch keine Werbetexte enthält, aber auch genausowenig > Rezensionen anbietet, sondern eine Textsorte erfindet, die ich habe das Buch gelesen heißt, weil mir eine bessere Bezeichnung noch nicht eingefallen ist, habe ich doch mal nach seiner Definition der Freiheit gefragt, weil mir die Konzentration nur auf ihre Folgen nicht ganz geheuer ist. Sven Hillenkamps Buch enthält einen Feststellung, die möglicherweise von vielen geteilt wird: „Die Geschwindigkeit der Menschen in der Freiheit ist die Geschwindigkeit des freien Falls.“ (S. 35)Das Ende der Liebe Kann man mit einer solchen Erkenntnis wirklich zur der Schlussfolgerung gelangen, dass die Menschen unfrei sind? (vgl. S. 253) Damit kann ich mich nicht so recht zufriedengeben, weil ich über die Art und Weise, wie der Autor die Freiheit des Menschen interpretiert, nicht so recht teile und gerne länger mit ihm darüber gesprochen hätte. Aber die Art und Weise, wie Liebe und Freiheit in unserer Gesellschaft nicht zusammenpassen, da ist doch was dran. Leider habe ich keine Zeit mehr gehabt, meine letzte Frage loszuwerden, bei der es um die Lösung der Fragen geht, die er mit seinem Buch aufwirft. Das ist gar nicht schlimm, in unserem Gespräch ging es ja auch erstmal nur um den theoretischen Ansatz seines Buches.

Das Gespräch mit Sven Hillenkamp:

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ca. 10 min

> Leseprobe

Sven Hillenkamp im > Literatur-Film

Sven Hillenkamp
Das Ende der Liebe
Gefühle im Zeitalter unendlicher Freiheit
1. Aufl. 2009
311 Seiten
ISBN: 978-3-608-94608-6

Nachgefragt: Ulrike Ackermann, Eros der Freiheit

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Ulrike AckermannHeute auf dem Stand der Buchmesse hat > Ulrike Ackermann auf meine Fragen zu Ihrem Buch > Eros der Freiheit geantwortet. (Foto folgt, wenn mein Kabel wieder funktioniert.) Ich habe sie nach der Grundidee ihres Buches, nach ihren Hauptkritikpunkten hinsichtlich der Ausnutzung oder Nicht-Ausnutzung der Freiheit in unserem Land gefragt :

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11 Minuten

Und zum Herunterladen als Podcast: > Gespräch mit Ulrike Ackermann MP3

Ulrike AckermanntSie hat ihren Wunsch erwähnt, dass das Buch auch als Ideengeschichte in Schulen gelesen werden sollte. Wir haben über verschiedene Aspekte des Islamismus und der Intergrationsbemühungen gesprochen.

> Ulrike Ackermann
> Eros der Freiheit. Für eine radikale Aufklärung
1. Aufl. 2008, 168 Seiten
ISBN: 978-3-608-94305-4

Eros der Freiheit
Plädoyer für eine radikale Aufklärung

Montag, 6. Oktober 2008

Ulrike AckermanntUlrike Ackermann hat ein Plädoyer für eine radikale Aufklärung verfaßt, das jetzt unter der Überschrift > Eros der Freiheit bei Klett-Cotta erschienen ist.

Sie hat eine interessante Darstellung der Freiheit mit ihren Fallstricken und Chancen vorgelegt. Das Buch richtet sich an ein breites Publikum aber auch an Studenten und Schüler, die hier viele Anregungen z.B. für Referate finden werden. Das Buch könnte auch ein Seminar begleiten, in dem die einzelnen Kapitel als Themen abgehandelt werden – und ist wahrscheinlich auch so entstanden?

„Taugt unsere Zivilisationsgeschichte [noch als, w.] Erfolgsmodell?“ fragt sie und verweist im > Prolog auf die Freiheitsmüdigkeit der Bürger. Ihr Essay behandelt die Potentiale der Freiheit aber auch ihr Dilemma, das sich in der Sehnsucht nach und in der Angst vor Freiheit ausdrückt. Es geht um den Eros, den die Vernunft nicht in den Griff kriegt, und der die Freiheit nutzt, um Gutes und Böses anzurichten. (vgl. S. 10) Dieses Doppelgesicht der Freiheit ist das eigentliche Thema ihres Buches. Aus ihm leitet sie die Kritik am Zustand unseres Gemeinwesens ab, aus ihm liest sie unsere nicht immer verfolgten Chancen. „Gottvater Staat“ wird es wohl richten, meinen heute immer noch zu viele, und die Politiker nutzen dieses Gott- oder Staatsvertrauen gerne aus und begnügen sich mit halbherzigen Reformen. Nicht aus der Demokratie, sondern aus dem Sozialstaat beziehen die Deutschen ihre Identität, (vgl. S. 17) lautet eine These der Autorin, mit der sie auch auf die Entmündigung des Bürgers verweist. (vgl. S. 27, bes. S. 31-36): „Indem die Bürger die zunehmende Verrechtlichung privater Freiräume akzeptieren, billigen sie dem Staat die Rolle des Tugendwächters und intervenierenden Pädagogen anstandslos zu,“ so lautet ihr Urteil.

Unter den Überschriften „Renaissance des Religiösen“ und „Herausforderung Islam“ stellt sie kritische Fragen hinsichtlich der geduldeten Abschottung der muslimischen Minderheit, die hierzulande mit jedem Bau einer Moschee zunimmt. In diesem Zusammenhang erinnert sie auch an Ayaan Hirsi Ali und ihre Warnungen vor „der schleichenden Scharia in Europa“ (S. 51): Ackermanns Erklärungen sprechen eine deutliche Sprache: „Ein tiefsitzendes Schuldgefühl angesichts der europäischen Kolonialgeschichte speist den Multikulturalismus und schürt die westlichen Selbstzweifel, die sich bis zum Selbsthaß steigern und die eigenen Werte und Traditionen radikal in Frage stellen.“ (S. 57)

Besonders interessant finde ich ihre Kapitel „Die Wiege der individuellen Freiheit“ und die folgenden, in denen sie die historische Entwicklung der Freiheit ausgehend von Aristoteles über die Renaissance und die Aufklärung bis heute skizziert. Das ist eine gedrängte und zugleich präzise Geschichte der politischen Ideen, die auch wegen der vielen Parallelen zu heutigen Intellektuellen sehr lesenwert ist. Jeder freut sich, wenn seine Denker auch genannt werden, wenn diese fehlen, sollte man sich für die Werke aller anderen aber auch interessieren, die Ackermann nicht ohne Grund als ihre Gewährsleute nennt. Bei ihrem Ansatz, die Entwicklung der Freiheit in einer historischen Perspektive zu zeigen, muß > Jean-Paul Sartre nicht unbedingt genannt werden, wenn es aber um die Chancen und die Angst geht, die die Freiheit mit sich bringt, dürfte sein Werk allerdings nicht fehlen.

Im „Kapitel „Praktische Umsetzung und Ernüchterung“ erzählt Ackermann, wie die Revolutionäre in Frankreich mit der Freiheit umgingen und wie ihre Tugendwächter den Bogen überspannten. Mit ihrem sehr klaren Überblick über die politischen Gruppierungen dieser Epoche zeigt sie, wie wir „das Dilemma zwischen politischer und individueller Aufklärung“ (S. 100) von der Aufklärung geerbt haben, d. h. mit der Aufklärung ist die „abgründige Seite der Vernunft abhanden gekommen“ (S. 102). Nur wenn der Blick auf das Individuum seine „rationale und irrationale“ (S. 153) Seite umfaßt, kann der Kampf um die Freiheit erst wirklich verständlich werden. Erst dann sieht man, daß die Freiheit in unserer Zeit immer in Gefahr ist, wegen der Angst vor ihr nicht gesehen und nicht wahrgenommen zu werden. In Ackermanns schönen Worten: „Eros… wird überrumpelt von Bänglichkeit.“ (S. 156) Es ist wahrlich ein Plädoyer, was die Autorin verfaßt hat. Und sie nutzt in vollem Ausmaß das historische Wissen, die Geschichte, um unseren Standort und unsere nicht ausgeschöpften Möglichkeiten zu demonstrieren.

Am nächsten Dienstag, 14.10. 2008 um 20.00 Uhr, wird Ulrike Ackermann im Literaturhaus in Darmstadt ihr Buch vorstellen.

Darmstadt: Buchmessenabend: Lesung und Gespräch
Massimo Carlotto liest im Rahmen des Buchmessenabends aus Die dunkle Unermesslichkeit des Todes,
Ulrike Ackermann stellt ihr neues Buch > Eros der Freiheit – Plädoyer für eine radikale Aufklärung vor.

Im Anschluss findet ein Gespräch mit Tom Kraushaar über den Verlag Klett-Cotta und sein Imprint Tropen statt.

Literaturhaus Darmstadt, Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt

> Ackermann, Ulrike
> Eros der Freiheit. Für eine radikale Aufklärung
1. Aufl. 2008, 168 Seiten
ISBN: 978-3-608-94305-4

Ulrike AckermanntEbenfalls von Ulrike Ackermann ist bei Klett-Cotta erschienen:

> Sündenfall der Intellektuellen. Der deutsch-französische Streit nach 1945
Mit einem Vorwort von Francois Bondy, 1. Aufl. 2000, geb. mit Schutzumschlag, zahlr. Abb., 267 Seiten, ISBN: 978-3-608-94278-1
Preis EUR [D] 20.00* / SFr 38.70*

Ulrike Ackermann – Eros der Freiheit

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Ulrike AckermanntMit jedem neuen Paket wird der Bücherstapel immer höher. Eben kam > Eros der Freiheit von Ulrike Ackermann an. Der Klappentext erwähnt die Zäsur von 1989, die die Grenzen des „real existierenden Sozialismus“ und die des „prosperierenden Wohlfahrtsstaats in Europa“ aufzeigte. Statt zu diesem Zeitpunkt die Chance zu ergreifen, den Sozialstaats zu modernisieren und als „Aufbruch in die Freiheit“ zu nutzen, „überwiegt bis heute die Angst vor Veränderung, Innovation und Flexibilisierung.“ Und – so der Klappentext – Ulrike Ackermann stellt die Frage, „Trifft es zu, daß in Deutschland die Liebe zur Freiheit und der Bürgersinn nie sehr ausgeprägt waren?“ Hat man bisher Freiheit nur über den Sozial- und Wohlfahrtsstaat definiert?

Weil Sie hier auf einem Blog sind, darf ich an meinen > Vortrag auf dem Stuttgarter Barcamp vom letzten Wochenende erinnern, bei dem es um die französische Blogosphäre und insbesondere um die rund 2000 Blogs ging, auf denen während der Präsidentschaftswahl 2007 disktutiert wurde und auch heute noch diskutiert wird: > www.blogpole.fr. Diese Seite gibt es auch für die USA, > www.presidentialwatch08.com, auf der rund 380 analysiert werden. In Deutschland gibt es auch > einige wenige Blogs von Politikern aber bei weitem nicht in dem gleichen Umfang. Ob diese Beobachtung ein Hinweis darauf ist, daß bei uns „Fantasie und Kreativität“, die Ulrike Ackermann als Voraussetzung für die Freiheit ansieht z. B. im politischen Bereich Nachholbedarf haben? Blogs, auf denen ein Politiker seein Arbeit dokumentiert und so für Kommentare seiner Leser öffnet, sind bei uns noch echte Seltenheit. Rund 50 > Abgeordnete der Nationalversammlung in Paris bloggen, bei uns sind es nur einige sehr wenige.- Genug. Ich bin gespannt. Jetzt lese ich das Buch.

Das Motto des Prologs lautet „Denn was ist Freiheit? Die Möglichkeit zu leben, wie du willst.“ Meint sie tatsächlich eine so absolute Freiheit? Diese Aussage stammt von Cicero: > Paradoxa Stoicorum 5, 1, 34. (46. Chr.), ein Werk, in dem Cicero einige ethische Grundsätze der Stoiker untersucht. Paradox nennt Cicero diese Überlegungen, weil sie eben nicht als Allgemeingut akzeptiert sind. Das fünfte Paradoxon trägt die Überschrift „Der Weise allein ist frei, und jeder Thor ist ein Sklave.“ In dem von Ulrike Ackermann zitierten Abschnitt heißt es weiter: „34. Denn was ist Freiheit? Die Macht so zu leben, wie man will. Wer lebt nun so, wie er will, außer demjenigen, welcher zu jeder Zeit dem Sittlichrechten folgt? welcher seine Pflichten freudig erfüllt, welcher sich einen wohl überlegten und bedachten Lebenswandel gesetzt hat, welcher den Gesetzen zwar nicht aus Furcht gehorcht, aber sie befolgt und ehrt, weil er dieß für das Heilsamste erkennt, welcher Nichts sagt, Nichts thut, Nichts endlich denkt als gern und frei, dessen sämmtliche Entschließungen und sämmtliche Handlungen aus ihm selbst hervorgehen und auf ihn selbst wieder zurückgehen, und bei welchem Nichts mehr gilt, als sein eigener Wille und sein eigenes Urtheil, welchem sogar die Schicksalsgöttin, der man doch die größte Gewalt zuertheilt, weichen muß?…“

Also meint das Motto möglicherweise nicht eine absolute Freiheit, so wie Stirner sie 1842 „Ich bab mein Sach auf Nichts gestellt,“ in der „Einzige und sein Eigentum andeutete? – „Warum ist die Freiheit in unserem Land so unbeliebt und liberales Denken so schwach verankert,“ mit dieser Generalkritik beginnt der Prolog. dann setzt sie Freiheitsmündigkeit mit Paternalismus gleich. Der Bürger als Tugendwächter möchte von der Wiege zur Bahre versorgt werden. Und sie fragt ob unsere Zivilisationsgeschichte noch ein Erfolgmodell ist. – > Bald mehr.

Vgl. David Hesse, > Unschärfen der Freiheit, NZZ Folio 12/06 – Thema: Freiheit

> Ackermann, Ulrike
> Eros der Freiheit. Für eine radikale Aufklärung
1. Aufl. 2008, 168 Seiten
ISBN: 978-3-608-94305-4

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